Kosmos
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Wer ist in einer wolkenlosen Neumondnacht vom nächtlichen Sternenhimmel nicht fasziniert, fühlt sich vom millionenfachen Leuchten und Funkeln, als einem visuellen Ausdruck für die unermessliche Weite des Kosmos, nicht innerlich erregt? Vorausgesetzt natürlich die Lichter der Großstadt überstrahlen nicht die Zartheit des Firmaments (trotzdem man sich nicht wundern sollte, wie viele Sterne und eindrucksvolle Konstellationen auch in einer etwas abgedunkelten Seitenstraße noch zu erkennen sind). Schon in den Anfänger der Zivilisation haben die Menschen versucht, in dieses scheinbare (himmlische) Chaos Ordnung zu bringen, sich an Sternen und Sternbildern zu orientieren. Sie dienten den Reisenden als Wegweiser, wurden als Hilfsmittel für die Prognose von jahreszeitlichen Vorgängen genutzt und sind natürlich die ideale Projektionsfläche für Träume und Fantasien. Von den Altägyptern bis heute sind die Menschen von der majestätischen Schönheit dieses Spektakels regelrecht berauscht. Und so wundert es nicht, das Mythen, Sagen und Geschichten die (zugegeben manchmal ein wenig abstrakten) Figuren am Himmelsgewölbe begleiten.Seit Oktober 2013 bieten wir allen Besuchern des Portals www.kultkomplott.de einen allgemeinen und, wie wir hoffen, auch verständlichen Überblick über das nächtliche Treiben am Sternenhimmel.  Vielleicht, um nach einem Konzertbesuch diese strahlende Pracht bewusster wahrzunehmen, oder um einfach eine der in den folgenden Texten beschriebene Formation selbst zu suchen.
Inhaltsverzeichnis
70. Gelandet im Meer der Ruhe

1

69. Sturmwirbel auf dem Jupiter

2

68. Sommerzeit - Ein künstlicher Begriff für ein zeitweiliges Zusatzgebilde

3

67. Vom Verschmelzen Schwarzer Löcher

4

66. Reise ins Ungewisse

5

65. Unsere Sonne ein unscheinbares Sternchen

6

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Montag 01.07.2019
70. Gelandet im Meer der Ruhe
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Noch immer beherrscht das Sommerdreieck mit den drei Hauptsternen der Sternbilder Schwan, Leier und Adler hoch über uns den abendlichen Himmel. Bei den wenigen zur Verfügung stehenden Stunden der nächtlichen Beobachtung ist ihre zenitnahe Beobachtung recht einfach. Deneb, Wega und Atair treten durch ihre Helligkeit deutlich zu einem Dreieck zusammen. Recht spannend ist auch das Aufsuchen des Planetenriesen Jupiter. Flach im Süden wirkt sein Licht fast rötlich und tritt der ebenfalls recht flach stehende Mond in seine Nähe, so ergeben sich vor allem zwischen dem 12. und 14. Juli interessante Konstellationen.
Es ist nun 50 Jahre her, dass in Deutschlands Wohnzimmern knisternde Spannung vorherrschte und zu nachtschlafender Zeit sich Jung und Alt vor den Miniaturfernsehern der damaligen Zeit versammelten. Die Mission Apollo 11 stand kurz vor ihrem Höhepunkt, denn die Landefähre Eagle war erfolgreich im Meer der Ruhe gelandet. So betrat am 21.Juli 1969 um 4:56 MEZ Neal Armstrong als erster Mensch den Mondboden und seine Worte „Ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit“ sind zum meistzitierten Ausspruch des vergangenen Jahrhunderts geworden.
Nun wird 50 Jahre später Land auf Land ab dieses Ereignis gewürdigt und auch jüngeren Menschen wird vielleicht erstmals durch eine Vielzahl von medialen Quellen dieses Ereignis nähergebracht. Dass im April 1970 dann tatsächlich die Fast-Katastrophe von Apollo 13 die höchsten Einschaltquoten erreichte, ist heute sicherlich nur noch eine Fußnote. Für die Raumfahrt bleibt es ein Rekord für die Ewigkeit, denn es waren letztlich 12 Menschen, die ihren Fuß auf unseren Erdtrabanten gesetzt haben und damit erstmals ein anderer Himmelskörper des Sonnensystems direkt erforscht wurde.
Auch aus wissenschaftlicher Sicht waren die Missionen ein voller Erfolg, obwohl die Ergebnisse noch heute nicht ihre volle Anerkennung haben. Die Fakten liegen aber auf der Hand: 382 kg Mondgestein befinden sich noch heute in den Laboren der NASA und wurden seither den verschiedensten Forschergruppen zur Verfügung gestellt. Ihre genaue Untersuchung bestätigte letztendlich auch die These, dass der Mond tatsächlich in einer recht frühen Phase der Entstehung des Planetensystems durch einen direkten Zusammenstoß eines kleineren Himmelskörpers mit der noch jungen Erde entstanden sein muss. Der aus den Trümmern dieses Crashs entstandene Erdmond ist eigentlich viel zu groß für einen Gesteinsplaneten wie die Erde. Ein ähnlicher Einschlag ereignete sich zum Beispiel bei der fast massegleichen Venus nicht, denn der Nachbarplanet der Erde ist noch heute wie auch Merkur mondlos. Und auch unser zweiter Nachbar Mars hat nur zwei Miniaturmonde, die ihm einst als Asteroiden zu nah kamen und durch die Gravitation des Planeten eingefangen wurden.
Das Mondgestein blieb nicht die einzige Erfolgsausbeute: Umfassende geologische, geophysikalische und auch seismologische Experimente zeigten uns die Struktur eines Himmelskörpers, der ständig ohne den nötigen magnetischen Schutz der Strahlung der Sonne erbarmungslos ausgesetzt ist und Laser-Retroreflektoren ermöglichen noch heute die zentimetergenaue Entfernungsbestimmung des Erdtrabanten.
Des Weiteren wurde der Mond natürlich fotografisch genauestens erfasst, denn der dritte, im Command Modul verbliebene Astronaut, hatte während seiner Mondumrundungen genug Zeit, entsprechende Aufnahmen zu tätigen.
Die Worte von Kritikern mögen nach der Aufzählung dieser erstaunlichen Fakten vielleicht immer noch nicht verstummen und die Frage nach der Notwendigkeit des Mondfahrtprogramms mit den damit verbundenen enorm hohen Kosten bleibt bestehen.
Die Frage nach dem Sinn sollte sich jedoch erübrigen, denn der Forscherdrang des Menschen geht nun einmal darüber hinaus, zu wissen, was die eigene Welt im Innersten zusammenhält. Der Drang, Neues und Unbekanntes zu erforschen, wird die Wissenschaft immer vorantreiben und wann war Wissenschaft besser an den Mann zu bringen, als zu den Zeiten der nun legendären Apollo-Astronauten.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt

Die Abbildungen stammen aus dem Buch „Moonfire – Die legendäre Reise der Apollo 11“ von Norman Mailer, erschienen im Taschen Verlag.

1. July 20, 1969. Buzz Aldrin’s boot leaves a sharp imprint in the lunar soil.
Copyright: NASA/TASCHEN

2. July 20, 1969. Neil Armstong photographs his shadow and the distant LM from the East Crater.
Copyright: NASA/TASCHEN

3. July 20, 1969. Before departing the lunar surface Aldrin and Armstrong removed a plaque from the ladder strut of the LM to leave behind. It read, “We came in peace for all mankind.”
Copyright: NASA/TASCHEN
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Samstag 01.06.2019
69. Sturmwirbel auf dem Jupiter
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Im Monat Juni erwarten uns nun die kürzesten Nächte des Jahres. Gerade einmal sieben Stunden sind es im Idealfall, die zwischen den Dämmerungszeiten eine Beobachtung erlauben. Trotzdem hat der Anblick des nächtlichen Himmels einiges zu bieten. Im Westen sind noch die letzten Wintersternbilder Zwillinge und Fuhrmann zu sehen, während im Süden die Frühlingssternbilder Löwe und Jungfrau zu entdecken sind.
Beherrscher des Nachthimmels ist nun der Jupiter, denn er erreicht Mitte Juni seine größtmögliche Helligkeit im Kalenderjahr 2019. Er befindet sich gleich neben dem Stern Antares im Sternbild Skorpion. Erst kurz vor Mitternacht ist diese interessante Konstellation tief am südöstlichen Himmel erkennbar.
Der Planetenriese Jupiter wird seit knapp drei Jahren von der Raumsonde Juno umlaufen. Der 2011 gestartete amerikanische Raumflugkörper fliegt dabei aufgrund einer ausgeklügelten Kepler-Ellipse im jupiternahen Punkt (Perijovum) sehr nah an den obersten Atmosphärenschichten vorbei. Großartig sind vor allem die Aufnahmen, welche die Hochleistungskamera JunoCam erfasst und die durch das UVD-Kommunikationssystem zur Erde gesandt werden. Ein gerade jetzt vom CalTech-Team der NASA veröffentlichtes Foto zeigt die unglaubliche Vielfältigkeit des Wettergeschehens auf Jupiter. Absolut prägend im Bild sind die beiden rötlichen, unterschiedlich großen Sturmwirbel. Dabei ist zu bedenken, dass der größere der beiden Hurricans ein fast unvorstellbares Ausmaß hat: Die Erde würde zweimal in diesen Riesenwirbel hinein passen.
In den äußeren Zonen erreichen die Windgeschwindigkeit Überschallniveau, womit man sich ausrechnen kann, welche Verwüstungen er auf unserer Erde anrichten würde. Doch der erstaunlichste Fakt ist der, dass wir aus den Aufzeichnungen des großen italienischen Astronomen Galileo Galilei wissen, dass er bereits 1609 existierte. Schon in seinen Beobachtungsprotokollen ist von einem „Großen Roten Fleck“ die Rede. Damit ist der „Great Red Spot“, wie er noch heute heißt,  mindestens 410 Jahre alt. Einige Planetenwetterexperten gehen sogar davon ausgehen, dass er möglicherweise schon seit Jahrtausenden aktiv sein könnte. Ein Szenario, das für irdische Verhältnisse unvorstellbar ist. Gleichzeitig wird aufgezeigt, wie vielfältig die Wettererscheinungen in unserem Sonnensystem sein können.
Doch zurück zu der Aufnahme. Auffällig ist auch ein scheinbar recht kleines Tiefdrucksystem, das sich im Zentrum ebenfalls deutlich in rötlicher Farbe zeigt. Schaut man jedoch näher hin und relativiert die Größe dieses Taifuns, so würde er auf der Erde einen ganzen Kontinent komplett verdecken. Auch hier übersteigen Größe und Dynamik „unsere irdischen Vorstellungen“, um es mit den Worten des großen amerikanischen Astronomen Carl Sagan zu beschreiben.
Um nachzuvollziehen, wie schwierig es ist, solche großartigen Aufnahmen zu erstellen, muss man sich vor Augen halten, dass sie bei einer Geschwindigkeit von 73 km pro Sekunde geschossen werden. Damit ist Juno das schnellste von Menschenhand geschaffene Flugobjekt der Geschichte. Auch die zur Lagestabilität erforderliche Rotation des Gefährts um die eigene Achse ist bei der Fotografie ein nicht außer Acht zu lassender Faktor.
Nach nunmehr rund 1000 Arbeitstagen und 17 von 32 geplanten Umläufen um den Jupiter hat die Sonde bereits ein fast unerschöpfliches Reservoir an Daten und Bildern geliefert. Sie schickt sich damit an, in die Fußstapfen so berühmter Raumsonden wie der Venussonde Magellan oder der Plutosonde New Horizons zu treten. Selbst die vorangegangene Jupitermission namens Galileo scheint in den Schatten gestellt zu werden. Man darf also gespannt sein, welche Überraschungen die Schnappschüsse der JunoCam in den verbleibenden zwei Jahren der Kampagne noch zu bieten haben. Auf jeden Fall endet die Mission mit dem vorgeplanten Absturz der Raumsonde in den Jupiter. Damit wird sie das gleiche Schicksal wie die Saturnraumsonde Cassini ereilen, die im Jahre 2017 bis zum letzten Moment Daten zur Erde schickte, bevor sie planmäßig in der Saturnatmosphäre verglühte.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Das Annalemma: Täglich zur selben Zeit über ein ganzes Jahr hinweg beobachtet, beschreibt unser Tagesgestirn am Himmel eine Acht. Die Gründe dafür sind die Neigung der Erdachse gegenüber der Erdbahnebene und die Exzentrizität der Erdumlaufbahn.
Mittwoch 01.05.2019
68. Sommerzeit - Ein künstlicher Begriff für ein zeitweiliges Zusatzgebilde
Im Monat Mai sind die Frühlingssternbilder in voller Pracht zu bewundern. Die hellen Sterne Arktur im Sternbild Bootes, Spica  in der Jungfrau und Regulus im Löwen bilden dabei ein geometrisches Gebilde, das auch als Frühlingsdreieck bezeichnet wird. Die Planeten hingegen machen sich rar. Merkur und Venus sind durch ihre Nähe zur Sonne nicht zu sehen und Mars nur kurz nach Sonnenuntergang tief im Westen. Die Gasriesen Jupiter und Saturn sind erst in der zweiten Nachthälfte sichtbar.
Seit Menschengedenken versuchen die Astronomen die Zeit in den Griff zu bekommen. Hintergrund dafür war die Notwendigkeit, mit Hilfe eines Kalenders den Ablauf alljährlich wiederkehrender Ereignisse festlegen zu können. Dabei entstanden in den verschiedenen Kulturen der Welt auch äußerst unterschiedliche Kalender. Unsere heutige Zeiteinteilung geht auf ein päpstliches Edikt aus dem Jahre 1582 zurück und wird daher auch als Gregorianischer Kalender bezeichnet (siehe Kosmos 4-16).
Unlängst entschied nun das europäische Parlament die Abschaffung der alljährlich wiederkehrenden doppelten Zeitumstellung mit dem Jahr 2021. Völlig unpassend wurde durch den Präsidenten der Europäischen Kommission Jean-Claude Junker den einzelnen Mitgliedsländern die Möglichkeit gegeben, sich zwischen Sommer- oder Winterzeit zu entscheiden. Dabei wird völlig vergessen, dass der Begriff Sommerzeit zwar attraktiv klingt, letztlich aber nur ein künstlicher Begriff für ein zeitweiliges Zusatzgebilde der Mitteleuropäischen Zeit ist. Diese MEZ stellt eigentlich die Grundlage der Zeitrechnung dar und ist sowohl astronomisch als auch geografisch begründet. Der astronomische Hintergrund ergibt sich dabei aus der Sonnenzeit. Diese definiert sich aus dem südlichen Meridiandurchgang der Sonne, der im Idealfall genau um 12 Uhr mittags sein sollte. Nimmt man dann einen bestimmten geografischen Breitengrad an, wie in Mitteleuropa den 15.Grad nördlicher Breite, kann man den täglichen Höchststand der Sonne zur Mittagszeit festhalten. Entsprechend der Erdachsenneigung ist die größtmögliche Höhe über dem Horizont natürlich extrem unterschiedlich: Die Sonnenkulmination variiert dabei zwischen 16 Grad Höhe im Winter und mehr als 60 Grad Höhe im Sommer. Dieses täglich wiederkehrende Ereignis kann einige Minuten vor oder nach 12 Uhr stattfinden.
Hobbyastronomen vieler Länder haben sich mittlerweile die Aufgabe gestellt, dieses sogenannte Analemma bildlich festzuhalten. Mit einer speziellen Kameratechnik und einer entsprechenden Ausdauer gelingt dies, wobei die von Zeit zu Zeit belichtete Fotografie einen Zeitumfang von mindestens 365 Tagen haben muss. Genau diese Beharrlichkeit hatten selbst schon frühe Hochkulturen, denn zur Berechnung und Korrektur ihrer Kalenderrechnung haben auch sie bestimmte, jährlich wiederkehrende Mittagspositionen unseres Zentralgestirns genutzt.
Die Geschichte dieser Zeitumstellung in den Sommermonaten ist hingegen in Deutschland auf das Jahr 1916 zurückzuführen. Seit dieser Zeit hat man immer wieder geglaubt, dass diese Verschiebung der abendlichen Dämmerung bzw. der späteren Dunkelheit einen Einfluss auf den Energieverbrauch hat. Bestätigt hat sich dies allerdings nie und das zu erwartende Einsparungspotential blieb aus, sodass man bereits 1919 die Sommerzeit wieder abschaffte. Ein zweiter Versuch wurde erneut 1940 in der Kriegszeit versucht, um 1949 beendet zu werden. Dann unternahm man1980 den bis heute währenden dritten Versuch. Die Erfolge halten sich in Grenzen: Immer mehr Menschen klagen, dass sie aus ihrem chronobiologischen Rhythmus gerissen werden. Besonders Kindern merkt man dies in den Tagen nach der jeweiligen Zeitumstellung besonders stark an. Auch der technische Aufwand der ständigen Umstellung ist nicht zu unterschätzen, öffentlicher Verkehr und Luftfahrt sind davon am stärksten betroffen.
Nun ist also die Entscheidung der erneuten Abschaffung der Zeitumstellung gefallen, doch ist es grundfalsch den Menschen nun eine dauerhafte Sommerzeit zu offerieren:  Ein Resultat wäre zum Beispiel, dass man sich in der Zeit zwischen Mitte November und Ende Januar an Aufgangszeiten der Sonne gewöhnen müsste, die zum Teil nach 9 Uhr sind. Eine absurde Vorstellung. Zur Normalität zurückzukehren, heißt ganz einfach die  Rückkehr zur normalen Zeit, auch wenn diese für Herrn Juncker nicht zu existieren scheint.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Montag 01.04.2019
67. Vom Verschmelzen Schwarzer Löcher
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Nun ist der Löwe der Herrscher des Frühlings. Es ist zur Abendzeit das dominierende Sternbild hoch im Süden, denn die Wintersternbilder verabschieden sich durch die nun immer später einsetzende Dämmerung mehr und mehr vom Abendhimmel.
Am frühen Morgen hat man hingegen die beste Planetensicht: Die strahlend helle Venus wird von Saturn und Jupiter flankiert. Im Hintergrund stehen die Sternbilder Schütze und Skorpion.
Einzig der Mars ist noch abends sichtbar und befindet sich derzeit in illustrer Gesellschaft, denn zu Monatsbeginn durchläuft er das „Goldene Tor der Ekliptik“. Die Astronomen verstehen darunter die langsame, einige Wochen dauernde Bewegung des Planeten zwischen dem Hauptstern des Stiers (Aldebaran) und dem darüber befindlichen Sternhaufen des Siebengestirns. Die rund 200 Sterne der offenen Sternansammlung, die auch Plejaden genannten werden, sind übrigens ein wunderbares Objekt für die Beobachtung mit dem Fernglas.
In der modernen Astronomie scheint das Zeitmaß 5 Milliarden Jahre von ganz besonderer Bedeutung zu sein. Die Wissenschaftler sind sich einig, dass sich vor 5 Mrd. Jahren unser Sonnensystem aus einer vorwiegend aus Wasserstoff bestehenden Wolke gebildet hat. Und in der fernen Zukunft von 5 Mrd. Jahren wird die Sonne ihr Leben beenden, wenn genau diese Wasserstoffvorräte verbraucht sind. Wir Erdenbürger sind dabei eigentlich nur zufällige Zaungäste auf dem dritten Planeten eines den Stern umgebenden Systems und wir profitieren wiederum von der zufälligen Möglichkeit der Existenz auf diesem wasserreichen Himmelskörper.
Als sich unsere Welt aus der protoplanetaren Scheibe vor besagten 5 Mrd. bildete, geschah in einem anderen, weit entfernten Teil des Universums etwas nahezu Unfassbares. Schon vor Jahren fand man heraus, dass sich zwei Schwarze Löcher nach und nach immer näher kommen würden, sodass ihre Verschmelzung nur eine Frage der Zeit war. Als es dann am 29.Juli 2017 soweit war, kam es zu der größten und energiereichsten Assimilation, die wir kennen: SL 1 mit der unglaublichen Masse von 50 Sonnen verschmolz mit SL 2, dass seinerseits immerhin noch 35 Sonnenmassen auf die Waage brachte. Das Resultat dieser Vereinigung war nun ein supermassereiches Schwarzes Loch mit rund 80 Sonnenmassen. Doch wo war der Rest geblieben, der immerhin die fünffache Masse unseres Heimatsternes in sich barg?
Die Lösung dieses Rätsel liegt in dem neuen Zauberwort der modernen Astronomie: Multi Messenger Astronomy (MMA). Was steckt dahinter ?
Viele beobachtende Sternwarten, die nicht nur im Bereich des sichtbaren Lichts arbeiten, werden dabei zusammengeschaltet. Fast alle Detektoren des elektromagnetischen Spektrums sind dabei vertreten, wenn es darum geht, ein solches Ereignis wie das Verschmelzen zweier Schwarzer Löcher zu beobachten: Radioteleskope ebenso wie Infrarot-Teleskope oder auch im Weltraum stationierte Satelliten, die Gamma- oder Röntgenstrahlen erfassen. Das entscheidend Neue an dieser Verbundschaltung ist jedoch, dass seit nunmehr knapp 5 Jahren auch die sensiblen Erfassungsmechanismen für Gravitationswellen mit einbezogen werden. Hierdurch gelang es ja, die ein Jahrhundert zuvor von Albert Einstein postulierten Veränderungen in der Raumzeit erstmalig nachzuweisen (vergl. KOSMOS 11-17) und somit die allgemeine Relativitätstheorie endgültig zu beweisen.
Für die besagte Multi Messenger Astronomy ist die koordinierte Beobachtung dieses Massenkollapses von immenser  Bedeutung, denn das Rätsel, wohin sich die fünffache Masse der Sonne begeben hat, konnte gelöst werden und steht nun für einen aus astronomischer Sicht unfassbaren Rekord: In weniger als einer einzigen Sekunde wurden gemäß Einsteins bekannter Formel E=mc Quadrat 9.940.000.000.000.000.000.000.000.000.000 kg (9,94 x10 hoch 30 kg) Materie in pure Energie umgewandelt und bewegte sich danach in einem Zeitraum von 5 Mrd. Jahren als Raumzeitwelle auf uns zu. Es ist das energiereichste Ereignis, das jemals beobachtet wurde, wenn man vom Urknall selbst absieht. Und genau dieser Energieausstoß bisher ungekannten Ausmaßes wurde von allen beobachtenden Stationen erfasst und die damit einhergehende Bugwelle der Gravitationswellen konnte eindeutig nachgewiesen werden. Dem Anspruch, zu wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält, ist man somit wieder ein weiteres, recht entscheidendes Stück näher gekommen. Für die Forscher selbst sind die Erkenntnisse über das Ereignis GW 170729, wie es nun offiziell heißt, ein unglaublicher Erfolg, der auf systematischer und oftmals jahrelanger, harter Forschungsarbeit beruht. Die von vielen belächelte Beharrlichkeit ist jedoch für die Erweiterung unseres Verständnisses vom Kosmos unabdingbar.    
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt

Abbildungen:

Gravitationswellen & Schwarze Löcher
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Freitag 01.03.2019
66. Reise ins Ungewisse
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Nun ist es an der Zeit, dass sich die Wintersternbilder langsam wieder verabschieden. Zwar zeigt sich der Himmelsjäger Orion noch immer gegen 20 Uhr hoch am südlichen Himmel, doch durch die immer früher einsetzende Dämmerung beschränkt sich seine Sichtbarkeit bis kurz vor Mitternacht. Mit ihm gehen dann die Sternbilder Großer und Kleiner Hund ebenfalls unter. Nur der obere Teil des Wintersechsecks mit den Sternbildern Stier, Fuhrmann und den Zwillingen bleibt noch bis weit nach Mitternacht am südwestlichen Nachthimmel. Den nordwestlichen Teil des Firmaments beherrscht nun schon mit dem Löwen das erste Frühlingssternbild.
Unsere Planeten machen sich derzeit rar. Während der Mars am Abendhimmel neben Aldebaran im Stier kaum dessen Glanz erreicht, sind Jupiter, Saturn und Venus nur am Morgenhimmel sichtbar. Gemeinsam mit dem abnehmenden Mond bilden sie zu Monatsanfang und auch am Monatsende interessante Konstellationen.
Vor gut drei Jahren berichteten wir an dieser Stelle über die Mission New Horizon (siehe Kosmos 7/2016). Die bereits im Januar 2006 gestartete Raumsonde der NASA hatte schon auf ihrer fast 10jährigen Reise zum Pluto einen herben Rückschlag hinnehmen müssen. Sie war als Raumschiff für die Planetenforschung gestartet, doch auf dem Weg dorthin wurde Pluto von der IAU (Internationale Astronomische Union) der Planetenstatus aberkannt. So wurde aus der Unternehmung eine Erforschung eines Zwergplaneten. Für das Team um den Projektleiter Alan Stern war dieser Imageverlust enorm. Schließlich war die Mission mit dem Ziel gestartet, einen Planeten zu erkunden, der immerhin von einem Amerikaner 1930 entdeckt wurde. Damals hatte Clyde Tombaugh den langen gesuchten Planet X endlich entdeckt. Trotz aller vorheriger Entäuschungen war der Vorbeiflug an Pluto und seinen fünf Monden dann doch ein großer Erfolg.
Eigentlich war die Passage des Plutosystems als Endpunkt der Reise gedacht. Aber die NASA-Ingenieure machten eine interessante Entdeckung. Der für Steuerung und Lagekorrektur benötigte Treibstoff Hydrazin war nur zum Teil verbraucht. Alle Bordgeräte funktionierten tadellos und auch die Stromversorgung durch den Radioisotopengenerator war für Jahre gesichert. So ergab sich die Chance, ein neues Missionsziel zu suchen.
Da die Raumsonde bereits tief in den sogenannten Kuiper-Gürtel (einem zweiten Asteroidengürtel mit Objekten, die sich jenseits der Neptunbahn aufhalten) eingetaucht war, wurde der Asteroid 486958 als neues Forschungsobjekt auserkoren. Hier ergab sich den Forschern die Möglichkeit, erstmals ein Objekt zu beobachten, das von der Entfernung zu Sonne mit 43,3 AE eine bisher nie gekannte Distanz hatte. Zum Vergleich dazu ist unsere Erde mit 1 AE  (1 Astronomische Einheit = 150 Millionen km) eher recht gering von unserem Zentralgestirn entfernt.
Am Neujahrstag 2019 war es dann soweit. Pünktlich um 3 Uhr passierte New Horizons den inzwischen Ultima Thule genannten Himmelskörper. Die Passage war zuvor genau programmiert worden, denn bei einer Geschwindigkeit von 68.000 Stundenkilometern sind nachträgliche Korrekturen unmöglich: Die Sonde arbeitet im Encounter Mode und ist somit autonom. Die Aktion kann man sich so vorstellen: Man sitzt in einem ICE und soll einen Bahnhof vorprogrammiert fotografieren. Es muss also alles extrem genau ablaufen, wobei die Raumsonde selbst 225mal schneller ist als der ICE.
Doch alles passte hervorragend und die NASA-Ingenieure bewiesen ihre Steuerkünste.
Als Lohn konnten sie bereits 6 Stunden später – so lange sind die Bilder trotz Lichtgeschwindigkeit zur Erde unterwegs - hochinteressante Aufnahmen des bisher weit entferntesten Mitgliedes unseres Sonnensystems veröffentlichen. Es galt auch den Namen leicht zu korrigieren, denn da man einen Zwillingskörper auf den ersten Fotos entdeckte, wurde das Objekt mit dem Katalognamen 2014 MU 69 nun Ultima und Thule umbenannt. Inzwischen sind auch weitere hochauflösende Bilder veröffentlicht wurden, die zeigen, dass das Erscheinungsbild noch bizarrer als zunächst gedacht ist.
Wie die Mission New Horizons nun weitergeht, ist noch ungewiss. Der nukleare Reaktor kann bis 2035 noch soviel Energie produzieren, dass New Horizons im Standby –Modus arbeitet und durchaus zu einem noch weiter entfernteren Objekt unseres Sonnensystems umgeleitet werden kann. Damit heißt es also auch weiterhin: Auf zu neuen Horizonten.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Freitag 01.02.2019
65. Unsere Sonne ein unscheinbares Sternchen
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Die gleißend helle Venus bestimmt den Morgenhimmel. Ihre Reflexion des Sonnenlichtes überstrahlt die Sterne deutlich und selbst Jupiter, der rund eine Stunde nach dem „Morgenstern“ aufgeht, verblasst dagegen. Gemeinsam mit Antares aus dem Sternbild Skorpion bilden sie ein schön anzusehendes Dreieck.
Mars ist somit der einzig verbliebene Planet am Abendhimmel. Seine Position in Bezug auf Sonne und Erde ist nun schon so ungünstig, dass er sich nur durch seinen rötlichen Schimmer von den übrigen Sternen unterscheidet.
So beginnen nun die Wintersternbilder endgültig den abendlichen Himmel zu beherrschen. Schaut man sich die Liste der hellsten Sterne einmal genauer an, so fällt auf, dass derzeit nicht weniger als 12 der 32 glanzvollsten Sterne des Firmaments in einem recht überschaubaren Blickfeld zu erkennen sind. Mit etwas Wetterglück und freier Sicht sind sie allesamt innerhalb der Formation des Wintersechsecks zu beobachten. Das Wintersechseck fasst im Gegenteil zu anderen Formationen wie Sommerdreieck und Herbstviereck gleich sechs bekannte Sternbilder zu einer Ordnung zusammen, in dem man die strahlendsten Sterne der Sternbilder Fuhrmann, Stier, Orion, Großer Hund, Kleiner Hund und Zwillinge mit einer gedachten Linie verbindet.
Gegen 22 Uhr steht dabei hoch oben im Süden Kapella aus dem Sternbild Fuhrmann. Er ist der dritthellste Stern des Nachthimmels. Ihn flankieren der rötliche Aldebaran (vierzehnthellster) aus dem Stier und die Zwillingsobjekte Pollux und Castor (Rang 17 und 24). Unterhalb der unzertrennlichen Brüder überstrahlt sie mit Prokyon aus dem Kleinen Hund der achthellste Stern.
Unterhalb des Stieres wiederum zeigt sich dann mit dem Himmelsjäger Orion ein Sternbild der Superlative: Gleich fünf kräftige Lichtpunkte gehören zu den bereits erwähnten 32 hellsten Sternen. Allen voran „der Fuß des Kriegers“ Rigel (Rang 7), knapp vor der „verletzten Schulter des Kriegers“ Beteigeuze (Rang 10). Etwas weniger hell strahlen dann der zweite Schulterstern Bellatrix (Rang 27) und die beiden Gürtelsterne Alnitak und Alnilam (Rang 30 und 32). Alle werden allerdings von Sirius aus dem Sternbild des Großen Hundes noch übertroffen. Man erkennt die Nummer 1 der Sterne sehr deutlich an seinem gleißend weißen Licht. 
Man kann also konstatieren, dass nirgendwo am nächtlichen Himmel mehr helle Sterne zu sehen sind, als in diesem hexagonalen Großgefüge des winterlichen Himmels.
Um die scheinbare Helligkeit nachvollziehbar zu machen, wurde von babylonischen Astronomen schon vor über 4000 Jahren die Maßeinheit Magnituden oder auch Größenklassen eingeführt. Sie gibt an, wie hell Sterne, Planeten, der Mond oder die Sonne auf den Beobachter vergleichend erscheinen. Durch den englischen Astronomen Norman Robert Pogson wurde dann 1850 festgelegt, dass ein Stern der ersten Größenklasse genau einhundert Mal heller als ein Stern der 6. Größenklasse zu sein hat. Dieser wiederum sollte einhundert Mal heller sein als ein Stern der 11. Größenklasse. Man kann sich daher gut vorstellen, wie schwach die Sterne leuchten, die von den modernen Großteleskopen erfasst werden. Ihre Grenzgröße liegt inzwischen bei der 31. Größenklasse. Dies entspricht ein 1/100.000.000.000.000 der Helligkeit eines Sterns der 1. Größenklasse. Mit der Zeit verbesserte sich die Messgenauigkeit, sodass heute einige Objekte ihre Magnituden mit einem Minuszeichen versehen müssen, was in diesem Fall allerdings ein Hinweis auf die besonders große scheinbare Helligkeit ist. So erreichen der Sirius -1,5, die Venus -4,5, der Vollmond -11 und die Sonne sogar -27 Magnituden.
Doch diese Maßeinheit genügte den Astronomen letztendlich noch immer nicht. Sie führten die sogenannte absolute Helligkeit ein. Sie ist jedoch ein Wert, der nur theoretischer Natur ist, denn in diesem Fall werden alle Sterne – so auch die Sonne – gedanklich auf einen Abstand von 10 Parsek (32,6 Lichtjahre) versetzt. In dieser Skalierung liegen dann natürlich andere Sterne obenauf. Der Stern Deneb aus dem Sternbild Schwan wäre dann mit -7 Magnituden der hellste Stern am Himmel. Unsere Sonne hingegen wäre dann nur ein unscheinbares Sternchen der fünften Größenklasse.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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