Kosmos
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Wer ist in einer wolkenlosen Neumondnacht vom nächtlichen Sternenhimmel nicht fasziniert, fühlt sich vom millionenfachen Leuchten und Funkeln, als einem visuellen Ausdruck für die unermessliche Weite des Kosmos, nicht innerlich erregt? Vorausgesetzt natürlich die Lichter der Großstadt überstrahlen nicht die Zartheit des Firmaments (trotzdem man sich nicht wundern sollte, wie viele Sterne und eindrucksvolle Konstellationen auch in einer etwas abgedunkelten Seitenstraße noch zu erkennen sind). Schon in den Anfänger der Zivilisation haben die Menschen versucht, in dieses scheinbare (himmlische) Chaos Ordnung zu bringen, sich an Sternen und Sternbildern zu orientieren. Sie dienten den Reisenden als Wegweiser, wurden als Hilfsmittel für die Prognose von jahreszeitlichen Vorgängen genutzt und sind natürlich die ideale Projektionsfläche für Träume und Fantasien. Von den Altägyptern bis heute sind die Menschen von der majestätischen Schönheit dieses Spektakels regelrecht berauscht. Und so wundert es nicht, das Mythen, Sagen und Geschichten die (zugegeben manchmal ein wenig abstrakten) Figuren am Himmelsgewölbe begleiten.Seit Oktober 2013 bieten wir allen Besuchern des Portals www.kultkomplott.de einen allgemeinen und, wie wir hoffen, auch verständlichen Überblick über das nächtliche Treiben am Sternenhimmel.  Vielleicht, um nach einem Konzertbesuch diese strahlende Pracht bewusster wahrzunehmen, oder um einfach eine der in den folgenden Texten beschriebene Formation selbst zu suchen.
Inhaltsverzeichnis
66. Reise ins Ungewisse

1

65. Unsere Sonne ein unscheinbares Sternchen

2

64. Von Sonnenlicht und Mondschatten

3

63. Die Jagd ist eröffnet

4

62. Mond oder Mars?

5

61. P Cygni – Ein schlafender Vulkan

6

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Freitag 01.03.2019
66. Reise ins Ungewisse
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Nun ist es an der Zeit, dass sich die Wintersternbilder langsam wieder verabschieden. Zwar zeigt sich der Himmelsjäger Orion noch immer gegen 20 Uhr hoch am südlichen Himmel, doch durch die immer früher einsetzende Dämmerung beschränkt sich seine Sichtbarkeit bis kurz vor Mitternacht. Mit ihm gehen dann die Sternbilder Großer und Kleiner Hund ebenfalls unter. Nur der obere Teil des Wintersechsecks mit den Sternbildern Stier, Fuhrmann und den Zwillingen bleibt noch bis weit nach Mitternacht am südwestlichen Nachthimmel. Den nordwestlichen Teil des Firmaments beherrscht nun schon mit dem Löwen das erste Frühlingssternbild.
Unsere Planeten machen sich derzeit rar. Während der Mars am Abendhimmel neben Aldebaran im Stier kaum dessen Glanz erreicht, sind Jupiter, Saturn und Venus nur am Morgenhimmel sichtbar. Gemeinsam mit dem abnehmenden Mond bilden sie zu Monatsanfang und auch am Monatsende interessante Konstellationen.
Vor gut drei Jahren berichteten wir an dieser Stelle über die Mission New Horizon (siehe Kosmos 7/2016). Die bereits im Januar 2006 gestartete Raumsonde der NASA hatte schon auf ihrer fast 10jährigen Reise zum Pluto einen herben Rückschlag hinnehmen müssen. Sie war als Raumschiff für die Planetenforschung gestartet, doch auf dem Weg dorthin wurde Pluto von der IAU (Internationale Astronomische Union) der Planetenstatus aberkannt. So wurde aus der Unternehmung eine Erforschung eines Zwergplaneten. Für das Team um den Projektleiter Alan Stern war dieser Imageverlust enorm. Schließlich war die Mission mit dem Ziel gestartet, einen Planeten zu erkunden, der immerhin von einem Amerikaner 1930 entdeckt wurde. Damals hatte Clyde Tombaugh den langen gesuchten Planet X endlich entdeckt. Trotz aller vorheriger Entäuschungen war der Vorbeiflug an Pluto und seinen fünf Monden dann doch ein großer Erfolg.
Eigentlich war die Passage des Plutosystems als Endpunkt der Reise gedacht. Aber die NASA-Ingenieure machten eine interessante Entdeckung. Der für Steuerung und Lagekorrektur benötigte Treibstoff Hydrazin war nur zum Teil verbraucht. Alle Bordgeräte funktionierten tadellos und auch die Stromversorgung durch den Radioisotopengenerator war für Jahre gesichert. So ergab sich die Chance, ein neues Missionsziel zu suchen.
Da die Raumsonde bereits tief in den sogenannten Kuiper-Gürtel (einem zweiten Asteroidengürtel mit Objekten, die sich jenseits der Neptunbahn aufhalten) eingetaucht war, wurde der Asteroid 486958 als neues Forschungsobjekt auserkoren. Hier ergab sich den Forschern die Möglichkeit, erstmals ein Objekt zu beobachten, das von der Entfernung zu Sonne mit 43,3 AE eine bisher nie gekannte Distanz hatte. Zum Vergleich dazu ist unsere Erde mit 1 AE  (1 Astronomische Einheit = 150 Millionen km) eher recht gering von unserem Zentralgestirn entfernt.
Am Neujahrstag 2019 war es dann soweit. Pünktlich um 3 Uhr passierte New Horizons den inzwischen Ultima Thule genannten Himmelskörper. Die Passage war zuvor genau programmiert worden, denn bei einer Geschwindigkeit von 68.000 Stundenkilometern sind nachträgliche Korrekturen unmöglich: Die Sonde arbeitet im Encounter Mode und ist somit autonom. Die Aktion kann man sich so vorstellen: Man sitzt in einem ICE und soll einen Bahnhof vorprogrammiert fotografieren. Es muss also alles extrem genau ablaufen, wobei die Raumsonde selbst 225mal schneller ist als der ICE.
Doch alles passte hervorragend und die NASA-Ingenieure bewiesen ihre Steuerkünste.
Als Lohn konnten sie bereits 6 Stunden später – so lange sind die Bilder trotz Lichtgeschwindigkeit zur Erde unterwegs - hochinteressante Aufnahmen des bisher weit entferntesten Mitgliedes unseres Sonnensystems veröffentlichen. Es galt auch den Namen leicht zu korrigieren, denn da man einen Zwillingskörper auf den ersten Fotos entdeckte, wurde das Objekt mit dem Katalognamen 2014 MU 69 nun Ultima und Thule umbenannt. Inzwischen sind auch weitere hochauflösende Bilder veröffentlicht wurden, die zeigen, dass das Erscheinungsbild noch bizarrer als zunächst gedacht ist.
Wie die Mission New Horizons nun weitergeht, ist noch ungewiss. Der nukleare Reaktor kann bis 2035 noch soviel Energie produzieren, dass New Horizons im Standby –Modus arbeitet und durchaus zu einem noch weiter entfernteren Objekt unseres Sonnensystems umgeleitet werden kann. Damit heißt es also auch weiterhin: Auf zu neuen Horizonten.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Freitag 01.02.2019
65. Unsere Sonne ein unscheinbares Sternchen
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Die gleißend helle Venus bestimmt den Morgenhimmel. Ihre Reflexion des Sonnenlichtes überstrahlt die Sterne deutlich und selbst Jupiter, der rund eine Stunde nach dem „Morgenstern“ aufgeht, verblasst dagegen. Gemeinsam mit Antares aus dem Sternbild Skorpion bilden sie ein schön anzusehendes Dreieck.
Mars ist somit der einzig verbliebene Planet am Abendhimmel. Seine Position in Bezug auf Sonne und Erde ist nun schon so ungünstig, dass er sich nur durch seinen rötlichen Schimmer von den übrigen Sternen unterscheidet.
So beginnen nun die Wintersternbilder endgültig den abendlichen Himmel zu beherrschen. Schaut man sich die Liste der hellsten Sterne einmal genauer an, so fällt auf, dass derzeit nicht weniger als 12 der 32 glanzvollsten Sterne des Firmaments in einem recht überschaubaren Blickfeld zu erkennen sind. Mit etwas Wetterglück und freier Sicht sind sie allesamt innerhalb der Formation des Wintersechsecks zu beobachten. Das Wintersechseck fasst im Gegenteil zu anderen Formationen wie Sommerdreieck und Herbstviereck gleich sechs bekannte Sternbilder zu einer Ordnung zusammen, in dem man die strahlendsten Sterne der Sternbilder Fuhrmann, Stier, Orion, Großer Hund, Kleiner Hund und Zwillinge mit einer gedachten Linie verbindet.
Gegen 22 Uhr steht dabei hoch oben im Süden Kapella aus dem Sternbild Fuhrmann. Er ist der dritthellste Stern des Nachthimmels. Ihn flankieren der rötliche Aldebaran (vierzehnthellster) aus dem Stier und die Zwillingsobjekte Pollux und Castor (Rang 17 und 24). Unterhalb der unzertrennlichen Brüder überstrahlt sie mit Prokyon aus dem Kleinen Hund der achthellste Stern.
Unterhalb des Stieres wiederum zeigt sich dann mit dem Himmelsjäger Orion ein Sternbild der Superlative: Gleich fünf kräftige Lichtpunkte gehören zu den bereits erwähnten 32 hellsten Sternen. Allen voran „der Fuß des Kriegers“ Rigel (Rang 7), knapp vor der „verletzten Schulter des Kriegers“ Beteigeuze (Rang 10). Etwas weniger hell strahlen dann der zweite Schulterstern Bellatrix (Rang 27) und die beiden Gürtelsterne Alnitak und Alnilam (Rang 30 und 32). Alle werden allerdings von Sirius aus dem Sternbild des Großen Hundes noch übertroffen. Man erkennt die Nummer 1 der Sterne sehr deutlich an seinem gleißend weißen Licht. 
Man kann also konstatieren, dass nirgendwo am nächtlichen Himmel mehr helle Sterne zu sehen sind, als in diesem hexagonalen Großgefüge des winterlichen Himmels.
Um die scheinbare Helligkeit nachvollziehbar zu machen, wurde von babylonischen Astronomen schon vor über 4000 Jahren die Maßeinheit Magnituden oder auch Größenklassen eingeführt. Sie gibt an, wie hell Sterne, Planeten, der Mond oder die Sonne auf den Beobachter vergleichend erscheinen. Durch den englischen Astronomen Norman Robert Pogson wurde dann 1850 festgelegt, dass ein Stern der ersten Größenklasse genau einhundert Mal heller als ein Stern der 6. Größenklasse zu sein hat. Dieser wiederum sollte einhundert Mal heller sein als ein Stern der 11. Größenklasse. Man kann sich daher gut vorstellen, wie schwach die Sterne leuchten, die von den modernen Großteleskopen erfasst werden. Ihre Grenzgröße liegt inzwischen bei der 31. Größenklasse. Dies entspricht ein 1/100.000.000.000.000 der Helligkeit eines Sterns der 1. Größenklasse. Mit der Zeit verbesserte sich die Messgenauigkeit, sodass heute einige Objekte ihre Magnituden mit einem Minuszeichen versehen müssen, was in diesem Fall allerdings ein Hinweis auf die besonders große scheinbare Helligkeit ist. So erreichen der Sirius -1,5, die Venus -4,5, der Vollmond -11 und die Sonne sogar -27 Magnituden.
Doch diese Maßeinheit genügte den Astronomen letztendlich noch immer nicht. Sie führten die sogenannte absolute Helligkeit ein. Sie ist jedoch ein Wert, der nur theoretischer Natur ist, denn in diesem Fall werden alle Sterne – so auch die Sonne – gedanklich auf einen Abstand von 10 Parsek (32,6 Lichtjahre) versetzt. In dieser Skalierung liegen dann natürlich andere Sterne obenauf. Der Stern Deneb aus dem Sternbild Schwan wäre dann mit -7 Magnituden der hellste Stern am Himmel. Unsere Sonne hingegen wäre dann nur ein unscheinbares Sternchen der fünften Größenklasse.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Donnerstag 03.01.2019
64. Von Sonnenlicht und Mondschatten
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Das Herbstviereck und das Wintersechseck beherrschen nun den Anblick des abendlichen Himmels, denn der Mars entfernt sich immer weiter von der Erde, sodass der Grad der Reflexion des Sonnenlichtes ebenfalls geringer wird. Somit verblasst der rote Planet zusehends. Waren bereits Anfang Dezember die sonnennahe Venus und die abnehmende Mondsichel ein trautes Paar am Morgenhimmel, so werden im ersten Monat des neuen Jahres der Erdtrabant und der hellste Planet den Morgenhimmel gleich zwei Mal dominieren. Allerdings ist für diese Beobachtung schon am Morgen des Neujahrstages frühes Aufstehen gefragt. Gegen 6.30 Uhr wird die schmale Mondsichel oberhalb der Venus in relativ geringem Abstand zu sehen sein. Der abnehmende Mond bewegt sich dann aufgrund seiner wahren Bewegung von West nach Ost in 24 Stunden um etwa 13 Grad weiter, sodass er am darauffolgenden Morgen gut eine Stunde vor Sonnenaufgang dann „hinter“ der Venus zu betrachten sein wird.
Am letzten Tag des Monats Januar wird sich die schmale Mondsichel dann sogar zwischen die Planeten Venus und Jupiter schieben. Damit beginnt auch der Riese unter den Planeten seine ausprägte Morgensichtbarkeit. Allerdings wird der blasse Jupiter gegen die strahlend helle Venus weniger eindrucksvoll in Erscheinung treten, denn der „Morgenstern“ hat seine größte Elongation (Abstandswinkel) mit 47 Grad in Bezug zur Sonne erreicht. Das wiederum bedeutet auch, dass er dann mit -4,7 mag (Magnituden) seine größtmögliche Helligkeit erreicht.
Darüber hinaus ist er dann ein vortreffliches Objekt für die optische Beobachtung. Selbst mit einem Feldstecher ist seine „halbmondförmige“ Ausprägung zu erkennen. Dies ist dem oben erwähnten Abstandswinkel geschuldet, denn ähnlich wie bei unserem Erdmond prägt sich eine beleuchtete und eine unbeleuchtete Seite aus: Die eine Hälfte liegt im Sonnenlicht, während die andere im Schatten liegt.
Vielen Menschen ist die als Jahrhundertfinsternis bezeichnete Verdunkelung des Vollmondes vom 27.Juli des vergangenen Jahres sicherlich noch in guter Erinnerung. Kein anderes Himmelsspektakel hat in den vergangenen Jahrzehnten so viele staunende Beobachter auf die Wiesen und Felder außerhalb der Städte gelockt, nie war der begeisterte Nachhall auf ein solches Ereignis so groß. Was bei all der Euphorie vergessen wurde, ist der Fakt, dass nun im Januar erneut eine vollständige Verdunklung des Erdbegleiters erfolgen wird. Am Morgen des 21. Januars ist es dann soweit.
Man sollte dabei allerdings nicht verleugnen, dass diesmal die Betrachtung der Mond-Eklipse wesentlich unbequemer ist: Neben dem frühen Aufstehen und den damit verbundenen geringen Temperaturen wird auch das Betrachten selbst nicht einfach. Selbst im Moment der maximalen Verdunklung um 6.12 Uhr steht der Mond gerade einmal rund 20 Grad über dem Horizont, was von dem tapferen Beobachter einen freien Blick auf den selben verlangt. Auch diesmal ist die Stadt in ihrer himmelwärts strebenden Bebauung ein denkbar schlechter Beobachtungsstandort.
Mit Sicherheit wird in allen Veröffentlichungen zu der bevorstehenden Finsternis wieder der Begriff Blutmond verwendet werden. Diese Neuwortschöpfung hat absolut keinen astronomischen Hintergrund, denn vor wenigen Jahren ist dieses Unwort in Kreisen amerikanischer Esoteriker aufgekommen. Wie schon in den vergangenen Jahren werden diese wiederholt den Weltuntergang herbeireden. Doch wie schon in der Vergangenheit wird er – welch eine Überraschung - nicht eintreten.
Wer also am Morgen des 21. Januars tatsächlich die Zeit und Muße findet, sollte sich eher an den matten Rot- und Orange-Tönen des verfinsterten Mond erfreuen. Dann allerdings heißt es wirklich Abschied zu nehmen von den totalen Mondfinsternissen. Vor dem Silvestertag 2028 gibt es keine erwähnenswerte Möglichkeit dieses seltenen astronomischen Ereignisses.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Samstag 01.12.2018
63. Die Jagd ist eröffnet
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Satellit Kepler und Weltraumteleskop TESS
Nun kann man im Weihnachtsmonat den Übergang zwischen den Herbst - und Wintersternbildern selbst nachvollziehen. Mehr und mehr gewinnen die leuchtend hellen Sterne des Wintersechsecks an abendlicher Höhe und sind in südlicher Richtung ausgiebig zu betrachten. Allen voran unser Himmelsjäger Orion, flankiert von den beiden Hundssternen Sirius und Prokyon. Der rötliche Planet Mars verliert mehr und mehr an Glanz, denn sein Abstand zur Erde vergrößert sich zunehmend.
Dafür wird die Morgensichtbarkeit der hellen Venus immer ausgeprägter, da sie zu Weihnachten nun schon fast drei Stunden vor der Sonne aufgeht: Unser Weihnachtsstern leuchtet in diesem Jahr in der Frühe des Tages.
Einen Planeten in der Nähe eines fernen Sterns auszumachen ist aufgrund der schwachen Reflexion des Sternenlichtes mit der berühmten Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen zu vergleichen. Als vor 26 Jahren die sensationelle Meldung die Runde machte, dass erstmalig  Planeten bei einem anderen Stern nachgewiesen werden konnten, glich dies einer absoluten Sensation. Sicherlich war den Astronomen dabei klar gewesen, dass bei der schier unfassbaren Anzahl von nahezu 200 Milliarden Sternen in unserer Milchstraße auch eine unvorstellbar hohe Anzahl von Planeten fremde Sonnen umlaufen müssen, doch der beobachtete Beweis dafür stand noch aus. Dieser gelang dem polnischen Astronomen Alexander Wolszczan eher zufällig, denn sein Forschungsobjekt war ein Pulsar. Lange wurde der Inhalt dieser Veröffentlichung angezweifelt. Heute ist aber dieser eher zufällige Nachweis der ersten Exoplaneten anerkannt und das Gewicht der beiden Planeten mit rund vier Erdmassen vermessen.
Doch mit diesem ersten Objekt wurde auch gleichzeitig die Frage nach möglichem Leben auf diesen fernen Planeten gestellt. Dafür bedarf es allerdings gleich mehrerer Bedingungen: Zum einen sollte der Sternbegleiter mit einem perfekten Abstand um sein Zentralgestirn kreisen, der die Definition der habitablen Zone entspricht. Diese ist von dem mittleren Abstand der Erde von der Sonne ( rund 150 Millionen Kilometer oder 1 Astronomische Einheit) abgeleitet und sollte eine Toleranzschwankung von 10 Prozent nicht überschreiten. Zum anderen müssen atmosphärische Gegebenheiten mit geringen Temperarturschwankungen vorhanden sein. Letztlich sollte auch Wasser in flüssigem Zustand den Planeten großflächig bedecken.
Damit war die Jagd nach der Exoerde eröffnet. Bereits 1995 waren es Michel Mayor
und sein Mitarbeiter Didier Queloz, die bei dem Stern 51 Pegasi einen ersten Kandidaten ausmachten. Doch die Umlaufperiode von der 4,2 Tagen machte schnell klar, dass 51 Pegasi b kein lebensfreundlicher Exoplanet sein konnte. Auch in den Folgejahren wurden mehr und mehr dieser fernen Welten in unserer Heimatgalaxis aufgespürt. Aber eine zweite Erde war nicht darunter.
Mit dem Start des Satelliten Kepler im März 2009 stieg die Erwartungshaltung allerdings stark an, hatte doch dieser auf der Suche nach Exoplaneten spezialisierte Raumflugkörper einen entscheidenden Vorteil. Ungestört von der Erdatmosphäre konnte er seinen Blick auf eine Himmelsregion im Sternbild Schwan richten, um nach fremden Erden Ausschau zu halten. Und die Forscher wurden nicht enttäuscht. 2330 Exoplaneten konnte die Raumsonde nachweisen, bevor sie am 30.Oktober knapp 6 Monate vor ihrem zehnjährigen Jubiläum wegen fehlender Treibstoffreserven außer Dienst gestellt werden musste. Die wissenschaftliche Ausbeute ist also immens, doch die Antwort auf die Frage, wo nun die erste ferne Erde auszumachen wäre, ist ernüchternd: Gerade einmal drei Kandidaten können ernsthaft in die Auswahl einbezogen werden, wobei die Aussichten auf flüssiges Wasser auch hier recht gering sind. Mit dem Exoplaneten Kepler 186-f glaubte man schon, eine ferne Erde entdeckt zu haben (siehe Kosmos 06-15), doch auch hier musste man die hoffnungsvolle Botschaft revidieren.
Durch das kürzlich auf den Weg gebrachte Projekt TESS könnte sich dies allerdings schon bald ändern. Denn im Gegensatz zu der einseitigen Ausrichtung von Kepler auf das Gebiet im Sternbild Schwan wird dieser Hochleistungssatellit den gesamten Himmel abscannen. Vielleicht wird uns dann TESS neuen Welten erschließen.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Donnerstag 01.11.2018
62. Mond oder Mars?
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Der Monat November hat statistisch gesehen die wenigsten Beobachtungsnächte zu bieten, denn Nebel und Regen verhindern oft den klaren Blick. Dabei beginnt nach dem Ende der Sommerzeit eine 14 bis 15 stündige Nacht, die bereits vor 18 Uhr das Panorama des gestirnten Himmels freigibt. Noch immer ist dadurch auch das Sommerdreieck tief im Westen zu sehen, währenddessen das Herbstviereck im Süden dominiert. Bereits vor Mitternacht ist dann in südöstlicher Richtung das gesamte Wintersechseck mit dem Himmelsjäger Orion zu sehen. Da Saturn kurz nach der Sonne ebenfalls untergeht, ist der Mars in südlicher Richtung der einzige nennenswerte Planet, denn Uranus ist nur mit einem Fernrohr beobachtbar. Am frühen Morgen geht im Osten kurz vor der Sonne die Venus als Morgenstern auf.
In Zeiten, in denen sogar bayrische Spitzenpolitiker mit Bavaria One sich für die Weiten des Kosmos interessieren, sollte man doch eher einen kritischen Blick auf die Raumfahrt werfen.
Schaut man sich in der Branche um, so bemerkt man recht schnell, dass größtenteils vom dritten oder vierten Schritt gesprochen, oder besser gesagt, geträumt wird, obwohl der erste Schritt – nämlich der sichere Transport von Raumfahrern in den Erdorbit derzeit nicht möglich ist. Sicherlich hat der umtriebige Elon Musk mit seiner Firma Space One einige Erfolge vorzuweisen, doch auch er kann genau wie die russische Raumfahrtagentur Roskosmos derzeit keine Transporte zur internationalen Raumstation ISS durchführen. Nach dem letztlich missglückten Start der Sojus-Raumkapsel sind alle weiteren Starts in Baikonur untersagt.
Die Alternative wäre das neue Transportsystem Orion der amerikanischen NASA, doch wird dieses den alten Gemini-Kapseln der ersten Mondfahrer recht ähnliche Gefährt auch im Jahr 2019 nicht mehr als nur vier Testflüge unternehmen. Eigentlich kann man konstatieren, dass die großen Raumfahrtnationen momentan nicht in der Lage sind, mit dem Bringen und Abholen der ISS-Astronauten und Kosmonauten auch nur den Grundstandard der gemeinsamen Planungen zu erfüllen. Somit steht ein großes Fiasko im wahrsten Sinne des Wortes im Raum: Die ISS wäre verlassen und unbesetzt. Der jetzige Kommandant Alexander Gerst kann mit seinen beiden Gefährten den Aufenthalt in der Raumstation nicht beliebig ausdehnen, denn ihre angedockte Rücktransport-Kapsel ist nicht für einen Langzeitmodus ausgelegt. Übrigens ist auch von chinesischer Seite nicht mit Hilfe zu rechnen, denn deren Taikonauten leben und arbeiten abgeschirmt auf der Raumstation Tiangong 2. Auch sind die Systeme untereinander nicht kompatibel, da die chinesische Raumfahrtbehörde CNSA unter strengster Geheimhaltung arbeitet.
Hier stellt sich nun die Frage, ob vielleicht chinesische Weltraumpiloten als nächste auf dem Mond stehen könnten. Möglich wäre dies sicherlich bei dem nicht zu zügelnden Ehrgeiz der Asiaten, doch bewegt man sich dabei absolut im Bereich der Spekulationen. Wann und wer den Mond fast 50 Jahre nach der ersten Mondlandung wieder betreten wird, ist ungewiss.
Die Pläne eines Marsbesuchs oder gar dessen ständiger Besiedlung sind derzeit nicht über die Vorplanungsphase hinausgekommen. Wie einst bei der Vorbereitung der ersten Mondlandung ist man zwar derzeit dabei, mit allen erdenklichen Möglichkeiten nach sicheren Landeplätzen zu suchen, doch ein Starttermin steht nicht vor 2030 im Raum. Auch hier hätte in der gesamten Logistik zunächst der sichere Transport in den Erdorbit Priorität. Nur mit einem Beschleunigungsimpuls aus der Erdumlaufbahn heraus wäre TMI (Trans-Mars-Injection) möglich. Mit 11,2 Kilometern pro Sekunde (2. Kosmische Geschwindigkeit) würde es dann in Richtung des roten Planeten gehen. Sollten Landung und Aufenthalt problemlos verlaufen, würde dann mit TEI (Trans-Earth-Injection) der schwierigste Teil der Reise anstehen, gilt es doch die auf der Innenbahn schneller laufende Erde zu erreichen. Für dieses heikle Manöver gibt es definitiv nur einen Versuch.
Für unseren Weltraum-Alex bringt die Warteposition etwas ganz anderes mit sich: Zum ersten Mal wird er die Möglichkeit haben, sowohl Weihnachten als auch Silvester in der Schwerelosigkeit zu verbringen. Zwar ist er als Chef einer dreiköpfigen Mini-Crew nicht ganz so stark gefordert wie bei einer vollständigen Besatzung und der Fokus wird auf die Abarbeitung aller durchführbaren Experimente fokussiert sein. Vielleicht kann er von dort oben auch eine Neujahrsansprache halten. Bei seinem Weitblick würde sie garantiert interessanter und eindrucksvoller sein, als die der irdischen Politiker. 
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt


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Montag 01.10.2018
61. P Cygni – Ein schlafender Vulkan
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P Cygni im Sternbild Schwan: Kaum vorstellbarer 76-facher Sonnendurchmesser
Nun sind die Nächte bereits länger als die Tage und die herbstlichen Beobachtungsbedingungen erlauben uns bei bester Sicht in Richtung Süden den rötlichen Mars und den Ringplaneten Saturn knapp 15° über dem Horizont zu erspähen, wobei letzterer bereits gegen 22 Uhr untergeht. Das Herbstviereck, gebildet aus Sternen des Pegasus und der Andromeda gewinnt südöstlich langsam an Höhe. So ist das hoch über uns zu bewundernde Sommerdreieck mit seinen Hauptsternen Wega (Leier), Atair (Adler) und Deneb (Schwan) noch immer die wichtigste geometrische Figur am Abendhimmel.
Im Sternbild Schwan selbst verbirgt sich mit P Cygni der in der Geschichte der Astronomie wohl am häufigsten beobachtete Stern mit Helligkeitsschwankungen. Diese Unregelmäßigkeiten in der Energieabstrahlung sind oft ein Hinweis darauf, dass ein solcher Stern schon seinen letzten und somit finalen Lebensabschnitt erreicht hat. Einige ferne Sonnen dieser Art sind zu Berühmtheit gelangt, weil die Schwankungsperioden ihrer Helligkeit sehr genau bestimmt wurden und sie damit heute auch voraussagbar sind. Die bekanntesten Beispiele hierfür sind Algol aus dem Sternbild Perseus und Mira aus dem Sternbild Walfisch. Während Algol mit einer Periode von knapp drei Tagen sein Leuchten in relativ kurzen zeitlichen Abständen ändert und dadurch auch den Beinamen Teufelsstern erhielt, ist die Mira (lat.-wunderbar) mit 11 Monaten das bekannteste langzeitveränderliche Objekt. Aufgrund dieser gedehnten Helligkeitsänderung war er schon unseren Vorfahren ein Rätsel, so dass ihn im Jahre 1596 der friesische Pfarrer David Fabricius sogar als helle Sternexplosion beschrieb. 
Aber zurück zu P Cygni: Neusten Erkenntnissen zu Folge verbirgt sich hinter diesem Stern, den man bei guten Sichtbarkeitsbedingungen durchaus mit den bloßem Auge neben dem helleren Stern Gamma Cygni im Schwankreuz erkennen kann, ein wahres Energie-Monster mit einigen rekordverdächtigen Fakten.
Zunächst konnte nun seine Masse konkreter bestimmt werden: Er ist 25 mal schwerer als unsere Sonne. Daraus ergibt sich ein kaum vorstellbarer 76-facher Sonnendurchmesser. Würde er an Stelle unserer Sonne im Zentrum des Sonnensystems stehen, hätte er sich die Planeten Merkur und Venus bereits einverleibt und eine gigantische Sonne würde den Großteil des Himmels ausfüllen. Doch sehen könnte dies logischerweise niemand, denn dieser Stern hat die schier unvorstellbare 60.000 fache Leuchtkraft unserer Sonne. Damit gehört P Cygni der Klasse der Überriesen an und ist (damit) wohl der Kandidat Nr.1 für eine zukünftige Supernova. Nur noch wenige tausend Jahre werden vergehen, bis dieser Stern in einer gewaltigen finalen Explosion seine äußeren Gasschichten in den Kosmos hinaus katapultieren wird, während sein Inneres zum Neutronenstern mutiert. Die Wissenschaftler sind sich dessen recht sicher, denn zwischen 1600 und 1715 veränderte er massiv seine Helligkeit, um seitdem ähnlich einem schlafenden Vulkan auf den letzten Ausbruch zu warten. Woher stammt diese Sicherheit?
Der britische Astrophysiker Sir Arthur Eddington war es, der darauf hinwies, dass Sterne dieser besonderen Art beim Erreichen einer kritischen Leuchtkraft (Eddington-Grenze) unweigerlich verloren sind: Die eigene Schwerkraft reicht nicht mehr aus, um dem gewaltigen inneren Strahlungsdruck standzuhalten und so zerlegt sich der Stern selbst.
Bei der Entfernung von mehr als 5000 Lichtjahren könnte dieses Ereignis auch schon tatsächlich eingetreten sein, doch würden wir dies, trotz der Lichtgeschwindigkeit von 300.000 Kilometern pro Sekunde, erst 5000 Jahre danach erfahren. Es stellt sich natürlich dabei die bedrückende Frage, in wieweit wir von dieser kosmischen Katastrophe in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Doch hier kann man beruhigend voraussagen, dass dies für die Bewohner der Nordhalbkugel nicht mehr als ein spektakuläres Himmelsereignis mit bester Sicht sein wird. Diese Aufsehen erregende Supernova dürfte auch nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Es könnte morgen soweit sein oder halt in ein paar hundert oder tausend Jahren. Aus astronomischer Sicht also eher übermorgen. 
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
Autor: Siehe Artikel
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