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OHRENGLÜCK 21: Herbert Pixner Projekt "Summer" three saints records

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Ana Popovic „Trilogy“ Artist Exclusive Rec / in-akustik

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OHRENGLÜCK 20: Monika Roscher Bigband "Of Monsters And Birds" Enja Records

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VOR 40 JAHREN: Stevie Wonder „Songs In The Key Of Life“ Motown

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Holger Czukay „Movie!“ Grönland

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OHRENGLÜCK 19: Absolutely Sweet Marie "Another Side Of Blonde On Blond...

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Dienstag 19.07.2016
OHRENGLÜCK 21: Herbert Pixner Projekt "Summer" three saints records
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Unwiderstehlich tanzt hier der Sommer! Mitreißender Gypsy-Swing erklingt neben sinnlichem Tango, eine luftig-leichte Bossa neben etwas schwül-heißem Blues. Der Südtiroler Herbert Pixner ist einer der aktuellen Stars der Weltmusikszene und wird schon als „Erneuerer der Volksmusik“ gefeiert. Neben seinem Heimwerkzeug, der Steirischen Harmonika, beherrscht er auch eine ganze Reihe von Blasinstrumenten und bezaubert mit Soli auf Trompete und Saxofon, Flügelhorn und Klarinette. In manchen Stücken kann man diesen „Frank Zappa in Lederhosen“ an bis zu drei verschiedenen Instrumenten hören. Nicht weniger glanzvoll präsentiert sich sein Mitstreiter Manuel Randi, der Gitarrenvirtuose. Ob Flamenco oder Manouche, elektrischer Blues oder Latin-Gitarre: Randi bringt jeden Stil mit authentischem Feeling zum Blühen. Kontrabass, Harfe und Cimbalom (!) vervollständigen Pixners Bandprojekt. Eine partykompatible Mischung aus alpinen und globalen Sounds – bestens geeignet zum Tanzen, Feiern, Palavern, Schmausen, Trinken und Fröhlichsein.

Hans-Jürgen Schaal
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Autor: Hans-Jürgen Schaal
Sonntag 10.07.2016
Ana Popovic „Trilogy“ Artist Exclusive Rec / in-akustik
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Wer kennt sie nicht, Alben mit zwei oder auch drei großartigen Songs. Der Rest ist Durchschnitt. Oder ein einzelner Titel, im Radio(!) gehört – überwältigend! Mit unendlichem Aufwand und immensen Kosten kommt der Tonträger als Import mit der Post ins Haus. Doch die komplette CD - eine einzige Enttäuschung. Es gibt sie immer seltener, qualitativ höchst befriedigende und dramaturgisch geschickt aufgebaute Einspielungen, die man mit gleicher Begeisterung vom Anfang bis zum Ende hört. Ana Popovic gelingt jetzt dieses seltene Kunststück. Dabei ist „Trilogy“ kein einzelnes Album, sondern, wie der Titel schon andeutet, eine Box mit drei CDs. 23 Songs, doch keine „Best Of …“ und auch keine „Golden Hits“, denn die hatte Ana Popovic bisher sowieso nicht. „Trilogy“ enthält ausschließlich neues Material. Angelegt zwischen Blues (ihrer musikalischen Basis), Funk und Jazz. Jeder Stilart ist ein Silberling gewidmet. Und in jeder Stilart bewegt sich die aus Serbien stammende und heute in Memphis lebende Popovic traumwandlerisch sicher. „Morning“ ist knochentrockner, aber doch unglaublich dynamischgespielter Funk. Die knappen, peitschenden Bläsersätze erinnern an George Clinton in seinen besten Zeiten und der Rhythmus groovt wie ein schnaufender Güterzug durchs Gebirge. Aufgenommen in New Orleans, der Wiege des Rhythm & Blues und Rock`n Roll, verströmt die Musik pure Leidenschaft und bedingungslose Präzision.
In Nashville und Memphis entstand der Bluespart „Mid-Day“. „Die Idee dabei war“, erzählt die Gitarristin und Sängerin in einem Interview, „ dass es kräftig rockt und bluest, dass man sich diese Scheibe in der Mittagspause zu Gemüte führt und so derart viel Energie aufsaugt, dass man sich mit Spaß wieder an die Arbeit macht.“ Zwar ist die „Mittagspause“ nur knappe 27 Minuten lang, aber die in dieser Zeit geschöpfte Vitalität und Courage sollte bis in die späten Nachtstunden reichen.
Der dritte Teil „Midnight“ ist von keinem geringeren als Delfeayo Marsalis produziert, der zudem den Posaunenpart übernahm und die Bläserarrangement schrieb. Es sind wunderbar relaxte Jazzeinspielungen, natürlich mit einem ordentlichen Schuss Blues versehen und kurzen, improvisierten Skizzen, die sich sehr rund und erfrischend in die Songs einpassen. Ana Popovic phrasiert natürlich als Bluessängerin, doch gekonnt und mit einem sophisticated Touch. Sie swingt mit einem lässigen Perfektionismus, weit entfernt von jeder verspannten Jazzideologie. Insgesamt kann man nur sagen: Drei Alben wie aus einem Guss, eineinhalb Stunden Hochspannung mit ehrlicher, authentischer Musik.
Jörg Konrad
Autor: Jörg Konrad
Sonntag 03.07.2016
OHRENGLÜCK 20: Monika Roscher Bigband "Of Monsters And Birds" Enja Records
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Gelingt hier die Quadratur des Kreises? Die 32-jährige Monika Roscher ist gleichzeitig Popsängerin und Jazzgitarristin. Ihre Stücke sind gleichzeitig Indierock-Songs und Bigband-Nummern. Manche dieser Kompositionen scheinen sich aus sanft-psychedelischen Gesangsmelodien zu üppigen Bläserfantasien zu entwickeln. Andere scheinen eher aus frechen Bigband-Ideen zu entstehen und die kühle Stimme wie einen letzten Trumpf auszuspielen (es gibt auch drei reine Instrumentalstücke auf dem Album). Ein kleines Wunder: Zwei musikalische Welten, die einander fern und fremd waren, finden zu einer gemeinsamen Sprache. Hier: die nüchterne, hypnotische Frauenstimme mit ihrem britischen Englisch, ein Nachhall von Pink Floyd und Trip-Hop. Dort: eine 22-köpfige Bigband mit inspirierten Solisten, ein Symbol der amerikanischen Jazzmusik. Wie gut das zusammen funktioniert, glaubt man erst, wenn man es gehört hat. Der kanadische Bigband-Innovater Darcy James Argue sagte einmal, er stelle sich gerne eine alternative Geschichte der Popmusik vor, in der die Bigbands ihre klangprägende Rolle nie verloren hätten: Elvis stets mit Bigband, David Bowie mit Bigband... „Wenn das immer die Standardbesetzung gewesen wäre, wie würde die Popmusik heute klingen?“ Monika Roscher gibt uns einen Eindruck davon. Es klingt riesig gut. Hans-Jürgen Schaal

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Autor: Hanns-Jürgen Schaal
Donnerstag 23.06.2016
VOR 40 JAHREN: Stevie Wonder „Songs In The Key Of Life“ Motown
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Es gab Zeiten, da waren wirtschaftlicher Erfolg und künstlerische Qualität im Pop kein Widerspruch. Eines der besten Beispiel hierfür: Stevie Wonders „Songs In The Key Of Life“. Bis heute ist dieses ambitionierte Werk des amerikanischen Soul Stars allein in den USA weit mehr als 10 Millionen Mal verkauft worden. Es rangierte 44 Wochen in den Top 40 der Billboard-Charts und die insgesamt vier Singles, die aus dem Doppelalbum ausgekoppelt wurden, schafften es alle mühelos in die Hitparaden - weltweit.
Und die Musik selbst? Sie klingt frisch und belebend, ist voller Energie und politischer Provokation. Es sind Songs, die auf der Soul-Tradition der Motwon Ära aufbauen und doch musikalisch in neue Welten vorstoßen. Jazz, Rock, Pop, Folk, Gospel, Blues - Stevie Wonder schert sich weder um die stilistischen Grabenkämpfe jener Zeit, noch hatte er Berührungsängste, Randgruppen ins Zentrum seiner Songs zu stellen. Über 130 Musiker waren an diesem Mammutwerk beteiligt, das in einem Zeitraum von über zwei Jahren entstand.
Das alles miteinander verbindende Thema dieser über 100 Minuten Musik sind das Fehlen von Liebe und Gerechtigkeit im menschlichen Sein. Und welches Tun dies ändert. Stevie Wonder war damals gerade einmal 26 Jahre, arbeitete aber mit der Intensität und Akribie eines alten und erfahrenen Instrumentalisten und schuf mit dieser Arbeit etwas bis heute sowohl musikalisch als auch inhaltlich Gültiges.
Abgesehen von dem Gassenhauer „Sir Duke“ (dem großen Jazz Pianisten, Komponisten und Orchesterleiter Duke Ellington gewidmet, der zu Beginn der Arbeit an „Songs In The Key Of Life“ 1974 starb) und der etwas klischeehaften Ballade „Ebony Eyes“ sind alle Songs eher unkonventionell aufgebaut. Sie besitzen starke rhythmische Strukturen, die elektronischen Keyboards brodeln aufrührerisch im Untergrund, der hymnische Charakter der Themen hat etwas positiv zum Licht strebendes. Das Hi-Hat des Schlagzeugs faucht unerbittlich, der Gospelchor intoniert ekstatisch die Messages und die scharfzüngigen Bläsersätze zerschneiden manche Idylle schlagartig. Und darüber verkündet Stevie Wonder mit apodiktischer Stimme seine (auch religiösen) Überzeugungen, die aufgrund seiner sozialen und geschichtlichen Erfahrungen nur eines bedeuten: Friede und Gerechtigkeit.
Dieses Album hat aber auch wunderbare Balladen, die in ihrer Ruhe und Ausgeglichenheit beeindrucken und von persönlichem Glück und Hoffnung gezeichnet sind. Songs voller innerer Wärme und geheimnisvoller Schönheit
„Songs In The Key Of Life“ ist eines der persönlichsten Alben des blinden Ausnahmekünstlers geworden, entstanden in seiner kreativsten Zeit. Hier finden sowohl globale, als auch ganz private Themen ihren Platz und es kann getrost in einem Atemzug mit Marvin Gayes Soul-Opus „What`s Going On“ genannt werden.
Im Vorwort des Begleittextes äußert sich Stevie Wonder: „Ich habe mich nie als ein Redner oder Politiker betrachtet, nur als eine Person, die dank Euch allen glücklich genug war, ein Künstler zu werden, der die Chance hat, seine Gefühle und hoffentlich die Gefühle vieler anderer Menschen auszudrücken.“
hans j.
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Dienstag 14.06.2016
Holger Czukay „Movie!“ Grönland
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Sein erstes Album nannte er „Cannaxis 5“ und wurde 1968 in ganz geringer Auflagenhöhe als eine Art „private Schwarzpressung“, wie Holger Czukay in einem Interview dem Magazin „Alert“ erzählte, herausgebracht. „ …sie war sofort weg … . Die hat so ein Typ aus München, der heute „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ macht, Karlo heißt der, gepresst. Der hat die dann auch verkauft, und ich habe nie einen Pfennig gesehen, was das betraf. Er hat die alle verkauft und dummerweise dann auch noch das Master verbummelt.“ Aufgenommen wurde das Album in einer Nacht- und Nebelaktion im Studio von Karlheinz Stockhausen, bei dem Czukay damals Schüler war. Zu gleicher Zeit gründete das als Holger Schüring in Danzig geborene Enfant Terrible der elektronischen Musikszene auch die stilbildende und bis heute legendäre Band Can.
Elf Jahre später, nachdem Can aufgelöst war, spielte Czukay sein zweites Album ein. Herbert Grönemeyers Plattenlabel Grönland Records hat dieses Werk nun noch einmal (überarbeitet) veröffentlicht. Dabei ist aus „Movies“ nun „Movie!“ geworden. Als Bonus Track gibt es noch eine Instrumental-Version des Openers „Cool In The Pool“. Eine auch heute noch wunderbar erfrischende Musik, die sich alle klanglichen Freiheiten dieser Welt nimmt und deutlich werden lässt, dass Pop, Avantgarde, Elektroniks und Humor sehr wohl vereinbar sind. Typisch Czukay eben.
Grundlage aller Kompositionen auf „Movie!“ sind treibende Rhythmen, die all den Tonband- und Radioschnipseln, den Fernsehausschnitten, dem Bellen des Nachbarhundes, Hawaigitarren, Computerfiepen und tibetanischen Mönchsgesängen (analog) unterlegt sind. „Wenn du den Rhythmus hast, hast du eine Grundlage, und mit dieser Grundlage kannst du, um mit Stockhausen zu sprechen, die Wand durchbrechen. Du kannst dann keine Fehler mehr machen, der Rhythmus trägt dich. Du wirst zum Medium“, erläuterte der Multiinstrumentalist sein Musik-Prinzip vor einigen Jahren dem „Spiegel“. Manches klingt in seiner Fülle und der Umsetzung der Sampletechnik wie ein Remix aus unseren Tagen. Nur weitaus komplexer und vielschichtiger. Dabei entstand dieses Album noch Jahre vor  Brian Enos und David Byrnes wegweisendem Album „My Life in the Bush of Ghosts“. Czukay ist ein Freigeist, der seine Musik ebenso hemdsärmelig, wie auch leidenschaftlich umsetzt. Mal zärtlich jubilierend, mal berechnend ungestüm. Übrigens sagte Ennio Morricone, der große italienische Filmkomponist einmal über ihn: „Dass Sie irre sind, war mir ja bewusst. Aber Sie sind ja vollkommen irre!“ Ein Genie eben.
Jörg Konrad
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Dienstag 24.05.2016
OHRENGLÜCK 19: Absolutely Sweet Marie "Another Side Of Blonde On Blonde" Tiger Moon Records
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Seit Jahrzehnten wird Bob Dylan als Kandidat für den Literatur-Nobelpreis gehandelt. Mutige Philologen haben seine eindringlichen, aber oft rätselhaften Songtexte sogar mit den dunklen Versen eines Rimbaud oder William Blake verglichen. Musikalisch ist Dylan dagegen weniger rätselhaft, wenn auch schillernd - seine Songs wurzeln in Folk, Blues, Rock, Gospel, Country und mehr. Was in dieser Mixtur alles drinsteckt bzw. wohin das alles führen kann, zeigt das deutsche Jazzquartett Absolutely Sweet Marie. Auch auf ihrem zweiten Album widmet sich die Band ausschließlich der Musik von Bob Dylan, und zwar diesmal den kompletten Songs aus Dylans Album „Blonde On Blonde“, das dieser Tage 50 Jahre alt wird. Das Quartett um den Saxofonisten Alexander Beierbach ist eine Art Blaskapelle, aber eine ganz besondere. Nur mit Trompete, Posaune, Saxofon und Schlagzeug rückt man Dylans Songs zuleibe, verwandelt sie in kraftvolle Brassband-Märsche, delikate Blueswalzer oder kollektive Improvisationen. „Rainy Day Women“, „Just A Woman“, „I Want You“ - nicht immer ist der Song gleich zu erkennen, denn manchmal sind es bloße Fragmente daraus, die als Ausgangsmaterial dienen. Der bläserische Witz aber verblüfft jederzeit, dieser Spaß am Schrägen, zuweilen Wilden und Chaotischen, zuweilen Sanften und Hintersinnigen. Die taz schrieb vor zwei Jahren: „Das Quartett hat einen Weg gefunden, die Songs von Bob Dylan so in Jazz-Arrangements zu übersetzen, dass man andächtig staunen muss.“ Das gilt auch diesmal. Nashville trifft Freejazz, und der Blues tanzt dazu in der Second Line.  

Hans-Jürgen Schaal
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