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Kinder München: Die Abenteuer der kleinen Maus
Die Abenteuer der kleinen Maus

„Jeden Tag ein neues Abenteuer“ ist das Motto unserer kleinen Maus. Und so ist es fast selbstverständlich, dass sie beim gemütlichen Morgenfrühstück mit ihrem Mäusefreund Freddy von zwei ausgesprochen lästigen Katern überrascht wird und sich die beiden nach einer wilden Jagd in einem Kanalschacht vor ihren Verfolgern verstecken und dort einen Ausweg aus ihrer misslichen Lage finden müssen. Leider ist dabei die unfreundliche Kanalratte keine große Hilfe - aber die kleine Maus hat eine Idee: eine auf dem Kanalwasser treibende Kiste wird schnell ein Boot für Freddy und so schwimmt zumindest dieser schon einmal einem Fluchtweg aus dem Kanal entgegen. Während unsere Heldin auf ein geeignetes Wasserfahrzeug wartet, kommt es zur Begegnung mit einem sehr hilfsbereiten Gullimonster, das ihr den richtigen Weg an die frische Luft erklärt. Hoffentlich hat auch Freddy die richtige Abzweigung genommen. Auf den Wellen schaukelnd kommt sie nach einiger Zeit an einen Lagerplatz im Hafen. Dort warten viele Kisten mit Spielsachen, die alsbald in ein Spielwarengeschäft transportiert werden sollen. Kasperl Larifari, eine Lokomotive, ein Teddybär und die Puppe Lisa befinden sich in diesen Kisten. Durch die Hilferufe der Maus aufmerksam geworden, retten sie die kleine Maus aus ihrer schwankenden Kiste. Ehe unsere kleine Maus wieder richtig durchatmen kann, befindet sie sich mit den anderen Spielsachen auf dem Weg ins Spielwarengeschäft.


für Kinder ab 4 Jahren
Münchner Marionettentheater, Blumenstraße 32 (Nähe Sendlinger-Tor-Platz)
Beginn: 15.00 Uhr
Dauer: ca. 90 Min. inkl. Pause

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Theater Landsberg Stadttheater: Cyrano
Cyrano
Komödie nach Edmond Rostand

Moreth Company

Die berühmte Geschichte vom Edelmann und Poeten Cyrano de Bergerac ist ein wunderbarer Stoff für ein Sommertheater. Der mit einer großen Nase und noch größerem Minderwertigkeitskomplex geschlagene Cyrano ist unsterblich in Roxane verliebt. Er versucht deshalb seine Angebetete über den jungen Christian mit seinen Versen zu verzaubern. Mit seiner zweiten Landsberger Inszenierung bleibt Regisseur Konstantin Moreth, nach dem Erfolg der „Gefährlichen Liebschaften“, bei den klassischen französischen Stoffen und zeigt uns den Klassiker „Cyrano“ in einer rasanten und doch poetischen Fassung für drei Schauspieler. Edmond Rostand hat mit der 1897 in Paris uraufgeführten Mantel- und Degen-Komödie eine Satire auf die Oberflächlichkeit der Menschen und die Liebe als Illusion geschrieben. Natürlich zählt am Ende der schöne Geist, die feine Seele, die kein Chirurg konstruieren kann.
Den Titelheld verkörpert Johannes Schön, der in Landsberg neben mehreren Gastspielen mit dem Landestheater Tübingen bereits als Faust in „Faust, die Frauen und das Wasser“ von Ioan C. Toma und als Hubert von Herkomer in „Kehrwasser“ zu sehen war. Hannah Moreth stand in „Zementgarten“ und als Cécile in den „Gefährlichen Liebschaften“ auf unserer Bühne. Sven Hussock war als Dr. Seward in Konstantin Moreths Dracula-Adaption vor sechs Jahre schon zu Gast im Stadttheater.
Die Moreth Company produziert „Cyrano“ extra für Landsberg als Sommertheater im Theatergarten, was vielleicht der Beginn einer neuen Tradition werden könnte. Im Theatergarten ist die Platzwahl frei. Der Einlass wird ausschließlich über das Foyer sein. Bei ungeeignetem Wetter finden die Vorstellungen im Theatersaal statt, sodass Ihrem Theaterbesuch zum ausgewählten Termin nichts im Wege steht.
Mit Hannah Moreth, Sven Hussock, Johannes Schön
Regie: Konstantin Moreth
Ausstattung: Christina Burde
www.morethcompany.de

Spielort: Im Theatergarten des Stadttheaters

Stadttheater Landsberg am Lech
Schlossergasse 381 a
86899 Landsberg am Lech
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Tipp Landsberg Stadttheater: Cyrano
Cyrano
Komödie nach Edmond Rostand

Moreth Company

Die berühmte Geschichte vom Edelmann und Poeten Cyrano de Bergerac ist ein wunderbarer Stoff für ein Sommertheater. Der mit einer großen Nase und noch größerem Minderwertigkeitskomplex geschlagene Cyrano ist unsterblich in Roxane verliebt. Er versucht deshalb seine Angebetete über den jungen Christian mit seinen Versen zu verzaubern. Mit seiner zweiten Landsberger Inszenierung bleibt Regisseur Konstantin Moreth, nach dem Erfolg der „Gefährlichen Liebschaften“, bei den klassischen französischen Stoffen und zeigt uns den Klassiker „Cyrano“ in einer rasanten und doch poetischen Fassung für drei Schauspieler. Edmond Rostand hat mit der 1897 in Paris uraufgeführten Mantel- und Degen-Komödie eine Satire auf die Oberflächlichkeit der Menschen und die Liebe als Illusion geschrieben. Natürlich zählt am Ende der schöne Geist, die feine Seele, die kein Chirurg konstruieren kann.
Den Titelheld verkörpert Johannes Schön, der in Landsberg neben mehreren Gastspielen mit dem Landestheater Tübingen bereits als Faust in „Faust, die Frauen und das Wasser“ von Ioan C. Toma und als Hubert von Herkomer in „Kehrwasser“ zu sehen war. Hannah Moreth stand in „Zementgarten“ und als Cécile in den „Gefährlichen Liebschaften“ auf unserer Bühne. Sven Hussock war als Dr. Seward in Konstantin Moreths Dracula-Adaption vor sechs Jahre schon zu Gast im Stadttheater.
Die Moreth Company produziert „Cyrano“ extra für Landsberg als Sommertheater im Theatergarten, was vielleicht der Beginn einer neuen Tradition werden könnte. Im Theatergarten ist die Platzwahl frei. Der Einlass wird ausschließlich über das Foyer sein. Bei ungeeignetem Wetter finden die Vorstellungen im Theatersaal statt, sodass Ihrem Theaterbesuch zum ausgewählten Termin nichts im Wege steht.
Mit Hannah Moreth, Sven Hussock, Johannes Schön
Regie: Konstantin Moreth
Ausstattung: Christina Burde
www.morethcompany.de

Spielort: Im Theatergarten des Stadttheaters

Stadttheater Landsberg am Lech
Schlossergasse 381 a
86899 Landsberg am Lech
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Museen Dachau Gemäldegalerie: Walther Klemm und Carl Thiemann - Zwei Meister des Farbholzschnitts
Walther Klemm und Carl Thiemann - Zwei Meister des Farbholzschnitts

Vom 22. April bis 15. August 2016

Vor 50 Jahren, am 3. Dezember 1966, starb Carl Thiemann in Dachau. Der aus Karlsbad stammende Maler und Graphiker hatte sich 1908 zusammen mit seinem Künstlerkollegen Walther Klemm in dem als Künstlerkolonie bekannten kleinen Marktort niedergelassen. Zuvor hatten sie in Wien durch Emil Orlik, der 1900/01 auf einer Japanreise den Farbholzschnitt für sich entdeckt hatte, diese graphische Technik kennengelernt, sich angeeignet und vervollkommnet. Mit ihren Arbeiten wurden sie weit über Dachau hinaus bekannt und machten Dachau zu einem wichtigen Zentrum für den Farbholzschnitt. Während Walther Klemm 1913 einem Ruf nach Weimar folgte, blieb Carl Thiemann in Dachau. Für sein Engagement im kulturellen Leben der Stadt erhielt er zahlreiche Ehrungen, u.a. das Bundesverdienstkreuz und den Goldenen Ehrenring der Stadt Dachau.


Carl Thiemann (1881 - 1966)
Am 10. November 1881 wurde Carl Thiemann in Karlsbad geboren. Sein Vater, Offizier der
k. u. k. Armee, wurde 1866 bei Königsgrätz schwer verletzt, musste aus dem Militärdienst entlassen werden und erhielt eine Stelle als Postbote in Karlsbad. Er starb 1889 und hinterließ seine Familie in ärmlichen Verhältnissen. Carl wurde deshalb zur Tante nach Darmstadt geschickt, die ihn adoptieren wollte, kehrte aber bereist eineinhalb Jahre später nach Karlsbad zurück. 1895 begann er eine Ausbildung zum Kaufmann und übte diesen Beruf auch 10 Jahre lang aus. Seine Leidenschaft, die Kunst und das Zeichnen, blieb auf die Freizeit beschränkt. Ein Kunstsammler entdeckte schließlich sein großes Talent und vermittelte ihm zwei Stipendien. Diese ermöglichten es ihm 1905 an die Kunstakademie in Prag zu gehen. Er zog noch im selben Jahr in das kleine Dorf Libotz bei Prag, um hier - gemeinsam mit Walther Klemm, den er zufällig in Prag wiedertraf - zu arbeiten. Eine anfangs sehr fruchtbare Beziehung, denn Thiemann, der sich mit der Radierung beschäftigt hatte gab seine Erfahrungen an Klemm weiter und dieser, mit der Technik des Farbholzschnitts vertraut, vermittelte diese Technik an Thiemann. Erste Erfolge stellten sich schnell ein. Beide unternahmen gemeinsam Studienreisen, u.a. nach Berlin, Wien und Lübeck. Der Höhepunkt war die gemeinsame Ausstellung 1907 in Leipzig, die sie zusammen mit Max Oppenheimer gestalteten.
Da die öffentlichen und privaten Ankäufe, insbesondere ins deutsche Reich, stetig zunahmen, beschloss Thiemann nach Dachau bei München umzusiedeln. Dachau zehrte ja zu diesem Zeitpunkt noch von der überregionalen Bedeutung, die es als Künstlerkolonie erlangt hatte. Carl Thiemann und Walther Klemm zogen im Frühjahr 1908 nach Dachau. Walther Klemm war zu diesem Zeitpunkt bereits verheiratet, Thiemann heiratete in Dachau Louise. 1909 wurde die gemeinsame Tochter Margarete Johanna geboren. Auch in Dachau unterhielten Thiemann und Klemm zunächst ein gemeinsames Atelier. »Doch bald trat eine gewisse Entfremdung ein und 1909 riß die Verbindung schließlich ganz ab. Klemm folgte 1913 einem Ruf an die Hochschule für Bildende Künste in Weimar«. 1)
Carl Thiemann blieb in Dachau wohnen. Von hier aus beschickte er zahlreiche Ausstellungen mit seinen Werken, wobei vor allem seine Farbholzschnitte auf große Resonanz stießen. Über die Zeit hatte sich Thiemann ein gut funktionierendes Netz zur internationalen Kunstwelt aufgebaut, wobei ihm sicherlich seine kaufmännische Ausbildung zu Hilfe kam. Seine Arbeiten wurden in Frankreich, England und sogar in Amerika auf dem Kunstmarkt angeboten.
Thiemann war nun auch in den wichtigen Künstlervereinigungen vertreten: er wurde Mitglied der Wiener Secession (1910), Mitglied des Bundes österreichischer Künstler (1913), Mitglied der Freunde der graphischen Kunst Leipzig (1913) und korrespondierendes Mitglied der Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur (1918). Gut bezahlte Aufträge sicherten ihn finanziell ab: eine Mappe mit Farbholzschnitten Altbergischer Häuser von dem Barmer Kunstverein (1910/11) und dreißig großformatige Schwarz-Weiß Holzschnitte zur Illustration der Festschrift zum hundertjährigen Bestehen (1911) für die Friedrich Krupp AG Essen. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbrach diese erfolgreiche Tätigkeit.
Thiemann, damals immer noch österreichischer Staatsbürger, wurde im August 1915 eingezogen, erkrankte schwer und kehrte 1916, nicht ausgeheilt, nach Dachau zurück. Noch vor dem Ausbruch der Inflation konnte er 1922 für sich und seine Familie in Dachau ein kleines Haus bauen. Der Hausbau, der Ausbruch einer schweren Knochenkrankheit bei Margarete und der Wiederausbruch des schweren Nervenleidens bei seiner Frau zehrte die finanziellen Rücklagen auf. In Folge des Kriegs brach sein erfolgreich aufgebautes Netz zur internationalen Kunstwelt zusammen. Erst Ende der 1920er Jahre bekam er wieder Aufträge, die ihn finanziell besser stellten: 1929/30 dreißig Federzeichnungen für die Bayerische Staatsbank und 10 kleine Farbholzschnitte »München im Schnee«. Seine Kontakte zum internationalen Kunstmarkt konnte er reaktivieren und der Erfolg stellte sich langsam wieder ein. 1927 gründete er, zusammen mit Walter von Ruckteschell und Hermann Stockmann, die Künstlervereinigung Dachau. Nach 1933 - der Machtergreifung der Nationalsozialisten - zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück. Den Auftrag zur Ausmalung eines Eßsaales im Konzentrationslager Dachau konnte er ablehnen.
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erkrankte seine Tochter so schwer, dass sie ihren Beruf als Kunsterzieherin aufgeben muss und gleichzeitig brach bei seiner Frau das alte Nervenleiden wieder aus. Carl Thiemann musste die Familie alleine über die Runden bringen,  tauschte Kunstwerke gegen Arzneien und Essen. Und noch ein weiterer Schicksalsschlag traf ihn: anlässlich seines 60. Geburtstags fand  ihm zu Ehren 1942eine Ausstellung in Karlsbad statt. Bei der Bombardierung wurden seine 200 Exponate zerstört, zahlreiche Unikate gingen verloren.
Die Jahre nach dem Krieg waren durch die Krankheit und den Tod der Tochter, sie stirbt 1950, gekennzeichnet, woran auch seine Frau zerbrach. Sie starb 1957.
Thiemann, er war inzwischen 76 Jahre alt, zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Erst die Heirat mit seiner ebenfalls verwitweten Kusine Ottilie beendete 1959 diese schwere Zeit. Ottilie, selbst habilitierte Kunsthistorikerin, regte ihn dazu an die Geschichte der Dachauer Künstlerkolonie zu verfassen. Auch künstlerisch begann Thiemann wieder zu arbeiten. In den letzten Jahren entstehen vor allem großformatige Blumen - Farbholzschnitte, in denen er seine ganze Erfahrung und Kunstfertigkeit noch einmal unter Beweis stellen konnte.
1959 wurde ihm die Josef-Hoffmann-Plakette, 1961 das Bundesverdienstkreuz und 1966 der Ehrenring der Stadt Dachau verliehen. Kurz nach seinem 85.Geburtstag, am 3. Dezember 1966 erlag Carl Thiemann einem Wirbelsäulenleiden in Deutenhofen.
1) Klaus Merx, Carl Thiemann 1881-1966. Ein Beitrag zur dekorativen Kunst des Jugendstils, Darmstadt 1976, S. 28


Walther Klemm (1883 - 1957)
Walther Klemm wurde am 18. Juni in Karlsbad geboren. Sein Vater, Direktor der Bürgerschule, war wohlhabend und angesehen. Schon früh machte sich das zeichnerische Talent seines Sohnes bemerkbar. Als es darum ging, welchen Berufsweg Walther Klemm einschlagen sollte, beschloss sein Vater ihn auf die Kunstgewerbeschule in Wien zu schicken um ihn dort zum Zeichenlehrer ausbilden zu lassen. "Es weilten gerade zwei berühmte Berliner Maler in Karlsbad zur Kur. Eines Tages hieß mich mein Vater meine Studien zusammenpacken und in den "Strauß" auf der alten Wiese zu gehen, wo Professor Orlik bereit sei meine Arbeiten zu prüfen. [...] Es stürmte schnellen Schrittes ein Mann mit Künstlerhut und wehendem Schlips herein und rief: "Sie haben genug Talent, sagen Sie es Ihrem Herrn Vater, ich möchte ihn gern sprechen"." 1) Ein älterer Mann trat ins Haus und wurde von Emil Orlik begrüßt. Er bemerkte die vorgelegte Mappe mit den Zeichnungen. ""Da haben Sie wohl einen jungen Maler? Lassen Sie mich was sehen. So was interessiert mich immer!" Ich mußte die Mappe im Hausflur nochmals öffnen. Der Herr prüfte alles durch, [...], dann fuhr er mir durchs Haar und sagte in einem heiseren Ur-Berlinerisch: "Nur man los, das wird was, Sie haben Talent! Sagen Sie dem Vater, das hat Max Liebermann gesagt"."2)

Als Walther Klemm 1901 nach Wien kam um Kunstgeschichte zu studieren, begann er gleichzeitig eine Ausbildung an der Kunstakademie und der Kunstgewerbeschule. Dort an der Kunstgewerbeschule gab es zu Studienzwecken eine kleine Menagerie. Von Anfang an galt Klemms Interesse der Darstellung von Tieren. »Das Tierstudium wurde bei [Prof.] Kenner sehr eifrig getrieben. Wir hatten eine ganze Menagerie. Affen turnten frei umher; Hühner, Truthahn, Pfau waren da; Raubvögel in großen Bauern. Selbst einen kleinen Esel schafften wir unters Dach. Dachs, Fuchs und Marder wurden auf Zeit von der Zoologischen Handlung geliehen.«3) Bevorzugt jedoch ging Klemm zum Studium vor Originalen in den nahe gelegenen Tierpark von Schönbrunn.
Über die Zeitschrift »Ver Sacrum«, eine Publikation der Wiener Secessionisten, die in der Berichterstattung über graphische Techniken federführend war, wurde Walther Klemm mit dem japanischen Holzschnitt vertraut. Zusätzlich regte ihn eine Ausstellung Emil Orliks in Wien an, mit dieser schwierigen Technik zu experimentieren. Orlik hatte sich auf einer Japanreise 1900/01 u.a. intensiv mit der japanischen Holzschnitttechnik beschäftigt.
»Zu welcher Präzisierung des Schauens und Sehens man es bringen kann, lernte ich begreifen, seit ich die japanische Methode an mir praktisch erprobte« schrieb Walther Klemm noch vor dem Ersten Weltkrieg an den Leiter des Kupferstichkabinetts Dresden, Hans W. Singer. Seit der Öffnung Japans Mitte des 19. Jahrhunderts war der japanische Holzschnitt auch in Europa auf dem Vormarsch und übte auf die jungen Künstler (van Gogh, Gauguin) große Faszination aus.
Bereits 1904/05 stellte Klemm seine ersten Farbholzschnitte4) in der Wiener Secession mit so großem Erfolg vor, dass die Graphische Sammlung München und die Wiener Hofbibliothek umgehend einige seiner Arbeiten ankauften. Walther Klemm gehörte der Folgegeneration der Jugendstilkünstler an, die dem floralen Überschwang des frühen Jugendstils einen eher tektonischen Stil entgegensetzten, um damit die Eigenart der Holzschnitttechnik hervorzuheben. Mit dem ebenfalls aus Karlsbad stammenden Carl Thiemann, den er 1905 in Prag traf, gründete er in Libotz, einem kleinen Dorf bei Prag eine Ateliergemeinschaft. Erst durch Klemm lernte Thiemann den Farbholzschnitt kennen. Beide experimentierten mit dieser Technik und verfeinerten sie. 1908 zogen sie nach Dachau, das unweit der Kunstmetropole München als Künstlerkolonie einen überregionalen Ruf genoss. Hier wandte er sich ländlichen Themen zu, wie z.B. dem Viehmarkt in Dachau, dem Viehtreiben, dem Kirchgang oder den Schlittschuhläufern. Alles Themen, die ihn in die Nähe der Heimatkunst rückten, die in Dachau vor allem durch Hermann Stockmann und August Pfaltz vertreten wurde. Anders als Thiemann wandte sich Klemm schon früh einer eher realistischen, aber sehr malerisch-bewegten Darstellungsweise zu. Dies begründete sicherlich auch seine spätere Hinwendung zur Illustration (Reinecke Fuchs, Wilhelm Tell, Faust u. a.), und vor allem zu schwarz-weißen Holzschnitten, Lithographien und Zeichnungen. Klemm und Thiemann lebten sich auseinander - noch in Dachau trennten sich ihre Wege. Klemm blieb zunächst noch hier wohnen. Eng befreundet mit dem Dachauer Verleger Walter Blumtritt, illustrierte er für diesen zahlreiche Bücher.
1913 verließ Walther Klemm Dachau, nachdem er zum Leiter der graphischen Abteilung an die Kunstschule in Weimar berufen wurde. Dort übernahm er zusätzlich, auf Grund des Weggangs von Albin Egger-Lienz, kurzzeitig dessen verwaiste Malklasse. In Weimar passierte damals künstlerisch gesehen Grundlegendes: Die 1908 von Henry van de Velde begründete Weimarer Kunstgewerbeschule wurde 1919 mit der Hochschule und einer Architekturabteilung von Walter Gropius zum "Bauhaus" vereinigt. 1925 zog das Bauhaus nach Dessau um. Die traditionellen, konservativen Richtungen blieben in Weimar zurück, darunter auch Walther Klemm.
In Weimar wandte sich Klemm immer mehr vom dekorativen Farbholzschnitt ab und er wandte sich vermehrt der Ölmalerei zu. Nach wie vor aber lag sein Hauptaugenmerk auf den graphischen Techniken. Neben dem technisch gesehen scheinbar einfacheren Schwarzweißholzschnitt, der ihm starke Licht- und Schatteneffekte und eine dynamische Dramatik ermöglichte, schuf er nun auch zahlreiche Lithographien und Radierungen. In ihnen entwickelte er eine besondere expressive Kraft und dramatischen Ausdruck zur höchsten Qualität. Wie in Dachau begonnen, illustrierte er in Weimar viele Bücher und fertigte Blätter für umfangreiche Mappenwerke: darunter Tyll Ulenspiegel, Dachau 1911; Faust I, Dachau 1913; Don Quichote, Weimar 1914;  Simplicius Simplicissimus, 1915; Reinecke Fuchs, Weimar 1916;  Das Dschungelbuch, Weimar 1920/21; Sagen der Karlsbader Landschaft, Karlsbad 1926; Reinecke Fuchs, Berlin 1949. In Weimar lebte und arbeitete Klemm bis zu seinem Tod 1957.
1) Walther Klemm, Jugend in Karlsbad, Jena 1931,  S. .....
2) Walther Klemm, Jugend in Karlsbad, Jena 1931,  S. .....
3) Walther Klemm, Jugend in Karlsbad, Jena 1931,  S. 100
4) Folgende Arbeiten wurden ausgestellt: Bauer mit drei Kühen, Pferdeköpfe, Junghengst, Froschglas, Barsoi, Pflügender Bauer, Alte Dächer in Prag, Ansicht aus Alt-Eger.
Literatur:
Walther Klemm, Deutsche Buchkünstler und Graphiker in Selbstdarstellung, 1925
Walther Klemm, Jugend in Karlsbad, Jena 1931
Walter Scheidig, Walther Klemm als Graphiker, Karlsbad 1945
Ernst Schremmer, Walther Klemm 1883-1957, Graphik und Illustrierte Bücher, Esslingen 1983 (Ausstellungsreihe der Künstlergilde Esslingen
Ausstellungskatalog des Verbands Bildender Künstler Deutschlands, Erfurt 1955: Malerei Graphik Buchkunst

Zur Ausstellung ist ein Katalog zum Preis von € 14,- erschienen.

Gemäldegalerie Dachau
Konrad-Adenauer-Str. 3
85221 Dachau
Tel 08131/5675-0
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Museen Landsberg Stadtmuseum: So ein Lech! Episoden und Stationen eines bayerischen Flusslaufs
So ein Lech! Episoden und Stationen eines bayerischen Flusslaufs

Ausstellung im Stadtmuseum Landsberg 30.4. - 30.10.2016

Der Lech mit seinem spektakulären Wasserfall am Landsberger Lechwehr ist zentral in der Stadt und im Bewusstsein der Landsberger präsent. Was wissen wir aber tatsächlich über diesen Fluss, der nicht nur für Bürger und Touristen das Stadtbild prägt, sondern ganz unterschiedliche Bedeutungen für seine Anwohner früher wie heute besitzt?

Es ist heute kaum noch vorstellbar, welchen Stellenwert der Lech früher für die Flößerei besaß: In der Blütezeit der Lechflößerei passierten über 4.000 Flöße den Fluss. Werkzeug, Votivtafeln und Warenbestellungen zeugen von einem Gewerbe, das für Dörfer wie Lechbruck die Haupteinnahmequelle war. Handwerksbetriebe und Mühlen nutzten die Wasserkraft. Mitte des 20. Jahrhunderts gab es bayernweit etwa 6.400 kleinere und mittlere Wassertriebwerke zum Mahlen von Getreide, Sägen von Holz, Walken von Stoffen und zum Betreiben von Hämmern in Schmieden. Wehrbauten und Flussverbauungen versuchten diese Anlagen zu schützen, die durch das wiederkehrende Hochwasser des wilden Alpenflusses Lech stets gefährdet waren.

Die Flussdynamik eines Alpenflusses drückt sich im enormen Kiestransport aus, der mit seinen Umlagerungen für zahlreiche Flussarme, Kiesinseln und Biodiversität sorgt. Diesen Charakter als Alpenfluss hat der Lech in Bayern eingebüßt. Mit dem Staustufenbau im 20. Jahrhundert hat sich das Gesicht des Flusses und seiner Ökologie erheblich verändert. Gleichzeitig sind die aufgestauten Seen der zwanzig Staustufen zwischen Füssen und Augsburg touristisch beliebte Freizeitziele.

Über diese Veränderungen und verschiedenen Bedeutungen des Flusses für die Menschen, die an ihm leben, berichten Landschaftszeugen. Klement Sesar, Altbürgermeister von Peiting und ehemaliger Vorsitzender des Kreisfischereivereins Schongau, ist einer von ihnen. Ideengeber für das Interview-Projekt war der Verein Lebensraum Lechtal. Gemeinsam mit dem Museum haben Schüler der Montessori-Schule Inning das Projekt umgesetzt: Interviewtraining absolviert, Gespräche mit den Interviewpartnern geführt und sogar die Hörstücke selbst geschnitten.

Die Ausstellung „So ein Lech!“ zeigt historische Karten, Gemälde und Objekte, die aus den verschiedenen Museen entlang des Lechs stammen, so aus den Stadtmuseen Füssen, Schongau und Friedberg, dem Flößereimuseum Lechbruck oder dem Heimatverein Pfronten. Von der Quelle bis zur Mündung folgt der Besucher über Luftbildaufnahmen dem Lech und seinen Geschichten. Seine Schönheit lässt sich an ausgewählten Gemälden des 19. und 20. Jahrhunderts nachvollziehen.

Ob als Transportweg für die Flößerei in historischer Zeit, als Energielieferant in unserer eigenen oder als identitätsstiftende Landes- und Sprachgrenze, der Lech bietet ein interessantes Spektrum an Themen für ein breites Publikum. Auch für Familien mit Kindern gibt es in der Ausstellung viel zu entdecken, „Herbert der Hecht“ hält kleine Arbeits- und Suchaufträge bereit. Neben den Führungen durch die Ausstellung sind Ausflüge an den Lech, z.B. auf dem Lecherlebnispfad, zur Erkundung seltener Tier- und Pflanzenarten im Angebot.


So ein Lech! Episoden und Stationen eines bayerischen Flusslaufs
Ausstellung  30.04.2016 - 30.10.2016
Stadtmuseum Landsberg,
Von-Helfenstein-Gasse 426
86899 Landsberg am Lech
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Museen Museum Fürstenfeldbruck: „Henrik Moor (1876-1940) - Avantgarde im Verborgenen“
„Henrik Moor (1876-1940) - Avantgarde im Verborgenen“
im Museum Fürstenfeldbruck
von Donnerstag, 12. Mai bis Sonntag, 25. September 2016

Ein halbes Jahrhundert Kunst- und Zeitgeschichte besichtigen - das ermöglicht die Ausstellung „Henrik Moor (1876-1940) - Avantgarde im Verborgenen“. Die Münchner Freilichtmalerei, der Blaue Reiter und die italienischen Futuristen, der Erste Weltkrieg und die Gefährdungen durch den Nationalsozialismus - all das hat sich in die Bilder Henrik Moors eingeprägt. In einem harten Lebenskampf beschritt der Maler einen Weg vom Impressionismus zum Expressionismus bis hinein in die Abstraktion. Neben Porträts, Stadt- und Landschaftsbildern gehört die Darstellung von Musik zu den zentralen Motiven des Malers, der selbst ein ausgezeichneter Pianist war und Pablo Casals zu seinen Freunden zählte.

„Avantgarde im Verborgenen“ ist die erste große Retrospektive zu Henrik Moor.
Auf 600 m² Ausstellungsfläche werden rund 200 Landschafts- und Städtebilder, Musikdarstellungen, Porträts und abstrakte Werke aus öffentlichen und privaten Sammlungen zu sehen sein. Die Ausstellung beginnt am Donnerstag, 12. Mai 2016 und läuft bis Sonntag, 25. September.


Henrik Moor

Das Leben von Henrik Moor begann international: Geboren in Prag, aufgewachsen in Ungarn und New York, studierte er in London, Paris, Zürich und München. Im pulsierenden Kunstflair der Isarmetropole ließ er sich zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts dauerhaft nieder. Wie viele andere Künstlerkollegen zog es ihn dabei ins Münchner Umland. 1908 siedelte er sich in Fürstenfeldbruck an, wo er bis zum Ende seines Lebens blieb. 1916 bis 1918 wurde er als Kriegsmaler von der österreichischen Armee eingezogen. Nach dem Krieg kehrte er nach Fürstenfeldbruck zurück. 
In Fürstenfeldbruck rang er mit der Kunst und dem (Über-)leben. Seine avantgardistischen Experimente entsprachen nicht den Vorstellungen nationalsozialistischer Kunstpolitik - ein Werk wurde 1937 aus der neuen Staatsgalerie in München als „entartet“ eingestuft und entfernt. Der Maler stand unter dem wirtschaftlichen Zwang, mit seiner Kunst eine große Familie ernähren zu müssen. Noch größer jedoch war die Belastung, die von seinen jüdischen Wurzeln herrührte: Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten begann ein kräftezehrendes Katz- und Mausspiel um seinen sogenannten „Ariernachweis“ - mit Hilfe des Brucker Landrates gelang es bis zum Tod des Malers im Jahre 1940, seine jüdische Abstammung geheim zu halten.

Museum Fürstenfeldbruck
Fürstenfeld 6
82256 Fürstenfeldbruck
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Museen München Lenbachhaus: ROCHELLE FEINSTEIN
ROCHELLE FEINSTEIN "I MADE A TERRIBLE MISTAKE"

Ausstellung im Münchner Lenbachhaus
vom 07. Juni bis 18. September 2016

“I Made A Terrible Mistake”, “Find your Own Damn Voice”, “Wrong!”.
Wie diese drei Werktitel vermuten lassen, haben die Malereien der US-Künstlerin Rochelle Feinstein
(geb. 1947) viel zu sagen. Und sie sind äußerst eigensinnig. Über einen Zeitraum von dreißig Jahren hat Feinstein, langjährige Professorin für Malerei und Drucktechnik an der Yale University in New Haven,
ein Oeuvre entwickelt, das sich mit den Implikationen und Ideologien des Kunstmachens auseinandersetzt. Wie kaum eine Künstlerin hat Feinstein den Diskurs um die abstrakte Malerei in den vergangenen Jahrzehnten perspektivisch geöffnet und vorangetrieben. Das Lenbachhaus freut sich daher,
gemeinsam mit dem Centre d‘Art Contemporain in Genf und der Kestnergesellschaft Hannover, die erste umfassende Feinstein gewidmete Werkschau zu präsentieren. Der Schwerpunkt am Lenbachhaus liegt auf den Malerei-Installationen, die seit Mitte der 1990er Jahre enstanden sind.
The Estate of Rochelle F. (Der Nachlass von Rochelle F., 2010), beispielsweise, ist Feinsteins „prä-posthumer“ Nachlass, den die Künstlerin als Reaktion auf die Finanzkrise von 2008 schuf. Für die Herstellung der Estate-Arbeiten verbot sich Feinstein, neues Material zu kaufen und verwandte stattdessen, was sie zur Hand hatte: alte Putzlappen, sperrige Geburtstagsgeschenke und einige ihrer älteren Kunstwerke. Mit gewohnt trockenem Humor adressiert Feinstein mit dem Estate die Endlichkeit des Lebens angesichts der Beständigkeit des Nippes, der uns begleitet. Werke wie Before And After
 (Vorher und Nachher, 1999) stellen die Malerei als einen entmystifizierten Vorgang dar, der als ein Stück Stoff (der Leinwand) beginnt und in einem verpackten Objekt auf dem Lagerregal mündet. Feinstein thematisiert die Materialität und Sperrigkeit des malerischen Mediums und stellt zudem die Frage nach der Bedeutung von Kunst, die kein Publikum hat. Für welche Kunst existiert ein Publikum, für welche nicht und warum?

Über einen Zeitraum von dreißig Jahren hat die gebürtige New Yorkerin Feinstein, langjährige Professorin für Malerei und Drucktechnik an der Yale University, ein Werk entwickelt, das sich mit den kulturellen und
politischen Zusammenhängen des ‚Kunstmachens’ im Allgemeinen und der Malerei im Besonderen auseinandersetzt. Wie kaum eine Künstlerin hat Feinstein den Diskurs um die abstrakte Malerei in den vergangenen Jahrzehnten geöffnet und vorangetrieben. In ihren Werken begegnen sich Piet Mondrian und Michael Jackson, das Quadrat Malewitschs und das »I LOVE NY« Logo auf Augenhöhe. Jedoch geht es Feinstein nicht um eine Verschränkung von vermeintlichen Kategorien des High und Low, sondern vielmehr darum, wie man aus den alltäglichen Tropen der Kunst und des zeitgenössischen Lebens zugleich schöpfen und diese anders, sprich über ihre übliche Bedeutung hinaus, wahrnehmen kann.

Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau
Luisenstraße 33
80333 München
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Museen München Stadtmuseum: Samuel Henne - „musée imaginaire“
Samuel Henne - „musée imaginaire“
Kabinettausstellung im Münchner Stadtmuseum

Vom 10. Juni - 25. September 2016

Im Mittelpunkt des fotografischen Werks von Samuel Henne steht die Auseinandersetzung mit dem
vielschichtigen Wechselverhältnis von Fotografie und Skulptur. Seine seriell konzipierten Arbeiten  zeigen eindrückliche, für die Kamera inszenierte Bildkonstruktionen und Bildwelten, deren künstlerischer Ausgangspunkt Variationen einzelner Objekte bilden. Im Studio arrangierte Motive werden mittels Setting, Licht- und Farbregie in prägnante, eigenständige Bildkompositionen übersetzt. Im permanenten Wechsel zwischen räumlicher und flächiger Wirkung stellen sie ihre Realität als Konstrukt einer medialen Praxis konsequent zur Schau.
Häufig verwendet Henne alltägliche Gegenstände, die zu Objekt-Kompositionen zusammengefügt und über die Inszenierung wiederum als Teil der Gesamtkomposition ins Bild überführt wurden.Hennes Interesse an der Beziehung zwischen Fotografie und Skulptur wird auch in der im Rahmen seiner Kabinettausstellung im Münchner Stadtmuseum gezeigten Werkserie „musée imaginaire“ besonders deutlich: Bücher mit fotografischen Abbildungen skulpturaler Werke verwandelt der Künstler zu plastisch arrangierten Objekten mit zur Falz hin eingeschlagenen Seiten. Die neu entstandenen Objekte weisen nicht nur eine beeindruckende dreidimensionale Qualität auf, sondern werden durch den fotografischen Akt und die Inszenierung in neue, eigenständige Bilder übersetzt. Der gezeigte Bildraum wird erweitert durch eine bildhauerische Präsenz, während die Grundlage dieser Skulpturen wiederum beide künstlerischen Medien vereint. Henne spielt mit der Wahrnehmung von Fotografie, ihren Ausformungen und Einsatzbereichen. Seine Bilder sind dabei stets unaufgeregt, verzichten auf spektakuläre Momente und Überhöhungen. Sie beziehen ihre Nachdrücklichkeit insbesondere aus der offenkundigen Inszenierung vertrauter Alltagsmaterialien oder kunsthistorischer Versatzstücke und stellen ihre Realität als Konstrukt einer medialen Praxis konsequent zur Schau.

Biografie:
geb. 1982 in Göttingen, lebt in Hannover
2003-09 Kunststudium an der HBK Braunschweig

Ausstellungen (Auswahl):
Dealing with surfaces, GAK Bremen (2015); Shaped Reality - Between Object and Image, Krokus Gallery, Bratislava (2014); Einknicken oder Kante zeigen? Die Kunst der Faltung, Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt (2013); Zwischenspiel: Formationen, Museum für Photographie Braunschweig (2013); Formationen, Galerie Karin Sachs, München (2013); BEYOND THE COMPOUND, Galerie Jette Rudolph, Berlin (2013); Something specific about everything - Gängeviertel, Hamburg (2012); It ́s Red And Not Moving - Galeria Krokus, Bratislava (2012); Flurstuecke - Niedersächsische Landesvertretung Berlin; Gute Aussichten, Deichtorhallen, Hamburg (2011).

Kurator der Ausstellung: Rudolf Scheutle

Münchner Stadtmuseum
St.-Jakobs-Platz 1
80331 München
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Museen Kochel Franz Marc Museum: Weidende Pferde IV
Ausstellungstrilogie 2
Franz Marc - Zwischen Utopie und Apokalypse
Weidende Pferde IV

Vom 12. Juni bis 11. September 2016

Die „Weidenden Pferde IV“ stehen als eine der wichtigsten Bildschöpfungen Franz Marcs im Jahr 1911 neben seinen berühmten Gemälden „Blaues Pferd“ und „Pferd in Landschaft“. Es handelt sich um Kompositionen, mit denen es dem Maler gelingt, die Empathie mit dem Tier beim Betrachter durch bekannte, aus der Romantik übernommene Kompositionsmuster aufzurufen und die Farbe als autonomes Bildmittel von ihrer Funktion der Gegenstandsbezeichnung zu trennen.
Die "Weidenden Pferde" markieren den endgültigen Schritt zur Tierdarstellung als dem zentralen Anliegen von Marcs Werk. Während Marc auch 1911 noch wichtige Aktdarstellungen gemalt hatte, wendet er sich nun von der Darstellung des Menschen fast ganz ab. In diesem Zusammenhang ist die bisher kaum thematisierte Rückseitenbemalung des Gemäldes wichtig. Sie zeigt Akte in einer
Landschaft, eine Komposition, die Marc schließlich verwarf, um auf der anderen Seite der Leinwand „Weidende Pferde IV“ darzustellen. Rückseite und Vorderseite des bedeutenden Werks deuten so auch auf die gedankliche Entstehungsgeschichte des Gemäldes hin, die in der Ausstellung durch Werke des gleichen Zeitraums erfahrbar wird.

Während der Entstehung des Gemäldes, im Februar 1911, äußerte sich Franz Marc in einem Brief an Maria Marc zur außergewöhnlichen und neuartigen Farbgebung seines Werks. „... Ich habe noch ein großes Bild mit drei Pferden in der Landschaft, ganz farbig von einer Ecke zur anderen, angefangen, die Pferde im Dreieck aufgestellt. Die Farben sind schwer zu beschreiben. Im Terrain reiner Zinnober, neben reinem Kadmium u. Kobaltblau, tiefem Grün und Karminrot, die Pferde gelbbraun bis violett. Sehr starkes, modelliertes Terrain, ganze Partien (z.B. ein Busch), in reinstem Blau! Kannst Du Dir das denken? Die Formen alle ungeheuer stark und klar, damit sie die Farben aushalten ...“
Mit der auf dem Komplementärfarbkontrast des Impressionismus basierenden Farbgebung seines Werks löste sich Franz Marc von der tonigen, noch vergleichsweise naturalistischen Farbigkeit zweier Entwürfe in Gouache, die dem Gemälde vorausgegangen waren. Er akzentuierte den „organischen Rhythmus“ seiner Komposition nun zusätzlich durch den Dialog der Farben.
Neben zahlreichen anderen Pferdedarstellungen, die den künstlerischen Weg Marcs zu den „Weidenden Pferden IV“ nachvollziehen lassen, umfasst die Ausstellung eine der Gouachen, die Marc in Vorbereitung seines zentralen Werks malte. Hier legte er die pyramidiale, besondere Komposition der Darstellung fest. Von Bedeutung ist darüberhinaus das Gemälde „Große Landschaft I“, das 1909 entstand und das Motiv der romantischen Rückenfigur einführt: Der Betrachter blickt mit den am rechten Bildrand gruppierten Pferden in einWiesental, das voller Bewegung zu sein scheint und die Tiere in diesen Rhythmus miteinbezieht.
Das Gemälde „Weidende Pferde IV“, das sich heute im Busch-Reisinger-Museum in Harvard befindet, wurde gleich nach seiner Entstehung in der Ausstellung „Marc-Girieud“ in der Galerie Thannhauser in München gezeigt. Aus dieser Ausstellung, die auch in Mannheim, Essen und Hagen gezeigt wurde, kaufte es der frühe Sammler der Moderne, Karl-Ernst Osthaus. 1937 wurde das Werk als „entartet“ beschlagnahmt. Über die Versteigerung der Galerie Fischer in Luzern gelangte es 1939 in dieUSA.
Die temporäre Rückkehr der „Weidenden Pferde IV“ ins „Blaue Land“ bietet die einmalige Gelegenheit dieses Hauptwerk Franz Marcs am Ort seiner Entstehung zu sehen.
Zur Ausstellungstrilogie erscheint der Katalog „Franz Marc - Zwischen Utopie und Apokalypse“ im Sieveking Verlag.
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Starnberg Museum Starnberger See: „Franz Graf von Pocci – Ein Multitalent vom Starnberger See“
„Franz Graf von Pocci – Ein Multitalent vom Starnberger See“

Vom 24. Juni bis 23. Oktober 2016

Franz Graf von Pocci (1807–1876) gehört zu den kulturell bedeutendsten und schillerndsten Persönlichkeiten der bayerischen Geschichte. Allein die vielfältigen Bezeichnungen, die ihm in Buchtiteln zu Teil werden, wie z. B. „Simplizissimus der Romantik“, „Dichter“, „Zeichner“, „Kompositeur“, „Musiker“, „Jugendschriftsteller“, „Oberhofmarschall“, „Kinderfreund“, „Kasperlgraf“, „universelles Talent“, „Freund der Musen“, „Zeremonienmeister“, „Künstler“, zeigen wie facettenreich Pocci war. 

Über 40 Jahre lang diente er den bayerischen Königen Ludwig I., Maximilian II. und Ludwig II. 1830 bekleidete er zunächst das Amt des Zeremonienmeisters, wurde 1847 zum Hofmusikintendanten ernannt und 1864 zum  Oberstkämmerer. Eine besondere Beziehung verband Pocci zu König Ludwig I., den er mehrfach auf Reisen nach Italien begleitete.   

Neben seinen zahlreichen Aufgaben am königlichen Hof fand der Schlossherr von Ammerland am Starnberger See (den Besitz hatte bereits Poccis Vater 1842 von König Ludwig I. als Lehen erhalten) Zeit, ein umfangreiches künstlerisches Werk zu schaffen. Bekannt ist Pocci vor allem als Schöpfer der Figur des „Kasperl Larifari“, des Stars des Münchner Marionettentheaters, bei dessen Gründung 1858 er tatkräftig half und für das er über 40 Stücke schrieb.

Generationen von bayerischen Kindern sind mit den Abenteuern von Larifari und seiner Gretel groß geworden. Aufgrund der Popularität der Figur des bauernschlauen Kasperls wurde Pocci auch als „Kasperlgraf“ bezeichnet.

Weniger bekannt ist, dass Pocci zahlreiche Gedichte verfasste und über 600 Musikstücke komponierte, darunter eine Version des Volkslieds „Wenn ich ein Vöglein wär“. Häufig illustrierte er die Veröffentlichungen seiner Dichtungen und Kompositionen selbst, war aber auch für seine Freunde als Illustrator tätig.   

Ein ganz besonderer Charme geht von seinen Karikaturen aus. Schon als Jugendlicher hat er die Gäste seines Elternhauses aufs Korn genommen und sie unter Betonung ihrer Eigenheiten porträtiert. Später waren es vor allem Freunde, hohe Würdenträger und Hofräte sowie Mitglieder verschiedener (Männer-)Clubs in München, wie etwa der  „Gesellschaft der Zwanglosen“  oder der  Gesellschaft „Alt-england“, die von ihm mehr oder weniger spöttisch und hintersinnig, in jedem Fall aber mit viel Humor zeichnerisch charakterisiert wurden – sich selbst eingeschlossen.

Die Mitgliederlisten dieser geselligen Vereine lesen sich wie ein „Who is Who“ der Münchner Gesellschaft. Als ein Karikaturist der ersten Stunde zeichnete Pocci für die ab 1844 erscheinenden Münchner „Fliegenden Blätter“ humoristische Illustrationen. Mit dem Charakter des „Staatshämorrhoidarius“ setzte er darin dem bayerischen Beamten ein Denkmal, indem er den Alltag und die Mentalität eines „typischen“ Staatsdieners auf das Korn nahm.

Darüber hinaus hinterließ er Land-schafts- und Architekturzeichnungen, in denen er unter anderem seine Heimat am Starnberger See porträtierte. Sie sind heute wertvolle Dokumente zur Lokalgeschichte. Zu erwähnen sind ferner Scherenschnitte und  sogenannte Klecksographien. Selbst aus diesen, zeittypischen Arbeiten spricht sein unerschöpflicher Humor.   

Die Ausstellung zeigt das Leben und Werk von Franz Graf von Pocci in all seinen Facetten und gibt dabei tiefe Einblicke in die Seele des Ammerlander Multitalents.

Museum Starnberger See
Possenhofener Straße 5
82319 Starnberg
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Buchheim Museum Bernried: BRÜCKE UND DIE LEBENSREFORM
BRÜCKE UND DIE LEBENSREFORM

Das Ziel der Reformbewegung - die Wiederherstellung einer ursprünglichen Harmonie zwischen Mensch und Natur - gehörten in den Jahren nach der Jahrhundertwende zum ideellen Gemeingut des Bildungsbürgertums. Vegetarismus, FKK-Kultur, Hippie-Bewegung und Bio-Kult sind auf der einen, die völkische Bewegung auf der anderen Seite ihre Kinder. Die Ausstellung zeigt an Gemälden, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen, aber auch an angewandter Kunst, wie weit die Kunst der Brücke-Gründer von der Lebensreform beeinflusst ist. Die aus Leihgaben und Sammlungsstücken zusammengesetzte große Sonderausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Kirchner-Archiv.

In 2014/15 wurde in der Galerie Henze & Ketterer in Bern eine Ausstellung zum Thema „Brücke“ und Lebensreform gezeigt. Zu sehen waren dabei auch Kirchners Fotos, die die Verbindung zwischen Kunst und Leben im Sinne der Lebensreform dokumentieren, sowie dessen Zeichnungen aus dem Architekturstudium. (Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.)

Wie die anderen „Brücke“-Gründer Heckel und Schmidt-Rottluff hat auch Kirchner bei dem Reformarchitekten Fritz Schumacher Architektur studiert. Dieses Studium umfasste nicht nur den Entwurf von Gebäuden, sondern auch den Innenausbau und den Bau von Möbeln und ist Teil des Versuchs der Lebensreform Arbeit und Leben, Stadt und Natur zusammenzubringen.

Das Ausstellungskonzept besteht darin um den Kern von „Brücke“-Arbeiten aus der Expressionismus-Sammlung des Museums Buchheim, dem Kirchner Museum Davos und dem Bestand der Galerie Henze & Ketterer, die Ausstellung einerseits um Exponate und Dokumentationsmaterial aus dem Bereich der Lebensreform zu erweitern.

Andererseits soll die Ausstellung auch auf die lokale Verbindung des Raums München zur Lebensreform eingehen: Die erste Lebensreformkolonie des Gründervaters der Lebensreform Karl Wilhelm Diefenbach befand sich in Höllriegelskreuth, die Verbindung zwischen der Schwabinger Bohème (Otto Gross, Erich Mühsam, Gräfin zu Reventlow, Oskar Maria Graf, Leonhard Frank etc.) und der Lebensreformkolonie auf dem Monte Verià war fest etabliert. Gusto Gräser, der Eremit vom Monte Verità, war genauso wie der Lebensreformkünstler Fidus, Schüler von Diefenbach und in München eine Stadtbekannte Persönlichkeit.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Reaktion der Lebensreform auf die widrigen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Industrialisierung in Fabriken und Büros. Im Zentrum dieser Reaktion steht die körperliche Gesundheit durch Sport, Tanz, Wandern, Bewegung und Ernährung, aber auch die gesunde Umwelt, was sich einerseits durch ein „Zurück-zur-Natur“ andererseits durch eine lebenswertere Gestaltung der Städte ausdrückt und schliesslich zur Idee der ästhetischen Durchgestaltung der gesamten Lebenswelt führt. Dies zeigt sich in der Dresdener Gartenstadt Hellerau, die Leben und Arbeit, Natur und Stadt, Architektur und Design verband und zugleich die Geburtsstädte des deutschen Ausdruckstanzes war.

Inhaltlich zeigt sich die Verbindung der „Brücke“-Künstler zur Lebensreform in der Darstellung von Gruppen nackter Badender, die im Zusammenhang mit der Freikörperkultur zu sehen sind, der (körperlich noch unverbildeten) Jugend und bei Kirchner in der Darstellung von Sport und expressionistischem Tanz bei Mary Wigman, Gret Palucca oder Rudolf von Laban. Als Suche nach einer ursprünglichen und einfachen Lebensweise manifestiert sich die Lebensreform im Interesse der „Brücke“ an primitiver Kunst genauso wie am Leben von Bauern und Fischern der Heimat. Im Atelier als Gesamtkunstwerk mit seinen bemalten Wänden, selbstgebauten Möbeln, Holzfiguren und Gemälden realisieren die „Brücke“-Künstler auf ihre Weise die lebensreformerische Utopie der Durchgestaltung des Lebens.

Formal manifestiert sich der Geist der Lebensreform bei den Brücke-Künstlern im Bewusstsein von Materialität, Körperlichkeit und Performativität des Kunstschaffens: Im Holzschnitt, der dem Künstler eine Kraftanstrengung abverlangt, die in den Bearbeitungsspuren in Form von Splittern und grober Bearbeitung sichtbar bleibt und im Bewegungszeichnen, der unmittelbaren Wiedergabe des bewegten Körpers am Badesee oder in den Ateliers.

Im institutionellen Rahmen zeigt die Ausstellung erstmals den kulturgeschichtlichen Zusammenhang, in dem die Kunst der „Brücke“ entstanden ist. Die Themen der Lebensreform: Gesundheit, Ernährung, Ökologie und die Frage nach einer gelungenen Gestaltung des eigenen Lebens sind darüber hinaus heute aktueller denn je.

Fotonachweis:
1. Ernst Ludwig Kirchner: Harem, 1922, Öl auf Leinwand
Privatsammlung

2. Ernst Ludwig Kirchner: Interieur mit Maler, 1920, Öl auf Leinwand
Galerie Henze & Ketterer AG, Wichtrach/Bern

3. Karl Schmidt-Rottluff: Herbst am Vietzker See, 1926, Aquarell und Pinsel in Tusche auf festem, leicht genarbtem Papier
© VG Bild-Kunst, Bonn, 2016 - Galerie Henze & Ketterer AG, Wichtrach/Bern

4. Emil Nolde: Erste Menschen, 1922, Öl auf Leinwand
© Nolde Stiftung Seebüll / Foto: Fotowerkstatt Elke Walford, Dirk Dunkelberg / Nolde Stiftung Seebüll

Buchheim Museum
Am Hirschgarten 1
82347 Bernried
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Bernried Buchheim Museum: WON ABC & FRIENDS - KUNST AUS MÜNCHENS UNTERGRUND
WON ABC & FRIENDS - KUNST AUS MÜNCHENS UNTERGRUND

Lothar-Günther Buchheim hatte den Wunsch, dass »etwas vom Geist der Brücke« in sein Museum kommen solle. Er meinte damit vor allem den für die jungen expressionistischen Künstler so typischen revolutionären Drang. »Arm- und Lebensfreiheit gegenüber den wohlangesehenen älteren Kräften« wollte sich die 1905 gegründete Gruppe verschaffen. Heute gehören ihre Werke selbst zu den Monumenten der Kunstgeschichte. So stand es für Buchheim außer Frage, dass seine mittlerweile hoch verehrte Expressionistensammlung durch einen antimusealen Kontext verlebendigt werden müsse. Diesem Diktum folgend, präsentiert das BUCHHEIM MUSEUM eine Ausstellung von Münchner Streetart-Künstlern. In Abgrenzung zum etablierten Kunstbetrieb und oftmals auch am Rande oder jenseits der Grenzen der Legalität, haben sie ihre Kunst auf den Wänden des öffentlichen Raums zur Entfaltung gebracht. Wie bei der Brücke und der Pop-Art sind es aktuelle, lebensnahe Themen, die sie beschäftigen, von der Gesellschaftskritik bis hin zur Comicrezeption. Angeregt durch die New Yorker Graffiti-Sprayer der 1980er-Jahre hat sich in den vergangenen 35 Jahren in München eine lebendige Streetart-Szene entwickelt, die höchste internationale Anerkennung genießt. Die in Zusammenarbeit mit Lothar Keuler und der Galerie Richter & Masset entstandene Schau ist der erste Versuch, diese dynamische Kunst unserer Region in einem Museum zur Darstellung zu bringen.

 

Bereits vor zwei Jahren ist ein polnischer Militärhubschrauber im Park des BUCHHEIM MUSEUMS gelandet. Im Auftrag der Galerie Richter & Masset war er von Münchner Sprayern unter dem Motto »From War to Peace« in ein Kunstwerk verwandelt worden. Zu dem Team rund um den »Großmeister« WON ABC gehören auch BEASTIESTYLEZ, CASIEGRAPHICS, DOG ISK und I ARE UGLY. Zusammen mit anderen Münchner Untergrund-Künstlern treten sie nun im Vortragssaal und in den Fluren des BUCHHEIM MUSEUMS auf. Neben den genannten Hubschrauber-Künstlern sind ebenfalls mit Arbeiten vertreten: 420 FAYS, BAK PBS, BURNZ FEINKOSTPARANOIA, CAZE RIC ABC, CEMNOZ, CHEECH, COSMIC, CPT73, ESCAPE, FLIN, FRANKY ABC, GJELI ABC, KASSAN, LEWY, LORENZO BENZO, NOISE, PIANO RIC, ROSK MOR, SAMIR ABC TSR, SATONE, SHAMEZ ABC, SINE, SONIC ABC TSR, START, THOMAS WERNER, THRILLKISS, VINCE ABC TWS, ZEMENT, ZLEP und Z-ROK. Geboten werden in ihrer Schau Hauptwerke des Untergrundes, made in Munich: rollende Ghettoblaster, besprayte Legozüge, zwei echte Autos, ein besprayter Münchner S-Bahn-Wagen und andere Graffitiwerke als Bildtafeln ebenso wie Kultfilme rund um das Streetart-Milieu und eine wochenlange Live Performance von WON ABC, der eine 22 Meter breite Wand des BUCHHEIM MUSEUMS besprayt.

Am Hirschgarten 1,
82347 Bernried am Starnberger See
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München Alpines Museum: Standpunkt. Jürgen Winkler 1951 - 2016
Ausstellung des Fotografen Jürgen Winkler im Alpinen Museum des DAV

Standpunkt. Jürgen Winkler 1951 - 2016

Jürgen Winkler ist der Prototyp des »Bergfotografen«, des Bergsteigers mit der Kamera: Mit seinen Aufnahmen von Bergen und Menschen hat er alpine Kulturgeschichte geschrieben. Zahlreiche Motive sind zu Ikonen des neuzeitlichen Bergsteigens geworden. Über Jahrzehnte hat Winkler den Alpinismus mit der Kamera begleitet, auch und gerade außerhalb von Bergsteiger-Kreisen hat er das Bild der Berge geprägt. In einer großen Retrospektive zeigt das Alpine Museum in München das vielfach ausgezeichnete Werk Jürgen Winklers aus den Jahren 1951 bis 2016. Die Ausstellung ist ab dem 21. Juli zu sehen.

„Bergsteigen und Fotografieren passen nicht gut zusammen“, sagt Winkler selbst. „In der Regel muss ich entscheiden, ob ich das eine oder das andere tue.“ Gelernt hat er aber beides: Jürgen Winkler (*1940) ist ausgebildeter Fotograf und geprüfter Bergführer, also ein Meister der Kamera in den Alpen ebenso wie auf über 100 Trekkingreisen in den Gebirgen der Welt.

Handwerkliches Können, Originalität und Reflektiertheit definieren Winklers fotografischen Standpunkt. Die erste Retrospektive seines Gesamtwerks schlägt den Bogen von den Schwarzweißaufnahmen der 1950er-Jahre bis zu neuesten Arbeiten mit der Digitalkamera. Weitere Schwerpunkte bilden Porträts von Menschen im Himalaya und in den Anden, Natur-Stillleben und das vielschichtige »andere Bild« der touristisch versehrten Bergwelt.


Bergsteigen und Berglandschaften
Bekannt wurde Jürgen Winkler ab den 1960er-Jahren vor allem durch seine Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Die künstlerische und technische Herausforderung verlangt großes Können, sie ist darum für den Fotografen von besonderem Reiz: Vom Betätigen des Verschlusses bis hin zur fertigen Vergrößerung kann er die Entstehung des Bildes vollständig kontrollieren. Schwarzweißfotografie lebt von der Grafik, von Linien und Flächen, Licht und Schatten. Lohnende Motive finden sich oft dort, wo die Kontraste hart aufeinander treffen, idealerweise im verschneiten Gebirge oder im Gletschergelände.

Winkler zeigt Menschen als Besucher in einer überwältigenden Natur, beim Wandern und Klettern, mit Steigeisen, Eispickel und Ski. Selbst seine »Action«-Fotos sind sorgfältig komponiert, er spielt mit der Spannung zwischen extremer Nähe und Ferne, Schärfe und Unschärfe.

Das andere Bild der Berge
Bereits Anfang der 1980er Jahre fing Jürgen Winkler an, den banalen Alltag im zivilisierten Gebirge zu dokumentieren. Die »anderen Bilder« aus dem Lebens- und Transitraum, dem Wirtschafts- und Erholungspark Alpen stoßen bei Bewunderern seiner »schönen« Bergaufnahmen nicht selten auf Unverständnis. Dass die Dinge aussehen, wie sie aussehen, ist kein Verschulden des Fotografen, der sie zeigt. Winkler agiert als Dokumentar des „anderen Bildes der Berge“, der analysiert und nicht anprangert oder wertet.

Porträts aus dem Himalaya und den Anden
„Wenn man die Kamera auf eine Person richtet, die das nicht will, dann ist das immer ein aggressiver Akt“, so Winkler. Seine Porträts von Menschen in extremen Lebensräumen, im Himalaya und den Anden entstehen immer aus dem Dialog heraus. Den »Edlen Wilden« und seine exotische Kultur zu verklären, liegt Jürgen Winkler fern. Niemals sieht er sich als Jäger, der sein Motiv »erwischt« und dem ein guter »Schuss« gelingt.

Kaleidoskop
Seit 2012 fotografiert Jürgen Winkler mit einer Digitalkamera. Seine Motive sucht er nicht, sondern er findet sie - sehr oft in der nächsten Umgebung, im Alpenvorland zwischen Isar und Loisach. Es ist Fotografie im reinen Sinn: Zeichnen mit Licht, unbelastet von komplizierter Logistik, körperlicher Anstrengung und den Gefahren des Alpinismus.


Geboren in Berlin, wuchs Jürgen Winkler im nordhessischen Frankenberg an der Eder auf und begann nach seiner Übersiedelung nach Frankfurt/Main als Achtzehnjähriger mit dem Bergsteigen.

Von 1962 an bildete Winkler mit dem Frankfurter Extrembergsteiger Pit Schubert eine leistungsfähige Seilschaft, die in den anspruchsvollsten Alpenwänden erfolgreich war. Bekannt wurde der bescheidene Spitzenalpinist jedoch nicht seiner vielen namhaften Bergfahrten wegen, sondern vor allem als Fotograf und Autor. Das gemeinsam mit Walter Pause herausgegebene Buch „Im extremen Fels“ wurde für eine ganze Generation deutschsprachiger Felskletterer zum wegweisenden Standardwerk. Die darin enthaltenen Bergaufnahmen machten Jürgen Winkler zusammen mit seinen Bildbänden und Kalendern zu einem der einflussreichsten deutschen Bergfotografen.

Nach einer Besteigung des Walliser Breithorns im Sommer 1958 lernte Jürgen Winkler das Klettern in den Felsen des Hunsrücks und des Taunus. Im Sommer 1962 holte er gemeinsam mit dem damals ebenfalls in Frankfurt lebenden Pit Schubert zu einem alpinen Rundumschlag aus: In der Predigtstuhl-Nordkante nahmen sie Tuchfühlung mit dem Kaiserfels auf, schoben die Fleischbank-Ostwand nach und avancierten zur Westwand des Totenkirchls. Die ersten Schritte im Steileis taten sie dann in der Wiesbachhorn-Nordwestwand und der Palavicinirinne, ehe Winkler und Schubert in die Brenta wechselten, wo die Foxkante an der Guglia und die Oggioniverschneidung an der Brenta Alta gemacht wurden. Es folgten die Königspitze-Nordwand, der Bumillerpfeiler am Piz Palü und die Badilewand. Nun fühlten sich die beiden erfahren genug, um es mit den großen Westalpenwänden aufnehmen zu können. Sie begannen mit der Lenzspitze-Nordwand. Im Montblanc-Gebiet glückte die 5. Begehung des gesamten Peuterey-Grates und die Durchsteigung des Walkerpfeilers an den Grandes Jorasses.

Von 1965 an schoss Winkler die Wandfotos für das gemeinsam mit Walter Pause geplante Werk „Im extremen Fels“, das 1970 erschien und in den siebziger und achtziger Jahren zum Kultbuch der deutschen Kletterszene wurde. 1970 nahm Jürgen Winkler auch an der Herrligkoffer-Expedition zur Rupalflanke des Nanga Parbat teil; der Verlust eines Steigeisens beim Aufstieg zu Lager 4 vereitelte jedoch den Gipfelerfolg. Von 1971 an war Winkler vor allem als Trekkingführer für die Berg- und Skischule des Deutschen Alpenvereins (später Summit Club) tätig. Die fotografische Ausbeute dieser Reisen schlug sich unter anderem in den prachtvollen Bildbänden „Nepal“ (1976) und „Himalaya“ (2000) nieder. Kurz nach Erscheinen des letztgenannten Werks erhielt Jürgen Winkler einen Sonderpreis des Deutschen Alpenvereins für seine Verdienste um die Fotografie im Gebirge.

Infos zur Ausstellung
im Alpinen Museum, Praterinsel 5, 80538 München
vom 21. Juli 2016 bis 5. Februar 2017
• Kuratoren Axel Klemmer und Sabine Wimmer
• Öffnungszeiten: Di - So 10 - 18 Uhr
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