Haben Sie einen Artikel verpasst? Dann klicken Sie hier. Im Archiv finden Sie auch ältere Veröffentlichungen.
1. Harmonia „Musik von Harmonia“
2. Vor 50 Jahren: Frank Zappa „Apostrophe (’)“
3. Melissa Aldana „Echoes Of The Inner Prophet“
4. Kristjan Randalu / Robert Schumann „Dichterliebe“
5. James Brandon Lewis „Transfiguration“
6. Aki Takase & Daniel Erdmann „Ellington“
Dienstag 23.04.2024
Harmonia „Musik von Harmonia“
Bilder
Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre zog die elektronische Musik in den Popolymp und sollte ihn von nun an nicht mehr verlassen. Die deutsche Szene war international tonangebend. Bands wie Tangerine Dream, Kraftwerk, Ash Ra Tempel und Musiker wie Michael Hoenig oder Produzent Conny Plank setzten mit ersten Werken und einer überragenden Studiotechnik Maßstäbe, die für die folgenden Jahrzehnte und Generationen Richtschnur werden sollten. Zu diesen Pionieren gehören auch Michael Rother (1950), Dieter Möbius (1944) und Hans-Joachim Roedelius (1934). Drei Ausnahmeinstrumentalisten, die 1973 das Trio Harmonia gründeten und nur ein Jahr später mit „Musik von Harmonia“ ihr Debüt vorlegten. Jetzt, nach fünfzig Jahren, ist dieses einzigartige Manifest rhythmischer Elektronik noch einmal aufgelegt worden. Neben den neu abgemischten acht originalen Stücken enthält dieses Meisterwerk zusätzlich zwölf Reworks und Remixes internationaler Instrumentalisten, die sich entweder stark von Harmonia beeinflusst fühlen, oder, wie im Fall von Michael Rother, sogar zu deren Gründungsvätern gehörten.
Was die drei Musiker, trotz ihrer sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten spontan zusammenbrachte, war ihre grenzenlose Neugier, ihre musikalische Abenteuerlust und ihre Leidenschaft an Klangexperimenten. Roedelius war Kinderstar bei der UFA, saß in der DDR im Gefängnis, wurde später Masseur, arbeitete als Putzmann, Detektiv und begann 1968 an der Akademie der Künste in Westberlin sich intensiv mit Musik zu beschäftigen. Gitarrist Michael Rother lebte als Kind einige Jahre in Pakistan (sein Vater war bei der Lufthansa), was ihn nach eigenen Aussagen musikalisch stark prägte. Er gründete die legendäre Band NEU! und war Mitglied von Kraftwerk. Dieter Moebius hatte jahrelang Wikipedia-Einträge auf Spanisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch – aber keinen auf Deutsch. Er studierte in Berlin Kunst und demonstrierte in seiner Freizeit gegen die Springer-Presse. Alle drei trafen sich erstmals im Kreuzberger Zodiac-Club, dem Treffpunkt aller Avantgardisten und musikalischen Außenseiter.

In Deutschland nahm man Harmonia anfangs kaum wahr. Ihr Debüt war ein finanzieller Flop, ein Desaster wie Michael Rother einmal sagte. Später sollten aus diesen kleinen melodischen Schleifen, diesen entspannten rhythmischen Grundierungen und charmanten Soundatmosphären ganze Musikstile wie Ambient oder New Age entstehen.
In England hingegen wurde für diese Art des Musizierens der etwas despektierliche Begriff Krautrock verwandt („Krauts“, abgeleitet von Sauerkraut, so nannten die Briten im zweiten Weltkrieg die deutschen Soldaten). David Bowie war einer der größten Fans von Harmonia, der Klangtüftler und Produzent Brian Eno („Die Musik von Harmonia ist für mich die einzig wahre Musik. Es ist die Musik, der die Zukunft gehört“) wohnte für eine kurze Zeit mit dem Trio auf einem alten Bauernhof im niedersächsischen Forst, um mit ihnen auf der Bühne zu jammen (es gibt zwei Alben mit Harmonia & Brian Eno), die radikale Rock-Funk Band Red Hot Chili Peppers soll jahrelang Harmonia-Alben als Konserve mit im Tourgepäck gehabt haben und Human League wären ohne Harmonia gar nicht vorstellbar.
Jörg Konrad

Harmonia
„Musik von Harmonia“
Anniversary Edition
Grönland Records
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Montag 15.04.2024
Vor 50 Jahren: Frank Zappa „Apostrophe (’)“
Bilder
Frank Zappa
„Apostrophe (’)“

Fast auf den Tag ist es fünfzig(!) Jahre her, das „Apostrophe (’)“ erschien. Ein Album, das die Musikwelt wenn zwar nicht revolutionierte, so doch zumindest um einige Faktoren bereicherte: Geniale Musikalität gepaart mit bizarrem Humor, plus einem 30-Sekunden-Werbespot im Fernsehen. Zudem war „Apostrophe (’)“ die erste Frank Zappa-Aufnahme, die sowohl in Stereo- als auch in Quadrofonie veröffentlicht wurde.
Mit den neun Songs, die nicht einmal fünfunddreißig Minuten füllen, kam der im Dezember 1940 in Baltimore, Maryland geborene Komponist, Gitarrist, Sänger und Produzent erstmals in die Hitparaden. Mit der Single „Don’t Eat the Yellow Snow“ erreichte er Platz 86, mit dem Album selbst sogar Platz 10 der Charts-Notierungen. Trotzdem war und blieb er der große Individualist des amerikanischen Undergrounds. Ein akribischer Arbeiter voller Widersprüche, der ebenso schlagfertig wie hochintelligent, humorvoll als auch unerbittlich war und von seinen Bands absolute Konzentration und Aufmerksamkeit verlangte.
Das ist dann letztendlich auch der Stoff, aus dem „Apostrophe (’)“ besteht. Ein Hybrid aus teilweise hochkomplexen Avantgarde-Kompositionen, die zugleich auch gnadenlos den Rock'n Roll-Mythos befeuern. Hier zeigt sich Zappa als ein widerspenstiger Musiker und vor allem Komponist, der ständig Hacken schlägt, sämtliche konventionellen Wege konsequent vermeidend.
Auf den ersten Titeln des Albums erzählt er einen skurrilen Traum, in dem sich ein Eskimo namens Nanook auf den Weg durch die Tundra macht. Er erlebt die absonderlichsten Dinge und schildert völlig abstruse Situationen, die letztendlich aber für Zappa-Texte typisch sind. Musikalisch wird das alles unterlegt mit den abenteuerlichsten Reminissenzen, mit an amerikanische Werbejingles erinnernde Übergänge, Blasmusik und Oldtimejazz, wunderbare schräge Gesangseinlagen, Blues, abstrakte Geräuschfetzen, harte Schnitte, verrücktes Pathos, schneidende Gitarrensolis.
Im Zentrum des Albums steht das fast sechsminütige Titelstück. Eine Instrumentalnummer, purer Rock'Roll. Ein ganz einfaches, aber effizientes Thema, das von Cream Bassist Jack Bruce (auch elektronisch verfremdet) in Session-Manier durchgezogen wird. Zappa spielt eines seiner legendären, filigranen Solis, die später in Ausschnitten ganze Plattenboxen füllen sollten („Shut Up 'n Play Yer Guitar“ oder „Guitar“).
Beendet wird das Album mit „Stink-Foot“, der Geschichte eines Mannes, dem es über Wochen nicht gelingt seine Schuhe auszuziehen. Als er diese dann doch abstreift, leidet er massiv unter Schweißfüßen, die seine Freundin und auch seinen Hund vertreiben.
Die Inspiration zu diesem Text erhielt Zappa in einer Fernsehwerbung über Fußspray, was seinem prinzipiellen Anliegen, der US-amerikanischen Gesellschaft mit seinen schmutzig-ordinären und oft auch zynischen Texten den Spiegel vorzuhalten. Später ging er soweit, dass er sich als Präsidentschaftskandidat der USA hat aufstellen lassen.
Zappa starb erst 52jährig 1993 an Prostatakrebs. Er hat zu Lebzeiten knapp 30 Alben veröffentlicht, wobei posthum offiziell noch einmal vier Dutzend Titel dazukommen. Der legendäre Moderator, Programmgestalter und Autor Volker Rebell nannte Zappa einmal: „Der universalste Gestalter der Rockkultur“.
Jörg Konrad

Frank Zappa
„Apostrophe (’)“
DiscReet Records
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 10.04.2024
Melissa Aldana „Echoes Of The Inner Prophet“
Bilder
Mit nur 22 Jahren nahm Melissa Aldana 2010 ihr erstes eigenes Album auf. Nur drei Jahre später erhielt sie den „Thelonious Monk International Jazz Saxophone Competition“, der als einer der angesehensten Jazz-Nachwuchspreise gilt. Und für das Stück „Falling“, welches sich auf ihrem Album „12 Stars“ von 2022 befindet, wurde die Tenorsaxophonistin bereits zum zweiten Mal als einzige Frau in der Kategorie „Best Improvised Jazz Solo“ für einen Grammy nominiert.
Mit „Echoes Of The Inner Prophet“ ist nun das insgesamt sechste Album der in Santiago de Chile geborenen Ausnahmemusikerin bei Blue Note erschienen. Auf dieser Veröffentlichung befinden sich zwei Titel, die sie den Menschen widmet, die sie musikalisch stark geprägt haben: Wayne Shorter und Sonny Rollins. Letzterer war der Grund, weshalb Melissa im Alter von zehn Jahren vom Alt- zum Tenorsaxophon wechselte. „Wenn ich an Wayne Shorter denke“, erzählte sie in einem Interview, „dann denke ich an Farben“. Das Titelstück ihres neuen Albums bringt diese unterschiedliche Farbigkeit von Tönen und Harmonien auf impressionistische Art zum Ausdruck.
Überhaupt ist Melissa ein sehr reflektierter Mensch. Aufgrund persönlicher, schmerzhafter Erfahrungen und den Erlebnissen während der Corona Pandemie, hat sie sich intensiver mit ihrer Persönlichkeit und ihrer Kunst auseinandergesetzt. Sie entwickelte neue Übungsmodelle für sich und veränderte ihre Herangehensweise an die eigene Musik. So fühlt sie sich einerseits mit ihrer Kunst noch stärker verbunden und ist andererseits in der Lage, neue Ideen zu erforschen und, wie sie selbst sagt, manches Negative, das ihr im Leben begegnete, besser zu ertragen und konstruktiver zu verarbeiten.
Man hört diese differenzierte wie bedachte Herangehensweise an die Musik deutlich. Da sind ihre dramaturgisch wunderbar aufgebauten Kompositionen, klar strukturiert und häufig einen gewissen Bezug zu Wayne Shorter aufweisend. Melissa schreibt jedoch immer zurückhaltend, ihre Virtuosität nicht ständig in den Vordergrund stellend. Sie will mit ihrer Musik Geschichten in einem bestimmten Ton, in einer persönlichen Atmosphäre ausdrücken, die über die instrumentalen Fertigkeiten weit hinaus gehen. Zudem hat sie in Lage Lund einen seelenverwandten und exquisiten Gitarristen an ihrer Seite. Ein perfekter Ideengeber, der dieses wunderbare Album zugleich produziert hat.
Jörg Konrad
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 09.04.2024
Kristjan Randalu / Robert Schumann „Dichterliebe“
Bilder
Bilder
Seine Diskographie ist gewaltig, in der Kristjan Randalu wiederholt die Felder von Jazz und Klassik bestellt. Dabei ist alles, was der Pianist spielt, absolut verbindlich. Ein moderner Solist, voller kreativer Unruhe und instrumentaler Kompetenz. Besonders deutlich wird dies in seiner Interpretation von Robert Schumanns „Dichterliebe“, einem Liederzyklus, der auf dem „Lyrischen Intermezzo“, einer Sammlung von 65 Gedichten aus der Feder Heinrich Heines, basiert.
Doch der in Estland geborene Randalu spielt die Kompositionen Solo, allein am Klavier, ohne Singstimme. „Das abstrakte Element der Musik ohne Worte hat mich schon immer fasziniert“, erläutert er, „und diese Lieder begleiten mich schon seit vielen Jahren. Mein Ziel war es den Zyklus in jener Sprache neu zu interpretieren, bei der ich heute angelangt bin.“ Und diese Sprache scheint keine Grenzen zu kennen, bzw. sind diese bei dem heute 45jährigen fließend.
So kommen seine Interpretationen aufgrund der „eingeschleusten“ Improvisationen sehr schnell ins Fahrwasser des Jazz. Doch hier klingt nichts lieblich oder wohlgefällig. Randalu seziert Schumanns Vorgaben geschickt, erweitert den Notentext, nimmt ihn harmonisch auseinander, setzt neue rhythmische Impulse, umspielt die (gedachten) Gesangslinien. So klingt das Ergebnis weniger „klassisch“, als vielmehr nach einem zeitgemäßen, unmittelbaren, um nicht zu sagen spontanen musikalischen Akt.
Die Musik steht für sich, kommt Randalus Anspruch, Musik nicht als perfekt Ware zu präsentieren, sondern mit ihr unsere Umgebung hier und jetzt widerzuspiegeln, sehr sehr nahe. Emotion und Intelligenz begegnen sich auf Augenhöhe. Die Musik ist ebenso ergreifend wie bodenständig, besticht in ihrer Klarheit wie in ihrer Vielschichtigkeit, ist risikofreudig wie auch besonnen. Kurzum: Eine brillante Einspielung.
Jörg Konrad

Kristjan Randalu / Robert Schumann
„Dichterliebe“
Berlin Classics
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Montag 08.04.2024
James Brandon Lewis „Transfiguration“
Bilder
Bilder
Es ist eine Linie, von der man in Bezug auf James Brandon Lewis getrost sprechen kann: John Coltrane - Sonny Rollins - David Murray - und nun eben jener 1983 geborene J.B. Lewis. Der Tenor-Gigant aus Buffalo ist der Saxophonist der Stunde. Er kommt vom Gospel, hat somit die afroamerikanische Spiritualität schon als Kind aufgesogen, er hat den Blues im Blut, spielt Funk und Hip Hop und beeindruckt mit seinen archaischen, kompromisslosen Exkursionen durch die Musikgeschichte der letzten mindestens sieben Jahrzehnte. In seinem momentanen Quartett, zu dem der kubanische Pianist Aruan Ortiz gehört, der Bassist Brad Jones und der Schlagzeuger Chad Taylor, hat er ein geniales Sprachrohr für seine dynamischen und komplex strukturierten Kompositionen gefunden. Diese leben von seiner ungewöhnlichen Energie, von ihrer analytischen Form und den dramaturgisch geschickt durchwebten Improvisationsmustern.
Lewis selbst sieht sich als politischer Mensch, vor allem aber als Künstler, als Musiker. „Ich denke die Rolle des Künstlers besteht darin“, erzählte er 2020 in einem Interview, „Licht in die verborgenen Regionen zu bringen und dabei am Geheimnis als dem Ort, an dem wir zu Hause sind, festzuhalten. Mein bestes Kommunikationsmittel hierfür ist meine Musik.
Bei Intakt hat er das ideale Sprachrohr für seine musikalischen Ideen gefunden. „Transfiguration“ ist Lewis fünftes Album für das Zürcher Label. Und es ist kraftvoll, energiereich, intensiv, die Musik strahlt vor Klarheit und Leidenschaft. Die Band schafft bei größter Gelassenheit die dichteste Atmosphäre, bereitet den Boden, in der die Saat Lewis aufgehen kann und die schönsten wie prallsten Früchte treibt. Nie scheinen die Batterien des Helden-Tenors schwach zu werden. Immer ist er konzentriert, holt aus der kleinsten Idee das größtmögliche heraus. Ein Koloss zieht seine Kreise und hinterlässt gewaltige Spuren.
Jörg Konrad

James Brandon Lewis
„Transfiguration“
Intakt
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Freitag 05.04.2024
Aki Takase & Daniel Erdmann „Ellington“
Bilder
Bilder
Sie ist unermüdlich. Seit über vier Jahrzehnten durchpflügt die Pianistin Aki Takase die Welt des Jazz. Immer auf der Suche nach neuen, auch demonstrativen Ausdrucksmöglichkeiten. Oft bezieht sie sich, ohne selbst Traditionalistin zu sein, dabei auf die Geschichte des Jazz, in Person von Fats Waller, von Ornette Coleman oder von Eric Dolphy. Oft entwickelt sie eigene Ideen, die sie spontan und blitzgescheit umsetzt. Oft spielt sie im Duo, weil sie den sehr persönlichen Dialog – in dem nichts und niemand verloren geht – einfach liebt. Immer ist ihre Musik inspirierend, erfüllt höchste Ansprüche und verliert dabei doch nie ihre Bodenständigkeit.
Vor gut zehn Jahren widmete sich die in der Präfektur Osaka geborene und seit 1987 in Berlin lebende Takase schon einmal dem großen Duke Ellington. Ein ganzes Album Solo. Diesmal widmet sie ihm gut fünfzig Minuten im Duo, gemeinsam mit dem Saxophonisten Daniel Erdmann. Nicht alles auf "Ellington" stammt dabei auch aus seiner Feder. Doch Kompositionen wie „Pardido“ oder „Caravan“, beide Nummern sind von Juan Tizol geschrieben, wäre ohne Ellingtons Interpretationen nicht vorstellbar.
Takase und Erdmann gelingt das Kunststück, manchen dieser Ohrwürmer mit derart persönlichen Attributen und Finten anzureichern, dass der Spagat zwischen populärem Evergreen und individueller Differenziertheit vollends begeistert. Beide atmen Ellington, sie haben ihn sich regelrecht einverleibt, um dann mit ihm, seine Melodien, Konventionen und Fantasien zeitgemäß zum Klingen zu bringen. So lernt man Historie, so wird man neugierig auf das Original, beschäftigt sich nicht nur mit der Gegenwart, sondern mal wieder mit „altem Stoff“. Manchmal herzerwärmend, manchmal erstaunt, immer überraschend und Begeisterung auslösend. Auf „Ellington“ treffen nicht nur zwei große (auch singende!) Instrumentalisten aufeinander, sondern auch Bekanntes und Visionäres – auf höchstem Niveau.
Jörg Konrad

Aki Takase & Daniel Erdmann
„Ellington“
Enja
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
© 2024 kultkomplott.de | Impressum
Nutzungsbedingungen & Datenschutzerklärung
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.