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Inhaltsverzeichnis
Landsberg: Schwarzmann / Biron / Ben-Ari – Großartiges Zusammenspiel

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Landsberg: Ketil Bornstedt – Musik aus dem Diesseits

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Maisach: Michael Fix - Ein Magier der melodischen Geschlossenheit

3

Germering: Tim Allhoff Trio - Entflammbar

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Fürstenfeld: Big Daddy Wilson - Ein Bluesman aus der Champions League

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Fürstenfeld: Jazz First – Nicht mehr wegzudenken

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Montag 26.09.2016
Landsberg: Schwarzmann / Biron / Ben-Ari – Großartiges Zusammenspiel
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Landsberg. Heute scheint es selbstverständlich, dass Astor Piazzolla und sein Tango Nuevo in den Kanon der (Modernen) Klassik gehört. Dabei galt der Argentinier in seiner Heimat lange Zeit als eine Art Verräter. Die Zeitungen schrieben in den 1950er Jahren massiv gegen ihn an, die selbsternannten Kulturwächter betrieben Rufmord. „Die Musiker hassten mich. Sie hatten das Gefühl, dass ich ihnen ihren  alten Tango wegnehmen würde. Manchmal warteten auf der Straße vor meinem Haus zwei, drei Männer,  die mich verprügeln wollten. Der alte Tango, den sie liebten, war im Aussterben begriffen.“ Heute gilt Piazzolla, Dank seiner Restauration der Volksmusik, als Revolutionär, oder sagen wir Reformer – auch in seiner Heimat. Er hat den Tango in ein neues Format gepasst, in die Welt getragen und Argentinien damit, nach politisch schwierigen Zeiten, auch kulturell aufgewertet.
„Oblivion“, eine der bekanntesten Piazzolla-Kompositionen, beinhaltet all die Ingredienzien, die für den Tango Nuevo so typisch sind: Den straffen, treibenden Rhythmus mit seinen charakterisierenden Synkopierungen, die melancholisch-morbide Melodieführung und das lasziv verschleppte Tempo. Doch das Trio Gili Schwarzmann (Flöte), Mor Biron (Fagott) und Ohad Ben-Ari (Klavier) hat zu Beginn der Landsberger Rathauskonzerte am letzten Sonntag diese Komposition auf eine völlig andere Art interpretiert. In einer ruhig dahinfließenden Ballade entfaltete sich bei ihnen das Thema. Das Element des melancholisch Rauschhaften zugunsten einer berührenden Sinnlichkeit zurückgefahren. Ein idealer Einstieg, für diese eher ungewöhnliche kammermusikalische Besetzung.
Es folgten bis zur Pause dann Isaac Albeniz, dieser in deutschen Konzertsälen eher selten zu hörende Spanier, mit Teilen aus seinem faszinierenden Klavierzyklus „Iberia“ (in einer Bearbeitung von David Walter) und der heute fast vergessene deutsch-böhmische Komponist Erwin Schulhoff mit seinen 1919 entstandenen 5 Pittoresken (Bearbeitet von Ohad Ben Ari). Trotz der immensen Verschiedenartigkeit dieser Vorgaben, verstand es das Trio, die Gemeinsamkeiten dieser Stücke grandios herauszuarbeiten. Und das bedeutete in erster Linie, sich den Partituren mit ansteckender Lebendigkeit und Frische anzunehmen. Auf der einen Seite die Verschmelzung andalusischen Orientalismus mit der europäischen Klassik (Albeniz), auf der anderen Seite die sehr frühe Beschäftigung mit Foxtrott, Ragtime und  Jazz (Schulhoff). Beides meisterte das Trio in spieltechnischer Akkuratesse, hochkonzentriert, mit genügend Raum für kurze theatralische Einlagen, die aber der Ernsthaftigkeit des Musizierens nicht im Wege standen.
Nach der Pause dann Felix Mendelssohn Bartholdy mit seinem berühmten Trio d-moll op. 49. Eine berauschend schöne Komposition, die Robert Schumann, nach dem ersten Hören um 1840, als das „Meistertrio der Gegenwart“ bezeichnete. Hier kam das großartige Zusammenspiel der drei Instrumentalisten noch einmal zum Tragen. Jede Einzelstimme fand in einer unglaublichen dynamischen Spannbreite direkten musikalischen Kontakt zu seinem Nebenmann. Gili Schwarzmann jubilierte federleicht an der Flöte, bildete zugleich einen beeindruckenden Kontrast zum tief-nasalen Klangspektrum des Fagott. Beide interpretierten das wunderschöne Hauptthema in exzellenter Geschlossenheit, umspielten sich kindhaft naiv und schlugen auch dramatische Funken. Ohad Ben-Ari hielt am Klavier die Fäden in der Hand, korrespondierte zwischen Flöte und Fagott und steigerte immer wieder die Stimmung. Imponierend seine zart wehmütigen Einlassungen, die dem romantischen Ausdruck jedoch nicht all zuviel Raum ließen. Insgesamt eine großartige, Maßstäbe setzende Interpretation, voller Temperament, Leidenschaft und Zeitlosigkeit.
Jörg Konrad
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Sonntag 25.09.2016
Landsberg: Ketil Bornstedt – Musik aus dem Diesseits
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Landsberg. Achsel Vinding ist Pianist. Musik bedeutet für den 18-jährigen und seine Freunde alles. Sie ist ihre einzige Antwort auf die Fragen der Zeit. Gemeinsam schwelgen sie in Tönen und in Partituren, sind besessen von Ravel und Bartok und werden so zu Außenseitern in einer Zeit, als die Beatles und die Stones die Welt eroberten. Ihr Leben ist Widerstand und Leidenschaft gleichermaßen.
Ketil Bjornstad weiß wovon er schreibt. Der Norweger ist Autor und Pianist und „Vindings Spiel“, der vor gut zehn Jahren erschienene Entwicklungs- und Künstlerroman, besitzt starke autobiographische Züge. Zwar ist er selbst als Musiker heute nicht bei der von Aksel Vinding innig geliebten Deutschen Grammophon unter Vertrag. Dafür seit über zwei Jahrzehnten als zeitgenössischer Improvisator und Komponist bei ECM München. Mit verlässlichem Handschlag, wie für dieses Label üblich. 
Gestern war nun Bjornstad in Landsberg. Nicht zur Lesung, sondern als Solo-Pianist im Stadttheater. Ein erwachsen gewordener Aksel Vinding? Vielleicht. Wir wissen es nicht. Denn was Bjornstad spielte, war Klassik und Jazz. Strukturierte Improvisationen, die stark auf klassische Grundmuster innerhalb der Musik aufbauen. Begonnen hat er mit Mozart. Nein, eigentlich mit einem Griff ins Innenleben seines Flügels, wie einst die großen Avantgarde-Koryphäen. Aber genau zwischen diesen beiden Ansätzen bewegt sich Bjornstads musikalischer Kosmos. Klare Kompositionen und radikale Improvisationen. Diese beiden Pole bringt er zusammen, macht daraus ein geschlossenes System von großer Musik. Der Kontrapunkt als ästhetische Herausforderung. Musik, die bewegt, die vor Lebendigkeit pulsiert und atmet, die mitreißt und in ihrer ernsten Schönheit tief berührt. Und selbst dann, wenn er in die stille, verlangsamte Ballladenkunst eintaucht, verliert sein Spiel nicht die Transparenz, bleibt sein Anschlag klar und bestimmt, ist das Ergebnis spannend. Nichts triviales – nirgends.
Die Themen seiner Musik sind aus dem Diesseits. Keine verquasten Manierismen oder gesäuselter Romantizismus. Ähnlich seiner literarischen Hauptfiguren, die durch manches Tal sich kämpfen, um Kondition zu holen, für die Gipfel, auf denen sie letztendlich stehen. So ist das Leben und das macht auch die Musik des Keil Bornstedt so faszinierend. Sie ist ein Spiegelbild des Lebens und ganz große Kunst zugleich.
Jörg Konrad
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Samstag 24.09.2016
Maisach: Michael Fix - Ein Magier der melodischen Geschlossenheit
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Maisach. Fingerstylisten entwerfen akustische Stimmungsbilder. Ihre Kompositionen, und auch Improvisationen, sind in Töne gegossene Assoziationen, die sämtliche Stilnormen erfrischend über den Haufen werfen. Ob Jazz oder Klassik, Blues oder Folk, sie wildern in all diesen musikalischen Biotopen und lassen Neues entstehen. Auch Michael Fix macht hier keine Ausnahme. Warum sollte er auch? Gehört er doch mittlerweile zu den Besten und Virtuosesten seiner Zunft. Und diese Virtuosität, die ist das zweite akustische Merkmal der Gitarreros. Sie setzen ihre Saiten-Suggestionen in Hochgeschwindigkeit um, sind im Spiel derart schnell, das der Überblick, manchmal leider auch der Ausdruck verloren geht. Schwindelnd machende, emotionale Achterbahnfahrten, Temperaturstürze und Wechselbäder am laufenden Band.
Aber hier unterscheidet sich der Australier ein wenig vom Rest der Szene. Denn wie gestern im Räuber Kneissl Keller in Maisach zu erleben, ist er ein zurückhaltenderer, einfühlsamerer Gitarrist, der sein Spiel nicht allein einer sprunghaften Schlagfertigkeit unterordnet. Leichtfüßig bewegt er sich über das Griffbrett, spielt melodischen Blues und folkloristische Themen, singt eigene Songs und lässt eine Handvoll bekannter Themen aufblitzen. Bleibt aber bei sich. Manchmal spürt man, wie es in ihm brodelt, dass die musikalische Reise plötzlich Fahrt aufnehmen könnte, um im D-Zug-Tempo manche Stilbahnhöfe in wilder Hatz zu streifen. Aber er lässt es bei den Andeutungen, prahlt nicht mit akrobatischen Fingerfertigkeiten – obwohl seine Technik auf jeden Fall beeindruckend ist. Zum Beispiel fällt es ihm nicht allzu schwer, in einem Song den Bass- und den Melodiepart zu spielen, das Thema als Ausgangspunkt für kurze Improvisationsstippvisiten zu nutzen und dem ganzen mit einem Jazzbesen(!) noch einen schlagzeugähnlichen Rhythmus zu unterlegen. Ohne den Takt zu verstolpern. Ein Magier der melodischen Geschlossenheit, dieser Michael Fix. Von seiner Musik geht viel positives aus. Sie hat, trotz aller technischer Brillanz, Herz und sie fordert heraus. Zum Beispiel  Steven Ven, seinen Gitarre spielenden Gast aus den Niederlanden. Der verkörpert deutlicher den martialischen Techniker. Der macht aus der Bill Withers Ballade „Ain't No Sunshine“ eine knallige Funknummer und setzt überhaupt viel stärker als Fix auf den rhythmischen Fluss seiner Songs – samt aller gitarristischen Winkelzüge.
viktor b
Autor: viktor b
Montag 19.09.2016
Germering: Tim Allhoff Trio - Entflammbar
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Germering. Im Grunde sind alle drei Solisten. Bastian Jütte, der Schlagzeuger, hat erst vor wenigen Wochen seine neues Album „Happiness Is Overrated“ in Quartett-Besetzung veröffentlicht. Zudem erhielt er in diesem Jahr den Neuen Deutschen Jazzpreis, die einzige Auszeichnung in dieser Sparte, die per Publikumsvotum vergeben wird, 2013 den Jazz Echo. Andreas Kurz, einer der meistbeschäftigten jungen Bassisten der Münchner Szene, legte sein Debüt 2013 vor („Caught Into Something Turning“) und wird auch sonst nicht müde, sich zwischen altgedientem Swing und herausfordernder Avantgarde in die unterschiedlichsten Projekte einzubringen. Tim Allhoff, Pianist und in Augsburg geboren, erhielt hingegen schon 2011 den Echo Jazz und unter anderem 2013 den Bayrischen Kunstförderpreis. Angefangen als Autodidakt, studierte er später am Richard-Strauss-Konservatorium in München und schreibt heute, so ganz nebenbei, auch einmal Filmmusik für großes Hollywoodkino.  Drei junge, aufstrebende Instrumentalisten also, die sich 2008 entschlossen, gemeinsame musikalische Wege zu gehen und die ihrer Intention, Jazz spielend zu vermitteln, bis heute treu geblieben sind.
Mittlerweile ist das Tim Allhoff Trio mit Andreas Kurz und Bastian Jütte eine Erfolgsnummer. Drei CDs, die vierte erschient im kommenden Frühjahr und ungezählte Konzerte haben sie musikalisch zusammenwachsen lassen. In welcher Geschlossenheit und Qualität sie dies tun, wurde gestern Abend in Germering deutlich. In der beispielgebenden Reihe „Jazz It“ haben sie überwiegend Material ihrer kommenden Veröffentlichung vorgestellt. Musik, die sich zwischen großer Geste und stiller Poesie bewegt, die ebenso entflammbar ist, wie sie auch zum Innehalten einlädt.
Allhoff, von dem das meiste kompositorische Material stammt, ist ein Meister stilistischer Fusionen. Seine Songs bewegen sich zwischen virtuoser Klassik und minimalem Pop, seine Musik swingt wie die Hölle und begeistert in ihren Brüchen. Diese Vielseitigkeit ist beileibe nicht als Beliebigkeit zu verstehen. Zu tief dringt das Trio in das kompositorische Material ein, zu furios geraten die Improvisationen und zu anspruchsvoll gestalten sie die eingängigen, manchmal auch flüchtigen Melodien. Natürlich greift das Trio immer wieder auf die altbewährten Standards zurück, die Schlachtrösser des Jazz, die sie rhythmisch wie harmonisch nach allen Regeln der Kunst zerlegen und in einem völlig neuen Kontext erstrahlen lassen. Natürlich haben die jungen Wilden ebenso auch Modern Standards im Programm, von den eigenen Favoriten aus der Gegenwart, wie zum Beispiel Radiohead, oder einen Song der dänischen Band  Choir of Young Believers. Auch sie bekommen eine neue Fassade, werden frisiert, individuell zurechtgestutzt.
Trotzdem das Trio nach dem Pianisten benannt ist, klingt ihre Musik nach einer radikal-demokratischen Angelegenheit. All die Auslassungen, Verzögerungen, Verdichtungen, auch Vorwegnahmen und die Wachheit im Reagieren sind das Ergebnis eines hingebungsvollen, wie aber auch disziplinierten gruppendynamischen Prozesses. Hoffen wir, dass diesem Trio nie die Ideen und die Frische ausgehen. Dann ist noch weiter Großes zu erwarten.
Jörg Konrad
Autor: Jörg Konrad
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Freitag 16.09.2016
Fürstenfeld: Big Daddy Wilson - Ein Bluesman aus der Champions League
Fürstenfeld. Sie heißen „Little“, „Sunny“, „Blind“ und „Smokey“. Bluesmusiker bringen Teile ihrer Persönlichkeit über Namen zum Ausdruck und versuchen damit zugleich, jede Möglichkeit einer Verwechslung auszuschließen. So auch Wilson Blount, Sänger und Gitarrist aus North Carolina, der den Blues, nein, nicht in seiner Heimat, der Atlantikküste der USA, sondern in Deutschland, genauer in Bremen für sich entdeckte. Hier lernte er Ende der 1980er Jahre seine spätere Frau Anna und einen sehr speziellen Teil der bundesrepublikanischen Bluesszene kennen. Beide vermittelten ihm nach seiner autoritären Dienstzeit bei der Army das Gefühl von individueller Freiheit und die Gewissheit, eine wirkliche Heimat gefunden zu haben. So wurde aus Wilson Blount schließlich Big Daddy Wilson und die Show begann.
Gestern nun war das musikalische Schwergewicht schon zum zweiten Mal in Fürstenfeld und hat mit einem überzeugenden Auftritt die lange Sommerpause der Region beendet. Wilson besitzt die Stimme eines Kraftwerks, gepaart mit der feinen Sensibilität eines Seismographen. Sein tiefer Bariton entfaltet einen emotionalen Sog, der von jedem Raum Besitz ergreift. Sein Rüstzeug schulterte er weder in Chicago noch in Detroit, nicht in Memphis oder in Texas – den zentralen Kaderschmieden des klassischen Blues. Seine musikalische Selbstverwirklichung fand mitten in Europa statt. Und so beinhaltet das Programm von Big Daddy Wilson jede Menge Soul und Spirituels, auch Funk und Folk. Er baut mit seinen Partnern Cesare Nolli (Gitarre) und Paolo Legramandi (Bass)  in das an sich stabile Bluesgerüst elegante Querstreben aus Boogie und Reggae. Und seine Balladen klingen nach selbstbewussten Rhythm & Blues, die manche Charts bereichern könnten.
Am Schlagzeug hält Wilson den Groove gelassen, während seine italienischen Giterreros in spartanischer Zurückhaltung die tiefverschattete Seele des Blues beschwören. Die hintersinnigen Arrangements zeigen deutlich Wirkung, die leisen Töne widersprechen jedem Klischee. Sicher, zwischendurch können sie auch anders. Dann quält Cesare Nolli die Saiten seines Instruments, lässt sie aufheulen, schlägt wuchtige Akkorde, bis es schmerzt. Aber das sind Momente nur, Kontraste, die der Musik mehr Farbe geben und die Zeichen setzen. Im Vordergrund steht Wilson - stoisch, sympathisch, charismatisch. Ein Bluesman aus der Champions League.
Jörg Konrad
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Samstag 20.08.2016
Fürstenfeld: Jazz First – Nicht mehr wegzudenken
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Fürstenfeld. Wenn sich am 5. Oktober der Vorhang zur 23. Saison von Jazz First in Fürstenfeld hebt, wird dies zugleich das 123. Jazzkonzert dieser Reihe sein. 123. Mal zeitgenössische improvisierte Musik, das ist Erfolg und Verpflichtung zugleich. Was im Februar 2003 mit Chris Jarrett ganz zaghaft begann, ist heute zu einer der einflussreichsten Jazz-Veranstaltungen im süddeutschen Raum gewachsen und ein nicht mehr wegzudenkendes musikalisches Angebot auf internationalem Niveau.
Hinter Jazz First steht der Anspruch, vor allem europäische Musiker zu präsentieren, die sich im Laufe der Jahre von ihren amerikanischen Vorbildern völlig emanzipiert und eine gänzlich eigenständige Entwicklung eingeschlagen haben. Norbert Leinweber, Chef des Veranstaltungsforums Fürstenfeld, war von Beginn an offen und zuversichtlich für ein derartiges Projekt. Mit dabei seitdem auch Irina Frühwirt, die anfangs noch mit Dr. Manfred Frei von LOFT Music, sich später aber allein das Programm verantwortlich zeichnete. In der Vergangenheit haben im wunderschönen Kleinen Saal des Areals so überragende Instrumentalsiten wie Joachim Kühn, Bobo Stenson, Gianluigi Trovesi, Marcin Waselewski, Renaud-Garcia Fonds, Jakob Karlzon und viele andere gespielt.
Eingeläutet wird die neue Saison am 5. Oktober mit der britischen Sängerin Julia Biel. Sie hat in der Vergangenheit mit namhaften Popacts Alben aufgenommen, steht aber experimentellen Jazzprojekten ebenso offen gegenüber. Das macht es nicht immer leicht sie einzuordnen. Ihre Stimme „ …. ein geschmeidiges Organ, dessen unverkennbares Timbre irgendwo zwischen Billie Holiday (ein Vergleich, der sich hier wirklich aufdrängt) und Tracey Thorn (Everything But the Girl, Massive Attack) angesiedelt ist“, wie die NZZ schreibt. Und das Fachmagazin „Stereo“ prophezeite ihr im letzten Jahr: „Die Engländerin besetzt ihre eigene Soundnische und wird 2015 den verdienten Durchbruch im großen Stil schaffen“.
„Sie haben das Instrumentarium der 70er Jahre aus Omas Keller gekramt, um diese Lieblinge mit Zuckerbrot und Peitsche zu behandeln. Das Trio verwandelt den Klang der alten Kameraden zu einem explosiv-freshen Sound. Melodien für Millionen mit dem Sexappeal des Funk, der Kreativität des Jazz, dem Dreck des Blues und der Krassheit des Punk.“ Zu lesen auf der Seite des Trios Organ Explosion, das am 23. November in Fürstenfeld auftreten wird. Die jungen Musiker haben gerade ihr 2. Album bei Enja Records veröffentlicht und sind momentan so etwas wie die Lieblinge der Kritiker.
Mit ihrem ersten Album verblüffte sie südkoreanische Pianistin Younee 2014 die Klassikgilde. Ihre sehr persönlichen Interpretationen von Mozart, Beethoven, Rachmaninoff und Chopin klangen mal nach Rock`n Roll, mal nach Jazz, dann wieder nach Pop. Mittlerweile spielt sie eigene Musik, die ebenso vielfältig ist, wie sie Begeisterung hervorruft. „Younee ist ein musikalisches Phänomen. Das kann doch eigentlich nicht wahr sein. Ist es aber doch“, staunt die Musikzeitschrift JAZZTHETIK. „Von gesanglich-melodiös bis rockigfunkig erweckt die Pianistin stilsicher alle Facetten zum Leben, klassische Virtuosität und technische Perfektion inklusive. Eine erfrischende und lebendige musikalische Begegnung!“ ist in Crescendo, dem KlassikMagazin zu lesen.
Zur 23. Saison von Jazz First gehören noch die Konzerte am 15. Februar im kommenden Jahr mit dem Shauli Einav Quartet, einem der derzeit hochangesagten Jazzformationen aus Israel, der Soloauftritt des schwedischen Pianisten Martin Tingvall am 26. April und das Tango Transit Trio, das am 31. Mai zu Gast in Fürstenfeld sein wird.
Alle 6 Konzerte sind zu einem überaus günstigen Preis von je 13,50 Euro im Abo zu buchen. Mehr unter: http://www.fuerstenfeld.de/index.php?page_id=94
Autor: Siehe Artikel
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.