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Inhaltsverzeichnis
Fürstenfeld: Jazz First – Nicht mehr wegzudenken

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Fürstenfeldbruck: Henrik Moor – Avantgarde im Verborgenen

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Benediktbeuren: Apollon Quartett Prag – Gedämpfter Perfektionismus

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Fürstenfeld: Swan Lake statt Schwanensee

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Germering: Rosario Giuliani & Luciano Biondini - Rauschhaft

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Iffeldorf: Arcis Saxophon Quartett – In funkelnder Spielfreude

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Samstag 20.08.2016
Fürstenfeld: Jazz First – Nicht mehr wegzudenken
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Fürstenfeld. Wenn sich am 5. Oktober der Vorhang zur 23. Saison von Jazz First in Fürstenfeld hebt, wird dies zugleich das 123. Jazzkonzert dieser Reihe sein. 123. Mal zeitgenössische improvisierte Musik, das ist Erfolg und Verpflichtung zugleich. Was im Februar 2003 mit Chris Jarrett ganz zaghaft begann, ist heute zu einer der einflussreichsten Jazz-Veranstaltungen im süddeutschen Raum gewachsen und ein nicht mehr wegzudenkendes musikalisches Angebot auf internationalem Niveau.
Hinter Jazz First steht der Anspruch, vor allem europäische Musiker zu präsentieren, die sich im Laufe der Jahre von ihren amerikanischen Vorbildern völlig emanzipiert und eine gänzlich eigenständige Entwicklung eingeschlagen haben. Norbert Leinweber, Chef des Veranstaltungsforums Fürstenfeld, war von Beginn an offen und zuversichtlich für ein derartiges Projekt. Mit dabei seitdem auch Irina Frühwirt, die anfangs noch mit Dr. Manfred Frei von LOFT Music, sich später aber allein das Programm verantwortlich zeichnete. In der Vergangenheit haben im wunderschönen Kleinen Saal des Areals so überragende Instrumentalsiten wie Joachim Kühn, Bobo Stenson, Gianluigi Trovesi, Marcin Waselewski, Renaud-Garcia Fonds, Jakob Karlzon und viele andere gespielt.
Eingeläutet wird die neue Saison am 5. Oktober mit der britischen Sängerin Julia Biel. Sie hat in der Vergangenheit mit namhaften Popacts Alben aufgenommen, steht aber experimentellen Jazzprojekten ebenso offen gegenüber. Das macht es nicht immer leicht sie einzuordnen. Ihre Stimme „ …. ein geschmeidiges Organ, dessen unverkennbares Timbre irgendwo zwischen Billie Holiday (ein Vergleich, der sich hier wirklich aufdrängt) und Tracey Thorn (Everything But the Girl, Massive Attack) angesiedelt ist“, wie die NZZ schreibt. Und das Fachmagazin „Stereo“ prophezeite ihr im letzten Jahr: „Die Engländerin besetzt ihre eigene Soundnische und wird 2015 den verdienten Durchbruch im großen Stil schaffen“.
„Sie haben das Instrumentarium der 70er Jahre aus Omas Keller gekramt, um diese Lieblinge mit Zuckerbrot und Peitsche zu behandeln. Das Trio verwandelt den Klang der alten Kameraden zu einem explosiv-freshen Sound. Melodien für Millionen mit dem Sexappeal des Funk, der Kreativität des Jazz, dem Dreck des Blues und der Krassheit des Punk.“ Zu lesen auf der Seite des Trios Organ Explosion, das am 23. November in Fürstenfeld auftreten wird. Die jungen Musiker haben gerade ihr 2. Album bei Enja Records veröffentlicht und sind momentan so etwas wie die Lieblinge der Kritiker.
Mit ihrem ersten Album verblüffte sie südkoreanische Pianistin Younee 2014 die Klassikgilde. Ihre sehr persönlichen Interpretationen von Mozart, Beethoven, Rachmaninoff und Chopin klangen mal nach Rock`n Roll, mal nach Jazz, dann wieder nach Pop. Mittlerweile spielt sie eigene Musik, die ebenso vielfältig ist, wie sie Begeisterung hervorruft. „Younee ist ein musikalisches Phänomen. Das kann doch eigentlich nicht wahr sein. Ist es aber doch“, staunt die Musikzeitschrift JAZZTHETIK. „Von gesanglich-melodiös bis rockigfunkig erweckt die Pianistin stilsicher alle Facetten zum Leben, klassische Virtuosität und technische Perfektion inklusive. Eine erfrischende und lebendige musikalische Begegnung!“ ist in Crescendo, dem KlassikMagazin zu lesen.
Zur 23. Saison von Jazz First gehören noch die Konzerte am 15. Februar im kommenden Jahr mit dem Shauli Einav Quartet, einem der derzeit hochangesagten Jazzformationen aus Israel, der Soloauftritt des schwedischen Pianisten Martin Tingvall am 26. April und das Tango Transit Trio, das am 31. Mai zu Gast in Fürstenfeld sein wird.
Alle 6 Konzerte sind zu einem überaus günstigen Preis von je 13,50 Euro im Abo zu buchen. Mehr unter: http://www.fuerstenfeld.de/index.php?page_id=94
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Samstag 13.08.2016
Fürstenfeldbruck: Henrik Moor – Avantgarde im Verborgenen
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Fürstenfeldbruck. Diese Ausstellung ist ein Fest für alle Entdecker und ein Genuss für alle Liebhaber der Kunst. Denn mit „Henrik Moor – Avantgarde im Verborgenen“ gibt das Museum Fürstenfeldbruck einen in diesem Umfang bisher einmaligen Einblick in das Schaffen eines Malers, der mit freundschaftlichem Beistand und der Erfahrung eines Weltbürgers einem Unrechtssystem trotzte und dabei ein künstlerisch beeindruckendes Oevre schuf. Diese Werkschau vereint Arbeiten aus über vier Jahrzehnten, realisiert von einem Individualisten, der auf ständiger Suche war, und in dessen Schaffen sich die wechselvolle Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts widerspiegelt. Moor hat sich Zeit seines Lebens mit stilistischen und inhaltlichen Fragen innerhalb der angewandten Kunst auseinandergesetzt. Ein Unruhegeist, der sich von einzelnen Entwicklungen innerhalb der Kunstszene zwar sichtbar hat inspirieren lassen, doch dabei immer seinen eigenen Weg suchte. Nie hat er sich in irgendeiner Form auf eine „Mode“ aufgeschwungen, um dadurch den eigenen Erfolg zu forcieren. Was er geschaffen hat, ist das Ergebnis konzentrierten Arbeitens und der Leidenschaft für die Kunst schlechthin. Hinzu kommt eine Biographie, die in ihrer Spannung und Dramatik einem Drehbuch entstammen könnte.
Geboren wurde Henrik Moor 1876 in Prag. Der Vater war Opernsänger und Kantor verschiedener Synagogen, die Mutter Tochter eines jüdischen Holzhändlers. Mit nur neun Jahren zog die Familie Moor in die USA, wo sie drei Jahre lebte. Zurück nach Europa begann Henrik 1891 das Studium der Malerei in London, besuchte zwischenzeitlich auch eine private Kunstschule in Paris. 1884 setzte er sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München fort. Nach seiner Heirat mit Eleonore Eugenie Wolff siedelte die kleine Familie, mittlerweile war Tochter Gertrud Erika geboren, nach Fürstenfeldbruck über.
Zwischenzeitlich war Henrik Moor an ersten Ausstellungen im Münchner Glaspalast und der „Secession“ beteiligt. Auch als Portraitmaler wurde er geschätzt, was ihm half, Beziehungen aufzubauen und wirtschaftlich zu überleben. Er war Mitglied verschiedener Künstlervereinigungen und beantragte mehrmals die bayrische Staatsangehörigkeit, die ihm und seiner Familie 1929 auch zugesprochen wurde.
Obwohl jüdischer Abstammung, die er lange Zeit verbergen konnte, wurde Moor 1934 Mitglied der Reichskulturkammer. Auch in den darauffolgenden Jahren gelang es ihm, Dank der Hilfe vieler Freunde und Verehrer, seine Identität zu verschleiern, so dass er 1937 sogar eine eigene „Schule für zeichnende Künste und Malerei“ in München kaufte und erfolgreich leitete, bis er 1940 an einem Blinddarmdurchbruch starb.
Die im Museum Fürstenfeldbruck ausgestellten Werke geben einen breiten und vielfältigen Einblick in ein von Farbe und Musik gekennzeichnetes Leben. Seine Arbeiten faszinieren aufgrund ihrer erfrischenden Nähe zum Impressionismus. Zugleich lassen sich deutliche Anleihen zum deutschen Expressionismus erkennen. Hier beeindrucken sie durch eine spürbare Entschlossenheit in der Umsetzung und durch ihre stimmungsaufwühlende Farbgebung. Seine Portraits zeigen Haltung und Mut zum Experiment. „Apokalyptische Reiter“ ziehen auf einem seiner Bilder, welches 1930 entstand, in eine abstrakte Schlacht, deren Intensität mit den Händen zu greifen scheint. Moor, selbst ausgezeichneter Cello-Spieler, hat immer wieder die Gefühlswelt der Musik bildhaft zum Ausdruck gebracht. Den Atem der Harmonie in farbige Kompositionen umgesetzt, den raumfüllenden Tanz der Noten in filigranen Figuren dargestellt. Musik als bunte, ausufernde Bildarchitektur. Musik als ungezügelte, sichtbare Leidenschaft. Die Landschaften leben in einer eigenwilligen, von Zartheit und derber Natur bestimmten Dynamik. Und immer wieder treibt Moor die Abstraktion voran, löst er sich vom Formalen und stößt in andere, suggestive Welten vor, wie das „Motiv aus Fürstenfeldbruck“, das um 1926 entstand. Hier wird sein Drang, künstlerisches Neuland zu erobern, vielleicht am deutlichsten spürbar. Ein begeisterndes Spiel von Farben und Formen, von Flüchtigkeit und tiefer Verwurzelung. Diese Ausstellung ist Überraschung und Erlebnis gleichermaßen.
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Sonntag 07.08.2016
Benediktbeuren: Apollon Quartett Prag – Gedämpfter Perfektionismus
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Benediktbeuren. Gunter Schuller war es, der zu Beginn der 1950er Jahre den für damalige Verhältnisse absolut abenteuerlichen Versuch unternahm, Jazz und Klassik unter einen Hut zu bekommen. Dabei war es überwiegend die zeitgenössische Jazzmusik, im Stile des Bebop und des Cool Jazz, der er sich annahm, um diese dann mit „Kunstmusik“ zu verzahnen. So entstand unter Schullers Führung der sogenannte Third Stream. Flächendeckend durchgesetzt hat sich diese Art des Musizierens bis heute nicht. Doch es gab immer wieder großartige Komponisten (John Carisi, John Lewis, Rolf Liebermann), die in diesem Bereich Nachhaltiges schufen.
Weitaus häufiger findet man heutzutage Formationen, die in ihrer instrumentalen Zusammensetzung den Spagat zwischen Jazz und Klassik wagen. Ob diese Symbiose rein ästhetisch immer aufgeht, lassen wir einmal offen. Auf jeden Fall ist diese Art des Musizierens recht erfolgreich (geworden), wie der Auftritt des Apollon Quartett aus Prag am gestrigen Abend im Rahmen der Iffeldorfer Meisterkonzerte im Barocksaal des Kloster Benediktbeuern zeigte.
Schon allein die Repertoirezusammenstellung machte deutlich, dass sich hier musikalische Welten gegenüberstehen, die aber innerhalb eines Konzertes mehr Gemeinsames als Trennendes zum Ausdruck bringen sollten. Aber Pavel Kudelásek (Violine), Radek Kři¸anovský (Violine), Pavel Ciprys (Viola) und Pavel Verner (Violoncello) fanden tatsächlich in der Fülle verschiedenartiger Ansätze eine stilistische Balance. Wenn man noch dazu weiß, wie sehr Miles Davis den böhmischen Schlachtersohn Antonin Dvorak schätzte, wie intensiv sich Pat Metheny mit klassischer Musik beschäftigt und das Oliver Nelson sich nie scheute, bei seiner Musik den Eindruck zu hinterlassen, dass diese im klassischen Sinn durchkomponiert war und er diese zu dirigieren verstand, schmelzen die Unterschiede langsam aber sicher dahin.
Beeindruckt hat vor allem das unkonventionell differenzierte Spiel des Quartetts. Mal tänzerisch beschwingt, mal schwer melancholisch, versuchte es die Oberfläche der Kompositionen zugunsten deren Tiefe zu durchbrechen. Nach der barocken Eröffnung mit Frantisek Xaver Richters „Streichquartett C-Dur op. 5“ kam schon der erste Höhepunkt des Abends. Antonin Dvoraks „Streichquartett F-Dur op. 96“, auch das „Amerikanische“ genannt, schrieb Dvorak 1893 in den USA. Zu einer Zeit also, in der der Jazz in Form des Ragtime noch in den Kinderschuhen steckte und man noch nicht zu ahnen wagte, welchen Siegeszug er einmal antreten sollte. Das "Streichquartett F-Dur" wurde schon mit einem Bezug zu synkopierter Rhythmik geschrieben, die vom Apollon Quartett besonders im 1. Satz hörbar waren. Man spürte volksmusikalische Anteile, die aber geographisch nicht immer ganz zu orten waren. Mal klingen slawische Melodien durch, mal sind es mehr nordamerikanische Ansätze, bis hin zu Spiritual-Verweisen. Der 2. Satz (Lento) ist eine melancholische Offenbarung. Die Prager Streicher verstanden es ausgezeichnet, die nachdenklich-poetische Stimmung in den Vordergrund zu stellen, dem Ineinandergreifen der verschiedenen Stimmen (die dem Rufen eines Vogels, Ornithologen meinen dem Scharlachtangaren, wohl nachempfunden wurde) eine dramatische Note zu geben und damit der Musik eine Art klangliches Fernweh vermittelte. Die beiden letzten Sätze zeugten von Dvoraks Temperament und seinem Können, dynamische Gegensätze miteinander in Beziehung zu bringen, ja, sie auf der Grundlage von maßloser Klangschönheit zu vereinen.
Nach der großartigen „Pflicht“ im ersten Teil, kam nach der Pause die „Kür“. Und auch sie wurde zu einem klanglichen Erlebnis, das dem gedämpften Perfektionismus des Quartetts zu verdanken war.. Oliver Nelson „Stolen Moments“, eine der meist gespielten Standards des Jazz, faszinierte in seinem klaren Aufbau. Ein langsamer Blues, getragen von einer wunderschönen Melodie, die das Apollon Quartett wie eine klassische Komposition interpretierte. Das schmissige „Seven Steps To Heaven“ von Miles Davis bekam ein sehr eigenwilliges, aber passendes Arrangement, das einen klugen Ausgleich zwischen Rationalität und Gefühl anstrebte. Dizzy Gillespies „A Night in Tunesia“ ist ein frühes Beispiel für den Einfluss kubanischer Musik in den Jazz. Die übereinandergelegten polyrhythmischen Riffs der Komposition explodierten in diesem Quartett auch ohne Schlagwerk bzw. Perkussion und schufen eine Art exotische Stimmung. Zu erwähnen auch die Selbstverständlichkeit, mit der sich die einzelnen Mitglieder des Quartetts den Improvisationen stellten. Hier wirkte nichts angestrengt, ängstlich geschweige unsicher.
Das Publikum nahm diese musikalische Herausforderung als eine Erweiterung des klassischen Ansatz begeistert an. Es erklatschte sich einige Zugaben und machte damit deutlich: Musik kennt keine Grenzen.
Jörg Konrad
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Samstag 30.07.2016
Fürstenfeld: Swan Lake statt Schwanensee
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Fürstenfeld. Es ist der Klassiker schlechthin, wenn es ums Ballett geht. Schwanensee, dieses märchenhafte Faszinosum aus tänzerischer Bewegung und ergreifender Musik, das ganze Generationen begeisterte und an dem sich tausende von Balletttänzern, manchmal voller Verzweiflung, bis heute weltweit abmühen. Ein Großteil dieser kapriziös getanzten Figuren vermitteln den Charakter einer Hochleistungskultur, die von arrivierter Körperbeherrschung lebt und dem Alltag weit entrückt scheint. Dada Masilo, Shootingstar der südafrikanischen Tanzszene, hat sich diesem Bühnenwerk angenommen und mit ihrer Dance Factory Johannesburg ein vitales Tanzspektakel inszeniert, das gestern im Rahmen des ersten Tanzfestivals DanceFirst in Fürstenfeld aufgeführt wurde.
Auch in ihrem Swan Lake trugen die Akteure fast durchweg Tutus, doch die Handlung des Geschlechterspiels wurde von Dada Masilo unverkrampft neu interpretiert. Und auch der musikalische Rahmen ging weit über Pjotr Iljitsch Tschaikowskis Originalkomposition hinaus.
Die Bühne erbebte in einer Mischung aus Entertainment und Operettenklamotte, aus klassischem Pas de deux und traditionellen Ritualtänzen, aus Streetdanceszenen und Ausdruckstanz. Mit unsäglichem Temperament, Erotik, aber auch Respekt vor dem Original wurde die Liebesgeschichte auf eine ganz eigene Art erzählt, die das Thema der Unterschiedlichkeit von Lebensweisen, Auffassungen und auch Kulturen begeisternd zum Ausdruck brachte. Unkonventionell wurde zusätzlich Musik von Rene Avenant, dem Minimalisten Steve Reich und für die Schlussszene von Arvo Pärt ("Spiegel im Spiegel") eingebaut und auch hier der festzementierte Rahmen förmlicher Weltanschauungen weggesprengt. Eine gute Stunde lang begeisterte dieses (humorvolle) Feuerwerk aus Körperbeherrschung und Stilfusion das Publikum.
Am heutigen Samstagabend wird die Dance Factory Johannesburg und Dada Masilo das DanceFirst-Festival in Fürstenfeld mit dem Klassiker „Carmen“ beenden. Norbert Leinweber, Chef des Veranstaltungsforum, ist mit dessen Verlauf vollauf zufrieden: „DanceFirst war ein voller Erfolg! Der Besucherzuspruch hat unsere kühnsten Erwartungen weit übertroffen: Drei Veranstaltungen waren ausverkauft, alle anderen Abende zu über 90 % ausgelastet. Besonders freut mich, dass wir hierbei auch viele neue Kulturfreunde auf Fürstenfeld aufmerksam machen konnten. Insofern spricht sehr viel für ein weiteres Tanzfestival im Veranstaltungsforum in 2018.“
Autor: Jörg Konrad
Samstag 23.07.2016
Germering: Rosario Giuliani & Luciano Biondini - Rauschhaft
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Foto Biondini: Michelle Ettlin
Germering. Als Rosario Giuliani 2001 das Album „Luggage“ herausbrachte, schien ein Star geboren. Dabei war dies die schon siebte Veröffentlichung des Italieners. „Luggage“ war aber anders als seine Vorgänger. Expressiver, virtuoser, verwegener. Wie ein Wirbelwind deklinierte der Altist das kleine und das große Einmaleins des Bop. Er stürzte sich kopfüber in die eigenen Kompositionen und die wenigen Standards. Seine orkanartigen Chorusse waren Balsam für jeden Jazzpuristen alter Prägung. Zugleich war Giuliani für kurze Zeit Richtschnur des Handelns vieler junger, nicht nur italienischer Saxophonisten, die bis dato glaubten, Jazz sei eine Art Altherrenmusik. So halsbrecherisch schön wollten auch sie klingen!
Natürlich kann Giuliani auch anders – ohne dass seine Musik dabei an Spannung einbüßt. Am Freitag war der aus der Kleinstadt Terracina, südlich von Rom stammende Instrumentalist zu Gast in Germering. An seiner Seite - der Akkordeonspieler und Landsmann Luciano Biondini. Beide spielten sich und das Publikum in eine Art Rausch und machten das 80.(!!) Konzert der Reihe „Jazz It“ zu einem besonderen musikalischen Erlebnis.
Es wurde ein italienischer Abend, in dessen Mittelpunkt Melodien von Nino Rota und Ennio Morricone standen, zwei Komponisten also, deren Soundtracks zu den eingängigsten und zeitlosesten Evergreens der Filmgeschichte gehören. „La Strada“, „La Dolce Vita“, „Once Upon A Time In America“, „Cinema Paradiso“ sind nicht zuletzt aufgrund ihrer Musik fest im kollektiven Gedächtnis verankert und oft schon mit den ersten Takten zu erkennen.
Giuliani und Biondini näherten sich von unterschiedlichen Ausgangspunkten dieser Musik. Hier der Alt- und Sopransaxophonist, vom Jazz kommend, den Jazz verkörpernd. Swing, Hardbop, Blues, alles packte Giuliani wohldosiert in die Interpretationen. Er verließ die Themen zugunsten manch abenteuerlicher Abkürzung, er hatte den Mut, die Formen aufzubrechen und zum Beispiel eine Ballade mit druckvoller Improvisation auf eine andere musikalische Ebene zu heben. Oder in dem er in langen Tongirlanden das Thema umspielte, es erweiterte, es kompensierte oder in neue Richtungen lenkte.
Auf der anderen Seite Luciano Biondini. Sein Instrument verkörpert wie kaum ein anderes einen traditionellen, volksmusikalischen Bezug. Und von dieser mehr südeuropäischen Warte aus näherte er sich den bekannten Kompositionen und hatte dabei seinen musikalischen Partner immer fest im Blick. Biondini umschiffte jede Melodienseligkeit, setzte mehr auf melancholisch-sprudelnde Poesie und erfrischende folkloristische Bezüge. Er brachte sein Instrument zum atmen, zum singen, er öffnete harmonische Räume, die wie freundliche Einladungen an Rosario Giuliani klangen.
Gemeinsam fanden sie eine transparente musikalische Sprache, in der sie sich traumwandlerisch verstanden, in der sie sich ergänzten, aber auch individuell respektierten. Der emotionale Sog, der von dieser Musik ausging, berührte wohl jeden im Saal. Besonders an diesem Abend.
Autor: Jörg Konrad
Sonntag 17.07.2016
Iffeldorf: Arcis Saxophon Quartett – In funkelnder Spielfreude
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Iffeldorf. Das ein „einzelgängerisches Instrument“, wie Roger Willemsen das Saxophon einmal bezeichnete, sehr wohl als ein dienendes und solierendes Gruppen-Instrument eingesetzt werden kann, ist im Jazz längst kein Geheimnis. In der Klassik hingegen gibt es nicht allzuviele, die es sich trauen, diese Klangcharakteristik mal vier zu nehmen und sich damit sowohl dem Barock, als auch der Moderne zuzuwenden. Eine Gruppe junger Wilder aus München hatte diesen Mut und gründete vor Jahren das Arcis Saxophon Quartett. Mit Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxophon rücken Claus Hierluksch, Ricarda Fuss, Claudia Jope und Jure Knez seitdem einem breiten Repertoire zu Leibe und kreieren auf diese Art Konzerte, die in ihrer Komplexität einfach nur beeindrucken. Gestern Abend war das Arcis Saxophon Quartett zu Gast in Iffeldorf und brachte die „Konzerthalle“ vor Ort so richtig in Stimmung.
Begonnen hat alles mit Johann Sebastian Bach und dem dreisätzigen Italienischen Konzert. Wunderbar das Ineinandergreifen der verschiedenen Saxophonstimmen, das feinsinniges Spiel mit der verflochtenen Melodik. Elegant, virtuos und beseelt. Mit Alexander Glasunows Quartett für 4 Saxophone fand ein Stück Eingang ins Repertoire, das speziell für die Holzblasinstrumente geschrieben wurde. Mit großen Melodienbögen eröffnete das Quartett dieses Stück, das sich in der Folge der drei Sätze hörbar an Dvorak, Brahms, Schumann und Chopin anlehnt und damit wie eine Reise durch die Musikgeschichte wirkt.
Nach der Pause dann György Ligetis Sechs Bagatellen, die der vielleicht bekannteste Vertreter der Moderne 1953 eigentlich für ein Bläserquintett geschrieben hat. Federnd verspielt, als ein Verweis an Bartoks von ungarischer Volksmusik beeinflusste Musik, die rhythmischen Verschiebungen. Beeindruckend die dynamische Bandbreite. Erkki-Sven Tüürs Lamentatio für Saxophonquartett ist eine bewegende, minimalistische Komposition, die vom ASQ mit Zurückhaltung und berückender Hingabe umgesetzt wurde. Ein Stück voller Trauer und Dramatik.
Nachdem Adolphe Sax das Saxophon in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts entwickelte, gab es  schon erste Versuche den Klang dieses durchdringenden Instruments in der Klassik zu etablieren. Hector Berlioz, später George Bizet und auch Claude Debussy bauten es in ihre Kompositionen vorsichtig, manchmal sogar als kleine Solostimme, mit ein. Seine Hochzeit erlebte das Instrument dann aber im Zeitalter des Jazz. Im Dunstkreis der verräucherten Jazzclubs begann sein eigentlicher Höhenflug. Und auf genau diese Entwicklung verwies das letzte Stück des Abends. Ein Potpourrie der bekanntesten Melodien aus der Oper „Porgy And Bess“ von George Gershwin. Hier konnte das Quartett musikalisch Vollgas geben. Jubilierend und syncopierend wurden die großen Hits wie „It Ain`t Necessarily So“ und natürlich das melancholische Wiegenlied „Summertime“ vollmundig interpretiert. Dabei wurde noch einmal der ganze kontrastierende Tonumfang der verschiedenen Saxophone lebendig deutlich und die funkelnde Spielfreude, mit der sich die vier jungen Musiker ihrer Obsession widmen. Ein Finale, das einfach begeisterte.
Autor: Jörg Konrad
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.