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Echo
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Inhaltsverzeichnis
Gilching: Unterbiberger Hofmusik – Grenzenloses Wirken

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München: Lange Nacht der Museen - Ich-Befragung und Experimente mit Realitä...

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Landsberg: Duo Runge & Ammon - Emanzipiert

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Gröbenzell: Ventus Quintett & Clemens Zeilinger – Verschworene Gemein...

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Fürstenfeld: Latvian Blues Band – Soviel Feuer war selten

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Landsberg: Familie Flöz - Theater von hinten

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Samstag 14.10.2017
Gilching: Unterbiberger Hofmusik – Grenzenloses Wirken
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Foto: Lena Semmelroggen
Gilching. Einst präsentierte der Chiemgauer Wastl Fanderl im Fernsehen sein „Baierisches Bilder- und Notenbüchl“. Volks- und Stubenmusi, immer samstags, nachmittag. Heilige Zeit – meist der Großeltern. Denn es war nicht unbedingt die Musik, die in den 1960er Jahren junge Menschen begeisterte. Die wurden eher im Beat-Club fündig, ganz zum Argwohn wiederum der Eltern. Ob bei Wastl Fandl auch Franz Josef Himpsl und seine Unterbiberger Hofmusik damals hätten auftreten können? Schwer zu sagen, denn es waren völlig andere Zeiten, die sich seitdem tüchtig geändert haben. Auf jeden Fall wäre der Auftritt von Lehrer Himpsel und seiner erweiterten Familie zu einem mittelprächtiges Spektakel geraten. Denn was dieses Familienunternehmen samt Gästen musikalisch präsentiert, ist moderner und anarchischer als das meiste, was die Popszene heutzutage bietet. Dagegen ist diese, trotz ausgefeiltester Produktionstechnik, inhaltlich oft leer und blass.
Gestern Abend war die Unterbiberger Hofmusik jedenfalls zu Gast in Gilching und hat hier mit ihrem „DAHOAM und RETOUR“-Programm die Gilchinger Kulturtage mit Schwung eröffnet. Und besseres konnte den Verantwortlichen der Gemeinde nun wirklich kaum passieren. Denn die weitgereisten Unterbiberger zeigten auf, wozu Musik in der Lage. Grenzenloses Wirken in einer Zeit, in der das friedliche Miteinander von Kulturen und Befindlichkeiten nicht unbedingt zum Alltag gehört. Fünf Blechbläser, eine Akkordeonistin und ein Schlagwerker, die sich, von Oberbayern ausgehend, quer durch das südosteuropäische Europa spielen, sich den arabischen und den asiatischen Raum klanglich erschließen und das alles noch mit Jazz und Blues gewitzt anreichern. So etwas nennt man gelebte Freiheit, kosmopolitische Raffinessen auf der Grundlage der Volksmusik. Voraussetzung: Viel, viel Neugierde, keine Berührungsängste und ein großes Herz. Belohnt werden hierfür nicht nur die Akteure, sondern auch das Publikum. Zwar ist es nicht immer ganz einfach, den ungeraden Takten und manchmal verschroben wirkenden Harmonien zu folgen. Aber insgesamt ist die Vielfalt und Lebendigkeit zu spüren, die Offenheit und der Spaß, der von der Bühne ausgeht. Glasklares Satzspiel der Trompeten wechselt mit schneidenden Improvisationen, Vater Himpsls Gesang, als eine Art türkisch-arabaischer Sprachkurs vermittelt, treibende „Bässe“ (Horn & Tuba), aus der Luft gefilterte Akkorde und Harmonien und das rhythmische Dickicht des alles zusammenhaltenden Schlagwerks – das ist gelebte, oder sagen wir besser: Gespielte Demokratie. Wie gesagt, besser können Kulturwochen kaum eröffnet werden.
Jörg Konrad
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Mittwoch 11.10.2017
München: Lange Nacht der Museen - Ich-Befragung und Experimente mit Realitäten in den städtischen Kunsträumen
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Paul Albert Leitner: Self-portrait, Mailtand, Florida 2004
München: Lange Nacht der Museen am 14. Oktober 2017

Ich-Befragung und Experimente mit Realitäten in den städtischen Kunsträumen

Wer die Wahl hat, hat die Qual: Es ist schlichtweg unmöglich, alle Ausstellungsorte zu besuchen, die in der „Langen Nacht der Münchner Museen“ geöffnet sind. Man muss also eine Auswahl treffen, sich für eine Buslinie entscheiden, in einer historischen Tram durch die Stadt fahren – oder einfach zu Fuß gehen. Um 19 Uhr und um 21 Uhr beginnen in der Rathausgalerie zwei geführte Rundgänge zu zeitgenössischer Kunst in den städtischen Kunsträumen rund um den Marienplatz: Der erste Rundgang „take 3“ führt von der Rathausgalerie zu den Kunstarkaden und zuletzt in die Artothek, auch „take 2“ beginnt in der Rathausgalerie und führt dann ins MaximiliansForum.

„Ich ist ein anderer“ heißt die gemeinsame Ausstellung von Angela Fechter, Sandra Filic und Paul Albert Leitner in der Rathausgalerie – und dieser Titel umreißt gleichzeitig das, was auch andernorts in der aktuellen Kunst verhandelt wird: Es geht um Ich-Konzepte und Rollenzuweisungen, um Selbstbefragung und Selbstinszenierung, um das Spiel mit Realitäten, um Posen und natürlich um das allgegenwärtige Selbstportrait, neudeutsch Selfie.

Die 1967 geborene Angela Fechter, Fotokünstlerin und Absolventin der Münchner Kunstakademie,  lässt in ihren sorgfältig inszenierten Bildern eine Kunstfigur auftreten: ein kleines Mädchen mit einer langen schwarzen Perücke und Kleidern, die sie zur geheimnisvollen, meist gesichtslosen Kindfrau machen, zuweilen tritt sie auch zusammen mit einer erwachsenen Version ihrer selbst auf. Schauplatz dieser kryptischen Bildgeschichten sind einsame Berglandschaften oder verlassene Behausungen, dunkle Räume wie aus einer anderen Zeit und einer anderen Realität.

Sandra Filic wurde 1974 in Kroatien geboren und lebt in München, wo sie unter anderem bei Magdalena Jetelova studierte. Auch sie hinterfragt Rollenkonzepte und Schönheitsideale, lässt für die Arbeit „Fake“ ihr eigenes Gesicht digital überarbeiten, bis es zum austauschbaren Magazin-Face wird. Für die Fotoserie „Ausgeträumt“ ließ sie die Papierkleider einer Anziehpuppe aus ihrer Kindheit für das echte Leben nachschneidern und für die Videoserie „Modelle der Wirklichkeit“ inszenierte sie fiktive Lebensmodelle. Der Betrachter muss in kleine enge Kabinen schlüpfen, um dann gleichsam als Voyeur in befremdliche Welten zwischen Idyll und Elend zu blicken.

Und wie aus der Zeit gefallen wirken schließlich die Bilder von Paul Albert Leitner. Der 1957 geborene Innsbrucker verweigert sich der technologischen Entwickung ebenso wie allen Zeitgeist-Phänomenen. Seit Jahren bereist er die Welt und fotografiert sich selbst in unterschiedlichen, oftmals in durchaus skurrilen Posen und meistens in einem zitronengelben Anzug. Dafür verwendet er jedoch keineswegs ein Smartphone mit Selfiestick, sondern immer noch eine einfache Spiegelreflex-Kamera aus den Achtzigern. Ein Handy besitzt er ebensowenig wie einen Computer, sein künstlerisches Archiv besteht aus Negativen, Abzügen und Dias, außerdem aus Karteikarten, die er von Hand oder mit der Schreibmaschine beschriftet und dann in unzähligen Schachteln ablegt. Einige dieser Dokumentationen sind in Vitrinen ausgelegt.

Wie aus der Zeit gefallen wirkt auch der Ausstellungsraum selbst: In der Mitte der ehemaligen Kassenhalle des Neuen Rathauses plätschert noch heute ein Brunnen, das ehemals farbig bemalte Glasdach wurde nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs vereinfacht rekonstruiert. Auch die langen Schalterreihen zu beiden Seiten, an denen die Bürger der Stadt einst ihre Zahlungen zu leisten hatten, sind längst verschwunden.

Aus der Zeit gefallen scheint auch die Fußgängerunterführung am Ende der glitzernden Einkaufsmeile in der Maximilianstraße, auf deren Rolltreppenabgängen seit Jahren Pflanzen in Trögen wuchern. Das „MaximiliansForum“ wird seit Anfang der 1970er Jahre als städtischer Kunstraum genutzt. Im Oktober hat die Künstlerin Babylonia Constantinides den ohnehin schon düsteren Ort mit ihrem Environment „Schwarze Spiegel“ zum exemplarischen Schauplatz einer atomaren Apokalypse gemacht. Vor Ort sind in den letzten Wochen Videos entstanden, die Besucher, ausgestattet mit Tablets und Kopfhörern, in einer Art Parkour erfahren können.

Begehbar ist auch die Installation „Falsche Rücksichtnahmen“ von Verena Seibt und Thomas Splett in der Artothek: Zwischen Bühne und Wohnung, Tiergehege und Kinderspielplatz muss der Besucher sich selbst positionieren. Mit einem Video aus eigenen Aufnahmen und Youtube-Material geben ihm die 1980 geborene Seibt und der 1975 geborene Splett, die im echten Leben ein Paar sind und das Projekt mit einem Stipendium der Stadt München realisieren konnten, allenfalls Anregungen, wo individuelle Grenzen zwischen Ich und Wir, zwischen Frau und Mann, Mensch und Tier, Spiel und Ernst verlaufen könnten. In den Kunstarkaden, dem städtischen Laboratorium für junge zeitgenössische Kunst, wird das Künstlerkollektiv M8 in der Ausstellung „View on Dusk“ zu dem akustischen Experiment „Cosmic Giggle“ verschmelzen.

Katja Sebald
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Samstag 07.10.2017
Landsberg: Duo Runge & Ammon - Emanzipiert
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Landsberg. Der Jazz wird auch als die Klassik des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Das bedeutet, der Jazz ist, nach Jahrzehnten hartnäckigen Emanzipationsbestrebungen, endlich außerhalb seines Refugiums, als ein Teil der Hochkultur anerkannt. Insofern werden ihm heute nicht nur die Pforten der heiligen Musentempel, die bisher fast ausschließlich den hochsubventionierten Philharmonien und Sinfonieorchestern vorbehalten waren, zu recht geöffnet. Es kommt immer öfter vor, dass Instrumentalisten der Klassik sich bekannten und weniger bekannten Kompositionen des Jazz annehmen, und diese sehr individuell und befreit interpretieren. Umgekehrt gab es interessanterweise nie irgendwelche Berührungsängste.
Das Duo Runge & Ammon, gestern Abend Gast der Rathauskonzerte Landsberg, bewegt sich schon eine Weile im musikalischen Schnitt- und Spannungsfeld beider Stile. Und dies mit großem Erfolg. Der Cellist Eckart Runge und der Pianist Jacques Ammon verbinden die Stringenz klassischer Notationen mit der Freiheit zeitgenössischer Improvisationen auf eine sehr subtile Weise. So zeigte allein schon die Auswahl ihres Repertoires, mit welcher Offenheit bzw. mit welchem Anspruch sie die Fusion dieser beiden musikalischen Eckpfeiler der westlichen Musikwelt angehen. Und sie stellten sie nicht nur vergleichend neben-, sprich hintereinander. Bei ihnen gingen Georg Friedrich Händel und George Gershwin ineinander über, fanden Christoph Willibald Gluck und der Sinti-Swing eines Bireli Lagrene einige bemerkenswerte Gemeinsamkeiten. Und Chick Coreas Komposition „Spain“ kann man sowieso getrost als einen Genre übergreifenden Klassiker bezeichnen.
Runge, Gründer des weltweit gefeierten Artemis Quartett, kam an diesem Abend die Rolle des Stimmführers zu. Er schwelgte in den wunderbaren Melodien, mal hingebungsvoll berückend, mal raffiniert improvisierend. Seine Interpretationen der klassischen Vorgaben wirkten gelöst und frei, die der Jazzkompositionen vermittelten etwas von einer dringlichen Verspieltheit. Mit dem aus Chile stammenden Jacques Ammon, mit dem Runge schon seit über zwei Jahrzehnten gemeinsam musiziert, besitzt der Cellist einen Partner, der die Harmonien sicher setzt, der für all die unterschiedlichen Themen eine stabile Grundlage schafft. Und der auch selbst für kurze Momente zu brillieren versteht.
Überhaupt fiel auf, dass es, im Gegensatz zu vielen Jazz-Live-Einspielungen, keine langen solistischen Ausflüge gab. Im Vordergrund stand der Dialog beider Instrumentalisten. Gemeinsam zirkelten sie die tänzerischen Rituale, beherrschten fast blind die vielen Tempo- und Richtungswechsel, suchten eine ständige unvoreilige Übereinkunft und vermittelten letztendlich eine an Spannung und intuitivem Anspruch reiche Musik. Statt Pathos eine erfrischende und lebendige Interpretation, deren Transparenz und große Intensität das Publikum begeisterten. Selbst Astor Piazzollas Tango Nuevos entwickelten eine melancholische Magie, strahlten in einer suggestiven Schönheit und wirkten in diesem Kontext völlig klischeefrei. Ein anderes Beispiel für die faszinierende Zusammenarbeit der beiden Solisten war „Blue In Green“, einer der ganz frühen modalen Kompositionen des Trompeters Miles Davis und erstmals veröffentlicht auf dem legendären „Kind Of Blue“-Album. Runge und Ammon trieben die Reduktion der Interpretation dieses Stückes bis an die Grenze. Die extreme Langsamkeit und verinnerlichte Hingabe an das Thema gaben dem Stück einen beinahe tranceartigen Charakter. In derartigen Momenten hilft weder eine umwerfende Virtuosität, noch eine Steigerung des Tempos. Hier zeigt sich, wie ein Duo miteinander harmoniert, wie intim es miteinander korrespondiert. In solchen Momenten löst sich jeder Diskurs, wo das Komponierte aufhört und wo das Improvisierte beginnt, von selbst auf.
KultKomplott
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Sonntag 01.10.2017
Gröbenzell: Ventus Quintett & Clemens Zeilinger – Verschworene Gemeinschaft
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Es nennt sich zwar Holzbläserquinett, aber so ganz exakt ist die Bezeichnung dann doch nicht. Denn zur klassischen Besetzung dieses kleinen Orchesters gehört, neben der Flöte, der Oboe, der Klarinette und dem Fagott, auch das Horn. Und das Horn ist ein Blechblasinstrument. Hier handelt es sich wohl um jene Ausnahme, die jeder Regel zu eigen ist. Und aus diesem Grund benennt man diese Art der Instrumentierung einfacher und passender auch nur Bläserquintett. Gestern Abend war mit dem Vintus Quintett eines der bekanntesten und gefragtesten Bläser-Kammermusik-Ensemble zu Gast in Gröbenzell. Auf dem Programm standen mit Joseph Haydn ("Divertimento B-Dur Hob. II: 46, „Choral St.Antoni“") und Ludwig van Beethoven ("Quintett für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott Es-Dur op. 16") zwei sich zu Lebzeiten leicht rivalisierende Komponisten. Nach der Pause dann gab es die "Serenade d-Moll op. 44" von Antonin Dvorák in der Bearbeitung von Mordechai Rechtmann.
Wie Gabor Lieli kurz erläuterte, gehörte die Bläserkammermusik in der Zeit ihres Entstehens, Ende des 18. Jahrhunderts, zu einer Art Populärkultur. Sie hatte unterhaltenden, kurzweiligen Charakter, wurde auch auf öffentlichen Plätzen vorgetragen, ganz anders wie die sinfonische Literatur oder die Oper. Trotzdem sind für diese Besetzungen nicht nur kleine musikalische Kostbarkeiten entstanden, sondern auch die bekannteren und schon damals berühmteren Komponisten haben sich mit dem Bläserquintett im Laufe der Zeit immer intensiver beschäftigt und für dieses Genre etliche, eben bis heute aufgeführte Kompositionen geschrieben.
Ob das "Divertimento B-Dur Hob. II: 46, „Choral St.Antoni“" tatsächlich von Haydn stammt, ist nicht ganz verbürgt. Auf jeden Fall hat dieses heitere, vergnügliche (Divertmento = Vergnügen) Stück Johannes Brahms im November 1870 in Wien entdeckt und den „Choral St. Antoni“, ein österreichisches Pilger- bzw. Wallfahrerlied, für seine Haydn Variationen genutzt. Das Ventus Quintett, mit seinem insgesamt sonoren und sehr reif wirkenden Klangbild, zeigte sich schon hier als eine verschworene Gemeinschaft, bestehend aus fünf einfühlsamen Individualisten. Das Ineinandergreifen der verschieden Instrumentalstimmen bestach durch eine Komplexheit und feinsinnige Klangfarbenartistik. Auch dann, wenn der österreichische Pianist Clemens Zeilinger sich in die Runde mit einbrachte, zeigt sich das Quintett offen für dessen Inspirationen und schloss den vergrößerten Instrumentalkreis musikalisch perfekt. Klarheit und zugleich eine gewisse Leichtfüßigkeit beherrschte die Interpretation der Beethoven-Komposition. Wunderschöne Melodien, forcierte Marschthemen, rhythmische Originalität zeichneten Antonin Dvoraks "Serenade d-Moll op. 44" aus. In der Bearbeitung des langjährigen Solofagottisten des Israel Philharmonic Orchestra Mordechai Rechtmann, erhielt das Stück eine flüssige, fast vollmundige, auf jeden Fall lebendige Note. Romantische Emotionen ohne jegliche versüßende Sentimentalität beeindruckten, wie auch die dynamische Spannweite des gesamten Spiels von Isabella Unterer (Oboe), Moritz Plasse (Flöte), Gábor Lieli (Klarinette), Markus Hauser (Horn) und Christoph Hipper (Fagott).
KultKomplott
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Freitag 29.09.2017
Fürstenfeld: Latvian Blues Band – Soviel Feuer war selten
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Fürstenfeld. Lettland – die große Unbekannte. Auch was die Musikszene betrifft. Zwar war Riga vor wenigen Jahren Kulturhauptstadt Europas. Doch trotz einer langen wie spannenden Landesgeschichte weiß man in Mitteleuropa insgesamt nur wenig über diesen zentral-baltischen Staat.
Wohingegen die Letten sehr genau beobachten, was im Rest der Welt so vor sich geht. Und diese Beobachtungen fließen auch ein in die eigene, gegenwärtige Kulturszene. Die Latvian Blues Band ist so ein Beispiel hierfür. Da steht auf der einen Seite die eigene Volksmusik, traditionsreich, virtuos und atmosphärisch sehr positiv gestimmt. Auf der anderen Seite sind die sechs Musiker von richtig knalligem Südstaatenrock begeistert, sie haben einen hörbaren Bezug zu Gospel und Soul á la Ray Charles, sind begeisterte Improvisatoren und lieben mit Sicherheit den Spaß und Nonsens, den die Blues Brothers einst berühmt machten. Und das alles miteinander in Bezug gebracht – so konnte der gestrige Abend mit der Latvian Blues Band eigentlich nur ein voller Erfolg werden.
Sicher bedient sich das Sextett auch an manch abgedroschenem Klischees des mittlerweile altehrwürdigen Rock`n Roll Circus. Aber wer ihn mit derartiger Leidenschaft, Hingabe und Spitzfindigkeit zelebriert, der begeistert sein Publikum zu recht. Janis „Bux“ Bukovskis, Frontmann und Blues-Vollblut, bringt seine Botschaften auch ohne Mikro unters Volk. Und noch immer klingt seine Stimme in solchen Momenten beeindruckend vital und modulationsfähig. Seine Balladen sind wie der Schmelz zartbitterer Schokolade. Sehnsucht und Herzschmerz, routiniertes Geflunker und ohrwurmartige Eingängigkeit sind bei ihm nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite: Temperament, Musikalität und augenzwinkernder Größenwahn. Wenn er und Orgelspieler und Saxophonist Artis Locmelis richtig Gas geben, dann kocht der Saal. Die Band vermittelt Spaß und Freude und hat mit diesem musikalischen Gebräu ganze Erdteile begeistert. Selbst das verwöhnte Publikum beim Chicagoer Bluesfestival wollte die LBB nicht mehr von der Bühne lassen. Und auch In Fürstenfeld, bei Blues First, war es ähnlich. Soviel Feuer war selten.
Jörg Konrad
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Montag 25.09.2017
Landsberg: Familie Flöz - Theater von hinten
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Landsberg. Die Zahlen sind verwirrend: 3 Personen spielen mit 29 Figuren mindestens 6 Geschichten vor und hinter der Bühne in knapp 90 Minuten. Das Publikum ist sich anschließend einig: Einfach Großartig, dieses Theater von hinten! Dem Ensemble Familie Flöz ist mit dem Stück „Teatro Delusio“ am gestrigen Sonntagabend im Landsberger Stadttheater eine poetische Herausforderung und triumphale Meisterleitung gelungen. Bestes Beispiel für modernes humanistisches Theater. Denn im Mittelpunkt steht der Mensch, oder sagen wir besser: stumme Menschen, deren gesamtes Tun sich aus ihrer Körpersprache und ihrem Kostüm ableitet. Egal welchem sozialen Status sie angehören, egal welchen Geschlechts sie sind, egal welche sexuelle Ausrichtung sie leben, egal welchen persönlichen Geschmacks sie frönen. Das muss an einem denkwürdigen Wahlabend wie diesem auch einmal gesagt werden. Das "Teatro Delusio" als ein gleichberechtigtes Spiegelbild unserer Gesellschaft.
Die (mindestens) 6 Geschichten des Stückes sind eingebettet in eine Inszenierung, die das Publikum hinter der Bühne erlebt. Nichts da, von glitzerndem Scheinwerferlicht und perfekt gestalteter Rolle. Die Handlung gestaltet sich Backstage. Und vielleicht wird der eine oder andere anschließend auch kein Theater mehr erleben können, ohne an "Teatro Delusio" zu denken, wo das Geheimnisvolle öffentlich wird.
Grundlage für die unterschiedlichen Geschichten in dem von Michael Vogel inszenierten Stück, ist das Verschmelzen von Illusion und Realität. Da ist die Geltungssucht des einen Bühnenarbeiters contra der Tagträumerei seines Kollegen; da wäre der verwirrte erste Geiger des Orchesters, der den Orchestergraben vergeblich sucht; da haben wir Ruhmsucht und die unerwiderte Liebe als Motor des persönlichen Tuns; da ist die Geschichte des kleinen Theatergespenstes, das die gesamte Szenerie in Gang bringt und am Laufen hält und da haben wir das eigentliche (unsichtbare) Stück auf und das Sichtbare hinter der Bühne. Oder umgekehrt? Selbst Theaterleiter Florian Werner wird in dieses Konzept mit eingebunden. Er moderiert den Abend vor, oder ist es eher doch hinter der Bühne an? Hier wird mit verschiedenen Ebenen gespielt, wird Humor und (Selbst-) Ironie zum großen Thema. Es ist der befreite Blick von außen, der all dies möglich und vielleicht auch besser macht. Egal ob als Schauspiel, Singspiel, Slapstick, Clownerie oder Artistik. Poesie findet man überall auf der Welt. Die Kunst ist es, sie zu finden.
Jörg Konrad
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