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Inhaltsverzeichnis
Chronist des bäuerlichen Lebens: Werner Berg in Penzberg

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Heinz Braun – Ein Meister der Brüche und Zwischentöne

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Lässige Monumentalgemälde: Alex Katz im Museum Brandhorst

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Innehalten im Sommertrubel: Christina von Bitter im Kloster Beuerberg

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Museum Fürstenfeldbruck: Identitäten: Wald - Bilder

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Ein Vermeer in München: Die Briefleserin in Blau

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Montag 25.03.2019
Chronist des bäuerlichen Lebens: Werner Berg in Penzberg
Bilder
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Die radikale Vereinfachung der Formen erinnert an die „Brücke“-Maler, die Bezüge zur Volkskunst verweisen auf den „Blauen Reiter“, es finden sich ländliche Motive wie bei Heinrich Campendonk und vor allem glühende Farben wie bei Emil Nolde – und so grenzt es an ein Wunder, dass man Werner Berg im „Blauen Land“ bislang kaum wahrgenommen hat. Das wird sich mit der Ausstellung „Stadt – Land – Werner Berg“ ändern: Mit einer umfangreichen Werkschau im Museum Penzberg ist der in Österreich bekannte und geschätzte Maler jetzt endlich auch im „Bermuda-Dreieck des Expressionismus“, wie es Museumsleiterin Freia Oliv formulierte, angekommen.

Die Bilder von Werner Berg sind von einer Unmittelbarkeit, die anrührend und erschreckend zugleich ist. In dem Selbstportrait „Junge Familie“ von 1932 zeigt er sich selbst, seine Frau Mauki, die ihre Brüste entblößt und ein Neugeborenes stillt, außerdem die älteste Tochter, die ebenso fragend zum Vater aufblickt wie der Maler sich dem Betrachter zuwendet. Alle vier sind ein feuerrotes Licht getaucht. Die archaische Wucht dieser Darstellung gibt den Ton für die folgenden Räume vor: Schonungslos ist der Blick auf die zerfurchten Gesichter der Bauern, auf die trauernde Mutter am Totenbett ihres Kindes, den schlafenden Hirten unter den dunklen Bäumen, die zwielichtigen Gestalten am Rande eines Jahrmarkts. Ein wiederkehrendes Motiv sind drei dunkel gekleideten Frauen inmitten einer gewaltig weiten Landschaft. Wie Lichter flackern die Dreiecke ihrer farbigen Kopftücher über den schmalen Silhouetten ihrer Mäntel. In einem Bild aus späteren Jahren, als das moderne Leben auch in der abgelegenen Grenzgegend Einzug gehalten hat, tragen die Frauen pelzbesetzte Mäntel und Handtaschen, jetzt schützen sie sich mit Schirmen vor dem grauen Wetter, nicht mehr mit den bäuerlichen Kopftüchern. Flächige, auf das Wesentliche reduzierte Darstellungen, starke Hell-Dunkel-Kontraste und ein Übersteigern des Ausdrucks durch extreme Vereinfachung sind die Stilmittel, die Werner Berg in seiner Malerei ebenso einsetzt wie im Holzschnitt, der einen bedeutenden Teil seines Schaffens ausmacht.

In seinem Lebensentwurf war der 1904 nahe Wuppertal geborene und in großbürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen Werner Berg konsequenter als die etwa älteren Expressionisten der ersten Generation, denen er nacheiferte. Erst nach einer kaufmännischen Lehre und einem Studium der Handels- und Staatswissenschaften verwirklichte er seinen ursprünglichen Berufswunsch und wurde Künstler. Nach Studienjahren an den Akademien in Wien und München erwarb er 1930 einen entlegenen Bauernhof bei Bleiberg/Pliberk nahe der slowenischen Grenze in Südkärnten, wo er sich mit seiner Frau und einer immer zahlreicheren Kinderschar niederließ. Die Einheit von Kunst und Leben, wie sie die Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts angestrebt hatten, verwirklichte er mit schwerer Bauernarbeit und einem Alltag, der von den Jahreszeiten und den kirchlichen Feiertagen bestimmt wurde. „Ich wollte ein Leben gründen, das unabhängig von den Spielregeln der bürgerlichen Gesellschaft in sich Sinn habe und mit Anschauung gesättigt sei“, schrieb er selbst rückblickend. Bis zu seinem Tod im Jahr 1981 blieb er seiner österreichischen Wahlheimat und diesem selbst gewählten „Leben nahe den Ursprüngen“ treu. Werner Berg hinterließ ein breit gefächertes Werk aus Ölgemälden, Aquarellen, Holzschnitten und Zeichnungen, das ihn nicht zuletzt zum bedeutenden Chronisten dieser Region macht.

Die Ausstellung wurde zusammen mit dem Werner Berg Museum in Bleiberg/Pliberk realisiert, das den künstlerischen Nachlass verwaltet. Als Kuratorinnen zeichnen Anne Funck und Friedericke Breier zusammen mit der Museumsleiterin Freia Oliv verantwortlich für das Konzept, das die Exponate sowohl chronologisch als auch thematisch zusammenfasst und gleichzeitig einen Gang durch die Jahreszeiten ermöglichen will. Spannend ist besonders die Gegenüberstellung einzelner Arbeiten mit den Bildern von Heinrich Campendonk in der Dauerausstellung und noch mehr die Präsentation einiger Exponate in der historischen Bergarbeiterwohnung im ersten Stock des Museums: Fast naive Heiligendarstellungen, einfache Stilleben und Kinderportraits wirken hier so selbstverständlich, als wären sie schon immer Bestandteil des schlichten Interieurs gewesen.

Katja Sebald

Die Ausstellung „Stadt – Land – Werner Berg“ ist bis zum 23. Juni 2019 im Museum Penzberg zu sehen. (Das Begleitprogramm ist noch in Planung.)

Abbildungen

Werner Berg "Liebe", 1932
Bildrecht Wien

Werner Berg "Junge_Familie", 1932
Bildrecht Wien
Autor: Siehe Artikel
Bilder
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Sonntag 03.03.2019
Heinz Braun – Ein Meister der Brüche und Zwischentöne
Heinz Braun – Ein Meister der Brüche und Zwischentöne

Er war Kugelstoßer und er war Ringer, auch Boxer und Briefausträger, Wirtshausstammgast und Schauspieler unter der Regie von Herbert Achternbusch. Vor allem aber war Heinz Braun ein begnadeter wie auch leidenschaftlicher Maler. Autodidakt! Unangepasst, eigenwillig. Und obwohl der 1938 in München geborene „ewige Geheimtipp“ derart vielseitig war, kann man die einzelnen Tätigkeiten, die er in seinem bewegten Leben mal mit mehr, mal mit weniger Hingabe ausfüllte, nicht voneinander trennen. Sie gehören zu seinem Leben und formten in der Summe letztendlich seine ganz besondere Persönlichkeit – mit all den Ecken und Kanten, der Poesie und der eigenen Tragik. Noch bis zum 28. April ist im Museum Fürstenfeldbruck und in der Fürstenfeldbrucker Sparkasse die bemerkenswerte Ausstellung „EIN EIGENER SEIN - Leben und Werk des Heinz Braun“ zu sehen.
Heinz Braun war einer, der sich nicht mit dem Strom treiben ließ. Er schwamm gegen die Strömung, erst behutsam, sein Umfeld schonend, dann wild entschlossen, eine klobige Spur hinterlassend. So liebevoll und zärtlich er sein konnte, so streitbar, impulsiv und provozierend war er zugleich.
„Wenn ich genau male, ist das Beamtenkunst“, sagte er einmal. Dabei hat er anfangs noch sehr detailgetreu gearbeitet. Fast fotorealistisch. Das ist die Zeit gewesen, in der er frisch verheiratet war, als Postangestellter arbeitete und eine Art bürgerliches Leben führte. Nebenher ging er in die großen Museen und studierte intensiv die Alten Meister – ohne sich jedoch deren Botschaften und deren Herangehensweisen zu eigen zu machen. Er war eben kein Nachahmer, kein Angepasster, erst recht kein stiller Dulder. Er wollte sich mit dem Mittelmaß nicht abfinden, suchte die Auseinandersetzung, suchte als Lebenskünstler und kreativer Unruhegeist die Befreiung vom Gegenstand. So war es nur folgerichtig, dass er als Beamter mehrere Disziplinarverfahren auslöste und immer wieder (Straf-) versetzt wurde: Von Pasing nach Neuaubing, nach Laim, nach Obermenzing, bis er in Germering „landete“. Er lernte durch Zufall Herbert Achternbusch kennen, spielte in etlichen seiner Filme die Hauptrolle, malte, über Jahre in seinem Atelier, im heute so abgewirtschafteten Schusterhäusl bei Germering, nebenher immer expressiver. Er nutzte für seine Bilder Erde und Kuhdung, arbeitete mit Schuhcreme und vermied jede gefühlsbetonte Idealisierung. Seine späteren Landschaftsbilder beeindrucken nicht durch Anmut und perspektivische Ästhetik sondern durch Brüche und Zwischentöne, seine Porträts kommen Brüskierungen und Demaskierungen nahe. Vor allem, nachdem er 1982 mit der Diagnose Kehlkopfkrebs konfrontiert wird. Ab da malt er wie im Rausch. Seine Kunst schlug Schneisen in den sogenannten „guten Geschmack“. Er, „ .. der wundervolle Riese ...“, wie ihn Cleo Maria Kretschmer einmal nannte, wird zu einer Art malendem Provokateur. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine gnadenlose Intensität aus, die vor nichts und niemanden zurückschreckt. Sein Credo: „Lieber Idiot als Beamter“.
1988, zwei Jahre nach Brauns Tod, war anlässlich einer Ausstellung im Münchner Stadtmuseum in der „Zeit“ zu lesen: „Ein netter Mensch kann Heinz Braun nicht gewesen sein. Je näher er dem Tode ging, desto ungebärdiger wurde er, ein Tollwütiger, der seine Bilder als Schlachtschüssel anrichtete. Und dann, neben all dem Wahnsinnigen, dem katholisch Verlorenem, der bayrischen Hölle ein winziger Mann, der entspannt unter einer blühenden Kastanie sitzt, ein impressionistischer Farbenrausch, inszeniert ... aus Mist und Erde. Gehet alle hin und seht selbst.“
Ähnliches ist auch heute wieder zu empfehlen. Die Ausstellung in Fürstenfeldbruck, wunderbar kuratiert von Angelika Mundorff, Verena Beaucamp und Dr. Christiane Greska, ist Abenteuer und Entdeckung zugleich. So konsequent wie beeindruckend.
Jörg Konrad


Ausstellung „Ein Eigener sein" – Leben und Werk des Heinz Braun (1938-1986)
noch bis zum 28. April 2019 im Museum Fürstenfeldbruck
Fürstenfeld 6
82256 Fürstenfeldbruck

Abbildungen:

Heinz Braun
ohne Titel, 1982
Mischtechnik mit Buntstift/Papier
(Foto Studio Clemens Mayer)
Private Leihgabe

Heinz Braun
Drücken, 1984
Mischtechnik mit Buntstift/Papier
(Foto Julia Knorr)
Private Leihgabe
Autor: Siehe Artikel
Freitag 07.12.2018
Lässige Monumentalgemälde: Alex Katz im Museum Brandhorst
Bilder
Bilder
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Erstaunlich ist als erstes dieser kleine kahlgeschorene und sehr vitale Mann, immerhin 91 Jahre alt. Auf die Frage, warum er den weiten und beschwerlichen Weg von New York nach München auf sich genommen hat, antwortet Alex Katz bei der Pressekonferenz im Museum Brandhorst: „I was curious to see what the paintings look like.“ Er wollte also seine eigenen Bilder sehen. Mit den meisten der Bilder, die jetzt in der Münchner Ausstellung zu sehen sind, ist es ein Wiedersehen nach vielen Jahren.

Und das ist eigentlich noch viel erstaunlicher: Wie viele der insgesamt rund neunzig in dieser Retrospektive gezeigten Arbeiten ohnehin schon in München waren. Allein 16 gehören zur Sammlung von Udo und Anette Brandhorst, einige kommen aus der Graphischen Sammlung und ein nicht unerheblicher Teil aus weiteren Münchner Privatsammlungen. Lange Zeit galt Alex Katz, dessen Werk mittlerweile sieben Jahrzehnte umspannt, als „artists’ artist“, als Künstler, der vor allem von seinen Kollegen geschätzt wurde. Nicht umsonst gilt er als einer der wichtigsten Vorläufer der Pop Art. Das Ehepaar Brandhorst gehörte zu den frühen Sammlern seines Werks.

Mehr als erstaunlich ist dann auch noch Ada Katz. Am Eröffnungstag weicht sie nicht von der Seite ihres Mannes, mit dem sie seit 1958 verheiratet ist. Sie ist seine Lebensbegleiterin und seine Muse, vor allem aber war und ist sie sein Modell. Und wer sie in echt sieht, der kann vielleicht verstehen, warum der Künstler sie immer und immer wieder gemalt hat. Ja, eigentlich erzählt diese Retrospektive auch die Geschichte von Ada: Wie sie sich im Laufe ihres Lebens von der jungen schwarzhaarigen Frau im schwarzen Cocktailkleid zur coolen grauhaarigen Lady im grauen Mantel verändert hat – und wie sie sich dabei ihre zeitlose Schönheit und Eleganz bewahrt hat. Allein 14 mal ist sie in dieser Ausstellung zu sehen.

Und damit ist man nun endgültig mittendrin in dieser fulminanten Bilderschau, die mehr oder weniger konsequent in chronologischer Reihenfolge gehängt wurde. Das älteste Bild stammt aus dem Jahr 1954, das jüngste entstand 2017. Und jetzt geht es erst richtig los mit dem Staunen: Während sich ganz Amerika und die ganze Welt dem abstrakten Expressionismus verschrieben hat, zoomt dieser junge Maler wie mit einer Kamera in das ihn umgebende New Yorker Leben. Formatfüllend zeigt er Portraits, Ganz- und Halbfiguren seiner Zeitgenossen. Den Tänzer Paul Taylor etwa und sein Ensemble vor riesigem leerem Hintergrund. Vor allem interessieren ihn stilbewusste, schöne Frauen. Um sie zu zeigen, bedient er sich aus der Bildwelt von Werbung, Fotografie und Film. Alex Katz nennt das „painting in the present tense“, Malen in der Gegenwartsform. Seine Bilder sind wie Schnappschüsse – allerdings unter höchst virtuosem Einsatz der malerischen Mittel.

Lange bevor Warhol, Rauschenberg und Konsorten sich bei ihm bedienen, hat Katz seinen ganz eigenen Stil gefunden: Es ist ein kühler Realismus mit abstrahierenden Tendenzen. Daran ändert sich auch nicht viel, als er Mitte der Achtziger Jahre beginnt, sich für Landschaft zu interessieren. Licht und Atmosphäre halten nun in seinen Bildern Einzug. Landschaft, das kann aber wie im Bild „Winter“ einfach ein sehr tiefes Tannengrün mit ein paar hellen Flecken sein, dazu eine Frau in warmgrauem Schal und ebensolcher Mütze, die sich eng an einen Mann lehnt. Landschaft ist das schwarze Herbstlaub vor einem gelbtürkis diffusen Novembernachmittagshimmel. Und Landschaft ist auch das kleine bisschen Lichtreflexion auf einer düsteren Wasserfläche in „West Palm Beach“. Noch mehr geht es jetzt um die Unmittelbarkeit der Wahrnehmung.

Und wer vor diesen wunderbar lässigen Monumentalgemälden noch nicht genug gestaunt hat, der darf sich in einem der letzten Räume der Ausstellung auch noch über ihre Entstehungsgeschichte wundern, die sehr eindrücklich, aber zugleich völlig unprätentiös und ganz ohne pädagogische Keule vermittelt wird: Zu sehen ist hier eine ganze Wand mit kleinformatigen Ölskizzen und Zeichnungen, die als Vorarbeiten für spätere Gemälde entstanden, entweder direkt im Freien oder von fotografischen Vorlagen. Auch sogenannte Kartons – das sind Vorzeichnungen im Originalformat, von denen das Motiv wie bei einem Kleiderschnitt eins zu eins auf die Leinwand übertragen wird – sind hier ausgestellt. Nach diesen akribischen Vorbereitungen entsteht das eigentliche Gemälde in einer Nass-in-Nass-Technik und meist in einer einzigen Malsession. Es ist offensichtlich, dass Alex Katz, 1927 als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer in New York geboren, die Kunstgeschichte Europas gleichsam mit dem Löffel gefressen hat, um dann sehr souverän sein ganz eigenes Ding zu machen.
Katja Sebald


Alex Katz
Ausstellung im Museum Brandhorst
Vom 6. Dezember 2018 bis 22. April 2019
Museum Brandhorst
Theresienstraße 35
80333 München


Abbildungen:

1. Alex Katz, Moonlight, 1997
Öl auf Leinwand
182,8 x 243,8 cm
Udo und Anette Brandhorst Sammlung
Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © Alex Katz, VG Bild-Kunst,
Bonn 2018

2. Alex Katz, Red Nude, 1988
Öl auf Leinwand
228 x 305 cm
Udo und Anette Brandhorst Sammlung
Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © Alex Katz, VG Bild-Kunst, Bonn 2018

3. Alex Katz, Grey Coat, 1997
Öl auf Leinwand
167,6 x 228,6 cm
Udo und Anette Brandhorst Sammlung
Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © Alex Katz, VG Bild-Kunst, Bonn 2018

4. Alex Katz, Winter, 1996
Öl auf Leinwand
228,6 x 167,6 cm
Udo und Anette Brandhorst Sammlung
Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © Alex Katz, VG Bild-Kunst, Bonn 2018
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Mittwoch 15.08.2018
Innehalten im Sommertrubel: Christina von Bitter im Kloster Beuerberg
Bilder
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Skulpturen verbinden sich mit ihrer Umgebung. Skulpturen treffen Aussagen über den sie umgebenden Raum. Was aber ist, wenn der Raum selbst eine Skulptur ist? Und wie gestaltet man das Innere dieser Raumskulptur, die ebenfalls auf ihre Umgebung reagiert? Mit „Raum im Raum“ hat die Münchner Künstlerin Christina von Bitter ihre Ausstellung im Gartenpavillon des Klosters Beuerberg überschrieben – eine schmerzhaft schöne Antwort auf einen höchst ungewöhnlichen Ort.

Christina von Bitter, geboren 1965 in Erlangen, kann in ihrer Vita ein Praktikum im Tarot-Garten von Niki de Saint Phalle auflisten und ein Studium der Bildhauerei bei Lothar Fischer, dessen Meisterschülerin sie auch war. Es ist also kein Wunder, dass sie selbst ortsbezogene Kunstwerke von bezaubernder Poesie und gleichzeitig von großer formaler Stimmigkeit zu schaffen weiß. In Beuerberg zeigt sie eine von der Vergangenheit des Klosters leise umfangene Anordnung, die vieles offen lässt und doch eine schlüssige Aussage über den sie umgebenden Raum trifft: eine Art Hortus Conclusus für den modernen Menschen, der hier für einen Moment seiner Welt der Zerstreuung entfliehen und innehalten darf.

Seit 1846 lebten im Kloster Beuerberg Salesianerinnen in strenger Klausur. Nachdem sie die Profess abgelegt hatten, sahen die jungen Frauen ihre Familien nicht mehr wieder. Mit Besuchern durften sie nur durch ein Eisengitter und einen dunklen Vorhang sprechen. Kam doch einmal ein Arzt oder ein Handwerker in die Klostergebäude, wurden die Schwestern durch ein Glockenzeichen gewarnt. Die meiste Zeit des Tages waren sie zum Schweigen verpflichtet, deshalb kommunizierten sie untereinander mit Glockenzeichen und handgemalten Schildchen. Listen mit den zu verrichtenden Arbeiten, Pläne für die Anlage des Gartens, Zettel und Tafeln  regelten den Alltag. 2014 verließen die letzten hochbetagten Schwestern Beuerberg und wurden in Altenheime verschiedener Orden untergebracht. Das Diözesanmuseum Freising übernahm die historischen Gebäude, in denen von den Betten und Betstühlen der Schwestern bis zur Speisekammer noch jedes kleinste Ding an seinem Platz war, und zeigt seither in den Sommermonaten vielbeachtete Ausstellungen über das Leben der Frauen hinter den dicken Klostermauern, die sie von der Welt abschirmten.

Noch heute gelangt man nur durch ein Tor, über einen Hof und an der schmalen Klosterpforte vorbei in den inneren Bereich des Klosters, der um einen Kreuzgang angeordnet ist. Die Gebäude stammen aus der Barockzeit und haben sich, so scheint es zumindest, mitsamt ihrem Inventar seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr verändert. Im Klostergarten wachsen in ordentlich angelegten Beetreihen die Bauernblumen, auch Kräuter und Gemüse werden dort noch angebaut. Wie eine Setzung erscheint in dieser üppig blühenden Idylle das schwarze Pavillongebäude, das vom Münchner Architekturbüro Deubzer, König und Rimmel ursprünglich für die Umbauphase der Alten Pinakothek konzipiert und jetzt hierher transferiert wurde. So abweisend und hermetisch das hölzerne Gebäude von außen wirkt, so spektakulär ist es in seinem Inneren: Das durch die Längsschnitte einfallende Licht der Nachmittagssonne zeichnet Ornamente auf den Betonbeton, lässt den Raum flirren und verleiht ihm zugleich eine sakrale Feierlichkeit. Dieser Raum ist mehr als Ordnung und Kontext: Er ist eine ebenso kühne wie zurückhaltende Raumskulptur, die genau jenes Drinnen und das Draußen thematisiert, von dem das Klosterleben über die Jahrhunderte bestimmt wurde.

Zunächst scheint es unmöglich, diesem Raum noch etwas hinzufügen zu wollen. Die Bildhauerin Christina von Bitter hat sich für zwei monumentale weiße Kleiderplastiken entschieden, die sich mit weiteren weich schwingenden Linien, Strukturen und Öffnungen an diesem festlichen Lichtspiel beteiligen und doch gleichsam Behausungen bilden. Nichts an ihnen erinnert an die schwarze Nonnentracht und an das Eingesperrtsein der Schwestern, sie könnten tröstliche Schutzmäntel für ihre einsamen Seelen, Ballkleider für ihre seltenen Mußestunden sein. Christina von Bitter ist eine Meisterin der Leichtigkeit – und auch diesem Raum ist sie auf höchst überzeugende Weise mit leichter Hand begegnet. Zwei minimalistische Bronzefiguren und einige wenige ihrer aus Draht geformten und mit Papier bespannten Objekte ergänzen ihren „Raum im Raum“: ein Zwitterwesen aus Ofen und Haus in der Ecke, eine beinahe lebendige Teekanne und eine luftige Gitarre vor dem schwarzen Raster der Wand.

Die Ausstellung „Raum im Raum“ von Christina von Bitter ist noch bis zum 7. Oktober 2018 jeweils von Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr zu sehen, ebenso wie die Ausstellung „Das Spiel beginnt!“ über das Leben der Klosterschwestern in Beuerberg. Während der Öffnungszeiten wird auch in der ehemaligen Klosterküche mit frischen und biologischen Zutaten gekocht, gegessen wird im Garten oder an den langen Tischen des Refektoriums.

Katja Sebald


Kloster BEUERBERG
Königsdorfer Straße 7,
82547 Eurasburg-Beuerberg
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Freitag 10.08.2018
Museum Fürstenfeldbruck: Identitäten: Wald - Bilder
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Fürstenfeldbruck. Der Wald ist in aller Munde. Und das in den unterschiedlichsten (kulturellen) Bereichen. In Peter Jacksons Tolkien-Verfilmung „Herr der Ringe“ erwacht zum Beispiel ein Heer von Bäumen zum Leben und zieht, als Symbol für den Erhalt der Umwelt, in die Schlacht gegen Isenbart. Die amerikanische Autorin Annie Proulx hat im letzten Jahr den grandiosen Roman „Aus hartem Holz“ vorgelegt, in dem sie nordamerikanische Natur- und Menschheitsgeschichte über drei Jahrhunderte anhand des Waldes erzählt. Wolfgang Voigt alias GAS veröffentlichte ebenfalls im letzten Jahr sein Meisterwerk „Narkopop“, eine Symphonie des Waldes in Ambient- und Technotextur.
In der Malerei spielte der Wald als Motiv der Sehnsuchtslandschaft und als Bewahrer des Friedens und Zeichen der Abkehr vom weltlichen Getriebe, hingegen schon immer eine tragende Rolle. Von den Romantikern Caspar David Friedrich und Ludwig Richter über die Realisten Gustav Courbet und Jean-Baptiste Camille Corot bis hin zu den Joseph Beuys und Gerhard Richter. Noch bis zum 14. Oktober ist im Museum Fürstenfeldbruck die Ausstellung „Identitäten: Wald-Bilder“ zu sehen. Eine Schau, in welcher der Wald in seinen unterschiedlichsten Wahrnehmungen über die Jahrhunderte dargestellt wird.
Die Museumsleiterinnen Angelika Mundorff und Eva von Seckendorff haben eine sehenswerte und wunderbar gestaltete Sittengeschichte des deutschen Waldes in der Malerei zusammengetragen. Akribisch, kenntnisreich und ästhetisch anspruchsvoll. Der Wald als Ort des Erhabenen, des Patriotischen, der Wildnis, der ökonomischen Interessen und des Märchens. Die Kategorien wiederum sind nicht zusätzlich in Stile oder Epochen eingeteilt, sondern stehen für die jeweilige Thematik. Somit sind die subjektiven Sichtweisen der Künstler deutlich herausgearbeitet, was dem Titel „Identitäten“ trefflich entspricht. Ob als Metapher für Sinnliches, als herausfordernde Realität oder als abstrakte Perspektive. Es sind Interpretationen, die in ihrer jeweiligen Komposition und Struktur Auskunft über das Verhältnis zwischen Mensch, Natur und Kunstwerk geben. Gerade der Naturbegriff erscheint heute mehr denn je konfliktbeladen. Insofern ist diese Ausstellung eine Herausforderung, die Sichtweisen wirken zu lassen und sich mit ihnen auch auseinanderzusetzen.
An den einzelnen Werken wird die seelische Grundstimmung der Maler, Grafiker und Fotografen deutlich. Ängste und Hoffnungen, der Wald als Hort des Überlebens, als Symbol mächtiger Naturgewalten, als Metapher für Freiheit und Widerstand. Es handelt sich somit immer um Grundfragen menschlicher Existenz.
Ausgestellt sind Werke von Gabriele Münter, Gerhard Richter, Fritz von Uhde, Willy Reinhardt oder dem Niederländer Adriaen van de Velde. Insgesamt 125 Objekte, wobei die Hälfte Leihgaben aus dem gesamten Bundesgebiet sind. Natürlich gibt es auch Gemälde, die in den Waldgebieten rund um Fürstenfeldbruck entstanden sind, wie eine Arbeit von Otto Kubel unter dem Titel „Maisacher Wald“ oder von Ludwig von Senger. Vielleicht als eine Art Einladung, die Wälder  vor den Toren des Museums persönlich zu erforschen.
Gerhard von Keußler


Abbildungen:

Paul Wilhelm Keller-Reutlingen (1854-1920)
Schafe im Wald
Öl auf Leinwand, 80x120 cm
Sparkasse Fürstenfeldbruck

Fritz Baer
Waldlandschaft
Öl/Karton, 47x58 cm
Museum Fürstenfeldbruck
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Bilder
Samstag 28.07.2018
Ein Vermeer in München: Die Briefleserin in Blau
Man muss nach Frankfurt fahren, nach Dresden, Berlin oder Wien. Oder gleich nach Amsterdam, London oder New York. In München gibt es nämlich keinen. Zumindest normalerweise gibt es in München keinen Vermeer: In diesem Sommer aber ist zur Wiedereröffnung der Sammlungsräume in der Alten Pinakothek die berühmte „Briefleserin in Blau“ zu Besuch in der Stadt. Die kostbare Leihgabe aus dem Rijksmuseum Amsterdam wird von einem umfänglichen Rahmenprogramm aus Führungen, Vorträgen und Konzerten begleitet. Der Münchner Schriftsteller Ludwig Steinherr widmet der „Briefleserin in Blau“ einen ganzen Gedichtband, der soeben in der „Lyrikedition 2000“ erschienen ist. Ein Vermeer in München: Das ist eine Besonderheit, die gebührend gefeiert werden muss. Ein Blick auf das Bild im Rubens-Saal der Alten Pinakothek ist aber darüber hinaus ein ganz besonderes persönliches Erlebnis, das man jedem Kunstliebhaber, ja eigentlich überhaupt jedem, ans Herz legen möchte.

Wie immer bei Vermeer sind Komposition und Farbgebung ebenso delikat wie wirkungsvoll. Wie immer sind seine Frauengestalten in häuslicher Umgebung dargestellt. Jedes einzelne der sorgfältig arrangierten Objekte von der Schatulle und der Perlenkette auf dem Tisch über Kleidung und Frisur der gemalten Frau bis hin zu der Landkarte an der Wand im Hintergrund sind bis ins Kleinste analysiert worden. Vor allem das blaue Jäckchen erregte das Interesse von mehr oder weniger berühmten Betrachtern des Bildes. Verbirgt das weite Kleidungsstück eine Schwangerschaft und ist diese Schwangerschaft der Grund für den Brief mit offensichtlich amourösem Inhalt? Oder ist es einfach nur das im 17. Jahrhundert übliche Bettjäckchen, wie es von Frauen des wohlhabenden Bürgertums getragen wurde? Und dann dieses Blau: Von allen Malern seiner Zeit erzielte nur Vermeer diesen ganz und gar unvergleichlichen Blauton von geradezu magischer Strahlkraft. Bei der jüngsten Restaurierung des Gemäldes im Jahr 2011 konnte zumindest dieses Geheimnis gelüftet werden: Der Maler verwendete dafür sogenanntes „Ultramarin“, hergestellt mit Blaupigmenten aus Lapislazuli. Die besten Sorten dieses gesteinsartigen Materials kamen schon seit dem Mittelalter aus Afghanistan „über das Meer“ – daher der Name – nach Venedig. Ein zusätzlichen Effekt erreichte Vermeer durch eine besondere Maltechnik und vor allem dadurch, dass er das kostbare Blau auf eine kupfergrüne Farbfläche auftrug.

Aber das ist noch lange nicht alles: Das eigentlich Wunderbare bei Vermeer ist das Licht. Stets lässt er es durch eine natürliche Lichtquelle von links in seine Bildräume eintreten. Auf einigen anderen Gemälden ist am linken Bildrand ein geöffnetes oder auch geschlossenes Fenster sichtbar, etwa bei der nicht minder berühmten Darstellung des „Milchmädchens“. Es scheint, als wären seine Bilder an dieser Stelle von hinten erleuchtet. Auch die „Briefleserin“ steht im Licht eines Fensters, auch wenn es nicht explizit zu sehen ist. Ein ebenso kühles wie weiches  Tageslicht ergießt sich in den Raum und gleitet über alle Gegenstände, es inszeniert den kostbaren Brief in den Händen der lesenden Frau und ihr konzentriertes Gesicht mit den halb geöffneten Lippen, es verfängt sich in ihrer Kleidung und bringt ihre blaue Jacke zum Leuchten, auch die Perlenkette auf dem Tisch glänzt in diesem Licht. Forschung und Fachliteratur können das Bild zwar erklären – den Zauber, der von der „Briefleserin in Blau“ ausgeht, wird man erst erfahren, wenn man davor steht.

Viel ist mittlerweile über Jan Vermeer geschrieben wurde, lange Zeit aber interessierte sich niemand für diesen Maler, der 1632 in Delft geboren wurde und dort 1675 starb. Nur wenige Bilder haben sich von ihm erhalten, die Zahl der gesicherten Werke schwankt zwischen 34 und 37. Es war der französische Kunstkritiker Théophile Thoré-Bürger, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Vermeer „wiederentdeckte“ und das Moderne in seinen Bilder beschrieb. Damit weckte er nicht zuletzt das Interesse der Impressionisten an Vermeers einzigartiger Licht- und Farbmalerei. Auch Vincent van Gogh sah 1888 die „Briefleserin in Blau“ im Rijksmuseum in Amsterdam und schrieb daraufhin an seinen Freund Émile Bernard: „Kennst du einen Maler namens Vermeer? Er hat die würdevolle und schöne Figur einer schwangeren Holländerin gemalt. Die Farbenskala besteht aus Blau, Zitronengelb, Perlgrau und Weiß. Es ist wahr, in den wenigen Bildern, die wir von ihm haben, kann man alle Farben der Palette finden; aber es ist eben doch charakteristisch für ihn, daß er Zitronengelb, ein stumpfes Blau und ein helles Grau kombiniert.“ In Amsterdam kann man die „Briefleserin in Blau“ immer treffen – in München jedoch nur noch wenige Wochen bis zum 30. September 2018.

Das Rahmenprogramm findet sich hier: https://www.pinakothek.de/ausstellungen/vermeer-briefleserin-blau. Der Lyrikband „Briefleserin in Blau“ von Ludwig Steinherr ist im Allitera-Verlag erschienen.

Katja Sebald

Zur Wiedereröffnung der Sammlungsräume der Alten Pinakothek hat das Publikum vom 03. Juli bis 30. September 2018 die einmalige Gelegenheit, die weltberühmte „Briefleserin in Blau“ des holländischen Malers Johannes Vermeer (1632 -1675) in München zu erleben.

Abbildung:
Johannes Vermeer
Briefleserin in Blau, um 1663
Öl auf Leinwand, 46,5 cm x 39 cm
Rijksmuseum Amsterdam, Leihgabe der Stadt Amsterdam (Vermächtnis A. van der Hoop)
© Rijksmuseum, Amsterdam

Alte Pinakothek
Barer Str. 27
80333 München
Autor: Siehe Artikel
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