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Kinder Planegg Kulturforum: Die Kuh, die wollt ins Kino gehn! Ein Muhsical von Muht und Glück
Die Kuh, die wollt ins Kino gehn!
Ein Muhsical von Muht und Glück

Das große bayerische Kult-Musical kommt endlich wieder ins Kupferhaus. Seit zehn Jahren ist dieses herrlich verrückte Sternschnuppen-Familien-Musical ein Publikums-Magnet.

„I geh heut no ins Kino!“, sagt die Kuh zu den anderen Kühen. Die lachen sie nur aus, doch irgendwie schafft sie es, aus der Weide auszubrechen. Überglücklich macht sie sich in Dirndl und Stöckelschuhen auf ihre spannende Reise in die Stadt. Auf der Landstraße trifft sie die albernen Knödel Fritz und Franzisco und kann nur mit knapper Not dem scheinheiligen Metzger-Schwein entkommen. Zum Glück nimmt sie dann die flotte Rosa auf dem Roller noch ein Stück mit bis zur Stadt: Zu „kuhler MUHsik“ bestaunt die Kuh die große Stadt und da – endlich! – steht sie vor dem Kino. Doch dann: „Oh, mei! Die Schlang’ ist lang!“ Ob sie da noch ein Platzerl ergattert?

Eine Lustspielhaus-Produktion mit sechs Schauspielern und vierköpfiger Live-Combo in Zusammenarbeit mit Margit Sarholz und Werner Meier (Sternschnuppe).

Ab 4 bis 99 Jahre

Dauer: ca. 80 min  l Keine Pause

Veranstaltungsort:    
Kupferhaus
Feodor-Lynen-Str. 5
82152 Planegg
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Konzert Iffeldorf: STEFAN TEMMINGH, BLOCKFLÖTE & WIEBKE WEIDANZ, CEMBALO
STEFAN TEMMINGH, BLOCKFLÖTE
WIEBKE WEIDANZ, CEMBALO
 
Programm:

Werke von Arcangelo Corelli (1653-1713), Johan Helmich Roman (1694-1758), Francesco Geminiani (1687 - 1762), Georg Friedrich Händel (1685 - 1759), Antonio Vivaldi (1678 - 1741) u.a.
 
Mit seinem kraftvollen Klang spielt der südafrikanische Blockflötist Stefan Temmingh in einer Klasse für sich. Mit höchster Virtuosität, einer lebendigen Bühnenpersönlichkeit und kreativen Programmideen von Barock bis Moderne sprengt er die üblichen Grenzen und zählt zur Weltspitze der Blockflötisten. Die internationale Presse lobt ihn in höchsten Tönen für sein Können, seine Musikalität und seine kraftvollen Interpretationen. Immer wieder wird Stefan Temmingh mit dem legendären Frans Brüggen verglichen.
Arcangelo Corelli war einer der Klassiker des italienischen Instrumental-Barock. Mit seinem Namen ist insbesondere die Glanzzeit der Barocksonaten verbunden. Seine vor 1700 entstandenen, berühmten Sonaten opus 5 galten lange Zeit als revolutionär und schienen nahezu ohne Vorbild mit den Eigenheiten der frühbarocken Violinsonate zu brechen. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden seine Sonaten opus 5 für viele Virtuosen der Zeit, die verschiedenste Instrumente spielten, zur Grundlage eigener zum Teil opulent verzierter Varianten. In Anlehnung an seine CD „Corelli à la mode“ lassen Stefan Temmingh und die Cembalistin Wiebke Weidanz, „Bachpreisträgerin 2000“ des renommierten Bach-Wettbewerbs Leipzig, jene fast vergessene Kultur der Auszierungskunst wieder aufleben mit Werken, die im Erbe Corellis komponiert wurden, mit denen aber auch neue Wege beschritten wurden und die für ihre Zeit richtungsweisend waren.

Gemeinde Iffeldorf,
Hofmark 9,
82393 Iffeldorf
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Konzert Germering Stadthalle: Pasión de Buena Vista
Pasión de Buena Vista

Heiße Rhythmen, mitreißende Tänze, exotische Schönheiten und unvergessliche Melodien werden Sie auf eine Reise durch die aufregenden Nächte Kubas entführen!
Erleben Sie die pure kubanische Lebensfreude und lassen Sie die grandiosen Stimmen von Lisbet Castillo-Montenegro, Estanislao “Augusto” Blanco Zequeira und Jose Guillermo Puebla Brizuela auf sich wirken. Zusammen mit der außergewöhnlichen „Buena Vista Band“, talentierten Background Sängern und der eindrucksvollen Tanzformation „El Grupo de Bailar“ sowie über 150 maßgeschneiderten Kostümen, präsentiert Ihnen „Pasión de Buena Vista“ eine einzigartige Bühnenshow, welche Sie auf die Straßen der karibischen Trauminsel entführen wird.

Stadthalle Germering
Landsberger Str. 39
D-82110 Germering
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Kabarett Gröbenzell Stockwerk: Michi Altinger: Meine heilige Familie
Haben Sie auch schon Panik vor dem frohen Fest? Treibt Sie der Gedanke an Weihnachten an, eine kleine Reisetasche zu packen, und zu kontrollieren ob das handliche Beil im Keller noch richtig scharf ist? Sollte das so sein, sind Sie genau richtig. Denn der Altinger und seine Band (Martin Julius Faber) zeigen uns die Dramen der bayerischen Weihnacht, wie sie Ludwig Thoma völlig betrunken nicht eingefallen wären. Altinger analysiert die Verhaltensweisen und Rituale der bayerischen Weihnacht , um zum glasklaren Schluss zu kommen, dass die Verlierer im großen Kampf rund um den Baum immer die MÄNNER sind. Es beginnt doch schon mit Josef selbst: Von Maria mit dem heiligen Geist betrogen, vom Erzengel bis nach Ägypten getrieben und dann von Evangelisten noch einmal kurz erwähnt, weil sein pubertierender Ziehsohn in Jerusalem mal ohne seine Eltern einen drauf machen will. Und ansonsten? Danke, das war's! Und heute? Der blanke Terror und das innere Wehgeschrei der bayerischen Männlichkeit, nur notdürftig überdeckt mit weihnachtlicher Stubenmusik. Der Altinger wird uns gnadenlos konfrontieren mit den real existierenden Archetypen: mit der harmoniesüchtige Gattin, die unsere in ihrer Schlichtheit liebgewonnenen Wohnungen mit aberwitzigem, von zarten indischen Kinderhänden mit Liebe verschweißtem weihnachtlichen Tand verunstaltet, um klar zu signalisieren: "Wehe es wird nicht schön!" Und dann das Kind, das wirbelsturmgleich, und mit eben solch verheerenden Auswirkungen, über uns und unseren Dispokredit hereinbrechen wird. Zu guter Letzt kreuzt dann auch noch die Verwandt-schaft in Gestalt der Schwiegermutter auf, um die letzten Reste von Feierlichkeit in Schutt und Asche zu legen. Um uns dieses Jahr also besser auf das Unvermeidliche vorzubereiten, schauen wir uns das Drama in seiner ganzen Pracht und Absurdität an, um nachher vielleicht doch die kleine Reisetasche zu benützen, bevor der Wahnsinn seinen unvermeidlichen Lauf nimmt.

STOCKWERK
Gröbenzell,
Oppelner Straße 5
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Konzert Gauting Bosco: Tuija Komi Quartett: Nordischer Weihnachtszauber & tanzende Rentiere
Tuija Komi Quartett: Nordischer Weihnachtszauber & tanzende Rentiere

Hört man „Hoher Norden & Winter“, so denken die meisten an melancholische, wortkarge Bewohner und lange dunkle Nächte. Trifft man auf die finnische Sängerin Tuija Komi, sind diese Assoziationen sofort vergessen: Ein fröhliches stimmgewaltiges Energiebündel entführt uns!
Ein fröhliches stimmgewaltiges Energiebündel entführt uns musikalisch in die besinnliche, aber auch fröhliche Weihnachtswelt der Nordländer mit ihren wunderschönen Weihnachtsliedern, die eine einzigartige Stimmung wiedergeben. Auch klassische Lieder von Sibelius und Grieg, hat sie mit viel Gespür, Authentizität und ohne Angst vor Genreüberschreitung, zusammen mit Deutschlands Top-Pianisten Walter Lang arrangiert. Ebenso hören wir schöne traditionelle deutsche Weihnachtslieder, arrangiert in lässigen Latin-Sounds und groovendem Swing.
"Eine echte finnische Jazz-Diva" - SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

TUIJA KOMI, Gesang
WALTER LANG, Piano
PETER CUDEK, Kontrabass
MARTIN KOLB, Schlagzeug

Verein Bosco-Service-Team
Oberer Kirchenweg 1
82131 Gauting
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Konzert Landsberg Stadttheater: Wildes Holz
Wildes Holz

Alle Jahre wieder

Drei Musiker - eine Mission: Die Befreiung der Blockflöte vom schäbigen Ruf eines Kinderspielzeugs! Letztes Jahr waren sie bei Stoppok & Artgenossen zu Gast und eroberten das Landsberger Publikum im Sturm. Die Rückkehr von Wildes Holz findet nun in Gestalt eines Weihnachtsprogrammes der ganz besonderen Art statt.
Eine Konzertgitarre, ein Kontrabass und die gemeine Blockflöte: wenn das nicht mal eine astreine Besetzung für eine Rockband ist! - Das dachten sich die drei Männer, die ihre Band "Wildes Holz" nennen und aus diesem Instrumentarium Klänge hervorbringen, die man kaum für möglich hält! Und eine Weihnachtsstimmung zaubern, die man nicht jeden Tag erlebt.
Tobias Reisige Blockflöte
Anto Karaula Gitarre
Markus Conrads Kontrabass

Stadtheater Landsberg am Lech
Schlossergasse 381 a
86899 Landsberg am Lech
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Tipp Gröbenzell Stockwerk: Michi Altinger: Meine heilige Familie
Haben Sie auch schon Panik vor dem frohen Fest? Treibt Sie der Gedanke an Weihnachten an, eine kleine Reisetasche zu packen, und zu kontrollieren ob das handliche Beil im Keller noch richtig scharf ist? Sollte das so sein, sind Sie genau richtig. Denn der Altinger und seine Band (Martin Julius Faber) zeigen uns die Dramen der bayerischen Weihnacht, wie sie Ludwig Thoma völlig betrunken nicht eingefallen wären. Altinger analysiert die Verhaltensweisen und Rituale der bayerischen Weihnacht , um zum glasklaren Schluss zu kommen, dass die Verlierer im großen Kampf rund um den Baum immer die MÄNNER sind. Es beginnt doch schon mit Josef selbst: Von Maria mit dem heiligen Geist betrogen, vom Erzengel bis nach Ägypten getrieben und dann von Evangelisten noch einmal kurz erwähnt, weil sein pubertierender Ziehsohn in Jerusalem mal ohne seine Eltern einen drauf machen will. Und ansonsten? Danke, das war's! Und heute? Der blanke Terror und das innere Wehgeschrei der bayerischen Männlichkeit, nur notdürftig überdeckt mit weihnachtlicher Stubenmusik. Der Altinger wird uns gnadenlos konfrontieren mit den real existierenden Archetypen: mit der harmoniesüchtige Gattin, die unsere in ihrer Schlichtheit liebgewonnenen Wohnungen mit aberwitzigem, von zarten indischen Kinderhänden mit Liebe verschweißtem weihnachtlichen Tand verunstaltet, um klar zu signalisieren: "Wehe es wird nicht schön!" Und dann das Kind, das wirbelsturmgleich, und mit eben solch verheerenden Auswirkungen, über uns und unseren Dispokredit hereinbrechen wird. Zu guter Letzt kreuzt dann auch noch die Verwandt-schaft in Gestalt der Schwiegermutter auf, um die letzten Reste von Feierlichkeit in Schutt und Asche zu legen. Um uns dieses Jahr also besser auf das Unvermeidliche vorzubereiten, schauen wir uns das Drama in seiner ganzen Pracht und Absurdität an, um nachher vielleicht doch die kleine Reisetasche zu benützen, bevor der Wahnsinn seinen unvermeidlichen Lauf nimmt.

STOCKWERK
Gröbenzell,
Oppelner Straße 5
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Museen München Neue Pinakothek: DREI FARBEN SCHWARZ
DREI FARBEN SCHWARZ

Schwarz, die unbunte Farbe, spielt in der Geschichte der Malerei eine überraschend wichtige Rolle. Schwarz ist Metapher, Kompositionsmittel und nicht zuletzt eine maltechnische Herausforderung. Schon früh dient das Schwarz in Gemälden zur Vertiefung dunkler Zonen; es führt zu den Schattenseiten des Lebens wie zu den Abgründen der Seele. In Bildnissen spiegelt schwarze Kleidung Moden und sozialen Status; so wird edles Schwarz ein Merkmal der spanischen  Hoftracht. Mit der Emanzipation der Farbe im 19. Jahrhundert gewinnt dann auch Schwarz eine neue Bedeutung, erhält, pastos aufgetragen, einen materiellen Eigenwert - bis Max Beckmann oder Kazimir Malevich die Farbe schließlich ganz vomDienst an einer naturalistischen Darstellung befreien. 

»Drei Farben Schwarz« richtet mit einer konzentrierten Auswahl aus eigenen Beständen das Augenmerk auf die Malerei des 19. Jahrhunderts und damit auf die Zeit, in der die Behandlung des Dunklen und Schwarzen ein Eigenleben zu führen beginnt, zugleich aber noch älteren Traditionen verhaftet bleibt. Gemälden von Johann Heinrich Füssli, Édouard Manet, Franz Xaver Winterhalter und anderen stehen daher Meisterwerke von Simon Vouet, Diego Velázquez und Bartolomé Esteban Murillo aus den derzeit geschlossenen  Sälen der Alten Pinakothek gegenüber. 16 Werke sind insgesamt zu sehen.

Im Vergleich werden unterschiedliche künstlerische Ansätze ebenso deutlich wie Verwandtschaften über die Jahrhunderte hinweg: Beinahe 240 Jahre trennen Velázquez‘ »Jungen spanischen  Edelmann« und Édouard Manets »Frühstück im Atelier«, und  doch besteht zwischen dem jungen Spanier im schwarzen Wams und Manets Stiefsohn in der eleganten schwarzen Jacke eine frappierende Nähe. Diese ist freilich kein Zufall: Manet bewunderte Velázquez‘ sicheren Pinselstrich  und die Klarheit seiner Kunst. Franz Xaver Winterhalter hinwiederum zeigt in dem Porträt Graf Jenison-Walworths mittels vielfältiger Schwarz- und Grautöne, in welch unterschiedlicher  Weise schwarzer Pelz, schwarzer Samt und schwarze Seide das Licht reflektieren – und  der Betrachter kann erkennen: Schwarz ist nicht gleich Schwarz.

Bilder

1. Édouard Manet, Frühstück im Atelier (Le déjeuner), 1868
Leinwand, 118,3 x 154,0 cm
© Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Neue Pinakothek, München

Neue Pinakothek
Barer Straße 29
Eingang Theresienstraße
80799 München
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Museen München Stadtmuseum: FORUM 041: K49814 – Atmen ohne Pause
FORUM 041:
K49814 – Atmen ohne Pause

Kabinettausstellung im Münchner Stadtmuseum
14. Oktober 2016 – 15. Januar 2017

In der 41. Ausgabe von FORUM, dem Ausstellungsformat für junge Fotografie, präsentiert das Münchner Stadtmuseum „Atmen ohne Pause“: eine sensible und eindrückliche Arbeit über das brisante Thema der industriellen Tötung von Tieren. Das Werkensemble der Fotografin und politischen Aktivistin, die unter dem Pseudonym K49814 agiert, dokumentiert Prozesse, die eigentlich im Verborgenen stattfinden. Entgegen bekannter Schockfotografien verweigern sich ihre behutsam gestalteten Schwarzweiß-Aufnahmen dabei jeglicher Plakativität.
„Atmen ohne Pause“ bewegt sich in einem spannenden Kräftefeld zwischen Ästhetik und politischer Programmatik. Vornehmlich in Fotografien, aber auch anderen medialen Formaten wie einer Soundinstallation widmet sich die Arbeit unterschiedlichen Tieren in den verschiedenen Abschnitten der industriellen Verwertungskette. Auf Schwarzweiß-Abzügen begegnen uns Szenen,die teilweise wie schwer zu entziffernde Stillleben anmuten: Ein Meer aus kleinen, runden Metallplatten verstreut auf dunklem Untergrund gibt für einen Moment Rätsel auf. Dank des Titels lässt es sich als Ansammlung von Ohrmarken identifizieren, die für Schlachttiere verwendet werden. Am Ende eines Schlachttages bleibt allein eine Masse von Nummern übrig, die abstrakt vom vorangegangenen Tötungsprozess zeugen. Eine andere Fotografie zeigt vermeintlich ein helles Stück Stoff, das achtlos auf einen von Reifenspuren überzogenen Boden geworfen wurde. Auch hier verrät erst der Bildtitel und der darauf folgende zweite Blick, dass es sich um die Haut einer Kuh handelt.
Im Ausstellungsraum stehen den Bildern des getöteten oder versehrten Tieres Bilder des unversehrten Tieres gegenüber. Sein Gesicht, die zentrale Identifikationsquelle für den Menschen in der Begegnung mit dem Tier, wird dabei nie zur Gänze offenbart. So auch im Falle der „Ruhenden Kuh“: Betrachterinnen und Betrachter kommen dem Tier durch das Foto äußerst nahe, das Close-Up macht jede einzelne Wimper sichtbar, wie auch die feine Maserung des Felles. Und doch sehen wir aufgrund der Wahl des Bildausschnittes ein Fragment, werden nicht einfach entlassen mit einem Bild des ganzen, des vollständigen Lebewesens. Die Fotografin macht es Betrachterinnen und Betrachtern nicht leicht – und das im besten Sinne. Anstatt zu schockieren oder zu dozieren werfen ihre Bilder Fragen von Empathie, Reflexion und Verantwortung auf. Ganz besonders dann, wenn das ruhige Atemgeräusch einer Kuh die Betrachterinnen und Betrachter im
Ausstellungsraum erreicht, wird die Anwesenheit wie auch das Verschwinden des Tieres greifbar. Im Atmen, ein gleichermaßen elementarer wie fragiler Vorgang, verdichtet sich das Anliegen der dokumentarischen Arbeit.

Das Medium Fotografie ist für K49814 nicht Ausgangspunkt, sondern vielmehr eines von vielen denkbaren Mitteln zum Zweck der politischen Auseinandersetzung. Es handelt sich um die erste fotografische Arbeit der Aktivistin überhaupt, die sich den Umgang mit der Kamera selbst beibrachte. Allen Bildern ging eine mehrjährige, intensive Beschäftigung voraus, die die Künstlerin an die Stätten der Massentierhaltung und industriellen Tötung brachte.
Die fotografische Position von K49814 zwischen visueller Poesie und Drastik provoziert. Das Verhältnis und die Vergleichbarkeit von Mensch und Tier, die grundlegende Frage, wer oder was Subjekt sein kann und aus welchem Grund ein Recht auf Leben hat, werden auf kontroverse Art und Weise verhandelt und zur Diskussion gestellt.
2014 ist eine Auswahl der Fotografien von K49814 in dem Buch „K49814: Atmen ohne Pause“ mit Texten von K49814 und Paul Ziche im Kehrer Verlag, Heidelberg erschienen.
Kurator_in der Ausstellung: Rudolf Scheutle, Sammlung Fotografie, und Linda Conze, Stipendiatin der Alfried Krupp von Bohlen-Halbach Stiftung, Essen
Pressegespräch
Donnerstag, 13. Oktober, 11.00 Uhr
Eröffnung
Donnerstag, 13. Oktober, 18.00 – 20.00 Uhr
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Museen München Obersendling: Tram-Wartehäuschen am Ratzingerplatz
Kunstaktion „Heimleuchten“ vor dem Tram-Wartehäuschen am RatzingerplatzVom 15. Oktober bis 15. Dezember 2016 wird das ehemalige Tram-Wartehäuschen auf dem Ratzinger Platz in Obersendling zur Bühne für eine Kunstaktion von Stefanie Unruh. Im Rahmen der diesjährigen Reihe „München – dezentral“ der Kunst im öffentlichen Raum des Kulturreferates installiert sie fünfzehn verschiedene, teils farbige Gartenlampen auf dem Dach des früheren Tram-Wartehäuschens. Jeweils zumSonnenuntergang werden die Leuchten mit einer Zeitschaltuhr in Betrieb gesetzt. Einige Außenleuchtenerinnern an Wohnzimmerlampen, andere an Straßenlaternen. Die Gartenlampen aus den Vorgärten undHofeinfahrten der Umgebung geben sich hier ein Stelldichein. Die Licht-Skulptur, die den Passanten den Weg heimleuchtet, soll eine surreal-wohnliche Atmosphäre auf dem verwaisten Platz verbreiten und einen weithin sichtbaren Akzent setzen.Die Künstlerin Stefanie Unruh über die Idee zu ihrem Konzept „Heimleuchten“:„Auf dem täglichen Weg von meinem Atelier in der Kistlerhofstraße nach Hause passiere ich den Ratzingerplatz, so wie viele der Anwohner aus Obersendling, die von der U-Bahn und Bushaltestelle Aidenbachstraße kommend, in die umliegenden Wohnblocks streben. Viele Passanten kürzen den Weg ab, indem sie über die zwischen den Fahrspuren liegende, aufgelassene Straßenbahntrasse laufen. Sie kommen dabei an einem mit Graffiti bemalten quaderförmigen Gebäude vorbei, das ehemalige Tram-Wartehäuschen, in dem sich derzeit Übungsräume für Musiker befinden. Der Ratzingerplatz wird oft als Brache beschrieben, als „Schandfleck“ sogar, den es zu verändern gilt, mitsamt seinem städtebaulichenUmfeld. Pläne dazu gibt es seit Jahren. Eine umfassende Neugestaltung der Gegend soll in den nächstenJahren stattfinden. Derzeit jedoch liegt der Platz meist verlassen da, abends lassen ihn die Straßenlaternen fast im Dunkeln liegen.Mir gefällt an diesem Platz seine momentane Funktionslosigkeit und Nicht-Gestaltung. Unkraut wuchertzwischen dem aufgeplatztem Teer und über die nicht mehr genutzten Straßenbahngleise. Das ist eine vonwenigen Ecken in München, die sich selbst überlassen bleibt. Es ist fast ein Luxus, ein Platz ohne weitereBestimmung, eine weitgehend ungenutzte Fläche, auf der sich die Natur wieder ein Stück zurückerobert.Bevor das Tram-Wartehäuschen nun der Neuplanung des Platzes weichen wird, möchte ich für zweiMonate das Gebäude zur Bühne umgestalten mit der Licht-Installation „Heimleuchten“. Der „Unort“ könntevorübergehend ein Anziehungspunkt fürs Auge werden.“„Heimleuchten“ von Stefanie Unruh ist das vierte Projekt der diesjährigen Reihe der Kunst im öffentlichenRaum des Kulturreferates der Landeshauptstadt München. Unter dem Thema „München – dezentral“ stehen künstlerische Auseinandersetzungen mit Orten in den innenstadtsfernen Quartieren und Stadtvierteln im Fokus.Mit freundlicher Unterstützung des BA19 und des Klangraum e.V.
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Museen Bernried Buchheim Museum: HUNDERTWASSER
HUNDERTWASSER
SCHÖN & GUT

Die Ausstellung des Buchheim Museums zeigt den »ganzen Hundertwasser«. Ohne die dankenswerte Unterstützung von ›Die Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung‹ in Wien wäre dies nicht möglich gewesen. Von 22 Leihgebern sind 125 originale Werke von Hundertwasser aus allen Gattungen zusammengekommen: Malerei, Druckgrafik, Tapisserien, Architekturmodelle sowie eine Pflanzenkläranlage und eine Humustoilette. Die breite Auswahl repräsentiert die gesamten Spannbreite seines Schaffens in den Jahren von 1951 bis 2000.
Nicht nur der Künstler, sondern auch der Kunsttheoretiker, der politische Aktivist und der Philosoph Hundertwasser kommt hier in seinen tiefsten Beweggründen zur Geltung. Vor uns steht ein Mensch, der die existenziellen Fragen des Lebens ernst nimmt und der in seiner künstlerischen Arbeit unermüdlich um Lösungsansätze ringt.
Die Probleme, die ihn umtrieben, sind heute aktueller denn je. Der britische Starphysiker Stephen Hawking sprach jüngst die Warnung aus, dass es nach jetzigem Stand der Dinge »beinahe Gewissheit« sei, dass sich der Mensch, wenn er nicht grundlegend seine kulturellen Praktiken ändert, in den nächsten 1.000 bis 10.000 Jahren durch Atomkrieg, Erderwärmung, durch gentechnisch erzeugte Viren oder sonstige technologische Entwicklungen selbst auslöscht. Dass »wir die erste Generation« sind, »die den Klimawandel erlebt, und die letzte, die dagegen etwas unternehmen kann«, verdeutlichte Barack Obama anlässlich des zurückliegenden Pariser Klimagipfels.
Wie kein anderer Künstler des 20. Jahrhunderts trat Hundertwasser für die Bewahrung der Erde und der Menschheit vor dem Untergang ein. Hundertwasser entwickelte eine Strategie der ästhetischen Antizipation. Ihm war klar, dass vor der tatsächlichen Lösung eines Problems der Ausweg aus der Misere bildhaft vor Augen geführt werden muss. Er nahm das Gute im Schönen der Kunst vorweg. Mit Gemälden, Grafiken, Architekturen und Worten wies uns die »schönen Wege«, die zu einer Welt führen, in der es sich zu leben lohnt. Durch die sinnliche Kraft seiner Werke ist es ihm gelungen, die Menschen auf der ganzen Welt für seine Ideen zu begeistern. Diesem Impuls möchte das Buchheim Museum neue Geltung verschaffen.

Hundertwasser und Buchheim
Als Verfechter einer selbstbestimmten Kreativität fand Friedensreich Hundertwasser in Lothar-Günther Buchheim einen prominenten Mitstreiter. Hundertwasser stellt 1972 die Forderung nach dem »Fensterrecht« für jeden: »Jede Art der individuellen Gestaltung ist besser als der sterile Tod. Es ist dein Recht, dein Fenster und, soweit dein Arm reicht, auch die Außenseite so zu gestalten, wie es dir entspricht.« Und Buchheim erklärt es zu seiner Mission, »die Leute dazu zu ermutigen, ihren eigenen Augen und ihren eigenen Sinnen zu trauen und selber zu entscheiden, woran sie sich delektieren wollen«. Im 2001 gegründeten Buchheim Museum wird die Phantasie zum Prinzip erhoben. Der Besucher soll aus dem Alltag ausbrechen und eintreten in eine ästhetische Wunderwelt, in der er emotional wie gedanklich neue Wege gehen kann. »Think big!«, war Buchheims Parole, zu der keiner besser passt als Hundertwasser!
Schon früh fanden die beiden Querdenker zusammen. Am 21. Juni 1964 trafen sich Hundertwasser und Buchheim auf der Biennale in Venedig. Sie schlossen einen Buchvertrag ab. Am 24. Juni und am 10. Juli 1964 folgten zwei Besuche Hundertwassers bei Buchheim in Feldafing. Im Buchheim Verlag erschien dann Hundertwassers erste farbig bebilderte Monografie. Zwischen 1974 und 1983 wurden 20 Postkarten sowie acht Jahreskalender mit Hundertwasser-Motiven im Buchheim Verlag herausgegeben. Die im Buchheim Archiv erhaltenen Briefe und Postkarten Hundertwassers zeugen von einem engen Arbeitsverhältnis. Es geht oft um Fragen der Druckqualität. Hundertwasser war schließlich zufrieden mit dem, was Buchheim lieferte: »Endlich komme ich dazu, Ihnen den Eingang des Buches zu bestätigen, ich muss Ihnen gratulieren. Es ist wunderbar geworden«, schreibt er am 2. September 1964. Es besteht Einvernehmen zwischen den beiden Querdenkern. »Der Buchheim ist ein toller Mann, der alles tut und alles kann«, schreibt Hundertwasser auf eine Postkarte an Buchheim.
Nun, 16 Jahre nach Hundertwassers Tod, neun Jahre nach jenem Buchheims und 52 Jahre nach dem Kennenlernen der beiden, findet endlich eine Hundertwasser-Ausstellung im Buchheim Museum statt.

Exponate
125 Arbeiten, davon 27 Gemälde, 66 Grafiken, 15 Umweltposter, 1Tapisserie, 2 Knüpfteppiche, 10 Architekturmodelle, 1 Humustoilette, 1 Pflanzenkläranlage, 1 Verschimmelungsmanifest und 1 Kappe sowie zahlreiche Texte des Künstlers.

Kooperationspartner, Mitwirkende, Leihgeber
HUNDERTWASSER SCHÖN & GUT wurde von Daniel J. Schreiber, dem Direktor des Buchheim Museums, eigens für Bernried kuratiert. Die Ausstellung ist dem Engagement vieler Personen und Institutionen zu verdanken. Kooperation ist »Die Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung« in Wien, namentlich Joram Harel, Andrea Fürst, Doris Truppe und Herr Bilinski. Hubert Lechner und Stefanie Holtkamp von Lorenz & Zeller in Inning haben den Katalog und die Ausstellungsgrafik gestaltet. Andrea Fürst und Stephan Thomas haben den Katalog lektoriert. In der Druckerei zu Altenburg, namentlich durch Jens Sippenauer, ist das Buch schließlich entstanden. Claudia Neumeier sorgt dür den Auftritt der Ausstellung in den Social Media. Das ganze Unternehmen gebündelt und zum Erfolg geführt hat schließlich das Team des Buchheim Museums.
Leihgeber der Ausstellung sind: Baha Fine Art Kunsthandel, Wien; Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München, Pinakothek der Moderne; courtesy Die Galerie Frankfurt am Main; Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien; Hamburger Kunsthalle; Osthaus Museum Hagen; Private Collection, Great Britain, courtesy Galerie Thomas, Munich; Privatsammlung LMV; Privatsammlung Süddeutschland; Sammlung Christian Baha; Sammlung Würth; SE – Sammlung Essl, Klosterneuburg / Wien; sowie acht weitere private Sammler aus Europa, die namentlich nicht genannt werden wollen.


Biografie
Friedrich Stowasser wird am 15. Dezember 1928 in Wien als einziges Kind des Ingenieurs Ernst Stowasser und dessen Ehefrau Elsa geboren. • Ende 1929, 13 Tage nach Friedrichs erstem Geburtstag, verstirbt der Vater an einem Blinddarmdurchbruch. • 1935 lässt ihn die jüdische Mutter »sicherheitshalber« katholisch taufen. Der Junge entwickelt künstlerisches Talent. • 1936 kommt er siebenjährig für ein Jahr in die Montessori-Schule in Wien. Dort werden ihm im Zeugnis ein außergewöhnlicher Farben- und Formensinn bescheinigt. • Nach dem »Anschluss« Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich im Jahr im März 1938 wird der Neunjährige mit seiner Mutter in die Obere Donaustraße zu Tante und Großmutter zwangsumgesiedelt. • 1939 tritt er mit zehn Jahren zum Schutz seiner Verwandtschaft in die Hitler-Jugend ein. Er wechselt auf eine öffentliche Wiener Schule. • 1943 werden 69 Familienangehörige der Mutter deportiert und getötet, darunter auch Tante und Großmutter. Trotz schwieriger Lebensbedingungen kann der Jugendliche seine Begabung weiterentwickeln. Er zeichnet viel mit Buntstiften nach der Natur.
Stowasser schließt 1948 am Bundesrealgymnasium Wien die Schule mit der Matura ab. • Nach seinem Schulabschluss beginnt er ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste bei Prof. Robin Christian Andersen, das er jedoch nach drei Monaten wieder abbricht. Eine Ausstellung von Walter Kampmann in der Albertina und Ausstellungen von Egon Schiele hinterlassen bei ihm einen nachhaltigen Eindruck. • Als junger Künstler erhält er 1949 im Salzburg Seminar auf Schloss Leopoldskron die Gelegenheit, einen programmatischen Vortrag mit dem Titel »Art is Always Changing « zu halten. Er entwickelt seinen eigenen Stil und beginnt im Juli damit, seine Werke mit »Hundertwasser« zu signieren. Er leitet die Silbe »Sto« aus dem Russischen ab und übersetzt sie mit »Hundert«. Etymologisch korrekt ist jedoch die Herleitung von »Stowasser« aus dem tirolerischen Dialektwort für »Stauwasser«.
Hundertwasser begibt sich auf Reisen nach Italien. In Florenz lernt er den französischen Maler René Brô kennen und folgt ihm 1950 nach Paris. Seinen Versuch, an der École des Beaux-Arts in der Klasse von Maurice Brianchon zu studieren, sieht er schon am ersten Tag als gescheitert an. • Angeregt durch Brô beginnt Hundertwasser 1951, seine Kleidung und Schuhe selbst herzustellen. Er verbringt Winter und Frühjahr in Marokko und Tunesien. • Im Art Club Wien hat Hundertwasser 1952 seine erste Einzelausstellung. Dort hält er die Eröffnungsrede »Mein Bestreben, mich vom allgemeinen Bluff unserer Zivilisation zu befreien«. Im selben Jahr folgt eine Ausstellung in der Galerie Sandri in Venedig. Vorübergehend arbeitet Hundertwasser in einem abstrakt-dekorativen Stil.
Hundertwasser entdeckt 1953 die Spirale als zentrales Motiv für sein Werk. Er arbeitet in Brôs Studio in Saint-Maurice östlich von Paris. Er hat seine zweite Ausstellung im Art Club Wien. • Der italienisch-französische Galerist Paul Facchetti eröffnet am 29. Januar 1954 eine erste Einzelausstellung in Paris. Der Künstler nimmt erstmals an der Biennale in Venedig teil. Bei einem Rom-Aufenthalt erkrankt er an Gelbsucht. Er verbringt den September und Oktober im Spital Santo Spirito. Währenddessen malt er viele Aquarelle und entwickelt die Theorien des »Transautomatismus« und der »Grammatik des Sehens«. 1955 widmet der Mailänder Avantgardegalerist Carlo Cardazzo Hundertwasser eine Ausstellung. 1956 begegnet er in Paris dem Kunsttheoretiker Pierre Restany. Zusammen mit ihm veröffentlicht er die beiden kunsttheoretischen Texte »La visibilité de la création transautomatique« und »Cinéma individuel transautomatique« in den Zeitschriften »Cimaises« beziehungsweise »Phases«. Im Sommer heuert Hundertwasser als Matrose zusammen mit seinem Künstlerfreund Hans Neuffer auf der S.S. Bauta an und fährt mit ihr von Söderhamn in Schweden nach Kingston Upon Hull in England. Er lernt den Hamburger Sammler Siegfried Poppe kennen.
Zusammen mit Restany veröffentlich er 1957 seine Schrift über »Die Grammatik des Sehens«. Für die Ausstellung in der Galerie St. Stephan schreibt er den Katalogtext »Meine Augen sind müde«. Hundertwasser kauft La Picaudiere, ein Haus in der Normandie. Er beginnt, programmatisch Bäume zu pflanzen. Der Wiener Avantgardegalerist und Priester Monsignore Otto Mauer zeigt in seiner Galerie St. Stephan eine Ausstellung mit Hundertwassers Malerei. • Hundertwasser verliest am 4. Juli 1958 auf einer von Otto Mauer organisierten Tagung in der Benediktinerabtei Seckau in der Steiermark erstmals sein berühmtes »Verschimmelungs-Manifest gegen den Rationalismus in der Architektur«. Am 11. Juli und am 26. Juli 1958 folgen weitere Verlesungen in der Galerie van de Loo in München und in der Galerie Parnass in Wuppertal. In diesem Jahr heiratet Hundertwasser die 16-jährige Herta Leithner in Gibraltar. Die Ehe wird zwei Jahre später geschieden.
Auf Empfehlung Poppes wird Hundertwasser am 15. Oktober 1959 Gastdozent an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Zusammen mit Bazon Brock und Herbert Schuldt initiiert er die Aktion einer »Endlosen Linie«, die am 18. Dezember 1959 beginnt. Sie gerät zum Skandal und wird am 20. Dezember unterbunden. Wegen des Abbruchs der Aktion legt Hundertwasser am 22. Dezember seine Dozentur nieder. Im September 1959 gründet er zusammen mit den Künstlerkollegen Arnulf Rainer und Ernst Fuchs in Wien das »Pintorarium« als universelle Anti-Akademie aller kreativen Richtungen. • Im Rahmen des von dem Dichter Alain Jouffroy und dem Künstler Jean-Jacques Lebel angestoßenen »Anti-Proces« zwischen dem 29. April und dem 9. Mai 1960 beweist Hundertwasser mit seiner »Brennessel-Aktion« in Paris, dass unabhängiges Leben möglich ist.
Am 14. Februar 1961 kommt Hundertwasser für einen längeren Aufenthalt nach Japan. Anlass ist eine Einzelausstellung in der Tokyo Gallery, die im Mai beginnt. Angeregt durch die Transkription seines Namens ins Japanische ändert er seinen Vornamen Friedrich in Friedereich ab. Er unternimmt eine Malreise in die nördlichste japanische Präfektur Hokkaidō. Gemeinsam mit der japanischen Studentin Yuko Ikewada kehrt er mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Europa zurück. • 1962 heiraten die beiden. Sie mieten ein Wohnatelier in der Casa de Maria auf der Giudecca in Venedig. Am 15. Juni wird die Biennale in Venedig eröffnet. Im österreichischen Pavillon wird Hundertwassers erste Retrospektive gezeigt, die sich zu einem großen internationalen Erfolg entwickelt.
In der Galerie Aenne Abels in Köln findet 1963die erste Einzelausstellung Hundertwassers in Deutschland statt. • Am 21. Juni 1964 treffen sich Friedensreich Hundertwasser und Lothar-Günther Buchheim auf der Biennale in Venedig. Sie schließen einen Buchvertrag ab. Gemeinsam mit Yuko Ikewada besucht Hundertwasser am 24. Juni 1964 die Buchheims in Feldafing am Starnberger See. Sie bleiben eine Nacht. Dann reist das Paar nach Hannover zu Wieland Schmied, dem damaligen Leiter der Kestner-Gesellschaft, der dort die erste große Hundertwasser-Ausstellung zeigt. Am 10. Juli 1964 folgt ein zweiter Besuch bei den Buchheims. Im Buchheim Verlag erscheint Hundertwassers erste farbig bebilderte Monografie. Das Vorwort stammt von Wieland Schmied. Überdies werden in der Folge Jahreskalender und Postkarten mit Hundertwasser-Motiven im Buchheim Verlag aufgelegt. Auf der Documenta III werden im Fridericianum Gemälde von Hundertwasser gezeigt. Begleitend zur Ausstellung in der Kestner-Gesellschaft erscheint ein erster ¼uvre-Katalog. Hundertwasser kauft die nicht mehr in Betrieb befindliche Hahnsäge im dünn besiedelten niederösterreichischen Waldviertel. • Die von Wieland Schmied organisierte Wanderausstellung findet 1965 eine erfolgreiche Fortsetzung im Moderna Museet in Stockholm. • Die Ehe mit Yuko Ikewada wird 1966 geschieden. Der österreichische Filmemacher Ferry Radax dreht den ersten Dokumentarfilm über Hundertwasser in La Picaudière und im Waldviertel.
Am 12. Dezember 1967 hält Hundertwasser anlässlich einer Aktion des »Pintorariums« in der Galerie Richard P. Hartmann in München seine berühmte »Nacktrede für das Anrecht auf die Dritte Haut«. Hundertwasser bereist Uganda und den Sudan. Eine Hundertwasser-Ausstellung wandert durch Galerien in Paris, London, Genf und Berlin. • Am 25. Januar 1968 führt er eine »Nacktdemonstration gegen den Rationalismus in der Architektur« im Internationalen Studentenheim in Wien durch. Am 9. Februar 1968 verliest er im Presseclub Concordia sein Manifest »Los von Loos. Gesetz für individuelle Bauveränderungen oder Architektur-Boykott-Manifest«. Er hat erste Ideen für konkrete Bauprojekte.
1969 überführt er den 1910 gebauten hölzernen Salzfrachter »San Giuseppe T« von Sizilien nach Venedig. Er bereist Nordkalifornien und bereitet für die Art Gallery der University of California in Berkeley eine Ausstellung vor, die auch noch zu Museen in Santa Barbara, Houston, Chicago, New York und Washington wandern wird. Er ändert seinen Vornamen von Friedrich in Friedensreich. Von 1969 an lebt Hundertwasser drei Jahre lang hauptsächlich auf seinem Schiff. In Venedig entstehen viele Aquarelle, Gemälde und Siebdrucke. Hans Brockstedt in Hamburg wird sein Galerist. • Die Zusammenarbeit mit dem Verlag Günter Dietz GmbH Offizin in Lengmoos in Bayern beginnt 1970. In Venedig betätigt sich Hundertwasser als »Baumdoktor«. Der deutsche Filmemacher Peter Schamoni beginnt mit den zwei Jahre dauernden Dreharbeiten für den Film »Hundertwassers Regentag«. • 1971 arbeitet der Künstler bei Dietz an einem Poster für die Olympischen Spiele in München. Zusammen mit Schamoni und dem österreichischen Maler und Fotografen Manfred Bockelmann reist Hundertwasser mit seinem Schiff entlang der Küste Dalmatiens.
1972 stirbt Hundertwassers Mutter. In diesem Jahr lernt er Joram Harel kennen, der sein Freund und Manager wird. Hundertwasser vollendet den vierjährigen Umbau der »San Giuseppe T« zur »Regentag «. Er reist mit dem Schiff nach Elba. Er veröffentlicht das Manifest »Dein Fensterrecht – Deine Baumpflicht«. Mit Architekturmodellen und -entwürfen demonstriert er in der österreichisch-deutsch-schweizerischen TV-Spielshow »Wünsch Dir was« für Dachbewaldung und individuelle Fassadengestaltung. • In Zusammenarbeit mit den besten japanischen Holzschneidern und Druckern entsteht 1973 der druckgrafische Zyklus »Nana Hyaku Mizu«. Er nimmt an der Triennale in Mailand teil. Dort lässt er 15 »Baummieter« durch Fenster in Häuser der Via Manzoni pflanzen. Der Künstler reist auf die Kapverdischen Inseln und nach Auckland, wo eine Wanderausstellung durch neuseeländische Museen beginnt. Er entdeckt Neuseeland für sich. Jetzt und in den Folgejahren erwirbt er in der Bay of Islands in Neuseeland mehrere Grundstücke, die schließlich das gesamte Kaurinui-Tal umfassen. Mit Grasdächern, Pflanzenkläranlagen, Sonnenkollektoren und Wasserrad arbeitet und lebt er dort in und mit der Natur.
Für die »Conservation Week« – eine Aktionswoche für den Umweltschutz in Neuseeland – gestaltet Hundertwasser 1974 Poster. Eine Wanderausstellung durch australische Museen startet. In der Graphischen Sammlung Albertina in Wien ist eine Ausstellung des grafischen Werks sowie eine Auswahl des Jugendwerks zu sehen. Das grafische Werk reist danach als Wanderausstellung bis 1992 durch über 80 Museen und Galerien in 15 Ländern. Hundertwasser segelt mit der »Regentag« nach Tunis, Zypern und Israel. • Er zieht 1975 in den »Giardino Eden«, einen Palazzo mit großem Garten in Venedig. Im Haus der Kunst in München findet eine Hundertwasser-Retrospektive statt. Er veröffentlicht das Manifest »Humus Toilette«. Hundertwassers zweite japanische Holzschnittmappe »Midori No Namida« erscheint. Im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris beginnt die Weltwanderausstellung »Österreich zeigt den Kontinenten Hundertwasser«, die bis 1987 in 27 Ländern und 43 Museen gezeigt wird. Hundertwasser überquert mit der »Regentag« 1975 den Atlantik und segelt über die Karibik und durch den Panama-Kanal in den Pazifik. • 1976 fährt der Künstler mit dem Schiff von Tahiti über Rarotonga nach Neuseeland.
Hundertwasser spricht 1977 in Paris vor der ersten Tagung der UNESCO zum Thema Umwelt. Nach zwei Unfällen muss er zwei Monate im Kawakawa Hospital in Neuseeland verbringen. Er folgt seiner Weltwanderausstellung nach Asien und Südamerika. • 1978 verbringt er die Wintermonate mit seinem Freund Brô im Waldviertel. Er entwirft in Venedig die Friedensfahne für das Heilige Land mit grünem arabischen Halbmond und blauem Davidstern auf weißem Untergrund, die von dem österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky an die Staatsoberhäupter des Nahen Osten geschickt wird. Hundertwasser veröffentlicht sein Friedensmanifest. Er reist in den Senegal, für den er Briefmarken gestaltet. • Hundertwasser schafft 1979 fünf Münzobjekte, die ihm als »Eintrittsgeld ins Paradies« gelten. Er verliest sein Manifest »Die Scheißkultur – die heilige Scheiße« in Pfäffikon am Zürcher See. Reisen führen ihn nach Korsika, New York, San Francisco, Tahiti und Neuseeland.
Zu Beginn des Jahres 1980 reist Hundertwasser nach Katar, Sri Lanka, auf die Malediven und nach Neuseeland. In Wien präsentiert er fünf Modellentwürfe für das »Hundertwasser-Haus«, eine Wohnhausanlage der Gemeinde Wien an der Ecke zwischen Löwengasse und Kegelgasse. Er gestaltet das Umwelt-Poster »Arche Noah 2000« für Deutschland. Den Sommer verbringt er malend auf der südfranzösischen Insel Porquerolles. Am 18. November 1980 findet in Washington, D.C., der »Hundertwasser Day« statt, anlässlich dessen 100 Bäume auf dem Judiciary Square gepflanzt werden. Er spricht im US Senat, im Corcoran Museum und in der Philipps Collection über Ökologie, gegen Kernkraft und für eine natur- und menschengerechtere Architektur.
Am 14. Mai 1981 wird Hundertwasser der Große Österreichische Staatspreis 1980 verliehen. Aus diesem Anlass hält Hundertwasser eine Rede gegen Kernkraft und über »Die falsche Kunst«. Hundertwasser wird zum Leiter der Meisterschule für Malerei an die Akademie der Bildenden Künste in Wien berufen. Er hält Vorträge über Umwelt, Architektur und Kunst in Köln, München, Frankfurt, Graz, Wien, Ost-Berlin, Hamburg. Zusammen mit Brô reist er nach Indien, Nepal und Neuseeland. • Als »Architekturdoktor« gestaltet er die Fassade der Rosenthal-Fabrik in Selb um. Die Zusammenarbeit mit dem Architekten Peter Pelikan am »Hundertwasser-Haus« beginnt. Er hält Umweltschutzreden und gestaltet Friedens- und Umwelt-Plakate. Er reist nach Chiang Mai, Sardinien, Tahiti und Neuseeland. In San Francisco findet vom 5. bis 12. Dezember 1982 eine »Hundertwasser-Woche« statt. • Anlässlich des 35-jährigen Bestehens der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gestaltet Hundertwasser 1983 eine Briefmarkenserie. Der Grundstein des »Hundertwasser-Hauses« in Wien wird gelegt. Hundertwasser gestaltet die Fassade des Silos im Hafen von Krems in Niederösterreich um. Er schafft das Freiluftmodell des »Hoch-Wiesen-Hauses« für die IGA in München. Er entwirft die »Koru-Fahne für Neuseeland« mit dem Motiv eines entrollenden Farns. Schließlich reist er nach Kenia, zu den Seychellen und nach Neuseeland.
1984 arbeitet Hundertwasser auf der Baustelle des »Hundertwasser-Hauses«. Der Künstler lebt in Neuseeland, Tahiti, Venedig und in der Normandie. Gemeinsam mit den österreichischen Künstlern Arik Brauer, Ernst Fuchs und Alfred Hrdlicka tritt er in der BR-Fernsehsendung »Der Fall der Avantgarde« auf. Er nimmt aktiv an den letztlich erfolgreichen Aktionen zur Rettung der Hainburger Au teil, einer naturbelassenen Flusslandschaft an der Donau in Niederösterreich, die durch ein geplantes Wasserkraftwerk gefährdet war. Aus Protest zerreißt er seinen Österreichischen Staatspreis vor laufender Kamera. • Hundertwasser arbeitet das ganze Jahr 1985 auf der Baustelle des »Hundertwasser-Hauses«. Der französische Kulturminister Jack Lang nominiert ihn zum Officier dans l‘ordre des Arts et des Lettres. Am Jahresende reist er wieder nach Neuseeland. • Für Australien entwirft Hundertwasser 1986 die »876 Uluru Flag«. Er arbeitet an der Gestaltung des Covers der Brockhaus-Enzyklopädie. Am 17. Februar wird das »Hundertwasser-Haus« den Mietern übergeben. Er reist von Neuseeland über Australien, Indien und Nepal nach Europa.
1987 gestaltet Hundertwasser die Plakate für den avantgardistischen Vergnügungspark »Luna Luna« von André Heller. Er entwirft die Neugestaltung der St. Barbara Kirche in Bärnbach in der Steiermark sowie den Neubau der Kindertagesstätte Heddernheim in Frankfurt. • 1988 reist er nach Neuseeland. Er leitet im Rahmen der Internationalen Sommer-Akademie in Salzburg einen Lehrgang für natur- und menschengerechtere Architektur mit Efthymios Warlamis und Irenäus Eibl-Eibesfeldt. Hundertwasser startet seine Kampagne gegen die Einführung neuer Autokennzeichen mit schwarzen Buchstaben und Ziffern auf weißem Grund. Nach langem Zögern nimmt er die Einladung des Wiener Bürgermeisters Helmut Zilk an, die architektonische Gestaltung des Fernwärmewerkes Spittelau in Wien zu übernehmen. Im September kann die St. Barbara Kirche geweiht werden. Am 20. Dezember wird der Grundstein für die Kindertagesstätte in Heddernheim in Frankfurt gelegt.
Die Brockhaus-Enzyklopädie mit dem von Hundertwasser gestalteten Cover erscheint im November 1989. Er hält die Eröffnungsrede auf der Art Basel und nimmt am Symposium »Die Grüne Stadt« in Baden in der Schweiz teil. • Im Frühjahr 1990 hält Hundertwasser sich in Neuseeland auf. Er arbeitet an immer mehr Architektur-Projekten, so am KunstHausWien, der Raststätte Bad Fischau, dem Fernwärmewerk Spittelau, der Wohnanlage »In den Wiesen« in Bad Soden, dem Einkaufszentrum »Village« beim »Hundertwasser-Haus« in Wien und der Winzerei Napa Valley in Kalifornien. • Das KunstHausWien wird mit einer permanenten Hundertwasser-Ausstellung sowie Wechselausstellungsräumen am 9. April 1991 eröffnet. Mit der Umgestaltung der Anlage »Wohnen unterm Regenturm« in Plochingen, Baden-Württemberg, sowie der Gestaltung des Thermendorfes Blumau in der Steiermark kommen weitere Architekturprojekte hinzu. • 1992 wird das Fernwärmewerk Spittelau fertiggestellt. Hundertwasser hält sich in Japan auf. In Tokio wird eine Hundertwasser-Ausstellung zum Thema Ökologie und Architektur gezeigt.
1993 arbeitet Hundertwasser in Neuseeland an der »Hundertwasser-Bibel«. Er gestaltet den Einband des lateinisch-deutschen Schulwörterbuchs »Der kleine Stowasser«. Er verfasst ein Manifest gegen den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union. Darüber hinaus gestaltet er die Krebsstation der Universitätsklinik in Graz. Das österreichische Fernsehen widmet Hundertwasser zum 65. Geburtstag eine Feiertagsmatinee im Theater in der Josefstadt. • Der »Spiralfluss-Trinkbrunnen« an der Spittelwiese in Linz und die Brunnenanlage in Zwettl werden 1994 eröffnet. Die Plochinger Wohnanlage wird eröffnet. • 1995 fertigt Hundertwasser Entwürfe für die Umgestaltung des Martin-Luther-Gymnasiums in Wittenberg. Die »Hundertwasser-Bibel« erscheint. Er entwickelt eine Erlebnisarchitektur für das Kindermuseum Kids Plaza im japanischen Osaka. Ferry Radax beginnt mit den dreijährigen Dreharbeiten für den Dokumentarfilm »Hundertwasser – Leben in Spiralen«.
Das von Hundertwasser gestaltete Donauschiff »MS Vindobona« wird 1996 eingeweiht. • Hundertwasser präsentiert 1997 seinen Architekturentwurf der »Wald-Spirale von Darmstadt«. Die erste Baustufe des »Hügelwälderlandes« des Rogner-Bads in Blumau wird eingeweiht. Die Bauarbeiten am Martin-Luther-Gymnasium in Wittenberg beginnen. Im Rahmen der Briefmarkenmesse Philatelia in Köln werden Hundertwassers Briefmarkenentwürfe ausgestellt. Er fährt mit »La Giudecca«, einem kleinen aus Venedig stammenden Stahlschiff, zur Urupukapuka Insel im Norden Neuseelands. Er reist nach Singapur und anschließend anlässlich der Fertigstellung der Winzerei im Napa Valley nach Kalifornien, San Francisco und New York. • In dem Lissabonner Bahnhof Estaçao do Oriente wird 1998 sein Keramik-Fries installiert. Hundertwasser gestaltet ein Plakat zur Unterstützung der Bewaldung der Wüste Negev in Israel. Das Museum auf der Mathildenhöhe in Darmstadt veranstaltet eine Hundertwasser-Retrospektive. In Japan finden im Isetan Museum of Art in Tokio, im Museum Eki in Kioto sowie im Sakura City Museum of Art in Chiba Hundertwasser-Ausstellungen statt.
Hundertwasser widmet sich 1999 folgenden Architektur-Projekten: der Wohnanlage »Die Grüne Zitadelle von Magdeburg« mit Hotel und Geschäften in Magdeburg, dem »Ronald-McDonald-Haus« in Essen und dem Bahnhof in Uelzen. Er arbeitet am Bau der von ihm um
gestalteten Kawakawa Public Toilet in Neuseeland. Er beschäftigt sich mit der Überholung seines Schiffes »Regentag« und entwirft das Layout für seinen Catalogue Raisonné. Er verfasst ein Manifest gegen Gen-Manipulation. In Japan finden fünf Museumsausstellungen statt. • 2000 verfasst er Kommentare zu vielen seiner Werke für den Catalogue Raisonné. An Bord der Queen Elizabeth 2, vor Brisbane im australischen Queensland, verstirbt Hundertwasser am 19. Februar 2000 71-jährig an Herzversagen. Er wird in Aotearoa, wie Neuseeland von den Māori genannt wird, auf eigenem Land im Garten der glücklichen Toten ökologisch begraben. Auf seiner Grabstelle wächst ein Tulpenbaum.

Katalog
Zur Ausstellung erscheint im Buchheim Verlag ein Katalog mit Texten von Daniel J. Schreiber und Friedensreich Hundertwasser. 192 Seiten mit über 150 Abbildungen zum Preis von ¤ 29,95. (ISBN 978-3-7659-1093-7)

Buchheim Museum
Am Hirschgarten 1
82347 Bernried


Copyright-Vermerke für Bilder siehe oben

Bild 1:
Friedensreich Hundertwasser (608) DAS ENDE DER GRIECHEN, OST- UND WESTGOTEN, Mischtechnik, 1964, 49 x 68 cm, Privatsammlung, © 2016 Namida AG, Glarus

Bild 2:
Friedensreich Hundertwasser (781) GRÜNE STADT, Mischtechnik, 1978, 97 x 145 cm, Baha Fine Art Kunsthandel, Wien, © 2016 Namida AG, Glarus

Bild 3:
Friedensreich Hundertwasser (637A) Wartende Häuser, 1973, japanischer Farbholzschnitt, gedruckt von Nakamura Jr. Tokio, Die Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung, Wien © 2016 Namida AG, Glarus
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heute
Museen Dachau Gemäldegalerie: Ekensund im Kreis der Künstlerkolonien an der Ostsee
Ekensund im Kreis der Künstlerkolonien an der Ostsee
18. November 2016 – 5. März 2017

Seit 1875 entwickelte sich das Fischerdorf Ekensund am Nordufer der Flensburger Förde zu einem beliebten Aufenthaltsort von Künstlern aus allen Zentren des deutschen Kaiserreichs. Die charakteristischen, tief herabgezogenen Dächer der Ziegeleien, der geruhsame Fährbetrieb und das emsige Treiben der Fischer boten den Malern eine Fülle von Motiven und sorgten dafür, dass der Küstenort an der Ostsee auch unter auswärtigen Künstlern bekannt wurden.
Als Begründer der Künstlerkolonie gilt der Maler Heinrich Rasch, der 1875 erste Zeichnungen und Ölstudien von Ekensund anfertigte. Sein Kollege Gustav Schönleber kam im gleichen Jahr. Als Lehrer für Landschaftsmalerei an der Akademie in Karlsruhe empfahl er seinen Studenten Ekensund als Studienort für den Sommer. Bald erweiterte sich der Kreis der Künstler, die sich alljährlich zu Freilichtstudien an der Flensburger Förde einfanden um Berliner und Düsseldorfer Maler. Auch Eugen Dücker, einer der führenden Landschaftsmaler der Zeit kam an die Flensburger Förde. 1885 zählte Arthur Langhammer, später einer der Hauptvertreter der Künstlerkolonie Dachau, zu den Künstlern, die sich im Gasthof von Heinrich Schumann einquartierten, der zum geselligen Treffpunkt der Künstler geworden war. Otto Heinrich Engel, der von 1892 bis 1910 jedes Jahr aus München nach Ekensund kam, wurde zum Mittelpunkt der zweiten Generation von Künstlern, zu der auch die bekannten Maler Alexander Eckener, Jacob Nöbbe, Erich Kubierschky, Walter Leistikow und Carlos Grethe gehörten.
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs leitete das Ende der Künstlerkolonie ein, das mit dem Niedergang der Freilichtmalerei einherging. Mit der Volksabstimmung 1920 wurde Nordschleswig und damit auch Ekensund an Dänemark abgetreten, woraufhin die deutschen Künstler fern blieben oder auf die andere Seite der Grenze zogen. Die ehemalige Künstlerkolonie geriet in für viele Jahre in Vergessenheit.

Die Gemäldegalerie Dachau zeigt ca. 80 Gemälde und Graphiken aus Ekensund sowie exemplarische Ansichten aus Ahrenshoop und Hiddensee, zwei weiteren deutschen Künstlerkolonien an der Ostsee.

Bilder: Heinrich Petersen: Angeln Flensburger Hafen um 1890 / Jacob Nöbbe: Fischerbrücke 1895 / Jacob Nöbbe: Gelbes Meer 1898 / OHEngel: Blick auf die Ostsee 1898.

Gemäldegalerie Dachau
Konrad-Adenauer-Str. 3
85221 Dachau
Di-Fr 11-17, Sa, So, Feiertag 13-17 Uhr
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Museen Kunsthaus Zürich: Alberto Giacometti
"Alberto Giacometti – Material und Vision. Die Meisterwerke in Gips, Stein, Ton und Bronze"

Vom 28. Oktober 2016 bis 15. Januar 2017 stellt das Kunsthaus Zürich anhand von 250 Werken erstmals den Umgang Alberto Giacomettis mit der Materialität seiner Werkstoffe in den Mittelpunkt einer Ausstellung. Ausgangspunkt sind 75 kostbare Gipse aus dem Nachlass des Künstlers, die am Kunsthaus restauriert wurden und wegen ihrer Zerbrechlichkeit nur selten zu sehen sind.
«Alberto Giacometti – Material und Vision. Die Meisterwerke in Gips, Stein, Ton und Bronze» beleuchtet auf neuartige Weise grundlegende Aspekte des Schaffens und Arbeitsprozesses des weltbedeutenden Schweizer Plastikers. Die Ausstellung gibt Antwort auf die Fragen: Was bedeuteten Giacometti seine Gipse? In welchem Verhältnis stehen sie zum Gesamtwerk? Und welches ist der spezifische Charakter der anderen, vom Künstler wie die Gipse eigenhändig bearbeiteten Schöpfungen in Stein, Ton, Bronze, Holz und Plastilin?

SELTEN ZU SEHENDE LEIHGABEN
Bedeutende Leihgaben, vor allem aus der nicht öffentlichen Fondation Alberto et Annette Giacometti in Paris sind erstmals in dieser Fülle in der Schweiz zu sehen. Gemeinsam mit der weltweit umfangreichsten und bedeutendsten Sammlung der Alberto Giacometti-Stiftung im Kunsthaus Zürich präsentiert sich hier für kurze Zeit der ganze Giacometti: Über 250 Werke eines Jahr-hundertkünstlers, dessen experimentierfreudiger Umgang mit Materialien faszinierend ist. Im Mittelpunkt stehen die Werke, die der Künstler selber bearbeitete und in Händen hatte, also Werke aus Ton, Plastilin, Gips, Holz und Stein. Aussergewöhnlich ist die erstmalige Zusammenführung verschiedener Fassungen einiger Werke – wie der kubistischen «Tête qui regarde» in gebranntem Ton, Gips, Marmor und Bronze oder die «Femme de Venise» von 1956 in diversen Materialien und Restaurierungszuständen. Einige Werke aus Stein, die zum Teil aus Privatbesitz stammen, waren seit Jahrzehnten nicht öffentlich ausgestellt.

SINNLICHE, UNMITTELBARE INSZENIERUNG
Die Präsentation findet im über 1000 m2 grossen Ausstellungssaal statt. Kleine Raumeinheiten, die sich in ihrer Grösse an Giacomettis berühmten Pariser Atelier orientieren, bilden Inseln im weitgehend offenen Saal. Auf Tischen, Podesten und verschieden hohen Sockeln werden Gruppen von Werken zusammengestellt. Ihre Anordnung erfolgt grob chronologisch und thematisch. Dort, wo sich dies anbietet, werden mehrere Materialien oder Bearbeitungs-techniken vergleichend präsentiert. Damit die Besucherinnen und Besucher die Oberflächen und die Materialität möglichst ungehindert wahrnehmen können, wird soweit möglich auf Plexiglashauben verzichtet. Demgegenüber finden bedeutende Exemplare der berühmten Bronzegüsse – die ausserhalb des Ateliers in der Giesserei entstanden – ihren Standort ausserhalb der Kojen, frei im Raum. Am Ende der Präsentation werden auch die Gipse aus der Ateliersituation «befreit» und – entsprechend der von Giacometti in dessen letzten Ausstellungen zu Lebzeiten unterstützten Präsentationsweise – den Bronzen als ebenbürtige Werke gegenübergestellt. Dieses Ereignis wird sich aufgrund der Fragilität vieler der Gipse nicht wiederholen lassen.

FORSCHUNG MIT ALLEN MITTELN
In einem kunsttechnologischen Teil werden Ergebnisse des vierjährigen Forschungs- und Restaurierungsprozesses am Kunsthaus anschaulich präsentiert. Besondere Berücksichtigung findet die Vermittlung der am Gips stattfindenden Arbeitsprozesse bis hin zu den technisch komplexen Guss-vorgängen. Der Filmemacher Roy Oppenheim hat das Projekt begleitet. «Spurensuche», so der Titel seiner noch nicht veröffentlichten Dokumentation, gibt Einblick in die Arbeit hinter den Kulissen. Seine Kamera kommt den Gipsen näher als das menschliche Auge. Röntgenaufnahmen durchleuchten das Innere der Plastiken, verraten viel über deren Aufbau und Verfasstheit. Fotografien von Ernst Scheidegger, die zu Giacomettis Lebzeiten im Atelier entstanden, zeugen von der Entstehung einzelner Werke im seinerzeitigen zeitgenössischen Kontext.

IM MATERIAL LIEGT DIE VISION
Was verrät uns dieser «weisse Giacometti»? Als Material war Gips für Alberto Giacometti weit mehr als eine Zwischenstufe zwischen Tonmodell und Bronze-guss. Gips erlaubte ihm, seine Objekte auf vielfältige Weise zu bemalen oder zu bearbeiten. Nicht wenige Skulpturen existieren nur in einer Gipsversion.
Der Künstler schätzte dieses Material um seiner selbst willen. Zum einen wegen seiner besonderen Farbe und Präsenz, aber auch wegen seiner materiellen Eigenschaften: Gips kann im fertigen Zustand durch Bemalen oder durch Ent-fernen oder Hinzufügen von Gipsmasse noch bearbeitet werden. Dabei scheut Giacometti auch nicht davor zurück, Arbeiten radikal zu überarbeiten. Dies zeigen gerade die Spuren seines Messers an den Gipsen. Gipse, die er auf diese Weise nachträglich veränderte, wurden zu kostbaren Unikaten. Sie offenbaren anderes als die Bronzen. Insgesamt wird man sagen können, dass die nicht selten radikale Arbeit Giacomettis an den Gipsen neben dem vorgängigen Mo-dellieren des weichen Tons die zweite grundlegende Arbeitsweise Giacomettis darstellt. Die anschauliche Thematisierung der Restaurierung der Zürcher Gipse und der technischen Prozesse, die bei der Entstehung von Giacomettis Gipsen und Bronzen zur Anwendung kamen, runden die Ausstellung ab. Auf diese Weise wird erfahrbar, wie der Künstler auf dem Weg der Umsetzung seiner künstlerischen Visionen je nach gewähltem Material ganz verschiedene Wirkungen erzielen konnte. Es entsteht ein neuer Blick auf Giacomettis Schaffen, von den frühen Werken des Schülers bis hin zu den berühmten, klassisch gewordenen Arbeiten der Reife- und Spätzeit. Kaum jemals war es möglich, den Reichtum und die Vielfalt der vom Künstler eigenhändig her-gestellten Werke so unmittelbar und sinnlich zu erleben, wie in dieser von Philippe Büttner kuratierten Ausstellung.
Abgerundet wird der Blick auf Giacomettis Werk durch Fotografien von Peter Lindbergh. Erst vor wenigen Monaten erhielt er exklusiven Zugang zu den Gipsen in ihren unterschiedlichen Zuständen. Es entstanden sehr lebendige, mit Licht und (Un)schärfe spielende, beinahe «zufällig» wirkende Aufnahmen.

ALBERTO GIACOMETTI
Alberto Giacometti (1901–1966) ist der bedeutendste Schweizer Künstler des 20. Jahrhunderts. 2016 begeht die Kunstwelt seinen 50. Todestag. Sammler, Galerien und Museen reissen sich um seine Werke und auf dem Kunstmarkt erzielen seine Skulpturen rekordhohe Preise. Aber Giacometti, der wie ein Besessener arbeitete, lebte in Stampa wie in Paris stets bescheiden. Um per-sönlichen Ruhm hat Alberto Giacometti sich nie geschert. Stets war er bemüht, voranzukommen, seine Werke zu verbessern. Die Gipse, die als Schenkung 2006 von Bruno und Odette Giacometti an die Alberto Giacometti-Stiftung im Kunsthaus gelangten, sind dafür das beste Beispiel.
Mit Unterstützung der Credit Suisse – Partner des Kunsthaus Zürich und Ars Rhenia, Stiftung zur überregionalen Förderung von Kunst und Kultur.

KUNSTVERMITTLUNG UND PUBLIKATION
Die Ausstellung wird von einem Katalog begleitet mit kunstwissenschaftlichen Beiträgen von Philippe Büttner, Casimiro Di Crescenzo, Catherine Grenier, Christian Klemm und Stefan Zweifel sowie kunsttechnologischen Analysen von Kerstin Mürer und Tobias Haupt. Die auf Deutsch, Englisch und Französisch bei Scheidegger & Spiess erschienene Publikation umfasst 240 Seiten und rund 270 Abbildungen. Sie präsentiert anhand neuer Aufnahmen erstmals den gesamten, im Kunsthaus Zürich aufbewahrten Bestand an Gipsen Alberto Giacomettis und ist für CHF 59.– im Kunsthaus-Shop und im Buchhandel erhältlich.

Kunsthaus Zürich,
Heimplatz 1,
CH–8001 Zürich

Bild 1.
Alberto Giacometti
Werke 1949–1965
Kunsthaus Zürich, Alberto Giacometti-Stiftung, Foto: Dominic Büttner, © Succession Alberto Giacometti / 2016 ProLitteris, Zürich

Bild 2.
Alberto Giacometti
La main, 1947
Die Hand
Gips und Eisenstab, bemalt, 65,5 x 79 x 12 cm
Kunsthaus Zürich, Alberto Giacometti-Stiftung, Foto: Dominic Büttner, © Succession Alberto Giacometti / 2016 ProLitteris, Zürich

Bild 3.
Alberto Giacometti
Künstlerutensilien
Kunsthaus Zürich, Foto: Dominic Büttner
© Succession Alberto Giacometti / 2016 ProLitteris, Zürich

Bild 4.
Alberto Giacometti
Werke 1925–1927
Kunsthaus Zürich, Foto: Dominic Büttner
© Succession Alberto Giacometti / 2016 ProLitteris, Zürich
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München Stadtmuseum: Shoot! Shoot! Shoot!
Shoot! Shoot! Shoot!
Fotografien der 60er und 70er Jahre aus der Nicola Erni Collection

Die Ausstellung mit ca. 220 Fotografien aus der Nicola Erni Collection gibt Einblicke in die Welt der Kunst, Musik, Mode und des Films in den 60er- und 70er-Jahren in New York, London und Paris. Von Andy Warhols Factory, Truman Capote, den Rolling Stones, Twiggy bis zu Romy Schneider reicht das Panorama einer turbulenten, heute legendären Epoche. Die Fotografien stammen von Diane Arbus, Richard Avedon, Robert Mapplethorpe, Irving Penn, Gary Winogrand, Helmut Newton, Ron Gallela, David Bailey, Jeanloup Sieff, Bert Stern, Fred McDarrah u.v.a.

Münchner Stadtmuseum

St.-Jakobs-Platz 1
80331 München


Bild 1
Paul Schmulbach, Guarding against the Godfather - Marlon Brando and Ron Galella
The Waldorf Hotel, New York, 1974
© Ron Galella, Ltd

Bild 2
David Bailey, Mick Jagger, Fur Hood, 1964, printed 2001
© David Bailey
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München Lenbachhaus: FRIEDRICH WILHELM MURNAU - EINE HOMMAGE
FRIEDRICH WILHELM MURNAU
EINE HOMMAGE

“Ich versuche, in jedem meiner Filme künstlerisches  Neuland zu entdecken und neue  künstlerische Ausdrucksformen zu finden.” (Friedrich Wilhelm Murnau 1928)

Mit NOSFERATU, FAUST, DER LETZTE MANN, SUNRISE und TABU schrieb Friedrich Wilhelm Murnau Filmgeschichte. 21 Filme drehte er zwischen 1919 und 1930 in Deutschland, Amerika und Tahiti. Ursprünglich hieß der große Regisseur der Stummfilmzeit Friedrich Wilhelm Plumpe. Seinen Künstlernamen gab er sich nach einem wunderbaren Sommer, den er im Jahr 1910 in Murnau verbracht hatte, dem berühmten, auch vom “Blauen Reiter” und der Kunstszene der Moderne heimgesuchten oberbayerischen Ort.
Das Lenbachhaus, mit seinem Schwerpunkt auf der Kunst des Expressionismus, widmet Friedrich Wilhelm Murnau eine Ausstellung, die sich als Hommage an dessen innovative Filmsprache und die einzigartige globale Wirkung der frühen Filmkunst versteht. Murnau, der unter anderem Kunstgeschichte studiert hatte, schöpfte in seinen Filmbildern immer wieder aus der Geschichte der bildenden Kunst. Andererseits sind die Kunstschaffenden der 1920er Jahre gerne und viel ins Kino gegangen. Unter den Künstlerinnen undKünstlern des Lenbachhauses sind solch frühe Cineasten vertreten; Gabriele Münter und Rudolf Schlichter gehören zu ihnen. Die starken Verbindungen zwischen den Künsten werden nicht in einer akribischen Einflussgeschichte nachgewiesen, wir haben uns für einen anderen Zugang entschieden: Die Ausstellung zeigt Film mit Film. Das Lenbachhaus hat zeitgenössische Regisseurinnen und Regisseure eingeladen, sich in Filmessays und Kurzfilmen mit Friedrich Wilhelm Murnau zu beschäftigen. Alexander Kluge, Ulrike Ottinger, Guy Maddin und Evan Johnson, Luc Lagier sowie ein Team der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film untersuchen in insgesamt fünf Beiträgen jeweils ein Werk Murnaus mit filmischen Mitteln. Die Auswahl der Werke, darunter NOSFERATU, FAUST und TABU, bestimmt auch die Materialien,
die zusätzlich in der Ausstellung zu sehen sind: Zeichnungen und Fotografien von Murnau und einigen seiner Mitstreiter, darunter Albin Grau, Hans Natge und Robert Herlth. Parallel zur Ausstellung im Lenbachhaus bietet das Münchner Filmmuseum die seltene Gelegenheit, in einer umfassenden Retrospektive alle
erhaltenen Filme Murnaus zu sehen, in besten Kopien und begleitet von international renommierten Stummfilmmusikern.

FRIEDRICH WILHELM MURNAU 1888–1931
Friedrich Wilhelm Murnau wurde am 28. Dezember 1888 als Friedrich Wilhelm Plumpe in Bielefeld geboren. Ab 1907 studierte er Literatur und Kunstgeschichte in Berlin und Heidelberg. In Berlin lernte er den Dichter Hans Ehrenbaum-Degele kennen, der zum engsten Freund seines Lebens wurde. Ehrenbaum-Degeles Familie akzeptierte Murnau als zweiten Sohn. Wohl im Sommer 1910 reisten sie zusammen in das oberbayerische Murnau, ein wichtiger Ort für die zeitgenössische Kunstszene, zu der auch die Mitglieder des späteren „Blauen Reiter“ gehörten. Max Reinhardt gab damals im Garten der Villa des Architekten Emanuel Seidl Shakespeares „Sommernachtstraum“ als Naturtheater. In der Folge nahm Plumpe den Künstlernamen „Murnau“ an. Der Namenswechsel ermöglichte ihm die Distanzierung von seiner Familie und ein selbstbestimmtes Leben, zu dem seine Homosexualität und eine künstlerische Laufbahn – zuerst als Schauspieler – gehörten. Zurück in Berlin wurde Murnau Mitglied von Max Reinhardts Bühne und baute sich ein breites Netzwerk in der Theater-, Literatur- und Kunstszene auf.
Den Ersten Weltkrieg erlebte Murnau im Ersten Garderegiment zu Fuß und ab 1917 bei der Fliegertruppe, zuletzt als Internierter in der Schweiz. In Luzern führte er bei zwei Theaterstücken Regie. Die Familie seines gefallenen Freundes Hans Ehrenbaum-Degele überließ ihm nach dem Krieg ihre Villa im Grunewald als Wohnsitz; dort lebte er in den frühen 1920er Jahren mit dem Maler und Musiker Walter Spies zusammen.
Ab 1919 war der Film Murnaus Wirkungsfeld. Leider sind seine ersten Filme nicht erhalten, es existieren nur zeitgenössische Kritiken sowie gelegentliche Werbematerialien und Fotografien, Drehbücher und Plakate, aus denen sich Rückschlüsse auf das Frühwerk ziehen lassen. DER GANG IN DIE NACHT, bereits seine siebte Regie-Arbeit, wurde im Januar 1921 in Berlin uraufgeführt und ist der früheste erhaltene Murnau-Film. Mit NOSFERATU (1922) drehte er sein heute bekanntestes Werk.

Murnau kooperierte mit den besten Kameraleuten seiner Zeit, unter ihnen Fritz Arno Wagner, Carl Hoffmann, Charles Rosher und Karl Freund, der für DER LETZTE MANN (1924) die „entfesselte Kamera“ entwickelte. Für seine Filme engagierte er die prominentesten Schauspieler: früh schon gehörten Conrad Veidt, Fritz Kortner und Eugen Klöpfer dazu. Er arbeitete mit Alfred Abel, Max Schreck, Lil Dagover, Werner Krauß, Gösta Ekman und entdeckte Camilla Horn. Emil Jannings war der Hauptdarsteller in drei Filmen Mitte der 1920er Jahre. Drehbücher schrieben Carl Mayer, Henrik Galeen und Thea Harbou. Die künstlerische Ausstattung besorgten Albin Grau, Robert Herlth, Rochus Gliese und Walter Röhrig.
Die Innovationskraft und der Erfolg seiner großen ufa-Filme DER LETZTE MANN (1924), TARTÜFF (1925) und FAUST (1926) beeindruckten den amerikanischen Produzenten William Fox,der Murnau für Hollywood engagierte. Dort konnte er SUNRISE (1927) mit einem riesigen Budget und größter künstlerischer Freiheit drehen. In der allerersten Oscar-Verleihung im Jahr 1929 wurden SUNRISE als bester Film und Janet Gaynor als beste Darstellerin ausgezeichnet.
In der Folge wurden Murnau der rasche Wechsel zum Tonfilm und der finanzielle Druck der Studios zum Verhängnis. Für die nächsten Filme THE FOUR DEVILS (1928) und CITY GIRL (1930)hatte er nicht mehr die künstlerische Vollmacht. Enttäuscht entschloss sich Murnau zu einer Südseereise, um auf Tahiti möglichst unabhängig einen Film zu realisieren: TABU (1931). Dessen Premiere erlebte er nicht mehr, am 11. März 1931 starb Murnau nach einem Autounfall in Santa Barbara, Kalifornien.


ALEXANDER KLUGE
Auf Anregung des Lenbachhauses hat Alexander Kluge einen Kurzfilm zu Friedrich Wilhelm Murnaus FAUST (1926) geschaffen. Titel: HOMMAGE FÜR F. W. MURNAU: NOTIZEN ZU FAUST. EINE DEUTSCHE VOLKSSAGE, 2016
Eine Auswahl aus neuen Geschichten, die in einer eigenen Broschüre erscheinen (und hier auch
beigelegt sind), begleitet seine Videoinstallation.

Städtische Galerie im Lenbachhaus
Luisenstraße 33
80333 München
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Kochel Franz Marc Museum: Franz Marc – Zwischen Utopie und Apokalypse Kämpfende Formen
Franz Marc - Zwischen Utopie und Apokalypse
Kämpfende Formen

Als eines der letzten Gemälde Franz Marcs entstand 1914 „Kämpfende Formen“, eine der abstrakten Kompositionen, die Franz Marc vor seinem Aufbruch in den Ersten Weltkrieg schuf. Im Rückblick sah der Maler diese abstrakten Darstellungen als den Übergang seines Werks in die reine Spiritualität, die er stets angestrebt hatte: „Und vom Tier weg leitete mich ein Instinkt zum Abstrakten, das mich noch mehr erregte; zum zweiten Gesicht, das mir ganz indisch-unzeitlich ist und in dem das Lebensgefühl ganz rein klingt.“, schrieb der Maler im April 1915 an Maria Marc.
Gerade die „Kämpfenden Formen“ wurden jedoch wiederholt symbolisch gedeutet, als der Kampf zweier gegensätzlicher Kräfte, die als Gut und Böse oder als Spirituell und Materiell gesehen wurden. Die Verquickung gegenständlicher und ungegenständlicher Elemente ist nicht nur bei Franz Marc zu beobachten, sondern prägt auch die tendenziell abstrakten Werke von Paul Klee und Wassily Kandinsky. Dies wird in der Ausstellung durch entsprechende Gegenüberstellungen anschaulich gemacht.
Darüber hinaus sollen die verschiedenen Richtungen, die Franz Marc auf seinem Weg zur Abstraktion einschlug, dargestellt werden. Sein Weg führte bis zum „Skizzenbuch aus dem Felde“, in dem die experimentelle Auseinandersetzung mit abstrakten Formen fortgesetzt wird. Dieses letzte, 36 Seiten umfassende Skizzenbuch des Malers wird in einer Faksimileausgabe in der Ausstellung vollständig präsentiert.

Franz Marc Museum
Franz Marc Park 8-10
82431 Kochel am See
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München Literaturhaus:
"Der ewige Stenz"
Helmut Dietl und sein München


Erstmals in einer großen Ausstellung zu entdecken: Helmut Dietl als Literat und als literarische Figur. Mit seinen Kultserien prägte er wie kein anderer das München-Bild der Siebziger- und Achtzigerjahre. Und er erfand eine geradezu mythische Stadt: die der legendären, von ihm liebevoll-ironisch inszenierten Bussi-Bussi-Schickeria.
Am 30. März 2016 jährte sich der Todestag des großen Filmregisseurs und Autors zum ersten Mal. Tamara Dietl, seine Witwe, stellt dem Literaturhaus nun den bislang unbekannten Nachlass mit vielen überraschenden und kuriosen Stücken zur Verfügung: darin u.a. die berühmte gelbe Chinalackdose aus »Der ganz normale Wahnsinn«.

Dietl, geboren 1944 in Bad Wiessee, in München »sprachlich imprägniert« (Patrick Süskind), studierte Theaterwissenschaft und war Regieassistent an den Kammerspielen, bevor er über die Liebe zum Fernsehen kam und schließlich mit den Serien »Münchner Geschichten« (1974), »Der ganz normale Wahnsinn« (1979/80), »Monaco Franze« (1983) und »Kir Royal« (1986) deutsche Fernsehgeschichte schrieb. Über die Stadt München sagte er:


    »Ich wollte sie besitzen wie eine Geliebte«.

»Der ewige Stenz«, der in Varianten in allen frühen Werken Helmut Dietls die tragende Rolle spielt, ist immer auch sein Alter Ego. Die Ausstellung zeigt, wie sehr Leben und Werk bei Helmut Dietl eins waren: Sein Leben inszenierte er wie einen Film, seine berühmten Fernsehserien – allesamt Autorenfilme avant la lettre – schöpften aus autobiographischem Fundus.

Großartig ergänzt werden sie durch die unvollendet gebliebenen Erinnerungen aus dem Nachlass, die im September unter dem Titel »A bissel was geht immer« im Verlag Kiepenheuer & Witsch erscheinen (Buchpremiere am 22.9.2016 im Literaturhaus München). Hier beschwört Dietl mit genauem Blick und dem ihm eigenen Humor seine frühe Kindheit in Laim und in Gräfelfing, das Aufwachsen ohne Vater, aber mit drei wichtigen Frauen: der Mutter und den beiden Großmüttern. Seine Jugend im Schwabing der Sechzigerjahre, die ersten literarischen Versuche mit Gedichten und parallel dazu das Entdecken von Theater und Film durch Elfie Pertramer und Walter Sedlmayr.

In der Ausstellung gibt es also viel Neues, Berührendes, Überraschendes über Helmut Dietl zu sehen, mit all den Ingredienzen, die Dietls Klatschreporter Baby Schimmerlos in »Kir Royal« so beschreibt:


    »Ein bissl Geld, ein bissl Sex, ein bissl Tragik, ein bissl Traum, Märchen, Monarchie, Hochfinanz, Industrie, ein bissl Perversität, das wär’ eine Mischung.«

Eine Mischung, der Helmut Dietl ein filmisches Denkmal gesetzt hat, mit unvergesslichen Protagonisten, die das Publikum bis heute amüsieren, rühren und vor allem unterhalten.

Medien-und Literaturhaus München
Salvatorplatz 1
80333 München
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