Haben Sie einen Artikel verpasst? Dann klicken Sie hier. Im Archiv finden Sie auch ältere Veröffentlichungen.
1. Björn Meyer „Convergence“
2. Nils Wülker „Zuversicht“
3. Roberto Fonseca & Vincent Segal „Nuit Parisienne à La Havane“
4. Toumani Diabaté „Djelika“
5. Henri Texier „Healing Songs“
6. Daniel Zimmermann „Snapshots“
Dienstag 10.02.2026
Björn Meyer „Convergence“
Bilder
Es ist Björn Meyers mittlerweile schon zweites Solo-Album für ECM München. Eine Rarität auch in der Welt des Jazz, wobei das Label in der Vergangenheit schon häufiger Bassisten im Alleingang aufgenommen hat. Genannt seien an dieser Stelle Barre Phillips, Dave Holland, Eberhard Weber, Marc Johnson oder auch Larry Grenadier. Vielleicht liegt diese eher seltene Häufung daran, dass Label-Chef Manfred Eicher von Haus aus selbst Bassist ist. Auf jeden Fall zeichnen sich die diesbezüglichen Veröffentlichungen durch eine individuelle Instrumentalsprache der einzelnen Musiker aus. Originalität, Virtuosität, kompositorische und improvisatorische Imagination, Timekeeping beherrschen sie alle. Und auch Björn Meyer steht am 6-String Electric Bass deutlich hörbar in dieser Tradition.
Lange Jahre war der in Schweden gebürtige und heute in der Schweiz lebende Meyer Mitglied in Nik Bärtschs Band Ronin, eine Formation, deren pulsierender Rhythmus, auch Ritual Groove Music genannt, das herausstechende Merkmal war, bis heute ist. Zuletzt gehörte Björn Meyer, neben etlichen anderen Projekten, dem Quartett der deutschen Sängerin Simin Tander an. Tander bringt mit ihrer weltoffenen Kunst die Dämmerzonen des Lebens zum Strahlen, sie lässt das Fröhliche melancholisch klingen und nimmt mit dem Traurigen die Furcht.
Meyer verpackt all diese Einflüsse geschickt neu, nutzt sie als Fundament, als Basis für sein Album „Convergence“. Als Bassist, der auch Melodien kreiert, dessen Monologe spieltechnische Ideen und mentale Befindlichkeiten gegenüberstellen; als ein Magier des Sounds und Meister rhythmischer Unwägbarkeiten. Ein Bassist, der ebenso kontrastreich, wie auch differenziert spielt. Dabei löst er eine manifeste Körperlichkeit des Instruments auf, lässt dessen Töne federleicht aufsteigen, selbst dann, wenn er waghalsig improvisiert. Oder wenn er mit Magneten und Metallstäben einen „präparierten“ Bass spielt. Björn Meyer ist am Instrument ein Forscher und ein Tüftler, immer auf der Suche nach Klangverstrebungen und kontrastreichen Sounds. Letztendlich ein ebenso freier wie disziplinierter Finder.
Jörg Konrad

Björn Meyer
„Convergence“
ECM
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Freitag 06.02.2026
Nils Wülker „Zuversicht“
Bilder
Zuversicht ist etwas, das wir alle brauchen, besonders in Zeiten wie diesen. Das hat sich auch Nils Wülker gedacht, als es darum ging, seinem neuen Album einen Titel zu geben. „Zuversicht“ ist zugleich ein mutiger Slogan. Denn der 1977 in Bonn geborene Trompeter und Komponist hat auf seinem mittlerweile 15. Album eine wirklich hochkarätige, internationale Band ins Studio bekommen. Aaron Parks (Klavier), Linda May Han (Bass) und Gregory Hutchinson (Schlagzeug) gehören momentan wohl mit zum Besten, was man als Mitspieler derzeit bekommen kann. „Mit Aaron, Linda und Greg habe ich mir eine wunderbare Band zusammengestellt“, erzählt Wülker in einem Interview „aber auch alles auf eine Karte gesetzt. Schließlich haben wir uns im Studio zum ersten Mal richtig getroffen, noch nie vorher zusammengespielt und hatten dann dreieinhalb Tage, um ein ganzes Album aufzunehmen.
Dieses Herausforderung hat sich gelohnt. Denn in den legendären Berliner Hansa Studios ist ein Album voller Innovation, musikalischer Dynamik und klanglicher Schönheit entstanden. Das Zusammenspiel zwischen den Instrumentalisten hat auf Anhieb geklappt, die Chemie war von Beginn an stimmig. Das spürt man förmlich von Beginn an.
Alle 11 Wülker-Kompositionen sind kleine, strahlende Juwelen, luftige Kleinode. Hier verkommt nichts zum Selbstzweck, weder das bewusste Ineinandergreifen der einzelnen Instrumentalstimmen, noch die von Virtuosität und Eleganz getragenen Improvisationen. Hier finden Tradition und Gegenwart zu einem allgemeingültigen Intensitätsstrom. Nuancen, Anspielungen und kleinteilige Partikel entwickeln sich zu großen Aussagen, werden zu einer Art lebendiger Seelenmusik. Klare Strukturen, die inhaltlich ineinander übergehen und sich manchmal sehr anrührend in das Innenohr schleichen. Zugleich aber lässt sich immer auch eine Gegenstimme finden, die dieser scheinbaren Anbiederung entgegenwirkt. Nicht expressiv, aber ausreichend differenziert, mit dem unbedingten Willen des Widerspruchs.
Jörg Konrad

Nils Wülker
„Zuversicht“
Warner
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 05.02.2026
Roberto Fonseca & Vincent Segal „Nuit Parisienne à La Havane“
Bilder
Der Jazz wird auch als die Klassik des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Und im sich überlappenden Fadenkreuz dieser beiden Stilistiken stehen ganz speziell die Kammermusik und die zeitgenössische Improvisation. Beide leben, neben einer vorausgesetzten Beherrschung des jeweiligen Instrumentariums, von einer stark ausgeprägten Individualisierung. Nicht allein der persönliche Ausdruck spielt hier eine Rolle. Es ist auch, speziell was die Duo-Besetzung betrifft, das Zuhörenkönnen, das spontane Reagieren aufeinander, das empathische Erspüren der Persönlichkeit des Gegenübers, das zusammen genommen zum Tragen kommt.
Musiker, die in beiden Stilistiken zu Hause sind und all diese Vorgaben bravourös erfüllen, sind der kubanische Pianist Roberto Fonseca und der französische Cellist und Kontrabassist Vincent Segal. Hat sich Fonseca schon in jungen Jahren mehr dem Jazz zugewandt, war Segal anfangs deutlicher dem klassischen Lager zuzuordnen. Beide lösten sich jedoch im Laufe ihrer Karrieren immer stärker von ihren ersten Einflüssen und entwickelten sich über die Jahre zu stilistische Freigeistern, denen keine Strömung fremd ist.
So könnte man es fast zwangsläufig nennen, dass diese beiden Solisten im Duo zueinander finden. „Nuit Parisienne à La Havane“ ist ihr erstes gemeinsames Duo-Album. Elf Kompositionen, Originale von Fonseca und Segal, zeigen ein erfrischend melodisches, aber auch an Spannung reiches musikalisches Spektrum auf. Wenig Pathos, breite Transparenz und große Intensität sind das Merkmal dieses Albums. Die instrumentalen Stimmen greifen ohne Vorbehalt ineinander, treiben das musikalische Räderwerk gelassen an und zeigen immer wieder leidenschaftlich, zu welchen Höhenflügen sie in der Lage sind.
Es bleibt auch in jedem Stück noch genügend Raum für ganz persönliche Improvisationen, die „Nuit Parisienne à La Havana“ die eigentliche Würze geben. Musik der Schönheit und der Besinnung, die gehört und nicht umschrieben sein will.
Jörg Konrad

Roberto Fonseca & Vincent Segal
„Nuit Parisienne à La Havane“
Artwork
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 04.02.2026
Toumani Diabaté „Djelika“
Bilder
Griots sind aus Westafrika stammende, traditionelle Geschichtenerzähler. Sie singen oder spielen Instrumente, die ihre kulturelle Historie zum Ausdruck bringen, die ihre Vergangenheit bewahren und in die Gegenwart transportieren. Sie übersetzen zugleich das Bewahrenswerte ihrer ethnischen Herkunft in die Gegenwart und sind somit wichtige Vertreter eine Art Erinnerungskultur.
Toumani Diabaté versteht sich als ein solcher Griot. Aus Mali stammend, einem Binnenstaat Westafrikas, spielt er seit Kinderjahren die Kora, eine 21-saitigen Harfe, die einzigartig für die Mande-Völker dieser Region ist. Diabaté gehörte bis zu seinem frühen Tod 2024 zu den internationalen Griot-Botschaftern seines Landes. Das rein instrumentale Album „Djelika“ beinhaltet die hohe Kunst des Kora-Spiels, wie sie Toumani Diabaté sein kurzes Leben lang hinaus in die Welt transportierte. Auf seinen rastlosen Reisen rund um die Welt und der Suche nach Innovation, hat Toumani versucht, das Instrument und die Philosophie seiner Handhabung zu vermitteln. Zugleich war er immer offen für äußere Einflüssde, die er in seine Musik mit aufgenommen hat und die auf „Djelika“ zu spüren sind. Blues, Raggeae und auch lateinamerikanische Tanzmusik finden so Eingang in die westafrikanische Musik.
Toumain gründete früh ein festes Trio mit Kélétigui Diabaté (1931–2012) am Balafon (Xylophon mit Palisanderklappen) und Bassekou Kouyaté (geb. 1966) am Ngoni (einer länglichen Laute, einem Vorläufer des Banjos). Im Dezember 1993 waren die Drei in Brüssel und London im Studio, hatten zusätzlich mit Danny Thompson, Bassist (unter anderem bei John Martyn, John McLaughlin, Nick Drake und Kate Bush), sowie dem Spanier Javier Colina (George Benson, Pat Metheny und Chucho Waldes) ausdrucksstarke Unterstützung, wobei die insgesamt acht Titel des vorliegenden Albums entstanden. Es ist eine magische, traumverlorene Musik, die aus polyrhythmischen Improvisationen, wogenden Patterns, thematischen Verzierungen, feindosierter Energetik und ideenreichen Tonketten besteht. Hier greifen die instrumentalen Räder hypnotisch ineinander und bringen einen ganz eigenwilligen und ostinaten Kosmos zum Klingen. Wie beiläufig aber ungemein berührend.
Jörg Konrad

Toumani Diabaté
„Djelika“
Chrysalis
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Sonntag 01.02.2026
Henri Texier „Healing Songs“
Bilder
80 Jahre und kein bisschen leiser. Henri Texier ist so etwas wie ein Nationalheiliger im französischen Jazzlager. Vor über fünfundsechzig Jahren wechselte der in Paris geborene auf Anraten seines damaligen Lehrers vom Klavier zum Bass. Eine richtige und weise Entscheidung. Denn nicht nur, dass er gerade einmal 32jährig den renommierten Prix Django Reinhardt erhielt. Texier gilt bis heute als einer der wichtigsten europäischen Kontrabassisten, Komponisten und Orchesterleiter, der auch von hochkarätigen amerikanischen Kollegen enorm geschätzt wird.
Sein neues Album „Healing Songs“ macht einmal mehr seine Ausnahmestellung deutlich. Neun eigene Kompositionen, die ideenreich und in herausfordernder Dramaturgie geschrieben und voller Dynamik arrangiert sind. Stilistisch füllen die Aufnahmen das Format des Hard- und auch des Neo-Bop. Seine Band, mit dem Saxophon und Klarinette spielenden Sohn Sebastian Texier und dem Trompeter Hermon Mehari, dem Pianisten und Fender-Rhodes Virtuosen Emmanuel Borghi und den beiden abwechselnd agierenden Schlagzeugern Gautier Garrigue und Manu Katché ist eine großartig aufeinander eingehende und eingespielte Formation. Klare und ausgeschriebene Kompositionsfragmente setzen sie perfekt um und als improvisierende Freigeister sind sie einfach herausragend. Statt schwülstiger Angeberei bodenständige Leidenschaft.
„Healing Songs“ strotzt vor Erfahrung und jazzmusikalischer Magie. Und was diese Band spielt klingt nach Freude, nach Spaß am Musizieren – trotz manch anspruchsvollem Parcours. Jazz aus Frankreich - at his best.
Jörg Konrad

Henri Texier
„Healing Songs“
Label Bleu
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 27.01.2026
Daniel Zimmermann „Snapshots“
Bilder
Als Posaunist ist er fester Bestandteil der französischen Jazzszene. Und somit scheint es nur logisch, dass der 1976 geborene Daniel Zimmermann seit Jahren Mitglied des Orchestre National de Jazz ist, eine allseits gefeierte musikalische Institution seines Heimatlandes.
Für sein 2013 erschienenes Album „Bone Machine“ wurde Zimmermann als erster Posaunist für den Victoires du Jazz Award nominiert, der höchsten französischen Auszeichnung im Jazz. Weitere Nominierungen folgten.
Auch Zimmermanns neues Album „Snapshots“ ist aus vielerlei Gründen preisverdächtig. Nicht nur, dass der Blechbläser als ausgezeichneter Solist in Erscheinung tritt. Er besitzt zudem die seltene Gabe ausdrucksstarke Bands zusammenzustellen, packende Kompositionen zu schreiben und diese dann effektiv umzusetzen.
Stilistisch bewegt sich Zimmermanns Quartett im Bereich des Mainstreams. Neobop, Swing, Soul und zeitgenössische Improvisationen finden bei ihm eine dynamische, elegante, wie formbewusste Einheit. Ein ästhetisch ausbalanciertes Klangabenteuer, das aufgrund seines zuverlässigen rhythmisch-harmonischen Fundaments akustisch sofort gefangennimmt. Zimmermanns Art Posaune zu spielen wirkt leicht und eingängig und hinterlässt eine nachwirkende, virtuose Frische. Bei ihm klingt das Instrument wendig und doch druckvoll, geschmeidig und gleichzeitig vehement. Es würde nicht verwundern, wenn Daniel Zimmermann aufgrund von „Snapshots“ nach 2021, 2022, 2023 und 2024 auch in diesem Jahr vom französischen Jazz Magazine zum „Posaunisten des Jahres“ gewählt werden würde.
Jörg Konrad

Daniel Zimmermann
„Snapshots“
Label Bleu
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
© 2026 kultkomplott.de | Impressum
Nutzungsbedingungen & Datenschutzerklärung
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.