Aufgrund der momentanen Schließung fast aller Lichtspielhäuser stellen wir, bis auf weiteres, an dieser Stelle einmal wöchentlich neue DVDs & Blue-rays vor.
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1. BIS DANN, MEIN SOHN
2. M.C. Escher – Reise in die Unendlichkeit
3. OFFICIAL SECRETS
4. BROT – DAS WUNDER DAS WIR TÄGLICH ESSEN
5. SIBERIA
6. DIE PERFEKTE KANDIDATIN
Donnerstag 02.04.2020
BIS DANN, MEIN SOHN
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Ab 07. April auf DVD & Blue-ray

Es ist ein ganz normaler Sommertag, an dem sich das Leben zweier Familien für immer verändern sollte: Als ein kleiner Junge im Rückhaltebecken eines Staudamms ertrinkt, bleibt sein Freund zitternd zurück - doch der Vorfall wird ihn noch lange verfolgen. Jahre später haben die Eltern des toten Kindes, Liu Yaojun (Jing-chun Wang) und Wang Liyun (Mei Yong), mittlerweile einen Adoptivsohn (Wang Yuan), mit dem sie ein neues Leben in einer fremden Stadt führen. Die Eltern des noch lebenden Kindes, Li Haiyan (Ai Liya) und Shen Yingming (Xu Cheng), plagen nach wie vor Schuldgefühle, was ein Wiedersehen besonders schwer macht. Als bei Li Haiyan allerdings ein tödlicher Hirntumor diagnostiziert wird, beschließen Liu Yaojun und Wang Liyun doch noch einmal an den Ort zurückzukehren, an dem sich die Tragödie ereignete. Gefühle, die jahrzehntelang unterdrückt wurden, drohen wieder aufzukochen...

Ein Film von Xiaoshuai Wang
Mit Jingchun Wang, Mei Yong

Einer der schönsten Filme des Jahres. Der herzzerreißendste.
PARIS MATCH

Privat und politisch zugleich, furios und emotional erzählt... „Bis dann, mein Sohn“ war das Meisterwerk des diesjährigen Wettbewerbs. Ein Film mit einem langen Atem, dem man noch länger hätte zuschauen können.
EPD FILM

Ganz großes Kino ... Es ist ein Epos über Leben und Tod, über Schuld und Trauer – und dabei wird nebenbei, aber nicht nebensächlich auch der gnadenlose Wandel Chinas mitgeschildert, von den Auswirkungen der Kulturrevolution bis zum Turbo-Kapitalismus. „Bis dann, mein Sohn“ ist ein Meisterwerk. Filmhandwerklich stupendes Erzählkino, politisch relevant und doch emotional so profund, dass schon in der Pressevorführung die Tränen nur so flossen.
SÜDWESTPRESSE

Ein Film zum Niederknien ... Von Beginn an geht dieser Film unter die Haut. „Bis dann, mein Sohn“ ist ein Wunder.
LE PARISIEN

Dass der Film so berührt, liegt in erster Linie an dem grandiosen Cast, aus dem die beiden Haupt-darsteller noch einmal herausragen: Wang Jingchun und Yong Mei tragen den Film mit einer Energie, die aus purer Menschlichkeit zu bestehen scheint.
FILMSTARTS.DE

Ein herzzerreißendes, Jahrzehnte umspannendes intimes Epos ... Der größte Trumpf des Films ist Wang Jingchun als Yaojun. Es liegt an seiner natürlichen Güte und Menschlichkeit, dass der Film uns so ins Herz trifft, bis hin zum ruhig erzählten Finale, das das vielleicht glücklichste Happy End in der jüngsten Geschichte des Kinos ist.
VARIETY
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Donnerstag 26.03.2020
M.C. Escher – Reise in die Unendlichkeit
Ab 03. April 2020 auf DVD & Blue-ray

„Ich fürchte, es gibt nur eine Person, die einen guten Film über meine Drucke machen kann: ich selbst“, schrieb Escher an einen amerikanischen Sammler im Jahr 1969. Die Warnung des genialen Künstlers macht der preisgekrönte Doku-Filmer Robin Lutz zum Konzept und lässt in seinem Biopic das Leben der Kunst-Ikone mit dessen eigenen Worten erzählen: Briefe und Notizen schildern aus erster Hand, wie der Maestro tickte. Woher er die Ideen nahm. Wie er scheiterte und triumphierte. Bisweilen werden die berühmten Bilder kongenial mit Animation zum Leben erweckt und steigern das Staunen. Als gelungener Spezialeffekt erweist sich die prägnante Erzählerstimme von Matthias Brandt. Ein sensibles, verspieltes Porträt-Kaleidoskop, an dem Escher sein visuelles Vergnügen gehabt haben dürfte: Sogar seine Krempeltierchen lernen hier das Laufen! Für die Zuschauer allemal ein spannender Trip in faszinierend geheimnisvolle Bilderwelten.

Regie: Robin Lutz
Film-Länge: 81 Min.

Ein faszinierender Einblick in das Schaffen eines der bedeutendsten Künstlers des 20. Jahrhunderts

Treppen, die gleichzeitig aufsteigen und hinabgehen, um sich in einem Kreis zu verbinden. Figuren, die sich in 2D-Schablonen verwandeln, um wieder plastisch zu werden. Paradoxe Landschaften und surreale Stadtszenen. Metamorphosen, in denen sich Vögel zu Fischen und wieder zu Vögeln transformieren – M. C. Eschers Werk fasziniert Millionen von Fans. Der niederländische Grafiker (1898-1972) inspiriert auch heute noch Filmemacher, Maler und Musiker gleichermaßen. Escher ist en vogue, eine Ikone der Kunstwelt.

Die ihm gewidmete Dokumentation M.C. ESCHER – REISE IN DIE UNENDLICHKEIT lässt ihn anhand von Briefen, Tagebuchaufzeichnungen, Notizen und Vorträgen selbst zu Wort kommen. Ein faszinierendes Erlebnis und ein Einblick in das Schaffen eines der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts.

In der deutschen Fassung leiht Matthias Brandt (POLIZEIRUF 110) Escher seine unverwechselbare Stimme, in der englischsprachigen Originalfassung Stephen Fry (GOSFORD PARK).

Quelle: Verleih
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Donnerstag 19.03.2020
OFFICIAL SECRETS
Ab 26. März 2020 auf DVD & Blue-ray


Ein Film von Gavin Hood
Mit Keira Knightley, Matt Smith (XI), Adam Bakri

25. Februar 2004: Katharine Gun (Keira Knightley), eine Mandarin-Übersetzerin des britischen Geheimdienstes GCHQ, steht wegen Verstoßes gegen den "Official Secrets Act" vor Gericht. Schuldig oder nicht schuldig? Der Richter fragt die junge Frau, worauf sie plädiert.

Ein Jahr zuvor, im Januar 2003, kurz vor dem Irak-Krieg: Katharine Gun sieht mit ihrem Mann Yasar (Adam Bakri) in den Fernsehnachrichten, wie Premierminister Tony Blair folgendes Statement abgibt: "Der Krieg ist unvermeidbar". Kurz darauf erhält sie eine E-Mail des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA: Dieser fordert die britischen Kollegen auf, Mitglieder des UN-Sicherheitsrats aus fünf Staaten auszuspionieren und belastendes Material zu sammeln. So sollen sie gezwungen werden, den Irak-Krieg zu billigen und für die entsprechende UN-Resolution zu stimmen. Katharine ist entsetzt – und fragt ihre Freundin Jasmine (MyAnna Buring), ob sie jemanden kenne, dem sie diese heikle E-Mail anvertrauen könne.

3. Februar 2003: Katharine druckt die E-Mail aus und nimmt das Dokument mit nach Hause. Zwei Wochen später, als in London Tausende gegen einen möglichen Irak-Krieg protestieren, erhält der "Observer"-Journalist Martin Bright (Matt Smith) einen Anruf, und wenig später trifft er in einer Tiefgarage die Anti-Kriegs-Aktivistin Yvonne Ridley (Hattie Morahan), die mittlerweile im Besitz von Katharines E-Mail ist.

Martin beginnt zu recherchieren, um deren Authentizität zu prüfen. Er ruft bei der NSA an, verlangt nach Frank Koza, dem Mann, der die Mail verschickt hat – und wird abgeblockt. Dann besucht er mit seinem Kollegen Peter Beaumont (Matthew Goode), einem Kriegskorrespondenten, den freien Sicherheitsberater Paul Beaver (Will Barton). Der bestätigt, dass die Wortwahl in der Mail authentisch wirkt. Außerdem informiert eine Mitarbeiterin des MI6 Peter Beaumont, dass die Geheimdienste auf einen anstehenden Krieg eingestellt werden. Auch der investigative "Observer"-Journalist Ed Vulliamy (Rhys Ifans) beteiligt sich an der Recherche: Er spricht mit einem pensionierten CIA-Mann, doch der weigert sich, die Existenz von Koza zu bestätigen.

Unterdessen befürchtet Katharine, dass der Leak der E-Mail zu nichts führe. Ihre Freundin Jasmine kann ihr diese Sorge nicht nehmen, sagt, dass es Yvonne schwer falle, die Presse von der Echtheit der Mail zu überzeugen – und dass sie selbst in der Sache nichts mehr unternehmen könne.

Schließlich wird Ed Vulliamy in Washington eine mysteriöse Durchwahl zugespielt – und unter dieser erreicht er Frank Kozas Büro bei der NSA. Er spricht kurz mit ihm, dann legt Koza den Hörer auf. Aber die Indizien dafür, dass die E-Mail authentisch ist, haben sich entscheidend verdichtet.

In London diskutieren deshalb Martin Bright, Peter Beaumont und weitere Kollegen mit "Observer"-Chefredakteur Roger Alton (Conleth Hill), ob sie damit an die Öffentlichkeit gehen sollen. Peter Beaumont argumentiert, dass das einen Krieg verhindern könne – und seine Position setzt sich durch: Die Story wird gedruckt. Als Katharine davon erfährt, gesteht sie Yasar, was sie getan hat. Martin Bright ist währenddessen der Star des Newsrooms, zahlreiche amerikanische Medien bitten ihn um Interviews. Doch dann behauptet der "Drudge Report", dass die E-Mail eine Fälschung sei: Denn bestimmte Wörter sind in britischer Schreibweise verfasst, nicht in amerikanischer. Schnell wird klar, wie das passieren konnte: Die junge Praktikantin Nicole Mowbray (Hanako Footman) hatte den Text versehentlich durch ein Rechtschreib-Programm geschickt, das die amerikanische Schreibweise automatisch in die britische korrigierte.

Bei GCHQ beginnt sofort die fieberhafte Suche nach dem Whistleblower: Jeder Mitarbeiter wird intensiv befragt, auch Katharine. Sie leugnet zunächst, die E-Mail geleakt zu haben. Am nächsten Tag meldet sie sich krank. Doch sie erfährt, dass die US-Behörden die Authentizität der E-Mail leugnen, sie muss erleben, wie ihre Kollegen ins Kreuzverhör genommen werden – und schließlich gesteht sie. Sie wird auf ein Polizeirevier gebracht, von Scotland Yard-Detektiven verhört und gegen Kaution freigelassen.

20. März 2003, während des Irak-Kriegs: Katharine kontaktiert Liberty, eine Anwaltskanzlei für Menschenrechte, und trifft die Anwälte James Welch (John Heffernan), Shami Chakrabarti (Indira Varma) und Ben Emmerson (Ralph Fiennes). Danach erhält sie zuhause Besuch von Scotland Yard: Der Beamte teilt ihr mit, dass sie weiterhin gegen den "Official Secrets Act" verstoße, wenn sie ihren Fall mit Anwälten spreche. Auch Ben Emmerson erhält Besuch von seinem alten Freund Ken MacDonald (Jeremy Northam), der kürzlich zum Generalstaatsanwalt ernannt wurde: Dieser sagt ihm, dass er eine Anklage gegen Katharine plant

Sechs Monate später. Das gerichtliche Redeverbot ist aufgehoben, und James Welch muss Katharine informieren, dass sie von der Staatsanwaltschaft angeklagt werde. Doch es kommt noch schlimmer: Ihr Mann Yasar wurde inhaftiert und soll nun abgeschoben werden. Das kann Katharine in letzter Sekunde noch verhindern. Sie erwischt ihn am Flughafen Heathrow, als er schon auf dem Weg zu der Maschine ist, die ihn ausfliegen sollte.

Dann treffen sich Katharine und Yasar mit den Anwälten von Liberty, um ihren Fall zu besprechen. Ben Emmerson hat eine Strategie entwickelt – Er möchte vor Gericht beweisen, dass Katharines Handeln eine Notwendigkeit war: Sie habe die E-Mail geleakt, um einen illegalen Krieg zu verhindern und Leben zu retten. Einen entscheidenden Hinweis hat Emmerson von Elizabeth Wilmshurst (Tamsin Greig) erhalten, einer vormals hochrangigen Juristin im Auswärtigen Amt: Als Katharine die E-Mail leakte, vertrat Attorney General Lord Goldsmith die Position, dass der Irak-Krieg ohne eine UN-Resolution illegal wäre. Goldsmith, der oberste Rechtsberater der Regierung, änderte aber drei Tage vor der Invasion seine Position und erklärte den Krieg auch ohne UN-Resolution für legal – daraufhin trat Elizabeth Wilmshurst zurück.

25. Februar 2004: Katharine betritt das Gerichtsgebäude Old Bailey – und trifft dort zum ersten Mal Martin Bright. Vor Gericht plädiert sie für "nicht schuldig", weist also zurück, den "Official Secrets Act" gebrochen zu haben. Und nun geschieht etwas, womit niemand rechnen konnte...
Quelle: Verleih - Entertainment One Germany (eOne)
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Mittwoch 18.03.2020
BROT – DAS WUNDER DAS WIR TÄGLICH ESSEN
Ab 26. März 2020 im Kino
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BROT – dieser Film zeigt, wie wir Brot noch nie gesehen haben.
Kein anderes Lebensmittel besitzt in unserer Kultur einen so fundamentalen Stellenwert wie Brot. Doch wissen wir eigentlich, was wir täglich essen? Harald Friedls neuer Dokumentarfilm BROT erzählt von der traditionellen Kunst des Brotbackens, die von engagierten Handwerksbäcker*innen mit neuem Leben erfüllt wird, und von großen Konzernen, die mit modernster Technologie ihrem Industriebrot zu Aroma und Geschmack verhelfen. Vor allem aber zeigt er, was Brot ausmacht und wie sich die sozialen, gesundheitlichen und ökologischen Bedingungen in Brot verkörpern.

Ein Film von Harld Friedl


Aus dem scheinbar einfachen Grundnahrungsmittel Brot ist ein Genussmittel mit Kult-Potential geworden. Neue Bio-Bäcker erobern das Land – dennoch kaufen die meisten ihr tägliches Brot und Gebäck immer noch im Supermarkt, wo maschinell produzierte Aufbackware die Regel ist. Und die wenigsten von uns wissen, was in unserem Brot steckt – und wie es eigentlich schmecken kann.Der Film BROT bietet erhellende Einblicke in die heutige Welt des Brotes und seiner Erzeugung. Wir begegnen traditionellen Handwerks- bäcker*innen und Getreidebauern, die für ihre Qualität mit nachhaltigen Zutaten einstehen. Regisseur Harald Friedl zeigt aber auch die Backstraßen  und  Labors der Lebensmittelkonzerne, die mit ihren Fertigmischungen dem authentischen Geschmack  auf die Spur kommen wollen. Industriell gefertigtes Brot wird zunehmend zum künstlichen Produkt. Wie kann das Backhandwerk überleben? Und wie wird das Brot der Zukunft sein?


Brot ist ein Grundnahrungsmittel, das die schönsten Erinnerungen an einen authentischen Geschmack hervorruft und mit Tradition verbunden wird.
Das macht sich auch die Lebensmittelindustrie zunutze, die den Markt mit industrieller Aufbackware dominiert, jedoch mit heimeligen Backstuben und mehligen Bäckershänden wirbt. Dies mag einer der Gründe sein, warum viele Menschen heute ihr tägliches Brot und Gebäck im Supermarkt kaufen – obwohl es vor Ort aus maschinell vorgefertigten Teiglingen aufgebacken wird. Und dennoch: Eröffnet ein Bäcker, der sich dem traditionellen Handwerk verpflichtet fühlt, ein neues Geschäft, so stehen die Menschen für ihr Lieblingsbrot Schlange. Brot hat das Potential zum Kultobjekt zu werden. Aber was ist an einem guten Brot eigentlich so besonders?
Harald Friedl begibt sich in BROT auf die filmische Reise in die faszinierende Welt eines Lebensmittels, das wie kein anderes in der Einfachheit seiner Zutaten einen jeweils ganz besonderen Geschmack entwickeln kann. Er besucht in Frankreich Christophe Vasseur, der in seiner Bäckerei „Du Pain et des Idées“ das Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen Umweltschutz, Landwirtschaft, Produktionsweisen und Konsum wecken will: „Die Tragödie unserer modernen Welt ist, dass wir die Zeit als Feind betrachten. Dabei ist die Zeit unser Verbündeter, sie muss respektiert werden!“

Im Keller der Pariser Bäckerei von Apollonia Poilâne wird immer noch im Holzofen Sauerteigbrot gebacken. Obwohl sie mittlerweile expandiert hat, ist auch Poilâne der Tradition verpflichtet, indem sie nach wie vor auf künstliche Zusätze industrieller Brotproduktion verzichtet: „Ich erweise meinem Großvater und meinem Vater damit Respekt, dem Betrieb, den sie aufgebaut haben, und der Arbeit meiner Kollegen, die tagtäglich das Wissen und die Tradition des Bäckerhandwerks hochhalten.“
Genau diese Industrie meint wohl auch die Weinviertler Bäckerin Brigitte  Öfferl, wenn sie auf  die Geschichte des Familienbetriebes zurückblickt. In den 80er-Jahren haben die Öfferls auf industriell produzierte Backmischungen umgestellt – der Konkurrenzdruck durch die Supermärkte ließ es damals notwendig erscheinen. Inzwischen hat Sohn Georg Öfferl gemeinsam mit seinem Cousin Lukas Uhl den Betrieb übernommen und ihn binnen kürzester Zeit zu einem Bio-Vorzeigeunternehmen gemacht: „Am Anfang habe ich mir gedacht, Brot ist Brot. Aber das ist es überhaupt nicht! Ich war erstaunt, wie viel Geschmack man aus Mehl und Wasser herausholt. Und bio ist halt eine Grundsatzentscheidung. Wenn man die Arbeitsweise von biologischen Rohstoffen unterstützt, kauft man natürlich nur bio ein.“Diese Bäcker*innen begreifen Brot als Endpunkt eines Prozesses, der schon mit der Wahl des Saatkorns beginnt.

Und so kehren alte Getreidesorten zurück auf unsere Teller und Saatgutvielfalt auf die Äcker. Das Engagement dieser Bäcker*innen und ihrer Zulieferer ist dem Geschmack ebenso verpflichtet, wie es gesellschaftliche Verantwortung für eine nachhaltige Lebensweise übernimmt.
BROT begleitet auch die deutsche Harry-Brot und ihren Geschäftsführer Hans-Jochen Holthausen auf seiner Suche nach Innovationen, die den Kundengeschmack treffen sollen. Doch kann man Qualität gewährleisten, wenn man mit großen Mengen gegen internationale Konzerne konkurrenzieren will? Auch die belgische Puratos Gruppe forscht nach dem authentischen Geschmack. Sie entwickelt Brotbackmischungen für den globalen Markt auf Basis hochtechnischer  Untersuchungen in Labors. 

In ihrer „Sauerteig-Bibliothek“ werden Teige aus der ganzen Welt gehütet, um sie molekular analysieren und ihre Geschmacksnoten technisch reproduzieren zu können.Die Arbeit mit industriellen Backmischungen und gentechnisch gewonnener Enzyme wird nicht nur von der Slow-Food-Bewegung kritisch gesehen und mit Unverträglichkeiten in Verbindung gebracht. Ist Glutenunverträglichkeit bloß eine körperliche Reaktion auf wenig gereiftes Brot und auf für den Körper schlecht verdauliche Zutaten und deren Verarbeitung?
Der Film BROT bietet erhellende Einblicke in die heutige Welt des Brotes und seiner Protagonist*innen. Regisseur Harald Friedl eröffnet dabei überraschende Sichtweisen auf ein Grundnahrungsmittel, dessen Herstellung wie Verzehr ein sinnliches Erlebnis sein kann. Und er zeigt einmal mehr, dass man als Konsument immer die Wahl hat.
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Donnerstag 12.03.2020
SIBERIA
Ab 19. März 2020 im Kino
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Clint (Willem Dafoe) ist ein vom Leben gezeichneter Mann. Um endlich seinen inneren Frieden zu finden, hat er sich in eine einsame Hütte in den verschneiten Bergen zurückgezogen. Dort betreibt er ein kleines Café, in das sich nur selten Reisende oder Einheimische verirren. Aber selbst in der Abgeschiedenheit findet Clint keine Ruhe. Eines schicksalhaften Abends bricht er mit seinem Hundeschlitten auf, getrieben von der Hoffnung, sein wahres Ich zu finden. Eine Reise durch seine Träume, Erinnerungen und Fantasien beginnt.

Ein Film von Abel Ferrara
Mit Willem Dafoe, Dounia Sichov, Simon McBurney, Cristina Chiriac, Valentina Rozumenko uvm.

Port au Prince Pictures bringt SIBERIA, den neuen Film von Regisseur Abel Ferrara (PASOLINI, BAD LIEUTENANT, PIAZZA VITTORIO), am 19. März 2020 in die deutschen Kinos. Der vierfach Oscar®-nominierte Schauspieler Willem Dafoe (MOTHERLESS BROOKLYN, GRAND BUDAPEST HOTEL, PASOLINI) spielt die Hauptrolle in diesem bildgewaltigen Film. SIBERIA feiert im offiziellen Wettbewerb der 70. Internationalen Filmfestspiele Berlin (20. Februar – 01. März 2020) Weltpremiere. 
Der preisgekrönte US-Regisseur und Drehbuchautor (hier zusammen mit Christ Zois) Abel Ferrara schickt in dem magischen Drama SIBERIA den großartigen Willem Dafoe auf eine Odyssee ins Unterbewusstsein.
 
SIBERIA wurde produziert von Marta Donzelli und Gregorio Paonessa (Vivo film) mit Rai Cinema, Philipp Kreuzer und Jörg Schulze (maze pictures), Julio Chavezmontes (Piano) und Diana Phillips, in Assoziation mit Faliro House, Rimsky Productions, Talipot Studio, CTT und Bavaria Filmproduktion, gefördert von MIBACT, DFFF, IDM Südtirol, FFF Bayern, Regione Lazio und EFICINE. Den Weltvertrieb hat THE MATCH FACTORY übernommen. 


DIRECTOR’S NOTE
 
Nach PASOLINI habe ich mich hingesetzt und dies ist mir zugeflogen: Verrückte, fremdartige Bilder, weder urban noch modern. Ich habe dem einfach freien Lauf gelassen. Dieser Ort, diese Art Jack-London-Welt, mit Hunden, mit gewissen Begegnungen, die sich ergeben, mit gewissen Stationen auf einer Reise, die durch diese total unterschiedlichen Orte und Zeiten geprägt sind. Nicht um ein perfektes Drehbuch zu schreiben, sondern um Bilder zu sammeln und die Erinnerung anzuzapfen, um Möglichkeiten zu schaffen, um unser Denken herauszufordern, um eine Erfahrung zu erschaffen und aufzuzeichnen, die hoffentlich wichtig genug ist, um beim Publikum Widerhall zu finden. Sachen, die zwar manchmal schwer zu erklären sind, dafür aber immer interessant umzusetzen und grundlegend filmisch. Das ist keine Abweichung von unserem Vorgehen – es ist dessen Fortsetzung. Seit dem ersten Film gehen wir weiter und weiter in die Dunkelheit. Ich habe ein großes Verlangen danach zu erfahren, was mit Film möglich ist.
 
 
WILLEM DAFOE
 
Im Laufe seiner eindrucksvollen Karriere hat Willem Dafoe in mehr als 100 Filmen gespielt, darunter in einigen ikonographischen Werken unserer Zeit. Für seine Vielseitigkeit im Spiel, für seine Kühnheit und Wagnis, mit denen er Projekte angeht, genießt Willem Dafoe internationales Ansehen. Künstlerische Neugier, das Menschsein in allen Facetten auszuloten, führte den Schauspieler zu Drehs auf der ganzen Welt, zu großen wie zu kleinen Projekten, sowohl zum Mainstream- als auch zum internationalen Independent-Kino. 1979 spielte er seine erste Rolle in Michael Ciminos HEAVEN'S GATE – DAS TOR ZUM HIMMEL, wurde jedoch wegen einer Lappalie gefeuert. Seitdem gleicht die Liste der Regisseur*innen, mit denen Willem Dafoe gearbeitet hat, einer Enzyklopädie des modernen Kinos: Kathryn Bigelow, Sam Raimi, Alan Parker, Walter Hill, Mary Harron, Wim Wenders, Anton Corbijn, Zhang Yimou, Wes Anderson, Martin Scorsese, David Lynch, Oliver Stone, William Friedkin, Werner Herzog, Lars Von Trier, Abel Ferrara, Spike Lee, David Cronenberg, Paul Schrader, Anthony Minghella, Scott Cooper, Theo Angelopoulos, Robert Rodriguez, Phillip Noyce, Hector Babenco, Andrew Stanton, Josh Boone, Kenneth Branagh, Sean Baker, Julian Schnabel, Robert Eggers, Edward Norton und Ericson Core.

Willem Dafoes künstlerische Abenteuerlust lässt sich in vielen Rollen erkennen, so etwa in der des Elite-Auftragsmörders in JOHN WICK, in der des besessenen FBIAgenten im Klassiker DER BLUTIGE PFAD GOTTES und in der des Mentors Vulko in James Wans Kinoerfolg AQUAMAN. Im Animationshit FINDET NEMO hat Willem Dafoe dem Halfterfisch Gil seine Stimme geliehen, in DEATH NOTE dem Gott des Todes Ryuk und er war der Erzähler im Drama VOX LUX.
 
Zu Willem Dafoes aktuellen Projekten zählen Abel Ferraras SIBERIA, Dee Rees DAS LETZTE, WAS ER WOLLTE, Wes Andersons THE FRENCH DISPATCH sowie Guillermo del Toros NIGHTMARE ALLEY.
 
Willem Dafoe wurde in seiner Laufbahn bereits viermal für den Oscar® nominiert: Als Bester Hauptdarsteller in VAN GOGH – AN DER SCHWELLE ZUR EWIGKEIT (Nominierung auch für den Golden Globe), als Bester Nebendarsteller in PLATOON, als Bester Nebendarsteller in SHADOW OF THE VAMPIRE (Nominierungen ebenfalls für den Golden Globe und von der Screen Actor's Guild) sowie als Bester Nebendarsteller in THE FLORIDA PROJECT (Nominierungen auch für den Golden Globe und von der Screen Actor's Guild).  Mehrfach wurde Willem Dafoes Schauspielkunst ausgezeichnet, u.a. mit zwei Los Angeles Film Critics Awards, mit dem New York Film Critics Award, National Board of Review Award, Independent Spirit Award, Volpi-Pokal der Filmfestspiele von Venedig sowie mit dem Goldenen Ehrenbär der Berlinale für sein Lebenswerk. Willem Dafoe und seine Frau, die Regisseurin Giada Colagrande, haben vier Filme gemeinsam verwirklicht: PADRE, BOB WILSONS LIFE AND DEATH OF MARINA ABRAMOVIC, A WOMAN und BEFORE IT HAD A NAME. Ein fünfter Film, TROPICO, befindet sich in Vorproduktion.

Willem Dafoe ist Gründungsmitglied des experimentellen New Yorker Theaterkollektivs The Wooster Group. Er hat alle Arbeiten der Gruppe von 1977 bis 2005 konzipiert und war im Ensemble. Mit Richard Foreman hat er in „Idiot Savant“ am The Public Theatre in New York gearbeitet sowie zuletzt in zwei internationalen Produktionen mit Robert Wilson: LIFE AND DEATH OF MARINA ABRAMOVIC“ und THE OLD WOMAN an der Seite von Mikhail Baryshnikov. Vor kurzem spielte er in dem auf Nathaniel Hawthorns Kurzgeschichte basierendem Theaterstück „The Minister's Black Veil“ unter Regie von Romeo Castellucci.


BIOGRAPHIE ABEL FERRARA

ABEL FERRARA arbeitet seit vier Jahrzehnten sowohl in den USA als auch in Europa als Filmschaffender. Zu seinen jüngsten Erfolgen gehören PASOLINI mit Willem Dafoe und WELCOME TO NEW YORK mit Gerard Depardieu und Jacqueline Bisset in den Hauptrollen. 1951 in der Bronx geboren, hat Abel Ferrara in seiner Jugend im Bundesstaat New York mit Super-8-Filmprojekten und der Zusammenarbeit mit den Drehbuchautoren Nicholas St. John und John McIntyre begonnen. Seine ersten Spielfilme waren DRILLER KILLER – DER BOHRMASCHINENKILLER und DIE FRAU MIT DER 45ER MAGNUM in den späten 1970ern. Die 1980er und 1990er Jahre bescherten dem Regisseur einen Kult-Ruf dank legendärer Filme wie THE KING OF NEW YORK – KÖNIG ZWISCHEN TAG UND NACHT, BAD LIEUTENANT, THE ADDICTION und DAS BEGRÄBNIS. SIBERIA, Abel Ferraras neueste Zusammenarbeit mit Willem Dafoe, feiert im offiziellen Wettbewerb der 70. Berlinale Weltpremiere.
 
FILMOGRAPHIE
2020 SIBERIA    
2019 THE PROJECTIONIST (documentary)
2017 PIAZZA VITTORIO (documentary)
2017 ALIVE IN FRANCE (documentary)
2014 PASOLINI 
2014 WELCOME TO NEW YORK
2011 4:44 – LAST DAY ON EARTH 
2009 NAPOLI, NAPOLI, NAPOLI
2008 CHELSEA ON THE ROCKS (doc.)
2007 GO GO TALES 
2005 MARY
2001 RXMAS
2019 TOMMASO    
1998 NEWROSEHOTEL  
1997 THE BLACKOUT  
1996 THE FUNERAL 
1995 THE ADDICTION     
1993 DANGEROUS GAME  
1993 BODY SNATCHERS  
1992 BAD LIEUTENANT  
1990 THE KING OF NEW YORK  
1987 CHINA GIRL   
1984 FEAR CITY      
1981 MS. 45       
1979 DRILLER KILLER
 
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Donnerstag 05.03.2020
DIE PERFEKTE KANDIDATIN
Ab 12. März 2020 im Kino
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Maryam ist eine Ärztin in einer kleinen Stadt in Saudi-Arabien. Trotz ihrer exzellenten Fähigkeiten muss sie sich jeden Tag aufs Neue den Respekt der Mitarbeiter und der Patienten erkämpfen. Wütend macht Maryam vor allem der Zustand der Straße vor der Klinik. Weil die Stadt die Zufahrt nicht asphaltiert, bleiben die Patienten regelmäßig im Schlamm stecken. Maryam will Veränderung und bewirbt sich um eine bessere Stelle in Dubai. Doch wegen einer Formalität und weil sie keine männliche Begleitung hat, lässt man sie nicht reisen. Maryam sucht Hilfe bei einem entfernten Cousin. Doch der Zufall will es, dass der als Beamter nur Kandidaten für die anberaumte Wahl des Stadtrats empfängt. Vor allem aus Trotz erklärt sich Maryam kurzerhand zur Kandidatin. Erst später wird ihr klar, welche Chance zwischen der bürokratischen Willkür lauert: als Stadträtin könnte sie die Asphaltierung der Klinik-Zufahrt selbst in die Hand nehmen. Maryam und ihre beiden Schwestern treten eine Kampagne los, die nicht zu übersehen ist. An jeder Ecke lauern Restriktionen für Frauen; trotzdem wird Maryams Stimme lauter, ihre Auftritte mutiger, ihre Forderungen radikaler. Die junge Ärztin, die vom lang erkämpften Recht auf ein eigenes Auto wie selbstverständlich Gebrauch macht, besteht nun auch auf die Straße, auf der sie fahren kann. Die Regisseurin Haifaa al Mansour („Das Mädchen Wadjda“) erzählt in DIE PERFEKTE KANDIDATIN mit viel Weitsicht und Feingefühl, wie eine minimale gesellschaftliche Öffnung der Klaviatur bürokratischer Willkür völlig neue Töne entlockt. Ihre Signatur ist ein weiblicher Blick, der seine Perspektive immer mitzudenken versteht, eine Film gewordene Verneigung vor der Unbezähmbarkeit weiblicher Souveränität. So entsteht das so befl ügelnde wie scharfsichtig nachgezeichnete Porträt einer Emanzipation, das zeigt, wie zutiefst überwältigend Kino sein kann.

Ein Film von Haifaa Al Mansour
Mit Mila Alzahrani, Dae Al Hilali, Nora Al Awadh u.a.


Maryam lebt zusammen mit ihrem verwitweten Vater Abdulaziz und ihren beiden Schwestern Selma und Sara in einer kleinen Stadt in Saudi-Arabien. Als moderne junge Frau, die einer aufgeschlosseneren Generation angehört, möchte sie ihr Leben selbst gestalten und nutzt die ihr gebotenen neuen Möglichkeiten. Sie arbeitet als Ärztin im örtlichen Krankenhaus und ist stolz darauf, ihr eigenes Auto zu besitzen. Eine Freiheit, die lange undenkbar war. Sie liebt ihren Beruf, auch wenn sie sich als Frau in einer bis dato nur für Männer vorgesehenen Tätigkeit immer noch täglich den Respekt der Kollegen und Patienten sehr hart erkämpfen muss. Besonders gegenüber den männlichen Patienten hat sie es schwer, ihre fachliche Kompetenz zu beweisen. Der Gedanke, dass Männer und Frauen Seite an Seite zusammenarbeiten ist für viele noch sehr gewöhnungsbedürftig. Aber Maryam versucht, sich nicht entmutigen zu lassen. Sie begegnet den Zweifl ern mit Stärke und selbstbewusster Souveränität. Zu Hause ist das Familienleben harmonisch. Zwar werden die bestehenden Traditionen respektiert und gepfl egt, dennoch herrscht eine sehr offene Atmosphäre. Maryams Vater ist nach dem Gesetz das Familienoberhaupt und solange seine Töchter nicht verheiratet sind, der rechtliche Vormund.

Er bemüht sich aber, seine Kinder bei ihren Plänen für die Zukunft zu unterstützen. Er weiß als Musiker selbst am besten, wie schwierig es ist, mit ständigen Restriktionen zu leben. Lange Zeit war das kulturelle Leben im Land extrem eingeschränkt. Und nicht selten wurde die Familie verspottet, weil er und seine Frau von einer musikalischen Karriere träumten, die sich aufgrund der Gegebenheiten leider nur auf Hochzeitsauftritte beschränkte. Abdulaziz ist seinem Traum treu geblieben und probt mit seiner traditionellen Musikgruppe weiterhin für den Durchbruch. Auch Maryams ältere Schwester Selma hat sich als erfolgreiche Hochzeitsfi lmerin ein eigenes unabhängiges Geschäft aufgebaut. Und kann sich an den Wochenend-Events auch jederzeit auf die Mithilfe und Unterstützung ihrer beiden Schwestern verlassen. Im Krankenhaus stößt Maryam immer häufi ger an ihre Grenzen. Nicht nur, weil sie sich als Frau immer wieder durchsetzen muss, sondern scheinbar ist sie auch die Einzige, die der marode  Zustand der Klinik wütend macht.

Besonders die unbefestigte und schwer überwindbare Zufahrtsstraße stellt für die Sanitäter eine extreme Herausforderung dar. Und gerade in Notfallsituationen zählt jede Minute. Maryam möchte dringend Verbesserungen, aber ihre fortwährenden Bemühungen, beim amtierenden Gemeinderat Dr. Tarek fi nanzielle Mittel zu erbitten, werden immer wieder abgelehnt. Daher beschließt die junge Ärztin, an einer Fachkonferenz in Dubai teilzunehmen. Sie möchte sich dort für eine bessere Stelle bewerben. Gleichzeitig verkündet Abdulaziz seinen Töchtern, dass er mit seiner Musikgruppe auf eine dreiwöchige Tournee geht. Eine Chance, auf die er über 20 Jahre gewartet hat. Endlich kann er als echter Musiker vor einem echten Publikum spielen. Vor seiner Abreise händigt er Maryam ihre Reiseerlaubnis aus. Am Flughafen angekommen, wird diese aber wegen einer banalen Formalität abgelehnt: Maryam darf nicht fl iegen. Sie versucht erfolglos, ihren Vater zu erreichen, denn nur ein Vormund kann die Papiere bekräftigen. Frustriert und verzweifelt versucht sie alles, um doch noch nach Dubai fl iegen zu können. Da fällt ihr plötzlich der Cousin ihrer Mutter ein. Rashid ist ein Verwaltungsbeamter und kann vielleicht helfen. Schnell fährt sie zu seinem Büro.

Aber auch hier wird sie zunächst abgewiesen, da Herr Rashid heute nur Bewerber für den Gemeinderat empfängt. Verärgert lässt sich Maryam kurzerhand einen Antrag aushändigen. Rashid kann Maryam bei der Reiseerlaubnis aber nicht helfen. Die Dubai-Reise fällt ins Wasser. Allerdings unterschreibt er den Antrag für die Gemeinderatskandidatur, verweist aber gleich darauf, dass es gerade für eine junge Frau sehr schwierig wird, sich durchzusetzen. Dr. Tarek ist ein sehr starker Konkurrent, der schon seine dritte Amtszeit bekleidet. Jetzt vor den Neuwahlen setzt er viele Projekte um, wie Parks, Kinderspielplätze und Einkaufszentren. Maryam kann nicht umhin, nach der Straße zur Klinik zu fragen. Diese steht allerdings nicht auf dem Sanierungsplan. Je mehr Maryam über die zunächst aus Trotz erfolgte Kandidatur als Gemeinderätin nachdenkt, umso stärker reift ein Gedanke in ihr. Motiviert von den jüngsten Ereignissen und dem Drang, die inakzeptablen Zustände des Krankenhauses zu verbessern, will sie sich der Herausforderung stellen. Aber wie geht man vor? Das Internet hilft: Zehn Schritte zur eigenen Wahlkampagne. Bei den Schwestern stößt ihr Vorhaben zunächst eher auf gemischte Gefühle. Besonders ihre kleine Schwester Sara hat Angst, dass die Familie erneut zum Gespött der Leute wird. Und auch Selma hat so ihre Zweifel, besonders wenn der überstürzte Plan mit Hilfe einer Google-Anleitung umgesetzt wird. Aber Maryam lässt sich nicht mehr abbringen. Letztlich weiss sie ganz gut, wie sie ihre Schwestern auf Linie bringen kann. Die drei Schwestern beginnen, am politischen Auftritt Maryams zu basteln. Mit Smartphones, ein bisschen Videotechnik und dem nötigen Selbstvertrauen ist die Kampagne schnell zum Laufen gebracht. Und weil sich Maryam an ein für lokale Verhältnisse doch recht ungewöhnliches Unternehmen gewagt hat, ist Aufmerksamkeit quasi garantiert. Doch nun stellen sich plötzlich ein paar ganz praktische Fragen: wer als politische Kraft in Erscheinung treten möchte, sollte eventuell keinen Schleier vor dem Gesicht tragen? Wie lässt sich eine männliche Wählerschaft adressieren, wenn man sich nicht im selben Raum aufhalten darf?

Vor dem Hintergrund einer sehr speziellen Situation offenbaren sich plötzlich ganz fundamentale Mechanismen des politischen Austauschs: Politik ist nur möglich, wenn man denselben Raum gleichberechtigt teilt, im selben Raum anwesend ist, auf derselben Bühne sprechen kann wie die männlichen Kandidaten. Gleichheit und Politik sind nicht voneinander zu trennen. Auch Schritt zwei der Do-it-Yourself-Wahlkampagne nehmen die Schwestern beherzt in Angriff: die eigene Wahlparty muss her. Maryam wird immer mutiger. Sie bucht eine große Veranstaltungshalle, lockt mit einer Modenschau und einer bekannten Musikerin und lädt alle Frauen der Stadt ein. Als der Tag des ersten öffentlichen Auftritts gekommen ist, beschleicht sie leichte Nervosität. Daran, vor einem großen Publikum das Wort zu ergreifen, muss sie sich erst noch gewöhnen. Doch auch als ihre erste Rede ein voller Erfolg wird, ist das Ergebnis ernüchternd. Viele sagen ihr im Anschluss, dass sie sich nicht trauen werden, einer Frau ihre Stimme zu geben. Das provoziert Maryams Kampfgeist: jetzt erst recht will sie zeigen, dass sie sich Gehör verschaffen kann, dass ihr Kampf gerechtfertigt ist und ihre Ziele für alle eine Verbesserung bringen werden. Maryam besucht unverschleiert TV-Shows, sie wagt sich sogar in ein Zelt voller Männer und besteht darauf, angehört und als Kandidatin für den Gemeinderat respektiert zu werden. Immer mehr rüttelt die junge Frau die Menschen in der Stadt auf, gewinnt die Anerkennung und die Stimmen der Kolleginnen. Maryam schafft es, in den Umfragen zu einer veritablen Konkurrentin Dr. Tareks aufzusteigen. Und der reagiert: Maryams wichtigstes Ziel, die Asphaltierung der Klinikzufahrt, steht plötzlich auf seiner Agenda. Zur Wahl bleiben nur noch wenige Tage.


DIE REGISSEURIN HAIFAA AL MANSOUR
Die aus Saudi-Arabien stammende Regisseurin Haifaa Al Mansour schloss ihren Bachelor in Literatur an der American University in Kairo ab und machte ihren Master in Regie und Film an der Universität in Sydney. Sie ist die erste Filmemacherin Saudi-Arabiens, und ihr preisgekröntes Kinodebüt DAS MÄDCHEN WADJDA (2012) war der erste Film, der jemals vollständig im Königreich Saudi-Arabien gedreht wurde. DAS MÄDCHEN WADJDA wurde zu über 40 Filmfestivals weltweit eingeladen und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. in Venedig, Rotterdam und Dubai.

Filmografie
2019 DIE PERFEKTE KANDIDATIN
2017 NAPPILY EVER AFTER
2016 MARY SHELLEY
2012 DAS MÄDCHEN WADJDA
2005 WOMEN WITHOUT SHADOWS



DIE DARSTELLER*INNEN

Mila Al Zahrani als Maryam: Sie repräsentiert die neue junge Generation saudi-arabischer Schauspielerinnen, die die aktuelle Filmszene des Landes prägen. Nachdem sie 2016 erste Filmrollen übernahm, gelangte sie national schnell zu Ruhm und Popularität. Sie überzeugt mit Rollen und Charakterdarstellungen, die unkonventionell und kraftvoll sind. Ihre Hauptrolle in dem saudischen Drama BOXING GIRL als Boxmeisterin machte sie im ganzen Land zum Star.

Khalid Abdulrahim als Abdulaziz: DIE PERFEKTE KANDIDATIN ist Khalids erste Rolle als Schauspieler. Er ist jedoch in der UndergroundFolkmusik-Szene Saudi-Arabiens sehr bekannt. Er gründete und leitete mehrere Bands, die seit der Aufhebung des Auftrittsverbots im ganzen Land spielen. Auch arbeitet er daran, jungen Musikern Spielorte und Möglichkeiten zu bieten, ihre Talente zu entwickeln und aufzutreten. Er fi ndet Spielorte und Möglichkeiten für junge Musiker, um ihr Talent weiter zu entwickeln.

Dae Al Hilali (Dhay) als Selma: Die junge Künstlerin macht sich sowohl als Schauspielerin als auch im Social Media auf sämtlichen Medienplattformen einen Namen. Obwohl sie als angesagte Infl uencerin und Networkerin bekannt ist, wo sie die Grenzen austestet, wie sich saudische Frauen virtuell präsentieren, ist sie auch in der Welt der klassischen Medien ein aufstrebender Star, der mehrere Rollen in lokalen Fernsehproduktionen an Land zieht.

Shafi Al Harthi als Mohammed: Er ist einer der profiliertesten Schauspieler des Landes. Er arbeitet seit über 20 Jahren und zählt zu den renommiertesten saudischen Fernsehstars. Er ist bekannt für seine abgebrühten Rollen wie hartgesottene Polizisten. Die Darstellung eines unterstützenden und lustigen Freundes ist für ihn als Schauspieler eine spannende Abwechslung.
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