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Kabarett heute

Fürstenfeld: Kaya Yanar - Fluch der Familie

Kaya Yanar
Fluch der Familie
Die Veranstaltung (Ursprungstermin: 19.10.20) wurde nochmals verlegt auf den 30.11.22. Karten behalten ihre Gültigkeit.

Unsere Familie können wir uns nicht aussuchen, erklärt Kaya Yanar in seinem neuen Programm: für manche ist es ein Segen, für andere ein Fluch. Kaya hatte eine „spezielle Familie“: einen strenger Vater, eine ängstliche Mutter und einen hochintelligenter aber komplizierten Bruder. Dann noch der Migrationshintergrund. Jetzt im besten Alter angekommen, reflektiert der Ausnahme-Comedian nicht nur über seine Kindheit, sondern auch über sich und seine Zukunft. Wird er ein guter Vater sein? Wird er seine Traumata rechtzeitig therapiert haben? Wird er Fluch oder Segen der Familie werden?

Erleben Sie sein neues Bühnenprogramm: „Der Fluch der Familie“. Kommst Du, guckst Du, lachst Du!
Veranstaltungsforum Fürstenfeld .
Fürstenfeld 12,
82256 Fürstenfeldbruck
Theater heute

Landsberg: Europa oder die Träume des Dritten Reichs (UA)

Europa oder die Träume des Dritten Reichs (UA)Nach Lars von Trier und Charlotte Beradt
Theater an der Ruhr
1945. Nein, keine Stunde Null, die illusionäre, die Uhr tickte weiter, zumindest die historische, von Neuanfang konnte keine Rede sein. Als Schlafwagenschaffner fährt der junge Deutschamerikaner Leopold Kessler durch das surreale Deutschland der Nachkriegszeit, vorbei an verwüsteten Ortschaften und Landschaften voller Tristesse. Wie in einem Traum heiratet er in die Familie des Direktors seines Bahnunternehmens ein und befindet sich plötzlich mitten unter ehemaligen Nazis, Gruppierungen von Werwölfen, die gegen das Virus der Vergangenheit immer noch nicht immun sind und nicht hinnehmen wollen, dass der Krieg verloren ist. Das Virus lebt fort.

Der Abend verzahnt Lars von Triers Filme „Europa“, „Epidemic“ und Charlotte Beradts Textsammlung „Das Dritte Reich des Traums“ zu einer albtraumhaften Befragung unserer Gegenwart. Geschichte als Fiktion, Fiktion als Geschichte, Nazis und die Pest als ewige Wiedergänger. Eine Zugfahrt in unsere Vergangenheit der Zukunft der Vergangenheit. Eine theatrale Hypnose.

Regie Philipp Preuss
Es spielen Petra von der Beek, Alexander Gier, Fabio Menéndez, Gabriella Weber, Felix Römer, Dagmar Geppert, Albert Bork, Steffen Reuber, Klaus Herzog, Rupert J. Seidl

Stadttheater Landsberg
Schlossergasse 381,
86899 Landsberg am Lech
Museen heute

München Stadtmuseum: München 72. Olympische Spurensuche

München 72. Olympische Spurensuche
Eine Ausstellung des Münchner Stadtmuseums im Münchner Stadtraum
1. Juli bis 31. Dezember 2022

Am 26. April 1966 entschied das Olympische Komitee, die Spiele der XX. Olympiade 1972 nach München zu vergeben. Für die Landeshauptstadt war dies eine tiefgreifende Zäsur. Die damit verbundenen Ereignisse und Entwicklungen haben vielfältige Spuren in der Stadt hinterlassen. Das Münchner Stadtmuseum macht diese im Jubiläumsjahr im Stadtraum selbst sichtbar und lädt zu einer Olympischen Spurensuche ein. Erstmals begibt sich das Museum direkt an die historischen Orte des Geschehens. An etwa 20 ausgewählten, im Stadtraum verteilten Stationen werden Besonderheiten und Ereignisse hervorgehoben, die mit den Spielen in Zusammenhang stehen.

Olympia '72 steht für weit mehr als die sportlichen Spitzenleistungen, die zwischen dem 26. August und dem 11. September 1972 erbracht wurden. Visionäre Zukunftsideen und Gesellschaftsentwürfe, politischer Gestaltungswille und nüchterner Pragmatismus sowie Begeisterung und Tragödie verdichten sich bei den Olympischen Spielen in München zu einem vielschichtigen Bild, das bei einer Tour durch die Stadt entdeckt werden möchte. An bekannten, aber auch längst in Vergessenheit geratenen und teils unerwarteten Orten wird vermittelt, welche Auswirkungen die Ausrichtung für die Stadt hatte: Sie hat sie nicht nur baulich und infrastrukturell entscheidend verändert, sondern auch in ideeller und gesellschaftlicher Hinsicht Zeichen gesetzt.

Im Olympiapark entwarfen die Architekten die zentralen Sportstätten nicht als massive oder gar monumentale Einzelbauten, sondern als „Fortsetzung der Landschaft mit anderen Mitteln“. Stadion, Sport- und Schwimmhalle betteten sie in Mulden ein und überspannten sie mit einem transparenten Dach. In Abgrenzung zu den Olympischen Spielen in Berlin 1936 versinnbildlichte ihre Gestaltung konsequent demokratische Werte und machte sie in Form einer Landschaftsplastik erleb- und erfahrbar. Naheliegend ist daher eine Ausstellungsstation direkt auf dem Olympiaberg. Analoge und digitale Module der Station vermitteln die zukunftsweisende Olympia-Architektur und die gebaute Landschaft im Olympiapark – direkt an dem Ort, von dem aus das gesamte Ensemble zu sehen und seine Intention spürbar ist.

Eine weitere Stele der Olympischen Spurensuche befindet sich am Nördlichen Schloßrondell. Mit dem Nymphenburger Schlosspark wurde eines der größten und bedeutendsten Gartenkunstwerke Deutschlands gezielt als Austragungsort für das Dressurreiten ausgewählt – aus heutiger Sicht kaum vorstellbar. Das reiche kulturelle Erbe Münchens sollte damit zum Erlebnis für das Publikum und die Olympionik*innen gleichermaßen werden. Historische Aufnahmen auf der Stele illustrieren die aufwendigen, temporären Aufbauten wie den 20 mal 60 Meter großen Wettkampfplatz und die zwei Zuschauertribünen. In unmittelbarer Nähe zum Originalschauplatz können Besucher*innen so Geschichte und Gegenwart direkt miteinander verknüpfen.

An 17 weiteren Standorten werden unter anderem Themen wie Nachhaltigkeit, das grafische Erscheinungsbild und dessen Vorbildfunktion für modernes Corporate Design, Migration, die Modernisierung sowie der Ausbau der Infrastruktur und das die Spiele prägende Attentat behandelt. Die Ausstellung ist bewusst direkt an die Orte des Geschehens verlegt und rund um die Uhr erlebbar. Die Stelen sind markant dort platziert, wo sie auch von Passant*innen oder Tourist*innen zufällig wahrgenommen werden können. Das Design der Stelen dient nicht nur als Trägermaterial für die Informationen, sondern bietet zudem Sitzmöglichkeiten an und lädt so die Besucher*innen zum Verweilen ein. Kurze Texte auf deutsch und englisch bieten Basisinformationen und Bildmaterial zum jeweiligen Thema. Ein QR-Code führt zu einer Vertiefungsebene: Die hinterlegte Website bietet weiterführende Informationen, Abbildungen und Filme, darunter auch Interviews mit Zeitzeug*innen. An neun ausgewählten Stationen sind die Besucher*innen selbst gefordert: Bei der #WaldiChallenge können sie sowohl ihr Wissen zu Olympia als auch ihr sportliches Können unter Beweis stellen.

Stelen der Ausstellung befinden sich hier:

1 Ein Besuch mit Folgen | Marienplatz
2 »München plant und baut«: die Ringstraßen | Isartor
3 »München wird moderner« | Ungererstraße
4 »Im Windschatten der Olympiade« – die Fußgängerzone | Stachus
5 München ist Einwanderungsstadt | Hauptbahnhof
6 »Nicht gradlinig, rechtwinklig, ernst« – der Olympiapark | Olympiaberg
7 »Münchens erster Olympiasieger« | Olympiaberg
8 Die Stadt in der Stadt | Connollystraße
9 Die Abteilung XI. des Organisationskomitees | Saarstraße
10 Die »Edition Olympia« | Nymphenburger Straße
11 Münzen und Medaillen für Olympia | Pfisterstraße
12 »Fernseh-Olympia« | Connollystraße
13 »Es empfiehlt sich, ab jetzt nur noch zu lächeln« – die Eröffnung | Olympiaberg
14 Höfische Noblesse und Olympische Spiele | Nördliches Schloßrondell
15 Bogenschießen im Englischen Garten | Werneckwiese
16 »Bayern – Kunst und Kultur« | Münchner Stadtmuseum
17 »Weltkulturen und moderne Kunst« | Haus der Kunst
18 »Quartiere für die Jugend der Welt« | Kapuzinerhölzl
19 Heitere Spiele auf Kosten der Sicherheit? | Ettstraße
20 »Die heiteren Spiele sind zu Ende« – das Attentat | Connollystraße
21 Das Experiment »Spielstraße« | Olympiaberg
22 »Olympischer Sommer« | Odeonsplatz
23 »Internationales Folklorefestival« | Circus Krone
24 Vergessene Olympiaorte | Theresienhöhe
Stadtmuseum München
St.-Jakobs-Platz 1
80331 München
Abbildung:
Sven Simon, Die "Dirndlgruppe" bei der Eröffnungsfeier am 26. August 1972 im Münchner Olympia-Stadion, Fotografie, 1972
© IMAGO/Sven Simon
Museen heute

Tegernsee Gulbransson Museum: VON RENOIR BIS JAWLENSKY. MIT LEIDENSCHAFT GESAMMELT. WERKE AUS PRIVATBESITZ

VON RENOIR BIS JAWLENSKY. MIT LEIDENSCHAFT GESAMMELT. WERKE AUS PRIVATBESITZ
Olaf Gulbransson Museum TegernseeAusstellung vom 23. Juli 2022 bis 08. Januar 2023
Auch dieses Jahr realisiert die Olaf Gulbransson Gesellschaft e.V. Tegernsee eine Highlight-Ausstellung im Olaf Gulbransson Museum. Am Freitag, den 22. Juli 2022 wird im Kurgarten Tegernsee um 18:00 Uhr feierlich die neue Sonderausstellung Von Renoir bis Jawlensky eröffnet, mit der wir an die erfolgreiche Marc Chagall-Präsentation im letzten Jahr anknüpfen und Werke bedeutender Künstler:innen des 19. und 20. Jahrhunderts zeigen.
Bei unserer Ausstellung ist besonders hervorzuheben, dass alle Arbeiten wieder aus Privatbesitz stammen und oft jahrzehntelang nicht der Öffentlichkeit zugänglich waren. Zu den Highlights der Ausstellung gehören wichtige Werke des französischen Impressionismus und des deutschen Expressionismus. Zu sehen sind Gemälde und Aquarelle von Pierre Renoir, Paul Gauguin, Alexej von Jawlensky, Lyonel Feininger, Paul Klee, August Macke bis zu Emil Nolde und weiteren, die Kunstgeschichte schrieben.
Zur Sonderausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog mit Texten von Professor Roland Doschka, Kurator des Kunstmuseums Lindau, Professor Dr. Bernhard Maaz, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und Dr. Christian Ring, Direktor der Ada und Emil Nolde Stiftung
Olaf Gulbransson Museum, Tegernsee
Kurgarten 5,
83684 Tegernsee
Abbildungen:

- PIERRE-AUGUSTE RENOIR
Personnages dans un paysage, um 1900
Öl auf Leinwand, 32 x 41 cm
© Privatsammlung
- KARL SCHMIDT-ROTTLUFF
Blühende Bäume, 1922
Aquarell auf Bütten, 48 x 61 cm
© Privatsammlung

Museen heute

München Haus der Kunst: JOAN JONAS

JOAN JONAS

Ausstellung Haus der Kunst München
09. September 2022 bis 26. Februar 2023

„Ich denke es ist notwendig, an die Grenzen zu gehen. Was mir Angst macht, zieht mich an.“
Joan Jonas

Die wegweisende Künstlerin Joan Jonas (*1936, New York City, USA) hat durch ihr konstantes Experimentieren mit Performance, Video und Installation die Grenzen der Kunst in den letzten fünf Jahrzehnten immer wieder verschoben und neue Wahrnehmungsmodi erprobt. Sie hat zahlreiche Generationen an Künstler*innen beeinflusst und dauerhafte Beziehungen untereinander etabliert. Das Haus der Kunst zeigt ab 9. September die bisher umfangreichste Einzelausstellung in Deutschland, die Jonas’ Ansatz der transnationalen Zusammenarbeit reflektiert und ihre dynamische Praxis der Transformation zwischen Medium und Zeit entlang wiederkehrender Themen nachzeichnet.

„Das bahnbrechende Werk von Joan Jonas ist ein grundlegender Schritt in dem Transformationsprozess, den das Haus der Kunst durchläuft. Ich fühle mich geehrt, erneut mit einer so einzigartigen und außergewöhnlichen Künstlerin zusammenzuarbeiten und freue mich darauf, ihre faszinierenden, freudigen, experimentellen und zum Nachdenken anregenden Welten mit unserem Publikum zu teilen.“ Andrea Lissoni, künstlerischer Direktor Haus der Kunst und Ko-Kurator der Ausstellung

Jonas gehörte zu den Begründer*innen der Performance, als diese in den 1960er und 1970er Jahren nach ihrem Studium der Skulptur und Kunstgeschichte in New York aufkam. Jonas’ Schaffen ist von einem Interesse an der sozialen Funktion von Narration und Ritus für Gemeinschaften geprägt, neben frühen Untersuchungen medial vermittelter, geschlechtlicher Zuschreibungen. Seit den 2000er Jahren beschäftigt sich die Künstlerin im Zuge des Klimawandels vermehrt mit dringenden ökologischen Fragestellungen, und stellt dabei nicht-menschliche Lebensformen und -räume in den Fokus ihrer künstlerischen Betrachtung.

Entsprechend Jonas’ prozessualer und zyklischer Arbeitsweise, in der sie bestehende Performances oder Installationen aufgreift, fortschreibt und medial verschiebt, verfolgt die Werkschau am Haus der Kunst keine chronologisch-lineare Struktur. Sie fächert sich prismatisch auf, um die inhaltlichen und formalen Verknüpfungen zwischen Jonas’ Arbeiten unterschiedlicher Zeitperioden aufzuzeigen.

Der Eingangsbereich des Haus der Kunst wird von dem Video Wolf Lights (2004/5) beleuchtet. Das Werk zeigt exemplarisch, wie Jonas Techniken des Films und Theaters kombiniert, um Herrschaftsstrukturen zu verhandeln. In der Mittelhalle wird erstmals in Europa ihr jüngstes Werk Rivers to the Abyssal Plain (2021) präsentiert. Es steht für Jonas’ gegenwärtige Beschäftigung mit dem vielfältigen Ökosystem des Ozeans und ihren künstlerischen Umgang mit Forschung. Das Verhältnis zwischen Natur und künstlerischer Schöpfung bestimmt auch die im Zentrum der Ausstellung stehende multimediale Installation Reanimation (2010/2012/2013). Die Installation wurde auf der documenta 13 uraufgeführt und stellt in vier Videoprojektionen erhabene Aufnahmen isländischer und norwegischer Gletscher dem Akt des Zeichnens im Schnee gegenüber.

Die Ausstellung versammelt weitere historische Schlüsselwerke, die einen Wendepunkt in Jonas’ Schaffen markieren. Die Installation Stage Sets (1976) formuliert einen erweiterten, dynamischen Skulpturbegriff und begründete Jonas’ Praxis der Übersetzung von performativen Aufführungs- in manifeste Ausstellungsformate. Juniper Tree (1976/1994) bildet das erste Werk Jonas’, das gänzlich aus einer lang tradierten, kollektiven Erzählung abgeleitet wurde. Lines in the Sand (2002) zeugt von ihrem Interesse an der Umschreibung mythologischer Narrative vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen. Drei Werke aus der Serie My New Theater (1997–2006) erinnern an ein minimalistisches Objekt, eine Guckkastenbühne und eine Camera obscura. Sie vereinen damit Jonas’ grundsätzliche Verhandlung von Raum, Illusion und Rahmung in der Bildproduktion.

Ergänzt wird die Ausstellung durch zwei Performances von Joan Jonas: Mirror Piece I & II (1969/2018), in der Jonas das wiederkehrende Motiv des Spiegels in ihr Werk einführte, um Machtstrukturen des Blickes und geschlechtliche Rollenbilder zu thematisieren. Die Performance schlägt damit den Bogen zu zahlreichen Werken der Ausstellung (8.–10.9.22). In der europäischen Erstaufführung von Out Takes: What the Storm Washed In (2022) vereint Jonas Videoaufnahmen mit Live-Musik, Text und Performance. Die musikalische Komposition stammt von Ikue Mori (13.11.22).

Haus der Kunst
Prinzregentenstr. 1,
80538 München
Abbildungen:

- Joan Jonas, Stream or River, Flight or Pattern, 2016-17
Video still. Courtesy the artist and Barbara Gladstone Gallery / VG Bild-Kunst, Bonn 2022
- Joan Jonas, Stream or River, Flight or Pattern
2016-17. Video still.
Courtesy the artist and Barbara Gladstone Gallery
VG Bild-Kunst, Bonn 2022
Museen heute

Neue Galerie Dachau: Saluti da Capri! Eine Insel zwischen Idylle und Tourismus

Neue Galerie Dachau
Saluti da Capri!Eine Insel zwischen Idylle und Tourismus

Ausstellung vom 17. September 2022 bis 12. März 2023

Die malerisch im Golf von Neapel gelegene Insel Capri öffnete sich im 19. Jahrhundert dem Tourismus durch den auch viele Künstler auf die Insel kamen. Heute zählt die Mittelmeerinsel zu den beliebtesten Ferienzielen Italiens und wird im Sommer von Besuchern aus aller Welt überrannt. Wenn zu Spitzenzeiten täglich ca. 45000 Touristen von Neapel herüberfahren, ist an den ungestörten Genuss der romantischen Flecken nicht zu denken. Doch nach Abfahrt der Tagesbesucher gibt es durchaus noch stille Orte und in den Wintermonaten sind die Bewohner weitgehend unter sich. Die Ausstellung zeigt verschiedene Seiten der Insel und lässt auch einen Blick hinter die Kulissen des Tourismus zu. Mit Fotografien, Skulpturen und einer Soundinstallation von Enrico Desiderio, Gianluca Federico, Bruno Flavio, Klaus Frahm und Raffaela Mariniello.
Neue Galerie DachauKonrad-Adenauer-Straße 20,
85221 Dachau

Abbildung:
Klaus Frahm, aus der Serie La Casa, 1999
Museen heute

Museum Starnberg: Yvonne Roeb

Yvonne Roeb "Echo"Ausstellung vom 25. September 2022 bis 19. Februar 2023

Museum Starnberger See
Für die Kapelle im Lochmannhaus hat die Künstlerin Yvonne Roeb eine begehbare Installation entwickelt. Das Werk mit dem Titel Echo ist eine Antwort auf den Raum und die hier permanent präsentierte Starnberger Heilige des Bildhauers Ignaz Günther aus dem Jahr 1755. Roeb nimmt die Rokokofigur zum Anlass für eine räumliche Collage über die Verbildlichung und Vereinnahmung von Weiblichkeit.

Für die Heiligenfigur schuf die Künstlerin eine samtig blaue Nische in einer eingezogenen Wand vor der gerundeten Apsis des Raums. Ein sichelförmiger Spalt am oberen Ende der neuen Wand lässt den dahinterliegenden Hohlraum noch erahnen. Gerahmt wird die Starnberger Heilige durch eine Raute, die in der Mitte des Raumes zu schweben scheint. Das Objekt ist ein Zitat an eine sogenannte Mandorla – einen Glanz, der eine gesamte Figur umschließt und in religiösen Darstellungen des Mittelalters verbreitet war. In den Linien und Farbfeldern des Teppichs setzt sich die Rautenform fort. Darin räkelt sich kokett ein menschliches Bein. Es ist das Bein der Künstlerin. Ein Platzhalter für Funktion und Empfindung, für Sinnliches und Übersinnliches. Nachbildungen von Körperteilen aus Wachs, Holz oder Blech dienen seit vorchristlicher Zeit auch als Opfergaben. In einer Vitrine sind zwei Skulpturen mit ebenfalls weiblich anmutenden Körperformen präsentiert. In zwei kleinformatigen Collagen sind von der Künstlerin Bilder zusammengeführt, die in ihrer Begegnung eine eindringliche erzählerische Kraft entwickeln, voller Gewalt, Begierde und menschlicher Verletzlichkeit.

Als Teil der Ausstellung ist das Künstlerbuch ARTIFIZIARIUM III entstanden.

Yvonne Roeb wurde 1976 in Frankfurt am Main geboren. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Paris.
Museum Starnberger See
Possenhofener Str. 5
82319 Starnberg
Museen heute

Dachau Gemäldegalerie: Zauberhaftes Capri. Ein Paradies für Künstler

Gemäldegalerie Dachau
Zauberhaftes Capri. Ein Paradies für KünstlerAusstellung vom 29. September 2022 bis 12. März 2023
Die im Golf von Neapel gelegene Insel Capri war schon in der Antike ein beliebter Rückzugsort. So hatte 26 n. Chr. Kaiser Tiberius die Insel zu seinem Regierungssitz erklärt und sich in seinen letzten Jahren immer wieder hierher zurückgezogen. Einfälle der Sarazenen machten später den Bau von Stadtmauern nötig. Danach wurde es um Capri ruhiger, auch wenn im 16./17. Jahrhundert ein Abstecher auf die Insel Teil der Bildungsreise (Grand Tour) junger Adeliger und reicher Bürger war. Bis ins frühe 19. Jahrhundert fuhren außer Italienern vor allem Engländer und Franzosen zur der »gefährlichen Felseninsel« hinüber. Die Reiseberichte von Johann Gottfried Herder und Johann Wolfgang von Goethe entfachten das Interesse der deutschen Künstler. Mit der Wiederentdeckung der Blauen Grotte durch den Maler und Schriftsteller August Kopisch und seinen Kollegen Ernst Fries 1826 wurde Capri gerade für die Romantiker zum Ziel ihrer Träume, glaubten sie doch dort die Blaue Blume, das Sinnbild für das verlorene Paradies wieder gefunden zu haben. Generationen von Malern waren von der Schönheit der landschaftlichen Motive und insbesondere der ihrer Bewohnerinnen fasziniert. »Die Einwohner von Capri zeichnen sich durch feine Formen aus […]. Die Malercolonie, die beständig hier ist (manche sind jahrelang da) wird nicht minder durch die Schönheit des Menschenschlags wie durch die Natur angezogen« schwärmte 1867 der Kunsthistoriker Carl Justi. Die Maler und ihre Bilder machten die Insel weithin bekannt und es entwickelte sich ein reger Fremdenverkehr. So hatte der Notar Giuseppe Pagano, dessen Haus Fremden seit 1818 offen stand, 1857 das »Hotel Pagano« eröffnet, das seine Zimmerkapazitäten rasch erweitern musste. In unmittelbarer Nähe lag seit Ende der 1880er-Jahre die »Birreria di Monaco« (Münchner Bierschenke), die 1889 den Namen »Zum Kater Hiddigeigei« erhielt. Dort gab es nicht nur Pschorr-Bier und eine große Weinauswahl, sondern auch deutsche Zeitungen und eine permanente Kunstausstellung.

Gemäldegalerie DachauKonrad-Adenauer-Straße 3,
85221 Dachau
Abbildung:
Friedrich Thöming (1802–1873)
Die blaue Grotte auf Capri, um 1833
Öl auf Leinwand, 16 x 21 cm
Privatbesitz
Museen heute

München Stadtmuseum: Radio Free Europe. Stimmen aus München im Kalten Krieg

Radio Free Europe. Stimmen aus München im Kalten Krieg
Stadtmuseum München
Ausstellung vom 30. September 2022 bis 05. März 2023
Eine Ausstellung in der Galerie Einwand des Münchner Stadtmuseums mit einem Modul im Foyer des Jüdischen Museums München

Die Ausstellung "Radio Free Europe. Stimmen aus München im Kalten Krieg" gibt anhand von fünf bewegten Biografien Einblick in das Leben von Mitarbeitenden der Radiosender "Radio Free Europe" und "Radio Liberty". Ob am Mikrofon oder hinter den Kulissen – durch die vielfältigen Lebensgeschichten entsteht ein vielstimmiges Bild der Sender von den Anfängen in den 1950er Jahren bis in die 1990er Jahre.

"Radio Free Europe" und "Radio Liberty" produzierten in München während des Kalten Krieges Nachrichten, Kultur- und Sportprogramme in über 20 osteuropäischen Sprachen. Die amerikanischen Sender wurden bis in die 1970er Jahre von der CIA finanziert und sollten in den kommunistischen Ländern Osteuropas, in denen es keine Medienfreiheit gab, eine Gegenöffentlichkeit herstellen. In der Sowjetunion galt München mitunter sogar als "Hauptstadt der feindlichen Emigration". Mit Störsendern, Agent*innen und gezielten Anschlägen wurde gegen das Wirken der Radiosender gekämpft. 1995 zogen die Sender nach Prag um. Sie senden heute noch in 20 Länder – unter anderem nach Afghanistan und aktuell wieder verstärkt nach Russland.

Aufgrund des Zweiten Weltkriegs befanden sich 1945 hunderttausende Menschen unfreiwillig in Bayern. Menschen aus vielen europäischen Ländern sind aus Konzentrations- und Arbeitslagern befreit worden. Darunter befanden sich auch die von den Nationalsozialisten als Jüdinnen und Juden Verfolgten, von denen nur wenige die Schoa überlebt hatten. Darüber hinaus war München für Osteuropäer*innen, die vor den neuen kommunistischen Machthabern flüchteten, die nächstgelegene Stadt in der amerikanischen Besatzungszone. Dort angelangt kamen einige dieser Personen auf unterschiedliche Weise in Kontakt zu "Radio Free Europe".

In der Galerie Einwand kommen Zeitzeug*innen in Video-Interviews zu Wort. Fotos und Dokumente veranschaulichen ihren Weg nach München und ihre Arbeit für die US-amerikanische Militärregierung im Kalten Krieg. Viele wirkten im Hintergrund – zum Beispiel als Redakteure, Techniker oder als Analysten bei der Auswertung osteuropäischer Nachrichten. Aufgrund ihrer Sprach- und Landeskenntnisse konnten sie für die psychologische Kriegsführung im Kalten Krieg eingesetzt werden. Die Arbeit bei den Radios ermöglichte es ihnen, sich in München eine Existenz aufzubauen. Graphic Novels, die in Zusammenarbeit mit Studierenden der Hochschule für Kommunikation und Gestaltung in Ulm entstanden sind, geben Einblicke in entscheidende Momente aus dem Leben der ehemaligen Mitarbeitenden. Sie zeigen, wie das Ringen um Zugehörigkeit, Loyalität, Liebe und Anerkennung ihr Leben im München der Nachkriegszeit prägte.

Die Geschichte der Einwanderung in den ersten Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde in deutschen Stadtmuseen bisher kaum behandelt. Die unmittelbare Nachkriegsgeschichte aus jüdischer Perspektive ist dagegen von jüdischen Museen bereits genauer erforscht. Erstmals beleuchten nun das Münchner Stadtmuseum und das Jüdische Museum München mit dem Projekt "Nachkriegszeit und Migration in München" die Diversität in der lokalen Nachkriegszeit. In mehreren Ausstellungsprojekten werden unterschiedliche Themen dieses breiten Spektrums behandelt. "Radio Free Europe. Stimmen aus München im Kalten Krieg" präsentiert nun die ersten Ergebnisse und Sammlungsgegenstände. 2023 folgen zwei weitere Ausstellungen über Displaced Persons.

Stadtmuseum München
St.-Jakobs-Platz 1
80331 München
Abbildung:
Mikrofon von Radio Free Europe, um 1960
Museen heute

München Lenbachhaus: KUNST UND LEBEN 1918 BIS 1955

KUNST UND LEBEN 1918 BIS 1955

München Lenbachhaus
Ausstellung vom 15. Oktober 2022 bis 16. April 2023
Das Ausstellungsprojekt beschäftigt sich mit der Vielgestaltigkeit der Lebensläufe und Schicksale von Künstler*innen während der Weimarer Republik, der Zeit des Nationalsozialismus bis zur ersten documenta im Jahr 1955 in der noch jungen Bundesrepublik Deutschland. Die Kunst werke und Biografien berichten von Verfolgungsschicksalen und abgebrochenen Karrieren, Widerstand und Anpassung. Das Zeitgeschehen, institutionelle Bedingungen und persönliche Beziehungen werden parallel zu den Lebensläufen untersucht. Zu beobachten sind eine Ungleichzeitigkeit und ein Nebeneinander unterschiedlichster Entwicklungen und Strömungen, die die Zeit zwischen 1918 und 1955 prägten. Auch künstlerische Positionen, die den NS-Ideologien nahestanden, werden nicht ausgeklammert. Die Darstellung von Kontinuitäten, Brüchen und Entwicklungen, die aus heutiger Perspektive nicht stringent erscheinen, ist ein Hauptanliegen des Projekts. Mit Hilfe zahlreicher Expert*innen beleuchten wir Themen, die seit einigen Jahren intensiv er forscht werden. Dazu gehören zum Beispiel das Verhältnis zwischen den Ausstellungen „Entartete Kunst“ und den „Großen Deutschen Kunstausstellungen“, der Begriff „innere Emigration“, die sogenannte „Gottbegnadetenliste“ von 1944, apologetische Mythen wie „Berufsverbote“ im Nationalsozialismus sowie die „Stunde Null“.
Die gewählten Schwerpunkte orientieren sich an der Sammlungs- und Ausstellungsgeschichte des Lenbachhauses. Damit ergibt sich ein Fokus auf die Kunststadt München, ergänzt durch prägende nationale und internationale Phänomene. Neben Highlights der Sammlung des Lenbachhauses werden neu restaurierte Werke und Ankäufe erstmals gezeigt, gezielte Leihgaben ermöglichen es, den exemplarischen Überblick abzurunden.
Künstler*innen:
Rudolf Belling, Karl Caspar, Maria Caspar-Filser, Fridel Dethleffs-Edelmann, Erna Dinklage, Heinrich Ehmsen, Marie Heilbronner, Elisabeth Epstein, Fritz Erler, Otto Freundlich, Willi Geiger, George Grosz, Emilie von Hallavanya, Wilhelm Heise, Käthe Hoch, Karl Hubbuch, Paul Klee, Else Lasker-Schüler, Rudolf Levy, Maria Luiko, Gabriele Münter, Herbert Ploberger, Max Radler, Franz Radziwill, Anita Rée, Christian Schad, Josef Scharl, Rudolf Schlichter, Georg Schrimpf, Erwin Steiner, Hermann Tiebert u. a.

Kuratiert von Karin Althaus, Sarah Bock, Lisa Kern und Melanie Wittchow
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau MünchenLuisenstraße 33,
80333 München
Abbildung:
Karl Hubbuch
München, ca. 1933/1935
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
© Karl Hubbuch-Stiftung / Städtische Galerie Karlsruhe 2020
Museen heute

Buchheim Museum Bernried: FLORES Y MUJERES – AUS DER SAMMLUNG HIERLING

FLORES Y MUJERES – AUS DER SAMMLUNG HIERLING

Buchheim Museum Bernried
Ausstellung vom 15. Oktober 2022 bis 23. Februar 2023
2018 sorgte das Gedicht »Avenidas y flores y mujeres« (Prachtstraßen, Blumen und Frauen) des bolivianisch-schweizerischen Schriftstellers und Begründers der Konkreten Poesie, Eugen Gomringer für große Aufregung: Da es Frauen zu Objekten männlicher Blicke mache, wurde es als sexistisch kritisiert und schließlich von der Fassade einer Berliner Hochschule entfernt.

Frauen und Blumen sind häufige Motive in der bildenden Kunst, vor allem auch in den Gemälden der expressiven Realisten. Jene Generation von Künstlerinnen und Künstlern feierte zwischen den beiden Weltkriegen ihre Erfolge, in der Nazi-Zeit wurde sie als »entartet« verfemt und nach dem Zweiten Weltkrieg galt sie wegen ihrer realistischen Malerei als antiquiert.

Auch Karoline Wittmann, die ihr komplettes Frühwerk in einer Bombennacht Ende 1944 verlor, erging es so. Ihr Selbstbildnis als Halb-Akt mit Gladiolen von 1949 ist ein kühner Sprung in die Emanzipation von dem nationalsozialistischen Frauenbild der züchtigen Hausfrau. Es kann als Beispiel dafür gelten, dass die von Frauen gemalten weiblichen Akte nicht nur die gesellschaftliche Stellung der Frau im Laufe der Geschichte widerspiegeln, sondern auch dem jeweiligen Frauenbild ein künstlerisches Statement entgegensetzen können.

Vor dem Hintergrund der Kritik an Gomringer bieten auch Walter Beckers Werke „Trio 3" oder „Im Bad" interessantes Anschauungsmaterial. Im hohen Alter entwickelt Becker in einem neuen Anlauf seine Bilder ganz aus der Farbe. Was als oberflächlicher und großflächiger Betrachtungsgenuss pointierter Aktdarstellungen erscheint, ist in Wirklichkeit der Versuch, mit Farbe einen musikalischen Klang zu bilden, den Klang von Erinnerungen, Eindrücken und Sehnsüchten eines langen Lebens. Wo aber nun ist die Grenze zu ziehen zwischen künstlerische Freiheit und moralischer Maßgabe?

FLORES Y MUJERES regt an zur Auseinandersetzung mit Fragen, die sich bei der Befassung mit Kunst immer wieder auf das Neue stellen: Was ist Schönheit? Welche Frauenbilder werden konstruiert? Was wiegt schwerer: erotische Fantasie oder der Respekt vor dem anderen Geschlecht? Die Ausstellung will sensibel machen für diese Themen und diese kunsthistorisch bedeutsamen Werke neuen Rezeption offen und kritisch vorlegen. Schließlich ist diese Ausstellung eine herzliche Einladung zur genussvollen Betrachtung von Kunst.
Buchheim Museum
Am Hirschgarten 1
82347 Bernried am Starnbergersee
Abbildungen:

- Walter Becker
Trio 3 oder Im Bad, 1968
Öl auf Leinwand
Sammlung Hierling
© Rechtenachfolge Walter Becker
- Otto Herbig
Frau mit Blumen, 1957
Pastell auf Papier/Leinwand
Sammlung Hierling
© VG Bild-Kunst 2022
Museen heute

Franz Marc Museum: MARC, KANDINSKY, KIRCHNER, SOULAGES, VOTH … Der Rhythmus der Natur

MARC, KANDINSKY, KIRCHNER, SOULAGES, VOTH …
Der Rhythmus der Natur
Franz Marc Museum, Kochel am SeeAusstellung vom 16. Oktober 2022 bis 12. März 2023

Kunst und Natur – Natur und Kunst. Wie verhalten sie sich zueinander im 20. und 21.Jahrhundert, einer Epoche, in der die Künstler sich neue Gesetze und der Kunst neue Ziele geben? Wie zeigt die Kunst das Verhältnis von Mensch und Natur?

Im Franz Marc Museum gehen wir dieser Frage in diesem Winter nach.

Mit dem Projekt „Boot aus Stein“ des Münchner Künstlerpaars Hannsjörg Voth und Ingrid Amslinger. Und mit Werken von Lyonel Feininger, Erich Heckel, Wassily Kandinsky, Anselm Kiefer, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, August Macke, Franz Marc, Otto Müller, Gabriele Münter, Emil Nolde, Pierre Soulages.

Ihre Bilder zeigen Wiesen und Gärten, Blumen und Bäume, Flüsse und Seen, aber auch Flaneure im Park und Tiere auf der Weide. Sind sie alle, Tiere und Menschen, harmonisch eingebettet in die Natur? Wo zeichnen sich Brüche ab, wo bleibt nur die melancholische Erinnerung an ein verlorenes Paradies?
Auf dem großen Gemälde Anselm Kiefers „Unter der Linden an der Heiden …“ gilt die Melancholie nicht der Natur, sondern die Natur wird zur Projektionsfläche eines unglücklich Liebenden. Die geknickten Blüten sind Symbole der für immer vergangenen Momente seiner Liebe. Doch die Natur geht mit Licht und Schatten, Sturm und Sonne unberührt darüber hinweg. Sie folgt ihrem Rhythmus, dem zyklischen Wechsel von Werden und Vergehen, der das Maß des menschlichen Lebens weit überschreitet.
Auch Franz Marc hatte ein zyklisches Verständnis von Natur. Alles organische Leben war seiner Vorstellung nach in einen kontinuierlichen Kreislauf eingebunden, einen beweglichen Zusammenhang, der im schwingenden Rhythmus seiner Tierbilder, in der engen kompositorischen Verbindung von Tier und Landschaft zum Ausdruck kommt. Das zeigen seine Pferdedarstellungen und seine Bilder von Rehen und Katzen, Kühen und Eseln. In Marcs letzten, 1913/14 entstandenen Werken wird seine Vision eines übergreifenden, kosmischen Rhythmus als abstrakte Struktur sichtbar.

Die Künstler der „Brücke“, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel oder Otto Müller formulieren in ihren Bildern ebenfalls eine Utopie. Während Franz Marc die harmonische Verbindung von Tier und Landschaft seinen menschlichen Betrachtern als eine Art Meditationsbild über ihre eigene distanzierte Stellung zur Natur vor Augen führt, schließen die Maler der „Brücke“ den Menschen aus ihren Darstellungen nicht aus. Sie zeigen ihn in „natürlicher“ Nacktheit am Strand, im Wald, am Meer und im Atelier, wo die Modelle mit den Künstlern lebten und arbeiteten. Diese, um die Jahrhundertwende unkonventionelle Lebensweise ist für die „Brücke“ die eines „neuen Menschen“ der zu einer ursprünglichen, paradiesischen Lebensweise in Harmonie mit der Natur zurückfindet und sich von den Konventionen seiner Zeit emanzipiert.

Eine neue Vorstellung vom Menschen äußert sich auch in den Porträts der ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts. Alexej Jawlensky, Paula Modersohn-Becker oder Max Beckmann malen ihre Modelle in ungewöhnlicher Farbigkeit und in einem Ambiente, das der Bildnistradition in keiner Weise mehr entspricht. Es geht nicht um Repräsentation, um soziale Stellung oder Schönheit, sondern um die Offenlegung seelischer und emotionaler Qualitäten. Philosophie und Naturwissenschaft, die Studien Siegmund Freuds, seine 1900 erschienene „Traumdeutung“, hatten die Vorstellung, die man sich vom Wesen des Menschen machte, grundlegend verändert. Die Maler versuchen, hinter seiner äußeren Erscheinung die innerste Natur des Menschen zu entdecken und darzustellen.

Neue Erkenntnisse der Naturwissenschaften beeinflussten auch die Landschaftsmalerei. Die Entdeckung des Atoms veränderte die Wahrnehmung der Welt und die Vorstellung von ihren Dimensionen. So verortet Fritz Winter seine „Weltlebenbilder“ in der großen Ordnung der kosmischen Verhältnisse. Nach dem Zweiten Weltkrieg verzichtet die abstrakte Malerei auf die Abbildung der Welt in Form von Landschaftsbildern. Sie konzentriert sich auf die Darstellung von Grundprinzipien der Natur: Dunkel und Licht, Schwarz und Weiß bestimmen die Gemälde von Pierre Soulages in vielen Nuancen. Wie schon bei Paul Klee, der in den 20er Jahren bei seinen Überlegungen zum Farbkreis Hell und Dunkel mit moralischen Qualitäten -Gut und Böse - versah, geht es in der Nachkriegsabstraktion um Fragen der Spannung und des Gleichgewichts der Komposition und der Farben. Das Bild wird zum Gleichnis für die Verhältnisse in Natur und Kosmos.

Hannsjörg Voth und Ingrid Amslinger schließlich lösen sich aus der Rolle der analysierenden Beobachter. Mit seiner Pyramide im holländischen Ijsselmeer realisierte Hannsjörg Voth 1981 ein Projekt, das Kunst als Naturschauspiel inszenierte. Durch den künstlerischen Eingriff wurde eine intensive Erfahrung natürlicher Phänomene möglich. Bewahrt und wieder lebendig wird diese Vision in den Fotografien Ingrid Amslingers, die den Entstehungsprozess und die Wirkung dieser besonderen Architektur in der Natur einfühlsam dokumentieren. „Boot aus Stein“ vermittelte Naturerfahrung in einem ganz direkten Sinn: Wochenlang lebten Hannsjörg Voth und Ingrid Amslinger in der Pyramide, im Rhythmus der Natur und setzten sich nicht nur ihrer Schönheit, sondern auch ihrer Gewalt aus.

Franz Marc MuseumFranz Marc Park 8-10,
82431 Kochel am See
Abbildungen:

1. Lyonel Feininger, Troistedt,
1923 Franz Marc Museum,
Dauerleihgabe aus Privatbesitz
Foto: Walter Bayer, München
2. Wassily Kandinsky, Rapallo, Boot im Meer,
1906 Franz Marc Museum,
Erworben mit Hilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung, Kulturstiftung der Länder, Stiftung Etta und Otto Stangl
Foto: collecto.art
3. Otto Müller, Badende,
1920 Franz Marc Museum
Dauerleihgabe aus Privatbesitz
Foto: collecto.art
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