HAN BENNINK, der Meistertrommler der Avantgarde in Germering. Wann? Am 26. Oktober mit Joris Roelofs und Phil Donkin in der Stadthalle (siehe TIPP).                   
Aktuelle Veranstaltung
heute
Theater München Gärtnerplatztheater: Dantons Tod
Dantons Tod
Oper
Musik von Gottfried von Einem
Libretto frei nach Georg Büchner eingerichtet von Boris Blacher und Gottfried von Einem
Die Französische Revolution hat sich der absolutistischen Machthaber entledigt, doch weiterhin lebt das Volk in Angst und Schrecken. Während sich der einstige Revolutionär Georges Danton genusssüchtig dem Spiel und der Liebe widmet, will Robespierre die Gleichheit aller Menschen mit Gewalt und Terror durchsetzen. Erst als er selbst ins Visier der Schreckensherrschaft gerät, lässt sich Danton wieder zu politischer Aktivität überreden. Doch Zweifel an seinen eigenen Motiven sowie an der Möglichkeit, Freiheit und Brüderlichkeit gewaltsam erkämpfen zu können, stehen seiner Tatkraft im Wege. Das erbarmungslose Drama Georg Büchners bot dem österreichischen Komponisten Gottfried von Einem eine ideale Möglichkeit, sich mit faschistischen Herrschaftsstrukturen auseinanderzusetzen. Zwei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge der Salzburger Festspiele uraufgeführt, hat das Werk bis heute nichts an Aktualität eingebüßt. Zum 100. Geburtstag des Komponisten bringt der gefeierte Regisseur Günter Krämer das packende wie verstörende Werk auf die Bühne des Staatstheaters am Gärtnerplatz.
Musikalische Leitung: Anthony Bramall   
Regie: Günter Krämer   

Staatstheater am Gärtnerplatz
Gärtnerplatz 3
80469 München
Aktuelle Veranstaltung
heute
Tipp München Gärtnerplatztheater: Dantons Tod
Dantons Tod
Oper
Musik von Gottfried von Einem
Libretto frei nach Georg Büchner eingerichtet von Boris Blacher und Gottfried von Einem
Die Französische Revolution hat sich der absolutistischen Machthaber entledigt, doch weiterhin lebt das Volk in Angst und Schrecken. Während sich der einstige Revolutionär Georges Danton genusssüchtig dem Spiel und der Liebe widmet, will Robespierre die Gleichheit aller Menschen mit Gewalt und Terror durchsetzen. Erst als er selbst ins Visier der Schreckensherrschaft gerät, lässt sich Danton wieder zu politischer Aktivität überreden. Doch Zweifel an seinen eigenen Motiven sowie an der Möglichkeit, Freiheit und Brüderlichkeit gewaltsam erkämpfen zu können, stehen seiner Tatkraft im Wege. Das erbarmungslose Drama Georg Büchners bot dem österreichischen Komponisten Gottfried von Einem eine ideale Möglichkeit, sich mit faschistischen Herrschaftsstrukturen auseinanderzusetzen. Zwei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge der Salzburger Festspiele uraufgeführt, hat das Werk bis heute nichts an Aktualität eingebüßt. Zum 100. Geburtstag des Komponisten bringt der gefeierte Regisseur Günter Krämer das packende wie verstörende Werk auf die Bühne des Staatstheaters am Gärtnerplatz.
Musikalische Leitung: Anthony Bramall   
Regie: Günter Krämer   

Staatstheater am Gärtnerplatz
Gärtnerplatz 3
80469 München
Aktuelle Veranstaltung
heute
Zugabe Landsberg Filmforum: TRANSIT
TRANSIT
Christian Petzold hat den Roman von Anna Seghers verfilmt.

Anna Seghers´ Roman “Transit“ handelt von der Flucht vor den Nazis. Christian Petzold hat das Buch verfilmt, als spiele es in der absoluten Gegenwart. Das ist erschreckend plausibel. Die deutschen Truppen stehen vor Paris. Georg entkommt im letzten Moment nach Marseille. Im Gepäck hat er die Hinterlassenschaft des Schriftstellers Weidel, der sich aus Angst vor seinen Verfolgern das Leben genommen hat: ein Manuskript, Briefe, die Zusicherung eines Visums durch die mexikanische Botschaft. In der Hafenstadt darf nur bleiben, wer beweisen kann, dass er gehen wird. Einreisegenehmigungen für die möglichen Aufnahmeländer werden gebraucht. Georg nimmt die Identität von Weidel an, versucht eine der wenigen Schiffspassagen zu ergattern. Schauplatz des Films ist das heutige Marseille, in dem sich die Figuren aus der Vergangenheit bewegen. Geflüchtete von damals treffen auf Geflüchtete von heute, die Geschichte trifft auf die Gegenwart, und alle Erzählungen verbinden sich zu einem ewigen Transitraum. „Eine Windstille der Geschichte“ spüre er darin, sagt Christian Petzold. Unbedingt sehenswert!
R: Christian Petzold – B: Christian Petzold frei nach dem Roman von Anna Seghers – K: Hans Fromm – D: Franz Rogowski, Paula Beer, Godehard Giese, Barbara Auer – Deutschland 2017, L: 102 Min.

FILMFORUM im Stadttheater Landsberg
Schlossergasse 381
86899 Landsberg am Lech
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München Alpines Museum: gerade wild. Alpenflüsse
gerade wild. Alpenflüsse
Sonderausstellung im Alpinen Museum

Vom 17. Mai 2018 bis zum 17. März 2019 zeigt der DAV die Sonderausstellung zu Alpenflüssen im Alpinen Museum auf der Praterinsel in München.


wild

Wilde Alpenflüsse wie den Tagliamento in Oberitalien, den Oberen Lech oder die Obere Isar gibt es nur noch wenige im Alpenraum. Sie sind ein bedeutender Lebensraum für bedrohte Pflanzen und Tiere sowie ein faszinierender Erholungsraum für den Menschen.
Alpenflüsse sind wie Lebensadern in der Landschaft.
 

gerade

Heute sind Alpenflüsse meist begradigt, abgeleitet und aufgestaut.
Die Auen werden genutzt.
Die Fische werden durch Querbauwerke am Wandern gehindert.

 

Die Sonderausstellung „gerade wild. Alpenflüsse“ spielt eindrucksvoll mit dem Kontrast zwischen einem Wildfluss und einem begradigten, genutzten Fluss. Das Ausstellungsdesign ist ungewöhnlich, macht neugierig und lädt zum Entdecken ein.

Die Ausstellung ist Teil des Verbundprojektes „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“, an dem 18 Projektpartner beteiligt sind. Sie wird durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie mit Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds gefördert.

Alpines Museum
Praterinsel 5,
80538 München


Abbildungen:

Die Ausleitung der Isar bei Krün. Das Wasser fließt in den Walchensee.
Foto: N. Schnitzer
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Museum Brandhorst: JUTTA KOETHER - TOUR DE MADAME
JUTTA KOETHER - TOUR DE MADAME

Museum Brandhorst18. Mai bis 21. Oktober 2018

Vor allem ist Jutta Koether Malerin. Angesichts ihrer vielgestaltigen künstlerischen Praxis, die zu wesentlichen Teilen auch aus Performances, Musik und literarischen, theoretischen und kritischen Texten besteht, mag diese Beobachtung überraschen. Doch die Ausstellung „Tour de Madame“ führt vor Augen, dass die Malerei Koethers künstlerische Landschaft wie ein Turm überragt und damit die Perspektive bietet, von der aus sich alles andere ordnen lässt. Und dazu ist die Ausstellung eine Grand Tour, eine Tour d’Horizon, eine Tour de Plaisir durch diese Landschaft, während der klar wird, dass die Malerei auch deswegen die prominente Position in Koethers Schaffen einnimmt, weil die Künstlerin sie anders denkt als viele ihrer Zeitgenossinnen und Zeitgenossen – nämlich eben nicht als isolierbares oder bloß historisches Phänomen, sondern als offene Bildfläche. So ist Koethers Malerei oft das, was Malerei in den vergangenen 35 Jahren selten war – ein Medium, um zu erzählen. Koether sucht dabei nicht allein die Analyse und Reflexion, sondern auch den Exzess und das Vergnügen, und sie stellt aus diesen Perspektiven positiv und konstruktiv konnotierte Bezüge zu einer Tradition der Malerei her, die nicht allein auf Referenzen zur Moderne beschränkt sind. Mit rund 150 Werken aus den Jahren von 1983 bis 2018 bietet „Tour de Madame“ zum ersten Mal einen systematischen und chronologischen Überblick über Koethers Malerei. Viele der in der Ausstellung gezeigten Werke und vor allem das Frühwerk sind Entdeckungen. Diese Bilder waren noch nie oder seit ihrer ursprünglichen Präsentation nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen. Die Zusammenführung aller Werkgruppen erlaubt dabei, Koethers Werk in seiner historischen Bedeutung zu erfassen: als groß angelegten Versuch, eine Gegen-Geschichte zu dem männlich dominierten Kanon der Moderne und Postmoderne zu entwerfen. Ihre Zugriffe auf Nicolas Poussin, Vincent van Gogh, Georgia O’Keeffe und andere sind dabei nicht historisierende Rückversicherungen, sondern Aktualisierungen einer Geschichte der Kunst, als deren Teil Koether sich selbstbewusst begreift. Konsequenz und Konsistenz ihres künstlerischen Schaffens lassen keinen Zweifel daran, dass Koether vor allem eines ist – eine der wichtigsten deutschen Malerinnen der letzten Jahrzehnte.

DER „TOUR DE MADAME“-ZYKLUS
Für den zentralen Raum im Untergeschoss des Museums
 Brandhorst hat Koether die Bildserie „Tour de Madame“ (2018) kon zipiert, die in Anordnung und Format auf Cy Twomblys monumentalen „Lepanto“-Zyklus (2001) antwortet. Mit der halbrunden architektonischen Gestaltung im Obergeschoss, die an eine Kirchenapsis erinnert, bildet der monumentale Zyklus
 einen Höhepunkt der ständigen Sammlungspräsentation im
 Museum Brandhorst. Basierend auf dem gleichen Grundriss wurden im Untergeschoss des Museums zwölf Glasscheiben installiert, die zu verschiedenen Blickwinkeln und zu einer Erfahrung des Raums einladen. Dort, gleichsam im Unterleib des Museums, führt uns Koether ihre Schlacht mit der Malerei- und Kunst geschichte vor Augen. In dieser Rückschau leuchten Motive und Dynamiken von
 Koethers Werdegang seit den frühen 1980er-Jahren auf. Die
 rote Farbe verleiht den Gemälden einen formalen und atmosphärischen Zusammenhalt und wird von zwei kleineren, tiefschwarzen und krustigen Bildern unterbrochen und damit in eine rhythmische Form gebracht. In einem der Bilder sehen wir runde Formen, die von Beginn an zum festen Bestand von Koethers
 
Werken gehören und die nun in einem überbordenden All-over die ganze Bildfläche in Beschlag genommen haben. Der Ausgangs- und Endpunkt des Zyklus ist ein Leichenzug, den Koether aus Nicolas Poussins „Die Beerdigung von Phocion“ (1648) entnommen hat. Bei Koether wird die Leinwand zum Leinentuch, das den aufgebahrten Körper bedeckt und dabei ein virtuoses Spiel leuchtender Glanzpunkte entfaltet. Der Topos vom Tod der Malerei, der die so utopischen wie rationalen Entwürfe der Moderne wie ein Gespenst begleitet hat, wird hier zu einem Tod „in“ der Malerei, der sich am Ende in einer verpixelten Variante wiederholt, die die mythologische Szene nur noch schemenhaft erahnen lässt. Das Gemälde erinnert an ihre „Bruised Grids“ und die Raster, die als Verzierung von Taschen oder Bänken oder als Motive ihre Gemälde seit den frühen 2000er-Jahren durchziehen und die sich zu autonomen Bildern verselbstständigten. Auch Cézanne, neben Malern wie Balthus, Freud, Poussin und van Gogh ein wichtiger Referenzpunkt für Koethers Praxis, taucht unter anderem in der Pose ihres Selbstporträts wieder auf, das auf Cézannes Bildnis von Madame Cézanne anspielt und über das Koether ihre Format füllenden Initialen „JK“ projiziert. Das zentrale Bild des Zyklus – eine Paraphrase von Balthus’
 „La Chambre“ (ca. 1953) – zeigt eine nackte weibliche Figur, die lasziv auf einem Bett liegt. Ihr Kopf ist nach hinten verdreht, beim Gesicht sind oben und unten vertauscht. Mit ihrer rechten Hand stützt sie sich ab, um mit ihrer Fußspitze ein Rasterbild aus dem Bild zu kicken. In dieser prekären Stellung hält sie mit ihrer Linken eine transparente Kugel in die Höhe – ein Balanceakt zwischen unten und oben, Schwerkraft und schwebender Leichtigkeit, Widerstand und Hingabe.   Mit dem Titel „Tour de Madame“ verweist sie auf ein weiteres gedankliches Vorbild, Michel de Montaigne. Seine Bibliothek und sein Arbeitszimmer waren auf dem Familienanwesen in einem Turm, dem „Tour de Montaigne“ untergebracht. Diesem gegenüber stand einmal der seiner Frau vorbehaltene Turm, der „Tour de Madame“. Eine zentrale These Montaignes’ ist, dass Denken nur in und durch Bewegung entsteht. Eine Bewegung, die in der Installation und den zwölf Werken aus „Tour de Madame“, ihrer Ballung an aus ihrem ¼uvre bekannten Bezügen, Themen und Motiven, zum Ausdruck kommt.

Museum BrandhorstTheresienstraße 35a,
80333 München


Jutta Koether
Untitled, 1987
Öl auf Malkarton 18 x 24 cm
Courtesy of the artist and Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Bauernhofmuseum Jexhof: „Zwischen Disco, Minirock und Revolte: die 70er. Lebensgeschichten aus dem Brucker Land“
„Zwischen Disco, Minirock und Revolte: die 70er. Lebensgeschichten aus dem Brucker Land“

Bauernhofmuseum Jexhof
Ausstellung vom 19. Mai bis 04. Nove,ber 2018
Der Jexhof, das Bauernhofmuseum des Landkreises Fürstenfeldbruck bei Schöngeising, zeigt vom 19. Mai bis 4. November 2018 die Ausstellung „Zwischen Disco, Minirock und Revolte: die 70er. Lebensgeschichten aus dem Brucker Land“.

Rote Armee Fraktion, Ölpreisschock, Ostpolitik – viele Krisen und Verwerfungen haben die Gesellschaft in der Bundesrepublik in den 70er-Jahren bewegt. Es ist eine Umbruchphase, die schon in den 60ern ihren Anfang genommen hatte. Wie wurde dieser Abschnitt individuell erlebt, worin manifestierte sich im Leben des Einzelnen der vielbeschworene „wilde“ Zeitgeist? Der konkrete Blick auf Lebensgeschichten in der Region Fürstenfeldbruck soll die Vielfalt der sozialen Identitäten in den 70ern widerspiegeln und persönliche Erinnerungen als Teil des kollektiven Gedächtnisses freilegen. Die biografischen Zeitreisen werden in der Ausstellung durch ausgewählte persönliche Objekte aus Politik, Literatur, Kunst, Musik, Mode und Design greifbar.

Die Sonderausstellung ist zu den regulären Öffnungszeiten des Museums, Dienstag bis Samstag von 13 bis 17 Uhr (montags Ruhetag, außer an Feiertagen) und Sonn- und Feiertag von 11 bis 18 Uhr zu besichtigen.

Während dieser Öffnungszeiten sorgen die Wirtsleute in der historisch eingerichteten Stube oder davor im Garten mit Kaffee und Kuchen, Getränken und kleinen warmen Speisen bzw. Brotzeiten für das leibliche Wohl der Besucher.

Bauernhofmuseum Jexhof
82296 Schöngeising 


Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München Haus der Kunst: Generations Part 2 - Künstlerinnen im Dialog
Generations Part 2Künstlerinnen im Dialog 

Die Werke von Frauen haben in der Sammlung Goetz seit Beginn einen besonderen Stellenwert. So wurden wichtige Einzelpositionen wie Yayoi Kusama, Rosemarie Trockel, Mona Hatoum oder Gruppierungen wie die Young British Artists schon früh aufgebaut und über die Jahre hinweg durch Neuerwerbungen erweitert. In ihrer Sammelleidenschaft ließ sich Ingvild Goetz von ihrem Interesse an gesellschaftspolitischen Themen, formal-ästhetischen Fragestellungen sowie künstlerischen Materialien leiten und blieb dabei stets für Neuentdeckungen offen. Anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens präsentiert die Sammlung Goetz eine dreiteilige Ausstellung im eigenen Museum und im Haus der Kunst, die dem künstlerischen Schaffen von Frauen gewidmet ist und ihre Werke in einen generationsübergreifenden Dialog stellt.

Im zweiten Teil der Ausstellung im ehemaligen Luftschutzkeller des Haus der Kunst stehen die Erkundung des Körpers, das Ausloten seiner Grenzen und die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Vorstellungen von Sexualität, Geschlecht und Identität in bewegten Bildern im Zentrum. Denn Videotechnik wird bereits seit ihren Anfängen als künstlerisches Medium zur Selbstreflexion und Dokumentation von Performances eingesetzt. Gezeigt werden Fotografien, Filme und Installationen von Künstlerinnen aus den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart. 

Der Experimentalfilm „Kusama‘s Self-Obliteration“ (1967) dokumentiert die Performances und Nackt-Happenings, die Yayoi Kusuma in den 1960er-Jahren in New York aufgeführt hat. Leitmotiv der japanischen Künstlerin sind die Polka Dots, mit denen sie Menschen, Tiere und ihre Umgebung bedeckt. Ähnlich den spirituellen Vorstellungen des Buddhismus sind sie eine Metapher für die persönliche Entgrenzung und der Idee, eins zu werden mit dem Universum. „Kusama‘s Self Obliteration“ spiegelt den Geist der Hippie-Generation, die sich von den Zwängen bürgerlicher Lebens-, Sexual- und Moralvorstellungen befreien wollte. Begleitet von einem esoterischen Sound, beschleunigt oder verlangsamt der Film einzelne Sequenzen, arbeitet mit Überblendungen und Zoom-Effekten, sodass sich die Bilder gleichsam aufzulösen scheinen.

Die Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist erkundet auf eine spielerisch-sinnliche Art den menschlichen Körper und sein Lustempfinden. In ihrem Film „Pickelporno“ (1992) verfolgt sie das Liebesspiel zwischen einem Mann und einer Frau aus der Perspektive des Sexualpartners. Extreme Close-Ups von intimen Körperregionen wechseln sich ab mit Naturaufnahmen und psychedelischen Bildern. Durch die digitale Nachbearbeitung des Filmmaterials, ungewohnte Blickwinkel und eine intensive Farbigkeit versucht die Künstlerin, die körperliche Erregung sichtbar zu machen. Ein wesentliches Gestaltungselement ist die Filmmusik, die das Geschehen zu einem Höhepunkt treibt.

Den nackten Menschen in seiner Verletzlichkeit und Widersprüchlichkeit präsentiert die polnische Künstlerin Aneta Grzeszykowska. Ihr eigener Körper ist dabei nicht nur der Ausgangspunkt ihrer Arbeit, sondern dient ihr auch als künstlerisches Material für ihre Performances. Gleich zu Anfang des formal reduzierten Schwarzweißfilms „Headache“ (2008), sieht man die junge Frau, wie sie eine aus ihrem Mund heraushängende Lunte entzündet. In den folgenden Sequenzen erweckt sie dann den fragmentierten Körper mittels Trickfilmtechnik und Computeranimation in einem absurden Ballett zum Leben. Die einzelnen Körperteile finden dabei nicht zu einer Einheit, sondern werden zu widerstreitenden Elementen. 

Die rumänische Künstlerin Geta Brătescu arbeitete unter dem repressiven kommunistischen Regime lange Zeit im Verborgenen. Aufgrund der Einschränkungen durch die politische Situation konzentrierte sie sich auf den eigenen Körper als Gegenstand ihrer künstlerischen Praxis. In der Einsamkeit ihres Ateliers inszenierte sie Performances, die sie mit der Filmkamera oder fotografisch dokumentierte. Die Hände spielten dabei als künstlerisches Material und Medium eine besondere Rolle. So auch in dem Video „2 x 5“ (1993), in dem sie mit Neugierde die künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten ihrer vom Alter gekennzeichneten Hände erkundet.

Um geschlechtliche Ambivalenz geht es in dem Video „Knackered“ (1996), der britischen Film-Regisseurin Sam Taylor-Johnson, das eine junge Frau nackt in schonungsloser Beleuchtung zeigt. Fast unbeweglich steht sie aufrecht mit herabhängenden Armen frontal zum Betrachter. Nur ihre Lippen bewegen sich wie zum Gesang. Doch nach wenigen Momenten wird deutlich, dass die Stimme, die zu hören ist, nicht von ihr stammen kann. Es handelt sich vielmehr um die Aufnahme eines gregorianischen Klageliedes, das der letzte bekannte Kastrat Alessandro Moreschi um die Jahrhundertwende im Vatikan gesungen hat. Durch die Verbindung eines androgynen Frauenkörpers mit der hellen Stimme eines Entmannten konstruiert Taylor-Johnson mit ihrem Video eine vieldeutige, irritierende Situation. 

Buchstäblich ins Innere des Körpers führt uns die Installation „Deep Throat“ (1996) der libanesischen Künstlerin Mona Hatoum. Sie projiziert auf den Teller eines gedeckten Tisches die endoskopischen Bilder einer Magenspiegelung. Der Titel bezieht sich auf den gleichnamigen Pornofilmklassikers, in dem die Hauptdarstellerin ausschließlich beim Oralverkehr sexuelle Lust empfindet. Hatoum verbindet diese männliche Wunschvorstellung mit den Bildern einer medizinischen Kamera, die nicht sexuell stimulieren, sondern Ekel hervorrufen. 

Kuratiert von Cornelia Gockel und Susanne Touw 

Mit Werken von Geta Brătescu, Nathalie Djurberg, Tracey Emin, Aneta Grzeszykowska, Mona Hatoum, Sam Taylor-Johnson, Yayoi Kusama, Ulrike Ottinger, Pipilotti Rist und Rosemarie Trockel

HAUS DER KUNST
PRINZREGENTENSTRASSE 1
80538 MÜNCHEN


Abbildungen:
Sam Taylor-Johnson
Knackered (Filmstill), 1996
1-Kanal-Videoinstallation (Farbe, Ton)
© (Sam Taylor-Johnson) VG BILD-KUNST Bonn, 2018
Courtesy Sammlung Goetz, München

Mona Hatoum
Deep Throat, 1996
1-Kanal-Multimedia-Videoinstallation (Farbe, ohne Ton), Tisch mit Monitor
© the artist
Courtesy Sammlung Goetz, München
Foto: © (Wilfried Petzi) VG BILD-KUNST Bonn, 2018
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München: Museum fünf Kontinente
Fragende Blicke - Neun Zugänge zu ethnografischen Fotografien

München, Juni 2018. „Fragende Blicke. Neun Zugänge zu ethnografischen Fotografien“ lautet der Titel einer  am  5.  Juli  2018  beginnenden  Foto‐Ausstellung  im  Treppenhaus  des  Museums  Fünf  Kontinente.  54  historische  Originalfotografien  wurden  in  der  Sammlung  Fotografie  des  Museums  ausgesucht  und  in  Zusammenarbeit  von  Unterrichtenden  und  Studierenden  des  Instituts  für  Ethnologie  der  LudwigMaximilians‐Universität München ausgewertet und bearbeitet.
Die  Bilder  wurden  zwischen  1862  und  1956  von  Ethnologen,  Reisenden,  kolonialen  Akteuren  oder  in  Fotostudios aufgenommen. Ihre Entstehungsgeschichten und seinerzeit beabsichtigten Aussagen sind aus  heutiger Sicht nicht immer unproblematisch. Um ihren Betrachtern den historischen Rahmen klar werden zu  lassen und obendrein Einblicke in jene Zeit zu gewähren, als die Verschlüsse der analogen Kameras klickten,  haben  die  jungen  Ausstellungsmacher  von  der  Universität  sich  viele  Gedanken  um  Präsentation  und  Erläuterungstexte gemacht.
„Welche  Fragen  können  wir  heute  aus  ethnologischer  Perspektive  an  historische  Aufnahmen  richten,  welche Antworten dürfen wir erwarten?“ Diese Frage stellten die Ethnologen Paul Hempel (Institut für  Ethnologie, LMU München) und Anka Krämer de Huerta (Sammlung Fotografie, Museum Fünf Kontinente)  sich und neun Studierenden des LMU‐Praxisseminars „Ethnografisches Bildgedächtnis und museale (Re‐)  Präsentation“, das zur Keimzelle der Ausstellung werden sollte.
Es tat den alten Fotos gut, großformatig abgezogen zu werden. Plötzlich wurden Details sichtbar, die auf den  oft nur wenige Zentimeter großen Originalen vorher nur schwer zu erkennen waren. Neben den Bildinhalten  thematisierten die jungen Gastkuratoren auch die Hintergründe der Entstehung der Fotografien und fragten  nach den Gründen für öfter wiederkehrende Darstellungsweisen. Natürlich wurden auch die Menschen  ernst genommen, die einst sowohl vor als auch hinter der Kamera standen. So kristallisierten sich BildGeschichten heraus, die durch den alleinigen Blick aufs Foto selbst weiterhin verborgen geblieben wären.
„Die Recherchen waren intensiv. Es hat allen Freude bereitet, Darstellungen aus vielen verschiedenen  Regionen der Welt gründlich unter die Lupe zu nehmen und dann zum Sprechen zu bringen“, sagt Julia  Blumenschein,  die  im  sechsten  Semester  Ethnologie  und  und  vergleichende  Kultur‐  und  Religionswissenschaften an der Uni München studiert.
Wirkungsweise und Effekt einiger historischer Sterefotografien können die Besucher vor Ort ausprobieren.

Museum Fünf Kontinente
Maximilianstraße 42
80538 München
Abbildungen:
Junge Frau mit Kind im Tragetuch, Yamolemi mit Nichte Liehemi,
Foto: Meinhard Schuster und Otto Zerries, 1954,
Oberer Orinoko/Venezuela, Schwarz-Weiß-Abzug),
Museum Fünf Kontinente, Inv.Nr. FO-39-1-463
„Tanz in der Dämmerung“,
Foto: Heinrich Ubbelohde-Doering, 1932,
La Paz/Bolivien,
Museum Fünf Kontinente, ohne Inv.Nr.
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München Haus der Kunst: Jörg Immendorff - Für alle Lieben in der Welt
Jörg Immendorff: Für alle Lieben in der Welt
Haus der Kunst MünchenAusstellung vom 14. September 2018 bis 27. Januar 2019

Die Ausstellung schlägt den vollständigen Bogen von Immendorffs Anfängen an der Akademie über die gesellschaftspolitisch-agitatorische Werkphase der 1960er bis frühen 1980er-Jahre hin zu den allegorisch verschlüsselten Gemälden der letzten Schaffensperiode. Statt streng der Chronologie zu folgen, sind die nahezu 200 Werke und Skulpturen in dieser Retrospektive in Kapitel gegliedert und zeigen so die entscheidenden Schwerpunkte der Werkentwicklung.  Das Gemälde eines Babys mit roter Haut und Blumenstrauß aus dem Jahr 1966 gab der Ausstellung den Titel: „Für alle Lieben in der Welt“. Es ist Teil einer umfangreicheren Serie, die Babies unterschiedlicher Herkunft zeigt, pausbäckig und lachend, auf Einfachheit getrimmt „als Zeichen für Liebe und Frieden“ (Jörg Immendorff).

Mit seiner damaligen Lebensgefährtin Chris Reinecke verwirklichte Immendorff (1945-2007) von 1968 bis 1970 unter dem Etikett „Lidl“ neodadaistische Kunstaktionen. Für „Lidl“ – ein Fantasiebegriff der, mehrmals wiederholt, das Geräusch einer Babyrassel nachahmt – luden Immendorff und Reinecke in einen angemieteten Ausstellungsraum in der Düsseldorfer Altstadt und führten Happenings auf. Bei einer dieser Aktionen beschoss Immendorff, bekleidet mit Babymaske und Höschen, aus einer Pappkanone das Publikum mit Papierkügelchen, die Botschaften trugen wie „hapmi lieb“, oder auch, erneut, „Für alle Lieben in der Welt“.  Die Provokation bestand genau darin, dass Immendorff und Reinecke mit „Lidl“ den Themen Vietnamkrieg, Wettrüsten, Atomkraft und Umweltaktivismus, mit denen die Studentenrevolution atmosphärisch aufgeladen war, etwas betont Kindliches, Verspieltes entgegenhielten.

Hinter dieser vermeintlichen Naivität gab es konkrete Bezüge zum Zeitgeschehen. Mit „Sport-Lidl“-Wettkämpfen beispielsweise protestierten Immendorff und Reinecke 1969 gegen die Olympischen Spiele, die 1972 in München ausgetragen werden sollten: Reinecke in der Disziplin Weitsprung, Immendorff in 100-Meter-Lauf.  Während seiner Ausbildung an der Akademie in Düsseldorf erfuhr Immendorff besondere Förderung durch Joseph Beuys, der dem erst zwanzigjährigen Schüler eine Ausstellung bei Schmela in Düsseldorf vermittelte. Immendorff seinerseits war von „seinem Professor, dessen Ausstrahlung, dem von ihm propagierten Freiheitsbegriff und dessen Glaube an die bewusstseinsverändernde Kraft der Kunst tief beeindruckt“ (Harald Szeemann) und brachte dies in seinen Gemälden durch Bezüge zum Beuys’schen Werk zum Ausdruck („Kleine Reise [Hasensülze]“, 1990). In dem 1978 begonnenen Zyklus „Café Deutschland“, der auf 19 großformatige Gemälde anwuchs, ist Beuys selbst präsent, ebenso andere bekannte Persönlichkeiten aus Ost und West, samt ihren jeweiligen Machtsymbolen.

Diese Szenen mit Bertold Brecht, Helmut Schmidt, Erich Honecker und A.R. Penck in einem Café als utopischer Begegnungsstätte leuchtete Immendorff dramatisch aus wie expressionistische Theaterstücke.  Politisch motivierte Gemälde bilden einen weiteren Komplex der Ausstellung. Sie spielen ebenfalls mit formalem Dilettantismus und enthalten direkte Aussagen zum politischen Tagesgeschehen der Bundesrepublik. Der Mauerfall würde sich nicht durch die Politik herbeiführen lassen, sondern müsse durch das Volk angestoßen werden, glaubte Immendorff. In seinem Werk hatte er die ‚Naht‘ zwischen Ost und West zum Thema erhoben. Am 9. November 1989 wurde dieser Teil seines Werks über Nacht historisch. Immendorff avancierte zum visionären Maler der deutschen Teilung und Wiedervereinigung. Themen und Tonlage ändern sich mit einer 1998 diagnostizierten Nervenkrankheit, die Immendorff auch zu einer veränderten Malweise brachte; er führte zuletzt den Pinsel nicht selbst, sondern die Regie über die Bildgestaltung. Seine Frau Oda Jaune, selbst eine bekannte Künstlerin, sagt über diese Entwicklung, Immendorff habe zwei Hände verloren, jedoch acht gewonnen.

In diese Phase gehören Schlüsselwerke wie „Letztes Selbstporträt I - Das Bild ruft“ (1998), das Hans Baldung Grien entliehene Vanitas-Motiv einer auf zwei Weltkugeln balancierenden Läuferin („Ohne Titel“, 2000) und „Selbstporträt nach dem letzten Selbstporträt“ (2007). Aus dem Spätwerk sind die politischen und gesellschaftlichen Botschaften allmählich entwichen.

Haus der Kunst München
Prinzregentenstraße 1
80538 München
Abbildungen:

Jörg Immendorff
Eßt deutsche Äpfel, 1965
Dispersionsfarbe auf Leinwand
100 x 100 cm
Sammlung Wild, Heidelberg
© Estate of Jörg Immendorff, Courtesy Galerie Michael Werner Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York
Jörg Immendorrf
Hört auf zu malen, 1966
Kunstharz auf Leinwand
135 x 135 cm
Collection Van Abbemuseum, Eindhoven
© Estate of Jörg Immendorff, Courtesy Galerie Michael Werner Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York
Jörg Immendorff
Selbstbildnis, 1980
Öl auf Leinwand
150 x 150 cm
Slg. Stoffel c/o
Pinkothek der Moderne, München
© Estate of Jörg Immendorff, Courtesy Galerie Michael Werner Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Dachau Neue Galerie: Mojé Assefjah / Anne Sterzbach
Mojé Assefjah / Anne Sterzbach
Neue Galerie Dachau
Ausstellung vom 15. September bis 25. November 2018
Die in Teheran geborene Mojé Assefjah (*1970) verbindet in ihren Bildern westliche und östliche Bildtraditionen. In Anknüpfung an die italienische Frührenaissance schafft sie mit breitem Pinselstrich in traditioneller Eitemperamalerei in subtiler Farbgebung Landschaften zwischen Figuration und Abstraktion. Ihre Bilder spannen einen Rahmen auf, durch den man wie durch ein Fenster in einen Bildraum blickt, in dem sich fließende Formen entfalten.
So opulent die Bilder Assefjahs erscheinen, so zurückgenommen wirken dagegen die Installationen der Nürnberger Künstlerin Anne Sterzbach (*1969), die sich nichtsdestoweniger in Ihrer Eigenart behaupten. Ihre mit minimalem Materialaufwand hergestellten, oft aus alltäglichen Kleinigkeiten aus dem Kurzwarenhandel bestehenden Installationen auf Wänden und Boden reagieren auf den Raum wie auf die Bilder Assefjahs und setzen farbige Akzente, Linien, Impulse. Ihre sorgfältig ausbalancierten und äußerst präzisen Setzungen wirken klar und geordnet, ja puristisch, verwandeln den Raum vollständig und entfalten eine ungeahnte Poesie.
Neue Galerie Dachau
Konrad-Adenauer-Straße 20
85221 Dachau
Abbildungen:
Fotos Anne Sterzbach: Annette Kradisch
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Buchheim Museum: SCHMIDT-ROTTLUFF. FORM, FARBE, AUSDRUCK!
SCHMIDT-ROTTLUFF. FORM, FARBE, AUSDRUCK!

Ausstellung Buchheim Museum BernriedVom 29. September 2018 bis 03. Februar 2019

Unmittelbar und unverfälscht" – so wird im „Brücke“-Programm von 1906 die eigentümliche Ausdrucksform der Künstlergruppe beschrieben. Keines ihrer Mitglieder hat dieses Motto so kompromisslos umgesetzt wie Karl Schmidt-Rottluff. Von einer „erschreckenden Konsequenz" sei seine Kunst, meint „Brücke“-Chronist und Museumgründer Lothar-Günther Buchheim bewundernd; und Fritz Bleyl, Gründungsmitglied der „Brücke“, erkennt schon früh, dass der stattliche, bebrillte junge Mann über die malerische „Pranke des Löwen“ verfüge. Diesem epochalen Großmeister des Expressionismus widmet das Buchheim Museum nun eine umfangreiche Retrospektive der besonderen Art.

Dank des Zusammentreffens der Sammlungen Gerlinger und Buchheim im Buchheim Museum kann der gesamte Schaffenszeitraum von 1899 bis 1974 mit über 200 herausragenden Werken belegt werden. Neben einer Auswahl an 27 Gemälden sind auch 37 Aquarelle, 8 Farbkreidezeichnungen, und weitere Arbeiten auf Papier sowie 20 Schmuckstücke und 8 Skulpturen des farb- und formgewaltigen Künstlers zu sehen.

Die Ausstellung präsentiert zwei eng zusammengehörende Seiten des Phänomens Schmidt-Rottluff: die formal-künstlerische; und die biografisch-persönliche, die bei dem als verschlossen geltenden Künstler bislang weitgehend im Dunkeln lag.

So erleben die Besucher einerseits eine Schule des Sehens, in der die Formen und Farben als Elemente künstlerischen Ausdrucks vor Augen geführt werden: die flirrenden Strichlagen, die der junge, begabte „Brücke“-Mitbegründer dem Repertoire des Impressionismus entnimmt; die „wild erregte, zuckende Pinselschrift“, die laut Buchheim charakteristisch für Schmidt-Rottluffs Phase des „monumentalen Impressionismus“ ist, sowie die klar strukturierten, oftmals konturierten Farbfelder des Expressionismus, die Schmidt-Rottluff, zunehmend seiner malerischen Mittel bewusst, zu Zeichen subjektiven Empfindens verdichtet, und schließlich die bis ins hohe Alter fortwährende koloristische Steigerung der malerischen Wirkungskraft.

Andererseits wird in der Museumsschau die Persönlichkeit vorgestellt, die in der Kunst ihre Ausdrucksmittel findet. Bislang unbekannte Zeugenaussagen vermitteln authentische Einblicke in das Leben des Künstlers, die dieser zu Lebzeiten immer verwehrte. Neben den „Brücke“-Kollegen kommen auch ihm nahestehende Kunsthistoriker und persönliche Freunde zu Wort. Hinter dem erratischen Genius wird so der suchende, ehrgeizige, intelligente, mitfühlende oder liebende Mensch sichtbar, der allenthalben in den Kunstwerken aufscheint – nicht nur im malerischen, zeichnerischen und druckgrafischen Werk, sondern auch in den skulpturalen und kunsthandwerklichen Arbeiten, die oftmals in einem noch viel intensiveren Bezug zum Privaten stehen.
Buchheim Museum
Am Hirschgarten 1
82347 Bernried

Abbildung:
Karl Schmidt-Rottluff, Gehöft im Abendlicht, 1906, Öl auf Karton @ Sammlung Hermann Gerlinger im Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München: Elizaveta Porodina – Smoke and Mirrors
Elizaveta Porodina – Smoke and Mirrors

Kabinettausstellung im Münchner Stadtmuseum
5. Oktober 2018 – 20. Januar 2019
Die in München lebende Modefotografin Elizaveta Porodina (geb.1987, Moskau) hat sich längst in
den internationalen Hochglanzmagazinen einen Namen gemacht. Ihre skurrilen und schrillen
Inszenierungen für namhafte Modelabels erschienen in der Vogue und im Harper's Bazaar; auf
Instagram kann sie sich über eine große Anzahl von Followern freuen.
Eine Auswahl aus dem vielseitigen Repertoire der Fotografin sind in der Kabinettausstellung
vertreten. Kuratiert von der Sammlung Fotografie, werden Bilder und Werkgruppen zu sehen sein,
die über die reine, angewandte Praxis der Modefotografie hinausgehen. Vielmehr handelt es sich
um Portraits, die von seelischer Zerrissenheit und düsteren Vorahnungen geprägt sind. Porodina
beschäftigt sich in ihren Lichtbildern mit der unüberwindbare Distanz zu ihren Mitmenschen und
Methoden der Verstellung – so nah man sich auch stehen mag, so nah die Kamera auch an ihr
Motiv heran treten kann, sichtbar werden häufig nur die Grenzen. Diese sinnbildliche Barriere
nimmt die Fotografin mit ihren Studiotechniken und Hilfsmitteln auf: um malerische Effekte zu
erzielen verwendet sie milchige und fettige Glasscheiben oder setzt geschickt
Bewegungsunschärfen und Mehrfachbelichtungen ein, um Störeffekte zu erzeugen. Ob Schwarz-
Weiß oder in Farbe, keines ihrer Bilder bietet einen direkten und offenen Zugang zum
Dargestellten und so entwickeln sich die Figuren in ihren Bilder zu Projektionsflächen für
Narrationen, Fanatasien und Selbstreflexionen.
Porodina greift neben surrealistischen Stilelementen, Darstellungsmodi der klassischen
Modefotografie auf, sei es das Licht und die Accessoires eines Edward Steichen oder Techniken
der Bildmanipulation und Verfremdungsstrategien, die an Erwin Blumenfeld erinnern. Mit diesen
teils dadaistischen Anleihen gelingt es Porodina einen eigenen wiedererkennbaren Stil zu
entwickeln, der sich insbesondere durch die intime, träumerische und entrückte Stimmung der
Bilder auszeichnet.
Biografie:
1987 geboren in Moskau, Russland
2000 Umzug nach München
2006 - 2011 Studium und Abschluss in Klinischer Psychologie, Ludwig-Maximilians-Universität
München
2011 - 2013 Studium und Arbeit im Bereich der Psychotherapie in München 
2013 - bis heute Fotokünstlerin und Modefotografin

Ausstellungen:
2016 Helmut Newton Retrospective, FOAM, Amsterdam
2016 Bikini Diaries: Elizaveta Porodina's Dark Iconography, Galerie Max Weber, Berlin
2017 Das Bilderbuch der Elizaveta Porodina, OstLicht, Wien

Kuratorin der Kabinettausstellung:
Katharina Zimmermann, Stipendiatin der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, Essen

Münchner Stadtmuseum
St.-Jakobs-Platz 1
80331 München

Abbildung:

Ohne Titel, 2018
© Elizaveta Porodina


Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München Lenbachhaus: PHANTASTISCH! Alfred Kubin und der Blaue Reiter
PHANTASTISCH! Alfred Kubin und der Blaue Reiter
Häufig wird der österreichische Zeichner Alfred Kubin (1877-1959) als ein Gründungsmitglied des Blauen Reiter genannt, seine konkreten Beziehungen zu diesem Künstlerkreis sind jedoch so gut wie unbekannt. Die Ausstellung zeichnet erstmals mit einer Fülle von Werken, Dokumenten und Fotografien die komplexen persönlichen und künstlerischen Verflechtungen nach: Es ist fast völlig in Vergessenheit geraten, dass Kubins erste Ausstellung in München und sein berühmtes, aufsehenerregendes Frühwerk mit den drastischen Visionen von Trieb- und Zwangsvorstellungen,die Einblicke „in die Dunkelkammer der modernen Seele” erlaubten, 1904 von Wassily Kandinsky in der Künstlervereinigung Phalanx präsentiert wurde. Fünf Jahre später – Kubin hatte eine Phase des Umbruchs hinter sich, seinen Roman Die andere Seite niedergeschrieben und war von München nach Zwickledt in Oberösterreich gezogen – wurde er 1909 zur Neuen Künstlervereinigung München um Kandinsky, Münter, Jawlensky und Werfekin hinzugezogen. Auch nach der Abspaltung des Blauen Reiter 1911 wurde Kubin umgehend in einem Brief von Gabriele Münter zum Mitmachen aufgefordert. Jetzt waren es die seelischen, phantastischen und traumhaften Dimensionen, die die Künstlerfreunde an Kubins neuartigen, kalligraphisch flüssigenTuschfederzeichnungen faszinierten. Bei der 2. Blauer Reiter-Ausstellung präsentierte er vielfigurige Szenen, die in beunruhigend irrationaler Weise einen Teppich des Lebens ausbreiten, wobei oft ein geheimnisvolles „Zwischenreich” aufscheint. Es ist diese geistige Dimension, der sich etwa auch Kandinsky, Franz Marc oder Paul Klee in ihren Werken verbunden fühlten.
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau
Luisenstraße 33
80333 München

Abbildungen
Alfred Kubin
Der Luftgeist, 1912
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Foto: Lenbachhaus
© Eberhard Spangenberg, München/VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Alfred Kubin
Eindringlinge, um 1902/03, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Foto: Lenbachhaus
© Eberhard Spangenberg, München/VG Bild-Kunst, Bonn 2018
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.