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1. Haus der Kunst: Tomás Saraceno - Verwobene Welten
2. Murnau: Fantasie & Form. Adolf Erbslöhs Weg in die Moderne
3. Potsdam Barberini: Symphonie der Farben - Paul Signac und der Neoimpression...
4. Kochel: Maria Franck-Marc
5. Haus der Kunst: Maria VMier - I follow the wind through the stone
6. Frankfurt Städel Museum: BRUEGEL. PRINTED
Donnerstag 16.07.2026
Haus der Kunst: Tomás Saraceno - Verwobene Welten
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Tomás Saraceno
Verwobene Welten

Ausstellung vom 17. Juli 2026 bis 07. Februar 2027
München Haus der Kunst

In der Ausstellung „Verwobene Welten“, die vom 17. Juli 2026 bis zum 7. Februar 2027 im Haus der Kunst gezeigt wird, verbindet der international renommierte, multidisziplinäre Künstler Tomás Saraceno Kunst, Architektur und Wissenschaft.
„Verwobene Welten“ zeichnet eine einzigartige Reise durch Tomás Saracenos Schaffen nach und markiert einen bedeutenden Schritt vorwärts, sowohl in seiner künstlerischen Entwicklung als auch in unserem Verständnis seines Werks. Sie vereint zwei zentrale Stränge seiner langjährigen Forschung – Aerocene und Arachnophilia – und präsentiert eine neue, zentrale sowie gemeinsam produzierte Auftragsarbeit: El Santuario del Agua (The Sanctuary of Water), ein permanentes Land-Art-Werk im Norden Argentiniens. Dieses entsteht in enger Zusammenarbeit mit den Indigenen Gemeinschaften von Red Atacama aus Las Salinas Grandes als Teil einer Kampagne zum Schutz der angestammten Territorien der Region.
Die Ausstellung erstreckt sich über das gesamte Gebäude und umfasst luftbetriebene Skulpturen, gemeinsame Lebensräume verschiedener Arten sowie raumgreifende Environments. Diese verändern die Wahrnehmung der Räume des Haus der Kunst und laden Besucher*innen dazu
ein, ökologische und soziale Kräfte, die die Energiewende prägen, neu zu überdenken.
Aerocene ist eine interdisziplinäre Gemeinschaft, die 2015 von Tomás Saraceno ins Leben gerufen wurde und sich mit der Erforschung emissionsfreier Fortbewegungsarten befasst, um neue Formen ökologischen Handelns zu entwickeln. Aerocene-Skulpturen nutzen Luft, Sonnenstrahlung und Infrarotenergie, um Lebensformen zu imaginieren, die nicht von fossilen Brennstoffen abhängig sind.
Im Jahr 2020 stellte der Ballonflug von Aerocene Pacha in Argentinien 32 Weltrekorde auf und wurde damit zum nachhaltigsten Flug der Menschheitsgeschichte. Arachnophilia untersucht materielle, verhaltensbezogene und akustische Systeme über Artengrenzen hinweg und baut dabei auf langjährigen Forschungen zu Spinnen/Netzarchitekturen auf.
Die Ausstellung im Haus der Kunst umfasst neue Kunstwerke wie die immersive Multimedia-Installation Towards the Sanctuary of Water, die Innovationen aus Saracenos jahrzehntelanger Forschung präsentiert. In Zusammenarbeit mit der Aerocene Foundation entwickelt die Abteilung für Bildung & Teilhabe des Haus der Kunst zudem ein umfangreiches Rahmenprogramm zum Mitmachen.

Andrea Lissoni, künstlerischer Geschäftsführer: „Das Haus der Kunst arbeitet mit lebenden Künstler*innen zusammen, um neue Stränge in der Kunstgeschichte zu ziehen und zu überdenken, wie Ausstellungen heute erlebt werden. Mit Tomás Saraceno wird das Gebäude zu einem Raum für die Auseinandersetzung mit ökologischen und sozialen Fragen, die über die Ausstellung selbst hinausgehen. Im Haus der Kunst ist alles Programm: ein lebendiges Netz aus Ausstellungen, Performances, Konzerten und Begegnungen, die sich gegenseitig verstärken und eine gemeinsame Erfahrung von Kunst und Ökologie gestalten.“
Kuratiert von Sarah Johanna Theurer und Andrea Lissoni.

Tomás Saraceno (*1973) ist ein in Argentinien geborener und in Berlin lebender Künstler, dessen Projekte Plattformen für ökosoziale und partizipative Begegnungen schaffen und regenerative Formen des Wissens fördern und verbreiten. Indem er verschiedene Maßstäbe und Spektren miteinander verbindet, zielt er mit seiner Arbeit – ebenso wie mit den transdisziplinären Gemeinschaften, die er gegründet hat und weiterhin unterstützt, darunter das Museo Aero Solar, die Aerocene Foundation und Arachnophilia – darauf ab, die Gegenseitigkeit und Verbundenheit mit anderen Lebewesen im Netz bzw. in den Netzen des Lebens zu vertiefen. Er hat international in bedeutenden Institutionen ausgestellt, darunter im Metropolitan Museum of Art in New York, im Palais de Tokyo in Paris und in den Serpentine Galleries in London. Zudem absolvierte er Residenzen am MIT in Cambridge, Massachusetts, beim CNES in Paris und bei der International Space University. Er hielt Vorträge beim World Economic Forum, bei TED und an der Harvard University und inszenierte Interventionen im Rahmen der COP20, COP21 und COP26.

Haus der Kunst
Prinzregentenstr. 1
80538 München

Abbildungen:

- Tomás Saraceno
Fly with Aerocene Pacha, 2020
Salinas Grandes und Laguna de Guayatayoc, Nordargentinien
Courtesy: Aerocene Foundation
© Foto: Studio Tomás Saraceno

- Tomás Saraceno
endless big, 2006
Courtesy: der Künstler, neugerriemschneider, Berlin, Tanya Bonakdar Gallery, New York; Andersen's Contemporary, Kopenhagen; Ruth Benzacar, Buenos Aires, und Pinksummer Contemporary Art, Genua.
© Foto: Studio Tomás Saraceno

- Tomás Saraceno
The Sanctuary of Water, 2026
Konzipiert vom Künstler Tomás Saraceno in Zusammenarbeit mit den elf Indigenen Gemeinschaften des Red-Atacama-Netzwerks, Salinas Grandes, Nordargentinien. Mit großzügiger Unterstützung des Haus der Kunst München, der Aerocene Foundation, Studio Tomás Saraceno und vielen weiteren.
Courtesy: der Künstler, Red Atacama und die Aerocene Foundation, sowie die Galerien neugerriemschneider, Berlin, Tanya Bonakdar, Los Angeles, Pinksummer, Genua, Andersen’s, Kopenhagen und Ruth Benzacar, Buenos Aires.
© Foto: Studio Tomás Saraceno
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Mittwoch 08.07.2026
Murnau: Fantasie & Form. Adolf Erbslöhs Weg in die Moderne
Ausstellung vom 26. April bis 26. Juni 2026 Franz Marc Museum, Kochel am See
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Ein Schlüsselakteur der Moderne: Adolf Erbslöh neu entdecken
Das Franz Marc Museum zeigt eine umfassende Ausstellung zu einem prägenden Protagonisten der Münchner Avantgarde.
Adolf Erbslöh (1881–1947) zählt zu den einflussreichen, oft übersehenen Malern der Moderne. Die Ausstellung lädt dazu ein, seine eigenständige Bildwelt neu zu entdecken. Als Mitbegründer und späterer Vorsitzender der Neuen Künstlervereinigung München stand er im Zentrum der Avantgarde um Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky und Franz Marc. Mit seiner Kunst und seiner engen Vernetzung innerhalb der Münchner Kunstszene prägte Erbslöh das künstlerische Klima um 1910 entscheidend mit – jenes Umfeld, aus dem der Blaue Reiter hervorging.
Mit seinem Essay „Phantasie und Form“ formulierte er 1929 zentrale Gedanken seines Kunstverständnisses. Fantasie erscheint darin nicht als Gegensatz zur Ordnung, sondern als deren Ursprung: „Das Kunstwerk ist Gestaltung, formgewordene Phantasie.“ Die Ausstellung greift diesen Gedanken auf und zeigt, wie Erbslöh aus inneren Vorstellungen eine eigenständige Bildsprache entwickelte. Er bewegte sich zwischen expressiver Farbigkeit und einem zunehmend konstruktiven Bildaufbau. Seine Werke verbinden leuchtende Farben, klare Linien und ein waches, reflektiertes Sehen.
Von den impressionistischen Anfängen über die Begegnung mit der Kunst Paul Cézannes und der Kubisten bis zu den tektonischen Landschaften der 1920er-Jahre verfolgt die Ausstellung eine zentrale Frage seines Schaffens: Wie lässt sich die flüchtige Vielheit der Erscheinungen in eine bleibende Bildordnung überführen.?
Das Franz Marc Museum, dessen Forschungsschwerpunkt und Sammlung eng mit der Münchner Avantgarde verbunden sind, präsentiert in dieser Ausstellung rund 40 Gemälde. Leihgaben kommen u.a. aus der Hamburger Kunsthalle, dem Kunstpalast
Düsseldorf, dem Leopold-Hoesch-Museum Düren und dem Schloßmuseum Murnau. Viele Werke stammen aus Privatbesitz und sind teilweise erstmals öffentlich zu sehen.
Kuratiert wird die Ausstellung von Jessica Keilholz-Busch, Direktorin des Franz Marc Museums.

Biografie
Adolf Erbslöh wurde 1881 in New York geboren und wuchs in Barmen bei Wuppertal auf. 1904 zog er zum Studium nach München, damals eines der lebendigsten Zentren der europäischen Avantgarde. Prägender als die akademische Ausbildung war für ihn das künstlerische Umfeld: Auf Reisen nach Frankreich, Italien und in die Niederlande lernte er die aktuellen Strömungen der Moderne kennen; auch die Münchner Szene um die Neue Secession und die Scholle inspirierte ihn.
Um 1908 setzte Erbslöh sich intensiv mit den Farbtheorien des Neoimpressionismus auseinander und begann, Farbe als strukturierendes Element des Bildes zu begreifen.
Zur gleichen Zeit lernte er über Alexej von Jawlensky den Kreis um Wassily Kandinsky, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin kennen. 1909 gehörte er zu den Begründern der Neuen Künstlervereinigung München (NKVM). Deren Ziel, innere Erfahrung in eine bildnerische Ordnung zu überführen, entsprach seinem eigenen künstlerischen Denken.
Erbslöh nutzte die Landschaft als zentrales Experimentierfeld. Vor allem in den Bergen bei Brannenburg am Inn sowie in städtischen Parks fand er Motive, in denen sich Formen staffeln und zu einer konstruierten Ordnung fügen ließen. Seine Arbeiten fanden auch unter seinen Zeitgenoss:innen große Beachtung.
1910 schrieb Franz Marc bewundernd: „Erbslöh’s neue Sachen sind glänzend.“ Einen wichtigen Impuls erhielt seine Arbeit durch die Auseinandersetzung mit Paul Cézanne, dessen Werke Erbslöh 1910 in München kennenlernte. Cézannes Vorstellung eines architektonisch
gebauten Bilds als autonome Ordnung aus Farbe, Fläche und Volumen beeinflusste ihn nachhaltig.
Der Erste Weltkrieg markierte eine tiefe biografische Zäsur. 1915 wurde Erbslöh eingezogen, ab 1916 arbeitete er als Kriegsmaler in Frankreich und Flandern. Er hielt an seinem formalen Prinzip fest und gestaltete zerstörte Landschaften als rhythmisch gegliederte, tektonische Strukturen. Nach dem Krieg verdichtete Erbslöh seine Bildauffassung weiter. In den 1920er-Jahren entwickelte er zunehmend streng konstruierte Kompositionen mit pyramidal verschachtelten Bildelementen und klar gegliederten Licht- und Schattenzonen.
Ab 1934 zog sich Erbslöh nach Irschenhausen im Isartal zurück. Die Nationalsozialisten diffamierten seine Werke als „entartet“ und drängten ihn aus dem öffentlichen Kunstleben. 1947 starb er in Irschenhausen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt sein Werk zunächst weniger Aufmerksamkeit, blieb jedoch weiterhin in bedeutenden Sammlungen vertreten und war in Ausstellungen präsent. Die Ausstellung im Franz Marc Museum trägt dazu bei, Adolf Erbslöh neu zu entdecken und seine Bedeutung für die Moderne herauszustellen: als Künstler, der die Freiheit
der Fantasie mit der Klarheit der Form versöhnt.

Franz Marc Museum
Franz Marc Park 8-10
82431 Kochel am See

Abbildungen:

- Adolf Erbslöh, Gebirge, 1911,
Privatbesitz,
Foto: Karen Bartsch

- Adolf Erbslöh, Positano, 1923,
Privatsammlung

- Adolf Erbslöh, Sonnenaufgang (Brannenburg), 1920,
Franz Marc Museum,
Leihgabe aus Privatbesitz
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Freitag 03.07.2026
Potsdam Barberini: Symphonie der Farben - Paul Signac und der Neoimpressionismus
Austellung vom 04. Juli bis 11. Oktober 2026 Museum Barberini Potsdam
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Den höchsten Grad an Leuchtkraft und Harmonie zu erreichen – diesem Ziel verschrieb sich Paul Signac, als er Mitte der 1880er-Jahre mit Georges Seurat eine neue Malweise in die Kunst einführte. Die Ausstellung Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus beleuchtet als erste umfassende Signac-Schau in Deutschland seit 30 Jahren die zentrale Rolle des Künstlers innerhalb der Bewegung des Neoimpressionismus und geht seinem Einfluss als Theoretiker, Netzwerker und Ausstellungsorganisator nach.

Auf der letzten gemeinsamen Ausstellung der Impressionisten im Jahr 1886 stellten in Paris Künstler aus, die sich später als Neoimpressionisten bezeichneten. Mit dem Nebeneinander unvermischter Farben strebten sie eine Wirkung ihrer Bilder an, die an pures Licht erinnern sollte. Die Landschaftsmotive ähnelten jenen ihrer impressionistischen Vorbilder, doch ersetzten sie deren duftige Atmosphäre und spontane Malerei durch seriell aufgetragene Pinseltupfen in den Farben des Prismas. Diese Zerlegung der Farben, die sich nicht mehr auf der Palette, sondern im Auge der Betrachtenden mischen sollte, suchte Inspiration in neuen Erkenntnissen der Optik und der Wahrnehmungsphysiologie.

Die neoimpressionistischen Gemälde laden zur Kontemplation über die Harmonie im Bild ein, suchen den Ausgleich zwischen häufig komplementären Farben, zwischen Vertikalen und Horizontalen oder zwischen Fläche und Raum. Andere Werke weisen arabeske Muster auf, die sich über die Bildfläche erstrecken und reale Gegenstände abstrahieren. Die Ausstellung Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus zeigt den Künstler als eine der zentralen Figuren dieser Bewegung. Sie beleuchtet sein künstlerisches Werk von den frühen Uferlandschaften des passionierten Seglers über seine Interieur- und Porträtmalerei bis zu den sozialutopisch aufgeladenen Bildern der Côte d’Azur, die er als Motivschatz für die Moderne erschloss.

Die Ausstellung umfasst über 90 Werke, von denen mehr als ein Drittel von Paul Signac stammen. Sie stehen im Dialog mit Gemälden von Lucie Cousturier, Henri-Edmond Cross, Maximilien Luce, Camille Pissarro, Théo van Rysselberghe, Jeanne Selmersheim-Desgrange, Georges Seurat, Jan Toorop und anderen. Zu den Leihgebern gehören das Van Gogh Museum, Amsterdam, das Art Institute of Chicago, die National Gallery of Ireland, Dublin, das Musée d‘Orsay, Paris, das Musée du Petit Palais, Genf, die Archives Signac, Paris und weitere nationale und internationale Sammlungen.

Im Museum Barberini, das mit zehn neoimpressionistischen Werken von Signac, Henri-Edmond Cross, Albert Dubois-Pillet, Maximilien Luce und Camille Pissarro in der Sammlung Hasso Plattner einen der größten Bestände dieser Strömung in Deutschland hält, ist Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus bereits das dritte Ausstellungprojekt zum Thema – nach Farbe und Licht. Der Neoimpressionist Henri-Edmond Cross (2018) und Mit offenem Blick. Der Impressionist Pissarro (2025).

Eine Ausstellung des Museums Barberini, Potsdam, und der Kunsthal Rotterdam.

Austellung vom 04. Juli bis 11. Oktober 2026
Museum Barberini Potsdam


Museum Barberini
Humboldtstraße 5–6
14467 Potsdam


Abbildungen:

- Paul Signac
Saint-Tropez. Sonnenuntergang im Kiefernwald, 1896
Öl auf Leinwand, 65 x 81 cm
L’Annonciade, musée d’art moderne de Saint-Tropez
© Luisa Ricciarini / Bridgeman Images

- Paul Signac
Der Hafen bei Sonnenuntergang, Opus 236 (Saint-Tropez), 1892
Sammlung Hasso Plattner, Museum Barberini, Potsdam

- Maximilien Luce
Die Seine bei der Pont Saint-Michel, 1900
Öl auf Leinwand, 89,2 x 116,2 cm
Sammlung Hasso Plattner, Museum Barberini, Potsdam
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Dienstag 30.06.2026
Kochel: Maria Franck-Marc
Ausstellung vom 21. Juni bis 27. September 2026 Franz Marc Museum, Kochel am See
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Anlässlich des 150. Geburtstags von Maria Franck-Marc (1876–1955) widmet das Franz Marc Museum der Künstlerin erstmals eine umfassende Einzelausstellung.
Im Jubiläumsjahr des Museums, das sein 40-jähriges Bestehen feiert, richtet das Haus den Blick auf eine Persönlichkeit, die eng mit dem Blauen Reiter verbunden war, deren eigenes künstlerisches Werk jedoch lange im Schatten ihrer Rolle als Ehefrau und Nachlassverwalterin Franz Marcs stand.
„Maria Franck-Marc gehört zu den Künstlerinnen der Moderne, deren Werk lange übersehen wurde. Mit dieser Ausstellung stellen wir erstmals ihre eigene künstlerische Leistung in den Mittelpunkt“, sagt Jessica Keilholz-Busch, Direktorin des Franz Marc Museums und Kuratorin der Ausstellung.
Die Ausstellung versammelt rund 30 Werke aus öffentlichen und privaten Sammlungen und eröffnet einen neuen Blick auf Maria Franck-Marc als eigenständige Künstlerin der Moderne. Zu den Leihgebern zählen unter anderem das Museum Wiesbaden und das Schloßmuseum Murnau. Der Großteil der ausgestellten Arbeiten stammt aus Privatbesitz, einige Werke werden erstmals öffentlich gezeigt. In dieser Form wird das Werk Maria Franck-Marcs seit Jahrzehnten erstmals wieder in größerem Umfang zusammengeführt.
Gezeigt werden Gemälde, Zeichnungen und textile Arbeiten, die die Vielfalt ihres Schaffens sichtbar machen. Im Zentrum stehen Blumenstücke, Landschaften, Naturstudien, Stillleben sowie Darstellungen von Kindern. Gerade jene Motive, die in der Kunstgeschichte lange als privat, dekorativ oder nebensächlich eingeordnet wurden, erweisen sich bei Franck-Marc als eigenständige künstlerische Versuchsfelder. Mit großer Sensibilität für Farbe, Form und Rhythmus entwickelte sie eine Bildsprache, die alltägliche Themen in konzentrierte Studien von Wahrnehmung und Gestaltung verwandelt.
Maria Franck-Marc gehörte einer Generation von Künstlerinnen an, denen der Zugang zu staatlichen Kunstakademien und den etablierten Strukturen des Kunstbetriebs weitgehend verwehrt blieb. Obwohl sie 1912 mit drei Werken in der zweiten Ausstellung des Blauen Reiters vertreten war, gelang es ihr kaum, eine eigenständige öffentliche Position zu etablieren. Nach dem Tod Franz Marcs im Jahr 1916 widmete sie sich über Jahrzehnte der Bewahrung und Vermittlung seines Werks und prägte dessen Nachleben maßgeblich. Diese wichtige Tätigkeit überlagerte jedoch die Wahrnehmung ihres eigenen Œuvres.
Noch bis in die 1990er-Jahre wurden ihre Arbeiten nur selten öffentlich präsentiert und kaum wissenschaftlich erforscht. Die Ausstellung richtet den Blick daher nicht nur auf die erhaltenen Werke, sondern auch auf die Bedingungen ihrer Entstehung, Überlieferung und Rezeption. „Die Frage ist nicht nur, warum Maria Franck-Marc so lange unbekannt blieb. Die Frage ist auch, wie Kunstgeschichte entscheidet, wer sichtbar wird“, sagt Keilholz-Busch. Damit eröffnet die Ausstellung zugleich eine weiterführende Perspektive auf die Sichtbarkeit von Künstlerinnen im Umfeld des
Blauen Reiters und in der Kunstgeschichte der Moderne.

Franz Marc Museum
Franz Marc Park 8-10
82431 Kochel am See

Abbildungen:

- Maria Franck-Marc, Stillleben mit drei Krügen, um 1907/09,
Privatbesitz,
Foto: Walter Bayer

- Maria Franck-Marc, Anbetung der Hirten, um 1908,
Privatbesitz

- Maria Franck-Marc, Zwei Kinder zwischen Blumen, um 1912,
Privatbesitz,
Foto: Walter Bayer
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Donnerstag 25.06.2026
Haus der Kunst: Maria VMier - I follow the wind through the stone
Ausstellung vom 26. Juni 2026 bis 07. Februar 2027 Haus der Kunst München
Nur wenige Meter liegen zwischen dem Haus der Kunst und dem Eisbach. Der eine Ort ist ein Zentrum für zeitgenössische Künste, mit komplexer Geschichte. Der andere ein Seitenarm der Isar am Englischen Garten, weit über München hinaus bekannt für seine Surfwelle und das urbane Leben an seinen Ufern. Beide Orte haben ein Gedächtnis, das in Fundstücken, Oberflächen und den Erinnerungen der Menschen weiterlebt.
Diesem Gedächtnis spüren ab dem 26. Juni zwei Projekte im Haus der Kunst nach. Maria VMier wendet den Blick nach innen und widmet sich mit I follow the wind through the stone dem Haus der Kunst selbst. Für das neue Auftragswerk hat VMier das Gespräch mit den Menschen gesucht, die hier arbeiten – manche seit Jahrzehnten, andere erst seit wenigen Jahren. Ihre Erzählungen hat VMier in eine Auftragsarbeit übersetzt, die das Gebäude von einer Seite zeigt, die sonst verborgen bleibt. Mit „Tao Schirrmachers Sammlung. Eisbach Treasures" zeigt der Europameister im Flusssurfen erstmals in dieser Fülle jene Funde, die er seit 2008 vom Grund des Eisbachs birgt. So begeben sich Maria VMier und Tao Schirrmacher jeweils auf eigene Weise auf Spurensuche und öffnen zugleich den Blick für die vielen Geschichten, die zwei vertraute Orte in sich tragen.

Seit 2021 vergibt das Haus der Kunst jährlich ortsspezifische Aufträge an Künstler*innen, die den Personaleingang und darüber hinaus gestalten. Aus einer Idee der Pandemiezeit gewachsen, schenkt die Reihe dem Team beim täglichen Betreten des Hauses einen Moment der Inspiration und begleitet zugleich Künstler*innen aus München und der Region an einem entscheidenden Punkt ihrer künstlerischen Entwicklung. Auf Cyrill Lachauer, Jan Erbelding, Paul Valentin, Luisa Baldhuber und Gülbin Ünlü folgt nun Maria VMier.
Mit I follow the wind through the stone gestaltet Maria VMier (geb. 1985 in Passau), in New York lebend, das jährliche Auftragswerk des Haus der Kunst. Aus VMiers Begegnungen mit dem Haus und seinen Menschen ist eine Konstellation miteinander verbundener Werke entstanden, die sich vom Personaleingang über die Passage bis in die Mittelhalle erstreckt.
Am Personaleingang beginnend, hat VMier die großen Außenbuchstaben, die einst als Fassadenschriftzug dienten (2011 – 2020), neu zusammengesetzt und installiert. Aus ihrer Funktion entlassen, fügen sich die verwitterten Metallbuchstaben zu einer neuen Wendung, „Bauch der Kunst", die in den Bauch des Hauses führt und jenen gewidmet ist, die es täglich am Laufen halten. In der Passage, einem neuen Raum für Einzelprojekte, der an das Auditorium angrenzt, folgen zwei großformatige Zeichnungsinstallationen, die das Gebäude selbst zur Vorlage nehmen und seine Oberflächen in dichte Pinselarbeiten auf Papier übersetzen. In der Mittelhalle sowie dem Eingangsbereich tritt eine Serie kleiner Aluminiumskulpturen aus den Ecken und Ritzen der Marmorpfeiler hervor, inspiriert von den Fossilien im Saalburger Marmor. Das Material sollte der Mittelhalle Erhabenheit verleihen, während sie in den 1930er Jahren für nationalsozialistische Propaganda genutzt wurde. Irgendwo zwischen Gesicht und organischem Wuchs wirken die Skulpturen wie ein leises Aufbegehren im monumentalen Innenraum. Begleitend zur Arbeit erscheint ein eigens produziertes Künstler*innenbuch, das die aufgespürten Details des Hauses zum Mitnehmen festhält und in der Buchhandlung Walther König im Haus der Kunst zu finden ist.
Xue Tan, Leiterin Programm und Ausstellungen, Chefkuratorin: „Es ist außergewöhnlich, wie tief Maria VMier in die unbekannten Geschichten der Institution eintaucht – einerseits, indem sie den Menschen Anerkennung zollt, die sie tragen, und andererseits, indem sie ihren unausgesprochenen Geschichten eine Stimme verleiht. VMiers Arbeit eröffnet unerwartete Zugänge zur Geschichte des Haus der Kunst und offenbart die Institution als einen lebendigen, vielschichtigen Organismus."

Haus der Kunst
Prinzregentenstr. 1
80538 München


Abbildungen:

- Maria VMier
“I follow the wind through the stone”
Foto: Courtesy of the artist, 2026

- Maria VMier
Objects of Request, 2022
Bronze, Spandex, 10 Objekte, verschiedene Größen.
Foto: Haydar Koyupinar
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Donnerstag 18.06.2026
Frankfurt Städel Museum: BRUEGEL. PRINTED
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BRUEGEL. PRINTED

Ausstellung vom 18. Juni 2026 bis 20. September 2026
Städel Museum Frankfurt

Pieter Bruegel der Ältere (1526/30?1569) zählt zu den herausragenden Künstlern der niederländischen Kunst des 16. Jahrhunderts. Seine Werke entführen in eine faszinierende Welt humorvoller Bildideen und rätselhafter Motive. Heute vor allem als Maler bekannt, machte er sich bereits früh mit dem Entwerfen von Druckgrafiken einen Namen. Das Städel Museum versammelt in der Ausstellung „Bruegel. Printed“ rund 45 außergewöhnliche Druckgrafiken nach Zeichnungen Bruegels. Sie zeigen ihn als einzigartigen Erfinder und unverwechselbaren Erzähler: Seine Motive reichen von weiten Landschaften über weltliche und religiöse Sinnbilder bis hin zu Alltagsszenen.
Bruegels Werke entstanden in enger Zusammenarbeit mit dem Antwerpener Verleger Hieronymus Cock und dessen Frau Volcxken Diericx. Sie vermitteln einen lebendigen Eindruck von der einzigartigen Bildwelt des Künstlers, die Beobachtung und Fantasie vereint. Aus seiner Vorliebe für die kleinteilig-grotesken Motive des Hieronymus Bosch und seiner breiten Kenntnis von Bild- und Motivtraditionen entwickelt er neue Darstellungsformen für traditionelle Themen. Dabei bringen seine Kompositionen, die vielfach mit Übertreibungen arbeiten, das Publikum zum Lachen und regen zugleich zum Nachdenken an. Bruegel thematisiert menschliche Schwächen und Missstände, verweist auf die Größe der Natur und richtet den Blick zugleich auf das alltägliche Miteinander. Bis heute eröffnen seine Werke überraschend aktuelle Perspektiven auf grundlegende Fragen menschlicher Werte.
Den Ausgangspunkt der Präsentation im Städel bilden die Druckgrafiken Bruegels aus der eigenen Sammlung, von denen rund 30 gezeigt werden. Ergänzt wird diese Auswahl durch Leihgaben aus der Albertina in Wien und der Staatlichen Graphischen Sammlung München. Darüber hinaus sind in der Ausstellung zwei Gemälde seines Sohnes Pieter Brueghel d. J. sowie weitere Blätter aus dem eindrucksvollen Bestand
niederländischer Druckgrafik des Städel Museums zu sehen, darunter Werke nach Frans Floris, Lambert Lombard und Raffael.
Die Ausstellung wird durch die Förderung des Städelschen Museums-Vereins e.?V. ermöglicht.

Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums, über die Ausstellung: „Mit unserer Ausstellung zu Bruegels Druckgrafiken öffnet das Städel erneut den Blick auf die außergewöhnlichen Schätze seiner Graphischen Sammlung, die mit rund 100.000 Zeichnungen und Druckgrafiken vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart zu den bedeutendsten Sammlungen ihrer Art in Deutschland zählt. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, sich auf eine eindrucksvolle Entdeckungsreise durch Bruegels vielschichtige Bildwelten voller erzählerischer Kraft, feinsinniger
Beobachtungen und überraschender Details zu begeben.“
Astrid Reuter, Leiterin der Graphischen Sammlung bis 1800 des Städel Museums: „Die Bilderfindungen Bruegels waren bereits zu seinen Lebzeiten überaus gefragt. Sie dienten nicht nur dem Vergnügen, sondern bildeten den Gegenstand gelehrter Diskussionen. Der besondere Reiz seiner Werke entsteht durch das Zusammenspiel von Naturnähe, Einfallsreichtum und humorvoller Übertreibung. Als fantasievolle Erfindungen und kritische Reflexionen menschlicher Werte und Verhaltensweisen geschätzt, laden sie bis heute zum Entdecken, Nachdenken und auch zum Lachen ein.“

Die Kapitel der Ausstellung
Die Ausstellung „Bruegel. Printed“ ist in fünf Kapitel unterteilt: Sie gibt Einblick in das Leben und druckgrafische Werk Bruegels, beleuchtet die Tätigkeit seines Verlegers Cock, thematisiert Landschaften sowie die Darstellung der Tugenden und Laster in Bruegels Arbeiten und schließt mit der Rezeption seines Werks.

Pieter Bruegel der Ältere
Obwohl Pieter Bruegel der Ältere bereits zu Lebzeiten große Anerkennung genoss, ist über sein Leben heute nur wenig bekannt. So fehlen etwa gesicherte Informationen zu seiner Geburt und Herkunft. Bekannt ist jedoch, dass er 1551 in die Antwerpener Malergilde eintrat – ein entscheidender Schritt, der den Beginn seiner künstlerischen Laufbahn markiert. Kurze Zeit später reiste Bruegel nach Italien, wo er sich bis 1554 aufhielt. Erste Erfolge erzielte er als Entwurfszeichner für Druckgrafiken, der Malerei wandte er sich erst ab Ende der 1550er-Jahre zu. Nach
seiner Hochzeit 1563 siedelte Bruegel nach Brüssel über, wo seine beiden Söhne, die Maler Pieter d. J. und Jan d. Ä., geboren wurden und er 1569 starb.
Bruegels Schaffen entstand vor dem Hintergrund tiefgreifender politischer und gesellschaftlicher Umbrüche: Unter Kaiser Karl V., zugleich König von Spanien, erlebte die Stadt Antwerpen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung, der mit einem wachsenden Interesse an Kunst und Wissenschaft einherging. Doch kam es in der Folgezeit zunehmend zu religiösen und politischen Auseinandersetzungen mit den von Brüssel aus regierenden Spaniern, die schließlich 1568 in den Achtzigjährigen Krieg mündeten.
Die Darstellung der Geduld (Patientia) von 1557 gehört zu den Werken Bruegels, in denen die politischen und religiösen Spannungen der Zeit angedeutet sind. Inmitten der zahlreichen Szenen, von denen die Personifikation umgeben ist, sind Details wie die brennende Kirche, die riesige, in einem Ei gefangene Vogelscheuche mit Kardinalshut oder der in einer Art Baumhaus sitzende Mönch zu erkennen.

Der Verlag des Hieronymus Cock
Bruegels Druckgrafiken wurden von Hieronymus Cock produziert und verbreitet. Der 1548 von ihm und seiner Frau Volcxken Diericx in Antwerpen gegründete Verlag „Aux Quatre Vents“ (Zu den vier Winden) entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten und modernsten Grafikunternehmen des 16. Jahrhunderts. Cock und Diericx etablierten ein neues Geschäftsmodell: Der Verlag vermittelte zwischen Entwerfern und Stechern, finanzierte die Herstellung der Druckplatten und organisierte den europaweiten Vertrieb der Grafiken. Damit prägten sie die Kunstproduktion ihrer Zeit nachhaltig.
Das vielseitige Angebot des Verlags reichte von antiken, mythologischen und religiösen Motiven bis zu Landschaften, Genreszenen und Architekturprospekten. Besonders gefragt waren Grafiken im Stil des Hieronymus Bosch (ca. 1450–1516). Auch Bruegel zitierte in seinen Werken Motive des Künstlers, wie das 1557 entstandene Blatt Die großen Fische fressen die kleinen zeigt, das eine weit verbreitete Redewendung eindrucksvoll ins Bild setzt: Die Mächtigen verstehen es, sich auf Kosten anderer immer weiter zu bereichern.
Darüber hinaus vertrieb der Verlag auch Reproduktionen nach Werken italienischer Künstler wie Raffael oder Michelangelo – eine bedeutende Neuerung in den Niederlanden. So trug etwa die hier gezeigte Reproduktion von Raffaels Schule von Athen (1550) des Kupferstechers Giorgio Ghisi zur Bekanntheit dieses Werks nördlich der Alpen bei. Nach dem Tod Cocks im Jahr 1570 führte Volcxken Diericx den Verlag bis zu ihrem Tod im Jahr 1600 weiter.

Die Erfindung der Landschaft
Anfang des 16. Jahrhunderts etablierte sich die Landschaftsdarstellung in den südlichen Niederlanden als eigenständiges Kunstgenre. Pieter Bruegel d. Ä. spielte in dieser Entwicklung eine zentrale Rolle: Seine von einem erhöhten Standpunkt aus wiedergegebenen Ansichten machen die Größe und Vielfalt der Natur auch im kleinen Format erfahrbar. Sie basieren auf Eindrücken, die Bruegel während seiner Alpenüberquerung sammelte. Doch handelt es sich nicht um eine getreue Wiedergabe konkreter Orte. Vielmehr verdichtete der Künstler unterschiedliche Motive zu Gesamtbildern und macht somit die Vielgestaltigkeit der göttlichen Schöpfung sichtbar. Ein eindrückliches Beispiel hierfür ist die Druckgrafik Der heilige Hieronymus in der Wildnis (um 1555). Während der dargestellte Heilige seine Umgebung keines Blickes würdigt, ist der kaum wahrnehmbare Wanderer links im Bild im Begriff, die großartige Landschaft zu erkunden.

Diablerien und Drolerien – Laster und Tugenden
Zu den größten Erfolgen des Verlegers Hieronymus Cock zählen die Serien der Laster und Tugenden. Die von Pieter Bruegel d. Ä. entworfenen und von Pieter van der Heyden und Philipp Galle umgesetzten Blätter verbinden eine außergewöhnliche Detailfülle mit einem klaren Aufbau. Im Zentrum stehen Personifikationen der Sünden oder Tugenden, die durch Inschriften, Symboltiere und Attribute kenntlich gemacht und durch weitere Szenen ergänzt sind. Bruegel findet für die fest in der christlichen Tradition verankerten Motive neue Formulierungen. Seine komplexen Darstellungen sind nicht immer leicht zu deuten. Zusätzliche Erläuterungen am Blattrand geben allgemeine Hinweise zu den Bildinhalten. Sie gehen vermutlich auf den Verleger zurück.
Für die Darstellungen der Laster knüpft Bruegel an die fantastischen Bildwelten von Hieronymus Bosch an, während er die Tugenden in sein flämisches Umfeld überträgt. Der Kupferstich Mäßigkeit (Temperantia) (um 1560) etwa zeigt die personifizierte Tugend mit einer Uhr auf dem Kopf, einem Zaumzeug und einer Brille in der Hand – Sinnbilder für Selbstbeherrschung und Maßhalten. Umgeben ist die Figur von den sieben freien Künsten, für die ebenfalls Ausgewogenheit gefordert wird.
Ein eindrucksvolles Beispiel für die Darstellung der Laster ist der von Pieter van der Heyden gestochene Kupferstich Trägheit (Desidia) (1558). Die Personifikation der Trägheit schläft hier auf einem Esel und stützt den Kopf auf ein Kissen, das von einem Dämon gehalten wird. Andere Figuren erscheinen ebenso von Antriebslosigkeit geprägt: Eine Frau am Tisch kann sich kaum auf dem Stuhl halten und ein Mann im Bett ist sogar zu träge, zum Essen aufzustehen.

„Bruegel-Boom“
Die hohe Wertschätzung Pieter Bruegels d. Ä. zeigt sich in der großen Zahl von Wiederholungen, Variationen und Weiterentwicklungen seiner Werke. Einen Ausgangspunkt für diese breite Nachfolge bildeten neben Gemälden und Zeichnungen insbesondere die Druckgrafiken, wie sie in der Ausstellung zu sehen sind. Beliebt waren vor allem Szenen aus dem bäuerlich-ländlichen Leben, die wesentlich zu Bruegels Ruf als „Bauern-Bruegel“ beitrugen. Zur weiten Verbreitung dieser Bildthemen trug maßgeblich sein Sohn Pieter Brueghel d. J. (1564?1638) bei, dessen Werke den Kompositionen des Vaters oft verblüffend nahekommen. Große Popularität erlangte etwa der Tanz auf der Bauernhochzeit, dessen dynamische Figuren, ausdrucksstarke Gestik und lebendige Farbigkeit die ausgelassene Atmosphäre des Festes eindrucksvoll vermitteln.
Auch Künstler wie Bruegels zweiter Sohn Jan Brueghel d. Ä., Jan Mandyn oder Lucas van Valckenborch führten die Tradition fort. Sie bedienten somit die große Nachfrage von Sammlern und Kunstinteressierten des frühen 17. Jahrhunderts – eine Begeisterung für Bruegels Kunst, die als „Bruegel-Boom“ gilt.

Städel Museum
Dürerstraße 2
60596 Frankfurt am Main

Abbildungen:

- Pieter Bruegel d. Ä.
Gestochen von Pieter van der Heyden
Geduld (Patientia), 1557
Kupferstich
335 x 430 mm
Städel Museum, Frankfurt am Main

- Pieter Bruegel d. Ä.
Gestochen von Philipp Galle
Klugheit (Prudentia)
Kupferstich
229 x 302 mm
Städel Museum, Frankfurt am Main

- Pieter Bruegel d. Ä.
Gestochen von Philipp Galle
Mäßigkeit (Temperantia), ca. 1560
Kupferstich
220 x 287 mm
Städel Museum, Frankfurt am Main

- Pieter Bruegel d. Ä.
Radiert und gestochen von Jan und Lucas van Doetecum
Der heilige Hieronymus in der Wildnis, ca. 1555
Radierung und Kupferstich
326 x 432 mm
Städel Museum, Frankfurt am Main
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