Musik
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Inhaltsverzeichnis
Black Patti „Red Tape“

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Dine Doneff „Rousilvo“

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Ulla Haesen „Rio – Só Vim Matar A Saudade“

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Oddgeir Berg Trio „Before Dawn“

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OHRENGLÜCK 39: Clarinet Summit

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Bobo Stenson „Contra La Indecisión“

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Freitag 16.02.2018
Black Patti „Red Tape“
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Einiges von dem, was Peter Krause und Ferdinand Kraemer tun, entspringt einem tiefen Respekt vor den musikalischen Lebensleistungen mancher Vertreter einer längst vergangenen Blues-Ära. Was aber nicht bedeutet, dass die beiden Münchner keine eigene Identität hätten, oder allein als Nachahmer ihrer Favoriten unterwegs wären. Ganz im Gegenteil. Peter Crow C. und Ferdinand „Jelly Roll“ Kraemer, wie sie sich auf der Bühne nennen, sind seit sieben Jahren sehr erfolgreich als Duo Black Patti unterwegs. Beide fühlen sich dem Country Blues verpflichtet, ja man kann sagen sie sind ihm verfallen. Es ist Musik, wie sie Ende der 1920er und 1930er Jahre im Süden der USA gespielt wurde. Rau, leidvoll, immer an den emotionalen Tiefpunkten der Existenz entlang – ohne sich unterkriegen zu lassen.
Red Tape“ heißt nun das neues Album von Black Patti. Es beinhaltet dreizehn Kompositionen aus der Feder von Peter Crow, Ferdinand „Jelly Roll“ und Robert Judge. Keine Coverversionen also, sondern selbst geschriebene Songs, die völlig authentisch klingen und aus der Zeit gefallen scheinen. Ihr gemeinsamer (Satz-)Gesang atmet die Straße, sie spielen selbstbewusst Gitarre und Mandoline(!), der Klang der Bluesharp erinnert an uralte Schwarzweißfotos. Dieses Album ist ein wunderbares Gemeinschaftswerk, das an die goldenen Zeiten des ländlichen Blues erinnert und deutlich macht, wie er auch heute noch tief berühren kann. „Red Tape“ ist ein Meisterwerk der kleinen Form, weitab jeder akademischen Relevanz. Dafür ganz nahe am Leben. Ein Kleinod, das Leid und Mut in sich vereint. Das Hoffnung macht, selbst in schier ausweglosen Situationen und Kraft gibt.
Der Bandname Black Patti ist übrigens einem alten Blues Label entliehen, das 1927 von einem gewissen Mayo Williams gegründet wurde und in seiner recht kurzen Existenz von sieben Monaten immerhin fünfundfünfzig Aufnahmen veröffentlichte. Man könnte doch glatt glauben, diese dreizehn Songs stammen aus eben jenem legendären Katalog – wäre da nicht dieser großartige, warme Klang.
"Red Tape" gibt es auch als Vinyl!!
Jörg Konrad

Black Patti
„Red Tape“
Rhythm Bomb

Nächster Auftritt von Black Patti am 02. März im Rahmen des Puchheimer Bluesfestivalim Puchheimer Kulturcentrum PUC.
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Montag 12.02.2018
Dine Doneff „Rousilvo“
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Rousilvo“ enthält die Musik einer untergegangenen, in ihrer einstigen kulturellen Identität nicht mehr bestehenden Welt. Es sind schmerzhafte Erinnerungen voller Poesie, die Dine Doneff auf „Rousilvo“ in überragende Töne übertragen hat. Voller Wehmut und Temperament, in Anlehnung an die musikalischen Traditionen, wie sie einst für die Region im Nordwesten Griechenlands typisch waren. Und zugleich findet der Komponist und Multiinstrumentalist Doneff für diese Aufarbeitung von zum Teil originalen Volksliedern auch moderne orchestrale Ansätze und jazzähnliche Versatzstücke, die dieser Balkanoper etwas prägend Zeitloses geben.
Inhaltlich handelt es sich um die traumatische Lebensgeschichte jener Menschen, die bis vor wenigen Jahrzehnten im griechischen Teil Mazedoniens, genauer im Bergdorf Xanthogeia (der slawische Name lautete Rousilvo) beheimatet waren. Ende der 1940er Jahre, nach dem griechischen Bürgerkrieg, lebten fast nur Frauen in dem Ort. Die Männer, zum Großteil Widerstandskämpfer, waren entweder im Exil oder tot. Im Dorf regierte die Trauer. „Die Frauen sangen Klagelieder in ihren Hinterhöfen, die durch die schluchtartige Lage des Dorfes überall in den Bergen widerhallten“, erzählte Dine Doneff, der mit griechischem Namen Kostas Theodorou heißt, in einem Interview. Später dann wurde die eigene Sprache, wie auch die kulturellen Riten der Vorfahren auf Geheiß der griechischen Regierung verboten. Diese Traditionen galten als anti-hellenistisch. Das Dorf vereinsamte mit den Jahren völlig und wurde 1986 zerstört. So veränderte sich das einstige Paradies, in dem Dine Doneff seine Kindheit verlebte, endgültig. Ein Bruch, den besonders die Alten des Dorfes nur schwer ertrugen.
Das „Requiem über das Verschwinden“ wurde schon 2004 aufgenommen – aber erst jetzt offiziell veröffentlicht. Grund dafür waren Repressalien, denen Doneff bis 2012 von Seiten nationalistischer Organisationen in Griechenland, als auch von staatlichen Sicherheitskräften ausgesetzt war. Mittlerweile lebt der Komponist und Multiinstrumentalist in Süddeutschland und konnte im letzten Jahr das eindrückliche polyphone Werk „Rousilvo“ mit Hilfe von ECM München herausbringen.
Das Album besteht sowohl aus alten Volksliedern der Region, als auch aus oben erwähnten Orchesterteilen, die sehr stark von mazedonischer Blasmusik beeinflusst sind. Überhaupt ist die wichtigste Inspirationsquelle für die vorliegende Arbeit jene Musik, wie sie zu Doneffs Kindheit und davor in dieser Enklave gespielt wurde. Der Komponist konnte sich an viele der Melodien erinnern, wie sie auf Hochzeiten und zu anderen Festen gespielt wurden. Die Texte aber fehlten, da die Menschen schon damals nicht wagten, diese zu singen. Nun wird die Balkanoper von sieben Sängern und sieben Instrumentalisten aufgeführt. Sowohl die klagenden Frauenstimmen, als auch die ausgelassene Festtagsstimmung finden in „Rousilvo“ Eingang. Zarte und lyrische Momente wechseln mit intensiven, kraftvollen Themen, selbstbewussten Improvisationen und treibenden Rhythmen. Es ist Musik aus dem Zentrum der Leidenschaft, ebenso kreativ wie hingebungsvoll umgesetzt. Bei aller Trauer.
Jörg Konrad

Dine Doneff
„Rousilvo“
neRED / ECM
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Sonntag 04.02.2018
Ulla Haesen „Rio – Só Vim Matar A Saudade“
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Wie dicht die Welt zusammenrückt. Eine Deutsch-Finnin spielt brasilianische Musik. Völlig akzentfrei. Bossa Nova auf Nordeuropäisch, voller Sehnsucht und Melancholie. Offene Rhythmen und ein Hauch früher Jahre. Die Kölnerin Ulla Haesen singt und spielt Gitarre, als wäre sie im Blickkontakt zum Zuckerhut aufgewachsen und ihr eine Portion Leidenschaft in die Wiege an der Copacobana gelegt. Auch auf ihrem neuen Album „Rio – Só Vim Matar A Saudade“ spiegelt sich das brasilianische Lebensgefühl entspannt wieder, lassen die wunderbar leichten Melodien den Hörer an einen sonnenverwöhnten Küstenort träumen. So wird Musik zur Therapie.
Ulla Haesen suchte für diese Aufnahme akribisch nach den entsprechenden Musikern. Einige traf sie in Rio und lud diese umgehend in die Hansahaus Studios nach Bonn ein. Andere leben schon seit Jahren in Europa und pflegen hier ihre südamerikanischen Wurzeln. Zusammen zelebrieren sie diesen einmaligen sehnsüchtigen wie auch optimistischen Sound, der den Bossa Nova auszeichnet. Der immer klingt wie bittersüße Unterhaltung, oder, wie Peter Rüedi einmal schrieb: „,Diese Musik riecht nach dem glücklichen Parfüm der frühen Jahre.“
Elegant setzen Ulla Haesen und ihre Formation die kompositorischen Vorgaben von Ivan Lins, Toninho Horta und Marcos Valle um. Sie lassen virtuose Popmusik entstehen, immer nahe dran, am Klangideal. Die Intensität steckt bei ihnen im Detail, die Spannung in der Intimität. Die Frontfrau selbst ist das emotionale Zentrum der Musik, getragen von der kollektiven Lust ihrer Band.
Jörg Konrad

Ulla Haesen
„Rio – Só Vim Matar A Saudade“
Jazzline
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 31.01.2018
Oddgeir Berg Trio „Before Dawn“
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Musik machen die drei schon eine geraume Zeit. Keyboarder Oddgeir Berg, Bassist Karl-Joakim Wisloff und Schlagzeuger Klaus Robert Blomvik sind Studiomusiker. Großartige Instrumentalisten, die, bis auf wenige Ausnahmen, selten im gleißenden Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit stehen. Oft kennt man nicht einmal deren Namen. Dabei sorgen sie mit ihrem Können oft erst für den entsprechenden Sound, den eine Aufnahme auszeichnet – manchmal auch zum Hit werden lässt. Diese drei Herren waren in der Vergangenheit jedenfalls häufig „das Salz in der Suppe“ auf einschlägigen Folk-Rock Alben skandinavischer Provenienz.
Mit „Before Dawn“ legen Oddgeir Berg & Co nun ihr Debüt unter eigenen Namen vor. Elf Kompositionen, die so frisch wie erfahren klingen, deren energetisches Potenzial besticht und deren Spiellust und -freude das gesamte Album bestimmen.
Es ist Musik, die sich aus Rock, Pop, Jazz und Klassik speist. Aber Berg nutzt diese verschiedenen Zutaten nicht nach einem theoretischen man-nehme-Prinzip, dem immer der leicht bittere Crossover-Geschmack anhaftet. Auf „Before Dawn“ ordnen sich die unterschiedlichen Ausgangspunkte ganz harmonisch, gehen griffige Harmonien, einprägsame Melodien und rhythmische Finessen wie von selbst organische Beziehungen ein. Wunderbar flüssige Improvisationen runden die Gesamtdynamik ab und geben der Aufnahme einen leichten intellektuellen Anflug. Musik, die jedes Hörerherz höher schlagen lässt. Versprochen!
Jörg Konrad

Oddgeir Berg Trio
„Before Dawn“
Ozella Music
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 25.01.2018
OHRENGLÜCK 39: Clarinet Summit
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Es war im Jahr 1979, als der Jazzredakteur Joachim E. Berendt ein halbes Dutzend Klarinettisten verschiedener Nationalität zum New Jazz Meeting in Baden-Baden einlud. Am Ende des Workshops standen zwei Auftritte in Baden-Baden und Mainz. Mitschnitte davon erschienen auf der fast 50 Minuten umfassenden MPS-Langspielplatte „Clarinet Summit“. Dieses Album gab damals ein starkes Signal: Die Klarinette, das typische Oldtime- und Swing-Instrument, war zurückgekehrt in den Jazz – nun als Stimme einer freieren und fantasievolleren Art zu improvisieren. Sechs abenteuerlustige Klarinettisten gaben dafür ihre einzelgängerische Exoten-Rolle auf und vereinigten sich zur Klarinetten-Union. Einer von ihnen meinte: „Das war das Größte, was uns Klarinettenspielern passieren konnte. Wir hatten es noch nie so gut!“

Nach sage und schreibe 36 Jahren wurde das Projekt „Clarinet Summit“ im Herbst 2015 wiederbelebt. Fünf der Akteure von 1979 sind noch mit dabei – vier der Klarinettisten und einer der Schlagzeuger. Man spielte jetzt Konzerte in Wuppertal, Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart, Cottbus, Schwerin – weitere Auftritte sollen noch folgen. Das neue 67-Minuten-Album „Clarinet Summit“ wurde in Frankfurt und Düsseldorf mitgeschnitten. Aus den 30- bis 40-jährigen Musikern von einst sind zwar 70- bis 80-Jährige geworden, die jetzt im Sitzen spielen, doch der Abenteuergeist dieser Pioniere der emanzipierten Klarinette ist ungebrochen.

Raffinierte Themen am Rand zur neuen Musik mischen sich hier mit lebenslustig swingenden Improvisationen. Da gibt es ironische Marschmusik, sanfte Klangerkundungen, kuriose Episoden, auch eine Gypsy-Jazz-Anspielung, massive, orchestrale Tutti-Passagen oder ein improvisiertes, unbegleitetes Klarinettenquartett. Das Album ist ein Füllhorn der Überraschungen und eine einzige Liebeserklärung an das klanglich vielseitigste aller Blasinstrumente. Auch tiefere Klarinetten, Sopransaxofon und Flöte kommen zu Wort. In Anspruch und Ausmaß hat das neue Projekt „Clarinet Summit“ schon jetzt das alte von 1979 übertroffen.

Hans-Jürgen Schaal

Mehr vom Autor: www.hjs-jazz.de

Clarinet Summit

Perry Robinson, Theo Jörgensmann, Gianluigi Trovesi, Bernd Konrad (Klarinetten) u.a.
Jazzwerkstatt
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Freitag 19.01.2018
Bobo Stenson „Contra La Indecisión“
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Eine seiner ersten Aufnahmen spielte Bobo Stenson im November 1965 im Studio Grunewald in Berlin ein. Er begleitete die deutsche Sängerin Inge Brandenburg auf ihrem grandiosen Album „ It's Alright With Me“. Stenson gehörte damals zum international besetzten Gunter Hampel Quartett und es ist noch heute deutlich hörbar, mit welchem Einfühlungsvermögen und welcher Intention er sich pianistisch in diese Musik einfühlt.
Das haben im Laufe der folgende Jahrzehnte auch andere große Musiker zu schätzen gelernt: Jan Garbarek, Charles Lloyd, George Russell. Sie alle liebten dieses sympathische Understatement des Schweden, der es immer verstand, das Schwierige leicht und poetisch klingen zu lassen, dem Unbeschwerten eine melancholische Note zu geben, das Provozierende überzeugend zu platzieren.
Diese einzigartige Kunst kommt natürlich in den eigenen Formationen Stensons besonders zum Ausdruck. Erst recht im Trio, das einem gruppendynamischen Katalysator ähnlich,  jedem unkonventionelle Spannungsbogen eine ganz persönliche Note verleiht.
Schon die breite Auswahl des Repertoires auf seiner neuen Veröffentlichung „Contra La Indecisión“  zeigt die Sicherheit, die das gemeinsame Spiel Stensons mit Bassist Anders Jormin und Schlagzeuger Jon Fält in den zurückliegenden Jahren erlangt hat. Eine verspielte Melodie des Kubaners Silvio Rodrigue, Bela Bartóks Adaption eines slowakischen Volkslieds, ein Stück aus Frederic Mompous „Canción y Danza“, „Elégie“ von Erik Satie, dazu noch einige Titel aus der Feder Anders Jormins und „Alice“ von Bobo Stenson. Dieses Trio gibt den Kompositionen eine identitätsstiftende Gemeinsamkeit und bereichert jedes Stück mit einer eigenen, musikalisch lyrisch angehauchten Magie. Fantasiereiche, minimalistische Tonpoeme, die Intimität atmen, aber dabei nie ihren ganzen Zauber preisgeben. Die Musik berührt tief und in ihrer langsam fließenden Ausgereiftheit lässt sie Stimmungen von flüchtiger Vollkommenheit entstehen. Hier steckt die Reibung im Detail, das Hymnische in der kleinen Form, die Leidenschaft in der Poesie. Ein Trio gleichwertiger Partner, denen man ihre gegenseitige Vertrautheit anhört und die ihren ureigenen Weg ganz einfach gehen. Ja, ganz einfach gehen!
Jörg Konrad

Bobo Stenson
„Contra La Indecisión“
ECM
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KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.