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Start: Mittwoch 22.10.2025; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 27.09.2026
Museum Brandhorst: LONG STORY SHORT. EINE KUNSTGESCHICHTE AUS DER SAMMLUNG BRANDHORST VON DEN 1960ER-JAHREN BIS ZUR GEGENWART
Bilder
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LONG STORY SHORT. EINE KUNSTGESCHICHTE AUS DER SAMMLUNG BRANDHORST VON DEN 1960ER-JAHREN BIS ZUR GEGENWART

Ausstellung vom 22. Oktober 2025 bis 27. September 2026
Museum Brandhorst, München

Erstmals seit seiner Eröffnung 2009 widmet sich das Museum Brandhorst mit „Long Story Short“ einer chronologischen Präsentation der Sammlung. Die Ausstellung vereint annähernd 80 Werke von über 30 Künstler:innen aus der Sammlung Brandhorst, darunter bedeutende Neuerwerbungen wie Martine Syms’ „DED“ (2021) sowie über 20 bisher noch nie gezeigte Arbeiten, etwa von Jacqueline Humphries, Laura Owens und Giulio Paolini.

Kunstgeschichte(n)
Der Bestand des Museums ist seit seiner Eröffnung von 800 auf über 2000 Werke angewachsen und verwebt zahlreiche Erzählstränge aus der Kunst der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit, die punktuelle wie tiefgreifende Einblicke in die Kunstproduktion der letzten 70 Jahre, vor allem in Europa und im US-amerikanischen Raum, geben. Anstatt einer vermeintlich vollständigen Geschichte dieses Zeitraums reihen sich in „Long Story Short“ ausgewählte Strömungen, ästhetische Fragestellungen und künstlerische Positionen von den 1960er-Jahren bis heute zu einer Perlenkette einzelner Kunstgeschichten.

Kunst als Spiegel der Gesellschaft
Neben formalen Entwicklungen und Zäsuren geht es immer auch darum, wie Kunst auf historische Ereignisse, gesellschaftliche Veränderungen und technologische Innovationen reagiert und sie im künstlerischen Prozess reflektiert. Welche Auswirkungen hatte das Wirtschaftswunder auf den Umgang von Künstler:innen mit Materialien? Was bedeutete die Politisierung der Gesellschaft in den 1960er-Jahren für Künstler:innen? Auf welche Weise hat die Digitalisierung die Produktion von Kunst verändert?

Von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart
Jeder Raum ist dabei eine eigene Ausstellung für sich, erzählt einen spezifischen kunsthistorischen Moment im Kontext seiner Zeit oder widmet sich einer ausgewählten Werkgruppe einzelner Künstler:innen: Beginnend mit der prozesshaften Materialreflexion der Arte Povera (mit Werken von Jannis Kounellis, Marisa Merz, Mario Merz und Giulio Paolini) und der formalen Reduktion des Minimalismus (unter anderem bei Richard Tuttles spielerisch-geometrischen Formen) über die konzeptuelle Fotografie der späten 1970er-Jahre (Victor Burgin) und die intensiven Auseinandersetzungen mit Körper, Geschlecht und Identität im Kontext der 1980er-Jahre (unter anderem bei Georg Herold und Rosemarie Trockel) bis hin zum richtungsweisenden Malereidiskurs der 1990er-Jahre (mit Charline von Heyl, Albert Oehlen, Laura Owens und anderen) entsteht so ein Kaleidoskop kunsthistorischer Erzählungen der jüngeren Vergangenheit. Die Auseinandersetzung mit digitalen Medien und Technologien – etwa bei Kerstin Brätsch, Mark Leckey, Jacqueline Humphries oder Sondra Perry – reflektiert einen Aspekt künstlerischer Produktion der Gegenwart und bildet einen offenen Schlusspunkt.
Die Ausstellung macht die vielfältigen Ausdrucksformen und ästhetischen Strategien der Kunst als Teil eines historischen Gefüges erfahrbar. Sie zeigt, wie Kunst nicht isoliert existiert, sondern in einem ständigen Austausch mit ihrer Zeit, mit politischen, sozialen und technologischen Entwicklungen steht, diese in freier Weise reflektiert und damit ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft ist.
Kunst entdecken
Die Bandbreite der Exponate reicht von monumentalen Arbeiten wie Mark Leckeys zehn Meter hoher aufblasbarer Skulptur „Inflatable Felix“ (2020) – dem ersten Fernsehbild der Geschichte als Pop-Ikone – bis hin zu André Caderes nur 29 Zentimeter langem, handbemaltem Stab „Barre de bois rond“ (1976), der einst in fremde Ausstellungen geschmuggelt wurde.
Dazwischen entfaltet sich ein Panorama künstlerischer Strategien, die ebenso überraschend wie sinnlich erfahrbar sind: Marisa Merz verwandelt in dem Schwarzweißfilm „La conta“ (1967) eine alltägliche Küchenszene in ein feministisches Manifest, Victor Burgin inszeniert in „Zoo 78“ (1978) das geteilte Berlin als „Stadt des Geistes“, und Jacqueline Humphries lässt ihre „Black Light Paintings“ (2005) im Dunkeln erstrahlen – Malerei, die sich selbst zum Leuchtkörper macht und im Museum Clubatmosphäre erzeugt. Mit Martine Syms’ monumentaler Videoinstallation „DED“ (2021) trifft schließlich eine neue Generation auf die Gegenwart: Ihr digitaler Avatar durchwandert eine endlose Landschaft aus Schmerz, Humor und
Wiedergeburt – ein eindrücklicher Kommentar zu Körper, Medien und Selbstbild im 21. Jahrhundert.

Mit Werken von
Kerstin Brätsch, Victor Burgin, André Cadere, DAS INSTITUT (Kerstin Brätsch und Adele Röder), Walter De Maria, Wade Guyton, Georg Herold, Charline von Heyl, Jacqueline Humphries, KAYA (Kerstin Brätsch und Debo Eilers), Jannis Kounellis, Michael Krebber, Louise Lawler, Mark Leckey, Mario Merz, Marisa Merz, Albert Oehlen, Kayode Ojo, Laura Owens, Palermo, Giulio Paolini, Sondra Perry, Sigmar Polke, Seth Price, Amy Sillman, Frank Stella, Martine Syms, Niele Toroni, Rosemarie Trockel, Richard Tuttle, Cy Twombly, Franz West.

MUSEUM BRANDHORST
Bayerische Staatsgemäldesammlungen
Theresienstraße 35a
80333 München

Abbildungen: 

- Niele Toroni 
Empreintes de pinceau n° 50 répétées à intervalles réguliers de 30 cm, 1977 
Udo und Anette Brandhorst 
Sammlung 
© Niele Toroni. VG Bild-Kunst, Bonn [2025]. Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, 
Museum Brandhorst, München 

- Amy Sillman 
Mr. Wrong, 1995 
Udo und Anette Brandhorst 
Sammlung 
© Amy Sillman. Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, 
Museum Brandhorst, München 
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Start: Donnerstag 18.12.2025; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Freitag 31.07.2026
München Literaturhaus: TOVE JANSSON: »DIE WELT DER MUMINS«
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TOVE JANSSON: »DIE WELT DER MUMINS«

Ausstellung vom 18. Dezember 2025 bis 12. April 2026 - VERLÄNGERT bis 31. Juli
Literaturhaus München

»Alles ist sehr ungewiss, und gerade das finde ich beruhigend.« (Tove Jansson »Winter im Mumintal«)

Vor 80 Jahren erfand die finnische Künstlerin Tove Jansson die Mumins, die kultigen rundlichen Trolle, die derzeit weltweit gefeiert werden. Ihre Geschichten sind ein Plädoyer für Toleranz, Empathie und Abenteuerlust. Das Literaturhaus München stellt sie erstmals in einer großen Ausstellung vor.

Im Mumintal regieren Geborgenheit, Freundschaft und Humor, aber auch eine Prise Anarchie und Rebellion, dazu jener satirische Esprit, dem Tove Jansson in den Dreißiger- und Vierzigerjahren ihren Erfolg als politische Karikaturistin verdankte.

Diese Mischung, fern jeder aufgesetzten Idylle, dabei voller Poesie und Eigensinn, bezaubert Erwachsene und Kinder gleichermaßen: Sie spricht das innere Kind im Erwachsenen an, freut Nostalgiker, die mit den Mumins aufgewachsen sind und beflügelt bei Kindern jene Vorstellungskraft, die intellektuell nicht unterfordert werden möchte. Das Finstere und das Helle, das Katastrophale und das Komische erscheinen hier in einem Gleichgewicht, das keinem Zeitgeist verhaftet ist, aber ganz besonders in unsere Epoche passt.

In der Ausstellung können Mumin, Schnüferl, Schnupferich, die kleine Mü und viele andere Figuren mit ihren Geschichten voller Geheimnisse, Überraschungen und Abenteuer erlebt werden. Originalillustrationen, Animationen und interaktive Stationen laden ein, die Welt der Mumins zu entdecken.

Literaturhaus München
Salvatorplatz 1,
80333 München

Abbildungen: 

- © Moomin Characters

- © Moomin Characters
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Start: Dienstag 10.03.2026; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Samstag 05.09.2026
Lenbachhaus: Über die Welt hinaus. Der Blaue Reiter
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Über die Welt hinaus. Der Blaue Reiter

Ausstellung vom 10. März bis 05. September 2026
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts formierte sich in München ein Kreis von Künstlerinnen und Künstlern mit einer Vision. Sie hatten das gemeinsame Ziel, die Kunst zu erneuern und die Gesellschaft zu verändern.
Besonders wichtig in diesem Unterfangen waren die beiden Ausstellungen der Redaktion Der Blaue Reiter in München 1911–12. Der Titel nahm explizit Bezug auf das Vorhaben des Almanachs: Dieses programmatische Jahrbuch etablierte den Blauen Reiter als Teil eines weltweiten, epochen- und gattungsüberschreitenden Kunstschaffens. Der Blaue Reiter war jedoch mehr als das: Er basierte auf einem Netzwerk des Austauschs, das kulturelle Unterschiede als kreative Ressource verstand. In einem transnationalen Dialog – vom Deutschen Kaiserreich und Frankreich bis ins Russische Reich und in die USA – schufen die Beteiligten neue Bildsprachen für eine sich wandelnde Welt. Viele von ihnen lebten unkonventionelle Lebensentwürfe, stellten Geschlechterrollen in Frage und suchten nach neuen Formen der Darstellung jenseits bürgerlicher Normen.
Die Ausstellung rückt ihre wegweisenden Errungenschaften in den Mittelpunkt – von Franz Marcs symbolischer Farbtheorie über Wassily Kandinskys Abstraktionen bis hin zu Alexander Sacharoffs performativen Grenzüberschreitungen. Besonderes Augenmerk gilt den Künstlerinnen, die – für ihre Zeit ungewöhnlich sichtbar – eine zentrale Rolle in der Bewegung spielten. Neben Gabriele Münters expressiver Malerei treten ausdrucksstarke Selbstporträts von Elisabeth Epstein, die dramatischen Gemälde der Kosmopolitin Marianne von Werefkin und Maria Franck-Marcs hintergründige Stillleben und utopische Kinderwelten.
Bedeutende Neuzugänge zur Sammlung des Lenbachhauses wie die großformatigen abstrakten Kompositionen von Wilhelm Morgner oder sozialkritische Werke von Emmy Klinker und Albert Bloch sind erstmals zu sehen. Mit über 150 Arbeiten eröffnet die Ausstellung neue Perspektiven auf eine der bedeutendsten Bewegungen der europäischen Avantgarde und zeigt, wie aktuell ihre Fragen nach Emanzipation, ästhetischer Praxis und gattungsübergreifenden Innovationen auch heute sind. Der Blauen Reiter verstand Kunst als Botschaft und nicht als bloßes Problem der (schönen) Form. So beschreibt Else Lasker-Schüler 1911 in einem Gedicht die Suche nach einem weiteren Horizont mit den Worten: „Über die Welt hinaus.“
Mit Werken von: Albert Bloch, Erma Bossi, Wladimir Burljuk, Heinrich Campendonk, Robert Delaunay, Elisabeth Iwanowna Epstein, Otto Freundlich, Maria Franck-Marc, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Emmy Klinker, Moissey Kogan, Alfred Kubin, Else
Lasker-Schüler, August Macke, Franz Marc, Wilhelm Morgner, Gabriele Münter, Jean-Bloé Niestlé, Alexander Sacharoff, Marianne von Werefkin und andere.

Die Ausstellung findet im Rahmen der Vorbereitungen unseres Jubiläums „100 Jahre Lenbachhaus 1929 / 2029“ statt.
Eine Kooperation des Lenbachhauses und der Gabriele Münter- und Johannes-Eichner Stiftung. Mit freundlicher Unterstützung von Förderverein Lenbachhaus e. V.
Kuratiert von Melanie Vietmeier und Matthias Mühling
Kuratorische Assistenz: Johannes Michael Stanislaus

Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Luisenstraße 33,
80333 München

Abbildungen: 

- Wassily Kandinsky, Improvisation Sintflut, 1913, 
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München / Lenbachhaus Munich, 
Gabriele Münter Stiftung 1957

- Gabriele Münter, Sinnende, 1917, 
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München / Lenbachhaus Munich, 
Gabriele Münter Stiftung 1957, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
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Start: Freitag 20.03.2026; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 04.10.2026
München Kunsthalle: HAAR – MACHT – LUST
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HAAR – MACHT – LUST

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung
Ausstellung vom 20. März bis 04. Oktober 2026

Haare sind weit mehr als ein modisches Ausdrucksmittel. Sie erzählen von Schönheit und Begehren, Macht und Ohnmacht, von Anpassung und Rebellion. Dabei wirken sie als universelle Sprache, die seit Jahrtausenden soziale, kulturelle und politische Fragen verhandelt. Mit HAAR – MACHT – LUST präsentiert die Kunsthalle München eine thematisch gestaltete, kulturübergreifende Ausstellung, die die vielschichtigen Bedeutungen von Kopf- und Körperhaar beleuchtet. Zu sehen sind über 200 historische und zeitgenössische Werke aus bedeutenden internationalen Sammlungen wie dem Prado, dem Louvre und dem Rijksmuseum. Die Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Videoarbeiten,
Schmuckstücke, Möbel, Designobjekte und Couture-Kreationen entfalten ein facettenreiches Panorama berührender und überraschender Geschichten rund um das menschliche Haar.

Frisuren spielen seit jeher eine zentrale Rolle in der Kommunikation von sozialem Status und gesellschaftlichen Normen. Schon im Alten Ägypten färbten sich Menschen die Haare und trugen Perücken – und bis heute gilt sorgfältig zurechtgemachtes Haar als Zeichen von Selbstinszenierung
und Zugehörigkeit. Die Gestaltung von Kopf- und Körperhaar prägt dabei auch Vorstellungen von Geschlecht und gesellschaftlicher Rolle – indem sie diese bestätigt, hinterfragt oder, wie etwa im Drag, bewusst überzeichnet. Anhand von Abbildungen außergewöhnlich behaarter Menschen reflektierten Künstlerinnen und Künstler über Jahrhunderte hinweg die Grenze zwischen Natur und Kultur.

Darüber hinaus spürt die Ausstellung der besonderen Faszination nach, die Haare auf Menschen ausüben. Sie stehen für Schönheit und Attraktivität – und tragen zugleich eine innere Ambivalenz in sich. In Darstellungen von Figuren wie Maria Magdalena oder Medusa verkörpern
sie zugleich Anziehung und Abschreckung. Haare können auch als Quelle von Kraft erscheinen – wie in der biblischen Geschichte des Samson, dessen Stärke in der Länge seines Haars begründet liegt. Dass sie ein Leben lang – dem Volksglauben nach sogar über den Tod hinaus – weiterwachsen, macht sie zu einem Sinnbild menschlicher Vitalität. Seit der Renaissance dienten Haare deshalb auch als Liebespfand oder als Erinnerung an Verstorbene.

Gleichzeitig zeigt der Rundgang, dass Haar immer auch ein Mittel des Widerstands war – ob in den rebellischen Frisuren der Hippies und Punks oder im unbedeckten Haar der Frauen bei den jüngsten iranischen Protesten für Freiheit und Menschenrechte. Selbst die Haarstruktur – etwa bei Schwarzem Haar – kann zum politischen Symbol werden: Charakteristische Frisuren wie der Afro-Look werden zum Zeichen von kultureller Identität und Selbstermächtigung. Umgekehrt galt es über Jahrhunderte als Akt der Demütigung und Unterwerfung, jemandem die Haare
abzuschneiden.

In der Ausstellung vertreten sind neben Objekten aus Frühgeschichte und Mittelalter unter anderem Werke von: Sandro Botticelli (1445–1510), Filippo Negroli (ca. 1510–1579), Giorgio Vasari (1511–1574), Bartolomé Esteban Murillo (1617-1682), Jacques-Louis David (1748–1825), Jean-Baptiste Carpeaux (1827–1875), John William Waterhouse (1849–1917), Alfons Mucha (1860–1939), Albert Weisgerber (1878–1915), J. D. ’Okhai Ojeikere (1930–2014), Herlinde Koelbl (* 1939), VALIE EXPORT (* 1940), Pieter Hugo (* 1976), Simone Haack (* 1978) und Laetitia Ky (* 1996).
Begleitend erscheint im Hirmer Verlag eine umfassende und reich bebilderte Publikation, die den thematischen Rundgang vertieft und mit wissenschaftlichen Essays erweitert. Kurztexte zu ausgewählten Werken beleuchten Hintergründe und eröffnen Einblicke in faszinierende Geschichten rund um das Haar.

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung
Theatinerstraße 8
80 333 München


Abbildungen:

- Herlinde Koelbl
Projekt Haare, Punk, 2007
Fotografie, 100 x 80 cm
© Herlinde Koelbl

- Ilse Haider
La Stilla (2), 2002
Farbfotografie, C-Print auf Aluminium, 80 x 65 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025
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Start: Dienstag 24.03.2026; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 19.07.2026
Lenbachhaus: Franz Wanner - Eingestellte Gegenwarten
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Franz Wanner. Eingestellte Gegenwarten

Ausstellung vom 24. März bis 19. Juli 2026
Lenbachhaus München

Eine Schutzbrille aus Plexiglas steht am Anfang der Ausstellung „Eingestellte Gegenwarten“ von Franz Wanner (*1975, Bad Tölz). Die Brille wurde bei Grabungen auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen geborgen. Über die inhaftierte Person, die zur
Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie eingesetzt war und mit der Brille ihr Augenlicht schützte, gibt es bislang keine auffindbaren Informationen. Ihr Wunsch, sich zu schützen, zeigt sich bis heute an diesem Objekt.

Das Material, aus dem die Brille besteht, wurde 1933 von der deutschen Firma Röhm & Haas unter dem Markennamen „Plexiglas“ vorgestellt und ab 1936 fast ausschließlich in der Rüstungsindustrie für Flugzeugfenster verwendet. In Propagandaausstellungen des NS-Staats wurden die technischen Möglichkeiten des schattenlosen Materials angepriesen. Heute bestehen unterschiedlichste Gegenstände aus Plexiglas, vom Polizeischild bis zur musealen Vitrinenhaube. In der Ausstellung werden solche Gegenstände, losgelöst von ihrer ursprünglichen Funktion zu Verwahrstücken, die den Ausstellungsraum als Tatort markieren.

Im Nazismus wurden im Namen des „Kunstschutzes“ auch in Museen wie dem Lenbachhaus Zwangsarbeiter*innen eingesetzt, etwa zur Evakuierung von Kunstwerken bei Luftangriffen, wie Franz Wanner in seinen künstlerischen Analysen erforschte und erstmals öffentlich macht.
Franz Wanner interessiert sich für die Lücke zwischen Realität und Selbstdarstellung der Bundesrepublik. Dafür recherchiert er deren Geschichte und betrachtet aufmerksam, wie diese für die Gegenwart beschönigt, bereinigt und instrumentalisiert wird. Die Ausbeutung von Arbeitskraft ist das zentrale Thema seiner Ausstellung am Lenbachhaus: Im Nazismus war der Einsatz von Zwangsarbeiter*innen in allen gesellschaftlichen Bereichen weit verbreitet. Auf den massiven Strukturen der Zwangsarbeit im Nazismus fußten später die Anwerbeabkommen mit Italien, der Türkei, Griechenland und Jugoslawien. So wurden die Menschen, die ab 1955 angeworben wurden und nach Deutschland zogen, teils in ehemaligen NS-Baracken untergebracht, die als „Gastarbeiterlager” bezeichnet wurden; die gesetzliche Grundlage der Abkommen basierte auf einer NS-Verordnung aus dem Jahr 1938.

Durch seinen prüfenden Blick auf heutige staatliche Institutionen wie den Geheimdienst und die Polizei, die Verzahnung von universitärer Forschung und Rüstungsindustrie, sowie Deutschlands aktive Rolle in der auf Abwehr ausgerichteten Migrationspolitik der Europäischen Union fragt Wanner, wo und wie sich der Nazismus von einst im Wirtschaftsliberalismus von heute fortschreibt.

Als Artist in Residence des Harun Farocki Instituts entwickelte Franz Wanner die Ausstellung „Mind the Memory Gap“ für das KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst in Berlin. Die Ausstellung am Lenbachhaus beruht auf dieser früheren Präsentation.
Die begleitende Publikation „Franz Wanner. Eingestellte Gegenwarten“ ist in Kooperation mit Kunst Meran Merano Arte im Hirmer Verlag erschienen.
Kuratiert von Stephanie Weber

Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau
Luisenstraße 33
80333 München

Abbildungen:

- Franz Wanner, Berlin-Lichtenberg, 2024
Video, Found Footage, 16mm digitalisiert (schwarz-weiß und Farbe, ohne Ton), 7:20 Min. / found footage, 16mm transferred to video (black-and-white and color, no sound), 7:20 min. 
© Franz Wanner 
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Start: Donnerstag 26.03.2026; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Donnerstag 26.11.2026
Murnau Schlossmuseum: Paul Klee - Der Poet des Blauen Reiter
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Paul Klee
Der Poet des Blauen Reiter

Ausstellung vom 26. März bis 26. November 2026
Schlossmuseum Murnau

Am 1. Juli 2023, zum 30-jährigen Bestehen des Museums, übergab die KK-Stiftung Murnau dem Schloßmuseum Murnau seine Blaue Reiter-Sammlung als Dauerleihgabe. Die Werke, die aus dem engen Kontext der legendären Murnauer Malaufenthalte von Gabriele Münter, Wassily Kandinsky, Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky zwischen 1908 und 1910 stammen und wie die Arbeiten von Franz Marc, August Macke, Heinrich Campendonk und Alfred Kubin unmittelbar in Beziehung zu den Ereignissen um die Redaktionssitzungen und die Herausgabe des Almanachs Der Blaue Reiter 1911 stehen, zählen zu den Hauptwerken des deutschen Expressionismus.
Diese Arbeiten werden nun in Dialog gesetzt zu dem Schaffen Paul Klees, der innerhalb der Künstler und Künstlerinnen des Blauen Reiter eine Sonderstellung einnimmt. Das Ehepaar, das seine Blaue Reiter-Sammlung in die KK-Stiftung überführt hat, stellt für diese Sonderschau zusätzlich ausgewählte Arbeiten aus seiner Paul Klee-Sammlung zur Verfügung.
In der Gegenüberstellung mit Gemälden von August Macke, Robert Delaunay, Franz Marc, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter wird Klees enge Verbundenheit mit dem Künstlerkollektiv um den Blauen Reiter deutlich und seine Position zwischen Inspiration und künstlerischer Eigenheit nachvollziehbar.
So unmittelbar und nachhaltig der schöpferische und geistige Einfluss seines Umfelds ihn seinen unverwechselbaren Stil finden ließ, so singulär steht er künstlerisch mit der Vergabe seiner Bildtitel.

Kunstwissenschaftler, Sammler und Händler verweisen Klees fantasievolle Bildtitel immer gerne in Poesie-Nähe: Rhythmie der Fenster und Tannen, Guter Fischplatz, Das Fest der Astern, Ein Genius serviert ein kleines Frühstück und auch die Schicksal-Stunde des Kaisers sind Bildtitel, deren Motive sich erst in der weiteren Auseinandersetzung mit dem Werk klären.
Die Auswahl der Werke beleuchtet nahezu jede Entwicklungsphase im Schaffen von Paul Klee. Ihren Anfang nimmt die Ausstellung mit Klees Aquarell „Hamammet“, das 1914 während der gemeinsamen Tunesienreise mit August Macke und Louis Moilliet entstand, führt über die sogenannten zerschnittenen Werke wie Garten, 1918, und Schicksal-Stunde des Kaisers, 1922, hin zu den späteren Arbeiten wie Städtebild Graben, 1931, und Figur im Garten, 1937.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Schloßmuseum Murnau
Schloßhof 2-5
82418 Murnau

Abbildungen:

- Paul Klee, Waldvogel, 1920, 81, 
Bleistift und Aquarell auf Gaze auf Papier, KK-Privatsammlung  
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Start: Freitag 24.04.2026; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 18.10.2026
Pinakothek der Moderne: CONVIVIUM - NAHRUNGSSYSTEME AM LIMIT
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CONVIVIUM
NAHRUNGSSYSTEME AM LIMIT

Ausstellung vom 24. April bis 18. Oktober 2026
Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne

Die sichere und gerechte Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrung hängt von einem System globaler Netzwerke ab: Bäuer*innen, Fischer*innen, Züchter*innen, Händler*innen, Transportunternehmen, Märkte und industrielle Verarbeitungsbetriebe sind darin eng verknüpft. Sie produzieren und vertreiben aber nicht nur das, was für die menschliche Ernährung notwendig ist. Sie werden durch die kapitalistische Wachstumslogik motiviert, immer mehr Produkte zu herzustellen, die durch Überkonsum zu falscher Ernährung und zu einer massiven Verschwendung von Nahrungsmitteln führen. Doch dieses System kommt durch die Klimaerwärmung, politische und ökonomische Faktoren aktuell an seine Grenzen. Viele Meere sind bereits überfischt, fruchtbare Ackerböden werden überbaut oder erodieren und ganze Landstriche verwüsten, weil es nicht genug regnet. Zugleich trägt die Nahrungsproduktion selbst durch den wachsenden CO?-Ausstoß massiv zum Klimawandel bei – ein Teufelskreis, der immer spürbarer wird. Kaum ein Land der Erde kann seine Bevölkerung noch aus eigenen Ressourcen ernähren.
Die Ausstellung präsentiert in zwölf Kapiteln Beispiele dafür, wie unsere Lebensmittel heute produziert und vertrieben werden. Der Fokus liegt dabei vor allem auf Europa, doch die globalen Zusammenhänge werden stets einbezogen. Ziel der Ausstellung ist es, die räumlichen und technischen Grundlagen unserer Nahrungsproduktion sichtbar zu machen – und zu zeigen, welche Herausforderungen und Chancen sich daraus für die Zukunft ergeben.

Kurator*innen: Andjelka Badnjar und Andres Lepik
Co-Kurator*innen für den Ausstellungsteil „Das Tier ist anwesend“: Víctor Muñoz Sanz und Sofia Nannini

Pinakothek der Moderne
Barer Straße 40
80333 München

Abbildungen: 

- Ein Regenwasserteich, der zur Bewässerung der Pflanzen genutzt wird, mit einem Gewächshaus im Hintergrund, in dem Tomaten angebaut werden, Kirchweidach, Bayern.
Standbild aus dem Kurzfilm „How Does Food Enter the City?“, TUM-Masterprojekt „About Food and Spaces. Exhibit Design“ zusammen mit Nicole Humi?ski und Nikolai Huber. Thiade Langenhan, 2025.
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Start: Sonntag 26.04.2026; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 26.07.2026
Murnau: Fantasie & Form. Adolf Erbslöhs Weg in die Moderne
Bilder
Fantasie & Form. Adolf Erbslöhs Weg in die Moderne

Ausstellung vom 26. April bis 26. Juni 2026
Franz Marc Museum, Kochel am See

Ein Schlüsselakteur der Moderne: Adolf Erbslöh neu entdecken
Das Franz Marc Museum zeigt eine umfassende Ausstellung zu einem prägenden Protagonisten der Münchner Avantgarde.
Adolf Erbslöh (1881–1947) zählt zu den einflussreichen, oft übersehenen Malern der Moderne. Die Ausstellung lädt dazu ein, seine eigenständige Bildwelt neu zu entdecken. Als Mitbegründer und späterer Vorsitzender der Neuen Künstlervereinigung München stand er im Zentrum der Avantgarde um Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky und Franz Marc. Mit seiner Kunst und seiner engen Vernetzung innerhalb der Münchner Kunstszene prägte Erbslöh das künstlerische Klima um 1910 entscheidend mit – jenes Umfeld, aus dem der Blaue Reiter hervorging.
Mit seinem Essay „Phantasie und Form“ formulierte er 1929 zentrale Gedanken seines Kunstverständnisses. Fantasie erscheint darin nicht als Gegensatz zur Ordnung, sondern als deren Ursprung: „Das Kunstwerk ist Gestaltung, formgewordene Phantasie.“ Die Ausstellung greift diesen Gedanken auf und zeigt, wie Erbslöh aus inneren Vorstellungen eine eigenständige Bildsprache entwickelte. Er bewegte sich zwischen expressiver Farbigkeit und einem zunehmend konstruktiven Bildaufbau. Seine Werke verbinden leuchtende Farben, klare Linien und ein waches, reflektiertes Sehen.
Von den impressionistischen Anfängen über die Begegnung mit der Kunst Paul Cézannes und der Kubisten bis zu den tektonischen Landschaften der 1920er-Jahre verfolgt die Ausstellung eine zentrale Frage seines Schaffens: Wie lässt sich die flüchtige Vielheit der Erscheinungen in eine bleibende Bildordnung überführen? Das Franz Marc Museum, dessen Forschungsschwerpunkt und Sammlung eng mit der Münchner Avantgarde verbunden sind, präsentiert in dieser Ausstellung rund 40 Gemälde. Leihgaben kommen u.a. aus der Hamburger Kunsthalle, dem Kunstpalast
Düsseldorf, dem Leopold-Hoesch-Museum Düren und dem Schloßmuseum Murnau. Viele Werke stammen aus Privatbesitz und sind teilweise erstmals öffentlich zu sehen.
Kuratiert wird die Ausstellung von Jessica Keilholz-Busch, Direktorin des Franz Marc Museums.

Biografie
Adolf Erbslöh wurde 1881 in New York geboren und wuchs in Barmen bei Wuppertal auf. 1904 zog er zum Studium nach München, damals eines der lebendigsten Zentren der europäischen Avantgarde. Prägender als die akademische Ausbildung war für ihn das künstlerische Umfeld: Auf Reisen nach Frankreich, Italien und in die Niederlande lernte er die aktuellen Strömungen der Moderne kennen; auch die Münchner Szene um die Neue Secession und die Scholle inspirierte ihn.
Um 1908 setzte Erbslöh sich intensiv mit den Farbtheorien des Neoimpressionismus auseinander und begann, Farbe als strukturierendes Element des Bildes zu begreifen.
Zur gleichen Zeit lernte er über Alexej von Jawlensky den Kreis um Wassily Kandinsky, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin kennen. 1909 gehörte er zu den Begründern der Neuen Künstlervereinigung München (NKVM). Deren Ziel, innere Erfahrung in eine bildnerische Ordnung zu überführen, entsprach seinem eigenen künstlerischen Denken.
Erbslöh nutzte die Landschaft als zentrales Experimentierfeld. Vor allem in den Bergen bei Brannenburg am Inn sowie in städtischen Parks fand er Motive, in denen sich Formen staffeln und zu einer konstruierten Ordnung fügen ließen. Seine Arbeiten fanden auch unter seinen Zeitgenoss:innen große Beachtung.
1910 schrieb Franz Marc bewundernd: „Erbslöh’s neue Sachen sind glänzend.“ Einen wichtigen Impuls erhielt seine Arbeit durch die Auseinandersetzung mit Paul Cézanne, dessen Werke Erbslöh 1910 in München kennenlernte. Cézannes Vorstellung eines architektonisch
gebauten Bilds als autonome Ordnung aus Farbe, Fläche und Volumen beeinflusste ihn nachhaltig.
Der Erste Weltkrieg markierte eine tiefe biografische Zäsur. 1915 wurde Erbslöh eingezogen, ab 1916 arbeitete er als Kriegsmaler in Frankreich und Flandern. Er hielt an seinem formalen Prinzip fest und gestaltete zerstörte Landschaften als rhythmisch gegliederte, tektonische Strukturen. Nach dem Krieg verdichtete Erbslöh seine Bildauffassung weiter. In den 1920er-Jahren entwickelte er zunehmend streng konstruierte Kompositionen mit pyramidal verschachtelten Bildelementen und klar gegliederten Licht- und Schattenzonen.
Ab 1934 zog sich Erbslöh nach Irschenhausen im Isartal zurück. Die Nationalsozialisten diffamierten seine Werke als „entartet“ und drängten ihn aus dem öffentlichen Kunstleben. 1947 starb er in Irschenhausen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt sein Werk zunächst weniger Aufmerksamkeit, blieb jedoch weiterhin in bedeutenden Sammlungen vertreten und war in Ausstellungen präsent. Die Ausstellung im Franz Marc Museum trägt dazu bei, Adolf Erbslöh neu zu entdecken und seine Bedeutung für die Moderne herauszustellen: als Künstler, der die Freiheit
der Fantasie mit der Klarheit der Form versöhnt.

Franz Marc Museum
Franz Marc Park 8-10
82431 Kochel am See

Abbildungen:

- Adolf Erbslöh, Selbstbildnis, 1928, 
Schloßmuseum Murnau, 
Dauerleihgabe aus Privatbesitz 
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Start: Dienstag 12.05.2026; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 27.09.2026
München Lenbachhaus: Ein Ferngespräch. Szenen aus der Weimarer Republik
Bilder
Bilder
Ein Ferngespräch. Szenen aus der Weimarer Republik

Ausstellung vom 12. Mai bis 27. September 2026
München Lenbachhaus

Die Künstlerin Käte Hoch zeigt ihren Freund Erich Müller-Kamp telefonierend am Schreibtisch. Ein Ferngespräch, so rät Kurt Tucholsky, soll möglichst deutlich und dialektfrei geführt werden, sonst können die Überwachungsbeamten dem Dialog nicht folgen. Sich selbst malt Hoch in den
Farben der Suffragetten und mit Bubikopf. Auch junge Angestellte schneiden sich die Haare kurz. Sie tippen schnell, rauchen Kette und gehen abends ins Kino oder Tanzlokal. Sie lieben Charleston und Shimmy, hören Schmachtfetzen, Swing und Jazz.
Irmgard Keuns „Kunstseidenes Mädchen“ träumt von schmalen Silhouetten und Schuhen mit Eidechsenkappen. Ré Soupault entwickelt ein Transformationskleid, das im Büro direkt für den Abend umgewandelt werden kann. Im Variété werden Geschlechterrollen durchlässig, Monokel senden Signale. Bordelle bilden einen etablierten Rahmen für Sexarbeit. Die Wirtschaft blüht, oft auf Pump, Teile der Bevölkerung verarmen, nicht nur während der Hyperinflation und der Weltwirtschaftskrise. Kriegsversehrte, Arbeiterinnen, Arbeitslose und
Veilchenverkäufer prägen die Straßen und konterkarieren die Goldenen Zwanziger. Oskar Maria Graf verteilt mit einer Arbeitsgruppe antifaschistische Flugblätter, in Schwabing treffen sich Feminist*innen und das Münchner Antikriegs-Komitee und eine Ortsgruppe der revolutionären Künstler*innen-Vereinigung ASSO bastelt an einer Zeitschrift. George Grosz zeigt den Aufstieg der Nationalsozialisten und karikiert den Hitlergruß.
Das neue Theater von Helene Weigel und Bertolt Brecht sehnt sich nach der Wucht des Boxens und versucht sich an Dialogen, die wie Kinnhaken sitzen. 1923 wird die erste staatlich kontrollierte Rundfunksendung in Deutschland ausgestrahlt – Max Radler malt einen Fabrikarbeiter beim Radiohören. 1930 macht Tim Gidal im Deutschen Museum ein Foto von einer der ersten Fernsehübertragungen.
Die Ausstellung konzentriert sich auf konkrete Geschichten und greifbare Details, statt große Thesen zur Weimarer Zeit zu formulieren. Zu den verschütteten Möglichkeiten der Weimarer Republik soll so ein Kontakt hergestellt werden – ein Ferngespräch.
Mit Werken von Käte Hoch, Heinrich Hoerle, Karl Hubbuch, Lotte Jacobi, Grethe Jürgens, Jeanne Mammen, Gabriele Münter, Christian Schad, August Sander, Rudolf Schlichter u.a.
In Kooperation mit dem Münchner Stadtmuseum und mit großzügiger Unterstützung einer Privatsammlung.
Kuratiert von Karin Althaus, Adrian Djuki? und Matthias Mühling.

Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Luisenstraße 33
80333 München

Abbildungen:

- Cami Stone, (Ohne Titel), 1920–30 / (Untitled), Silbergelatinepapier / Gelatin silver print, 
Berlinische Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, 
Scan: Anja Elisabeth Witte/Berlinische Galerie
© Künstler*in bzw. Rechtsnachfolge / © Artist or legal successor

- Franz Roh, Frau im Bauhausstuhl mit Katze, 1928–33 / Woman in a Bauhaus Chair with Cat 1928-33, 
Gelatineentwicklungspapier, Negativdruck / Gelatin developing-out paper, negative print, 
Münchner Stadtmuseum
Foto / Photo: Münchner Stadtmuseum © Richard Hampe, München
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Start: Donnerstag 14.05.2026; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 08.11.2026
Museum Brandhorst: Carrying
Bilder
Carrying

Ausstellung vom 14. Mai bis 08. November 2026
Museum Brandhorst

Mit „Carrying“ präsentiert das Museum Brandhorst ein Ausstellungsprojekt, das Räume innerhalb und außerhalb des Hauses aktiviert. Werke der internationalen Künstlerinnen Hêlîn Alas, Cana Bilir-Meier, Louise Lawler, Kate Newby, Tiffany Sia, Jaune Quick-to-See Smith und Leyla Yenirce besetzen historisch aufgeladene Orte und Transitzonen des Museums sowie den öffentlichen Raum. Architektonische Interventionen, Performances, Malereien sowie Sound- und Filmarbeiten treten in Dialog mit dem Museum und befragen die Verschränkung von militärischer und kultureller Macht.

Ausgangspunkt ist das Gelände, auf dem sich heute das Museum Brandhorst, die Pinakothek der Moderne und weitere Institutionen des Kunstareals befinden. Dort stand früher die Prinz-Arnulf-Kaserne, auch „Türkenkaserne“ genannt. Der Name des 1826 errichteten Militärkomplexes geht auf Kriegsgefangene zurück, die Ende des 17. Jahrhunderts aus dem Osmanischen Reich zur Zwangsarbeit nach Bayern gebracht wurden. Diese Geschichten haben sich in Orts- und Straßennamen wie der „Türkenstraße“ und dem „Türkentor“ eingeschrieben.

Welche Geschichten werden erzählt, wer erzählt sie und wie? Die eingeladenen Künstlerinnen nähern sich aus unterschiedlichen Perspektiven der Frage, wie sich Geschichte und Erinnerung mit teils erfundenen Erzählungen verweben und über Bilder, Medien und Monumente weitergetragen werden. Verschiedene Deutungen überlagern historische Realitäten von Gewalt, Ausbeutung und kultureller Aneignung und schreiben sich bis heute als Muster fort – von der sogenannten „Gastarbeiter“-Ära bis zu andauernden Debatten um territoriale Grenzen, Migration und Zugehörigkeit. Insbesondere dort, wo Krieg und Kultur ihre tatsächliche Verwobenheit verschleiern, gewinnen diese Fragen neue Dringlichkeit.

An spezifischen Orten wie Cy Twomblys „Lepanto“-Saal oder dem „Türkentor“ begreift „Carrying“ das Museum als einen Resonanzraum, in dem die Institution ihre eigene Geschichte und Identität untersucht – und lokale Ansätze mit globalen Fragestellungen verbindet.
Einige der Werke sind anlässlich von „Carrying“ entstanden und stehen in unmittelbarem Austausch mit ihrem Ausstellungsort.

Als Teil der Ausstellung findet ein umfangreiches Programm mit Artist Talks, Dialogformaten, Workshops und Filmprogrammen statt.
Kuratiert von: Franziska Linhardt

Museum Brandhorst
Theresienstraße 35a,
80333 München

Abbildungen: 

- Jaune Quick-to-See Smith 
Trade Canoe: Don Quixote in 
America, 2024–2025 
© Courtesy the estate of the 
artist und Garth Greenan 
Gallery, New York . 
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Start: Mittwoch 20.05.2026; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 17.01.2027
Frankfurt Städel Museum: ELMGREEN & DRAGSET - STILLLEBEN MIT GEMÜSE
Bilder
Bilder
Bilder
ELMGREEN & DRAGSET
STILLLEBEN MIT GEMÜSE

Ausstellung vom 20. Mai 2026 bis 17. Januar 2027
Städel Museum Frankfurt am Main

Elmgreen & Dragset (Michael Elmgreen, *1961 und Ingar Dragset, *1969) arbeiten seit Mitte der 1990er-Jahre zusammen und zählen zu den einflussreichsten zeitgenössischen Künstlern. Obwohl sie oft als Bildhauer bezeichnet werden, sind sie in einem weiten Spektrum tätig, das auch
Installation, Performance und Architektur umfasst. Ihre Werke hinterfragen gewohnte räumliche Strukturen und laden sowohl öffentliche als auch institutionelle Orte atmosphärisch auf. Vom 20. Mai 2026 bis 17. Januar 2027 verwandelt das in Berlin lebende und arbeitende Künstlerduo das Städel Museum in ein faszinierendes Spiel aus Realität und Illusion. Die Ausstellung „Stillleben mit Gemüse“ präsentiert Skulpturen und Installationen von Elmgreen & Dragset, die mit der Architektur und der über 700 Jahre umfassenden Sammlung des Städel Museums in einen Dialog treten und neue Perspektiven eröffnen.
Elmgreen & Dragset arrangieren ihre figurativen Skulpturen so, dass sie das Publikum aktiv in das Erzählen von Geschichten einbeziehen. Indem sie den Blick der Besucher lenken und verschieben, rücken die Künstler alltägliche, leicht übersehene Momente in den Fokus und verwandeln diese in poetische Szenen, die gleichermaßen von Kritik und Humor geprägt sind. Mit ihrer durchdachten Art der Präsentation stellen Elmgreen & Dragset auf anschauliche statt didaktische Weise dringliche Fragen zu sozialen Strukturen sowie in Konventionen und institutionellen Routinen verankerten Verhaltensmustern. Das Künstlerduo beleuchtet auch, wie Museen unsere Wahrnehmung der Kunstgeschichte prägen. Subtil unterlaufen sie traditionelle Präsentationsformen und experimentieren mit den Regeln der Ausstellungsgestaltung.

Die Ausstellung wird durch die Förderung der Kulturfonds Frankfurt RheinMain gGmbH, der SEB und des Städelschen Museums-Vereins e.V. ermöglicht und erfährt darüber hinaus Unterstützung durch die New Carlsberg Foundation und der Danish Arts Foundation.

Im Unterschied zu anderen Ausstellungen erstreckt sich „Stillleben mit Gemüse“ über das gesamte Städel Museum. Zwei große Installationen in der Sammlung Gegenwartskunst bilden den Kern der Präsentation, die sich mit Skulpturen und Interventionen der Künstler durch das gesamte Haus bis in die benachbarte Liebieghaus Skulpturensammlung entfaltet. Die Ausstellung lädt die Besucher zu einer Schatzsuche ein und stellt sie in den Mittelpunkt. Die Kunstwerke von Elmgreen & Dragset können an ungewöhnlichen Orten entdeckt werden, oft in einem fast surrealen Dialog mit den Werken der Städel Sammlung.
Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums, zur Ausstellung: „Das Städel Museum ist international für seine hochkarätige Sammlung bekannt, zu der seit 2020 auch die im Garten präsentierte Bronzeplastik Si par une nuit d’hiver un voyageur von Elmgreen & Dragset gehört. Umso mehr freue ich mich, dass wir das weltweit gefeierte Künstlerduo nun mit einer umfassenden Ausstellung im Städel präsentieren können. Mit feinsinnigem Humor und der Fähigkeit, durch minimale Eingriffe große Erzählungen zu entfalten, verändern Elmgreen & Dragset den Blick auf unsere Sammlung von den Alten Meistern über die Moderne bis zur Gegenwart und schenken unserem Publikum auf seinem Weg durchs Museum ganz außergewöhnliche Momente.“
„Besonders von zeitgenössischer Kunst kann ein kraftvoller Impuls ausgehen, der neue Perspektiven auf Vertrautes eröffnet. Das Künstlerduo Elmgreen & Dragset lädt mit seiner Ausstellung im Städel dazu ein, die Sammlung des Museums auf unerwartete Weise neu zu entdecken. Es ist uns eine große Freude, diese Präsentation von internationaler Wirkung zu unterstützen und damit auch die Bedeutung Frankfurts als Standort für herausragende Projekte der Gegenwartskunst zu bekräftigen“, sagt Susanne Völker, Geschäftsführerin Gemeinnützige Kulturfonds Frankfurt RheinMain GmbH.
Svenja Grosser, Kuratorin der Ausstellung und Leiterin der Sammlung Gegenwartskunst: „Elmgreen & Dragset gelingt es, durch nuancierte
Verschiebungen vertraute museale Strukturen neu erfahrbar zu machen. Durch ihre gezielten Interventionen eröffnen sie Zwischenräume und hinterfragen gewohnte Blickrichtungen und Erwartungen. Das Herzstück der Ausstellung bilden die beiden großangelegten, begehbaren Installationen The Cloud und Garden of Eden, die nicht zuletzt einen kritischen Blick auf die Spannungen zwischen Arbeit und Luxus, Ambition und Illusion werfen. Das Museum wird dabei zur Bühne von Elmgreen & Dragset und ihrer künstlerischen Praxis, in der nichts so eindeutig ist, wie es zunächst scheint.“

Umgebungen des Alltags
Das Zentrum der Ausstellung bilden die beiden großformatigen Installationen The Cloud (2026) und Garden of Eden (2022), die durch einen Szenenwechsel alltägliche Umgebungen zwischen Arbeit und Luxus, Ambition und Illusion wiedergeben. Auf dem Weg in die Gartenhallen und die Dauerausstellung der Sammlung Gegenwartskunst durchquert der Besucher The Cloud, das an ein minimalistisch eingerichtetes Restaurant oder eine elegante Flughafenlounge denken lässt. An einem der Tische sitzt eine Frauenskulptur aus Silikon (The Conversation, 2024). Ihr
Smartphone zeigt einen Facetime-Anruf, in dem ihr Gesprächspartner von seiner Arbeit als Künstler und von einer gescheiterten Liebesbeziehung erzählt. Sechs runde Gemälde der Serien Sky Targets (2025/26) und Flight Trackers (2025/26) schmücken die Restaurantwände. Die Bilder sind auf hochglanzpolierten Edelstahlplatten gemalt, deren Oberflächen die Umgebung teilweise spiegeln und einen Dialog mit dem permanent installierten Mosaic Mirror Wall Piece (1991–2012) von John M. Armleder eingehen. Persönliche Identität und Ortsgebundenheit scheinen sich in The Cloud aufzulösen, sodass nur noch eine glatte, austauschbare Kulisse für gehobene Gastronomie bleibt – oder ein Ort, um gesehen zu werden, Selfies zu machen und seinen Besuch in den sozialen Medien zu dokumentieren. Eine Etage tiefer im Eingangsbereich der Gartenhallen präsentieren Elmgreen & Dragset eine leere Bürolandschaft mit Reihen identischer Bürozellen, die den Raum streng und symmetrisch strukturieren. Mit den verlassenen, beengten Arbeitsplätzen thematisiert Garden of Eden die Strapazen zeitgenössischer Lohnarbeit, die von
Monotonie und Anonymität geprägt ist, und deutet an, dass das Versprechen von sozialem Aufstieg und Fortschritt ein fragiles Konstrukt ist. Der endlose Kreislauf aus Erholung und Arbeit wird in Uncollected (2005) aufgegriffen. Das Gepäcklaufband transportiert eine einzelne Reisetasche in einer endlosen Schleife unter der Treppe und verbindet das untere und das obere Stockwerk thematisch miteinander.

Städel Museum
Schaumainkai 63
60596 Frankfurt am Main


Abbildungen: 

- The Visitor mit Stillleben mit Gemüse
Elmgreen & Dragset
The Visitor, 2025
Bronze, Lack
178 x 61 x 33.5 cm

- Elmgreen & Dragset
Social Media (Terrier), 2022
Gebürsteter Edelstahl, Lack, Motor, Harz und Kunstfell
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: Elmar Vestner

- Elmgreen & Dragset
Still Life (Bullfinch), 2024
Bronze, Lack und animatronischer Vogel
7 x 14 x 23 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: Elmar Vestner
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Start: Donnerstag 21.05.2026; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 08.11.2026
Murnau Schloßmuseum: Die fabelhaften Alben des Alfred Mayer - Freund und Mäzen des Blauen Reiter
Bilder
Die fabelhaften Alben des Alfred Mayer
Freund und Mäzen des Blauen Reiter

Vom 21. Mai bis 08. November 2026
Schloßmuseum Murnau

Das Schloßmuseum Murnau rückt mit seiner neuen Sonderausstellung einen faszinierenden Menschen ins Rampenlicht, der der Forschung bislang weitgehend verborgen geblieben ist: Der Theaterkritiker und Kunstschriftsteller Alfred Mayer (1860–1932), der als Förderer und Mäzen namhafte Kulturschaffende um sich versammelte. Im Besitz des Schloßmuseums befinden sich drei Künstleralben und ein Fotobuch aus dem Nachlass Mayers und seiner Tochter Eva (1917–2008). Die Alben kamen 2015 bzw. 2024 auf zwei unterschiedlichen Wegen, aber beide Male als Schenkung aus Privatbesitz, in die Sammlung des Museums.

Beim Durchblättern der Bücher zeigt sich, dass diese drei Künstlerbände weit mehr sind als bloße Gästebücher; sie gleichen künstlerischen Poesiealben, in denen Maler, Schriftsteller, Theaterleute, Komponisten sowie Musiker Alfred Mayer ganz persönliche Zeugnisse ihres Wirkens – von handschriftlichen Notaten über Collagen bis hin zu filigranen Zeichnungen – widmeten. Die Namen lesen sich wie ein Who's Who der damaligen Kunst- und Kulturszene: Else Lasker-Schüler, Klabund, Joachim Ringelnatz, Arthur Schnitzler, Heinrich Mann, Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky, Marianne von Werefkin, Marieluise Fleißer, Hannah Höch und viele mehr.

Doch wer war Alfred Mayer, der sich mehr als Freund und Vermittler, denn als Zentrum eines Netzwerkes sah und am Ende seines Lebens gerne noch eine Stiftung zur Unterstützung bedürftiger Künstler ins Leben gerufen hätte? Mayer war Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Frankfurt.

Statt der vorgezeichneten Laufbahn im Familienunternehmen zu folgen, zog es ihn zum Theater und zur Kunst. Als er 1886 nach Berlin ging, war er zwar zunächst als Kaufmann tätig – doch kaum finanziell abgesichert, machte er seine Passion zum Beruf und wurde Kritiker (im Laufe seines Lebens werden es mehr als 100 Veröffentlichungen sein). In Berlin lernte er u. a. den Theaterregisseur Max Reinhardt kennen.

Ab 1906 lebte Mayer als Kunstschriftsteller, Theaterkritiker und Sammler in München-Schwabing. Hier war er eng verbunden mit den Künstlern des Blauen Reiter und besaß u. a. Kandinskys Impression I, 1910 (im Zweiten Weltkrieg zerstört), Paul Klees Stillleben mit Distelblüte, 1919, sowie laut den Erinnerungen seiner Tochter Eva und der Schauspielerin Berta Drews, die zeitweilig bei ihm zur Untermiete wohnte, vier „starkfarbige Frauenköpfe“ von Alexej von Jawlensky. Seine zwischen 1900 und 1931 geführten Alben sind ein faszinierender Spiegel der damaligen Künstlerszene und geben z. T. Einblick in Werke, die zu jener Zeit im Entstehen begriffen waren.

Auch das Fotoalbum birgt Überraschungen. Neben Aufnahmen u. a. von Franz und Maria Marc, Kandinsky, Werefkin, Jawlensky, Arthur Schnitzler, Lotte Pritzel und Olaf Gulbransson finden sich darin zwei Fotografien von der Puppenmacherin Hermine Moos. Lachend steht sie auf einem Balkon, neben ihr ein selbst konstruiertes menschliches Skelett – die Unterkonstruktion für die lebensgroße Puppe, die sie 1918 im Auftrag Oskar Kokoschkas nach dem Vorbild Alma Mahlers schuf.

In Evas Mayers Album, das sie 1926 – im Alter von neun Jahren – zu führen begann, haben sich die Künstler kindgemäß mit z.T. vielfarbigen Gouachen und Aquarellen verewigt. Marianne von Werefkin schuf für Eva eine Kartenspielerrunde, Conrad Felixmüller porträtierte das Mädchen mit gebrochenem Arm und die Schauspielerin Grete Jacobsen zeichnete ihr zu Ostern einen Hasen in den Arm.
Ausgehend von diesen vier Alben spürte das Schloßmuseum Murnau – in Zusammenarbeit mit Expertinnen der Theater-, Literatur- und Kunstwissenschaft – Mayers Wirken als Sammler und Mäzen nach. Bereichert um verdichtende Leihgaben, stellt die Sonderausstellung eine bemerkenswerte Persönlichkeit in den Mittelpunkt, die bislang kaum im Blick der Forschung stand.

Unser großer Dank gilt den Schenkenden der Künstleralben, Frau Christel Moosbauer, die uns eines der Gästebücher von Alfred Mayer, das Künstleralbum von Eva Mayer und das Fotobuch überlassen hat, sowie Herrn Dr. Bernd und Frau Barny (†) Fäthke, die uns das noch fehlende Gästebuch als Schenkung übergaben.

Für den Ausstellungskatalog schrieben Autoren aus den Bereichen Theaterwissenschaft, Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte. Die begleitende Publikation wird gefördert von der Ernst von Siemens Kunststiftung, München.

Schloßmuseum Murnau
Schloßhof 2-5
82418 Murnau

Abbildungen:

- Alexander Sacharoff, Bühnenbildentwurf für die Oper Turandot von Busoni, um 1917, 2. Akt, 
Turandots Boudoir, Collage, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München, G 14969 
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Start: Samstag 23.05.2026; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 15.11.2026
Buchheim Museum: AUFRUHR DER FARBEN - Karl Schmidt-Rottluff und das Erbe der
Bilder
AUFRUHR DER FARBEN - Karl Schmidt-Rottluff und das Erbe der "Brücke"

Ausstellung vom 23. Mai bis 15. November 2026
Buchheim Museum der Phantasie, Bernried

Am 10. August 2026 jährt sich zum 50. Mal der Todestag von Karl Schmidt-Rottluff. Aus diesem Anlass stellt das Buchheim Museum eine Auswahl seines bedeutenden »Brücke«-Bestandes Werken unmittelbarer Zeitgenossen und nachfolgender Generationen gegenüber, die maßgeblich von der Künstlergruppe beeinflusst wurden. Die Ausstellung versteht sich dabei nicht nur als Rückblick, sondern als lebendige Spurensuche nach den künstlerischen Nachwirkungen eines der wichtigsten Aufbrüche der Moderne.
Dank der umfangreichen Bestände aus der Sammlung von Diethild und Lothar-Günther Buchheim sowie der kürzlich erfolgten großzügigen Zustiftungen Joseph Hierlings und Paul Maria Wittmanns kann das Museum die Entwicklung des Expressionismus von seinen Anfängen bis weit hinein in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts nachzeichnen. Dabei wird in der Gegenüberstellung sichtbar, wie stark die Impulse der »Brücke«-Künstler über Generationen hinweg gewirkt haben. Es entfaltet sich ein vielschichtiges Panorama künstlerischer Positionen, das die nachhaltige Wirkung dieses epochalen Aufbruchs vor Augen führt.
Neben den »Brücke«-Künstlern Karl Schmidt-Rottluff , Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller, Emil Nolde und Max Pechstein zeigt die Ausstellung eine Vielzahl weiterer Positionen, die in einen oft überraschenden Dialog mit ihnen treten. Darunter finden sich Namen wie Max Beckmann, Christian Rohlfs und Conrad Felixmüller aber auch Walter Becker, Grete Csaki-Copony, Thomas Niederreuther oder der Museumsstifter Lothar-Günther Buchheim selbst. Er trug nicht nur als Sammler und Kunstschriftsteller entscheidend zur Wiederentdeckung der Künstlergruppe in Deutschland nach 1945 bei, sondern war auch als Künstler einer ihrer glühendsten Verehrer und Nachfolger.
Allen in der Ausstellung gezeigten Werken gemeinsam ist die frei entwickelte Farbe als zentrales künstlerisches Ausdrucksmittel. In zunehmender Loslösung von traditionellen Bedeutungszuschreibungen und dem Postulat einer mimetischen Kunstau assung dient sie hier primär der Darstellung innerer Empfindungen, seelischer Zustände und unmi elbarer Emotionen. Die expressive Kraft der Farbe wird so zum Träger subjektiver Wahrnehmung und erö net dem Betrachter bis heute einen unmi elbaren Zugang zur Erfahrungswelt der Künstlerinnen und Künstler.

Buchheim Museum der Phantasie
Am Hirschgarten 1,
82347 Bernried am Starnberger See


Abbildung: 

- Walter Becker, Trio 3, 1968
Öl auf Rupfen
95,0 x 110,5 cm
Sammlung Joseph Hierling im Buchheim Museum der Phantasie
© Andreas Hoelscher, Hohenschäftlarn; Reproduktion: Joseph Hierling
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Start: Freitag 12.06.2026; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Montag 07.12.2026
Haus der Kunst: „Steina: Playback“
Bilder
Bilder
„Steina: Playback“

Ausstellung vom 12. Juni bis 07. Dezember 2026
Haus der Kunst, München

„Steina: Playback“ zeichnet mehr als fünf Jahrzehnte des Schaffens einer Künstlerin nach, die als wegweisend für die Geschichte der Videokunst gilt. Steina (geb. Steinunn Briem Bjarnadóttir, 1940, Reykjavík), klassisch ausgebildete Geigerin, wandte sich 1970 dem Medium Video zu und näherte sich der Kamera wie einem Musikinstrument, das, in ihren eigenen Worten vom „majestätischen Fluss der Zeit“ geleitet wird. Bild und Ton werden in ihrer Arbeit austauschbar: Das elektronische Signal ist zugleich Bild und Klang, der Apparat zugleich Werkzeug und handelnde Instanz. Aus der Welt der Musik kommend, überträgt Steina Prinzipien des Spielens und der Performance auf ihre Kompositionen und auf die Echtzeitverbindung von Musikinstrumenten und Videotechnologien.

Playback, Wiederholung und die geschlossenen Zeitlichkeiten des Mediums haben lange bestimmt, wie Steina ihre Arbeit präsentiert. Im Haus der Kunst entfaltet sich die Ausstellung nicht als Chronologie, sondern als Umlaufbahn durch Steinas Kosmos: ihre erfundenen Werkzeuge, ihre projizierten Environments und die langen Kollaborationen, die ihr Werk geprägt haben. Von der Stimme über das Signal bis hin zum System folgt die Ausstellung Klang, Lebendigkeit und Technologie, die treibenden Kräfte, die sich durch ihr Schaffen ziehen. Die Ausstellung umfasst einundzwanzig Werke, die von frühen dokumentarischen Experimenten aus den späten 1970er Jahren bis hin zu großformatigen, projizierten Environments reichen. Zu sehen ist unter anderem „Outer Cosmos“ (2026), Steinas jüngstes Werk, das hier erstmals präsentiert wird. Die Arbeit knüpft an „Orbital Obsessions“ (1975–77) an und greift das ursprüngliche Filmmaterial – ein in Steinas Studio in Buffalo aufgenommenes Selbstporträt – nach Jahrzehnten erneut auf. Das Selbstporträt, bei dem mehrere Kameraansichten übereinandergelegt, rückgekoppelt und vervielfacht werden, steht nun im Zentrum eines größeren sphärischen Bildraums, um den das ursprüngliche Ausgangsmaterial zirkuliert.

Bereits seit den frühen 1970er Jahren spielt Steina eine zentrale Rolle bei der Etablierung von Video als künstlerisches Medium. 1971 gründete sie gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Woody Vasulka in New York „The Kitchen“, einen Ort für erweiterte Formen von Bild, Ton und Live-Performance. Er ging aus informellen Zusammenkünften in ihrem Atelier in der 14th Street hervor. „The Kitchen“ wurde zu einem gemeinsamen Arbeitsumfeld für eine aufstrebende Gemeinschaft von Videoschaffenden, visuellen Künstler*innen und experimentellen Komponist*innen, darunter Joan Jonas, La Monte Young und Alvin Lucier, deren Praxis Performance, Klang und das bewegte Bild eng miteinander verband. Die Abteilung Bildung und Teilhabe des Haus der Kunst greift diesen Geist der Zusammenarbeit in einem Programm öffentlicher Begegnungen auf, das auf den Prinzipien von Kollaboration, Spiel und einem offenen Umgang mit Werkzeugen und Wissen basiert.

„Steina: Playback“ wird vom MIT List Visual Arts Center in Zusammenarbeit mit dem Buffalo AKG Art Museum organisiert. Sie wird co-kuratiert von Natalie Bell, MIT List Visual Arts Center, und Helga Christoffersen, Buffalo AKG Art Museum. Die koordinierenden Kuratorinnen im Haus der Kunst sind Lydia Antoniou und Marlene Mützel.


Die Medienkünstlerin Steina verwandelt das Haus der Kunst mit ihren immersiven Sound- & Videolandschaften „Steina: Playback” ist die erste Retrospektive von Steina, einer wegweisenden Video- und Medienkünstlerin, in Deutschland und wird vom 12. Juni bis 7. Dezember 2026 im Haus der Kunst zu sehen sein.

Haus der Kunst | Nordgalerie
Prinzregentenstr. 1, 
80538 München

Abbildungen: 

- Steina
Violin Power, 1970–78 (still).
Einzelkanal-Video mit Ton; 9:46 min.
Courtesy the artist and BERG Contemporary, Reykjavík

- Steina und Woody Vasulka, Matrix I, 1970–72. Erworben von The Museum of Modern Art, New York (The Jill and Peter Kraus Media and Performance Acquisition Fund); Tate, London, mit Mitteln bereitgestellt von Tate Americas Foundation; San Francisco Museum of Modern Art (Accessions Committee Fund purchase); und Pamela und Richard Kramlich und New Art Trust, 2020. Installationsansicht: Steina: Playback, MIT List Visual Arts Center, 2024. Foto: Dario Lasagni
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Start: Donnerstag 18.06.2026; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 20.09.2026
Städel Museum Frankfurt: BRUEGEL. PRINTED
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BRUEGEL. PRINTED

Ausstellung vom 18. Juni 2026 bis 20. September 2026
Städel Museum Frankfurt

Pieter Bruegel der Ältere (1526/30?1569) zählt zu den herausragenden Künstlern der niederländischen Kunst des 16. Jahrhunderts. Seine Werke entführen in eine faszinierende Welt humorvoller Bildideen und rätselhafter Motive. Heute vor allem als Maler bekannt, machte er sich bereits früh mit dem Entwerfen von Druckgrafiken einen Namen. Das Städel Museum versammelt in der Ausstellung „Bruegel. Printed“ rund 45 außergewöhnliche Druckgrafiken nach Zeichnungen Bruegels. Sie zeigen ihn als einzigartigen Erfinder und unverwechselbaren Erzähler: Seine Motive reichen von weiten Landschaften über weltliche und religiöse Sinnbilder bis hin zu Alltagsszenen.
Bruegels Werke entstanden in enger Zusammenarbeit mit dem Antwerpener Verleger Hieronymus Cock und dessen Frau Volcxken Diericx. Sie vermitteln einen lebendigen Eindruck von der einzigartigen Bildwelt des Künstlers, die Beobachtung und Fantasie vereint. Aus seiner Vorliebe für die kleinteilig-grotesken Motive des Hieronymus Bosch und seiner breiten Kenntnis von Bild- und Motivtraditionen entwickelt er neue Darstellungsformen für traditionelle Themen. Dabei bringen seine Kompositionen, die vielfach mit Übertreibungen arbeiten, das Publikum zum Lachen und regen zugleich zum Nachdenken an. Bruegel thematisiert menschliche Schwächen und Missstände, verweist auf die Größe der Natur und richtet den Blick zugleich auf das alltägliche Miteinander. Bis heute eröffnen seine Werke überraschend aktuelle Perspektiven auf grundlegende Fragen menschlicher Werte.
Den Ausgangspunkt der Präsentation im Städel bilden die Druckgrafiken Bruegels aus der eigenen Sammlung, von denen rund 30 gezeigt werden. Ergänzt wird diese Auswahl durch Leihgaben aus der Albertina in Wien und der Staatlichen Graphischen Sammlung München. Darüber hinaus sind in der Ausstellung zwei Gemälde seines Sohnes Pieter Brueghel d. J. sowie weitere Blätter aus dem eindrucksvollen Bestand
niederländischer Druckgrafik des Städel Museums zu sehen, darunter Werke nach Frans Floris, Lambert Lombard und Raffael.
Die Ausstellung wird durch die Förderung des Städelschen Museums-Vereins e.?V. ermöglicht.

Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums, über die Ausstellung: „Mit unserer Ausstellung zu Bruegels Druckgrafiken öffnet das Städel erneut den Blick auf die außergewöhnlichen Schätze seiner Graphischen Sammlung, die mit rund 100.000 Zeichnungen und Druckgrafiken vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart zu den bedeutendsten Sammlungen ihrer Art in Deutschland zählt. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, sich auf eine eindrucksvolle Entdeckungsreise durch Bruegels vielschichtige Bildwelten voller erzählerischer Kraft, feinsinniger
Beobachtungen und überraschender Details zu begeben.“
Astrid Reuter, Leiterin der Graphischen Sammlung bis 1800 des Städel Museums: „Die Bilderfindungen Bruegels waren bereits zu seinen Lebzeiten überaus gefragt. Sie dienten nicht nur dem Vergnügen, sondern bildeten den Gegenstand gelehrter Diskussionen. Der besondere Reiz seiner Werke entsteht durch das Zusammenspiel von Naturnähe, Einfallsreichtum und humorvoller Übertreibung. Als fantasievolle Erfindungen und kritische Reflexionen menschlicher Werte und Verhaltensweisen geschätzt, laden sie bis heute zum Entdecken, Nachdenken und auch zum Lachen ein.“

Die Kapitel der Ausstellung
Die Ausstellung „Bruegel. Printed“ ist in fünf Kapitel unterteilt: Sie gibt Einblick in das Leben und druckgrafische Werk Bruegels, beleuchtet die Tätigkeit seines Verlegers Cock, thematisiert Landschaften sowie die Darstellung der Tugenden und Laster in Bruegels Arbeiten und schließt mit der Rezeption seines Werks.

Pieter Bruegel der Ältere
Obwohl Pieter Bruegel der Ältere bereits zu Lebzeiten große Anerkennung genoss, ist über sein Leben heute nur wenig bekannt. So fehlen etwa gesicherte Informationen zu seiner Geburt und Herkunft. Bekannt ist jedoch, dass er 1551 in die Antwerpener Malergilde eintrat – ein entscheidender Schritt, der den Beginn seiner künstlerischen Laufbahn markiert. Kurze Zeit später reiste Bruegel nach Italien, wo er sich bis 1554 aufhielt. Erste Erfolge erzielte er als Entwurfszeichner für Druckgrafiken, der Malerei wandte er sich erst ab Ende der 1550er-Jahre zu. Nach
seiner Hochzeit 1563 siedelte Bruegel nach Brüssel über, wo seine beiden Söhne, die Maler Pieter d. J. und Jan d. Ä., geboren wurden und er 1569 starb.
Bruegels Schaffen entstand vor dem Hintergrund tiefgreifender politischer und gesellschaftlicher Umbrüche: Unter Kaiser Karl V., zugleich König von Spanien, erlebte die Stadt Antwerpen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung, der mit einem wachsenden Interesse an Kunst und Wissenschaft einherging. Doch kam es in der Folgezeit zunehmend zu religiösen und politischen Auseinandersetzungen mit den von Brüssel aus regierenden Spaniern, die schließlich 1568 in den Achtzigjährigen Krieg mündeten.
Die Darstellung der Geduld (Patientia) von 1557 gehört zu den Werken Bruegels, in denen die politischen und religiösen Spannungen der Zeit angedeutet sind. Inmitten der zahlreichen Szenen, von denen die Personifikation umgeben ist, sind Details wie die brennende Kirche, die riesige, in einem Ei gefangene Vogelscheuche mit Kardinalshut oder der in einer Art Baumhaus sitzende Mönch zu erkennen.

Der Verlag des Hieronymus Cock
Bruegels Druckgrafiken wurden von Hieronymus Cock produziert und verbreitet. Der 1548 von ihm und seiner Frau Volcxken Diericx in Antwerpen gegründete Verlag „Aux Quatre Vents“ (Zu den vier Winden) entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten und modernsten Grafikunternehmen des 16. Jahrhunderts. Cock und Diericx etablierten ein neues Geschäftsmodell: Der Verlag vermittelte zwischen Entwerfern und Stechern, finanzierte die Herstellung der Druckplatten und organisierte den europaweiten Vertrieb der Grafiken. Damit prägten sie die Kunstproduktion ihrer Zeit nachhaltig.
Das vielseitige Angebot des Verlags reichte von antiken, mythologischen und religiösen Motiven bis zu Landschaften, Genreszenen und Architekturprospekten. Besonders gefragt waren Grafiken im Stil des Hieronymus Bosch (ca. 1450–1516). Auch Bruegel zitierte in seinen Werken Motive des Künstlers, wie das 1557 entstandene Blatt Die großen Fische fressen die kleinen zeigt, das eine weit verbreitete Redewendung eindrucksvoll ins Bild setzt: Die Mächtigen verstehen es, sich auf Kosten anderer immer weiter zu bereichern.
Darüber hinaus vertrieb der Verlag auch Reproduktionen nach Werken italienischer Künstler wie Raffael oder Michelangelo – eine bedeutende Neuerung in den Niederlanden. So trug etwa die hier gezeigte Reproduktion von Raffaels Schule von Athen (1550) des Kupferstechers Giorgio Ghisi zur Bekanntheit dieses Werks nördlich der Alpen bei. Nach dem Tod Cocks im Jahr 1570 führte Volcxken Diericx den Verlag bis zu ihrem Tod im Jahr 1600 weiter.

Die Erfindung der Landschaft
Anfang des 16. Jahrhunderts etablierte sich die Landschaftsdarstellung in den südlichen Niederlanden als eigenständiges Kunstgenre. Pieter Bruegel d. Ä. spielte in dieser Entwicklung eine zentrale Rolle: Seine von einem erhöhten Standpunkt aus wiedergegebenen Ansichten machen die Größe und Vielfalt der Natur auch im kleinen Format erfahrbar. Sie basieren auf Eindrücken, die Bruegel während seiner Alpenüberquerung sammelte. Doch handelt es sich nicht um eine getreue Wiedergabe konkreter Orte. Vielmehr verdichtete der Künstler unterschiedliche Motive zu Gesamtbildern und macht somit die Vielgestaltigkeit der göttlichen Schöpfung sichtbar. Ein eindrückliches Beispiel hierfür ist die Druckgrafik Der heilige Hieronymus in der Wildnis (um 1555). Während der dargestellte Heilige seine Umgebung keines Blickes würdigt, ist der kaum wahrnehmbare Wanderer links im Bild im Begriff, die großartige Landschaft zu erkunden.

Diablerien und Drolerien – Laster und Tugenden
Zu den größten Erfolgen des Verlegers Hieronymus Cock zählen die Serien der Laster und Tugenden. Die von Pieter Bruegel d. Ä. entworfenen und von Pieter van der Heyden und Philipp Galle umgesetzten Blätter verbinden eine außergewöhnliche Detailfülle mit einem klaren Aufbau. Im Zentrum stehen Personifikationen der Sünden oder Tugenden, die durch Inschriften, Symboltiere und Attribute kenntlich gemacht und durch weitere Szenen ergänzt sind. Bruegel findet für die fest in der christlichen Tradition verankerten Motive neue Formulierungen. Seine komplexen Darstellungen sind nicht immer leicht zu deuten. Zusätzliche Erläuterungen am Blattrand geben allgemeine Hinweise zu den Bildinhalten. Sie gehen vermutlich auf den Verleger zurück.
Für die Darstellungen der Laster knüpft Bruegel an die fantastischen Bildwelten von Hieronymus Bosch an, während er die Tugenden in sein flämisches Umfeld überträgt. Der Kupferstich Mäßigkeit (Temperantia) (um 1560) etwa zeigt die personifizierte Tugend mit einer Uhr auf dem Kopf, einem Zaumzeug und einer Brille in der Hand – Sinnbilder für Selbstbeherrschung und Maßhalten. Umgeben ist die Figur von den sieben freien Künsten, für die ebenfalls Ausgewogenheit gefordert wird.
Ein eindrucksvolles Beispiel für die Darstellung der Laster ist der von Pieter van der Heyden gestochene Kupferstich Trägheit (Desidia) (1558). Die Personifikation der Trägheit schläft hier auf einem Esel und stützt den Kopf auf ein Kissen, das von einem Dämon gehalten wird. Andere Figuren erscheinen ebenso von Antriebslosigkeit geprägt: Eine Frau am Tisch kann sich kaum auf dem Stuhl halten und ein Mann im Bett ist sogar zu träge, zum Essen aufzustehen.

„Bruegel-Boom“
Die hohe Wertschätzung Pieter Bruegels d. Ä. zeigt sich in der großen Zahl von Wiederholungen, Variationen und Weiterentwicklungen seiner Werke. Einen Ausgangspunkt für diese breite Nachfolge bildeten neben Gemälden und Zeichnungen insbesondere die Druckgrafiken, wie sie in der Ausstellung zu sehen sind. Beliebt waren vor allem Szenen aus dem bäuerlich-ländlichen Leben, die wesentlich zu Bruegels Ruf als „Bauern-Bruegel“ beitrugen. Zur weiten Verbreitung dieser Bildthemen trug maßgeblich sein Sohn Pieter Brueghel d. J. (1564?1638) bei, dessen Werke den Kompositionen des Vaters oft verblüffend nahekommen. Große Popularität erlangte etwa der Tanz auf der Bauernhochzeit, dessen dynamische Figuren, ausdrucksstarke Gestik und lebendige Farbigkeit die ausgelassene Atmosphäre des Festes eindrucksvoll vermitteln.
Auch Künstler wie Bruegels zweiter Sohn Jan Brueghel d. Ä., Jan Mandyn oder Lucas van Valckenborch führten die Tradition fort. Sie bedienten somit die große Nachfrage von Sammlern und Kunstinteressierten des frühen 17. Jahrhunderts – eine Begeisterung für Bruegels Kunst, die als „Bruegel-Boom“ gilt.

Städel Museum
Dürerstraße 2
60596 Frankfurt am Main

Abbildungen:

- Pieter Bruegel d. Ä.
Gestochen von Pieter van der Heyden
Die großen Fische fressen die kleinen, 1570
Kupferstich
228 x 295 mm
Staatliche Graphische Sammlung München
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Start: Sonntag 21.06.2026; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 27.09.2026
Kochel: Maria Franck-Marc
Bilder
Maria Franck-Marc

Ausstellung vom 21. Juni bis 27. September 2026
Franz Marc Museum, Kochel am See

Anlässlich des 150. Geburtstags von Maria Franck-Marc (1876–1955) widmet das Franz Marc Museum der Künstlerin erstmals eine umfassende Einzelausstellung.
Im Jubiläumsjahr des Museums, das sein 40-jähriges Bestehen feiert, richtet das Haus den Blick auf eine Persönlichkeit, die eng mit dem Blauen Reiter verbunden war, deren eigenes künstlerisches Werk jedoch lange im Schatten ihrer Rolle als Ehefrau und Nachlassverwalterin Franz Marcs stand.
„Maria Franck-Marc gehört zu den Künstlerinnen der Moderne, deren Werk lange übersehen wurde. Mit dieser Ausstellung stellen wir erstmals ihre eigene künstlerische Leistung in den Mittelpunkt“, sagt Jessica Keilholz-Busch, Direktorin des Franz Marc Museums und Kuratorin der Ausstellung.
Die Ausstellung versammelt rund 30 Werke aus öffentlichen und privaten Sammlungen und eröffnet einen neuen Blick auf Maria Franck-Marc als eigenständige Künstlerin der Moderne. Zu den Leihgebern zählen unter anderem das Museum Wiesbaden und das Schloßmuseum Murnau. Der Großteil der ausgestellten Arbeiten stammt aus Privatbesitz, einige Werke werden erstmals öffentlich gezeigt. In dieser Form wird das Werk Maria Franck-Marcs seit Jahrzehnten erstmals wieder in größerem Umfang zusammengeführt.
Gezeigt werden Gemälde, Zeichnungen und textile Arbeiten, die die Vielfalt ihres Schaffens sichtbar machen. Im Zentrum stehen Blumenstücke, Landschaften, Naturstudien, Stillleben sowie Darstellungen von Kindern. Gerade jene Motive, die in der Kunstgeschichte lange als privat, dekorativ oder nebensächlich eingeordnet wurden, erweisen sich bei Franck-Marc als eigenständige künstlerische Versuchsfelder. Mit großer Sensibilität für Farbe, Form und Rhythmus entwickelte sie eine Bildsprache, die alltägliche Themen in konzentrierte Studien von Wahrnehmung und Gestaltung verwandelt.
Maria Franck-Marc gehörte einer Generation von Künstlerinnen an, denen der Zugang zu staatlichen Kunstakademien und den etablierten Strukturen des Kunstbetriebs weitgehend verwehrt blieb. Obwohl sie 1912 mit drei Werken in der zweiten Ausstellung des Blauen Reiters vertreten war, gelang es ihr kaum, eine eigenständige öffentliche Position zu etablieren. Nach dem Tod Franz Marcs im Jahr 1916 widmete sie sich über Jahrzehnte der Bewahrung und Vermittlung seines Werks und prägte dessen Nachleben maßgeblich. Diese wichtige Tätigkeit überlagerte jedoch die Wahrnehmung ihres eigenen Œuvres.
Noch bis in die 1990er-Jahre wurden ihre Arbeiten nur selten öffentlich präsentiert und kaum wissenschaftlich erforscht. Die Ausstellung richtet den Blick daher nicht nur auf die erhaltenen Werke, sondern auch auf die Bedingungen ihrer Entstehung, Überlieferung und Rezeption. „Die Frage ist nicht nur, warum Maria Franck-Marc so lange unbekannt blieb. Die Frage ist auch, wie Kunstgeschichte entscheidet, wer sichtbar wird“, sagt Keilholz-Busch. Damit eröffnet die Ausstellung zugleich eine weiterführende Perspektive auf die Sichtbarkeit von Künstlerinnen im Umfeld des
Blauen Reiters und in der Kunstgeschichte der Moderne.

Franz Marc Museum
Franz Marc Park 8-10
82431 Kochel am See

Abbildungen:

- Maria Franck-Marc, Hauseingang mit Gartenzaun, um 1909, 
Privatbesitz, 
Foto: Walter Bayer
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Start: Freitag 26.06.2026; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 07.02.2027
Haus der Kunst: Maria VMier - I follow the wind through the stone
Bilder
Maria VMier.
I follow the wind through the stone

Ausstellung vom 26. Juni 2026 bis 07. Februar 2027
Haus der Kunst München

Nur wenige Meter liegen zwischen dem Haus der Kunst und dem Eisbach. Der eine Ort ist ein Zentrum für zeitgenössische Künste, mit komplexer Geschichte. Der andere ein Seitenarm der Isar am Englischen Garten, weit über München hinaus bekannt für seine Surfwelle und das urbane Leben an seinen Ufern. Beide Orte haben ein Gedächtnis, das in Fundstücken, Oberflächen und den Erinnerungen der Menschen weiterlebt.
Diesem Gedächtnis spüren ab dem 26. Juni zwei Projekte im Haus der Kunst nach. Maria VMier wendet den Blick nach innen und widmet sich mit I follow the wind through the stone dem Haus der Kunst selbst. Für das neue Auftragswerk hat VMier das Gespräch mit den Menschen gesucht, die hier arbeiten – manche seit Jahrzehnten, andere erst seit wenigen Jahren. Ihre Erzählungen hat VMier in eine Auftragsarbeit übersetzt, die das Gebäude von einer Seite zeigt, die sonst verborgen bleibt. Mit „Tao Schirrmachers Sammlung. Eisbach Treasures" zeigt der Europameister im Flusssurfen erstmals in dieser Fülle jene Funde, die er seit 2008 vom Grund des Eisbachs birgt. So begeben sich Maria VMier und Tao Schirrmacher jeweils auf eigene Weise auf Spurensuche und öffnen zugleich den Blick für die vielen Geschichten, die zwei vertraute Orte in sich tragen.

Seit 2021 vergibt das Haus der Kunst jährlich ortsspezifische Aufträge an Künstler*innen, die den Personaleingang und darüber hinaus gestalten. Aus einer Idee der Pandemiezeit gewachsen, schenkt die Reihe dem Team beim täglichen Betreten des Hauses einen Moment der Inspiration und begleitet zugleich Künstler*innen aus München und der Region an einem entscheidenden Punkt ihrer künstlerischen Entwicklung. Auf Cyrill Lachauer, Jan Erbelding, Paul Valentin, Luisa Baldhuber und Gülbin Ünlü folgt nun Maria VMier.
Mit I follow the wind through the stone gestaltet Maria VMier (geb. 1985 in Passau), in New York lebend, das jährliche Auftragswerk des Haus der Kunst. Aus VMiers Begegnungen mit dem Haus und seinen Menschen ist eine Konstellation miteinander verbundener Werke entstanden, die sich vom Personaleingang über die Passage bis in die Mittelhalle erstreckt.
Am Personaleingang beginnend, hat VMier die großen Außenbuchstaben, die einst als Fassadenschriftzug dienten (2011 – 2020), neu zusammengesetzt und installiert. Aus ihrer Funktion entlassen, fügen sich die verwitterten Metallbuchstaben zu einer neuen Wendung, „Bauch der Kunst", die in den Bauch des Hauses führt und jenen gewidmet ist, die es täglich am Laufen halten. In der Passage, einem neuen Raum für Einzelprojekte, der an das Auditorium angrenzt, folgen zwei großformatige Zeichnungsinstallationen, die das Gebäude selbst zur Vorlage nehmen und seine Oberflächen in dichte Pinselarbeiten auf Papier übersetzen. In der Mittelhalle sowie dem Eingangsbereich tritt eine Serie kleiner Aluminiumskulpturen aus den Ecken und Ritzen der Marmorpfeiler hervor, inspiriert von den Fossilien im Saalburger Marmor. Das Material sollte der Mittelhalle Erhabenheit verleihen, während sie in den 1930er Jahren für nationalsozialistische Propaganda genutzt wurde. Irgendwo zwischen Gesicht und organischem Wuchs wirken die Skulpturen wie ein leises Aufbegehren im monumentalen Innenraum. Begleitend zur Arbeit erscheint ein eigens produziertes Künstler*innenbuch, das die aufgespürten Details des Hauses zum Mitnehmen festhält und in der Buchhandlung Walther König im Haus der Kunst zu finden ist.
Xue Tan, Leiterin Programm und Ausstellungen, Chefkuratorin: „Es ist außergewöhnlich, wie tief Maria VMier in die unbekannten Geschichten der Institution eintaucht – einerseits, indem sie den Menschen Anerkennung zollt, die sie tragen, und andererseits, indem sie ihren unausgesprochenen Geschichten eine Stimme verleiht. VMiers Arbeit eröffnet unerwartete Zugänge zur Geschichte des Haus der Kunst und offenbart die Institution als einen lebendigen, vielschichtigen Organismus."

Haus der Kunst
Prinzregentenstr. 1
80538 München


Abbildungen:

- Maria VMier,
linking one to the other, holding their difference [?], 2024-25,
Pigmentierte Kalligraphietinte, Tusche, Pigmente, Graphit, Vinyl und Acryl auf Butcher Paper,
500 × 355 cm
Foto: Maria VMier
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Start: Samstag 04.07.2026; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 11.10.2026
Potsdam Barberini: Symphonie der Farben - Paul Signac und der Neoimpressionismus
Bilder
Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus

Austellung vom 04. Juli bis 11. Oktober 2026
Museum Barberini Potsdam

Den höchsten Grad an Leuchtkraft und Harmonie zu erreichen – diesem Ziel verschrieb sich Paul Signac, als er Mitte der 1880er-Jahre mit Georges Seurat eine neue Malweise in die Kunst einführte. Die Ausstellung Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus beleuchtet als erste umfassende Signac-Schau in Deutschland seit 30 Jahren die zentrale Rolle des Künstlers innerhalb der Bewegung des Neoimpressionismus und geht seinem Einfluss als Theoretiker, Netzwerker und Ausstellungsorganisator nach.

Auf der letzten gemeinsamen Ausstellung der Impressionisten im Jahr 1886 stellten in Paris Künstler aus, die sich später als Neoimpressionisten bezeichneten. Mit dem Nebeneinander unvermischter Farben strebten sie eine Wirkung ihrer Bilder an, die an pures Licht erinnern sollte. Die Landschaftsmotive ähnelten jenen ihrer impressionistischen Vorbilder, doch ersetzten sie deren duftige Atmosphäre und spontane Malerei durch seriell aufgetragene Pinseltupfen in den Farben des Prismas. Diese Zerlegung der Farben, die sich nicht mehr auf der Palette, sondern im Auge der Betrachtenden mischen sollte, suchte Inspiration in neuen Erkenntnissen der Optik und der Wahrnehmungsphysiologie.

Die neoimpressionistischen Gemälde laden zur Kontemplation über die Harmonie im Bild ein, suchen den Ausgleich zwischen häufig komplementären Farben, zwischen Vertikalen und Horizontalen oder zwischen Fläche und Raum. Andere Werke weisen arabeske Muster auf, die sich über die Bildfläche erstrecken und reale Gegenstände abstrahieren. Die Ausstellung Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus zeigt den Künstler als eine der zentralen Figuren dieser Bewegung. Sie beleuchtet sein künstlerisches Werk von den frühen Uferlandschaften des passionierten Seglers über seine Interieur- und Porträtmalerei bis zu den sozialutopisch aufgeladenen Bildern der Côte d’Azur, die er als Motivschatz für die Moderne erschloss.

Die Ausstellung umfasst über 90 Werke, von denen mehr als ein Drittel von Paul Signac stammen. Sie stehen im Dialog mit Gemälden von Lucie Cousturier, Henri-Edmond Cross, Maximilien Luce, Camille Pissarro, Théo van Rysselberghe, Jeanne Selmersheim-Desgrange, Georges Seurat, Jan Toorop und anderen. Zu den Leihgebern gehören das Van Gogh Museum, Amsterdam, das Art Institute of Chicago, die National Gallery of Ireland, Dublin, das Musée d‘Orsay, Paris, das Musée du Petit Palais, Genf, die Archives Signac, Paris und weitere nationale und internationale Sammlungen.

Im Museum Barberini, das mit zehn neoimpressionistischen Werken von Signac, Henri-Edmond Cross, Albert Dubois-Pillet, Maximilien Luce und Camille Pissarro in der Sammlung Hasso Plattner einen der größten Bestände dieser Strömung in Deutschland hält, ist Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus bereits das dritte Ausstellungprojekt zum Thema – nach Farbe und Licht. Der Neoimpressionist Henri-Edmond Cross (2018) und Mit offenem Blick. Der Impressionist Pissarro (2025).

Eine Ausstellung des Museums Barberini, Potsdam, und der Kunsthal Rotterdam.

Museum Barberini
Humboldtstraße 5–6
14467 Potsdam


Abbildungen: 

- Maximilien Luce
Der Hafen von Saint-Tropez, 1893
Öl auf Leinwand, 73,7 x 91,4 cm
Privatsammlung
© Fotoatelier Peter Schälchli, Zürich
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Start: Freitag 17.07.2026; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 07.02.2027
Haus der Kunst: Tomás Saraceno - Verwobene Welten
Bilder
Tomás Saraceno
Verwobene Welten

Ausstellung vom 17. Juli 2026 bis 07. Februar 2027
München Haus der Kunst

In der Ausstellung „Verwobene Welten“, die vom 17. Juli 2026 bis zum 7. Februar 2027 im Haus der Kunst gezeigt wird, verbindet der international renommierte, multidisziplinäre Künstler Tomás Saraceno Kunst, Architektur und Wissenschaft.
„Verwobene Welten“ zeichnet eine einzigartige Reise durch Tomás Saracenos Schaffen nach und markiert einen bedeutenden Schritt vorwärts, sowohl in seiner künstlerischen Entwicklung als auch in unserem Verständnis seines Werks. Sie vereint zwei zentrale Stränge seiner langjährigen Forschung – Aerocene und Arachnophilia – und präsentiert eine neue, zentrale sowie gemeinsam produzierte Auftragsarbeit: El Santuario del Agua (The Sanctuary of Water), ein permanentes Land-Art-Werk im Norden Argentiniens. Dieses entsteht in enger Zusammenarbeit mit den Indigenen Gemeinschaften von Red Atacama aus Las Salinas Grandes als Teil einer Kampagne zum Schutz der angestammten Territorien der Region.
Die Ausstellung erstreckt sich über das gesamte Gebäude und umfasst luftbetriebene Skulpturen, gemeinsame Lebensräume verschiedener Arten sowie raumgreifende Environments. Diese verändern die Wahrnehmung der Räume des Haus der Kunst und laden Besucher*innen dazu
ein, ökologische und soziale Kräfte, die die Energiewende prägen, neu zu überdenken.
Aerocene ist eine interdisziplinäre Gemeinschaft, die 2015 von Tomás Saraceno ins Leben gerufen wurde und sich mit der Erforschung emissionsfreier Fortbewegungsarten befasst, um neue Formen ökologischen Handelns zu entwickeln. Aerocene-Skulpturen nutzen Luft, Sonnenstrahlung und Infrarotenergie, um Lebensformen zu imaginieren, die nicht von fossilen Brennstoffen abhängig sind.
Im Jahr 2020 stellte der Ballonflug von Aerocene Pacha in Argentinien 32 Weltrekorde auf und wurde damit zum nachhaltigsten Flug der Menschheitsgeschichte. Arachnophilia untersucht materielle, verhaltensbezogene und akustische Systeme über Artengrenzen hinweg und baut dabei auf langjährigen Forschungen zu Spinnen/Netzarchitekturen auf.
Die Ausstellung im Haus der Kunst umfasst neue Kunstwerke wie die immersive Multimedia-Installation Towards the Sanctuary of Water, die Innovationen aus Saracenos jahrzehntelanger Forschung präsentiert. In Zusammenarbeit mit der Aerocene Foundation entwickelt die Abteilung für Bildung & Teilhabe des Haus der Kunst zudem ein umfangreiches Rahmenprogramm zum Mitmachen.

Andrea Lissoni, künstlerischer Geschäftsführer: „Das Haus der Kunst arbeitet mit lebenden Künstler*innen zusammen, um neue Stränge in der Kunstgeschichte zu ziehen und zu überdenken, wie Ausstellungen heute erlebt werden. Mit Tomás Saraceno wird das Gebäude zu einem Raum für die Auseinandersetzung mit ökologischen und sozialen Fragen, die über die Ausstellung selbst hinausgehen. Im Haus der Kunst ist alles Programm: ein lebendiges Netz aus Ausstellungen, Performances, Konzerten und Begegnungen, die sich gegenseitig verstärken und eine gemeinsame Erfahrung von Kunst und Ökologie gestalten.“
Kuratiert von Sarah Johanna Theurer und Andrea Lissoni.

Tomás Saraceno (*1973) ist ein in Argentinien geborener und in Berlin lebender Künstler, dessen Projekte Plattformen für ökosoziale und partizipative Begegnungen schaffen und regenerative Formen des Wissens fördern und verbreiten. Indem er verschiedene Maßstäbe und Spektren miteinander verbindet, zielt er mit seiner Arbeit – ebenso wie mit den transdisziplinären Gemeinschaften, die er gegründet hat und weiterhin unterstützt, darunter das Museo Aero Solar, die Aerocene Foundation und Arachnophilia – darauf ab, die Gegenseitigkeit und Verbundenheit mit anderen Lebewesen im Netz bzw. in den Netzen des Lebens zu vertiefen. Er hat international in bedeutenden Institutionen ausgestellt, darunter im Metropolitan Museum of Art in New York, im Palais de Tokyo in Paris und in den Serpentine Galleries in London. Zudem absolvierte er Residenzen am MIT in Cambridge, Massachusetts, beim CNES in Paris und bei der International Space University. Er hielt Vorträge beim World Economic Forum, bei TED und an der Harvard University und inszenierte Interventionen im Rahmen der COP20, COP21 und COP26.

Haus der Kunst
Prinzregentenstr. 1
80538 München

Abbildung: 

- Tomás Saraceno. ON AIR
Webs of At-tent(s)ion, 2018                       
Ausstellungsansicht
Palais de Tokyo, Paris, 2018
Courtesy: der Künstler; Andersen’s Contemporary, Kopenhagen; neugerriemschneider, Berlin, Pinksummer Contemporary Art, Genua; Ruth Benzacar, Buenos Aires; Tanya Bonakdar Gallery, New York.
© Foto: Andrea Rossetti
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