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7. Martina Filjak „Light & Darkness / Works by Franz Liszt“
8. North Mississippi Allstars „Up And Rolling“
9. Peter Brötzmann „I Surrender Dear“
10. Olivia Trummer & Hadar Noiberg „The Hawk“
11. Maria Mendes „Close To Me“
12. Ruth Maria Rossel „Back 2 The Ruth“
Donnerstag 09.01.2020
Martina Filjak „Light & Darkness / Works by Franz Liszt“
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Auf ihrem neuen Album widmet sich die Pianistin Martina Filjak fast ausschließlich dem ungarisch-österreichischen Komponisten, Pianisten, Dirigenten, Theaterleiter, Musiklehrer und Schriftsteller Franz Liszt. In ihm findet die Kroatin genau die klangliche Vielfalt, die ihr persönlich liegt und deren Formenreichtum ihrer bemerkenswerten Spieltechnik entgegen kommt.
Entschieden hat sie sich bei der Zusammenstellung des Repertoires überwiegend für Kompositionen, die einen starken Bezug zum Vokalen aufzeigen. So, das von einem Gedichtband von Alphonse de Lamartine angeregte „Miserere, d'après Palestrina“, welches zudem auf einer 400 Jahre alten Komposition Palestrinas fußt. Oder die „Réminiscences de Lucia di Lammermoor“, nach der erfolgreichen Oper der Gebrüder Donizetti.
Martina Filjak gelingt es, eine wunderbare Balance zwischen den pianistischen Spitzfindigkeiten Liszts, seiner musikalischen Eingängigkeit, sowie seiner befeuernden Spiritualität zu finden. Sie spielt klar, mit präzisem, manchmal glühendem Anschlag, ohne das ihr Ausdruck allein von der sich anbietenden Virtuosität nährt. Ihre Interpretationen besitzen etwas bittersüßes, einen unterschwellig melancholisch angehauchten Zauber, wie er bei Liszt nicht unbedingt vermutet wird. Diese unprätentiöse, geradlinige und zugleich auch gefühlvolle Herangehensweise Martina Filjaks gibt den Kompositionen, egal, ob auf säkularer oder eher geistlicher Grundlage, eine sehr diesseitige, lebendige Note. Ein stattliches, kräftigendes Hörvergnügen, bei dem „Für Alina“ von Arvo Pärt als Zugabe am Ende der CD wie eine Empfehlung aus fernen Welten wirkt.
Jörg Konrad

Martina Filjak
„Light & Darkness / Works by Franz Liszt“
Edition Hänssler
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Donnerstag 02.01.2020
North Mississippi Allstars „Up And Rolling“
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Die North Mississippi Allstars gehören schon seit Jahren zum Besten, was die energiereiche Kreuzung aus Blues, Rock, Soul und Gospel zu bieten hat. Gegründet von den Brüdern Cody und Luther Dickenson 1996 im beschaulichen Städtchen Hernando, südlich von Memphis gelegen, findet in dieser Band stilistisch zusammen, was eine ganze Landschaft visuell und kulturell prägt: Unendlich lange Straßen, despotische Landschaften, mürrische Einzelgänger und Eigenbrötler, erbarmungslose Sonnentage, ein raues Leben inmitten dieser herben Schönheit.
NMA haben sich ihr musikalisches Rüstzeug Live erspielt, auf langen Touren durch den Süden der USA und hin und wieder auch auf europäischen Festivals. Diese Tourerfahrungen haben das Quintett inhaltlich geprägt und zusammengeschweißt – abgesehen von einigen wenigen Besetzungsänderungen.
Mit „Up And Rolling“ produzierten Dickenson & Co nun ihr absolutes Meisterwerk. Ein Album wie aus einem Guss. Kantig, melodisch, provokant und mitreißend. Inspirieren lassen haben sich die Musiker für diese Einspielung von den großartigen Bildern des texanischen Fotografen Wyatt McSpadden, der seit fast drei Jahrzehnten die Hill Country Blues Szene in Mississippi dokumentiert.
Die musikalische Grundlage dieser furiosen Einspielung bildet das Bass-Schlagzeug-Duo. Beinahe blind bewegen sich Trommler Cody Dickenson und Bassist Carl Dufrene durch das rhythmische Dickicht der Kompositionen. Manchmal gradlinig rockend, manchmal locker swingend, manchmal im Shuffle Groove des Blues. Über diese treibenden Metren legen Luther Dickenson und einige Gastmusiker schnaufende Gitarrenakkorde, spielen schneidende Slide-Solis, verhangen melancholische Balladenbegleitungen und liefern sich virtuose Saitenduelle. Gekrönt wird diese Aufnahme von Mavis Staples, die ihren einstigen Hit „What You Gonna Do“ (geschrieben und erstmals veröffentlicht 1965) ordentlich aufpeppt und der hier wie neu klingt.
Und wenn der Bandzug erst einmal richtig Fahrt aufgenommen hat, und das passiert schon gleich im ersten (Gospel-) Song „Call That Gone“, dann blüht die Seele dieser Musik auf, dann bekommt das Bewusstsein Flügel und der Puls des Lebens einen gewaltigen Groove.
Jörg Konrad

North Mississippi Allstars
„Up And Rolling“
NewWestRecords / Pias-Rough Trade
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Montag 23.12.2019
Peter Brötzmann „I Surrender Dear“
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Peter Brötzmann, Saxophonist, Graphiker und Maler, gehört zu den Free-Jazz-Pionieren in Europa, hat aber in einem Interview mit dem Jazzpodium schon 1968 die Wichtigkeit der Tradition betont: „Ich beziehe mich durchaus auf die Dinge, die King Oliver vor 50 Jahren gemacht hat“.
Das war über die Jahrzehnte sicher nicht immer und für jeden akustisch nachvollziehbar. Denn Brötzmann spielte laut und intensiv, hat dabei die Musik aus engen Strukturen befreit, ihre Grenzen erweitert und ist damit zu neuen Klang-Ufern vorgestoßen. Neben revolutionären Alben wie „For Adolphe Sax“ oder „Machine Gun“ hat der heute 78jährige im Laufe seiner langen Karriere auch immer wieder Soloalben vorgelegt. Saxophon-Solo-Aufnahmen? „Man wird - ob Du magst oder nicht – durch all die verschiedenen Arten von Aktivitäten gezwungen, jedenfalls geht es mir so,  sich auf sich selbst zu besinnen und herauszufinden, was ist mit Dir los? Und dazu benutze ich ganz gerne, alle paar Jahre, eine Soloproduktion“, erzählte er in einem Interview 1997.
Gut zwei Jahrzehnte später war der aus Wuppertal stammende Künstler in Wien und hat in der österreichischen Metropole die Titel für sein jetzt erschienenes Album „I Surrender Dear“ aufgenommen. Doch anders als in der Vergangenheit besteht das Repertoire nur aus wenigen freien Improvisationen. Brötzmann hat sich überwiegend Kompositionen seiner Favoriten vorgeknöpft und diese dann auf seine ganz individuelle Art interpretiert. Mit dabei sind unter anderem „Lady Sings The Blues“ von Herbie Nichols und Billie Holiday, „Con Alma“ von Dizzy Gillespie, „Sumphin'“ von Sonny Rollins und das augenzwinkernde „Brozziman“ seines liebsten Pianisten der „Neuzeit“, von Misha Mengelberg. Und natürlich das Titelstück, der unsterbliche Standard  „I Surrender Dear“, einst gesungen von Bing Crosby und Ray Charles, gespielt von Django Reinhardt, Harry James und Count Basie.
Auch wenn Peter Brötzmann noch heute davon spricht, wie stark ihn einst Coleman Hawkins und Ben Webster beeindruckt haben, klingt das vorliegende Album mehr nach einem gezügelten Brötzmann. Und der hat dann immer noch genügend Ecken und Kanten, er formuliert mit rauchigem Sound gradlinig, zeigt sich als ein gebremstes Energiebündel, das seine Erfahrungen und Einflüsse mit dem Alter wohl etwas anders ordnet als bisher. Die Melodien bleiben bei ihm einzelne Fetzen, die sich jedoch gegenseitig ergänzen und ein gegenständlicheres Klangbild entwerfen. Hier geht es nicht allein um Intensität, sondern, ja, man glaubt es kaum, um die Schönheit und die Ästhetik des individuellen Klanges, um Sensibilität und Innerlichkeit.
Jörg Konrad
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Samstag 14.12.2019
Olivia Trummer & Hadar Noiberg „The Hawk“
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Olivia Trummer und Hadar Noiberg entwickeln auf ihren Instrumenten zauberhafte Stimmungen, verspielt und von berückender Schönheit. Ihre gemeinsame Musik auf „The Hawk“ will dabei in so gar keine Schublade passen - und das ist absolut positiv gemeint. Das Album verströmt einen Hauch Jazz, das Fundament ist eindeutig der Klassik zugehörig, manche Melodien sind eingängig wie ein Popsong. Es sind Klänge, die melodiöse Sehnsüchte befriedigen und gleichzeitig auch den Mut zur dissonanten Herausforderung nicht scheuen. Statt grüblerischer, weltverzagter Töne klingt das gesamte Album erfrischend selbstbewusst, strahlt eine gewisse Mühelosigkeit und fließende Spontanität aus.
Dabei haben die Stuttgarter Pianistin und die israelische Flötistin eher zufällig ihre gemeinsame musikalische Sprache und Seelenverwandtschaft entdeckt, die sie nun für musikalisch weiterführende Erzählungen nutzen. Und da ist eine Menge, was sie mitzuteilen haben. Der intensive Gedankenaustausch lässt immer neue Themen entstehen, mit denen sie sich auseinandersetzen und die sie letztendlich inspirieren. Angefangen bei den Eigenkompositionen, die sie mit Charme und offener Lebendigkeit interpretieren, die folkloristischen Einflüsse Hadar Noibergs Heimat oder die ganz individuelle musikalische Sozialisation der frühen Jahre. In allem finden sie Gemeinsamkeiten, oder auch genügend Reibungsebenen, um den kreativen Prozess des miteinander Musizierens voranzutreiben.
Entstanden ist dieses wunderbar stimmige Album dann eher aus Zufall. „Der Auftritt war eher als Probeauftritt und Sammlung von Probematerial gedacht“, erzählte Olivia Trummer. „Beim Hören des Mitschnitts wurde uns jedoch klar, das da eine besondere Energie eingefangen wurde ….“.
Jörg Konrad

Olivia Trummer & Hadar Noiberg
„The Hawk“
Flavoredtune
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Freitag 22.11.2019
Maria Mendes „Close To Me“
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Auch der Jazz hat sein Sinfonieorchester. Es stammt aus den Niederlanden, wurde vor über sieben Jahrzehnten in Hilversum gegründet und ist im Laufe der Zeit, neben ungezählten Live-Auftritten, auf hunderten, wenn nicht tausenden Alben von Künstlern unterschiedlichster Sparten zu hören. In der vergangenen Dekade eben besonders auf Jazzproduktionen.
Im Frühjahr dieses Jahres arbeitete das Metropole Orkest mit der portugiesischen Sängerin Maria Mendes zusammen. Das Ergebnis ist ein wunderbar leichtes und beschwingtes Fado-Album, das die positive Kraft der Musik in den Mittelpunkt stellt.
Doch im Grunde hat „Close To Me“ mit der reinen Form des iberischen Blues nur recht wenig zu tun. „Es ist kein Fado“, erläutert Maria Mendes diese Zusammenarbeit. „Ich habe nur die Musik und Poesie aus diesem Genre verwendet, aber eine ganz persönliche Interpretation vorgenommen, mit neuen Arrangements.“
Das wundert nicht. Denn Maria Mendes ist zwar in Portugal geboren, lebt aber seit vielen Jahren in den Niederlanden. Hier hat sie sich eine Karriere als Jazzsängerin aufgebaut und ist stetig auf der Suche nach neuen, stimmigen Ausdrucksmöglichkeiten. So hat es sich fast von selbst ergeben, dass sie den Saudade ihres Geburtslandes mit Jazzarrangements in Verbindung bringt. Damit ist ein musikalischer Hybrid entstanden, der Maria Mendes voll und ganz entspricht, der ihr auf den Leib geschrieben scheint.
Im Mittelpunkt von „Close To Me“ steht, neben den bemerkenswerten Arrangements, die eben jenes Metropole Orkest so stimmig wie diszipliniert umsetzt, Mendes Stimme. Sie gibt den Songs eine erfrischende Ursprünglichkeit, sie verleiht den Kompositionen eine beseelte Aura. Sie fasziniert durch eine spielerische Leichtigkeit, mit der ihre Stimme die unterschiedlichsten Gefühle ausdrückt. Schmerz und Wehmut (den beiden häufigsten Umschreibungen für Saudade), aber auch tänzerische Fröhlichkeit bis hin zu raffinierten Scat-Einlagen finden ausreichend Raum. Maria Mendes kann das Einfache perfekt, muss es nicht auf Hochglanz polieren, was immer ein wenig überdreht wirkt. Auf „Close To Me“ ist das Gegenteil der Fall: Inspirierte, luftige Vokalkunst.
Jörg Konrad

Maria Mendes
„Close To Me“
Justin Time
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Sonntag 17.11.2019
Ruth Maria Rossel „Back 2 The Ruth“
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Nun, man konnte sich schon vor Jahrzehnte herzlich streiten, ob es denn nötig sei, manch dürftigen Schlager der 1920er Jahre von Musikern wie Chet Baker, Tommy Dorsey oder Sonny Rollins aufzupeppen. Doch die Jahre gaben den Instrumentalisten recht. Denn aus vielen dieser damals eingängigen Melodien sind zeitlose Standards des Jazz geworden – die noch heute mit größter Konzentration und mit Anspruch gespielt werden.
Die Augsburger Cellistin Ruth Maria Rossel hat sich für ihr zweites Album „Back 2 The Ruth“ ebensolche Paradenummern (der Neuzeit) herausgepickt. Nur improvisiert sie nicht über Hits von Astor Piazzolla, Ed Sheeran oder George Michael, sondern gibt ihnen eine völlig neue musikalische Form. So klingen „Libertango“, „Shape Of You“ oder „Last Christmas“ bei der Cellistin zwar noch immer vertraut, doch gleichzeitig auch wieder stark alternierend. Nicht eben neu - aber irgendwie re-restauriert.
Ruth Maria Rossel bringt eine neue Farbe in diese und ihre eigenen Songs. Das Violoncello schlägt bei ihr Brücken, dreht sich weg von einer seligmachenden Virtuosität und seinem wunderbar weichen und warmen Klang. Sie nutzt hierfür ein beeindruckendes elektronisches Equipment (das heutzutage schon in einen kleinen Handkoffer passt) und begegnet der Musik mit einem electro-Pop ähnlichem Ansatz. Manchmal erinnert das schon sehr an die 1980er Jahre.
Aber auf diese Art wird aus dem altehrwürdigen Streichinstrument eine Art Gebrauchsgegenstand im positiven Sinn. Der Respekt vor der Tradition ist geblieben, aber er lässt keine Hörer erstarren, macht eher neugierig, bringt altgediente und autoritär gepackte Schubladen fröhlich durcheinander. Man hört förmlich, wie junge Menschen nach „Back 2 The Ruth“ sagen: Ich wünsche mir zu Weihnachten auch so ein Cello.
Alfred Esser

Ruth Maria Rossel
„Back 2 The Ruth“
MusicJustMusic / Galileo
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