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Inhaltsverzeichnis
Fürstenfeld: Younee - Wie Perlen aneinanderreiht

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Olching: Christian Elin & Maruan Sakas – Fern jeder Routine

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Germering: Joscho Stephan – Der Meistergitarrist

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Landsberg: Martina Filjak – Überwältigender Musikabend

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Puchheim: Brother Dege – Musikalische Skizzen eines Lebens

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Landsberg: GANES - Impressionen

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Donnerstag 08.12.2016
Fürstenfeld: Younee - Wie Perlen aneinanderreiht
Fürstenfeld. Neue Pianistinnen (und Sängerinnen) schießen wie Pilze aus dem Boden. Aber nicht alle haben, was ihre Kunst betrifft, auch tatsächlich Relevanz, bzw. ihre Kunst steht selten in einem nachvollziehbaren Verhältnis zum Aufwand oft sündteurer Werbekampagnen. Trotzdem spült der Zeitgeist hin und wieder beeindruckende Solisten an die Oberfläche, deren Glanz im Sonnenlicht der Öffentlichkeit erstrahlt – und nachhaltig wirkt. Ein solches Juwel ist die aus Südkorea stammende Younee. Eine Klavierspielerin mit Stimme, die ihr musikalisches Können und ihren persönlichen Charme einzusetzen versteht, um Publikum und Kritik zu überzeugen. So geschehen gestern Abend in Fürstenfeld. Jazz First präsentierte eine Musik, die über den Jazzalltag weit hinausreichte. Dank Younee. Sie schüttete mit ihren eigenwilligen, wie berührenden Interpretationen die Grabenkämpfe zwischen den Musikstilen friedlich zu und zelebrierte ein von Vorurteilen und Erwartungshalten befreiten Musikabend.
Ihr Jazz ist nicht jene Musik, die sich aus swingender Routine und improvisatorischer Kapazität speist. Die Pianistin hat ihre musikalische Sozialisation eindeutig in der Klassik erfahren. Sie spielt perfekt, mit großer Geste. Bei der Bearbeitung von Themen, ihren so geliebten Variationen, zieht es sie aber immer wieder in jazznahe Bereiche, wobei ihre Freiheit und Rigorosität beeindruckt. Nach nur ein paar Takten hat sie auch ihren Bezug zum Blues manifestiert. Und ihre Nähe zu ihm bis zum Ende des Konzerts immer wieder unter Beweis gestellt. Der Blues, als eine der Grundlagen des Jazz, fast unabdingbar
Ansonsten lebt ihre Musik von mutigen Ideen, die sie wie Perlen aneinanderreiht, manchmal auch neu entwickelt. Kraftvoll spielt Younee. Mit regelrechtem Donnerhall lässt sie ihr Instrument erzittern. Beschwörend, fast grollend schlägt sie in die Tasten. Das Temperament ihrer Jugend bricht sich Bahn. Am liebsten alle Riten über Bord werfen. Dann klingt sie wieder zart und verletzlich, hinterfragt, fast verzagt, die stillen Momente des Lebens. Das Glück. Die Pianistin versteht es, mit Gegensätzen zu jonglieren und auch manches Glissando effektvoll zu inszenieren. Differenz, Widerstand und Musikalität bestimmen ihr Klangbild. Sie widersteht den Verlockungen der Schönspielerei (obwohl sie die mit Sicherheit beherrscht). Stattdessen sucht sie das Ungespielte, die Herausforderung. Das ist spannend vom Ansatz und souverän umgesetzt.
Jörg Konrad
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Sonntag 04.12.2016
Olching: Christian Elin & Maruan Sakas – Fern jeder Routine
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Olching. „Wer zu zweit spielt, muss die Karten auf den Tisch legen“, führte Michael Naura vor einigen Jahren aus. „Wer ein übles Timing hat, der ist verloren, denn kein Dingading des Trommlers auf den Becken kann ihm helfen.“ Dagegen ist das Solieren leichter überschaubar. Schließlich verlässt man sich hier allein auf die eigene Person. Aber im Duo, immer mit einer zweiten, vielleicht unberechenbaren Hälfte, ein ganzes Konzert bestreiten? Intime Gespräche, um nichts anderes geht es in einem solchen Kontext, im öffentlichen Raum? Christian Elin und Maruan Sakas gehen dieses Wagnis schon ein Weile ein. In einem Bereich zwischen Jazz und Klassik. Und auch der Blues findet bei ihnen eine Stimme.
Die Kompositionen bringen beide von zu Hause mit. Auch am Sonntag, zur 141.(!) Matinee der Reihe Eleven-Eleven in Olching hatten sie ihre „Songs“ im Gepäck. Dazu ein wenig Johann Sebastian Bach und ein Stück von Jan Garbarek, dem Norweger. Kein Repertoire auf Zuruf also. Auch keine altgedienten Standards. Stattdessen kurze Statements, mal impressionistisch angehaucht, mal stringent geformt, aber immer luftig und schwungvoll. Elin spielt Sopransax, die „schrille“ Schwester des Tenors und Bassklarinette. Sakas spielt Klavier. Mit fragmentarischer Skizzenhaftigkeit greifen diese Instrumente ineinander – fern jeder Routine. Es ist ein subtiles Interaktionsgeflecht, das die Spieler entwerfen, ein differenzierter Dialog, mit ausreichend Distanz und großer Nähe. Voller Konzentration lassen sie die Musik auch fließen, improvisieren gekonnt und intensiv. Nicht alles ist für harmoniesüchtige Gemüter bestimmt. Es gibt auch Reibung und es gibt Spannung. In ihrem Umfeld entstehen die Abenteuer, werden Gedanken neu geordnet und geplante Ziele nachjustiert. Grenzen werden erweitert, Vertrautes neu überdacht. Das Publikum nahm diese Herausforderung begeistert an und dankte mit langem Applaus.
Jörg Konrad
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Samstag 03.12.2016
Germering: Joscho Stephan – Der Meistergitarrist
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Germering. „Mmmmmmh, manchmal, wenn ich mit ihm gespielt habe, dann war es wie ein Philharmonieorchester! Ich weiß nicht, wie er das gemacht hat. Ich kann`s nicht beschreiben – es war und ist mir unbegreiflich.“ Das sagte kein geringerer als Stephane Grapelli über Django Reinhardt, mit dem er das Quintette du Hot Club de France, das erste europäische Jazzensemble mit transatlantischem Erfolg, immerhin sechs Jahre leitete. Reinhardt, in der belgischen Stadt Charleroi geboren, gilt als das „unkonventionellste Genie des Gitarrenjazz“. Und es gibt nur wenige Musiker, die sich seinem Gypsy Swing verpflichtet fühlen. Einer von diesen seltenen Spezies ist Joscho Stephan. Der einstige Büroangestellte aus Mönchengladbach bekennt sich, was das Gitarre spielen betrifft, als Autodidakt und ist mit Sicherheit einer der virtuosesten Reinhardt-Erben der Gegenwart. Gestern nun war der Gitarrist mit seinem Quartett Gast der 83. Folge der Reihe JAZZ IT! In der Germeringer Stadthalle.
Stephan ist ein sicherer, aber auch grenzüberschreitender Stilist. Mit seiner atemberaubenden Technik schlägt er musikalische Funken, brennt mit seinen wieselflinken Akkordfolgen ein harmonisches wie rhythmisches Feuerwerk ab. Aus dem Spiel heraus entstehen immer wieder diese scheinbar lässigen aber beeindruckenden improvisatorischen Momente, die sein Gespür für Dramaturgie und humorvolles Entertainment unterstreichen. Alles an bekannten (und weniger bekannten) Musikstilen, Klassik, Bossa, Rock und Blues, integriert er in sein Spiel. Manchmal sind es ganze Songs, die im maßgeschneiderten Gyspsy-Arrangement erstrahlen, manchmal sind es Melodiefetzen, die für Momente überraschend aufglühen. Und dann klingt Joscho Stephan tatsächlich wie ein ganzes Orchester und nicht wie ein Einzelstimme.
Seine Band mit Sebastian Reimann (Violine), Vater Günter Stephan (Rhythmus-Gitarre) und Volker Kamp (Kontrabass) ist eine fest eingespielte Formation, die jedes musikalische Wagnis locker meistert. Hier greift ein Instrument ins andere, mal souverän und elegant, mal das Publikum schwindlig spielend. Es ist ein perfekt getimter Ablauf, in dem auch Sebastian Reimann und Volker Kamp mit solistischen Beiträgen glänzen. Und schon ist wieder der Meistergitarrist im Rampenlicht, mit solistischen Höhenflügen und swingenden Provokationen. Joscho Stephan arbeitet sich an den Originalen fast physisch ab, bringt sie zum Leuchten – nicht selten in einer schnelleren, auch moderneren Interpretationsweise. Insofern ist er nicht nur der Bewahrer einer faszinierenden Spielkultur, sondern zugleich auch ein Erneuerer der Tradition. Musik als wirkungsvolles Antidepressiva nicht nur an trüben Herbsttagen.
viktor b 
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Montag 28.11.2016
Landsberg: Martina Filjak – Überwältigender Musikabend
Landsberg. Von Alfred Brendel, dem großen österreichischen Pianisten, Schriftsteller und Dozenten, stammt der Satz: „Das Klavier kann alles.“ Ein knappes Statement, das jedoch (fast) alles auf den Punkt bringt. Vorausgesetzt nämlich, der jeweilige Pianist ist in der Lage, dieses „stille Universum“, das in dem majestätischen Möbel ruht, zum Klingen zu bringen, es mit Leben zu erfüllen, eben jenes „alles“ aus dem Instrument herauszukitzeln. Versuche gibt es täglich. Weltweit. Ungezählte. Aber nur wenige gelingen tatsächlich. Der Sonntag war so ein Tag, an dem Brendels Satz hörbare Realität wurde. In Landsberg, im Festsaal des historischen Rathauses. Hier brillierte Martina Filjak, mit einem Programm, das sich im ersten Moment gar nicht so außergewöhnlich liest. Doch wie sich die Pianistin den Vorgaben von Joseph Haydn, Franz Liszt oder Robert Schumann stellte, wie sie die unterschiedlichen Seelenlagen und Nuancen zum Klingen brachte, das verdient höchstes Lob.
Martina Filjak ist in der Lage, ihre bemerkenswerte technische Spielgestaltung und das weite Feld emotionaler Stimmungslagen miteinander in Einklang zu bringen, ja es regelrecht miteinander zu verzahnen. Wie ein perfekter Reißverschluss greift ihre Virtuosität in die gestaltende Befindlichkeit der Komposition. Das Ergebnis ist eine begeisternde Lektion in zupackender, transparenter Klavierkunst.
In Joseph Haydns Sonate g-moll, Hob.XVI/44 perlt das Kernmotiv in unglaublichen Variationen und nimmt Besitz von Raum und Publikum. Martina Filjak spielt mit den Tempi, sie setzt Pausen und brilliert in höchster Präzision und ökonomischer Finesse.
Franz Liszt huldigt in seinen Deux Légendes zwei Menschen, die ihn stark inspiriert haben: Franz von Assisi und Franz von Paola. Diese beiden um 1863 komponierten Solostücke, Liszt hatte kurz zuvor seinen Lebensmittelpunkt nach Italien verlegt und ist dem Franziskanerorden beigetreten, erinnern in ihren Vorgaben ein wenig an die großen Impressionisten wie Claude Debussy. Doch Martina Filjak interpretiert sowohl „Der heilige Franz von Assisi – Die Vogelpredigt“ als auch „Der heilige Franz von Paola – Auf den Wogen schreitend“ zupackend, schöpft die chromatischen Wellenbewegungen besonders im zweiten Teil fast lustvoll aus, gibt ihnen eine zum Licht strebende überzeugende Sinnlichkeit.
Nach der Pause dann Robert Schumann, der tragische Romantiker, das zwischen Melancholie und Wahn wandelnde Genie. Besonders seine Sonate Nr. 1 op. 11, entstanden 1835, zeigt diesen zerrissenen Charakter, die aber auch als ein ganz bewusstes Öffnen hin zu neuen Musikformen verstanden werden kann. Denn Schumann dokumentiert in dieser Clara Wieck gewidmeten Komposition sowohl die klassische Sonatenform, als auch eine Hinwendung zu volkstümlicher Tanzmusik. In Martina Filjaks Interpretation ist die Spannung in dieser Gegenüberstellung deutlich hörbar. Überhaupt fasziniert bei ihr das Wechselspiel zwischen romantischen Formalismen und strengen, fast wuchtigen Energieschüben. Sie inszeniert die dramatischen Wendungen, ohne den organischen Fluss des Stückes in Frage zu stellen. Sie entwirft ein kraftvolles Klanggebäude, das erdbebensicher scheint und doch wieder so unglaublich zerbrechlich. Martina Filjak bändigte diese Sonate grandios und wurde zu recht gefeiert.
Als Zugabe gab es ganz zum Schluss von Arvo Pärt noch das zarte, flüchtige, wie hingetupfte „Für Alina“. Stimmiger konnte dieser überwältigende Musikabend nicht enden.
Jörg Konrad 
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Freitag 25.11.2016
Puchheim: Brother Dege – Musikalische Skizzen eines Lebens
Puchheim. Seine Stimme verkörpert das Leid des halben Planeten, seine Slide besitzt die Akustik eines sengendheißen, von Mückenschwärmen geschwärzten Nachmittags am sumpfigen Mississippi. Dege Legg aka Brother Dege ist ein Bluesman voller Leidenschaft. Rau, introvertiert, aber hochsensibel. Wären da nicht seine instrumentalen Fertigkeiten, die ihn als Profi outen, würde man den Gitarristen, Sänger und Songschreiber gedanklich an eine Straßenecke von Baton Rouge platzieren. Und so ganz falsch liegt man damit nicht. Denn Brother Dege kommt aus Louisiana und seine Musik ist wie der Soundtrack zum Delta des Mississippi. Seine instrumentalen Favoriten stammen somit aus dem Umfeld von Big Bill Broonzy bis Bukka White. Aber sein musikalischer Horizont ist weiter. „Für mich war Jimmy Page immer ein Genie – wie Wagner“, bekennt er in einem Interview.
Gestern gastierte Brother Dege in Puchheim, der Blueszentrale im Münchner Umland (im kommenden Jahr findet hier das zweite 2-tägige Bluesfestival statt). Der erste Teil des Abends gehörte ihm allein . Nur er und seine Dobro, dieser Resonatorgitarre mit Metallkorpus, die als „Hawai-Gitarre“ in den 1930er Jahren ihren Siegeszug um die Welt antrat und deren schneidender, psychedelischer Ton auch den letzten Winkel eines Saales erreicht. Bei ihr geht es nicht um virtuose Technik. „Man kann der schnellste Gitarrist dieses Planeten sein, das Griffbrett rauf und runter sausen, doch wenn man (singt) …. hat man die vielen vorherigen Gitarrennoten sofort vergessen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass diese Kunst heutzutage vergessen ist, nämlich dass es der Song, der Sound und die Seele des Komponisten sind, die wahre Magie auslösen.“ Und seine Songs sind tatsächlich pure Magie. Ob Quentin Tarantino sie nun für seine Filme nutzt oder nicht. Sicher, der Regisseur hat ihn bekannt gemacht und vielleicht wäre BD ohne diesen Clou nie nach Deutschland gekommen. Aber seine Musik hat diese mediale Aufmerksamkeit mit Sicherheit nicht verändert.
Seine Songs leben von einer eigenwilligen Authentizität. Sie sind wie Skizzen eines Lebens, seines Lebens. Manches klingt nach Improvisation – aber wer ist schon perfekt. Wichtig ist, dass die Persönlichkeit hinter den Songs spürbar ist. Und das ist sie bei Brother Dege.
Den zweiten Teil spielte er in Puchheim mit seiner Band, den Brotherhood of Blues. Die stillen Momente wurden lauter, das sehr persönliche etwas allgemeiner. Aber die Magie und die Intensität der Musik, die blieben erhalten.
Jörg Konrad
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Sonntag 20.11.2016
Landsberg: GANES - Impressionen
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Martin Gebhardt, München
Landsberg. Ganes-Impressionen vom Konzert am 18. November im Landsberger Stadttheater.
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