Blickpunkt:
In unserem Kalender für die Zeit von September bis Dezember: Über 400 Veranstaltungen!!!
Aktuelle Veranstaltung
heute
Kinder München: Die fantastische Reise des Korbinian Fox
Die fantastische Reise des Korbinian Fox

Was wäre die Welt ohne Erfinder und ihre Erfindungen? Wahrscheinlich würden wir noch zu Fuß gehen und uns mit Rauchzeichen verständigen. Aber welch ein Glück, es gibt sie ja, die Tüftler und Denker. Wobei man schon erwähnen muss, dass nicht jede Erfindung zum Segen der Menschheit ist…

In unserem neuen Kinderstück „Die fantastische Reise des Korbinian Fox“ geht es um genau so einen Erfinder. Herr Fox und sein treuer Mitarbeiter Rakete arbeiten nun schon seit über einem Jahr an ihrem neuen Wunderwerk, ein sogenanntes FLIEFATAUSCHWI! Das ist die Abkürzung für Fliegen, Fahren, Tauchen und Schwimmen, denn das alles kann dieses Gefährt. Natürlich hat die Presse davon erfahren und so stehen Funk und Fernsehen bereit, um live davon zu berichten, als Herr Fox und Rakete die große Werkstatttüre öffnen, hinter der das startklare FLIEFATAUSCHWI wartet. Nun steht einer Probefahrt nichts mehr im Weg und unsere Helden starten mutig zu einem kleinen Ausflug.

Dass dieser Ausflug zu einer abenteuerlichen Reise wird, und welcher Bösewicht die tolle Erfindung klauen möchte, erfahrt ihr, liebe kleine und große Besucher, in diesem neuen, spannenden Stück.


für Kinder ab 4 Jahren
Münchner Marionettentheater, Blumenstraße 32 (Nähe Sendlinger-Tor-Platz)
Beginn: 15.00 Uhr
Dauer: ca. 80 Min. inkl. Pause

Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Landsberg Stadtmuseum: So ein Lech! Episoden und Stationen eines bayerischen Flusslaufs
So ein Lech! Episoden und Stationen eines bayerischen Flusslaufs

Ausstellung im Stadtmuseum Landsberg 30.4. - 30.10.2016

Der Lech mit seinem spektakulären Wasserfall am Landsberger Lechwehr ist zentral in der Stadt und im Bewusstsein der Landsberger präsent. Was wissen wir aber tatsächlich über diesen Fluss, der nicht nur für Bürger und Touristen das Stadtbild prägt, sondern ganz unterschiedliche Bedeutungen für seine Anwohner früher wie heute besitzt?

Es ist heute kaum noch vorstellbar, welchen Stellenwert der Lech früher für die Flößerei besaß: In der Blütezeit der Lechflößerei passierten über 4.000 Flöße den Fluss. Werkzeug, Votivtafeln und Warenbestellungen zeugen von einem Gewerbe, das für Dörfer wie Lechbruck die Haupteinnahmequelle war. Handwerksbetriebe und Mühlen nutzten die Wasserkraft. Mitte des 20. Jahrhunderts gab es bayernweit etwa 6.400 kleinere und mittlere Wassertriebwerke zum Mahlen von Getreide, Sägen von Holz, Walken von Stoffen und zum Betreiben von Hämmern in Schmieden. Wehrbauten und Flussverbauungen versuchten diese Anlagen zu schützen, die durch das wiederkehrende Hochwasser des wilden Alpenflusses Lech stets gefährdet waren.

Die Flussdynamik eines Alpenflusses drückt sich im enormen Kiestransport aus, der mit seinen Umlagerungen für zahlreiche Flussarme, Kiesinseln und Biodiversität sorgt. Diesen Charakter als Alpenfluss hat der Lech in Bayern eingebüßt. Mit dem Staustufenbau im 20. Jahrhundert hat sich das Gesicht des Flusses und seiner Ökologie erheblich verändert. Gleichzeitig sind die aufgestauten Seen der zwanzig Staustufen zwischen Füssen und Augsburg touristisch beliebte Freizeitziele.

Über diese Veränderungen und verschiedenen Bedeutungen des Flusses für die Menschen, die an ihm leben, berichten Landschaftszeugen. Klement Sesar, Altbürgermeister von Peiting und ehemaliger Vorsitzender des Kreisfischereivereins Schongau, ist einer von ihnen. Ideengeber für das Interview-Projekt war der Verein Lebensraum Lechtal. Gemeinsam mit dem Museum haben Schüler der Montessori-Schule Inning das Projekt umgesetzt: Interviewtraining absolviert, Gespräche mit den Interviewpartnern geführt und sogar die Hörstücke selbst geschnitten.

Die Ausstellung „So ein Lech!“ zeigt historische Karten, Gemälde und Objekte, die aus den verschiedenen Museen entlang des Lechs stammen, so aus den Stadtmuseen Füssen, Schongau und Friedberg, dem Flößereimuseum Lechbruck oder dem Heimatverein Pfronten. Von der Quelle bis zur Mündung folgt der Besucher über Luftbildaufnahmen dem Lech und seinen Geschichten. Seine Schönheit lässt sich an ausgewählten Gemälden des 19. und 20. Jahrhunderts nachvollziehen.

Ob als Transportweg für die Flößerei in historischer Zeit, als Energielieferant in unserer eigenen oder als identitätsstiftende Landes- und Sprachgrenze, der Lech bietet ein interessantes Spektrum an Themen für ein breites Publikum. Auch für Familien mit Kindern gibt es in der Ausstellung viel zu entdecken, „Herbert der Hecht“ hält kleine Arbeits- und Suchaufträge bereit. Neben den Führungen durch die Ausstellung sind Ausflüge an den Lech, z.B. auf dem Lecherlebnispfad, zur Erkundung seltener Tier- und Pflanzenarten im Angebot.


So ein Lech! Episoden und Stationen eines bayerischen Flusslaufs
Ausstellung  30.04.2016 - 30.10.2016
Stadtmuseum Landsberg,
Von-Helfenstein-Gasse 426
86899 Landsberg am Lech
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Museum Fürstenfeldbruck: „Henrik Moor (1876-1940) - Avantgarde im Verborgenen“
„Henrik Moor (1876-1940) - Avantgarde im Verborgenen“
im Museum Fürstenfeldbruck
von Donnerstag, 12. Mai bis Sonntag, 25. September 2016

Ein halbes Jahrhundert Kunst- und Zeitgeschichte besichtigen - das ermöglicht die Ausstellung „Henrik Moor (1876-1940) - Avantgarde im Verborgenen“. Die Münchner Freilichtmalerei, der Blaue Reiter und die italienischen Futuristen, der Erste Weltkrieg und die Gefährdungen durch den Nationalsozialismus - all das hat sich in die Bilder Henrik Moors eingeprägt. In einem harten Lebenskampf beschritt der Maler einen Weg vom Impressionismus zum Expressionismus bis hinein in die Abstraktion. Neben Porträts, Stadt- und Landschaftsbildern gehört die Darstellung von Musik zu den zentralen Motiven des Malers, der selbst ein ausgezeichneter Pianist war und Pablo Casals zu seinen Freunden zählte.

„Avantgarde im Verborgenen“ ist die erste große Retrospektive zu Henrik Moor.
Auf 600 m² Ausstellungsfläche werden rund 200 Landschafts- und Städtebilder, Musikdarstellungen, Porträts und abstrakte Werke aus öffentlichen und privaten Sammlungen zu sehen sein. Die Ausstellung beginnt am Donnerstag, 12. Mai 2016 und läuft bis Sonntag, 25. September.


Henrik Moor

Das Leben von Henrik Moor begann international: Geboren in Prag, aufgewachsen in Ungarn und New York, studierte er in London, Paris, Zürich und München. Im pulsierenden Kunstflair der Isarmetropole ließ er sich zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts dauerhaft nieder. Wie viele andere Künstlerkollegen zog es ihn dabei ins Münchner Umland. 1908 siedelte er sich in Fürstenfeldbruck an, wo er bis zum Ende seines Lebens blieb. 1916 bis 1918 wurde er als Kriegsmaler von der österreichischen Armee eingezogen. Nach dem Krieg kehrte er nach Fürstenfeldbruck zurück. 
In Fürstenfeldbruck rang er mit der Kunst und dem (Über-)leben. Seine avantgardistischen Experimente entsprachen nicht den Vorstellungen nationalsozialistischer Kunstpolitik - ein Werk wurde 1937 aus der neuen Staatsgalerie in München als „entartet“ eingestuft und entfernt. Der Maler stand unter dem wirtschaftlichen Zwang, mit seiner Kunst eine große Familie ernähren zu müssen. Noch größer jedoch war die Belastung, die von seinen jüdischen Wurzeln herrührte: Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten begann ein kräftezehrendes Katz- und Mausspiel um seinen sogenannten „Ariernachweis“ - mit Hilfe des Brucker Landrates gelang es bis zum Tod des Malers im Jahre 1940, seine jüdische Abstammung geheim zu halten.

Museum Fürstenfeldbruck
Fürstenfeld 6
82256 Fürstenfeldbruck
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München Lenbachhaus: ROCHELLE FEINSTEIN
ROCHELLE FEINSTEIN "I MADE A TERRIBLE MISTAKE"

Ausstellung im Münchner Lenbachhaus
vom 07. Juni bis 18. September 2016

“I Made A Terrible Mistake”, “Find your Own Damn Voice”, “Wrong!”.
Wie diese drei Werktitel vermuten lassen, haben die Malereien der US-Künstlerin Rochelle Feinstein
(geb. 1947) viel zu sagen. Und sie sind äußerst eigensinnig. Über einen Zeitraum von dreißig Jahren hat Feinstein, langjährige Professorin für Malerei und Drucktechnik an der Yale University in New Haven,
ein Oeuvre entwickelt, das sich mit den Implikationen und Ideologien des Kunstmachens auseinandersetzt. Wie kaum eine Künstlerin hat Feinstein den Diskurs um die abstrakte Malerei in den vergangenen Jahrzehnten perspektivisch geöffnet und vorangetrieben. Das Lenbachhaus freut sich daher,
gemeinsam mit dem Centre d‘Art Contemporain in Genf und der Kestnergesellschaft Hannover, die erste umfassende Feinstein gewidmete Werkschau zu präsentieren. Der Schwerpunkt am Lenbachhaus liegt auf den Malerei-Installationen, die seit Mitte der 1990er Jahre enstanden sind.
The Estate of Rochelle F. (Der Nachlass von Rochelle F., 2010), beispielsweise, ist Feinsteins „prä-posthumer“ Nachlass, den die Künstlerin als Reaktion auf die Finanzkrise von 2008 schuf. Für die Herstellung der Estate-Arbeiten verbot sich Feinstein, neues Material zu kaufen und verwandte stattdessen, was sie zur Hand hatte: alte Putzlappen, sperrige Geburtstagsgeschenke und einige ihrer älteren Kunstwerke. Mit gewohnt trockenem Humor adressiert Feinstein mit dem Estate die Endlichkeit des Lebens angesichts der Beständigkeit des Nippes, der uns begleitet. Werke wie Before And After
 (Vorher und Nachher, 1999) stellen die Malerei als einen entmystifizierten Vorgang dar, der als ein Stück Stoff (der Leinwand) beginnt und in einem verpackten Objekt auf dem Lagerregal mündet. Feinstein thematisiert die Materialität und Sperrigkeit des malerischen Mediums und stellt zudem die Frage nach der Bedeutung von Kunst, die kein Publikum hat. Für welche Kunst existiert ein Publikum, für welche nicht und warum?

Über einen Zeitraum von dreißig Jahren hat die gebürtige New Yorkerin Feinstein, langjährige Professorin für Malerei und Drucktechnik an der Yale University, ein Werk entwickelt, das sich mit den kulturellen und
politischen Zusammenhängen des ‚Kunstmachens’ im Allgemeinen und der Malerei im Besonderen auseinandersetzt. Wie kaum eine Künstlerin hat Feinstein den Diskurs um die abstrakte Malerei in den vergangenen Jahrzehnten geöffnet und vorangetrieben. In ihren Werken begegnen sich Piet Mondrian und Michael Jackson, das Quadrat Malewitschs und das »I LOVE NY« Logo auf Augenhöhe. Jedoch geht es Feinstein nicht um eine Verschränkung von vermeintlichen Kategorien des High und Low, sondern vielmehr darum, wie man aus den alltäglichen Tropen der Kunst und des zeitgenössischen Lebens zugleich schöpfen und diese anders, sprich über ihre übliche Bedeutung hinaus, wahrnehmen kann.

Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau
Luisenstraße 33
80333 München
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München Stadtmuseum: Samuel Henne - „musée imaginaire“
Samuel Henne - „musée imaginaire“
Kabinettausstellung im Münchner Stadtmuseum

Vom 10. Juni - 25. September 2016

Im Mittelpunkt des fotografischen Werks von Samuel Henne steht die Auseinandersetzung mit dem
vielschichtigen Wechselverhältnis von Fotografie und Skulptur. Seine seriell konzipierten Arbeiten  zeigen eindrückliche, für die Kamera inszenierte Bildkonstruktionen und Bildwelten, deren künstlerischer Ausgangspunkt Variationen einzelner Objekte bilden. Im Studio arrangierte Motive werden mittels Setting, Licht- und Farbregie in prägnante, eigenständige Bildkompositionen übersetzt. Im permanenten Wechsel zwischen räumlicher und flächiger Wirkung stellen sie ihre Realität als Konstrukt einer medialen Praxis konsequent zur Schau.
Häufig verwendet Henne alltägliche Gegenstände, die zu Objekt-Kompositionen zusammengefügt und über die Inszenierung wiederum als Teil der Gesamtkomposition ins Bild überführt wurden.Hennes Interesse an der Beziehung zwischen Fotografie und Skulptur wird auch in der im Rahmen seiner Kabinettausstellung im Münchner Stadtmuseum gezeigten Werkserie „musée imaginaire“ besonders deutlich: Bücher mit fotografischen Abbildungen skulpturaler Werke verwandelt der Künstler zu plastisch arrangierten Objekten mit zur Falz hin eingeschlagenen Seiten. Die neu entstandenen Objekte weisen nicht nur eine beeindruckende dreidimensionale Qualität auf, sondern werden durch den fotografischen Akt und die Inszenierung in neue, eigenständige Bilder übersetzt. Der gezeigte Bildraum wird erweitert durch eine bildhauerische Präsenz, während die Grundlage dieser Skulpturen wiederum beide künstlerischen Medien vereint. Henne spielt mit der Wahrnehmung von Fotografie, ihren Ausformungen und Einsatzbereichen. Seine Bilder sind dabei stets unaufgeregt, verzichten auf spektakuläre Momente und Überhöhungen. Sie beziehen ihre Nachdrücklichkeit insbesondere aus der offenkundigen Inszenierung vertrauter Alltagsmaterialien oder kunsthistorischer Versatzstücke und stellen ihre Realität als Konstrukt einer medialen Praxis konsequent zur Schau.

Biografie:
geb. 1982 in Göttingen, lebt in Hannover
2003-09 Kunststudium an der HBK Braunschweig

Ausstellungen (Auswahl):
Dealing with surfaces, GAK Bremen (2015); Shaped Reality - Between Object and Image, Krokus Gallery, Bratislava (2014); Einknicken oder Kante zeigen? Die Kunst der Faltung, Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt (2013); Zwischenspiel: Formationen, Museum für Photographie Braunschweig (2013); Formationen, Galerie Karin Sachs, München (2013); BEYOND THE COMPOUND, Galerie Jette Rudolph, Berlin (2013); Something specific about everything - Gängeviertel, Hamburg (2012); It ́s Red And Not Moving - Galeria Krokus, Bratislava (2012); Flurstuecke - Niedersächsische Landesvertretung Berlin; Gute Aussichten, Deichtorhallen, Hamburg (2011).

Kurator der Ausstellung: Rudolf Scheutle

Münchner Stadtmuseum
St.-Jakobs-Platz 1
80331 München
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Kochel Franz Marc Museum: Weidende Pferde IV
Ausstellungstrilogie 2
Franz Marc - Zwischen Utopie und Apokalypse
Weidende Pferde IV

Vom 12. Juni bis 11. September 2016

Die „Weidenden Pferde IV“ stehen als eine der wichtigsten Bildschöpfungen Franz Marcs im Jahr 1911 neben seinen berühmten Gemälden „Blaues Pferd“ und „Pferd in Landschaft“. Es handelt sich um Kompositionen, mit denen es dem Maler gelingt, die Empathie mit dem Tier beim Betrachter durch bekannte, aus der Romantik übernommene Kompositionsmuster aufzurufen und die Farbe als autonomes Bildmittel von ihrer Funktion der Gegenstandsbezeichnung zu trennen.
Die "Weidenden Pferde" markieren den endgültigen Schritt zur Tierdarstellung als dem zentralen Anliegen von Marcs Werk. Während Marc auch 1911 noch wichtige Aktdarstellungen gemalt hatte, wendet er sich nun von der Darstellung des Menschen fast ganz ab. In diesem Zusammenhang ist die bisher kaum thematisierte Rückseitenbemalung des Gemäldes wichtig. Sie zeigt Akte in einer
Landschaft, eine Komposition, die Marc schließlich verwarf, um auf der anderen Seite der Leinwand „Weidende Pferde IV“ darzustellen. Rückseite und Vorderseite des bedeutenden Werks deuten so auch auf die gedankliche Entstehungsgeschichte des Gemäldes hin, die in der Ausstellung durch Werke des gleichen Zeitraums erfahrbar wird.

Während der Entstehung des Gemäldes, im Februar 1911, äußerte sich Franz Marc in einem Brief an Maria Marc zur außergewöhnlichen und neuartigen Farbgebung seines Werks. „... Ich habe noch ein großes Bild mit drei Pferden in der Landschaft, ganz farbig von einer Ecke zur anderen, angefangen, die Pferde im Dreieck aufgestellt. Die Farben sind schwer zu beschreiben. Im Terrain reiner Zinnober, neben reinem Kadmium u. Kobaltblau, tiefem Grün und Karminrot, die Pferde gelbbraun bis violett. Sehr starkes, modelliertes Terrain, ganze Partien (z.B. ein Busch), in reinstem Blau! Kannst Du Dir das denken? Die Formen alle ungeheuer stark und klar, damit sie die Farben aushalten ...“
Mit der auf dem Komplementärfarbkontrast des Impressionismus basierenden Farbgebung seines Werks löste sich Franz Marc von der tonigen, noch vergleichsweise naturalistischen Farbigkeit zweier Entwürfe in Gouache, die dem Gemälde vorausgegangen waren. Er akzentuierte den „organischen Rhythmus“ seiner Komposition nun zusätzlich durch den Dialog der Farben.
Neben zahlreichen anderen Pferdedarstellungen, die den künstlerischen Weg Marcs zu den „Weidenden Pferden IV“ nachvollziehen lassen, umfasst die Ausstellung eine der Gouachen, die Marc in Vorbereitung seines zentralen Werks malte. Hier legte er die pyramidiale, besondere Komposition der Darstellung fest. Von Bedeutung ist darüberhinaus das Gemälde „Große Landschaft I“, das 1909 entstand und das Motiv der romantischen Rückenfigur einführt: Der Betrachter blickt mit den am rechten Bildrand gruppierten Pferden in einWiesental, das voller Bewegung zu sein scheint und die Tiere in diesen Rhythmus miteinbezieht.
Das Gemälde „Weidende Pferde IV“, das sich heute im Busch-Reisinger-Museum in Harvard befindet, wurde gleich nach seiner Entstehung in der Ausstellung „Marc-Girieud“ in der Galerie Thannhauser in München gezeigt. Aus dieser Ausstellung, die auch in Mannheim, Essen und Hagen gezeigt wurde, kaufte es der frühe Sammler der Moderne, Karl-Ernst Osthaus. 1937 wurde das Werk als „entartet“ beschlagnahmt. Über die Versteigerung der Galerie Fischer in Luzern gelangte es 1939 in dieUSA.
Die temporäre Rückkehr der „Weidenden Pferde IV“ ins „Blaue Land“ bietet die einmalige Gelegenheit dieses Hauptwerk Franz Marcs am Ort seiner Entstehung zu sehen.
Zur Ausstellungstrilogie erscheint der Katalog „Franz Marc - Zwischen Utopie und Apokalypse“ im Sieveking Verlag.
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Starnberg Museum Starnberger See: „Franz Graf von Pocci – Ein Multitalent vom Starnberger See“
„Franz Graf von Pocci – Ein Multitalent vom Starnberger See“

Vom 24. Juni bis 23. Oktober 2016

Franz Graf von Pocci (1807–1876) gehört zu den kulturell bedeutendsten und schillerndsten Persönlichkeiten der bayerischen Geschichte. Allein die vielfältigen Bezeichnungen, die ihm in Buchtiteln zu Teil werden, wie z. B. „Simplizissimus der Romantik“, „Dichter“, „Zeichner“, „Kompositeur“, „Musiker“, „Jugendschriftsteller“, „Oberhofmarschall“, „Kinderfreund“, „Kasperlgraf“, „universelles Talent“, „Freund der Musen“, „Zeremonienmeister“, „Künstler“, zeigen wie facettenreich Pocci war. 

Über 40 Jahre lang diente er den bayerischen Königen Ludwig I., Maximilian II. und Ludwig II. 1830 bekleidete er zunächst das Amt des Zeremonienmeisters, wurde 1847 zum Hofmusikintendanten ernannt und 1864 zum  Oberstkämmerer. Eine besondere Beziehung verband Pocci zu König Ludwig I., den er mehrfach auf Reisen nach Italien begleitete.   

Neben seinen zahlreichen Aufgaben am königlichen Hof fand der Schlossherr von Ammerland am Starnberger See (den Besitz hatte bereits Poccis Vater 1842 von König Ludwig I. als Lehen erhalten) Zeit, ein umfangreiches künstlerisches Werk zu schaffen. Bekannt ist Pocci vor allem als Schöpfer der Figur des „Kasperl Larifari“, des Stars des Münchner Marionettentheaters, bei dessen Gründung 1858 er tatkräftig half und für das er über 40 Stücke schrieb.

Generationen von bayerischen Kindern sind mit den Abenteuern von Larifari und seiner Gretel groß geworden. Aufgrund der Popularität der Figur des bauernschlauen Kasperls wurde Pocci auch als „Kasperlgraf“ bezeichnet.

Weniger bekannt ist, dass Pocci zahlreiche Gedichte verfasste und über 600 Musikstücke komponierte, darunter eine Version des Volkslieds „Wenn ich ein Vöglein wär“. Häufig illustrierte er die Veröffentlichungen seiner Dichtungen und Kompositionen selbst, war aber auch für seine Freunde als Illustrator tätig.   

Ein ganz besonderer Charme geht von seinen Karikaturen aus. Schon als Jugendlicher hat er die Gäste seines Elternhauses aufs Korn genommen und sie unter Betonung ihrer Eigenheiten porträtiert. Später waren es vor allem Freunde, hohe Würdenträger und Hofräte sowie Mitglieder verschiedener (Männer-)Clubs in München, wie etwa der  „Gesellschaft der Zwanglosen“  oder der  Gesellschaft „Alt-england“, die von ihm mehr oder weniger spöttisch und hintersinnig, in jedem Fall aber mit viel Humor zeichnerisch charakterisiert wurden – sich selbst eingeschlossen.

Die Mitgliederlisten dieser geselligen Vereine lesen sich wie ein „Who is Who“ der Münchner Gesellschaft. Als ein Karikaturist der ersten Stunde zeichnete Pocci für die ab 1844 erscheinenden Münchner „Fliegenden Blätter“ humoristische Illustrationen. Mit dem Charakter des „Staatshämorrhoidarius“ setzte er darin dem bayerischen Beamten ein Denkmal, indem er den Alltag und die Mentalität eines „typischen“ Staatsdieners auf das Korn nahm.

Darüber hinaus hinterließ er Land-schafts- und Architekturzeichnungen, in denen er unter anderem seine Heimat am Starnberger See porträtierte. Sie sind heute wertvolle Dokumente zur Lokalgeschichte. Zu erwähnen sind ferner Scherenschnitte und  sogenannte Klecksographien. Selbst aus diesen, zeittypischen Arbeiten spricht sein unerschöpflicher Humor.   

Die Ausstellung zeigt das Leben und Werk von Franz Graf von Pocci in all seinen Facetten und gibt dabei tiefe Einblicke in die Seele des Ammerlander Multitalents.

Museum Starnberger See
Possenhofener Straße 5
82319 Starnberg
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Buchheim Museum Bernried: BRÜCKE UND DIE LEBENSREFORM
BRÜCKE UND DIE LEBENSREFORM

Das Ziel der Reformbewegung - die Wiederherstellung einer ursprünglichen Harmonie zwischen Mensch und Natur - gehörten in den Jahren nach der Jahrhundertwende zum ideellen Gemeingut des Bildungsbürgertums. Vegetarismus, FKK-Kultur, Hippie-Bewegung und Bio-Kult sind auf der einen, die völkische Bewegung auf der anderen Seite ihre Kinder. Die Ausstellung zeigt an Gemälden, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen, aber auch an angewandter Kunst, wie weit die Kunst der Brücke-Gründer von der Lebensreform beeinflusst ist. Die aus Leihgaben und Sammlungsstücken zusammengesetzte große Sonderausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Kirchner-Archiv.

In 2014/15 wurde in der Galerie Henze & Ketterer in Bern eine Ausstellung zum Thema „Brücke“ und Lebensreform gezeigt. Zu sehen waren dabei auch Kirchners Fotos, die die Verbindung zwischen Kunst und Leben im Sinne der Lebensreform dokumentieren, sowie dessen Zeichnungen aus dem Architekturstudium. (Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.)

Wie die anderen „Brücke“-Gründer Heckel und Schmidt-Rottluff hat auch Kirchner bei dem Reformarchitekten Fritz Schumacher Architektur studiert. Dieses Studium umfasste nicht nur den Entwurf von Gebäuden, sondern auch den Innenausbau und den Bau von Möbeln und ist Teil des Versuchs der Lebensreform Arbeit und Leben, Stadt und Natur zusammenzubringen.

Das Ausstellungskonzept besteht darin um den Kern von „Brücke“-Arbeiten aus der Expressionismus-Sammlung des Museums Buchheim, dem Kirchner Museum Davos und dem Bestand der Galerie Henze & Ketterer, die Ausstellung einerseits um Exponate und Dokumentationsmaterial aus dem Bereich der Lebensreform zu erweitern.

Andererseits soll die Ausstellung auch auf die lokale Verbindung des Raums München zur Lebensreform eingehen: Die erste Lebensreformkolonie des Gründervaters der Lebensreform Karl Wilhelm Diefenbach befand sich in Höllriegelskreuth, die Verbindung zwischen der Schwabinger Bohème (Otto Gross, Erich Mühsam, Gräfin zu Reventlow, Oskar Maria Graf, Leonhard Frank etc.) und der Lebensreformkolonie auf dem Monte Verià war fest etabliert. Gusto Gräser, der Eremit vom Monte Verità, war genauso wie der Lebensreformkünstler Fidus, Schüler von Diefenbach und in München eine Stadtbekannte Persönlichkeit.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Reaktion der Lebensreform auf die widrigen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Industrialisierung in Fabriken und Büros. Im Zentrum dieser Reaktion steht die körperliche Gesundheit durch Sport, Tanz, Wandern, Bewegung und Ernährung, aber auch die gesunde Umwelt, was sich einerseits durch ein „Zurück-zur-Natur“ andererseits durch eine lebenswertere Gestaltung der Städte ausdrückt und schliesslich zur Idee der ästhetischen Durchgestaltung der gesamten Lebenswelt führt. Dies zeigt sich in der Dresdener Gartenstadt Hellerau, die Leben und Arbeit, Natur und Stadt, Architektur und Design verband und zugleich die Geburtsstädte des deutschen Ausdruckstanzes war.

Inhaltlich zeigt sich die Verbindung der „Brücke“-Künstler zur Lebensreform in der Darstellung von Gruppen nackter Badender, die im Zusammenhang mit der Freikörperkultur zu sehen sind, der (körperlich noch unverbildeten) Jugend und bei Kirchner in der Darstellung von Sport und expressionistischem Tanz bei Mary Wigman, Gret Palucca oder Rudolf von Laban. Als Suche nach einer ursprünglichen und einfachen Lebensweise manifestiert sich die Lebensreform im Interesse der „Brücke“ an primitiver Kunst genauso wie am Leben von Bauern und Fischern der Heimat. Im Atelier als Gesamtkunstwerk mit seinen bemalten Wänden, selbstgebauten Möbeln, Holzfiguren und Gemälden realisieren die „Brücke“-Künstler auf ihre Weise die lebensreformerische Utopie der Durchgestaltung des Lebens.

Formal manifestiert sich der Geist der Lebensreform bei den Brücke-Künstlern im Bewusstsein von Materialität, Körperlichkeit und Performativität des Kunstschaffens: Im Holzschnitt, der dem Künstler eine Kraftanstrengung abverlangt, die in den Bearbeitungsspuren in Form von Splittern und grober Bearbeitung sichtbar bleibt und im Bewegungszeichnen, der unmittelbaren Wiedergabe des bewegten Körpers am Badesee oder in den Ateliers.

Im institutionellen Rahmen zeigt die Ausstellung erstmals den kulturgeschichtlichen Zusammenhang, in dem die Kunst der „Brücke“ entstanden ist. Die Themen der Lebensreform: Gesundheit, Ernährung, Ökologie und die Frage nach einer gelungenen Gestaltung des eigenen Lebens sind darüber hinaus heute aktueller denn je.

Fotonachweis:
1. Ernst Ludwig Kirchner: Harem, 1922, Öl auf Leinwand
Privatsammlung

2. Ernst Ludwig Kirchner: Interieur mit Maler, 1920, Öl auf Leinwand
Galerie Henze & Ketterer AG, Wichtrach/Bern

3. Karl Schmidt-Rottluff: Herbst am Vietzker See, 1926, Aquarell und Pinsel in Tusche auf festem, leicht genarbtem Papier
© VG Bild-Kunst, Bonn, 2016 - Galerie Henze & Ketterer AG, Wichtrach/Bern

4. Emil Nolde: Erste Menschen, 1922, Öl auf Leinwand
© Nolde Stiftung Seebüll / Foto: Fotowerkstatt Elke Walford, Dirk Dunkelberg / Nolde Stiftung Seebüll

Buchheim Museum
Am Hirschgarten 1
82347 Bernried
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Bernried Buchheim Museum: WON ABC & FRIENDS - KUNST AUS MÜNCHENS UNTERGRUND
WON ABC & FRIENDS - KUNST AUS MÜNCHENS UNTERGRUND

Lothar-Günther Buchheim hatte den Wunsch, dass »etwas vom Geist der Brücke« in sein Museum kommen solle. Er meinte damit vor allem den für die jungen expressionistischen Künstler so typischen revolutionären Drang. »Arm- und Lebensfreiheit gegenüber den wohlangesehenen älteren Kräften« wollte sich die 1905 gegründete Gruppe verschaffen. Heute gehören ihre Werke selbst zu den Monumenten der Kunstgeschichte. So stand es für Buchheim außer Frage, dass seine mittlerweile hoch verehrte Expressionistensammlung durch einen antimusealen Kontext verlebendigt werden müsse. Diesem Diktum folgend, präsentiert das BUCHHEIM MUSEUM eine Ausstellung von Münchner Streetart-Künstlern. In Abgrenzung zum etablierten Kunstbetrieb und oftmals auch am Rande oder jenseits der Grenzen der Legalität, haben sie ihre Kunst auf den Wänden des öffentlichen Raums zur Entfaltung gebracht. Wie bei der Brücke und der Pop-Art sind es aktuelle, lebensnahe Themen, die sie beschäftigen, von der Gesellschaftskritik bis hin zur Comicrezeption. Angeregt durch die New Yorker Graffiti-Sprayer der 1980er-Jahre hat sich in den vergangenen 35 Jahren in München eine lebendige Streetart-Szene entwickelt, die höchste internationale Anerkennung genießt. Die in Zusammenarbeit mit Lothar Keuler und der Galerie Richter & Masset entstandene Schau ist der erste Versuch, diese dynamische Kunst unserer Region in einem Museum zur Darstellung zu bringen.

 

Bereits vor zwei Jahren ist ein polnischer Militärhubschrauber im Park des BUCHHEIM MUSEUMS gelandet. Im Auftrag der Galerie Richter & Masset war er von Münchner Sprayern unter dem Motto »From War to Peace« in ein Kunstwerk verwandelt worden. Zu dem Team rund um den »Großmeister« WON ABC gehören auch BEASTIESTYLEZ, CASIEGRAPHICS, DOG ISK und I ARE UGLY. Zusammen mit anderen Münchner Untergrund-Künstlern treten sie nun im Vortragssaal und in den Fluren des BUCHHEIM MUSEUMS auf. Neben den genannten Hubschrauber-Künstlern sind ebenfalls mit Arbeiten vertreten: 420 FAYS, BAK PBS, BURNZ FEINKOSTPARANOIA, CAZE RIC ABC, CEMNOZ, CHEECH, COSMIC, CPT73, ESCAPE, FLIN, FRANKY ABC, GJELI ABC, KASSAN, LEWY, LORENZO BENZO, NOISE, PIANO RIC, ROSK MOR, SAMIR ABC TSR, SATONE, SHAMEZ ABC, SINE, SONIC ABC TSR, START, THOMAS WERNER, THRILLKISS, VINCE ABC TWS, ZEMENT, ZLEP und Z-ROK. Geboten werden in ihrer Schau Hauptwerke des Untergrundes, made in Munich: rollende Ghettoblaster, besprayte Legozüge, zwei echte Autos, ein besprayter Münchner S-Bahn-Wagen und andere Graffitiwerke als Bildtafeln ebenso wie Kultfilme rund um das Streetart-Milieu und eine wochenlange Live Performance von WON ABC, der eine 22 Meter breite Wand des BUCHHEIM MUSEUMS besprayt.

Am Hirschgarten 1,
82347 Bernried am Starnberger See
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München Alpines Museum: Standpunkt. Jürgen Winkler 1951 - 2016
Ausstellung des Fotografen Jürgen Winkler im Alpinen Museum des DAV

Standpunkt. Jürgen Winkler 1951 - 2016

Jürgen Winkler ist der Prototyp des »Bergfotografen«, des Bergsteigers mit der Kamera: Mit seinen Aufnahmen von Bergen und Menschen hat er alpine Kulturgeschichte geschrieben. Zahlreiche Motive sind zu Ikonen des neuzeitlichen Bergsteigens geworden. Über Jahrzehnte hat Winkler den Alpinismus mit der Kamera begleitet, auch und gerade außerhalb von Bergsteiger-Kreisen hat er das Bild der Berge geprägt. In einer großen Retrospektive zeigt das Alpine Museum in München das vielfach ausgezeichnete Werk Jürgen Winklers aus den Jahren 1951 bis 2016. Die Ausstellung ist ab dem 21. Juli zu sehen.

„Bergsteigen und Fotografieren passen nicht gut zusammen“, sagt Winkler selbst. „In der Regel muss ich entscheiden, ob ich das eine oder das andere tue.“ Gelernt hat er aber beides: Jürgen Winkler (*1940) ist ausgebildeter Fotograf und geprüfter Bergführer, also ein Meister der Kamera in den Alpen ebenso wie auf über 100 Trekkingreisen in den Gebirgen der Welt.

Handwerkliches Können, Originalität und Reflektiertheit definieren Winklers fotografischen Standpunkt. Die erste Retrospektive seines Gesamtwerks schlägt den Bogen von den Schwarzweißaufnahmen der 1950er-Jahre bis zu neuesten Arbeiten mit der Digitalkamera. Weitere Schwerpunkte bilden Porträts von Menschen im Himalaya und in den Anden, Natur-Stillleben und das vielschichtige »andere Bild« der touristisch versehrten Bergwelt.


Bergsteigen und Berglandschaften
Bekannt wurde Jürgen Winkler ab den 1960er-Jahren vor allem durch seine Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Die künstlerische und technische Herausforderung verlangt großes Können, sie ist darum für den Fotografen von besonderem Reiz: Vom Betätigen des Verschlusses bis hin zur fertigen Vergrößerung kann er die Entstehung des Bildes vollständig kontrollieren. Schwarzweißfotografie lebt von der Grafik, von Linien und Flächen, Licht und Schatten. Lohnende Motive finden sich oft dort, wo die Kontraste hart aufeinander treffen, idealerweise im verschneiten Gebirge oder im Gletschergelände.

Winkler zeigt Menschen als Besucher in einer überwältigenden Natur, beim Wandern und Klettern, mit Steigeisen, Eispickel und Ski. Selbst seine »Action«-Fotos sind sorgfältig komponiert, er spielt mit der Spannung zwischen extremer Nähe und Ferne, Schärfe und Unschärfe.

Das andere Bild der Berge
Bereits Anfang der 1980er Jahre fing Jürgen Winkler an, den banalen Alltag im zivilisierten Gebirge zu dokumentieren. Die »anderen Bilder« aus dem Lebens- und Transitraum, dem Wirtschafts- und Erholungspark Alpen stoßen bei Bewunderern seiner »schönen« Bergaufnahmen nicht selten auf Unverständnis. Dass die Dinge aussehen, wie sie aussehen, ist kein Verschulden des Fotografen, der sie zeigt. Winkler agiert als Dokumentar des „anderen Bildes der Berge“, der analysiert und nicht anprangert oder wertet.

Porträts aus dem Himalaya und den Anden
„Wenn man die Kamera auf eine Person richtet, die das nicht will, dann ist das immer ein aggressiver Akt“, so Winkler. Seine Porträts von Menschen in extremen Lebensräumen, im Himalaya und den Anden entstehen immer aus dem Dialog heraus. Den »Edlen Wilden« und seine exotische Kultur zu verklären, liegt Jürgen Winkler fern. Niemals sieht er sich als Jäger, der sein Motiv »erwischt« und dem ein guter »Schuss« gelingt.

Kaleidoskop
Seit 2012 fotografiert Jürgen Winkler mit einer Digitalkamera. Seine Motive sucht er nicht, sondern er findet sie - sehr oft in der nächsten Umgebung, im Alpenvorland zwischen Isar und Loisach. Es ist Fotografie im reinen Sinn: Zeichnen mit Licht, unbelastet von komplizierter Logistik, körperlicher Anstrengung und den Gefahren des Alpinismus.


Geboren in Berlin, wuchs Jürgen Winkler im nordhessischen Frankenberg an der Eder auf und begann nach seiner Übersiedelung nach Frankfurt/Main als Achtzehnjähriger mit dem Bergsteigen.

Von 1962 an bildete Winkler mit dem Frankfurter Extrembergsteiger Pit Schubert eine leistungsfähige Seilschaft, die in den anspruchsvollsten Alpenwänden erfolgreich war. Bekannt wurde der bescheidene Spitzenalpinist jedoch nicht seiner vielen namhaften Bergfahrten wegen, sondern vor allem als Fotograf und Autor. Das gemeinsam mit Walter Pause herausgegebene Buch „Im extremen Fels“ wurde für eine ganze Generation deutschsprachiger Felskletterer zum wegweisenden Standardwerk. Die darin enthaltenen Bergaufnahmen machten Jürgen Winkler zusammen mit seinen Bildbänden und Kalendern zu einem der einflussreichsten deutschen Bergfotografen.

Nach einer Besteigung des Walliser Breithorns im Sommer 1958 lernte Jürgen Winkler das Klettern in den Felsen des Hunsrücks und des Taunus. Im Sommer 1962 holte er gemeinsam mit dem damals ebenfalls in Frankfurt lebenden Pit Schubert zu einem alpinen Rundumschlag aus: In der Predigtstuhl-Nordkante nahmen sie Tuchfühlung mit dem Kaiserfels auf, schoben die Fleischbank-Ostwand nach und avancierten zur Westwand des Totenkirchls. Die ersten Schritte im Steileis taten sie dann in der Wiesbachhorn-Nordwestwand und der Palavicinirinne, ehe Winkler und Schubert in die Brenta wechselten, wo die Foxkante an der Guglia und die Oggioniverschneidung an der Brenta Alta gemacht wurden. Es folgten die Königspitze-Nordwand, der Bumillerpfeiler am Piz Palü und die Badilewand. Nun fühlten sich die beiden erfahren genug, um es mit den großen Westalpenwänden aufnehmen zu können. Sie begannen mit der Lenzspitze-Nordwand. Im Montblanc-Gebiet glückte die 5. Begehung des gesamten Peuterey-Grates und die Durchsteigung des Walkerpfeilers an den Grandes Jorasses.

Von 1965 an schoss Winkler die Wandfotos für das gemeinsam mit Walter Pause geplante Werk „Im extremen Fels“, das 1970 erschien und in den siebziger und achtziger Jahren zum Kultbuch der deutschen Kletterszene wurde. 1970 nahm Jürgen Winkler auch an der Herrligkoffer-Expedition zur Rupalflanke des Nanga Parbat teil; der Verlust eines Steigeisens beim Aufstieg zu Lager 4 vereitelte jedoch den Gipfelerfolg. Von 1971 an war Winkler vor allem als Trekkingführer für die Berg- und Skischule des Deutschen Alpenvereins (später Summit Club) tätig. Die fotografische Ausbeute dieser Reisen schlug sich unter anderem in den prachtvollen Bildbänden „Nepal“ (1976) und „Himalaya“ (2000) nieder. Kurz nach Erscheinen des letztgenannten Werks erhielt Jürgen Winkler einen Sonderpreis des Deutschen Alpenvereins für seine Verdienste um die Fotografie im Gebirge.

Infos zur Ausstellung
im Alpinen Museum, Praterinsel 5, 80538 München
vom 21. Juli 2016 bis 5. Februar 2017
• Kuratoren Axel Klemmer und Sabine Wimmer
• Öffnungszeiten: Di - So 10 - 18 Uhr
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Dachau Bezirksmuseum: Bierlokal
Bierlokal

29. Juli 2016 bis 29. Januar 2017
Bezirksmuseum Dachau


Bier zählt zum Erbe der Menschheit und ist in nahezu jeder Kultur bekannt. Seit rund 150 Jahren gehört es zu Bayern wie Dirndl, Lederhose und Fußball. Zum 500jährigen Bestehen des bayerischen Reinheitsgebots steht ganz Bayern 2016 im Zeichen des gelben Getreidesafts.

›Jedem sein(e) Maß‹: Dieses Wortspiel ist Bonmot und Konzept zugleich, erzählt doch die Ausstellung Bier lokal anhand von Biergefäßen aus fünf Jahrhunderten kurzweilige Historien und heimische Geschichten zum Bier, von Bräus, Wirtschaften und Zechern. Denn wenn auch von den ehemaligen Dachauer Sudhäusern schon lange keines mehr seinen Dampf in den Himmel schickt, prägen doch bis heute manche Brauwirtschaften, etwa der ›Unterbräu‹, der ›Hörhammer-‹ und der ›Zieglerbräu‹ das historische Bild Dachaus. Ihre Besitzer waren in der Regel ›g’standne‹ Persönlichkeiten, wie man in Bayern sagt. Andererseits hielt sich, aus der Sicht der Städter, lange das Klischee einer allzeit bierseligen männlichen(!) Landbevölkerung. Dieses Zerrbild des Bauerntölpels, der oft dem Dachauer Land zugeordnet wurde, fand in den Journalen und Blättern der damaligen Zeit massenhaft Verbreitung.

Zwei Ausstellungsstücke sind von besonderem Interesse: der imposante, im Original 22 m lange Wandfries ›Triumphzug des Gambrinus‹ des Malers Hermann Stockmann (1867–1938), der von den späten 1890er-Jahren bis zu seinem Tod in Dachau lebte, und ›Ein Münchner im Himmel‹ von Ludwig Thoma (1867–1921), der ebenfalls mit Dachau und seinem Hinterland vielfache Verbindungen hatte. Auch seine humoristische Satire, ein genial gezeichneter Animationsfilm, ist in der Ausstellung Bier lokal zu sehen. Dem Passauer Maler und dem Oberammergauer Literaten, die im selben Jahr geboren wurden, richtet das Bezirksmuseum Dachau zum 150ten Wiegenfest 2017 eine Geburtstagsfeier aus.



Öffnungszeiten:
Dienstag – Freitag 11-17 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertag 13 – 17 Uhr
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.