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1. Kevin Burt „This Trip“
2. The Womack Sisters „The Womack Sisters“
3. Dima Bondarev „Silence Is Complicity“
4. Maik Krahl „Rain, Flowers And New Beginnings“
5. Arnold Kasar „Goodbye Ghosts“
6. Teus Nobel 4 „Child's Play“
Mittwoch 16.09.2026
Kevin Burt „This Trip“
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Der Blues hat es heutzutage nicht leicht, sich gegen diesen ganzen Algorithmen-Wahn von Spotify, den blassen und destruktiven Inhalten von TikTok und werbeorientierten Influencern samt ihren einfältigen Gemeinden zu behaupten. Dafür ist der Blues zu real, spiegelt zu sehr das tatsächliche Einzelschicksal von Menschen wieder, ist er zu sehr von Leid und Selbstreflexion geprägt.
Hört man dann Kevin Burt, mit welch kraftvoller Stimme und klarer Musikaliät er sich dieser Musikform widmet, treten alle billigen Ablenkungen in den Hintergrund. „This Trip“ ist ein Rohdiamant, ein kraftvolles Statement für Menschlichkeit und Toleranz. Und das Album enthält Geschichten, mit denen Kevin Burt die Zuhörer in seinen Bann zieht. „Dieses Album braucht Raum“, erzählt Autodidakt Burt, „Ich wollte, dass die Songs atmen können und dass die Leute jedes Wort hören, dass sie in diesem Moment bei mir sind und fühlen, was die Geschichten ihnen versuchen zu vermitteln.“
Dem Mann aus Iowa, Gewinner des Blues Music Award 2026 und einstiger Sieger des Internationalen Blues Challange, gelingt dieses Kunststück allein mit seiner Gitarre, einer Mundharmonika und seiner eindringlichen, tief berührenden Stimme. Er schafft eine archaische Stimmung voller Wärme und Zuneigung und macht deutlich, dass er trotz mancher Hindernisse im Leben sich niemals unterkriegen lassen wird. Das ist eine Botschaft – vielleicht die Botschaft des Blues schlechthin, und Kevin Burt zu deren eindrucksvollsten Predigern.
Jörg Konrad

Ein anderer Prediger des Soul, Rock & Funk gastiert morgen, Donnerstag, in der Fürstenfelder Blues-Reihe BluesFirst: Andreas Kümmert & The Electric Circus. Beginn des Konzerts ist 20.00 Uhr.

Kevin Burt
„This Trip“
Gulf Coast Records
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Montag 14.09.2026
The Womack Sisters „The Womack Sisters“
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Man kommt einfach nicht umhin, bei den Womack Sisters auf die familiären Wurzeln zu verweisen. Der Großvater des Trios ist kein geringerer als der „Vater“ des Soul Sam Cooke. Der Onkel der drei ist die Legende Bobby Womack, Soulsänger und Songwriter, der zum Beispiel den Song „It's All Over Now“ schrieb, den die Rolling Stones mit ihrer Interpretaion zur ersten Nummer eins ihrer Karriere machten. Und natürlich die Eltern Cecil und Linda Womack, bekannt als das Soul-Pop-Duo Womack & Womack.
Kucha, BG und Zeimani Womack hatten insofern kaum eine anderen Möglichkeit, als in die gleichen Fußspuren zu treten und Sängerinnen zu werden. Der Anspruch, die lebendige Musikgeschichte der Familie fortzusetzen, ist dabei natürlich groß. Ebenso wie die Möglichkeit zu scheitern.
Aber die Womack Sisters lösen mit ihrem Debüt jedoch sämtliche Erwartungen beeindruckend ein. Es ist zwar eine von Leidenschaft für Blues und Gospel geprägte Reise in die Vergangenheit und sie erinnern auf ihrem Debüt durchweg an eine Aussge von Ray Charles: „Wir wissen nicht genau, was Soul ist. Soulist wie Elektrizität. Er ist eine Kraft, die einen ganzen Saal ausleuchten kann.
Man könnte Soul aber auch als eine Musik bezeichnen, die durch ihren therapeutischen Charakter besticht. Als aufschäumendes Antidepressiva gegen jede Form beklemmender Verstimmung gehen The Womack Sisters mit Sicherheit durch.
Jörg Konrad

The Womack Sisters
„The Womack Sisters“
Daptone Records
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Freitag 11.09.2026
Dima Bondarev „Silence Is Complicity“
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Die Trompete scheint das Instrument der Stunde. Zuletzt wurden an dieser Stelle Alben von Teus Nobel, dem niederländischen Virtuosen und dem Till Brönner-Schüler Maik Krahl vorgestellt. Jetzt also der Ukrainer Dima Bondarev. Dieser ist eine Art Ausnahmeerscheinung im Kreise der Trompete spielenden Individualisten. Denn Bondarev erweitert gern den Sound des Instruments und steht damit in Nachbarschaft zu Jon Hassell, Arve Henriksen oder auch Nils Petter Molvaer. Doch Bondarev spielt keine kontemplative Musik. Bei ihm ist eher eine mitreißende Energieladung zwischen zeitgenössischem Jazz, Post-Punk, Rock And Roll, Folkverbindungen und elektrischer Klang-Wucht angelegt.
Sein Metakunstwerk klingt auch auf „Silence Is Complicity“ nach Hochspannung pur. Die Besetzung hat er gegenüber dem Vorgänger noch einmal radikal reduziert. Auf „Silence Is Complicity“ arbeitet der heute in Berlin lebende Bondarev mit seinem langjähriger Partner Igor Osypov an Gitarre, Bass und Keyboard, sowie mit Schlagzeuger Jim Black zusammen. Ein Trio, das fulminant zusammen findet und gleichzeitig einen Sinn für sparsame bis miniaturhafte Songformate offenbart. Doch auffällig ist überwiegend die Intensität, mit der das Trio zur Sache geht. Egal ob der Klang der Trompete vertraut offen oder elektrisch verfremdet ist. Bondarev sucht das Experiment und führt seine kleine Band sicher entlang, an den weitgesteckten Rändern experimenteller Herausforderungen. Musik von dieser Welt – für diese Welt. Rau und authentisch.
Jörg Konrad

Dima Bondarev
„Silence Is Complicity“
Dnipro & Kruchi
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Donnerstag 10.09.2026
Maik Krahl „Rain, Flowers And New Beginnings“
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Man spürt deutlich, dass Maik Krahl ein Schüler Till Brönners war. Dieser meint, Krahl repräsentiere „ ... die aktuelle Spitze der deutschen Jazztrompeter seiner Generation ...“. Am Instrument ist der 35jährige dabei aber eher unspektakulär. Sein Können liegt im Detail, in der zurückhaltenden ästhetischen Formulierung, in der weichen Klarheit seines Sounds. So klingt er auch auf seinem neuen Album „Rain, Flowers And New Beginnings“ wie ein introspektiver Lyriker. Schöne Melodien, dramaturgisch ausgefeilte Improvisationen plus eine Band, die subtil und einfühlsam unterstützt und den Solisten inspiriert.
Krahl stammt aus der Oberlausitz, studierte in Dresden (unter anderen bei Till Brönner) und an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Er war Mitglied des Jugendjazzorchester Sachsen, des Lajjazzo Brandenburg, sowie ab 2012 Teil des Bundesjazzorchester. Seit einigen Jahren ist Krahl festes Mitglied im Kölner Subway Jazz Orchestra. 2018 erschien sein erstes Album, über das das Magazin Jazzthing schrieb „... da befindet sich einer permanent auf der Überholspur, Dauerblinker links und gepflegtes Vollgas ...“.
„Rain, Flowers And New Beginnings“ klingt weniger nach Vollgas, stattdessen nach einer inneren Ruhe und Abgeklärtheit. Krahls Ton besitzt eine gewisse Beiläufigkeit, wenn er leise die Skalen dekliniert. Minimale Muster, die zeitweise beschwören und dabei in ihrer permanenten Lebendigkeit faszinieren.
Für zwei Titel hat Maik Krahl die aus Odessa stammende Sängerin Tamara Lukasheva ins Studio eingeladen. Mit ihr erinnert die Musik plötzlich in ihrer melancholischen Verhangenheit an das wunderbare Trio Azimuth, das auf eindrucksvolle Weise Schönheit und Intensität miteinander verband.
Jörg Konrad

Maik Krahl
„Rain, Flowers And New Beginnings“
Challange
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Mittwoch 09.09.2026
Arnold Kasar „Goodbye Ghosts“
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Arnold Kasar ist ein Meister der kleinen Form, ein Improvisator flüchtiger Melancholie, ein Komponist klassischer Ambient-Alben. Erfahrungen hat er im Nu-Jazz- und Electro Chanson-Acts gesammelt, er war musikalischer Partner des ikonischen Hans-Joachim Roedelius und der Cellistin Martina Bertoni. „Goodbye Ghosts“ nennt der aus dem Südschwarzwald stammende und heute vor den Toren Berlins lebende und arbeitende Pianist, Komponist, Musikproduzent und Mastering-Engineer sein neues Solo-Album. Es handelt sich um seine Sammlung von zwölf kurzen Momentaufnahmen, die in ihrer Gelassenheit und Ruhe einen beinahe therapeutischen Charakter entfalten. Musik zum Loslassen und zur Abkehr von der Hektik des Alltags und der Hinwendung zum seelischen Gleichgewicht. Als Metapher dienen Kasar für diese Zwischenlösung ihm vertraute Heilpflanzen. Johanneskraut, Goldrute oder Kamille spielen in seinem Leben eine nicht unwesentliche Rolle.
Angebaut im eigenen Garten findet der Pianist auch klanglichen Zugang zu diesen seit etlichen Jahrhunderten beschworenen Heilkräutern. Dabei bewegt er sich recht eindeutig im Fahrwasser eines esoterischen Spiritismus. Die eigene Unausgeglichenheit in der Stille, die Erfüllung der Eintracht in der Reduktion zu suchen und letztendlich eventuell auch zu finden, verbindet ihn mit etlichen Künstlern, die diese persönliche Philosophie nicht ganz so deutlich zum Ausdruck bringen. Ob nun diese Art der friedvollen, manchmal auch sehr gefälligen Hinwendung, dann auch tatsächlich die Probleme dieser Welt oder die eigenen individuellen Konflikte zum Ausdruck verbringen mag, sei einmal dahingestellt. Vielleicht schaffen sie aber zumindest ein paar Minuten der inneren Refelxion – und des Nachdenkens über gesellschaftliche und persönliche Entwicklungen. Natürlich frei von jedweder Politisierung.
Alfred Esser

Arnold Kasar
„Goodbye Ghosts“
Neue Meister
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Dienstag 08.09.2026
Teus Nobel 4 „Child's Play“
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Vor einem Jahr erschien ein Duo Album, das der niederländische Trompeter Teus Nobel mit dem Pianisten Jef Neve unter dem Titel „Esho Funi“ im Hauptsitz eines belgischen Klaviergeschäfts in Ruiselede Live einspielte. Eine wunderbar stimmige Aufnahme, die trotz einer ausgeglichenen und unverholenen Inspiriertheit reichlich Spannungsmomente und Reibungsflächen zu bieten hat.
Teus Nobels neue Band „4“ klingt hingegen völlig anders. Die Musik auf „Child's Play“ ist voller kraftvoller Leidenschaftlich, ungestümer gespielt, risikoreicher und manchmal auf beglückende Weise kompromissärmer umgesetzt. Hinter der beschwörenden Tour de Force von „Child's Play“ stecken viele ganz persönliche Schicksalsthemen, die der Trompeter in die Kompositionen bewusst und/oder unbewusst eingebracht hat und die bis hin zu den Titeln der neun eigenen Kompositionen (bei zwei Titeln handelt es sich um Gruppenimprovisationen) Bezüge zu diesen Situationen zum Ausdruck bringen.
Trotzdem wird das Miteinander in der Band von einer gewissen Verspieltheit beherrscht, die sich zwischen kreativer Präzision und magischer Freiheit bewegt. Das Quartett mit Teis Semey (Gitarre), Jasper Hoiby (Bass) und Niek de Bruijn (Schlagzeug) folgt dabei den pulsierenden und dynamischen Spielgedanken ihres Leaders Nobel vertrauensvoll. Zugleich kommuniziert die gesamte Band untereinander mit einer verschwörerischen Vertrautheit. Sie lassen in ihrer Musik Ecken, Kanten und Kratzer zu, bewegen sich im Koordinatensystem des Jazz uneindeutig voller Überraschungen und sind zugleich auch immer Beschwörer einer ganz individuellen Poesie. Ein kraftvolles, herausforderndes und absolut zu empfehlendes Album.
Jörg Konrad

Teus Nobel 4
„Child's Play“
Integral
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Autor: Siehe Artikel
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