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Inhaltsverzeichnis:

Fürstenfeld: Ab jetzt - Boulevard par excellence

1

Fürstenfeld: Pablo Held Quartett - Musik aus dem Moment

2

Landsberg: Carmen Souza - Sie denkt in Musik

3

Fürstenfeld: Akkordeonale - Auf einem volkseigenes Instrument

4

Landsberg: Mathias Eick - Transatlantischer Bogen

5

Landsberg: Berliner Oboentrio - Festlicher Grundcharakter

6

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Fürstenfeld: Ab jetzt - Boulevard par excellence

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Gala Winter, Ute Hannig, Lina Beckmann © Klaus Lefebvre

Fürstenfeld. Wir wissen, dass es letztlich nicht funktioniert. Aber es reizt und fasziniert immer aufs neue: Der menschliche Roboter. Schließlich hat das emotionslose Reagieren eines Androiden so manche Vorteile. Aber die Fehlerquote in der Programmierung, oder der ungelenke Bewegungsablauf schrecken vor breiter Inbetriebnahme ab. Noch sind die als Mensch getarnten Automaten allein dramaturgischer Teil von cineastischen Science-Fiction-Spektakeln, literarischen Gedankenspielen oder eben von Theaterinszenierungen.
Mit „Ab jetzt“ gastierte gestern das Deutsche Schauspielhaus Hamburg im Veranstaltungsforum Fürstenfeld. Ein Stück, in dem ein Roboter die tragende Rolle spielt. Sein Name: Gou 300F. Geschlecht: Kommt drauf an.
Die Handlung ist einfach und schnell erzählt. Wie aus dem gestrigen, dem heutigen, mit Sicherheit auch dem zukünftigen Leben gegriffen ist Jerome (Götz Schubert), der Komponist, geschieden und darf seine Tochter nicht sehen. Zu unstet sein Lebenswandel. Also muss er seine Verhältnisse, zumindest vordergründig, ordnen. Nichts einfacher als dies. Er mietet eine Schauspielerin, die seine „Vorzeigegeliebte“ mimen soll. Nur spielt Zoe (Lina Beckmann) ihre Rolle schon während der Probe so schlecht, dass Jerome sie durch einen Androiden (Ute Hannig und Lina Beckmann) ersetzt. Der wiederum ist, wie kann es anders sein, trotz wiederholter Justierung, sträflich programmiert und bringt das gesamte Beziehungssystem durcheinander. Der Besuch von Jeromes Ehefrau (Ute Hannig), einem Sozialarbeiter (Yorck Dippe) und der Tochter (Gala Winter), die mittlerweile, oder auch vorübergehend, ein Sohn ist, endet im ordnenden Chaos.
Zugegeben, der Inhalt ist etwas fad und ohne großen intellektuellen Anspruch. Doch die Dialoge (Alan Ayckbourns) sind treffsicher und die Dramaturgie (Inszenierung Karin Beier) treibt die Verwirrung mit Hochdruck auf die Spitze. Für eine derartige Komödie sind Geschwindigkeit und Timing existenziell. Mit brillanten Slapstickeinlagen wie aus der goldenen Stummfilmära, mit gestochenen Dialogen wie in Billy-Wilder-Inszenierungen und verqueren Charakteren, die an großartige Screwball-Komödien á la Hollywood erinnern, gelingt es, dank dem gesamten Ensemble, sich sicher und präzise die Ideenbälle zuzuwerfen. Natürlich ist es vor allem Lina Beckmann, die mit ihrer trocknen, verschrobenen  und hilflos wirkenden Art das Publikum im Sturm erobert und es sofort auf ihre Seite zieht. Sie gibt dem Stück diesen sympathischen, aus der Rolle geratenen Charakter, der etwas Tragikomisches besitzt und entsprechende Lachsalven wie auch Mitleid auslöst.
„Ab jetzt“ von Alan Ayckbourns ist Boulevard par excellence. Kurzweilig und zum schreien komisch.
viktor b


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Fürstenfeld: Pablo Held Quartett - Musik aus dem Moment

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Fürstenfeld. Er ist noch keine 30 Jahre alt und kann schon auf eine beachtliche Discographie blicken. Sieben Alben hat Pablo Held unter eigenem Namen veröffentlicht und fast drei Dutzend sind es als Sideman. Das lässt erahnen, welch kreative Schubkraft in dem Pianisten steckt. Er hat die seltene Gabe, nicht nur kongenial zu begleiten. Er besitzt zudem genügend Selbstvertrauen und spielerisches Kalkül, um eigene Ideen umzusetzen, wobei die Grundlage seines musikalischen Handelns immer das Trio ist. Begleitet von Bass und Schlagzeug kann er in Tönen schwelgen, Kompositionen ausprobieren und Improvisationen aus dem Moment entwickeln.
Und in Fürstenfeld? Hier war der Kölner gestern im Quartett zu Gast, um eine noch komplexere Musik zu spielen. Romantische Klischees? Fehlanzeige. Das alleinige Prinzip der Virtuosität? Von wegen! Praktizierte Standards? Nichts da! Held hat seine „Stammbesetzung“ geändert, um bisherige musikalische Wege zu verlassen, um den Prozess der musikalischen Extensivierung anzuheizen. Mit Saxophonist Sebastian Gille, Bassist Robert Landfermann und Schlagzeuger James Maddren bewegt sich Held herausfordernd in vermintem Gebiet der Avantgarde. Vorgefestigte Muster werden aufgebrochen, subtil und kraftvoll, ohne Netz und doppelten Boden. Manches ist pures Risiko, das meiste zum Zerreißen gespannt. Hier werden unter der glattpolierten Oberfläche des Mainstreams spontan und kollektiv neue musikalische Muster entworfen. Manchmal reichen Sebastian Gille ein paar wenige Töne, die er variiert, verdichtet, auswalzt und in ihrer Intensität langsam, aber unnachgiebig steigert. Dann wird Energie freigesetzt, wobei das Zarte und Zerbrechliche in seinem Ton erhalten bleibt. 
Das Trio bewegt sich währenddessen entlang von rhythmischen und harmonischen Klangbändern, bis sich auch diese aufzulösen schienen. Dann ist alles sparsames, freies Spiel, getragen von Helds Kompositionen, zusammengehalten von Robert Landfermann und James Maddren. Zugegeben, diese Musik fordert heraus, geht selten melodisch ins Ohr. Doch wer ihr folgt, entdeckt. Individuelle Charaktere, die ihre musikalischen Positionen vereinen. Musik aus dem Moment, unwiederholbar.
Jörg Konrad


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Landsberg: Carmen Souza - Sie denkt in Musik

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Landsberg. Wenn sie auf der Bühne steht, ist sie präsent. Noch bevor sie die ersten Zeilen singt, füllt sie mental den Raum, fasziniert sie das Publikum. Und wenn Carmen Souza dann erst mit ihrer mehrere Oktaven umfassenden Stimme in die Morna, einer Volksliedform der Kapverdischen Inseln, eintaucht oder dem Jazz, ihrer hörbaren Leidenschaft, stimmlich Ausdruck verleiht, verzaubert sie die Zuhörer endgültig. Mit dieser „schwermütigen Raffinesse der portugiesischen Klänge, dem schwarzen Humor der britischen Inseln, dem strengen Standardjazz afroamerikanischer Prägung und gleichzeitig der Freiheit in der Improvisation“, wie die Sängerin vor nicht all zu langer Zeit in einem Interview selbst einmal ihre Musik beschrieb, nimmt sie jedes Auditorium im Sturm. Dieses aus Individualität, Spontaneität und Emotionalität bestehende Stimmwunder war am Mittwochabend mit Band im Landsberger Stadttheater zu erleben - und begeisterte die Anwesenden.
Carmen Souza stammt aus Portugal, ihre Vorfahren von den Kapverden, einer Inselgruppe vor der afrikanischen Westküste. Kulturell beeinflusst somit vom Mutterkontinent Afrika, den europäischen Kolonialbekehrungen und den nordamerikanischen Radiostationen bewegt sich die Sängerin ganz bewusst in einem Regionen übergreifenden Spannungsfeld. Sie ist der Tradition ebenso verhaftet, wie sie aus der Moderne schöpft. Und vor allem hat sie sich bei diesem Spagat eines erhalten: Frische und Authentizität.
Stimmlich ist sie meilenweit entfernt von allen Durchschnitt-Jazzeusen, die es wie Sand am Meer gibt, die sich in ihrer mainstreamverhafteten Seichtheit voneinander jedoch kaum unterscheiden. Carmen Souza kehliger Gesang ist Ausdruck ihrer Vorfahren und erinnert zugleich an Billie Holiday, die Identifikationsfigur für Verzweiflung und Melancholie in Jazz und Blues. Sie besitzt genügend Selbstvertrauen und Können Klassiker der Jazzgeschichte musikalisch in ein folkloristisches Gewand zu kleiden, ohne dass es hier zu Brüchen kommt. Sie denkt in Musik - nicht in Stilen. Anders kann man es sich sonst nicht erklären. So beginnt sie zum Beispiel nach der Pause den Set mit dem Bebop Standard „Donna Lee“ (der von Miles Davis und nicht, wie fälschlicherweise so oft erwähnt, von Charlie Parker stammt), gefolgt von dem Glenn Miller Schmachtfetzen „Moonlight Serenade“. Hier prallen im Grunde jazzmusikalische Welten aufeinander. Aber so, wie Carmen Souza die Kompositionen interpretierte, wie auch eine Hommage an Thelonious Monk, wurden sie zu eigenen Nummern, zu Songs, die ihrer Persönlichkeit glaubwürdig entsprechen.
Mit Sicherheit spielt hier auch ihr Berater, musikalischer Direktor, Bassist, Komponist und Produzent Theo Pascal eine außergewöhnliche Rolle. Beide arbeiten seit Jahren zusammen und in allem was sie musikalisch umsetzen, ist seine Handschrift zu spüren. Und dann waren mit Nathaniel Facey (Altsaxophon) und Shane Forbes (Schlagzeug) zwei Instrumentalisten auf der Bühne, die dem Konzert eine überwältigende Modern-Jazz-Note verliehen. Auch wenn nicht als reine Jazzveranstaltung ausgeschrieben, vermittelte dieses Quartett während eines Großteils ihres Auftritts einen spannenderen, raffinierteren und komplexeren Jazzdiskurs, als er in manchem Großstadtclubs zu erleben ist. Ständige Harmonie- und Rhythmuswechsel wurden von Faceys Sax-Kaskaden, die wie Wellen an die Ufer ozeanischer Inseln peitschen, unterlegt. Und Forbes trommelte von Swing bis Funk, dabei die Rhythmen immer wieder öffnend, was die Geschichte hergibt. Die Glut war spürbar! Allseits.
Jörg Konrad


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Fürstenfeld: Akkordeonale - Auf einem volkseigenes Instrument

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Fürstenfeld. Gibt es noch Grenzen in dieser grenzenlosen Welt? Oder, wie Peter Rüedi in einer seiner Kolumnen für die „Zürcher Weltwoche“ einmal fragte: „Geht nun wirklich alles mit allem?“ Jein möchte man antworten. Zumindest im vorliegenden Fall. Am gestrigen Freitag trafen sich nämlich im Kleinen Saal des Fürstenfelder Veranstaltungsforums fünf Solisten, denen alle eines gemein war. Sie spielten das gleiche Instrument, das Akkordeon. Das ist, zugegeben, zwar nicht alltäglich. Aber auch nicht unbedingt außergewöhnlich. Bemerkenswert war vielmehr die Verschiedenartigkeit, mit der sich die einzelnen Solisten diesem ihrem Instrument widmeten und welche Aerols-Metamorphosen sie in fast Schwerstarbeit aus ihren Kästen quetschten und drückten. Blues und Klassik, Volksmusik und Filmmusik, melancholisch strahlende Popsongs - es war ein stilistischer Gemischtwarenladen. Grenzenlos die Klänge, die den Kleinen Saal erfüllten.
Mit den fröhlichen, unbeschwerten Weisen eines Servais Haanen aus den Niederlanden, oder den üppigen Melodientrauben einer Janire Egana Zelaia aus dem Baskenland im Ohr fühlte man sich wie auf einem Jahrmarkt der Glückseligkeit. Mit dem Italiener Maurizio Minardi kam etwas stärker die Wehmut auf, denn seine Filmmelodien strahlten im Glanz vergangener Jahrzehnte. Dass das Akkordeon, als das Klavier des kleinen Mannes auch einen akademischen Bezug hat, machte  der Schwede Daniel Andersson deutlich. Er kniete sich virtuos in die Klassik, machte aus dem riesigen Knopfakkordeon fast eine Höllenmaschine - wunderbar anzuhören in Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Der deutlichste Kontrast zu ihm: Andre Thierry. Blues und Zydeco sind die Favoriten des Grammy-nominierten Musikers aus Richmond, California mit kreolischen Wurzeln.
Servais Haanen, dem Spritus Rector dieses Unternehmens, welches er 2009 ins Leben rief und seitdem am Laufen hält, geht es auch um das Aufbrechen von konventionellen Vorurteilen, die noch immer eng mit dem Akkordeon verknüpft scheinen. Und das gelang den Spielern auf jeden Fall. Ob solistisch, als „band in the Band“, als großes, gemeinsames Orchester oder in Begleitung des Schweizer Christoph Pfändler (Hackbrett) oder der Spanierin Vanesa Muela (Perkussion, Gesang). Das Fazit dieses Abends: Das Akkordeon hat die Welt erobert und sich den unterschiedlichen Kulturen angepasst. Es wurde sozusagen assimiliert und entwickelte sich in allen Himmelsrichtungen und Zeitzonen dieser Welt zu einem wahren volkseigenen Instrument.
helga b


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Landsberg: Mathias Eick - Transatlantischer Bogen

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Landsberg. Mathias Eick hat sich in seinem musikalischen Elternhaus schon früh für ein Instrument entschieden, das wie kaum ein anderes den Jazz repräsentiert. Glänzend im Aussehen, handlich im Gebrauch, durchdringend im Klang. Zudem ist jeder zeitgenössische Trompeter in der Lage, auf mindestens eine Handvoll Vorbilder zurückzugreifen. Von der „Stimme Amerikas“ Louis Armstrong, über den melancholisch gefärbten und vibratolosen Ton eines Miles Davis, bis hin zu den gipfelstreifenden Solis eines Maynard Ferguson, oder den mit technischen Verfremdungen arbeitenden Weltmusiker Jon Hassell. Sich zwischen all diesen Koryphäen zu platzieren und dabei seinen eigenen Sound zu finden, ist kein ganz leichtes Unterfangen.
Dem Norweger Eick ist dies im Laufe seiner Entwicklung jedoch gelungen. Auch, in dem er den Radius seiner Instrumente und den stilistischen Bereich des Jazz für sich erweiterte. Wo er momentan musikalisch steht, machte er mit seinem Quartett am Samstag im Stadttheater Landsberg hörbar.
Grundlage seines neuesten Albums sind seine Erfahrungen, die er während einer Tournee durch die USA im vorletzten Jahr sammelte. Denn hier, im Mittleren Westen, traf er auf Namen und Biographien, die sehr eng mit seiner nordischen Heimat verbunden waren. Und so hat Eick versucht, kompositorisch einen weiten transatlantischen Bogen zu knüpfen.
Die Musik ist geprägt von großen, weiten Melodien, die wie Landschaftsbilder wirken und Stimmungen beschreiben. Der melancholische Grundgestus der Kompositionen bekommt durch das Wechselspiel von Trompete und Geige (Erlend Viken) eine lebendige und zum Teil fast fröhliche Note. Wie in einem tänzerischen Reigen, der stark an die amerikanische Folk- und Countrytradition erinnert, umspielen Eick und Viken die Melodien, geben ihnen mit sparsamen Akzenten eine beschwörende Gelassenheit, hin und wieder auch eine tatkräftige Attitüde. Eick liebt die tieferen Lagen seines Instrumentes, das manchmal nach dem anmutigen Ton eine Flöte klingt, schwingt sich aber auch gelegentlich hinauf auf die schrillen Gipfel der Improvisation, was die Band widerum als Zeichen versteht, ihr Energiepotenzial hochzufahren und die musikalisch romantischen Wege in Richtung kontrastreicherer und herausfordernder Regionen zu verlassen. Doch das Quintett kommt von diesen stürmischen Außenposten, die sie expeditionsartig passieren, immer wieder zurück, zu ihren „expressiven Minimalismen“, mit leichtem Hang zum Kontemplativen.
Andreas Ulvo schiebt die verstörend schönen Themen wie in „Midwest“ oder „Hem“ oder „At Sea“ am Klavier mit fast scheuer Zurückhaltung an. Oft kaum wahrnehmbar. Audun Erlien erarbeitet sich am elektrischen, manchmal arg knarzig klingenden Bass die rhythmischen Muster, die Torstein Lofthus am Schlagzeug sehr ökonomisch und mit leicht treibender Note zu einem tragbaren Fundament verwebt.
Mag sein, dass sich Mathias Eick in anderen Formationen musikalisch auf den Rändern brodelnder Vulkane bewegt. In seinem Quintett durchstreift er jedenfalls die weiten Ebenen volksmusikalisch-romantischer Harmonien. Es ist eine stolze, erhabene Musik, getragen von Würde und suggestiver Schönheit, von sanfter Intensität und verführerischem Glanz.
Jörg Konrad


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Landsberg: Berliner Oboentrio - Festlicher Grundcharakter

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Landsberg. Sie wird auch als die „Königin des Orchesters“ bezeichnet - die Oboe. Grund für diese majestätische Ehre ist ihr sinnlich hoher Klang. Sie jubiliert auf eine leuchtend melancholische Art und besitzt in den unteren Registern einen getragenen, vokalartigen Charakter. Das Doppelrohrblattinstrument zeichnet sich durch Prägnanz und Klarheit aus, wodurch sich das obertonreiche Klangspektrum aufgrund seiner durchdringenden Intensität wunderbar als Soloinstrument eignet. Am letzten Sonntag waren nun im Rahmen der Landsberger Rathauskonzerte gleich drei Oboen als ein Trio im Festsaal zu erleben. Zu Gast: Das Berliner Oboentrio, bestehend aus den beiden Mitgliedern der Berliner Philharmoniker Christoph Hartmann und Dominik Wollenberger, sowie dem Solo Oboisten des Concertgebouw Orchesters Amsterdam Lucas M. Navarro.
Auf dem Programm standen unterschiedliche Komponisten aus verschiedenen Epochen. Das Spektrum reichte von Wilhelm Friedemann Bach, über Ludwig van Beethoven, den Österreicher Hans Hadamowsky bis zu Karl-Heinz Stockhausen und Dirk-Michael Kirsch.
Begonnen hat das Berliner Oboentrio aber mit Franz Josef Moser, einem eher wenig bekannten aus Wien stammenden Kapellmeister und Komponisten und seinem Trio op.38 C-Dur für 2 Oboen und Englisch Horn. Mit der anschließenden Sonate Nr.3 für 2 Oboen Es-Dur von Wilhelm Friedmann Bach, dem ältesten Sohn Johann Sebastians, wurde das klangliche Spektrum des Instruments schon sehr deutlich abgesteckt und ausgelotet. Diese überbordend frohlockende, dann wieder sehr stimmungsvoll, fast pathetische Tonfarbe gibt den Inhalten der Kompositionen einen festlichen Grundcharakter, der auch immer etwas sehr mitteilsames und (positiv) geschwätziges vermittelt.
Die Geschichte der Oboe reicht bis in die vorantike Zeit zurück, doch führt die Stammlinie des heutigen Instruments über den arabischen Raum weiter nach Sizilien, von wo aus sie sich im ca. 12. Jahrhundert auf Europa ausbreitete. Ihr Gebrauch im Orchester beginnt Mitte des 17. Jahrhunderts, was zeigt, welch lange Entwicklungsgeschichte die Oboe hinter sich hat. Und so vielfältig die Handhabung des Instrumentes im Laufe der Zeit in den unterschiedlichsten Kulturen auch war, so vielfältig war auch das Programm, das die drei Spezialisten für diesen besonderen Abend zusammengestellten.
Denn mit dem folgenden Meeresbilder für 2 Oboen und Englisch Horn von Dirk-Michael Kirsch wurde die Möglichkeit aufgezeichnet, wie sehr das Instrument neben seiner emotionalen Wirkung auch für Bild- und Zustandsbeschreibungen eingesetzt werden kann. Rauschende Winde, bewegte Ozeane, nächtliche Stimmungen, Assoziationen von berückender Kraft und Präsenz.
Hans Hadamowsky war und ist in Wien so etwas wie eine Oboeninstitution, einer, der sich um die Wiener Bläserschule verdient gemacht hat. Der Musiktheoretiker war 35 Jahre lang Bläsersolist (Englisch Horn) der Wiener Staatsoper und der Wiener Philharmoniker und hat, neben Lehrwerken und Bearbeitungen, etliche Kompositionen für die Oboe geschrieben. Seine Variationen über ein Volkslied für 2 Oboen und Englisch Horn folgten nach der Pause.
Karl-Heinz Stockhausen gehört zu den bekanntesten Vertretern der Moderne. In seiner Schaffenszeit von fast sechs Jahrzehnten gibt es kaum einen Bereich innerhalb der Musik, mit dem er sich nicht beschäftigte. Serielle Musik, Oberton- und elektronische Musik, Klanginstallationen, sakrale Musik - kaum etwas war ihm fremd. Und so wundert es nicht, dass der Rheinländer sich auch um das Fortbestehen der Oboe bemühte - mit seiner Komposition Opus 46 2/3. Dominik Wollenberger interpretierte das Stück Solo auf dem tiefereren und lyrischen Englisch Horn in seiner ganzen beschwörenden, manchmal leicht humorvollen Expressivität samt dazugehöriger „Choreographie“.
Das von Ludwig van Beethovens stammende Trio in C-Dur op. 87 für 2 Oboen und Englischhorn, für deren Entstehung es keine präzise Datierung gibt, setzte den Schlusspunkt unter diesen kurzweiligen und höchst musikalischen Abend. Dieses viersätzige Stück zeichnet sich durch eine gewisse Verspieltheit, aber auch Empfindsamkeit aus. Hier konnten die drei Solisten noch einmal ihr ganzes Können unter Beweis stellen. Das geschickte und präzise Aneinanderreihen versetzter Themen, das bravouröse Ausschmücken und Verdichten der Motive, die klangliche Vielfalt, die elegischen Zwischentöne und immer wieder die spürbare Freude der drei Instrumentalisten - die sich adäquat auf das Publikum übertrug.
Jörg Konrad


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