Interview
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Im Blickpunkt - Portraits werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
Inhaltsverzeichnis
Stefan Sterzinger - nein

1

Nicole Johänntgen - Zwischen Feuerwerk und Ruhe

2

Stefan Noelle - Auf der Bühne bilde ich ein Team mit dem Publikum

3

Reverend Rusty – von 6 bis 76

4

Jakobus Ciolek – Jeder bringt sich mit seinen Ideen ein

5

Titus Waldenfels – Gitarre aus dem 3-D-Drucker

6

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Montag 03.12.2018
Stefan Sterzinger - nein
Stefan Sterzinger ist das, was man landläufig ein Enfant terrible nennt, bzw. kommt er diesem bedenklich nah. Geboren in Wien könnte man den Sänger und Akkordeonspieler als einen musikalischen Querdenker bezeichnen, eine „ehrliche Haut“, dem das riesige Herz auf der Zunge liegt. Manche nennen ihn auch den „Poet mit der Quetsch'n“. Sein letztes Album, „Keuschheit & Demut in Zeiten der Cholera“, ist im Oktober erschienen. Aber am wohlsten fühlt er sich auf der Bühne, im direkten Kontakt mit dem Publikum. Den gibt es, den Kontakt, den persönlichen. Wo? Am 31. Januar des kommenden Jahres um 20.00 Uhr im Puchheimer Kulturcentrum PUC. Da eröffnet der Wiener die neue Saison der Reihe JAZZ AROUND THE WORLD. Bitte unbedingt vormerken - muss man einfach hingehen. Von wegen Kunst sei nicht politisch ….. 


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Stefan Sterzinger: tag fuer tag wuerde ich sagen, im guten wie im boesen. ok, ein tag ist kein faktor. trotzdem.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
StSt: liebe, glueck und aufrechter gang, fuer´s publikum und fuer mich.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
StSt: inkompetenz und faulheit.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
StSt: nach wie vor 2014/15, lampedusa und die folgende voelkerwanderung.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
StSt: da gibt es wirklich ohne ende viele.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
StSt: ich freu mich immer maßlos ueber unerwartetes, so noch nicht gehoertes. ueberraschendes.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
StSt: beides

KK: Was lesen Sie momentan?
StSt: der praterstern ist kein himmelskoerper (franz e. kneissl)
trotzky, goethe und das glueck (joerg fauser)

KK: Was ärgert Sie maßlos?
StSt: die dummheit im oesterreichischen.

KK: Was freut Sie ungemein?
StSt: morgensonne

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
StSt: nein

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
StSt: cillian murphy als tommy shelby, peaky blinders, erst vor kurzem druebergestolpert.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
StSt: dieses brain wash teil von men in black im wirkliche leben als mindwandler gegen die niedertracht.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
StSt: kann ich beides, je nach erfordernis.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
StSt: nachts in der badewanne.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
StSt: manchmal armin wolf.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
StSt: fuer einen tag? da geht nicht viel außer champagner fuer alle.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
StSt: danke, war schoen.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
StSt: kurz und heftig.
Autor: Siehe Artikel
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Montag 05.11.2018
Nicole Johänntgen - Zwischen Feuerwerk und Ruhe
Nicole Johänntgen ist im saarländischen Fischbach-Camphausen geboren und lebt seit einigen Jahren zufrieden in Zürich. Hier hat sie auch im Sommer 2017 mit ihrer amerikanischen Band ein neues Album eingespielt - „Henry II“. Jazz, wie er einst in New Orleans zu hören war, jedoch heute auch in New York oder Berlin ein begeistertes (junges) Publikum findet. Allein die Besetzung (Saxophon, Posaune, Sousaphone und Schlagzeug) erinnert an die große Zeit der Marching Bands aus der Ära des Oldtime Jazz. Nicole Johänntgen, selbst Saxophonistin, ist in der Lage, dieser Musik eine überwältigende Frische zugeben, das Vergangene einfach zeitlos, ja sogar modern klingen zu lassen. Wie in allen Künsten gilt eben auch für den Jazz: Wenn Du die Wurzeln ignorierst, wirst Du nichts wirklich neues von Bestand schaffen. Vielleicht hat ihr ein Teil des für ein solches Projekt nötigen Selbstvertrauens auch ein halbjähriger Aufenthalt in New York gebracht, und sicher ausgedehnte Tourneen durch China und Osteuropa, durch Italien, Skandinavien – oder durch die vielen internationalen Projekte, an denen sie regelmäßig arbeitet und die ihr durchgehend eine Herzensangelegenheit sind.
(Das Album gibt es als CD und als Stream unter: https://www.nicolejohaenntgen.com/music/nicole-johanntgen-henry-ii/ )


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Nicole Johänntgen: Meine Familie hat mich mit Musik verzaubert. Ich stand durch unsere Familienband namens Joe Fuchs sehr früh auf der Bühne. Das Zusammenspiel in dieser Band und im saarländischen Jugendjazzorchester waren für mich die ersten wichtigen Schritte. Die Magie der Musik hat mich wohl verzaubert und mich nicht mehr losgelassen. Während meines Studiums hatte ich die Chance bei mehreren internationalen Jazz Förderungsprogrammen mitzuwirken und so hatte ich die Möglichkeit mein Netzwerk im Ausland aufzubauen. Dies sind alles wichtige Bausteine für mich. Das war der Beginn meines Jazz Fundaments.
 
KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
NJ: Ich möchte weltweit Jazz spielen und verschiedene Kulturen auf der Bühne vereinen. Friedlich. Ich möchte gerne meine Umgebung verzaubern. Auch mit Musik. Sowie meine Familie das gemacht hat.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
NJ: Ich möchte eine gewisse innere Ruhe einkehren lassen wenn mal viel los ist. Mein Ziel ist es Dinge zeitnah zu erledigen. Aber manchmal ist das einfach nicht möglich und dann wünsche ich mir Gelassenheit.
 
KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
NJ: Ich habe vor kurzem eine Dokumentation eines taubstummen Pantomime gesehen. Ein Saarländer namens Jomi, der durch seine besondere Gabe der Pantomime grenzenüberschreitend Menschen fasziniert. Seine Ausstrahlung hat mich begeistert.
 
KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
NJ: Wenn ich das Strahlen der Menschen sehe während unseres Konzertes und wenn wir auf der Bühne zwischen Feuerwerk und Ruhe pendeln.
 
KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
NJ: Ich höre ganz unterschiedlich Musik. Während ich dieses Interview beantworte höre ich gerade: Abdou Diop. Ich höre aber auch sehr gerne John Mayer, klassische Musik und natürlich viele Jazzmusikerinnen und Musiker.
 
KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
NJ: Ich höre eher CD. Aber ich habe einen Plattenspieler.
 
KK: Was lesen Sie momentan?
NJ: Ich fange demnächst an ein neues Buch zu lesen. Welches weiß ich noch nicht.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
NJ: Wenn man rücksichtslos ist.
 
KK: Was freut Sie ungemein?
NJ: Wenn Menschen lächeln.
 
KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
NJ: Ich habe mal eine Decke, die es beim Langstreckenflug gab, umgenäht zu einem Kleid.
 
KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
NJ: Von JOMI. Er ist Pantomime aber spielt in der Doku „Lautlos aber nicht sprachlos“ die Hauptrolle.
 
KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
NJ: „Beam me up scotti“ Space Shuttle.
 
KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
NJ: Beides. Ich kann alleine aber arbeite gerne mit anderen zusammen.
 
KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
NJ: In letzter Zeit kamen mir beim Wandern in den Bergen immer Songideen. Eine nach der anderen.
 
KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
NJ: Eigentlich lese ich Zeitungen. Aber nicht im Internet. Sondern morgens beim Frühstücken. Ich mag Zeitungspapier zum Umblättern. Wir haben zum Beispiel den Bund, die Neue Zürcher Zeitung und die SonntagsZeitung abonniert.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
NJ: Ich würde genau an dem Tag mehr Geld für die Kultur sprechen und ein Gesetz entwerfen, dass Gremien alle paar Jahre neu besetzt werden, um immer wieder frischen Wind zu bekommen. Ich würde an Hochschulen 50/50 Frauen und Männer als Dozentinnen und Dozenten einstellen und ich würde Jazz bei Rock-Pop-Radio Sendern mit integrieren.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
JN: Jazzleben

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
NJ: Mehr Jazz für alle! Jazz ist so wichtig für ein friedliches Miteinander. Mit Musik kann man so vieles bewegen. Ich fände es super, wenn wir Jazz allen zugänglich machen können. Jazz for peace.
 
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Dienstag 23.10.2018
Stefan Noelle - Auf der Bühne bilde ich ein Team mit dem Publikum
Stefan Noelle ist Liedermacher und vielseitiger Schlagzeuger/Percussionist. Nachdem er viele Jahre zusammen mit dem Kontrabassisten Alex Haas das unvergleichliche Duo “Unsere Lieblinge” bildete, besann er sich mit Ende 40 seiner Liebe zur deutschen Sprache und begann, poetische Lieder zu schreiben. Die Debüt-CD “Meinetwegen im Regen” erhielt 2016 eine Nominierung für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Die SZ schrieb: “Man muss lange nachdenken, will man auf deutsche Lieder kommen, die ähnlich in der Schwebe bleiben zwischen Ein- und Zweideutigkeit, zwischen Ernst und Hochkomik, zwischen intellektuellem Sprachspiel und lyrischer Emotion. Man könnte vielleicht Reinhard Mey, Konstantin Wecker oder Ulrich Roski nennen, aber nichts davon trifft es wirklich.” Seine Songs zeigen Einflüsse aus Folk, Jazz und Pop, arrangiert für eine kleine Besetzung, in der Bassklarinette, Alflöte und eine Country-E-Gitarre lebendige Akzente setzen. In München ist Stefan Noelle obendrein Initiator der erfolgreichen Konzertreihen BE MY GUEST (Jazz am Ackermannbogen, derzeit 6. Saison) und DAS LIED ZUM SONNTAG (Valentin-Karlstadt-Musäum, derzeit 4. Saison). Als Percussionist hat er in den letzten Jahren das Spielen orientalischer Rahmentrommeln studiert, die er u.a. im Duo NUN mit dem syrischen Oud-Virtuosen Abathar Kmash erklingen lässt. Sein Soloprogramm DRUM POETRY brachte er 2017 und 2018 beim Tamburi Mundi Festival in Freiburg auf die Bühne.
Am 6. November ist Stefan Noelle zu Gast im Gautinger Bosco.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Stefan Noelle: Ich habe den Satz “Dafür ist es jetzt zu spät” mehrfach in meinem Leben bewusst ignoriert und bin statt dessen dem Ruf meines Herzens gefolgt. Ich kann das nur empfehlen. Dazu kommen: Meine Abneigung gegenüber Hierarchien und Ideologien. Und: Meine Liebe für Poesie und besondere Momente.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
StN: In meiner Kindheit war der Begriff “anspruchsvoll” positiv besetzt. Heute gilt “anspruchsvoll” im Zusammenhang mit unterhaltender Kultur als suspekt, denn etwas Anspruchsvolles könnte ja potentielle Kunden davon abhalten, es zu konsumieren. Ich halte diese Entwicklung einer Nivellierung nach unten für falsch und möchte mit meinen Liedern gerne Menschen erreichen, die sich an schöner Sprache und farbenreicher Musik erfreuen und die bereit sind, sich einzulassen und zuzuhören. Und ich glaube – das wären eigentlich alle. Jedenfalls so viele mehr, als es irgendwelche “Entscheider” wahrhaben wollen. Es ist beglückend, dass mir das gelingt – wenn auch noch nicht mit “allen”.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
StN: Mit der allgemeinen Lautstärke, die um uns herum kreischt. Mit dem Primat der Kommerzialität. Aber das sind eben Dinge, denen ich mich als Künstler heute zu stellen habe. Eine Tätigkeit ohne Widrigkeiten gibt es vermutlich nicht. Warum sollte ein Künstler da privilegiert sein?

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
StN: Positiv:
a) Die große “Ausgehetzt”-Demo am Königslatz mit der Rede des Kapitäns Claus-Peter Reisch.
b) Die Begegnung mit Klaus Voormann, einem sehr sympathischen, bescheiden auftretenden elder statesman der Rock’n’Roll-Geschichte, total unprätentiös für eine “lebende Legende”.
c) Die Spotify-Playlist meines 18-jährigen Sohnes, die hauptsächlich aus Titeln besteht, die ich da nicht vermutet hätte: David Bowie “Heroes”, Eurythmics “Sweet Dreams”, Iggy Pop “Passenger”, Toto “Africa”, solches Zeug. Das hören die alle. Faszinierend.
Negativ:
Die in meinen Augen sittenwidrige Abzocke der Münchner Großgastronomie im Rahmen der Abitur-Bälle. Weil tausende Eltern gar keine Möglichkeit haben, “Nein” zu sagen, wird das marktwirtschaftliche Preis-Leistungsverhältnis komplett ad absurdum geführt. Begrüßungs-Prosecco, winzige Pfannkuchensuppe, der schlechteste Schweinsbraten meines Lebens, winziges Dessert, das alles für ¤ 60 pro Person bei über 500 Gästen. Eine schwer zu toppende Unsäglichkeit im Mir-San-Mir-Modus. Rote Karte.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
StN: Besonders schön sind positive Reaktionen aus Ecken, aus denen ich sie nicht unbedingt erwarte. Im Januar hatte ich beim “Lied zum Sonntag”, der deutschsprachigen Lieder-Matinee im Valentin-Karlstadt-Musäum, die ich moderiere, im Publikum mal die Betriebsfeier einer kleinen Umzugsfirma sitzen. Mein Gast Lennart Schilgen und ich sangen unsere Lieder also vor kroatischen Möbelpackern und bayerischen Disponentinnen, und als es aus war, standen die dann unten vorm Isartor und sagten, was das für ein schöner Vormittag gewesen sei. Vergleiche hierzu auch meine Antwort auf Frage 2. Und ich finde es z.B. sehr wunderbar, wenn Leute, die halb so alt wie ich oder noch jünger sind, meine Texte geil finden. Andererseits habe ich als Schlagzeuger auch Fans, die über 80 sind, einer sogar über 90. Generationenkonflikt und Zielgruppengedöns werden angesichts all dessen unwichtig. Das ist schön.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
StN: Ich höre insbesondere auch Musik von Kollegen und Kolleginnen, sowohl aus dem Jazz- als auch dem Songwriter-Bereich. Als musikalischer Gastgeber meiner Jazz-Reihe “Be My Guest” in meiner Münchner Nachbarschaft muss ich mich im Winterhalbjahr einmal im Monat von neuem auf die Musik meines Gastes einstellen und helfen, sie als Drummer/Percussionist zum Klingen zu bringen. Ich mag Musik, die Kopf und Bauch gleichermaßen anspricht. Wenn eins von beidem fehlt, wird mir langweilig. Ich liebe Grooves mit Synkopen.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
StN: Beides. Der Plattenspieler geht noch und ich werde meine schöne Sammlung mit den vielen Blue-Note-Platten auch nicht entsorgen.

KK: Was lesen Sie momentan?
StN: Nachdem ich als Nicht-Pianist nun über zwei Jahre (also nicht sehr konsequent) Beethovens Mondscheinsonate geübt habe, liegt vor mir “Play it again” von Alan Rusbridger, dem Chefredakteur des “Guardian”, der sich als Hobby-Pianist an Chopins Ballade Nr. 1 in g-Moll wagt. Freu mich drauf!

KK: Was ärgert Sie maßlos?
StN: Rücksichtslosigkeit, dummes Gequatsche, sprachliche Verrohung

KK: Was freut Sie ungemein?
StN: Die Bereitschaft so vieler Menschen, sich zu engagieren, zu helfen und dabei nicht auf den Geldbeutel zu schauen. Ohne das stirbt die Kultur, stirbt das soziale Miteinander. Und mich freut jede schöne, besondere Formulierung, die ich lese oder höre. Da geht mir das Herz auf.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
StN: Als Teenager, den Fell-Lendenschurz eines Ur-Menschen, den ich in einem Open-Air-Theater beim Gräfelfinger Kulturfest darstellte.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
StN: Immer noch und immer wieder: Charles Laughton als Glöckner von Notre Dame im William-Dieterle-Film von 1937

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
StN: Die Tagesverlängerungsmaschine. Ja, ich weiß, ich bin nicht allein.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
StN: Als Autor und als Instrumentalist beim Üben bin ich Einzelkämpfer, als Bandleader oder Bandmitglied immer Teamplayer. Selbst als Solist auf der Bühne bilde ich ein Team mit dem Publikum – wir wollen ja alle einen schönen Abend haben.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
StN: Beim Bügeln. Beim Wäscheaufhängen. Beim Laufen. Auf jeden Fall bei einer repetitiven Tätigkeit, während der die kreative Hirnhälfte schweifen darf.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
StN: Ich bin Abonnent von piqd.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
StN: Ich würde mit der Kultusministerkonferenz der Länder sprechen, ob das Auswendiglernen schöner Gedichte nicht doch irgendwie etwas Gutes hatte.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
StN: “Dafür ist es jetzt zu spät”

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
StN: Herausfordernd. Je digitaler, desto größer der Hunger nach echter, sinnlicher Berührung.
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Sonntag 07.10.2018
Reverend Rusty – von 6 bis 76
Reverend Rusty alias Rusty Stone lebt am Rande Münchens und spielt den Blues. In allen Stilarten. Schon als Kind begeisterte er sich für Musik, bekam mit neun von den Eltern ein Gitarre – und sein Lebensweg war vorgezeichnet. Gerade ist ein neues Album von ihm erschienen: "Rough Times" (Galileo). Zwölf Songs voller Leidenschaft und jeder Menge Charakter. Rusty Stone beherrscht die derbe Spielweise des Blues und des BluesRock. Man spürt seine Entschlossenheit, sein gitarristisches Können. Sein Abstand zu den Grenzen musikalischer Gefälligkeit ist beeindruckend, die Themen sind direkt aus dem Leben gegriffen. Mit seinem Trio „The Case“, das seit den 1980er Jahren besteht, setzt er unterschiedliche Ideen um, ohne sein Anliegen „Ich wollte in allen Stücken  zeigen, was Feeling wirklich bedeuten kann“ in Frage zu stellen. So baut er in „When The Sun Goes Down“ ein wunderbares Tuba-Solo(!) seines Bassisten Mr. C.P. ein, bewegt sich in „Good Morning“ im federleichten Reggea-Stil und beeindruckt im „Summerblues“ solistisch auf der Slide-Gitarre. Das alles wirkt authentisch, kraftvoll und, ja, verfüherisch. Reverend Rustys Lebensmotto?„Fang nie an aufzuhören, hör nie auf anzufangen“ (Cicero)


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Reverend Rusty: Die Liebe zur Musik war in der Kindheit schon vorhanden. Als ich in den 1960ern noch bei den Eltern wohnte, hatte ich ein kleines Transistorradio und da habe ich unter der Bettdecke nachts den AFN-Sender (Radiosender der Amerikanischen Armee in Deutschland) gehört. Country, Blues, Rock usw. und da war ich infiziert und wollte immer Musik machen. Ausserdem spielte der Vater Trompete und übte zuhause. Meine Eltern haben mir dann eine Gitarre gekauft und mit 9 Jahren hatte ich dann Gitarrenunterricht. Und dieses Instrument ließ mich bis heute mit kurzen Unterbrechungen nicht mehr los. Seit 1984 habe ich immer noch meine Band „The Case“ und ich bin seit vielen Jahren Profimusiker, der mit Unterricht und Liveauftritten seinen Lebensunterhalt bestreitet.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
RR: Ich möchte Menschen erreichen, für die handgemachte Musik noch etwas bedeutet und die es zu schätzen wissen, wieviel Herzblut und Zeit man als Singer und Songwriter in eigene Songs mit Musik und Text steckt.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
RR: Mit der Wertigkeit meiner Arbeit muss ich mich am meisten auseinandersetzen. Es gibt immer wieder Menschen, die glauben, dass Dienstleister wie Gitarrenlehrer und auch nicht so bekannte Musiker nicht viel zum Leben brauchen. Egal, ob es dabei um Wohnraum oder Lebenshaltungskosten geht. Also darum, dass auch vernünftige Gagen gezahlt werden.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
RR: Meine Krebsdiagnose (Prostatakrebs) 2017 und OP im Januar 2018 mit den teilweise noch heftigen Folgen. Und die Zerstörung des Planeten Erde aus reiner Habgier. Und dass die Menschen nichts aus der Geschichte gelernt haben: siehe Rechtsruck in Europa. Das letzte beeindruckende Erlebnis war, als ich das neue Album von Reverend Rusty & The Case angehört habe und festgestellt hab, dass sich die ganze Arbeit im Studio und das Songwriting gelohnt haben.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
RR: Wenn ich sehe und spüre, wie zufrieden meine langjährigen Schüler von 6 bis 76 Jahren aus meinem Unterricht gehen und gerne wiederkommen.
Und wenn die Gäste eines meiner Konzerte sich am Ende für die Musik und den schönen Abend bedanken.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
RR: Mein Musikgeschmack war und ist schon immer breit gefächert. Von Klassik, Rock, Soul, Funk, Hardrock usw. höre ich sehr verschiedene Stile. Aber den Blues mag ich besonders. Zum Blues komme ich immer wieder zurück. Deswegen der Titel „Back To The Blues“ auf dem neuen Album „Rough Times“.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
RR: Ich höre beides. Die Haptik von Vinyl ist aber immer noch für mich unübertroffen. Deswegen habe ich mich entschlossen, unser neues Album auch auf Vinyl zu veröffentlichen. Der Song „Rock’n’Roll“ auf dem Album „Rough Times“ handelt vom Vinyl sammeln und hören.

KK: Was lesen Sie momentan?
RR: Ich lese vor allem sehr viele Musikzeitschriften wie Guitar Player, Acoustic Guitar, Guitar World und viele mehr. Bei Büchern liebe ich Biographien. Zurzeit lese ich die Prince-Biographie und die Nile Rodgers-Biographie.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
RR: Unpünktlichkeit und wenn man schon zu spät kommt, nicht Bescheid zu sagen, in Zeiten wo jeder ein Smartphone besitzt. Ausserdem die immer stärker werdende Rücksichtslosigkeit und Aggression der Menschen. Vor allem im Verkehr – egal ob Autofahrer, Fußgänger Radfahrer …

KK: Was freut Sie ungemein?
RR: Ein nettes Gespräch und ein paar nette Worte mit Fremden und Freunden. Ein gutes Essen zusammen mit lieben Menschen. Und es freut mich, dass ich trotz Internet noch sehr oft echte soziale Kontakte habe.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
RR: In jungen Jahren hab ich in der ersten Wohnung aus Matratzen eine Couch gebaut. Ansonsten aus Einzelteilen von Ikea Möbelstücke gemacht. Wobei etwas schneidern oder schreinern bestimmt Spass machen würde.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
RR: Von Robin William in “Good Morning, Vietnam”.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
RR: Die Geduldstablette im Doppelpack mit der Zufriedenheitspille.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
RR: Beides! Einzelkämpfer wenn es um das Business geht. Teamplayer im Studio, in der Band oder in der Musikschule und beim Unterricht.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
RR: Beim Radfahren und alleine Spazieren gehen. Musikalisch wenn ich auf meiner roten Couch vor dem Fernseher sitze und mit der Gitarre vor mich hinspiele.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
RR: Ich lese und nutze Facebook in erster Linie für die Promotion meiner musikalischen Aktivitäten.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
RR: Ich würde nicht nur die E-Musik sondern auch die U-Musik, und dazu gehören auch Bluesmusiker wie ich, finanziell und materiell fördern.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
RR: Der Titel wäre: Er gibt sich immer Mühe!

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
RR: Ich hoffe, dass uns in Zukunft nicht der Planet um die Ohren fliegt und ich hoffe gesund zu bleiben, um meine Musik zu machen (siehe Nr. 4).
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Samstag 15.09.2018
Jakobus Ciolek – Jeder bringt sich mit seinen Ideen ein
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Jakobus Ciolek ist Kulturbeauftragter der Gemeinde Gilching und Cheforganisator der 4. Gilchinger Kunst- und Kulturwoche, die vom 12. bis 21. Oktober stattfindet. Erstmals hat das Festival ein Thema: LiEBENS.ZEIT. An zehn Tagen wird es in über dreißig Veranstaltungen  immer wieder um das Leben und die Liebe gehen. So zum Beispiel gleich am Eröffnungsabend mit dem Chanson-Programm von Ecco Meineke und Band, beim Ballettabend am 14.10. mit der Uraufführung/Premiere von „The Seven Ages“ oder auch bei der Abschlussveranstaltung „Sterbelieder für’s Leben“ mit Marianne Sägebrecht und Josef Brustmann. Für Kinder und Jugendliche gibt es wieder einen ganzen Tag Kulturprogramm im Rathaus – mit einer Zeitmaschine, Theater, Bewegungskunst, Spielen  und Mitmachaktionen, bei denen jeder selbst zum Künstler werden kann. An verschiedensten Orten finden Veranstaltungen der unterschiedlichen kulturellen Sparten für Jung und Alt statt.


KultKomplott: Herr Ciolek, vom 12. bis 21. Oktober findet die 4. Gilchinger Kunst- und Kulturwoche statt. Man kann insofern schon von einer kleinen Tradition sprechen. Was war überhaupt der Anlass, 2015 eine solche Veranstaltungsreihe ins Leben zu rufen?
Jakobus Ciolek: Die Kunst- und Kulturwoche wurde 2015 von Matthias Helwig, der als Kulturreferent Mitglied im Gilchinger Gemeinderat ist, ins Leben gerufen. Die Idee war, die Gilchinger Kulturschaffenden und –vereine zusammen zu bringen. Es gibt ja sehr viele „Kulturaktive“ in Gilching, die aber bis dahin nicht so gut vernetzt waren. Heute ist es so, dass sich durch die Kunst- und Kulturwoche immer wieder Kooperationen ergeben, so hat z.B. in diesem Jahr die Künstlerin Ruth Neureiter die Kostüme für eine Ballettproduktion des Kunstforum Gilching e.V. entworfen – zu erleben am 12. und 14.10.2018 in der Aula des Christoph-Probst-Gymnasiums.

KK: Das diesjährige zehntägige Programm ist randvoll mit Konzerten, Tanzabenden, Lesungen, Theateraufführungen, Ausstellungen, Workshops und vielen anderen Angeboten. Unter welchen Gesichtspunkten haben Sie das Programm zusammengestellt?
KC: Die Gilchinger Kulturschaffenden treffen sich regelmäßig, ca. 3-4 Mal pro Jahr. Die Gemeinde ist Hauptveranstalter in Kooperation mit den Künstlern und Vereinen. In der Regel kommen die ersten Programmvorschläge schon direkt nach der Kulturwoche für das nächste Jahr. Jeder bringt sich mit seinen Ideen ein, ich bin dann nur hier und da beratend tätig und koordiniere die einzelnen Termine so, dass es möglichst keine Überschneidungen gibt – also z.B. nicht zwei Klassik-Konzerte am gleichen Abend. Als Kulturbeauftragter trage ich natürlich dann auch selbst Programmpunkte bei, in diesem Jahr das Konzert mit Ecco Meineke und Band am 12.10., sowie das Programm „Sterbelieder für’s Leben“ mit Marianne Sägebrecht, Josef Brustmann und Andi Arnold am 21.10. Im letzten Jahr hatten wir erstmalig einen Kinder- und Jugendkulturtag zur Kulturwoche im Rathaus veranstaltet, der sehr gut angenommen wurde. Dieser wird in diesem Jahr am 20.10. stattfinden, mit Theater, Lichtmalerei, Artistik und Jonglage sowie vielen Mitmachangeboten.


KK: Erstmals läuft die Kunst- und Kulturwoche unter einem Motto: LiEBENS.ZEIT. Was steckt dahinter?
JC: Nach der letzten Kunst- und Kulturwoche kam die Idee auf, das Festival unter ein Thema oder Motto zu stellen. Damit fällt es den teilnehmenden Künstlern und Vereinen ein wenig leichter, Programmideen zu entwickeln. Der Presse bietet man einen weiteren Anhaltspunkt für die Berichterstattung. Bei uns geht es in den Treffen immer sehr demokratisch zu, es gab mehrere Vorschläge und wir haben dann darüber abgestimmt. Wir waren uns für dieses Jahr allerdings auch sehr einig, da es mit dem bereits erwähnten Ballettabend unter dem Titel „The Seven Ages“, angelehnt an einen Monolog aus William Shakespeare’s „All the world’s a stage“, bereits ein starkes Projekt gab, das sich mit dem Leben und seinen Abschnitten beschäftigt. Weiterhin geht es während der Kulturwoche dann in Lesungen, Konzerten, Vorträgen etc. immer wieder um die Themen Leben, Liebe und Zeit.

KK: Haben Sie bei der Auswahl/Zusammenstellung des Programms und der organisatorischen Umsetzung Helfer vor Ort?
JC: Wie bereits erwähnt, entwickeln wir das Programm gemeinsam, und für die einzelnen Veranstaltungen sind dann Kooperationspartner selbst für die Organisation am Veranstaltungstag zuständig. Ich versuche natürlich, bei möglichst vielen Veranstaltungen selbst dabei zu sein – allerdings schaffe ich es bei über 30 Terminen nicht, alle zu besuchen. 

KK: Gibt es Veranstaltungen, die Ihnen besonders am Herz liegen, die sie speziell empfehlen können?
JC: Ich denke, dass bei uns wirklich für jeden Geschmack etwas dabei ist. Ob Sie lieber einen Jazzabend oder eine Krimilesung besuchen wollen, ob Sie über Gilchings Geschichte oder über Zeitsymbolik lernen wollen, ob Sie lieber ins Kino oder ins Theater gehen – die Kunst- und Kulturwoche bietet für jeden etwas. Es gibt so viele Highlights, dass ich nicht einen oder zwei Termine hervorheben kann. Toll finde ich, dass wir gemeinsam mit dem Arbeitskreis Inklusion einen Filmabend auf die Beine gestellt haben, zu dem dann auch der Regisseur von „Weserlust Hotel“ (ein inklusiver Film) Eike Besuden zu Gast sein wird in Gilching.

KK: Und gibt es schon heute eventuelle Planungen für das nächste Jahr?
JC: Der Termin für’s nächste Jahr steht natürlich schon (11.-20.10.19), thematisch wird es um Himmel und Erde gehen, und zum Auftakt haben wir bereits ein klasse Konzertprogramm – mehr wird aber noch nicht verraten…
 
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Dienstag 28.08.2018
Titus Waldenfels – Gitarre aus dem 3-D-Drucker
Titus Waldenfels ist seit Jahren eines der am besten gehütetsten Geheimnisse der München Musik-Szene. Dabei dürfte es kaum einen potenziellen Konzertbesucher in der Isarmetropole geben, der den Multiinstrumentalisten in einem seiner ungezählten Projekte nicht schon einmal erlebt hat. Ob mit dem unvergessenen Saxophonisten Monty Waters, dem Zeremonienmeister des Blues Dr. Will, der legendären Ethnoband Embryo, dem Avantgardisten Eugene Chadbourne, dem indischen Karnataka Ensemble Of Percussion oder jüngst als Theatermusiker in dem Stück „Der Varreckte Hof“ von Georg Ringsgwandl. Keine Wirtshausbühne, Kleinkunsttheater, keine Open Air-Veranstaltung, keine zum Konzertsaal umfunktionierte Remise oder erweitertes Wohnzimmer sind vor Titus sicher. Musikalisch bewegt er sich zwischen Country, Blues, Pop, Walzer, Polka und Jazz.
Er tourte mit seiner Band und einheimischen Musikern durch Tschechien, Ungarn, Italien, Spanien, durch die Slowakei, die Schweiz und immer wieder durch Texas. Pro Jahr sind das nicht selten 250 Auftritte.
Am Freitag 21. September steht Titus Waldenfels auf der Bühne des Puchheimer Kulturcentrum PUC, wenn es heißt: PUCHHEIMER COUNTRY NACHT.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Titus Waldenfels: Musik, die ich in meiner Kindheit gehört habe. 

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
TW: Einen Lebensunterhalt bestreiten und für so viele verschiedene Menschen wie möglich Musik machen. 

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
TW: Mit Nörglern.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
TW: Persönlich und positiv: Meine Reisen nach Texas. Allgemein und leider negativ: Eine vor allem in sozialen Netzwerken beobachtete Rechtsbewegung vieler Kollegen.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
TW: Konzertbeginn, Konzert und Feierabend. Außerdem zu Hause am Computer Aufnahmen zu bearbeiten.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
TW: Das Hören ist weniger geworden, weil ich auch die Stille mag und die eigene Musik ständig im Kopf rotiert. Besonders mag ich Western Swing. Ich bin aber kontinuierlich beeindruckt und auch beeinflusst von Musik, die ich an den Plätzen, an denen ich spiele, zu hören bekomme, etwa von elektronischer Musik und der Kreativität ihrer Macherinnen und Macher.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
TW: Zu Hause Vinyl. 'Plattenseiten' sind für mich, wie wohl für viele meiner Generation, ein schönes und auch kreatives Ordnungselement.

KK: Was lesen Sie momentan?
TW: Zeitung, immer wieder mal Biographien. 

KK: Was ärgert Sie maßlos?
TW: Mitläuferei und das Opfergetue der Neuen Rechten.

KK: Was freut Sie ungemein?
TW; Daß Angela Merkel alle Diffamierungen und schlecht begründete Angriffe so scheinbar ungerührt kontert.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
TW: Eher Musikinstrumente. Gehen aber hoffentlich als das eine wie andere durch.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
TW: Katharine Hepburn in 'Philadelphia Story'.
 
KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
TW: Einen 3-D-Drucker, der Gitarren und ähnliches druckt.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer oder Teamplayer?
TW: Beides. 

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
TW: Wenn mir langweilig ist.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
TW: Zugegebenermaßen meist, was mir der Herr Facebook präsentiert - wobei ich den Charakter der elektronischen Vorauswahl genau beobachte und auch darin eine Art Trendsuche betreibe. Den Kommentaren und Likes nach zu urteilen muss der für mich erstellte Algorithmus partiell dem anderer gleichen.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
TW: Ein deutschlandweites Online-Ankündigungs-Portal für Kulturveranstaltungen einrichten, in Form eines bildlosen Fließsatzes, um kleine wie große, subventionierte wie selbst finanzierte Veranstaltungen paritätisch abgebildet zu sehen.
 
KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
TW: Ich würde keine Autobiographie schreiben. Wenn, dann eine Art Zeitbericht. 'München' dürfte im Titel erscheinen.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
TW: Persönlich: So postiv wie die Gegenwart jetzt - hoffentlich. Allgemein: Als Kampf gegen die Krakenarme der Neuen Rechten.
Autor: Siehe Artikel
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