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Inhaltsverzeichnis
DETROIT

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TEHERAN TABU

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SUBURBICON

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GOOD TIME

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DJANGO

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THE SQUARE

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Donnerstag 16.11.2017
DETROIT
Ab 23. November 2017 im Kino
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Der Sommer 1967 ist ein ausschlaggebender Moment in der modernen amerikanischen Geschichte, als das Land von wachsenden politischen und sozialen Unruhen heimgesucht wird. Die Eskalation des Vietnamkriegs sowie jahrzehntelange Ungleichheit und Unterdrückung fordern ihren Tribut. Die Unzufriedenheit und kochende Wut finden schließlich ihren Höhepunkt in den Großstädten, wo die afroamerikanische Gemeinschaft seit jeher mit systematischer Diskriminierung sowie hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat. Kathryn Bigelows neustes Werk fokussiert sich auf die schreckenerregenden Ereignisse eines Abends während der Bürgerrechtsaufstände in Detroit: Als zwei Tage nach Beginn der Rebellionen auf der Anlage eines Motels Pistolenschüsse gemeldet werden, rückt die Polizei mit einem Großaufgebot an. Statt sachlich zu ermitteln, kommt es zu einer von Vorurteilen und Gewalt geprägten Razzia. Die anwesenden Motelgäste müssen sich einem gefährlichen Verhör unterziehen – in Isolation sollen sie durch Einschüchterung zum Geständnis gedrängt werden. Das lebensbedrohliche Machtspiel eskaliert und bringt schwerwiegende Folgen mit sich …


Regie: Kathryn Bigelow

Mit: John Boyega, Anthony Mackie, Will Poulter, Algee Smith, Samira Wiley, John Krasinski, Hannah Murray u.v.m.


PRESSENOTIZ

Sie ist eine der visionärsten und intelligentesten Thriller- und Action-Regisseurinnen unserer Zeit. Ihre Filme sind so hautnah an den Ereignissen, dass dem Zuschauer der Atem stockt: Kathryn Bigelow erzählt Geschichten, die bewegen, erschüttern, nachdenklich machen – und vor allem in jeder Hinsicht fesseln. Mit ihren letzten beiden Filmen „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ (6 Oscars® u.a. für „Bester Film“ und „Beste Regie“) und „Zero Dark Thirty“ (5 Oscar®-Nominierungen) fühlte sie unserer politischen Gegenwart auf den Zahn, mit DETROIT begibt sie sich nun auf historisches Terrain, das zwar Jahrzehnte zurückliegt, aber dennoch bestürzende Parallelen zu unserer Gegenwart erkennen lässt. Das Drehbuch zu diesem hochspannenden Thriller schrieb erneut Mark Boal (Oscar® für „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“), dessen spannungsgeladene Erzählweise den Zuschauer das Geschehen unmittelbar erleben lässt. In den Hauptrollen spielen John Boyega („Star Wars: Das Erwachen der Macht“), Anthony Mackie („Tödliches Kommando – The Hurt Locker“, „The First Avenger: Civil War“), Will Poulter („The Revenant“), Algee Smith („Army Wives”), Samira Wiley („Orange is the New Black“), Jack Reynor („Macbeth”), Hannah Murray („Game of Thrones – Das Lied von Eis und Feuer“), Tyler James Williams („The Walking Dead“), Jason Mitchell („Kong: Skull Island“) und John Krasinski („Promised Land“).


KATHRYN BIGELOW (Regie, Produktion)
Kathryn Bigelow ist nicht nur zweifache Oscar®-Preisträgerin, sondern auch eine Ausnahmekünstlerin. Als Regisseurin und Produzentin kann sie auf ein Werk verweisen, mit dem sie sich stets allen Genre-Einordnungen widersetzt und sich auf packende und beeindruckende Weise ihren Figuren und Konflikten widmet. Bigelow inszenierte und produzierte zuletzt das von der Kritik gefeierte Drama ZERO DARK THIRTY (“Zero Dark Thirty”, 2012), das für fünf Oscars® nominiert wurde, darunter als Bester Film. 2010 hatte sie für TÖDLICHES KOMMANDO - THE HURT LOCKER (“The Hurt Locker”, 2008) zwei Oscars® in den Kategorien Bester Film und Beste Regie gewonnen.
Bigelow strebte zunächst eine Karriere als Malerin an, machte einen Abschluss am San Francisco Art Institute und erhielt anschließend einen Platz im Independent Study-Programm des Whitney Museum. Sie schrieb sich schließlich für ein Filmstudium an der Columbia University ein, das sie mit einem Master abschloss. 2011 ehrte das MoMa Bigelows Arbeit als Filmemacherin und Künstlerin mit der Ausstellung „Crafting Genre: Kathryn Bigelow“.
Bigelow unterstützt verschiedene wohltätige Organisationen im Bereich Umwelt- und Tierschutz, darunter die African Wildlife Foundation, Charity Water, David Sheldrick Wildlife Trust, WildAid und die Navel Special Warfare Family Foundation. 2014 drehte sie den Kurzfilm „Last Days“ (2014), einen wachrüttelnden Blick auf das Thema Wildtier-Schmuggel, von dem nicht zuletzt Terrorgruppen profitieren und der dazu führen könnte, dass den Elefanten innerhalb der nächsten elf Jahre das Aussterben droht. Anschließend wurde die Regisseurin zu einem Diskussionsforum in Washington D.C. eingeladen, wo sie sich mit Aktivisten, Abgeordneten, NGO-Mitarbeitern und Vertretern des Verteidigungs-, Außen- und Innenministeriums über humanitäre Themen sowie Sicherheits- und Tierschutzfragen austauschte. Das ergiebige Treffen trug dazu bei, dass Präsident Obama ein Gesetz unterzeichnete, das Elefanten, Nashörner und andere bedrohte Tierarten vor internationalen Wilderern und Schmugglern schützt. Davon inspiriert kündigte China Pläne an, bis Ende 2017 sämtlichen Handel und die Verarbeitung von Elfenbein zu verbieten. 2015 erhielt Bigelow für den Kurzfilm den Genesis Award der Human Society of the United States.
Auch mit dem Virtual Reality-Kurzfilm „The Protectors“ (2017), den sie gemeinsam mit Imraan Ismail für National Geographic drehte, widmete sich Bigelow den Gefahren und Folgen des Elfenbeinhandels. Der Film, der seine Premiere 2017 beim Tribeca Film Festival feierte, zeigt die gefährliche und grausame Realität, der sich die Ranger gegenüber sehen, die in Afrika Elefanten vor Wilderern schützen.

FILMOGRAFIE KATHRYN BIGELOW (Auswahl)
2017    DETROIT
2012    Zero Dark Thirty (Zero Dark Thirty)
2008    Tödliches Kommando – The Hurt Locker (The Hurt Locker)
2002     K-19 – Showdown in der Tiefe (K-19: The Widowmaker)
2000    Das Gewicht des Wassers (The Weight of Water)
1995    Strange Days (Strange Days)
1991    Gefährliche Brandung (Point Break)
1990    Blue Steel (Blue Steel)
1987    Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis (Near Dark)
1981    Die Lieblosen (The Loveless)



JOHN BOYEGA (Dismukes)
John Boyega, Gewinner des Rising Star Awards bei den BAFTAs 2016, sorgte für weltweites Aufsehen in J.J. Abrams STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT (“Star Wars: Episode VII – The Force Awakens”, 2015). Auch in der Fortsetzung STAR WARS: DIE LETZEN JEDI (“Star Wars: The Last Jedi”, 2017) von Rian Johnson ist er in diesem Jahr wieder mit von der Partie. Zu seinen weiteren Filmen der letzten Zeit gehören THE CIRCLE (“The Circle”, 2017) mit Tom Hanks und Emma Watson sowie der Sundance-Gewinner IMPERIAL DREAMS (“Imperial Dreams”, 2014).
Der Durchbruch gelang Boyega mit ATTACK THE BLOCK (“Attack the Block”, 2011) von Joe Cornish, der 2011 beim SXSW Festival den Publikumspreis gewann. Darüber hinaus war er neben Chiwetel Ejiofor in HALF OF A YELLOW SUN (“Half of a Yellow Sun”, 2013), Spike Lees Serien-Pilotfolge „Da Brick“ (2011), der Serie „24: Live Another Day“ (2014) mit Kiefer Sutherland sowie in den BBC-Produktionen „My Murder“ (2012) und „The Whale“ (2013) zu sehen. Seinen Einstand hatte er in der von der Kritik gefeierten britischen Serie „Becoming Human“ (2011) gegeben, bevor er für „Law & Order: UK“ (2011) vor der Kamera stand.
Boyega studierte Schauspiel an der Identity School of Acting und stand früh in Stücken wie „Six Parties“ oder „Category B“ am Londoner West End auf der Bühne. Kürzlich übernahm er am legendären Old Vic Theatre die Titelrolle in einer Neuinszenierung von Büchners „Woyzeck“. Bereits abgedreht hat er PACIFIC RIM: UPRISING (“Pacific Rim: Uprising”, 2018). Für die Fortsetzung des Erfolgsfilms von Guillermo del Toro zeichnet er als Hauptdarsteller und Produzent verantwortlich.

FILMOGRAFIE JOHN BOYEGA (Auswahl)
2017    DETROIT
    Regie: Kathryn Bigelow
2017    Star Wars: Die letzten Jedi (Star Wars: The Last Jedi)
    Regie: Rian Johnson
2017    The Circle (The Circle)
    Regie: James Ponsoldt
2015    Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: Episode VII – The Force Awakens)
    Regie: J.J. Abrams
2013    Half of a Yellow Sun (Half of a Yellow Sun)
    Regie: Biyi Bandele
2011    Junkhearts (Junkhearts)
    Regie: Tinge Krishan
2011    Attack the Block (Attack the Block)
    Regie: Joe Cornish


WILL POULTER (Krauss)
Will Poulter, der 2014 den renommierten Rising Star Award bei den BAFTAs erhielt, wurde für seine Rolle in der erfolgreichen Komödie WIR SIND DIE MILLERS (“We´re the Millers”, 2013) mit dem MTV Award in den Kategorien Breakthrough Performance und Best Kiss ausgezeichnet. Anschließend war er in Filmen wie WAR MACHINE (“War Machine”, 2017) mit Brad Pitt, KIDS IN LOVE (“Kids in Love”, 2016) mit Cara Delevigne, Alejandro Iñárritus Oscar®-Gewinner THE REVENANT – DER RÜCKKEHRER (“The Revenant”, 2015) mit Leonardo DiCaprio und Tom Hardy, GLASSLAND (“Glassland”, 2014) mit Toni Collette und MAZE RUNNER – DIE AUSERWÄHLTEN IM LABYRINTH (“The Maze Runner”, 2014) zu sehen.
Sein Spielfilmdebüt gab Poulter in DER SOHN VON RAMBOW (“Son of Rambow”, 2007) von Garth Jennings, für den er prompt eine Nominierung als Bester Newcomer für den British Independent Film Award erhielt. Anschließend war er in WILD BILL (“Wild Bill”, 2011) zu sehen, wofür er als Young British Performer of the Year bei den Critics’ Circle Awards nominiert wurde. Zu seinen weiteren Filmen gehören DIE CHRONIKEN VON NARNIA: DIE REISE AUF DER MORGENRÖTE (“The Chronicles of Narnia: The Voyage of the Dawn Treader”, 2005) mit Tilda Swinton. Außerdem stand er für die Comedy-Sketch-Show „School of Comedy“ (2010) vor der Kamera.

FILMOGRAFIE WILL POULTER (Auswahl)
2017    DETROIT
    Regie: Kathryn Bigelow
2017    War Machine (War Machine)
    Regie: David Michod
2015    The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant)
    Regie: Alejandro G. Iñárritu
2014    Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth (The Maze Runner)
    Regie: Wes Ball
2013    Wir sind die Millers (We’re the Millers)
    Regie: Rawson Marshall Thurber
2010    Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte (The Chronicles of Narnia: The Voyage of the Dawn Treader)
    Regie: Michael Apted
2007    Der Sohn von Rambow (Son of Rambow)
    Regie: Garth Jennings


ALGEE SMITH (Larry)
Algee Smith ist ein amerikanischer Sänger, Rapper und Schauspieler. Kürzlich war er als Popstar in dem TV-Dreiteiler „The New Edition Story“ (2017) zu sehen. Zu seinen weiteren Rollen gehören Auftritte in der Disney-Produktion EARTH TO ECHO – EIN ABENTEUER SO GROSS WIE DAS UNIVERSUM (“Earth to Echo”, 2014), dem Fernsehfilm „Let It Shine – Zeig, was Du kannst!“ (“Let It Shine”, 2012) sowie den Serien „Complications” (2015), „How to Rock” (2012) und „Army Wives” (2012).
Seine ersten Songs schrieb Smith im Alter von elf Jahren. Später folgten Auftritte an legendären Orten wie dem Madison Square Garden oder der Cobo Arena. Mit einer stetig wachsenden Fangemeinde bei Facebook, YouTube, Twitter und Instagram und der Kombination aus Musik und Schauspielerei steht Smith eine steile Karriere bevor.

FILMOGRAFIE ALGEE SMITH (Auswahl)
2017    DETROIT
    Regie: Kathryn Bigelow
2014    Earth to Echo – Ein Abenteuer groß wie das Universum (Earth to Echo)
    Regie: Dave Green
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 09.11.2017
TEHERAN TABU
Ab 16. November 2017 im Kino
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TEHERAN TABU feierte als provokanter, gesellschaftskritischer Animationsfilm seine Weltpremiere bei den diesjährigen Internationalen Filmfestspielen von Cannes. Die deutsch-österreichische Koproduktion ist das Spielfilmdebüt des gebürtigen Iraners Ali Soozandeh, der in Deutschland lebt und auch das Drehbuch schrieb.
Gedreht im Rotoskopie-Verfahren mit echten Schauspielern, gelang Soozandeh ein aufwühlendes
und realistisches Drama um vier junge Menschen in Teheran, deren Schicksale bei ihrer verzweifelten Suche nach Freiheit und Glück aufeinanderprallen. Dabei liefert der Ensemble-Film
einen kompromisslosen, bislang noch nie gesehenen Einblick in den schizophrenen Alltag des heutigen Iran. Innenansichten eines Lebens zwischen streng religiösen Gesetzen und Unterdrückung
einerseits, und Sex, Drogen und Korruption andererseits.

Ein Film von ALI SOOZANDEN

Pari, Babak, Sara und Donya leben in der iranischen Hauptstadt Teheran. Um den Lebensunterhalt für sich und ihren fünfjährigen Sohn Elias zu verdienen, arbeitet Pari als Prostituierte und verkauft ihren Körper an einen einflussreichen Richter, der ihr vermeintlich zu einem besseren Leben verhilft. Von einem schöneren Leben träumt auch ihre Nachbarin Sara, die ein gehorsames Hausfrauendasein unter ihrem Mann und seinen strenggläubigen Eltern fristet, aber viel lieber wieder arbeiten gehen würde. Der jungen Donya steht ein ähnliches Schicksal bevor. In wenigen Tagen wird sie heiraten. Trotzdem lässt sie sich auf eine Nacht mit dem jungen Musiker Babak ein
und verlangt hinterher von ihm, für eine Operation zu zahlen, die ihre Jungfräulichkeit wiederherstellt. Nur wo soll der arme Student das Geld hernehmen und wie die staatlichen Kontrollorgane umgehen?
Vier Schicksale, die eng miteinander verflochten sind, vier Menschen, die alle auf ihre Weise unter den restriktiven Gesetzen des Gottesstaats zu leiden haben.


Teheran, Hauptstadt der Islamischen Republik Iran: In der brodelnden Metropole des Gottesstaats balancieren vier junge Menschen auf dem schmalen Grat zwischen individueller Freiheit und strengen religiösen Gesetzen. Das Umgehen von Verboten wird zum Alltagssport, der Tabubruch zur Selbstverwirklichung. Die verzweifelte Suche nach persönlichem Glück ist zwangsläufig eine Kampfansage an die Staatsmacht.
Pari arbeitet als Prostituierte, um sich und ihren fünfjährigen, stummen Sohn Elias durchzubringen. Ihr bleibt nichts anderes übrig, denn ihr Mann sitzt im Knast, ist drogenabhängig und weigert sich,
die Scheidungspapiere zu unterschreiben und Unterhalt zu zahlen. Während sie anschaffen geht, wird Pari immer wieder mit der herrschenden Doppelmoral in Teheran konfrontiert: Ein Freier, der sich von ihr im Auto oral befriedigen lässt, rastet plötzlich aus, als er seine unverheiratete Tochter händchenhaltend auf dem Gehweg sieht. Ein angesehener Richter stellt ihr die Scheidung in Aussicht, sofern sie ihm als Liebhaberin dient. Dafür quartiert er sie und Elias in einer schicken Wohnung im nördlichen Stadtteil D¸anat Abad ein. Schräg gegenüber im Studentenheim lebt der junge Musiker Babak, der sich mit kleinen Auftritten und Musikunterricht über Wasser hält und davon träumt, eine eigene CD zu veröffentlichen. Wenn er nicht am Computer komponiert, verbringt er seine Zeit mit seinem besten Freund Amir. Babak ist weder Drogen noch unverbindlichem Sex abgeneigt.
Als eines nachts in einem Club beides zusammenkommt, hat er ein großes Problem: Nach einem rauschhaften One-Night-Stand kontaktiert ihn die junge Donya und eröffnet ihm, dass sie in acht Tagen heiraten werde. Weil sie aber als Jungfrau in die Ehe gehen muss, soll Babak nun für eine Operation bezahlen, die das Jungfernhäutchen wiederherstellt. Nur womit? Ein Besuch beim Frauenarzt ergibt, dass so ein medizinischer Eingriff 6000 Rial kostet und zudem nur durchgeführt wird, wenn ein unterschriebenes Dokument der Eltern vorliegt und ein Gerichtsmediziner bestätigt,
dass es sich bei der Entjungferung um einen Unfall oder eine Vergewaltigung handelt.
Im Behandlungsraum nebenan sitzt Sara. Sie ist nach zwei Fehlgeburten endlich wieder schwanger. Während ihre streng religiöse Schwiegermutter hocherfreut von einem Gottesgeschenk spricht, blickt Sara skeptisch in die Zukunft. Sie hält ihr Leben als gehorsame Hausfrau im traditionellen Haushalt ihres Mannes Mohsen und seiner Eltern nicht mehr aus und hat sich auf einen Job
beworben. Als sie tatsächlich angenommen wird, benötigt sie Mohsens schriftliche Einverständniserklärung, um arbeiten gehen zu dürfen. Doch der lehnt kategorisch ab.
Einziger Lichtblick ist ihre unkonventionelle neue Nachbarin Pari, die sich als Krankenschwester
ausgibt und Elias schon bald regelmäßig bei Sara und ihrer Familie unterbringen kann, während sie arbeitet. Der Junge mag stumm sein, doch er ist ein genauer Beobachter.
Er weiß, wo Sara die Süßigkeiten vor ihrem zuckerkranken Schwiegervater versteckt; dass dieser vom Staatssender auf einen Striptease-Kanal umstellt, sobald alle aus dem Zimmer sind; wann man Wasserbomben vom Balkon fallenlassen muss, damit sie ihr Ziel nicht verfehlen. Aber was die obszöne Geste bedeutet, die er mal aufgeschnappt hat und vor der Schuldirektorin wiederholt, als
Pari ihn vorstellen und anmelden will, weiß er nicht. Die Beamtin verweigert ihm erbost den Platz in der Gebärdenschule.
Babak, Donya und Amir haben nach einem Debakel mit einem vermeintlichen Jungfernhäutchenimitat, dass sich als Scherzartikel herausstellte, endlich einen Arzt aufgetrieben,
der die Operation illegal vornehmen will, für 12 000 Rial! Dafür braucht Babak einen Kredit, was der zuständige Bankangestellte, ausgerechnet Mohsen, ablehnt. Babak versucht, anderweitig Geld aufzutreiben. Er will sein Bandoneon versetzen, arbeitet als Hochzeits-DJ, nimmt einen Job in einem Tonstudio an, in dem Werbespots für „Teheran-Burger“ produziert werden. Für den anspruchsvollen Musiker eine Zumutung.
Dann lehnen die Behörden auch noch den Antrag für die CD ab – sein Projekt sei zu unislamisch. Und Amir gesteht ihm, dass er den Iran verlassen will. Als Babak zufällig den ausgerissenen Elias auf dem Dach des Wohnheims entdeckt, lernt er auch bald die suchende Mutter kennen. Pari und Babak kommen ins Gespräch, er schildert seine Geldsorgen. Kurz darauf ergibt sich für Pari tatsächlich eine Gelegenheit, dem sympathischen Babak ihre Dankbarkeit zu erweisen, dass er sich um Elias gekümmert hat: Ohne zu ahnen, wer die Prostituierte ist, steht Mohsen plötzlich als Kunde vor ihr.
Dinge wieder auseinander. Aber Pari nutzt die Situation und nötigt ihn kurz darauf wegen eines Kredits für Babak, den sie vor seinen Schalter schleppt. Mit ihren eigenen Problemen kommt Pari dagegen nicht voran. Sie wird von dem Richter wegen der Scheidungspapiere immer wieder vertröstet. Bis ihr eines Tages der Kragen platzt und sie ihn beim Bondage-Sex fast erwürgt, woraufhin er sie vergewaltigt. Immerhin erreicht sie, dass er die Schuldirektorin unter Druck setzt, damit Elias seinen Schulplatz bekommt.
Dafür droht ein dummer Telefonstreich, von Pari und Sara in weinseliger Laune durchgeführt, katastrophal zu enden. Ein obszöner Anruf mit Saras Handy bei Joseph, dem verklemmten Neffen des Hausmeisters Ahmad, zieht ungeahnte Kreise, denn Ahmad hat Kontakte zur Behörde zur Einhaltung der öffentlichen Moral und lässt den Anruf zurückverfolgen. Als er mit Saras Handynummer bei Mohsen auftaucht und einen Kredit verlangt, mit dem er für seine schwangere Tochter die Abtreibung bezahlen will, entsteht bei Mohsen der Eindruck, Sara sei eine Prostituierte.
Es kommt zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Mohsen und Sara, in dessen Verlauf
sie ihm aufgebracht entgegenschleudert, dass sie die beiden Kinder gar nicht verloren, sondern abgetrieben habe. Mohsen wirft Sara aus dem Haus.
Donya und Pari warten beim Arzt derweil vergeblich auf Babak und das Geld für die Jungfernhäutchen-Operation. Sie müssen unverrichteter Dinge wieder abziehen und gehen zum Studentenwohnheim. Babaks Zimmer ist ausgeräumt. Er hat sich heimlich aus dem Iran abgesetzt. Die verzweifelte Donya gesteht Pari, dass sie überhaupt nicht heiratet, sondern ihr vermeintlicher Verlobter ein skrupelloser Menschenhändler ist, der jungfräuliche Iranerinnen nach Dubai vermittelt – und dem sie nicht entkommen kann. Pari gibt Donya Geld für ein Ticket nach Hause zu ihrer Familie, die sie seit sechs Monaten nicht gesehen hat.
In der Nacht springt Sara nach einem völligen Nervenzusammenbruch vom Dach des Hochhauses, bis kurz vorher beobachtet von Elias, der am nächsten Tag endlich zur Schule gehen darf…


INTERVIEW MIT ALI SOOZANDEN

Wie ist das Projekt entstanden? Gab es eine bereits existierende Vorlage?
TEHERAN TABU ist ein Originaldrehbuch, das nicht auf einem Roman basiert. Die Idee entstand vor ein paar Jahren, als ich in der U-Bahn ein Gespräch von zwei jungen Iranern mitgehört habe, die über ihre Erfahrungen mit Mädchen gesprochen haben. Sie erwähnten eine Prostituierte, die ihr Kind mit zur Arbeit gebracht hat. Das stimmte mich nachdenklich in Bezug auf das Thema Sexualität im Iran.
Ich begann in sozialen Medien zu recherchieren und analysierte meine eigenen Erinnerungen – wie mit solchen Belangen umgegangen wurde, als ich selbst Teenager oder in meinen Zwanzigern war. Daraus entwickelte sich die Geschichte.

War das Projekt von Anfang an als Animationsfilm geplant?
Ursprünglich war das nicht geplant. Für mich war das wichtigste, dass die Geschichte funktioniert.
Für dieses Projekt war es ein Problem, die richtigen Locations zu finden, wenn es ein Live-Action Film hätte werden sollen. Teheran selbst war aus offensichtlichen Gründen keine Option. Ich habe ein paar Filme gesehen, die stattdessen in Marokko oder Jordanien gedreht wurden, aber das war nicht sehr überzeugend. Nach vielen Diskussionen und Versuchen entschieden wir uns für die Rotoskopie-Technik als beste Option.

Erzähl uns von deiner Beziehung zum Iran.
Ich bin im Iran geboren und habe dort gelebt bis ich 25 war. Ich bin der einzige in meiner Familie,
der nicht mehr dort lebt. Als die Islamische Revolution begann, war ich neun. Ich bekam die Folgen zu spüren, als plötzlich Jungen und Mädchen in der Schule getrennt wurden. Das war die erste von vielen traumatischen Erfahrungen. Mit 25 wanderte ich aus und seit 1995 lebe ich in Deutschland. Natürlich liebe ich den Iran und meine Landsleute, die wissen, was es heißt Not und Unterdrückung zu ertragen. Seit ich den Film gemacht habe, ist meine Beziehung zum Iran wieder intensiver
geworden.

Welche gesellschaftliche Atmosphäre herrscht derzeit im Iran? Kannst Du uns etwas über die Tabus erzählen, die im Titel des Films angesprochen werden?
Mit diesem Film wollte ich das Schweigen brechen, das im Iran allgemein üblich ist. Ich würde behaupten, dass Tabus zu brechen ein Weg ist, um gegen Unterdrückung zu protestieren. Im Iran ist der Alltag von gesetzlichen Verboten und moralischen Einschränkungen geprägt. Wenn Sexualität streng reglementiert wird, können Menschen sehr erfinderisch werden, um diese Tabus zu umgehen. Iraner sind kreative Menschen und lernen schnell mit Verboten umzugehen und Einschränkungen zu
umgehen. Es gibt Orte ohne Regeln. Um die öffentliche Prüderie zu kompensieren, kann das Privatleben schnell ins Verbotene abgleiten - in Bezug auf Sex, Alkohol und Drogen.
Ein Mangel an Freiheit begünstigt ein Leben mit Doppelmoral. TEHERAN TABU konzentriert sich auf diese Doppelmoral, die zu vielen gesellschaftlichen Komplikationen führt, sich aber auch in absurden, oftmals komischen, Situationen widerspiegelt.

Kannst Du uns etwas über die Atmosphäre der Heimlichtuerei und Paranoia erzählen, die im Film oft thematisiert wird?
In den Wohnvierteln der Mittelklasse, wo TEHERAN TABU spielt, sind die Einschränkungen
gesetzlicher Natur. Sie sind aber auch in den Köpfen der Menschen verankert. Die Familienehre hat im Iran mehr Bedeutung als in Europa. In der iranischen Gesellschaft sind soziale Kontakte sehr wichtig und spielen eine große Rolle, wenn man erfolgreich sein möchte. Ein Individuum und seine ganze Familie können ihre Ehre wegen einer außerehelichen Beziehung verlieren. Ins Gefängnis zu müssen oder Strafe zu zahlen ist nicht halb so schlimm, wie wenn Informationen durch die Polizei an die Öffentlichkeit kommen. Das bedeutet nämlich, dass all deine Bekannten, all deine Nachbarn über dein „Verbrechen“ Bescheid wissen. Für dich und deine Familie ist das der komplette Verlust der Ehre.

Die Frauen spielen in der Geschichte deines Films eine zentrale Rolle. Erzähl uns etwas über die weibliche Bevölkerung des Iran und welche Rolle sie zurzeit in der Gesellschaft spielen.
Das Bild, dass die westliche Bevölkerung vom Iran hat ist immer sehr verzerrt und voller Klischees. Es ist geprägt durch Stereotypen, die von „1001 Nacht“ bis zum nuklearen Disput mit dem strengen islamischen Regime reichen. Aber die Realität, die man auf den Straßen Teherans erlebt ist vielfältiger. Frauen im Iran haben oft einen besseren Bildungsgrad als Männer und eine viel sichtbarere Rolle im täglichen Leben als in vielen anderen Islamischen Ländern, wie z.B. Saudi Arabien. Aber es gibt nicht die eine moderne iranische Frau. Es gibt viele Typen, von der religiösen
Fundamentalistin bis zur westlich geprägten Feministin. Natürlich hat letztere nicht die Möglichkeit, sich in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen. Mein besonderes Interesse galt der Rolle der Frau im gesellschaftlichen Spiel der Tugenden. Sie sind diejenigen, die am meisten leiden.

Von Frauen wird grundsätzlich erwartet, dass sie sich selbst und ihren Kindern Regeln und Tabus auferlegen, die ihre Freiheit und die der nächsten Generation eingrenzen. Erzähl uns von deinen Charakteren und der Stimmung, die sie dem Film verleihen.
Ich glaube, dass überall auf der Welt die Menschen und ihre Träume dieselben sind. Nur die Umstände sind anders. Jedes Publikum überall kann sich wahrscheinlich mit den Charakteren identifizieren. Auf die eine oder andere Weise leiden sie alle unter den Tabus sexueller Beziehungen und den Einschränkungen der iranischen Gesellschaft. Sie sind Opfer, aber gleichzeitig auch Täter. Keiner im Film ist einfach gut oder böse. Ein Charakter kann durch seine Taten abstoßend wirken;
die selben Taten aber werden nachvollziehbar, wenn wir seine Hintergrundgeschichte erfahren.
Zu weiten Teilen nimmt der Film die Sichtweise eines kleinen Jungen ein. Da ich keinen zu dunklen Film machen wollte, entschied ich mich, die optimistische, hoffnungsvolle und farbenfrohe Perspektive zu übernehmen, mit der die meisten Kinder die Welt betrachten.

Wie sah der technische Prozess bei der Herstellung der Filmes aus?
Nachdem wir das Storyboard und die Castings beendet hatten, wurde mit echten Darstellern in einem Green Screen Studio gedreht. Der erste Schritt im Animationsprozess ist die sogenannte
Pre-Visualisierung. Allein auf Basis des Green Screen Materials konnten wir nicht in den digitalen Bearbeitungsprozess gehen; wir mussten Platzhalter für die Hintergründe kreieren. Nachdem die Pre-Visualisierung fertig war, haben wir mit dem eigentlichen Animationsprozess begonnen. Wir erstellten die finalen Hintergründe (eine Kombination aus 3D-Elementen und gemalten Bildern) und die Charaktere getrennt voneinander. Schließlich haben wir alle Elemente in der Compositing-
Phase zusammengefügt. Der Animationsprozess dauerte dreizehn Monate und mehr als vierzig Künstler haben an dem Projekt mitgearbeitet.

Wirst du weiter im Bereich Animation tätig sein oder siehst du dich selbst auch als Regisseur von Live-Action Filmen?
Ich fühle mich sicher in der Welt der Animation, aber ich kann mir auch vorstellen Live-Action
Filme zu drehen. Schließlich habe ich bei TEHERAN TABU auch intensiv mit Schauspielern
gearbeitet. Es kommt stark auf die Geschichte an. Wenn Live Action die Geschichte besser erzählt, würde ich keinen Animationsfilm erzwingen.
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Donnerstag 02.11.2017
SUBURBICON
Ab 09. November 2017 im Kino
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Willkommen im sonnigen Suburbicon, einer Vorstadtgemeinde mit immerwährend glücklichen Familien mitten im Herzen von Amerika. Mit seinen erschwinglichen Häusern und gepflegten Rasenflächen ist Suburbicon in den 1950er Jahren die idyllische Postkarten-Version des amerikanischen Traums.
Doch das ändert sich, als mit den Meyers die erste farbige Familie in die Nachbarschaft zieht und sich der Rassismus der Gemeinde Bahn bricht. Gleichzeitig wird das Leben der Familie Lodge auf den Kopf gestellt, nachdem ein Einbruch in ihrem Haus eskaliert und zum Tod der Mutter führt. Der Familienvater und die Zwillingsschwester der Toten geraten in einen Strudel ungewöhnlicher und verdächtiger Ereignisse, der sie immer tiefer in ein Netz von Verrat und Erpressung hineinzieht. Als der junge Sohn der Verstorbenen die seltsamen Machenschaften der Erwachsenen zu verstehen versucht, findet er sich auf Konfrontationskurs zu seinem Vater, der eine neue Familienordnung herstellen möchte. Während das Chaos, das im Zuhause der Lodges um sich greift, nach außen unbemerkt bleibt, eskalieren die Ausschreitungen um das Heim der Meyers.

Inszeniert wurde SUBURBICON von Oscar®-Gewinner George Clooney (GOOD NIGHT, AND GOOD LUCK) nach einem Drehbuch der Oscar®-Preisträger Joel & Ethan Coen (NO COUNTRY FOR OLD MEN), Clooney selbst und Oscar®-Gewinner Grant Heslov (ARGO).
Die Hauptrollen spielen die Oscar®-Preisträger Matt Damon (Good Will Hunting - Der gute Will Hunting) und Julianne Moore (STILL ALICE – MEIN LEBEN OHNE GESTERN), zusammen mit dem elfjährigen Noah Jupe („The Night Manager”, WUNDER). Ebenfalls zu den Mitwirkenden zählt Oscar Isaac (STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT).
Clooney und Grant Heslov produzierten SUBURBICON mit Ihrer Firma Smokehouse Pictures zusammen mit Teddy Schwarzman von Black Bear Pictures (THE IMITATION GAME – EIN STRENG GEHEIMES LEBEN). Joel Silver (SHERLOCK HOLMES) von Silver Pictures und Barbara A. Hall (Good Night, and Good Luck) fungierten als Ausführende Produzenten.
Clooney arbeitete hier erneut mit seinem bewährten Kreativteam zusammen, darunter dem Oscar®-preisgekrönten Kameramann Robert Elswit (THERE WILL BE BLOOD), Szenenbildner Jim Bissell (Good Night, and Good Luck), Kostümdesignerin Jenny Eagan (DIE WAHLKÄMPFERIN) und dem mit dem Oscar® ausgezeichneten Cutter Stephen Mirrione (TRAFFIC – DIE MACHT DES KARTELLS).

Der Film wurde komplett in Kalifornien gedreht, mit Außenaufnahmen im Los Angeles County und Orange County. SUBURBICON feierte Anfang September seine Weltpremiere im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Venedig und lief anschließend auch beim Toronto International Film Festival.


Regie: George Clooney

Mit Matt Damon, Julianne Moore, Noah Jupe, Glenn Fleshler, Alex Hassell, Gary Basaraba, Karimah Westbrook und Oscar Isaac


Die Schrecken des Zweiten Weltkriegs sind vorüber, die Bewohner Suburbicons genießen in ihrer Vorortsiedlung eine schöne neue Welt  – idyllisch und ökonomisch maßgeschneidert auf alle Bedürfnisse. Auch der eigene Kirchenchor darf nicht fehlen! Doch als das afroamerikanische Ehepaar Meyers (KARIMAH WESTBROOK und LEITH BURKE) mit seinem kleinen Sohn Andy (TONY ESPINOSA) in die lupenrein weiße Nachbarschaft zieht,  kommt der unverhohlene Rassismus der Gemeinde ans Licht: Erst wird eine empörte Petition aufgesetzt, dann versammeln sich einzelne Bewohner um das Anwesen der Meyers, um diese einzuschüchtern und zum Auszug zu bewegen.
Da ist es nur ein schwacher Trost, dass sich der fast gleichaltrige Nachbarsjunge Nicky Lodge (NOAH JUPE) mit Andy anfreundet. Und auch seine Zeit der Unschuld ist vorbei, als ihn sein Vater Gardner (MATT DAMON) eines Nachts weckt: Zwei Einbrecher, Ira (GLENN FLESHLER) und Louis (ALEX HASSELL), haben die Familie in ihre Gewalt gebracht. Während sie die nach einem Autounfall an den Rollstuhl gefesselte Mutter Rose und ihre Zwillingsschwester Margaret (JULIANNE MOORE in einer Doppelrolle) im Wohnzimmer festhalten, holt Gardner den Jungen aus seinem Kinderzimmer nach unten. Zuerst erniedrigen die Ganoven genüsslich das Familienoberhaupt, dann betäuben sie alle Beteiligten mit Chloroform, von dem sie Rose offenbar eine besonders hohe Dosierung verpassen. Als Nicky im Krankenhaus aufwacht, verstirbt seine Mutter an den Folgen der Überdosis.
Auf Rose‘ Beerdigung versucht Onkel Mitch (GARY BASARABA), der Bruder der beiden Zwillingsschwestern, mit Späßen die Lebensgeister des traumatisierten Jungen zu wecken. Gardner und Margaret hingegen möchten Nicky von allen abschirmen und schnellstmöglich zur Normalität zurückkehren. Tatsächlich verläuft das Leben der Familie Lodge kurz danach wieder in halbwegs geordneten Bahnen. Gardner kehrt zu seiner Arbeitsstelle als leitender Buchhalter der Werbeagentur Pappas & Swain zurück, während Margaret ins Haus der Familie zieht, um sich um den Haushalt und besser um Nicky kümmern zu können.
Polizeichef Hightower (JACK CONLEY), der das grausame Verbrechen untersucht, stößt schon bald auf zwei Verdächtige. Gardner und Margaret sollen sie bei einer Gegenüberstellung auf der örtlichen Polizeistation identifizieren. Nicky, der eigentlich draußen warten sollte, platzt in letzter Sekunde zur Tür herein und wird Zeuge einer unbegreiflichen Szene: Obwohl sich Ira und Louis unter den Verdächtigen befinden, werden sie weder von seinem Vater noch von seiner Tante erkannt. Auch zuhause beobachtet der verstörte Junge immer mehr verdächtige Vorkommnisse: Gardner und Margaret benehmen sich zunehmend wie ein Ehepaar, und seine einst so freundliche Tante wird ihm gegenüber seltsam gehässig. Schließlich will ihn sein Vater auch noch auf ein Militärinternat schicken.
Unterdessen eskaliert die Lage am Haus der Meyers: Immer mehr Anwohner Suburbicons belagern das Grundstück und terrorisieren die Familie zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Lärm und Beschimpfungen. Im örtlichen Supermarkt, in dem auch Margaret arbeitet, soll Mrs. Meyers auf einmal exorbitant hohe Preise bezahlen.
Inzwischen ist Polizist Hightower misstrauisch geworden und hegt Zweifel, ob es sich bei dem Tod von Rose wirklich um einen verunglückten Raubüberfall handelt: Ist Gardner etwa in irgendwelche kriminellen Machenschaften mit der Mafia verwickelt, die zu diesem Verbrechen geführt haben? Auf jeden Fall scheint er die beiden Einbrecher zu kennen, denn eines Tages tauchen Ira und Louis in Gardners Büro auf, um ihn zu bedrohen.
Schließlich erscheint auch noch der gerissene Versicherungsdetektiv Bud Cooper (OSCAR ISAAC) auf der Bildfläche, der hinter dem Mord an Rose einen Versicherungsbetrug wittert – immerhin war eine hohe Todesfall-Police auf sie abgeschlossen! Während es in der Nacht auf dem Anwesen der Meyers zu gewalttätigen Ausschreitungen durch den rassistischen Mob kommt, gerät die Lage im Haus der Lodges nebenan vollkommen außer Kontrolle…


PRODUKTIONSNOTIZEN

ÄRGER IM PARADIES

In der Dekade nach dem Zweiten Weltkrieg zog die neue amerikanische Mittelklasse in die Vororte mit idyllischen, finanzierbaren Häusern in Gemeinden, die auf dem Reißbrett geplant worden waren. Für viele wurde der amerikanische Traum eines Eigenheims zum ersten Mal Wirklichkeit.
„Die sogenannte ‚G.I. Bill’, ein Bundesgesetz für die Wiedereingliederung der Weltkriegsveteranen, half allen Kriegsrückkehrern, ein schönes Haus mit Garage und Vorgarten zu kaufen. Du konntest einen guten Job bekommen, in einer netten Nachbarschaft wohnen und eine Familie gründen, so lange du nur weiß warst“, so Clooney. „Unser Ziel war es nunmehr, die Fassade des perfekten Heims genüsslich abzutragen und nachzuschauen, wie hässlich es dahinter zuging.“
„George und ich arbeiteten an einem Drehbuch, das auf Ereignissen in der Siedlung Levittown in Pennsylvania basierte“, so Heslov. „Er war auf eine Dokumentation aus dem Jahr 1957 mit dem Titel ‚Crisis in Levittown’ gestoßen. Darin ging es um William und Daisy Meyers, die sich als erstes afroamerikanisches Paar in dem Vorort niederließen. „Am Tag des Einzugs hielt der Postbote Mrs. Meyers für das Hausmädchen und fragte sie, ob Mrs. Meyers da sei“, so Clooney. „Als sie ihm erklärte, dass sie die Herrin des Hauses sei, ging der Postbote, der sich nach dem legendären Nachrichtenkurier ‚der Paul Revere von Levittown’ nannte, von Haus zu Haus und fragte alle: ‚Habt ihr eure neuen Nachbarn schon getroffen?’ Am gleichen Abend versammelten sich rund 500 Leute auf dem Rasen der Meyers, riefen rassistische Schimpfwörter, hängten die Südstaaten-Flagge auf und verbrannten auf dem Rasen der Nachbarn ein Kreuz.”
Während sie an der Levittown-Idee arbeiteten, erinnerte sich Clooney an ein Skript mit dem Titel SUBURBICON, das ihm die Coen Brüder 1999 geschickt hatten. „Das war ein komödiantischer Thriller, der wie FARGO („Fargo“, 1996) und BURN AFTER READING – WER VERBRENNT SICH HIER DIE FINGER („Burn After Reading“, 2008) von tollpatschigen Unglücksraben handelte, die fatale Fehlentscheidungen trafen. Wir wollten daraus etwas weniger Komisches machen, das dafür viel wütender sein sollte. Mir schien die richtige Zeit für einen wütenden Film gekommen.” Heslov ergänzt: „George hatte zu dem Zeitpunkt die Idee, das SUBURBICON-Drehbuch in Levittown anzusiedeln, und zwar genau in der Woche, in der die Meyers einzogen.”
„Es gibt etwas in unserem nationalen Bewusstsein, das diese Ära durch eine rosa Brille sehen möchte“, so Matt Damon, der den problemgeplagten Familienvater Gardner Lodge spielt. „Wir würden gerne glauben, dass alle glücklicher waren. Aber Menschen sind nun mal Menschen, und so passierten damals eben auch ziemlich heftige Dinge.”
Von außen betrachtet ist Gardner Lodge ein vorbildlicher Ehemann und Vater, aber er ist völlig überfordert, als er mit den kriminellen Elementen Suburbicons aneinander gerät. „Am Anfang hat man von meiner Figur eine bestimmte Meinung“, so Damon. „Aber dieses Image löst sich zunehmend auf, je mehr wir sehen, wie er die Situation zu kontrollieren versucht und permanent scheitert.“
„Matt ist ein Profi in Reinkultur, der eine enorme schauspielerische Bandbreite besitzt“, lobt Clooney. „Aber er genießt es ganz besonders, den Hanswurst zu spielen.“
Damon studierte Fotos aus der Zeit, um die richtige Physis für diese Rolle zu finden. „Ich habe ein paar Kilos zugelegt“, gesteht Damon. „Die Männer damals trainierten nicht so wie wir heute. Sie waren entweder ziemlich dünn oder sehr bullig. Mein Großvater war letzteres, und ich wollte so aussehen wie er, deshalb musste ich meine Körperform verändern. Das ist nur ein Detail, aber so hatte ich das Gefühl, dass ich mehr in die Zeit passe.“
„Matt hatte gerade JASON BOURNE („Jason Bourne“, 2016) beendet, und ich befürchtete, er würde bei unserem Dreh noch wie ein Kämpfertyp aussehen, “ gibt Clooney zu. „Aber zum Glück hatte er auch gerade Alexander Paynes DOWNSIZING („Downsizing“, 2017) abgedreht, und zu meiner Erleichterung schaute er etwas fülliger aus, als er ans Set kam. Er wirkte mehr wie eine klassische Vaterfigur.“

Mit seiner Frau Rose (Julianne Moore) und seinem Sohn Nicky (Noah Jupe in seiner ersten großen Rolle) führt Gardner in Suburbicon ein scheinbar idyllisches Leben wie aus einem Norman Rockwell-Gemälde. „Rose ist nicht sonderlich glücklich – auch nicht in ihrer Ehe“, erklärt Moore. „Sie gibt ihrem Ehemann die Schuld an dem Autounfall, wegen dem sie im Rollstuhl sitzt.” Ihre Zwillingsschwester Margaret (ebenfalls gespielt von Julianne Moore) hilft im Haus mit und zieht dort letztlich auf Dauer ein. „Zu Beginn des Films ist Margaret die nettere, und einfacher gestrickte der beiden Schwestern“, so Moore. „Insgeheim beneidet sie ihre Schwester um ihr Leben, was für Spannungen sorgt und deshalb ihre Entscheidungen beeinflusst.” Moore ging an beide Figuren pragmatisch heran: „Du fragst dich, was diese Figur im Drehbuch so einzigartig macht. Was für ein Vokabular benutzt sie? Wie spricht sie? Natürlich schauen beide gleich aus, daher musste ich mein Erscheinungsbild und meinen Gesichtsausdruck ändern.“
Clooney genoss es, Moore in einer Doppelrolle zu besetzen: „Julianne kann sprichwörtlich alles darstellen. Sie hatte vor Jahren in einer Seifenoper Zwillinge gespielt und sie kam auf die großartige Idee, dass Margaret in einer Szene ihr Haar blond färbt, um wie ihre Schwester auszusehen. Das ist wirklich bezeichnend für sie.“
„Die ruhige Fassade der Lodge-Familie zerbricht, als die beiden Schlägertypen Ira und Louis, gespielt von Glenn Fleshler [„True Detective“ („True Detective“, 2014)] und Alex Hassell [UNTERWEGS NACH COLD MOUNTAIN („Cold Mountain“, 2003)], mitten in der Nacht in ihr Haus eindringen und alle als Geiseln nehmen. In einer tragischen Wendung betäuben die Täter die Familienmitglieder mit Chloroform und töten dabei Rose. Doch die Dinge eskalieren erst richtig, als Gardner einige tollpatschige Entscheidungen trifft und sich auf ein dummes Katz- und Maus-Spiel mit Ira und Louis einlässt. „Matt spielt oft intelligente, gebildete Charaktere“, so Hassell. „Es ist daher sehr interessant, wenn er mal vor Angst wie gelähmt ist und sich windet, um aus dieser Situation herauszukommen.“
Für Fleshler, einen erklärten Fan der Coen-Brüder, war es wie ein Ritterschlag, als er in die große Galerie ihrer Schurken-Duos von ARIZONA JUNIOR („Raising Arizona“, 1987) bis hin zu FARGO („Fargo“, 1996) aufgenommen wurde. „Ira und Louis sind ein relativ gefährliches, aber auch unfähiges Paar, wie du es häufig in den Filmen der Coen-Brüder siehst. Sie leben in den Randbezirken dieses Idylls und halten sich für zu Unrecht benachteiligt.”
„Die zwei sind großartig“, so Damon. „Sie sind ganz unterschiedlich. Jeder beherrscht eine ganze Palette von Tonalitäten, von bedrohlich bis albern, abhängig davon, was George mit einer Szene erreichen will.” Während Ira und Louis Gardner bei seiner Arbeit belästigen, muss sich Margaret mit Bud Cooper (Oscar Isaac), dem Schadensermittler der Versicherung, herumschlagen, der ihrer Version der tragischen Ereignisse misstraut. „Cooper begreift sehr schnell, dass Gardner und Margaret nicht die hellsten sind“, so Isaac. „Er nimmt an, dass hier irgendetwas suspekt ist, und das gibt ihm viel Freiraum, um mit den beiden zu spielen.”
„Oscar ist jemand, der mich in den letzten Jahren zutiefst beeindruckt hat. Er ist mehr als nur gut“, so Clooney. „Und ich bin auf ihn neidisch, den ursprünglich hatten die Coens mir diese Rolle angeboten. Seine Figur stößt eine ganze Reihe von ziemlich schrecklichen Verbrechen an. Letztlich stiehlt er den Film.“
Da sein Vater und seine Tante mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind, muss sich Nicky weitgehend allein mit seinem Trauma auseinandersetzen. Die Suche nach einem Nachwuchsdarsteller, der dieser emotional komplexen Rolle gewachsen war, war für Clooney und Heslov eine der größten Herausforderungen bei diesem Film. „Nick zu besetzen war das Schwierigste überhaupt“, erinnert sich Clooney. „Wenn du nicht mit diesem Kind mitfühlst, dann funktioniert der ganze Film nicht.“
Nachdem über hundert Kinderdarsteller für die Rolle vorgesprochen hatten, entdeckten Clooney und Heslov den elfjährigen Noah Jupe in England. „Ich habe noch nie so jemanden wie Noah erlebt“, erzählt Clooney begeistert. „Nicht nur dass er einen perfekten amerikanischen Akzent hinkriegte, er lieferte uns alles, was wir brauchten, in ein oder zwei Einstellungen. Bei ‘Emergency Room – Die Notaufnahme’ (‚E/R’), wo ich fünf Jahre lang einen Kinderarzt spielte, arbeitete ich jeden Tag mit zwei oder drei Kinderdarstellern, und da habe ich nie so jemand erlebt. Dieser Junge gehört unbedingt vor die Kamera.“

Noah Jupe erklärt die Beziehung zu seinem Filmvater wie folgt: „Ich glaube nicht, dass Gardner mit ihm viel kuschelt oder ihm Gutenachtgeschichten vorliest. Er ist nicht diese Art von Papa.” Damon fügt hinzu: „Zu der damaligen Zeit haben Eltern und Kinder nicht so offen miteinander kommuniziert. Im Leben dieses Jungen geschehen gewaltige Umbrüche, und er hat niemanden, mit denen er sie teilen kann.”
„Nicky beobachtet ständig die Welt und versucht damit alleine klar zu kommen“, so Noah weiter. „Denn er hat das Gefühl, dass er niemandem vertrauen kann.“ Als einziger Erwachsener bietet ihm Onkel Mitch (Gary Basaraba) nach dem Tod seiner Mutter Orientierungshilfe und eine gewisse Unbeschwertheit.
„Mitch ist der Bruder von Rose und Margaret, der sein Leben lang Junggeselle blieb“, so Basaraba. „Er hatte nie eigene Kinder, also überträgt er all seine väterlichen Instinkte auf seinen Neffen. Als guter Katholik ist er etwas aufgebracht, weil seine geliebte Schwester den Episkopalen Gardner heiratete, dessen Glaubensrichtung den Papst nicht anerkennt. Er denkt, dass Nicky in einer besseren Umgebung aufwachsen sollte.“
„Onkel Mitch ist sehr lustig, eine Art männlicher Teddybär“, erklärt Jupe. „Nicky verehrt ihn, weil er ein gutes Vorbild ist und weil er ihn zum Lachen bringt.“ Nicky freundet sich auch mit dem gleichaltrigen Andy Meyers (Tony Espinosa) an, dessen Familie gerade als erste Afroamerikaner in das rein weiße Suburbicon gezogen ist. Während sich Nicky über seinen neuen Spielkameraden freut, reagiert der Rest der Stadt indes ganz anders.
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Donnerstag 26.10.2017
GOOD TIME
Ab 02. November 2017 im Kino
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Bei einem missglückten Banküberfall wird Constantines jüngerer Bruder von der Polizei gefasst und ins Gefängnis gebracht. In einer Nacht voller Adrenalin beginnt für Constantine (Robert Pattinson) eine Odyssee durch New Yorks Unterwelt und ein spannungsgeladenes Spiel auf Zeit, bei dem Versuch, seinen Bruder gegen die Zahlung einer Kaution aus dem Gefängnis zu holen.


Ein Film von Joshua und Ben Safdie
mit Robert Pattinson, Jennifer Jason Leigh, Ben Safdie, Taliah Webster, Buddy Duress u.a.


PRESSESTIMMEN ZU „GOOD TIME”
“Robert Pattinson mit der bislang besten Performance seiner Karriere” - Variety
“Grandios!” - Der Spiegel
“Pures Kinovergnügen!” - The New York Times
“Elektrisierend … wie ein Feuerwerk!” - Telegraph
“Robert Pattinson rettet den Wettbewerb von Cannes!“ - moviepilot


BEN SAFDIE, JOSHUA SAFDIE- BUCH & REGIE
Der erste Film von Ben und Joshua Safdie The Pleasure of Being Robbed (2007) entstand aus einer Auftragsarbeit für eine Handtaschenwerbung für Partners & Spade. Die Safdie Brüder erweiterten stattdessen das Drehbuch für den Spot mit der Unterstützung von Andy Spade und der fertige Langspielfilm ermöglichte ihre erste Teilnahme am Cannes Film Festival in der Nebensektion Quinzaine des Réalisateurs im Jahr 2008. Ihren zweites komödiantisch inszeniertes Drama Daddy Longlegs (2009) reichten sie unter dem Titel Go Get Some Rosemary erneut in der Quinzaine des Réalisateurs im Jahr 2009 ein. Lenny Cooke (2013), ein Dokumentarfilm, erzählt das Schicksal des ehemaligen Basketballspieler Lenny Cooke und dessen tragischen frühen Abschied aus dem professionellen Sport auf Grund von Verletzungen. Heaven Knows What (2014) ist eine Literaturverfilmung von Mad Love In New York City der Hauptdarstellerin des Films Arielle Holmes. Die vibrierend inszenierte Liebesgeschichte zwischen Heroin-Junkies enthält erstmalig die Handschrift von Good Time und feierte seine Premiere bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig im Jahr 2014.

FILMOGRAPHIE
Regie
2017 Good Time
2013 Lenny Cooke
2007 The Pleasure of Being Robbed
2014 Heaven Knows What


GOOD TIME - AUSZEICHNUNGEN
International Cinephile Society Awards: Robert Pattinson (Bester Schauspieler)
International Cinephile Society Awards: Ben Safdie Joshua Safdi (Preis der Jury)
Cannes Film Festival 2017 Soundtrack Award: Daniel Lopatin (Bester Komponist)
Cannes Film Festival 2017: Goldene Palme (nominiert)
Locarno International Film Festival 2017: Variety Piazza Grande Award (nominiert)


ROBERT PATTINSON – Connie Nikas
Robert Douglas Thomas Pattinson wurde am 13.05.1986 in London geboren. Zwischen 2008
und 2012 spielte Pattinson in insgesamt fünf Filmen der Twilight-Saga mit, wodurch er zu
einem international gefeierten Superstar wurde.
Die Breitenwirkung durch die Twilight-Filme nutze Pattinson hingegen, um bei etablierten
Indie-Regisseuren die Kehrtwende vom Mainstream einzuleiten. Für David Cronenberg spielte
er gleich zweimal in Cosmopolis (2012) und Maps to the Stars (2014). Eindruck hinterließ
seine Darstellung in David Michôds Wettbewerbsbeitrag The Rover (2014).
In Antonin Corbijns Life (2015) spielt er den Life-Photographen Dennis Stock, der u.a. James
Dean portraitierte. Für Werner Herzog interpretierte er die klassische Rolle des T.E. Lawrence
in Königin der Wüste (2015).
Filmographie (Auswahl)
2017 Good Time
2016 The Lost City of Z
2015 Life
2014 The Rover
2014 Maps to the Stars
2012 Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht Teil 1 & Teil 2
2011 Wasser für die Elefanten
2010 Eclipse – Biss zum Abendrot
2009 New Moon – Biss zur Mittagsstunde
2008 Twilight
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Donnerstag 19.10.2017
DJANGO
Ab 26. Oktober 2017 im Kino
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Frankreich, 1943. Der begnadete Jazzgitarrist Django Reinhardt ist auf dem Gipfel seines Erfolges. Abend für Abend spielt er in ausverkauften Sälen und begeistert das Publikum mit seinem Gypsy-Swing, einer Musik voller Lebenslust und Witz, der sich auch die deutschen Besatzer nicht entziehen können. Während andere Sinti in ganz Europa verfolgt werden, kann sich Django aufgrund seiner Popularität in Sicherheit wiegen – bis ihn die Nationalsozialisten auf Tournee nach Deutschland schicken wollen. Django weigert sich. Seine Pariser Geliebte hilft ihm, mit seiner
schwangeren Frau und seiner Mutter an der Schweizer Grenze unterzutauchen. Hier trifft er auf Mitglieder seiner weitverzweigten Familie, die ebenfalls auf der Flucht sind. Über den Genfer See will er in die Schweiz gelangen, doch die Nazis sind ihm dicht auf den Fersen.
In seinem Regiedebüt porträtiert Étienne Comar einen unkonventionellen Künstler und Freigeist, dessen Leben so improvisiert war wie seine Musik. Vor die Frage gestellt, ob er seine Kunst politisch missbrauchen lässt, muss er eine existenzielle Entscheidung treffen. Reda Kateb brilliert in der Rolle des Ausnahme-Künstlers an der Seite von César-Gewinnerin Cécile de France.

Ein Film von Étienne Comar
Mit Reda Kateb (Django Reinhardt), Cécile de France (Louise), Beata Palya (Naguine), Bimbam Merstein (Negros), Gabriel Mirété (La Plume), Vincent Frade (Tam Tam), Johnny Montreuil (Joseph Reinhardt), Raphaël Dever (Vola), Patrick Mille (Charlie Delaunay), Alex Brendemühl (Hans Biber), Ulrich Brandhoff (Hammerstein)


INTERVIEW MIT REGISSEUR ÉTIENNE COMAR
Wie kamen Sie auf die Idee, einen Film über Django Reinhardt zu machen?
Ich wollte schon lange das Porträt eines Musikers machen, der sich mit den Härten des Lebens
auseinandersetzen muss. Als ich etwa 40 Jahre alt war, habe ich wieder angefangen, mit ein paar Freunden in einer Rockband zu spielen. Was für ein Erlebnis! Es war faszinierend. Ich hatte vergessen, wie leicht man sich selbst von der Außenwelt abnabeln kann, wenn man Musik spielt. Jeder von uns machte eine ziemlich komplizierte Zeit durch und das gemeinsame Musizieren wirkte sehr befreiend. Der musikalische Schaffensprozess ist eine Droge, die dich packt und nicht wieder loslässt. Dann fiel mir ein Gespräch ein, das ich als Teenager mit meinem Vater geführt habe. Er hat als junger Mann während des Krieges Djangos Musik gehört und so lange, wie die Schallplatte lief
oder der Tanz dauerte, vergaß er die deutsche Besatzung. Und dann war da noch mein Neffe, der
gerade begonnen hatte, Gitarre zu lernen und wie verrückt Stücke von Django zu spielen. Ich kam zu dem Schluss, dass generationsübergreifende Musik wie diese, mit ihrem Charme und der Fähigkeit, sofort Freude auszulösen, etwas Verzauberndes, Vitales und Heilsames innehat. Und all das hat dazu geführt, dass ich beschloss, filmisch in das Leben von Django Reinhardt einzutauchen.

Warum haben Sie sich auf die Jahre der Besatzung konzentriert?
Weil diese Periode seines Lebens ein gutes Beispiel dafür ist, wie Musik einen von der Welt abschirmen kann. Swing war offiziell verboten, Sinti und Roma wurden überall in Europa verfolgt, aber Django schien das gar nicht zu bemerken. Er war auf dem Gipfel seines Erfolges. Außerdem ist von diesem Lebensabschnitt nicht viel bekannt – wir wissen mehr über die Zeit danach, als er in die USA emigriert war. Oder über das Feuer in seinem Wohnwagen oder seine Zusammenarbeit mit Grappelli. Ich wollte kein Biopic über Django machen, das einen oberflächlichen Blick auf sein gesamtes Leben wirft. Mir lag mehr daran, den richtigen Zugang zu finden. Dieser Zeitabschnitt vom Sommer 1943 bis zur Befreiung hat es mir erlaubt, Themen anzuschneiden, die mir wichtig sind und mich bewegt haben – vor allem seine Blindheit als Künstler für das, was zu der Zeit vor sich ging, und seine spätere Erkenntnis darüber.

Wie haben Sie sich diese Zeit, in welcher der Film spielt, vorgestellt?
Antoine Caro, ein befreundeter Verleger, hatte gerade Folles de Django, eine fiktionale Biographie von Alexis Salatko, veröffentlicht. Ich habe mich dann mit Alex, der ziemlich viele Recherchen zu Django betrieben hatte, getroffen und schlug ihm eine Zusammenarbeit vor. Er hatte noch nie zuvor ein Drehbuch geschrieben, also haben wir unser Wissen und unsere Fähigkeiten vereint und ein Drehbuch verfasst, das sich sehr von seinem Buch unterschied. Und dann hatte ich meine entscheidende Begegnung mit David Reinhardt, einem von Djangos Enkeln, der mir viel Vertrauen schenkte und mir viel von seinen Vorfahren erzählte. Mein Film basiert auf wahren Tatsachen – Django in Paris, sein Aufenthalt in Thonon-les-Bains, der Abend in der Villa Amphion, seine Flucht in die Schweiz, die Komposition seines Requiems – aber die Art, in der ich diese verschiedenen Elemente zu einem Ganzen zusammengewoben habe, ist fiktiv – das gebe ich offen zu.

Der Prolog von Django ist symbolisch für Ihre Idee von der Musik als Blase, die einen blind dafür machen kann, was um einen herum vorgeht.
Musikalisch betrachtet habe ich die erste Sequenz des Films tatsächlich als eine Art Ouvertüre angelegt. Sie lässt erahnen, worum es in dem Film geht: Ein „blinder“ Musiker, der sich weigert, die drohende Gefahr zu erkennen – bis sie ihn das Leben kostet. Zwar ist das Django so nicht passiert, aber es fasst alles metaphorisch zusammen. Djangos kultureller Hintergrund erklärt auch sein fehlendes Bewusstsein. In Sinti- Gemeinschaften ist Krieg kein Thema. So etwas betrifft nur die „Gadjé“, die Nicht-Sinti. Sinti sind keinem Land verbunden, Besitz bedeutet ihnen wenig. Jeder Streit, der aufkommt, wird innerhalb der Gemeinschaft geregelt. Das erklärt teilweise ihre Außenseiterrolle im Zweiten Weltkrieg. Sogar heute ist es schwer für sie – im Gegensatz zu jüdischen Gemeinschaften – über die Katastrophe zu sprechen, die sie überlebt haben. Sie leben vor allem in der Gegenwart, sie schauen kaum zurück. Für die Sinti gibt es keine Geschichte in unserem
historiografischen Sinne.

Zum ersten Mal sehen wir Django auf der Bühne, während einer langen musikalischen Sequenz mit
seiner Band.

Richtig, denn Django ist vor allem eins: Musiker. Wir wollten ihn auf einfache Weise einführen, indem wir zeigen, was er am besten kann. Und wie er es macht: voller Talent, aber auch Verachtung, Grobheit, Leidenschaft, Distanziertheit, Genie – denn er war all das. Wird das in einer Szene von nur sieben Minuten, in der er Musik spielt, deutlich? Ich hoffe es doch. Wie viele andere Künstler war auch Django voller Widersprüche. Mir gefällt die Idee, dass der Zuschauer ihn im ersten Teil des Films nie ganz versteht, dass es nichts offenkundig Psychologisches gibt, dass jede Szene der vorhergehenden widerspricht. Manchmal ist er witzig, manchmal widerlich, charmant, wütend oder feige. Aber seine Musik hält all das zusammen. Während der Film voranschreitet, beginnen wir langsam, Sympathien für ihn zu entwickeln. Die Herausforderung war es, die Musik im Laufe der Geschichte nicht nur als schmückendes Beiwerk zu nutzen, sondern sie als Träger der Handlungen und Emotionen des Protagonisten zu etablieren.

Warum haben Sie Reda Kateb für die Rolle von Django ausgewählt?
Es gab andere mögliche Schauspieler für die Rolle, aber Reda ist wahrscheinlich einer der talentiertesten Darsteller seiner Generation. Er vereint unbekümmerten Charme mit überzeugender Seriosität – also genau das, was die Rolle erforderte. Außerdem fand ich, dass es Zeit wurde für „diese eine große Rolle“ in seiner Karriere. Der Film war also für ihn eine ähnlich große Herausforderung wie für mich, da ich zum ersten Mal bei einem Film Regie führte. Das hat unser gemeinsames Abenteuer noch aufregender gemacht. Ich wies ihn an, den Charakter vor allem in der Art und Weise, wie er Gitarre spielte, zu begreifen. Alles sollte sich einfach aus seinem Umgang mit der Musik entwickeln, seine Unverfrorenheit, die Lebhaftigkeit … Und so verbrachte er ein Jahr damit, Gitarre spielen zu lernen und tauchte dadurch in Djangos Universum ein. Sein Charakter, seine Sprache, sein Faible für Mode, sein Handicap, die Manouche-Community – all das entwickelte sich daraus. Reda ist ein echter Profi, der hohe Ansprüche an sich selbst stellt. Er hat die Rolle auf den Punkt gebracht. Es war eine große Freude, mit ihm zu arbeiten.

Spielt er die Stücke tatsächlich selbst?
Reda hat ein ganzes Jahr gearbeitet, um in der Lage zu sein, die Stücke zu spielen, aber natürlich nicht mit Djangos Fingerfertigkeit und Klangfarbe. Also habe ich den brillanten Jazz-Künstler Stochelo Rosenberg, der im Trio gemeinsam mit seinen Brüdern spielt, gebeten, alle Stücke aufzunehmen und Reda zu unterstützen. Ich habe den beiden zeitgenössische Aufnahmen von Django gegeben, auf die ich mich beziehen wollte. Ich denke, dass diese neuen Aufnahmen, die speziell für den Film gemacht wurden, beweisen, dass Djangos Musik kein bisschen gealtert ist.

Bis zu welchem Punkt sollte Django imitiert werden?
Abgesehen von seiner Musik gibt es nur wenige Zeitdokumente von Django Reinhardt: etwa 300 Fotos und zwei Minuten Film. Die Öffentlichkeit hat keine große Vorstellung davon, wie er ausgesehen hat, im Gegensatz zum deutlich populäreren Ray Charles oder Serge Gainsbourg. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Wenn es um die Persönlichkeit geht, ist Reda so ziemlich sein eigener Django. Ich habe Dinge, die ich an ihm mag, auf meine eigene Art in den Film eingeflochten.

Django ist umgeben von starken Frauen – seiner Mutter, seiner Frau, seiner Geliebten …
Das ist das, was mich an vielen großen, männlichen Künstlern so fasziniert: Sie sind umgeben von Frauen und jede einzelne von ihnen hat eine fundamentale Bedeutung. Im Film ist Django ein ziemlicher Macho, aber sein Leben wird von Frauen bestimmt. Seine Mutter verhandelt seine Verträge, seine Frau bestimmt, wann sie das Land verlassen, motiviert von seiner Geliebten. Die
Sinti-Gemeinschaft hat einige sehr männlich geprägte Werte, aber gleichzeitig ist sie ein Matriarchat.

Der Charakter der Mutter ist sehr schillernd …
Djangos Mutter, Negros, war eine unglaublich kleine Frau. Ihr Mann war fort und es war hart für sie, als Musikerin und Tänzerin die Kinder allein großzuziehen. Sie war die erste, die von Djangos Genie überzeugt war. Das zahlte sich aus, denn bereits als Teenager konnte Django durch sein Talent die Familie finanziell unterstützen. Djangos Mutter wird von Bimbam Merstein gespielt, eine Sinti, die zwar eine kleine Rolle in Tony Gatlifs SWING gespielt hat, aber eigentlich keine Schauspielerin ist. Bimbam ist auch Musikerin und Tänzerin, sie hat also genau das gleiche Profil wie Djangos Mutter. Wir hatten wirklich Glück mit ihr. Es war eine große Freude, solch ein außergewöhnliches Temperament, solch eine Persönlichkeit zu filmen. Denn auch sie hat sehr viel durchgemacht in ihrem Leben.

Wie haben Sie sie und die anderen Darsteller der Sinti-Gemeinschaft gefunden?
Es war mir wichtig, die Sinti im Film mit Darstellern zu besetzen, die tatsächlich aus dieser Gemeinschaft kommen. Gemeinsam mit unserem Casting Director Stéphane Batut haben wir unter sesshaften Manouches in der Gegend von Forbach gesucht. Das sind fast alles Musiker. Sie gehören zu den letzten, die Manouche sprechen, einen Mix aus Romani und Deutsch. Auch Reda hat ihn gelernt. Als wir gefilmt haben, war es mir wichtig, die Folklore, die Sinti in Filmen verfolgt, weitestgehend zu vermeiden. Ich wollte sie anders zeigen – würdevoll, elegant, einfach wie sie sind.

Und Bea Paly, die Djangos Frau spielt?
Bea Palya ist eine Sängerin ungarischer Abstammung. Sie ist auch keine Schauspielerin. In ihrer Statur erinnerte sie mich sehr an Djangos Frau, Naguine. Für die Musiker von Djangos Band, dem Hot Club de France, habe ich mich ebenfalls für echte Musiker anstelle von Schauspielern entschieden. Um ihn noch mehr zu motivieren, sollte Reda von Profis umringt sein, die nicht
nur vorgeben zu spielen. Es macht alles wahrhaftiger.

Und die Entscheidung für Cécile de France, die Djangos Geliebte Louise spielt?
Ich hatte diverse Schauspielerinnen im Kopf, aber dann organisierte ich ein Treffen zwischen Cécile und Reda. Ich wollte sehen, ob sie als Paar funktionieren. Als ich sie zusammen sah, war die Sache klar. Sie waren einfach perfekt. Ich wollte ein richtiges Filmpaar haben. Django ist gern ins Kino gegangen, in die großen Lichtspielpaläste um Pigalle herum. Er war ein Fan von Errol Flynn, Edward G. Robinson und Clark Gable. Seine Leidenschaft für schicke Klamotten, edle Anzüge usw.
rührt aus seiner Faszination für das Kino der 1930er. Ich habe mir gedacht, dass es Spaß machen würde, ein klassisches, glamouröses Hollywood-Paar auferstehen zu lassen. Cécile hat mich mit ihrem präzisen Spiel einfach umgehauen, mit der Frische, die sie Worten verlieh, die auf dem Papier steif gewirkt hatten. Bei ihr bestand unsere Arbeit vor allem darin, ihre natürliche Unbekümmertheit einzuschränken und die etwas düsteren Facetten ihrer Persönlichkeit herauszuarbeiten. Wir wollten eine mystische Atmosphäre erschaffen, so wie bei den tragischen Liebenden im Film Noir.

Louise ist auch eine sehr emanzipierte Frau …
Ich liebe freie Frauen, die man nie an sich binden kann. Django hatte viele Bewunderinnen und Affären. Er war ein Frauenheld. Es gab einige Leute, die ihm geholfen haben, in die Schweiz zu fliehen, aber wir konnten keine Hinweise auf eine Person wie Louise in Djangos Leben finden. Sie ist eine fiktionale Figur und eine der wenigen Dinge, die aus Alexis Salatkos Buch geblieben sind. Als wir das Drehbuch geschrieben und ihren Charakter ausformuliert haben, habe ich viel an Lee Miller gedacht. Sie war Man Rays Muse, ein It-Girl im Paris der 1930er, unabhängig, eine Vorkämpferin des Feminismus und nie da zu finden, wo man sie erwartet hätte.

Welchen Look haben Sie sich für den Film gewünscht?
Ich wollte einen Look, der ein hohes Level an dokumentarischer Realität mit einer bestimmten Art der Stilisierung kombiniert. Ich habe Christophe Beaucarne, dem Kameramann, einen Stapel Fotos aus der Zeit gegeben. Fotos von Konzerten, Sinti-Camps, Gesichtern und so weiter. Wir haben viel Zeit damit verbracht, jede einzelne musikalische Szene so zu gestalten, dass sie voller Gefühl war, aber immer der Aussage verpflichtet blieb. Es gibt viel Bewegung während des ersten Konzerts, sodass man sich auf der Bühne ständig von Musikern umringt fühlt. Andere Momente wiederum sind statisch und nüchtern, wie die in der Villa Amphion. Eins unserer Prinzipien was Licht und Farbe betraf war den Kontrast der Naturelemente zu betonen, die in Sinti-Gemeinschaften und in Djangos Leben sehr präsent sind. Das ist zum ersten natürlich das Feuer, daher überwiegen in den Pariser Einstellungen die Farben Rot, Ocker, Schwarz und Gelb. Im Gegensatz dazu dominiert in Thonon-les-Bains Wasser als Element des Lebens. Django liebte es, fischen zu gehen, wenn er mit
den Nerven am Ende war und sich beruhigen wollte. Im zweiten Teil des Films kehrt er zum Ursprung zurück, der Raum öffnet sich, es dominieren blau, grün, grau und weiß. Das war natürlich kein in Stein gemeißeltes Prinzip, aber wir haben versucht, uns an solchen Kontrasten zu orientieren.

Wie sind Sie die historischen Szenen angegangen?
Die Zeit von 1939 bis 1945 ist schon oft dargestellt worden – sowohl in großen Meisterwerken als auch in sehr schlechten Filmen. Die Leute haben eine Menge vorgefertigter Erwartungen und all diese Bilder sind schon abgenutzt. Ich wollte, dass die Zuschauer die Zeit als selbstverständlich hinnehmen und sie schnell vergessen, um sich stattdessen auf die Figuren und ihre Gefühle zu konzentrieren. Dafür war es erforderlich, dass wir mit Set Designer Olivier Radot und Kostümdesignerin Pascaline Chavanne für jeden einzelnen Drehtag genau die künstlerische Umsetzung durchsprachen. Was betonen wir im Bild, bei den Kostümen, am Set? Und noch wichtiger: Was lassen wir raus, damit es so zeitlos wie möglich erscheint? Die gleichen Fragen tauchten dann während des Schnitts mit Monica Colemann auf. Es gibt zum Beispiel nur zwei
Hakenkreuze im Film, ein großes auf einer Fahne und noch eins auf der Medaille eines Nazi-Offiziers.

Die Ähnlichkeiten zur politischen Situation heute sind zahlreich …
Das war nicht der Grund, weshalb ich diese besondere Zeitspanne gewählt habe. Aber es stimmt. Beim Schreiben und der Vorbereitung fiel mir auf, wie viel von der heutigen Zeit darin mitschwingt: politische Statements von Künstlern; das gefährliche Thema nationaler Identität; heimatlose Flüchtlinge, die nirgends hinkönnen; illegale Migranten, die festgenommen werden – man könnte DJANGO – EIN LEBEN FÜR DIE MUSIK fast als einen aktuellen Film begreifen. In dem erst kürzlich abgerissenen „Dschungel von Calais“ haben Musiker ein Album mit Flüchtlingen
aufgenommen, damit sich diese über Musik ausdrücken konnten. Musik hatte schon immer eine wichtige Funktion für Sinti und Roma, viele von ihnen sind geborene Künstler. Und selbst wenn sie verfolgt wurden oder schwierige Zeiten durchmachten: Musik hat ihnen immer ein Gefühl von Freiheit gegeben.
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Donnerstag 12.10.2017
THE SQUARE
Ab 19. Oktober 2017 im Kino
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Christian (Claes Bang) ist der smarte Kurator eines der größten Museen in Stockholm. Die nächste spektakuläre Ausstellung, die er vorbereitet, ist „The Square“. Es handelt sich um einen Platz, der als moralische Schutzzone fungieren und das schwindende Vertrauen in die Gemeinschaft hinterfragen soll. Doch wie bei den meisten modernen Menschen reicht auch bei Christian das Vertrauen nicht weit – er wohnt abgeschottet in einem stylischen Apartment und würde seinen Tesla nicht unbeaufsichtigt in einer zwielichtigen Gegend parken. Als Christian ausgeraubt wird und ihm kurz darauf die provokante Mediakampagne zu „The Square“ um die Ohren fliegt, geraten sein Selbstverständnis wie auch sein Gesellschaftsbild schwer ins Wanken.

Ein Film von Ruben Östlund
Mit Claes Bang, Elisabeth Moss, Dominic West u.a.


Nach HÖHERE GEWALT, der in Cannes mit dem Jurypreis in der Reihe Un Certain Regard ausgezeichnet wurde, begibt sich Regisseur Ruben Östlund vom zerbrechlichen Familienidyll mit THE SQUARE in die schillernde Welt der Kunstszene und öffnet ihre moralischen Falltüren.
In seiner klug inszenierten und äußerst unterhaltsamen Satire auf den modernen Menschen vermisst Östlund in gewohnt exakten Beobachtungen die Widersprüche zwischen eigenem Selbst- und Gesellschaftsbild und realen Verhältnissen. Mit feinem, ironisch-entlarvendem Humor, verstärkt durch eine subtile Bildsprache wirft er damit brisante Fragen zum Zustand der heutigen Gesellschaft auf. „The Square“ dient dabei als Mikromodell einer idealen Gesellschaft.
Prämiert mit der Goldenen Palme der Filmfestspiele von Cannes vereint Östlund neben Hauptdarsteller Claes Bang (Die Brücke) die Schauspiel-Stars Elisabeth Moss (Mad Men) und Dominic West (The Wire) in seinem Ensemble.


INHALT
In dem renommierten X-Royal Museum in Stockholm wird eine neue Ausstellung mit dem Titel „The Square“ vorbereitet, die den moralischen Zustand der Gesellschaft thematisieren soll. Während Christian, der charismatische und modisch-gestylte Chefkurator des Museums, der Journalistin Anne ein Interview gibt, wird die titelgebende quadratische Installation in das Kopfsteinpflaster im Museumshof eingelassen. Eine Plakette liefert dazu die Erklärung: „Das Quadrat ist ein Zufluchtsort, an dem Vertrauen und Fürsorge herrschen. Hier haben alle die gleichen Rechte und Pflichten.“ Wie weit diese künstlerisch formulierte Utopie und die Lebensrealität auseinanderklaffen, zeigt sich jedoch bereits tags drauf bei Christians Weg zur Arbeit. Passanten strömen achtlos an einem Obdachlosen vorbei. Auch Christian wendet den Blick nicht von seinem Smartphone ab, bis er plötzlich durchdringende Hilfeschreie einer Frau hört, die verfolgt wird und auf ihn zu rennt. Christian stellt sich dem Verfolger in den Weg, sodass dieser sich zurückzieht. Doch wenig später stellt er fest, dass er beklaut wurde. Sein Geldbeutel und sein Telefon fehlen.
Nach einem Kreativmeeting mit zwei Social-Media-Hipstern, die eine besonders originelle Kampagne mit viralem Potential für die Ausstellung kreieren wollen, berichtet Christian seinen Kollegen von dem Raub. Gemeinsam mit seinem engsten Mitarbeiter Michael ortet er das Handy per Computer und lokalisiert es in einem Wohnkomplex. Michael schlägt vor, einen Drohbrief zu verfassen, den sie einfach in alle Briefkästen des Hauses einwerfen könnten. Etwas übermütig lässt sich Christian dazu anstiften. In ihrer Nachricht fordern die beiden den Dieb auf, die gestohlenen Gegenstände in einem 7-Eleven-Markt am Hauptbahnhof zu hinterlegen. Als sie in Christians schickem Tesla vor dem großen Mietshaus in einer zwielichtigen Gegend stehen, ist es jedoch nicht mehr weit her mit ihrer Courage. Christian will seinen Assistenten vorschicken, der es aber vorzieht das Auto zu bewachen. Ängstlich einen Bewohner anzutreffen und erkannt zu werden, stopft Christian also hektisch selbst die Nachricht in die zahlreichen Briefkästen.
Am nächsten Tag erhält er einen Anruf von 7-Eleven: Es wurde ein Umschlag für ihn abgegeben. Als Christian diesen abholt, finden sich darin tatsächlich sein Geldbeutel und sein Handy. Er kann kaum fassen, dass der Plan aufgegangen ist und feiert den unverhofften Erfolg ausgelassen bei einer Party im Museum. Zu später Stunde trifft er angetrunken auf Anne, die Journalistin, die ihn interviewt hat. Obwohl eigentlich keine rechte Spannung zwischen den beiden aufkommt, geht er doch mit ihr nach Hause. Die Nacht verläuft eher mechanisch als leidenschaftlich in Anwesenheit eines Affen. Der folgende Morgen beginnt mit einem erneuten Anruf aus der 7-Eleven-Filiale: Es wurde ein zweiter Umschlag für Christian abgegeben. In der enthaltenen Nachricht meldet sich ein Bewohner aus dem Mietshaus, den Christian mit seinem Drohbrief zu Unrecht als Dieb beschuldigt hat. Der anonyme Verfasser verlangt eine Entschuldigung. Andernfalls würde er „mit ihm Chaos anrichten“.
Im Museum stellen die beiden PR-Berater derweil mit großer Ernsthaftigkeit ihre innovative Werbestrategie vor. Um eine möglichst starke emotionale Reaktion zu provozieren, planen sie einen YouTube-Clip, in dem ein blondes, schwedisches, obdachloses Mädchen bettelnd gezeigt werden soll, dem etwas zustößt. Die Museumsmitarbeiter reagieren irritiert auf den zynischen Pitch. Während manche interessiert erscheinen, müssen sich andere das Lachen verkneifen. Als ihr Chef Christian vorbeikommt, bitten sie ihn unsicher, sich den Vorschlag anzuschauen und darüber zu entscheiden. Christian wirft jedoch nur einen sehr flüchtigen Blick auf die Unterlagen, bevor er zustimmt. Denn eigentlich ist er mit der anonymen Nachricht beschäftigt und schickt daher Michael zu der 7-Eleven-Filiale, um die Angelegenheit zu klären. Dort wartet ziemlich aufgebracht ein etwa 10-jähriger Junge, der unbedingt mit Christian persönlich sprechen und sich nicht von dessen Assistenten abwimmeln lassen will.
Christian hat unterdessen mit weiteren Problemen zu kämpfen. Sein One-Night-Stand Anne möchte über die Beziehung sprechen und eine Reinigungskraft hat nicht nur den Boden gewischt, sondern auch Teile eines Kunstwerks weggeputzt. Als er am Abend zu Hause über den Geschehnissen grübelt, tauchen auch noch seine beiden Töchter auf, die eigentlich bei seiner Ex-Frau sein sollten. Christian versucht die streitenden Mädchen zu beruhigen, fängt jedoch angespannt selbst an sie anzuschreien.
Den nächsten Tag verbringt Christian mit seinen Töchtern. Er führt sie durch die Ausstellung und geht mit ihnen shoppen. Dabei erreicht ihn ein Anruf von YouTube. Ihm wird mitgeteilt, dass der Clip des Museums „Blonde Kinderbettlerin wird in die Luft gesprengt“ in nur wenigen Stunden bereits 300.000 Views hat. Christian ist überfordert, da er überhaupt nicht weiß, wovon die Rede ist. Er eilt zurück ins Museum, wo er mit dem Sturm der Entrüstung konfrontiert wird, den der Spot bereits ausgelöst hat. Und es wartet schon der nächste Skandal. Ein Festbankett für die Förderer des Museums wird mit einer Gorilla-Performance des Künstlers Oleg Rogozijn eröffnet. Zunächst wird diese mit amüsiertem Gelächter bedacht – bis sie außer Kontrolle gerät: Rogozijn wird immer aggressiver und lässt sich nicht mehr stoppen. Er bedrängt eine junge Frau, wirft sie zu Boden und stürzt sich dann auf sie. Trotz ihrer Hilferufe dauert es, bis endlich einer der angestrengt auf den Boden starrenden Gäste einschreitet. Dann jedoch brechen die Dämme und ein ganzer Mob prügelt auf den am Boden liegenden Gorilla-Performer ein.
Erschöpft fährt Christian am späten Abend nach Hause. Im Treppenhaus wartet der Junge aus dem 7-Eleven-Geschäft und fordert seine Entschuldigung ein. Christian versucht ihn mit beschwichtigenden Erklärungen loszuwerden, doch der Junge lässt sich nicht abschütteln, folgt ihm die Treppe hinauf und beginnt Radau zu machen. Als der Junge an die Wohnungstüre der Nachbarn hämmert, will Christian ihn davon abhalten und stößt ihn dabei die Treppe hinunter. In seiner Wohnung angekommen überfällt Christian das schlechte Gewissen. Er sucht nach der Nachricht des Jungen, um ihn anzurufen. Als er sie schließlich im Müll wiederfindet, erreicht er ihn nicht. Daraufhin nimmt Christian ein Video auf, in dem er sich zunächst entschuldigt, sich dann jedoch in allgemeine Überlegungen über strukturelle gesellschaftliche Probleme flüchtet.
Der PR-Gau um den You-Tube-Clip hat sich weiter zugespitzt und erfordert eine Pressekonferenz, in der sich Christian entschuldigt und seinen Rücktritt bekannt gibt. Das Museum distanziere sich von den gezeigten Inhalten, sie seien fälschlicherweise veröffentlicht worden. Daraufhin wird Christian von Journalisten mit Fragen zu seiner sozialen Einstellung in die Enge getrieben und der Selbstzensur beschuldigt. Und plötzlich bricht in der Pressekonferenz eine Diskussion über Moral, Anstand und Werte los, die „The Square“ tatsächlich würdig zu sein scheint.



KOMMENTAR DES REGISSEURS


Der Film und seine Ursprünge
2008 wurde in Schweden die erste geschlossene Wohnanlage eröffnet, also eine Siedlung, zu der nur ihre Bewohner Zugang haben. Es gibt kaum ein extremeres Beispiel dafür, wie sich privilegierte gesellschaftliche Gruppen von ihrer Umgebung abschotten. Darüber hinaus ist diese Wohnform eines von vielen Zeichen dafür, dass europäische Gesellschaften individualistischer werden, je weiter sich seit 30 Jahren die Regierungen verschulden, die Sozialleistungen schrumpfen und die Schere zwischen Arm und Reich wächst. Sogar in Schweden, einer der egalitärsten Gesellschaften der Welt, haben wachsende Arbeitslosigkeit und die Angst vor Statusverlust dazu geführt, dass sich immer mehr Individuen gegenseitig sowie der Gesellschaft als solcher misstrauen. Ein vorherrschendes Gefühl von Machtlosigkeit hat unser Vertrauen in den Staat unterminiert und dazu geführt, dass wir uns immer weiter in uns selbst zurückziehen. Doch wollen wir wirklich, dass sich unsere Gesellschaft in diese Richtung entwickelt?
Während der Recherche zu meinem Spielfilm PLAY – NUR EIN SPIEL?, in dem es um Kinder geht, die andere Kinder überfallen und ausrauben, stieß ich immer wieder darauf, wie schwer es uns offensichtlich fällt, im öffentlichen Raum anderen Hilfe anzubieten. Die realen Überfälle, auf denen die Geschichte von PLAY basiert, fanden am helllichten Tag in der friedlichen Stadt Göteborg statt, in Einkaufszentren, Straßenbahnen und auf öffentlichen Plätzen. Keiner der Erwachsenen, die sich in unmittelbarer Nähe befanden, hat auf die Vorfälle reagiert.
Diese mangelnde Hilfsbereitschaft in Gegenwart anderer Menschen ist bei Psychologen bekannt als „Bystander-Effekt“ oder „Beobachter-Apathie“. Experimente zeigen, dass sich die Hilfsbereitschaft umgekehrt proportional verhält zur Anzahl der Umstehenden. Also je mehr Menschen die Situation beobachten, desto weniger hilfsbereit sind wir. Schuld daran ist die in größeren Gruppen häufig auftretende sogenannte „Verantwortungsdiffusion“. Auch wenn es Anzeichen dafür gibt, dass ein Gruppenzusammenhalt die kollektive Gleichgültigkeit ausgleichen kann.
Als mein Vater jung war, in den 1950er Jahren, muss die westliche Gesellschaft dagegen noch ein Gefühl von geteilter Verantwortung gehabt haben. So erzählte er mir zum Beispiel, dass seine Eltern ihn im Alter von sechs Jahren unbeaufsichtigt durch die Innenstadt von Stockholm laufen und dort spielen ließen. Sie hängten ihm einfach ein Schild mit ihrer Adresse um den Hals, falls er sich verlaufen sollte. Das erinnert uns daran, dass es eine Zeit gab, als wir andere Erwachsene als vertrauensvolle Mitglieder einer Gemeinschaft erachteten, die einem Kind in Schwierigkeiten umgehend helfen würden. Das soziale Klima heute scheint dagegen weder Gruppenzugehörigkeit noch das Vertrauen in unsere Gesellschaft zu fördern. Heutzutage sehen wir vielmehr andere Erwachsene als Bedrohung für unsere Kinder an. Mit diesen Gedanken im Kopf entwickelten Kalle Boman1 und ich die Idee zu THE SQUARE, einem Kunstprojekt, das das Thema Vertrauen in unserer Gesellschaft ansprechen und die Notwendigkeit, unsere sozialen Werte zu überprüfen, ausloten sollte.

Ideale und Realität
Der Titel des Films THE SQUARE stammt von unserem Kunstprojekt, das wir erstmals im Herbst 2014 im Vandalorum Musuem in Südschweden zeigten. Das Kunstwerk veranschaulicht das Ideal der Einigkeit, die unsere Gesellschaft für das übergeordnete Wohl lenken sollte. Es wurde schließlich zu einer permanenten Installation auf dem zentralen Platz der Stadt Värnamo. Wenn jemand in Värnamo in der aus rotem Licht bestehenden Version von „The Square“ steht, ist das für die anderen eine Verpflichtung, zu handeln und zu reagieren, wenn Hilfe gebraucht wird.
Neu ist daran die Art und Weise, mit der wir die Werte heraufbeschwören. „The Square“ ist ein Ort der humanitären Werte, zurückgreifend auf die Moral der Wechselseitigkeit, die in beinahe jeder Religion zutage tritt („Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst“). Genauso in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte („Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen“). Und dennoch: Wenn ich mein Fahrrad irgendwo unangeschlossen stehen lasse und es wird gestohlen, würden die meisten Menschen denken, dass ich alleine Schuld daran habe.
Die Ausstellung in Varnämo experimentierte mit der Idee, dass die gesellschaftliche Harmonie von einer einfachen Entscheidung abhängt, die jeder einzelne von uns täglich zu treffen hat: „Ich vertraue den Menschen“ oder „Ich misstraue den Menschen“. Die Museumsbesucher mussten sich zwischen zwei Türen entscheiden: links, wenn man seinen Mitmenschen vertraut; rechts, wenn das nicht der Fall ist. Die meisten entschieden sich zunächst für ersteres, bekamen dann aber kalte Füße, als sie gebeten wurden, ihre Telefone und Brieftaschen auf dem Fußboden der Ausstellung abzulegen... Dieser Widerspruch zeigt, wie schwierig es ist, nach den eigenen Prinzipien zu handeln.

In Einklang mit unseren Werten
Der Film THE SQUARE konfrontiert uns mit einer Schwäche der menschlichen Natur: Wenn man versucht, das Richtige zu tun, ist das Schwierige nicht, den gebräuchlichen Werten zuzustimmen, sondern tatsächlich nach ihnen zu handeln. Wie behandle ich beispielsweise Bettler, wenn ich mich für eine faire und gleichberechtigte Gesellschaft einsetzen will, in der die Kluft zwischen Reich und Arm verschwindet? Soll ich meinen privilegierten Lebensstil aufrechterhalten, der es mir ermöglicht, ihnen jeden Tag etwas zu geben und damit ihre Situation nur ein klein wenig verbessert? Oder sollte ich meinen eigenen Lebensstil radikal verändern, um die Balance zwischen uns wiederherzustellen? Die ständig wachsende, extreme Armut und das Ansteigen der Obdachlosigkeit in den Städten der reichen Industrienationen stellen uns mittlerweile jeden Tag vor ein solches Dilemma.
In meinem ersten Spielfilm INVOLUNTARY hatte ich mich – bezugnehmend auf das Experiment von Stanley Milgram – damit auseinandergesetzt, wie uns Gruppenverhalten dazu bringen kann, eine Grenze zu überschreiten. Diese Tests dienen bekanntermaßen als Paradebeispiel für Hannah Arendts Idee der Banalität des Bösen und der Obrigkeitshörigkeit der Menschen.
Im Zusammenhang mit THE SQUARE möchte ich das „Barmherzige Samariter“-Experiment zitieren, das 1973 in Princeton durchgeführt wurde. Damals nahmen 40 Theologiestudenten an einer Studie teil. Sie gingen davon aus, dass es um Religionspädagogik und Berufungen ginge. Nach dem Ausfüllen eines Fragebogens wurden die Teilnehmer aufgefordert, sich in ein anderes Gebäude zu begeben – und sich dabei zu beeilen. Einer der Männer war in Wirklichkeit ein Schauspieler, der auf dem Weg ins Nachbargebäude fiel und so tat, als würde er Hilfe brauchen. Natürlich waren alle Theologiestudenten mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter und dessen Botschaft vertraut: Hilf anderen in der Not. Doch haben sie geholfen? Die meisten taten es nicht. Die Ergebnisse zeigten: Je eindringlicher ihnen gesagt worden war, sie sollten sich beeilen, desto geringer fiel ihre Hilfsbereitschaft aus.

Die Menschlichkeit des Protagonisten
Christian ist ein Mann mit vielen unterschiedlichen Seiten. Er ist gleichermaßen idealistisch in seinen Worten und zynisch in seinen Taten, gleichzeitig machtvoll und schwach. Genau wie ich selbst ist er ein geschiedener Vater von zwei Kindern, er ist im Kulturbereich tätig und hat sich den existentialistischen und sozialen Fragen verpflichtet, die durch „The Square“ aufgeworfen werden. Er ist davon überzeugt, dass hinter „The Square“ eine bahnbrechende Idee steht und möchte mithilfe der Kunst die Menschen zum Denken anregen. Gleichzeitig ist er ein soziales Chamäleon, das genau weiß, welche Rolle er als Leiter eines Museums zu spielen hat und wie er mit den Erwartungen von Sponsoren, Besuchern und Künstlern umgehen muss.
Christian steht vor den gleichen Fragen und Herausforderungen wie wir alle: der Übernahme von Verantwortung, Vertrauen und moralischem Handeln im persönlichen Rahmen. Als er in ein Dilemma gerät, kommen seine individuellen Handlungen seinen moralischen Prinzipien in die Quere. Christian erscheint als ein wandelnder Widerspruch, wie so viele von uns. Am Ende des Films ist es an uns zu beurteilen, ob er seine Lektion gelernt hat.
Für THE SQUARE war ein naturalistischer, intimer Ansatz der Schauspieler wichtig. Die liebevolle Beziehung zwischen Christian und seinen Cheerleader-Töchtern stellt den emotionalen Kern des Films dar und verdeutlicht durch konkrete Bilder die Idee einer Suche nach Utopie. Tatsächlich sind die Mädchen als Cheerleader vereint in einem sehr effizienten, kollektiven Bemühen, zu dessen Gelingen jedes Individuum den gleichen Anteil beiträgt. Außerdem gibt es kaum ein besseres Bild für die Wichtigkeit von Vertrauen als ein 10-jähriges Mädchen, das zu einem Salto in der Luft ansetzt und darauf baut, von den anderen aufgefangen zu werden. Der Fokus und die Freude der Cheerleader illustriert die beste Seite der amerikanischen Gesellschaft.

Kann Gerechtigkeit Glück kaufen?
Christians Geschichte verdeutlicht die beiden sokratischen Pfeiler der Gerechtigkeit: den Gesellschaftsvertrag und die Individualethik. Gerechtigkeit besteht darin, den Gesetzen zu gehorchen im Austausch dafür, dass es die anderen auch tun. Doch mehr noch ist die Gerechtigkeit auch der Zustand einer wohlgeordneten Seele. Der gerechte Mensch ist also notwendigerweise auch der glückliche Mensch. Diese alte und verführerische Idee, dass „das Richtige tun“, also Gerechtigkeit, das Glück erkaufen kann, ist nicht veraltet. Forscher der Sozialpsychologie haben unter freiwillig Tätigen mit einem hohen Grad an sozialem und politischem Engagement ein gesteigertes Vertrauen in andere festgestellt. Dieses Phänomen wird „Helper’s High“2, also „Helfershoch“ genannt. Vielleicht werden einige Zuschauer lachen über Christians unbeholfene und amüsant-peinlichen Bemühungen oder andere Witze im Film. Aber vielleicht teilen sie auch die Vorstellung von Gerechtigkeit, die dieser Geschichte innewohnt.

Zu „gut“ um viral zu gehen, oder: Wie die Medien uns schlechter machen
Als Satire übertreibt THE SQUARE natürlich die schlimmsten Tendenzen, die sich dieser Tage in unserer Gesellschaft beobachten lassen. Darunter etwa die Art und Weise, wie Medien ihre eigene Verantwortlichkeit ignorieren im Reproduzieren exakt der Probleme, über die sie berichten. Das Museum engagiert PR-Spezialisten, die der Ausstellung und den mit „The Square“ einhergehenden Ideen größtmögliche Aufmerksamkeit in den Medien bringen sollen. Doch die stellen sarkastisch fest, dass der Gedanke hinter „The Square“ „zu nett“ und einvernehmlich sei und niemand sich dafür interessieren werde. „Um Journalisten dazu zu bringen, etwas darüber zu schreiben, brauchen wir eine Kontroverse. Diesem Projekt fehlt jede Form von Schärfe oder Konflikt.“
Es lassen sich Parallelen ziehen zu extremistischen Parteien in Schweden, den USA, Frankreich oder sonst irgendwo auf der Welt, die durch provokative, polarisierende Debatten das Interesse der breiten Öffentlichkeit auf sich lenken konnten. Bei uns in Schweden gelang es einer solchen Partei, drittstärkste politische Kraft zu werden. Meine Inspiration für die PR-Strategen im Film waren dabei die provokativen Stunts der bekannten schwedischen Agentur Studio Total.
Tragische Ironie hat die sozialen Medien zum besten Werbeträger für Terrororganisationen gemacht. Jeder weiß Bescheid über die mediale Hysterie, die Europäer dazu bringt, sich dem IS anzuschließen, oder die zu den Morden in Kopenhagen geführt hat, nur wenige Wochen nach der Attacke auf Charlie Hebdo in Paris. Doch niemand hat daraus gelernt. Noch vor ein paar Jahren hätte der Ehrenkodex der Presse es verboten, dass eine Zeitung oder ein Sender schockierende, fragwürdige oder manipulierte Bilder zeigt. Doch weil die Kosten gesenkt und Jobs gestrichen werden, sind die Journalisten zusehends überfordert. Dies führt dazu, dass sich die Medien immer häufiger auf Sensationsbilder stürzen. Was genau auf einem Bild zu sehen ist, scheint fast egal zu sein, solange es brisant ist. Das Foto des kleinen Aylan, der auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken ist, ist dafür ein anschauliches Beispiel.
Ein einzelnes Bild änderte plötzlich die „Meinung“ über Asylsuchende in vielen europäischen Zeitungen und auf der ganzen Welt. Es zeigte, wie groß die Wirkung eines guten Bildes sein kann, wenn es provokativ oder berührend genug ist, um die niemals endende Flut an Informationen und Bildern zu durchbrechen, der wir täglich ausgesetzt sind.
Vor allem aber zeigte dieser Fall meiner Meinung nach, dass wir heutzutage unbedingt ein Bild brauchen, um emotional überhaupt noch berührt zu werden. Denn die Medien verteidigen bestimmte Standpunkte nicht mehr. Stattdessen sind unmoralische Berichte mit sensationslüsternen Fotos die Norm geworden, die sich dank sozialer Netzwerke in Windeseile um die ganze Welt verbreiten.
THE SQUARE versucht, dieses drängende Thema auf unbeschwerte, absurde Weise aufzugreifen. Das selbstverständlich nicht echte YouTube-Video, mit dem die PR-Spezialisten die moralische Haltung der Ausstellung promoten wollen, zeigt, wie sehr die Medien die Art und Weise beeinflussen, wie wir auf die Welt blicken – und sie missverstehen. Ich halte es für unbedingt notwendig, diesen Effekt zu analysieren. Denn ich bin überzeugt davon, dass Bilder das wirksamste und dadurch auch gefährlichste Ausdrucksmittel sind, das wir haben. Gleichzeitig kann ein Film uns einen außergewöhnlichen Zugriff auf die Welt ermöglichen. Es gibt so vieles, was wir selbst nicht am eigenen Leib erlebt haben, aber mit Hilfe von Filmen erfahren können.
Filme können zum Beispiel dazu führen, dass wir gesellschaftliche Konventionen und alles, was wir als selbstverständlich erachten, kritisch zu hinterfragen beginnen. Ich jedenfalls freue mich immer enorm, wenn mir jemand berichtet, dass er mit seinen Freunden die ganze Nacht über meinen Film diskutiert hat. Denn dann ist es meinem Film gelungen, auch außerhalb des Kinosaals zumindest einen kleinen Moment der Veränderung auf den Weg zu bringen.
Ruben Östlund, Mai 2017

Quelle: Verleih
Autor: Siehe Artikel
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