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Inhaltsverzeichnis
52. Von Finsternissen und nähenden Kosmonauten

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51. Musikliebhaber im Sternbild Orion

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50. GW 170817 - Die erste beobachtete Kilonova

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49. Goodbye Cassini!

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48. Aristarchos von Samos – ein Copernicus der Antike

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47. Saros 145 kehrt zurück – Amerika in den Zeiten des abnehmenden Li...

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Montag 01.01.2018
52. Von Finsternissen und nähenden Kosmonauten
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Vorschau auf 2018: Komet S3 PANSTARRS; Sternschnuppenschauspiel, Mondfinsternis
In den ersten Tagen des neuen Jahres werden die prächtigen Sterne des Wintersechsecks das nächtliche Firmament bestimmen. Noch immer sind die Nächte lang und so wird unser hellster Nachtstern zum auffälligsten Objekt: Es ist der fast 10.000 °C heiße Stern Sirius im Sternbild des Großen Hundes. Deutlich zeichnet sich sein weißes Licht im Osten ab, obwohl es knapp 9 Jahre zu uns unterwegs war. Sein Funkeln ist der Tatsache geschuldet, dass das Licht, kurz bevor es unser Auge erreicht, durch die Atmosphäre stark verzerrt wird. Nur so ist sein ständiges Funkeln, die sogenannte Szintillation, zu erklären.
Die Planeten hingegen machen sich derzeit rar. Das wird sich aber im Laufe des Jahres ändern und einige interessante Konstellationen erwarten uns. So wird zum Beispiel die sehr helle Venus am 26. April im Sternbild Stier genau zwischen den Plejaden (Siebengestirn), den Hyaden (Regengestirn) und dem Hauptstern Aldebaran stehen. Da sich Venus bekanntermaßen verschiebt, spricht man hier von der seltenen Passage des Goldenen Tors der Ekliptik. Die Ekliptik wiederum als scheinbare Bahn der Planeten hält weitere Möglichkeiten des Aufsuchens unserer Nachbarn bereit. So werden Jupiter und Saturn im Laufe des Jahres wieder besser sichtbar sein und unser kleiner Bruderplanet Mars zeigt sich ausgiebig im Sommer. Wie immer ist das Aufsuchen des schnellen Merkurs ein kleines Abenteuer. Ende März ergibt sich die seltene Gelegenheit, den sonnennahen Planeten kurz nach Sonnenuntergang tief im Westen als leuchtendes Pünktchen zu erkennen.
Von den vier Finsternissen des Jahres wird in unseren Breiten nur eine sichtbar sein, diese „Jahrhundertfinsternis“ hat es allerdings in sich. Sollte am 27. Juli gutes Wetter herrschen, wird ab 21.30 Uhr mit 103 Minuten die längste totale Mondfinsternis des 21.Jahrhunderts zu bestaunen sein.
Eine Sternschnuppenschauspiel der besonderen Art wird es geben, wenn in der Nacht zum 12.August der Perseidenstrom die Bahn der Erde kreuzt. Zum ersten Mal seit langer Zeit stört kein Mondlicht die Beobachtung und bis zu 120 Meteore werden pro Stunde erwartet. Möglicherweise wird kurz zuvor ein anderes Phänomen den Abendhimmel beherrschen. Noch ist nicht klar, wie hell der Komet S3 PANSTARRS werden wird, doch eigentlich ist die Zeit reif für einen hellen Kometen am Nordhimmel.
Auch in der bemannten Raumfahrt steht 2018 ein großer Höhepunkt an. Der ESA-Kosmonaut Dr. Alexander Gerst wird zum zweiten Mal auf der Internationalen Raumstation zu Gast sein. Sein besonnenes Handeln beim Erstflug war ausschlaggebend dafür, dass man ihm diesmal sogar die Position des Kommandanten der ISS angetragen hat. Damit wird er der erste Deutsche sein, dem diese Ehre zu Teil wird. Bei seinem ersten Flug im Sommer 2014 hatte er auch besonderen Gag auf Lager: Nur wenige Minuten nachdem „unter“ ihm die deutsche Nationalmannschaft Fußballweltmeister geworden war, nähte sich Gerst einen Stern auf das Nationaltrikot, was übrigens keine leichte Aufgabe in der Schwerelosigkeit ist. Ob er nun genau vier Jahre später wieder zu Nadel und Faden greifen muss?
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Freitag 01.12.2017
51. Musikliebhaber im Sternbild Orion
Am 21. Dezember ist die Wintersonnenwende. Die Sonne erreicht mit gerade einmal 18° ihre geringste Mittagshöhe. Damit ist der kürzeste Tag erreicht. Von nun an werden die Tage wieder länger. Gleichzeitig sind dies auch die längsten Beobachtungsnächte des Jahres. Eine besondere Möglichkeit, sich den großen Stern-Formationen am Himmel zu widmen. Tief im Südwesten ist noch immer das Sommerdreieck mit Leier, Adler und Schwan zu erkennen. Im Süden hat das Herbstviereck mit Pegasus und Andromeda seine größtmögliche Höhe am frühen Abend erreicht. Im Laufe des Abends und der Nacht steigen dann mit dem Wintersechseck die prunkvollsten Sterne des Firmaments empor. Hoch oben zeigt sich Kapella aus dem Sternbild Fuhrmann in hellem Glanz. Links unterhalb sind deutlich die Zwillingssterne Kastor und Pollux zusehen. Rechts hingegen fallen der rötliche Hauptstern Aldebaran aus dem Stier ebenso auf, wie die funkelnde Sternengruppe des Siebengestirns. Unterhalb der Zwillinge sind markant einzeln stehende Objekte mit dem kleinen Hundsstern Prokyon und dem hellsten Nachtstern Sirius im Großen Hund zu erkennen. Allen voran aber steht der große Himmelsjäger Orion mit seinen auffälligen drei Gürtelsternen und den vier seitlich begrenzenden Schulter- und Fußsternen in seiner ganzen Pracht am Nachthimmel. Der rote Riese Beteigeuze ist dabei besonders auffällig, da er der hellste Stern ist, der innerhalb der Sechseckverbindung zu sehen ist.
Sein Name bedeutet soviel wie die „verletzte Schulter des Kriegers“. Ein Hinweis auf den mythologischen Hintergrund des Kampfes zwischen Orion und dem Himmelsstier Taurus. Der wütende Stier hatte den Jäger im Kampf schwer verletzt.
Das kleine Vorharzstädtchen Halberstadt hat mit dem „John Cage Organ Project“ eine musikalische Besonderheit zu bieten. Hier, im Kloster St. Burchardi, erklingt unter dem Titel "As slow as possible" das längste Musikstück der Welt. Genau 639 Jahre soll es auf einer speziellen Blockwerkorgel erklingen. Im Jahr 2000 war der Auftakt dieses ungewöhnlichen Projekts. Am 5.September 2020, dem 108.Geburtstag von John Cage, findet der nächste Klangwechsel statt.
Doch was hat dieses Projekt mit dem Stern Beteigeuze zu tun? Ganz einfach: Mit dem ersten Orgel-Klang sind deren Signale mit Lichtgeschwindigkeit in das uns umgebende Weltall gedrungen und haben sich so auch auf den Weg zum zweithellsten Orionstern gemacht. Sollten nun auf einem Exoplaneten im Beteigeuze-System intelligentes Leben existieren, so könnten sie nach 320 Jahren diese ersten Töne empfangen. Sicherlich gefällt den 3.000 Billionen Kilometer entfernten Musikliebhabern das Musikstück auch und sie lassen uns eine euphorische Nachricht zukommen. Doch ach, just in dem Moment, da uns ihre Nachricht nach wiederum 320 Jahren erreicht, ist der letzte Ton in der Klosterkriche gerade verhallt. Das Stück ist aus. Was ist daran so ungewöhnlich? Ein Musikstück und seine Klänge über 639 Jahre aufrecht zu erhalten, scheint nach irdischen Maßstäbe unvorstellbar lang zu sein, doch die mit der Lichtgeschwindigkeit von 300.000 Kilometer pro Sekunde übertragenen Informationen erreichen gerade einmal unsere allernächste Nachbarschaft in der Milchstraße: Was sind schon 320 Lichtjahre Entfernung zu Beteigeuze im Vergleich mit der gigantische Ausdehnung unserer Heimatgalaxis von 100.000 Lichtjahren? Von der Begeisterung in der mehr als 2,25 Millionen Lichtjahre entfernten Nachbargalaxis Andromeda ganz zu schweigen.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Mittwoch 01.11.2017
50. GW 170817 - Die erste beobachtete Kilonova
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Zum fünfzigsten Mal erscheint mit dem heutigen Datum ein Kosmos Artikel in KK. Ein kleines Jubiläum, doch dieser Artikel wird über die Geburtsstunde einer neuen Sparte der Astronomie berichten, die gleichzeitig einen weiteren Abschnitt dieser ältesten und vielleicht dynamischsten aller Naturwissenschaften einleitet.
Sie ist zurückzuführen auf ein Jahrhundertereignis, welches mit den Folgen der direkten Beobachtung der Supernova von 1987 vergleichbar ist oder, wenn man noch weiter zurück denkt, mit der einstigen Kopernikanischen Wende von 1543. Die bis vor kurzem noch als hypothetisch gehandelte Gravitationswellen-Astronomie wird sich als neuer und revolutionierender Wissenschaftszweig der Astronomie etablieren, da sie sich selbst mit zwei eindeutigen Beweisen aus dem Abseits der Theorie ins Zentrum katapultiert hat.
Aber der Reihe nach: Da waren zunächst die GRB`s, die großen Radioausbrüche, über deren Erscheinungen bereits in Kosmos 6-15 ausführlich berichtet wurde. Dann gab es im Januar 2017 die ersten Nachweise der Gravitationswellen durch die Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher und Anfang Oktober wurden die drei Wissenschaftler Rainer Weiss, Barry C. Barish und Kip Thorne, die maßgeblich die entscheidenden Voraussetzungen für diese Entdeckung durch die beiden LIGO-Detektoren geliefert hatten, mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.
Nach diesem grandiosen Erfolg der Gravitationswellenforschung wartete man eigentlich nur auf die endgültige und auch schon postulierte zweite Beobachtung eines Gravitationswellen-Phänomens. Dabei waren die vielen beteiligten Wissenschaftler aber extrem vorsichtig, denn vorschnelle Ergebnispräsentationen sind dann sehr gefährlich, wenn die Beweisführung nicht durch mehrfache und verifizierte Beobachtungen bewiesen werden kann. Die Gerüchteküche brodelte. Doch am 16.10.2017 ging man an die Öffentlichkeit: Die erste jemals identifizierte Kilonova sei eindeutig in den verschiedensten Bereichen der elektromagnetischen Strahlung detektiert worden.
Und dann die eigentliche Sensation: Bereits zwei Sekunden vor dem eigentlichen Ereignis kamen die Schwingungen der Raumzeit in Form der Gravitationswellen auf der Erde an und wurden sogar gleich dreifach identifiziert.
Doch was genau war passiert? Zwei Neutronensterne, die ja als Endprodukte der Entwicklung von Sternen mit mehr als acht Sonnenmassen gelten, waren sich in ihrem kosmischen Tanz so nahe gekommen, dass sie miteinander verschmolzen sind.
Was ist daran so neu? Hier liegen im Gegensatz zu der Verschmelzung Schwarzer Löcher konkret beobachtbare Objekte vor: Die beiden so vereinigten „Sternenleichen“, die mit ihren auf knapp 10 km Durchmesser komprimierten zwei Sonnenmassen zu den Exoten des Universums zählten, setzen Energien frei, die das irdische Maß völlig überschreiten: In nur wenigen Millisekunden wurde soviel Strahlung emittiert, wie unsere Sonne in ihrem gesamten Leben freisetzt. Ein schier unglaublicher Wert. So zeigte sich wieder einmal nachhaltig, dass der Kosmos noch heute voller Geheimnisse steckt und unsere irdischen Vorstellungskräfte bei weitem übertrifft. Vor allem wenn man bedenkt, dass diese Kilonova in der Galaxis NGC 4993 entsprechend ihrer Entfernung vor 170 Millionen explodierte. Zu einem Zeitpunkt also, wo an die Existenz des Menschen noch nicht zu denken war.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Sonntag 01.10.2017
49. Goodbye Cassini!
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Im Oktober werden die Tage nun deutlich kürzer. Bis zur Umstellung auf die Winterzeit in der Nacht zum 29. Oktober wird die Sonne schon gegen 17 Uhr untergehen. An wärmeren Abenden kann man dann schon recht früh den gestirnten Himmel bewundern, der nun mehr und mehr vom Herbstviereck beherrscht wird. Tief im Südwesten ist auch Saturn letztmalig in diesem Jahr zu sehen. Schon mit einem guten Feldstecher lässt sich sein Ringsystem gut erkennen, das sich momentan in Richtung Erde neigt.
Der Gasgigant war vor wenigen Tagen in aller Munde, endete dort doch die wohl erfolgreichste Planetenmission der Geschichte mit dem absichtlichen Verlust des Raumschiffs recht spektakulär. Aber der Reihe nach: Für Bill Clinton galt es im Jahr 1997 eine äußerst schwierige Entscheidung zu treffen. Die von der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA gebaute Raumsonde namens Cassini sollte nicht nur mit 30 kg Plutonium an Bord in Cape Canaveral starten, sondern zwei Jahre später bei einem sogenannten „Swing-By-Manöver“ in Erdnähe Schwung holen. Da beim fernen Saturn Solarpaneele für die Energiegewinnung nicht in Betracht kamen, war dieses kleine Atomkraftwerk die einzige Alternative. Eine Bürgerinitiative protestierte dagegen vehement, die Öffentlichkeit war alarmiert. Mit der Tochtersonde Huygens - gebaut vom europäischen Raumfahrtpendant ESA – befand sich zudem ein Partner an Bord. So waren auf amerikanischer wie europäischer Seite gehörige Mengen an Steuergelder in das jeweilige Projekt geflossen. Der Präsident der USA unterschrieb jedenfalls die Starterlaubnis.
Jetzt nach fast 20 Jahren kann man konstatieren, dass alle Sicherheitsbedenken unnötig waren, denn alle Parameter des Fluges und des Eintritts in den Saturnorbit liefen so perfekt, dass die nun Cassini-Huygens betitelte Mission mehrfach verlängert werden konnte. Schon die ersten Resultate, die Huygens vom größten Saturnmond Titan zur Muttersonde funkte, waren spektakulär: Der Riesenmond, der sogar etwas größer als der Planet Merkur ist, erfüllte alle Eigenschaften eines Planeten. Allein seine Erdgasvorkommen, die bei -180°C als riesige schwarze Methanseen sichtbar wurden, sind 200 mal größer als die der Erde. Doch dann entdeckte Cassini nicht nur Tausende von einzelnen Ringen, sondern ein nur 500 km Durchmesser aufweisender Mondwinzling namens Enceladus trat zunehmend in den Focus der Beobachtung. Eine völlig neue Form des Vulkanismus wurde dabei auf Titan entdeckt. Fast 50 verschiedene Vulkane lassen flüssiges Wasser an der Oberfläche sofort zu Eispartikeln gefrieren, die in riesigen Fontänen kilometerhoch aufsteigen. Noch sensationeller ist allerdings deren Ursprung. Er kann nur von hydrothermalen Quellen stammen, die ihrerseits von einem gigantischen unterirdischen Ozean gespeist werden. Flüssiges Wasser wiederum könnte der Ausgangspunkt von verschiedenartigsten Lebensformen sein, die sich in diesem Biotop, ähnlich wie in den Tiefseen der Erde, entwickelt haben könnten.
Diese Entdeckung allerdings war auch das Todesurteil für Cassini. Sie bei fehlendem Brennstoff unkontrolliert weiter fliegen zu lassen, wäre zu gefährlich gewesen, denn die dahin trudelnde Raumsonde hätte auf Enceladus stürzen können. Da nicht garantiert werden konnte, dass Cassini keimfrei ist und vor dem Start mit irdischen Mikroben verseucht wurde, hätte sie den Saturnmond kontaminieren können. So nutzte man die letzten Reserven des Raketentreibstoffs Hydrazin, um das immerhin 3 Tonnen schwere Gefährt in der Atmosphäre von Saturn verglühen zu lassen. Aber die Sonde erwies sich als besonders robust und zäh: Noch bis kurz vor dem Verglühen sandte sie Daten und Fotos der Saturnatmosphäre zur Erde und der letzte Funkkontakt war fast eine Minute länger als geplant. Trotzdem war es wohl für viele Forscher aus Europa und Amerika, die teilweise bis zu 30 Jahren an den Missionen beteiligt waren, ein wehmütige Abschied: Goodbye Cassini!
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Donnerstag 31.08.2017
48. Aristarchos von Samos – ein Copernicus der Antike
Deutlich bemerken wir, dass die Tage kürzer werden. Die Sonne kreuzt auf ihrer scheinbaren Bahn am 22.9. die Ekliptik, wir haben Tagundnachtgleiche und der Herbst beginnt. Für die abendliche Beobachtung der Sterne und Planeten ist dies natürlich förderlich. Allerdings sind nur Saturn in den Abend- und Venus in den Morgenstunden knapp zwei Stunden sichtbar. Ansonsten bestimmen die Sternbilder des Sommerdreiecks den Himmel. Von ihren Hauptsternen ist die Wega im Sternbild der Leier als erstes in der Dämmerung zu erblicken, doch Deneb im Schwan und Atair im Adler folgen bald.
Nicht erst mit Nicolaus Copernicus und seinem 1543 erschienenem Werk „Über die Umschwünge der himmlichen Kreise“ begann die Diskussion über die Sonne im Zentrum unseres Systems. Schon in der Antike gelangte ein griechischer Philosoph durch seine Beobachtungen zu der Auffassung, dass die Sonne der Mittelpunkt der Bewegung der Planeten sei: Es war Aristarchos von Samos (310-230 v.Chr.), der eigentlich der Schule des Aristoteles verpflichtet war. Dieser hatte die Erde als Mittelpunkt aller Bewegungen definiert und die idealen Kreisbahnen für alle umlaufenden Körper festgelegt. Doch Aristarchos besaß in Straton einen genialen Lehrer, den man den „Physiker“ nannte. Er war zwar auch ein aristotelischer Schüler, allerdings basierten seine Lehrauffassungen auf Experimenten und deren Beweisführung. Diese Methode übernahm Aristarchos. Seine Überlegungen und Berechnungen bezogen sich zunächst jedoch auf den Mond. Hierbei gelang es ihm den Beweis zu führen, dass die Erde die knapp dreifache Größe des Erdmondes hätte, was dem heutigen Wert von 3,67 schon recht nahe kam. Logischerweise erweiterte er seine Überlegungen auf die Sonne als den dritten Körper im Bunde. Sein Resultat, dass die Sonne somit rund 19 mal so groß wie die Erde sei, weicht vom realen Wert 109 zwar erheblich ab, trotzdem wurde dem von der Insel Samos stammenden Wissenschaftler klar, dass sich ein solch riesiger Körper schwer um die wesentlich kleinere und somit leichtere Erde bewegen konnte.
Doch genau diese Erkenntnis war der Ausgangspunkt für sein Scheitern, denn obwohl er eine vorurteilsfreie Interpretation seiner astronomischen Messergebnisse durchgeführt hatte, lehnte er sich damit eindeutig gegen die vorherrschenden Lehrmeinungen der großen Philosophen Platon und Aristoteles auf. Seine Gedanken waren – genau wie 1800 Jahre später bei Copernicus - einfach zu revolutionär, sie galten als respektlos und griffen die göttlich – vollkommene Ordnung direkt an.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist zu beachten, um den fehlenden Zuspruch seiner Gedanken zu begreifen: Er hatte nie eine eigene Schule, die sein Wissen durch Schüler hätte verbreiten können. So gerieten seine Anschauungen in Vergessenheit und er selbst war seinen Zeitgenossen eher durch die Erfindung einer sphärischen Sonnenuhr, der sehr beliebten Skaphe, bekannt.
Nicolaus Copernicus Lehren gerieten nicht in Vergessenheit, denn dafür sorgten die Verbreitungen seiner Schriften durch die Buchdruckkunst und der Beweis seiner Lehren durch Galileo Galilei, Johannes Keppler und Sir Isaac Newton.
Für den großen Reformator Martin Luther hingegen war der kühne Gedanke, die Erde könne sich bewegen, zu absurd und so verspottete der fortschrittlichste Theologe seiner Zeit den progressiven Vordenker Copernicus in einer seiner Tischreden als den „Narren der Astronomie“.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Dienstag 01.08.2017
47. Saros 145 kehrt zurück – Amerika in den Zeiten des abnehmenden Lichts
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Noch immer beherrscht den Planetenriese Jupiter den Abendhimmel. Kurz nach der Dämmerung erscheint er in südlicher Richtung gleich neben Spika, dem Hauptstern des Sternbilds Jungfrau. Ihr Name bedeutet soviel wie Kornähre, was ein Hinweis auf seine uralte Bedeutung als Erntestern darstellt. Die Jungfrau selbst wird als Beschützerin der Bauern und der Einbringung ihres Korns betrachtet. Saturn hat sich nun im Osten in die Nähe des Sternbildes Skorpion verlagert und ist in der Nähe des Hauptsterns Antares zu finden. Die Venus bleibt Morgenstern im Sternbild Stier.

In vielen Bundesstaaten der USA wird sich in diesem Monat ein außerordentliches Naturschauspiel beobachten lassen. Am 21. August wird quer durch das Land vom Pazifik bis zum Atlantik eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten sein.
Der Finsternisschatten, welcher mit einer Geschwindigkeit von mehr als 2400 Stundenkilometern „from Coast to Coast“ rasen wird, erlaubt es den Beobachtern, das Naturschauspiel teilweise mehr als zwei Minuten zu bewundern. Die sogenannte Mitte der Finsternis liegt dabei in der Nähe der Stadt Kansas City. Hier wird die maximale Verfinsterungszeit 2 Minuten und 40 Sekunden betragen. Auch andere Städte wie Salem (Oregon), Idaho Falls (Idaho), Casper (Wyoming), Lincoln (Nebraska), Nashville (Tennessee) und Columbia (Georgia) liegen in der Nähe der Zentrallinie und man rüstet sich dort entsprechend der Wetterprognosen schon jetzt auf einen enormen Besucheransturm. Insgesamt könnten bis zu 500 Millionen Menschen die Totalität betrachten, die durch den Kernschatten des Neumondes ausgelöst wird. Übrigens ist die Verdunkelung von Teilen der Erde einem Zufall der Natur geschuldet: Der Erdmond ist 400mal kleiner als die Sonne, doch ist die Sonne wiederum 400mal weiter von der Erde entfernt als unser Erdtrabant und nur so kann dieser sie zu 100 Prozent überdecken.
Die periodische Wiederkehr von totalen Sonnenfinsternissen ist schon seit der Zeit des babylonischen Königs Saros bekannt. Seine Hofastronomen waren aufgrund ihrer Berechnung zu der Erkenntnis gelangt, dass sich totale Eklipsen je nach Anzahl der Schaltjahre alle 18 Jahre und 10 bzw. 11 Tage wiederholen. Noch heute werden Finsternisse nach diesem Saros-Zyklus berechnet und vorausgesagt. Das nordamerikanische Ereignis gehört zum Beispiel zum Saros 145. Ein solcher Zyklus umfasst immerhin 71 Finsternisse in einem Zeitraum von 1270 Jahren.
Am 11. August 1999 war in weiten Teilen Deutschlands auf der Linie Stuttgart-München das Verschwinden des Sonnenlichts beobachtbar. Rechnet man nach, so wird schnell klar, dass auch die damalige kurzzeitige Lichtlosigkeit zum Zyklus Saros 145 gehörte. In Europa wird es erst wieder 2026 in Südspanien möglich sein, eine totale Sonnenfinsternis zu bestaunen. Schon ein Jahr später erwartet dann erneut Südspanien eine fast siebenminütige Jahrhundertfinsternis.

Bleibt zu hoffen, dass die amerikanischen Astronomen mit entsprechenden Hinweisen auf die Sicherheitsvorkehrungen bei totalen Sonnenfinsternissen und dem rechtzeitigem Anbieten und Vertreiben der sogenannten Finsternisbrillen soviel Erfolg haben werden, dass es selbsternannten Experten mit angelesenem Halbwissen nicht wie vor zwei Jahren in Deutschland gelingt, das Betrachten diese einzigartigen Naturerscheinung zu verteufeln oder gar zu verbieten.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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