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7. Fink „The CityIs Coming To Erase It All“
8. Reis / Demuth / Wiltgen „Freedom Trail“
9. Historisches in Jazz, Rock & Blues (11): Bill Connors „Of Mist And Meltin...
10. Ibrahim Maalouf „Trumpets Of Michel-Ange Vol. 2“
11. Mick Goodrick / Fred Hersch „Feebles, Fables And Ferns“
12. Kalia Vandever „Mana“
Dienstag 30.06.2026
Fink „The CityIs Coming To Erase It All“
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Fink klingen immer ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Mit Moden, Trends oder Life Style können Fin Greenall, Tim Thornton und Guy Whittaker eben nur wenig anfangen. Sie orientieren sich stärker an der Tradition, wie sie Michael Chapman oder Joni Mitchell zu Beginn der 1970er Jahre verkörperten. Akustisches Singer-Songwriting im weiten Bereich des Indie-Folk.
Ausgangspunkt ihrer musikalischen Reisen ist die Grafschaft Cornwall an der südwestlichen Spitze Englands. Von hier stammt Sänger, Gitarrist und Kopf von Fink Fin Greenall. Es ist eine raue und ebenso schöne Landschaft. Ideal zum Träumen, zum Aufbruch ins Innere der eigenen Seele. Diese Zeit prägt.
Finks Texte erzählen von Sorgen und Hoffnungen, von Selbstzweifeln und Überzeugungen, von poetischen Reflektionen als Antwort auf jede persönliche oder auch global erfahrene Unzulänglichkeit. Mit diesen Themen erreichen sie nicht nur die Menschen in Cornwell oder in Greenall zweiten Wohnort Bristol. Finks internationaler Erfolg, „The CityIs Coming To Erase It All“ ist ihr mittlerweile schon neuntes Album, macht deutlich, dass man ihre Sprache und ihre Sichtweisen des Lebens überall auf der Welt versteht und eben auch teilt.
Fin Greenall hat schon früh und ausreichend Erfahrung als eine Art Globetrotter gesammelt. Er zog durch die Welt, jobbte in den unterschiedlichsten Berufen, lernte Menschen kennen, sammelte Eindrücke, war wie Tim Thornton auch Straßenmusikant. Und er kam auch immer mit großer Freude und vielleicht auch mit ein klein wenig Heimweh zurück nach Bristol, wo er Songs für Amy Winehouse und John Legend schrieb.
Heute lebt Fin Greenall in Berlin - doch dieses damals schon stark ausgeprägte Fernweh ist ihm und der gesamten Band geblieben. Das wird spätestens beim Durchforsten ihrer noch in diesem Jahr stattfindenden Tour deutlich. Fast fünfzig Konzerte in den USA, in Kanada und in Europa. Und im Gepäck stets ihr neues Album „The CityIs Coming To Erase It All“. Kontemplative Musik voller Melancholie, tiefen Emotionen, inspirierenden Texte und eine Stimme, die unter die Haut geht.
Jörg Konrad

Fink
„The CityIs Coming To Erase It All“
R’COUP’D Records
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Montag 29.06.2026
Reis / Demuth / Wiltgen „Freedom Trail“
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Seit ihrer Schulzeit spielen Michel Reis (Klavier), Marc Demuth (Bass) und Paul Wiltgen (Schlagzeug) als Trio zusammen. 2022, knapp ein Vierteljahrhundert nach ihrer Gründung, haben die drei Luxemburger nach langer Vorarbeit ihr Traumprojekt umgesetzt: Eigene Kompositionen im Kontext einer großorchestralen Einspielung zu präsentieren.
Für diese Herkulesaufgabe brauchten die Musiker neben Mut und Entschlossenheit natürlich Sponsoren, denn die Luxemburger Philharmoniker samt Stararrangeur Vince Mendoza und Gastsolist Joshua Redman für drei Tage samt Aufnahmeequipment „zu mieten“, ist schlicht und ergreifend teuer. Zum Glück fanden Reis / Demuth / Wiltgen und ihr Label CamJazz private Sponsoren und öffentliche Förderer, um dieses Vorhaben umzusetzen.
So ist im Sommer 2022 „Freedom Trail“ entstanden. Die Aufnahme bestimmt eine gewaltige, Grenzen überschreitende Klangkulisse, die zwischen herausfordernden Jazzharmonien, Soundtrackanleihen und improvisatorischen Kabinettstücken changiert. Ein Hörerlebnis der Extraklasse, ebenso berührend wie auch aufwühlend. Michel Reis, Marc Demuth und Paul Wiltgen haben sich hiermit nicht nur einen, ihren Traum erfüllt, sondern sich zugleich einer Mammutaufgabe gestellt, die ihnen aufgrund der gemachten Erfahrungen für die Zukunft mit Sicherheit neue Wege und Möglichkeiten weisen wird. Wohin die Reise führen wird – wir werden gespannt hören.
Jörg Konrad

Reis / Demuth / Wiltgen
„Freedom Trail“
CamJazz
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Freitag 26.06.2026
Historisches in Jazz, Rock & Blues (11): Bill Connors „Of Mist And Melting“
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John Abercrombie, Terje Rypdal, Ralph Towner, Pat Metheny – Gitarristen, die Mitte der 1970er Jahre den Sound des Labels ECM bestimmten und die zugleich den Anfang einer Neuausrichtung der Gitarre im Jazz einläuteten.
1973 tauchte dann, wie Phönix aus der Asche, der nächste Name am Saitenfirmament auf: Bill Connors, ein gerade einmal 24jähriger Autodidakt aus Los Angeles. Er hatte in verschiedenen Rock- und Bluesbands der Region gespielt, hörte irgendwann Django Reinhardt, der von da an seine wichtigste Inspirationsquelle wurde. Connors zog nach San Francisco und lernte hier Jazzmusiker wie Bennie Maupin kennen, die ihn wiederum mit anderen Instrumentalisten bekannt machten, von denen er dann Unterricht erhielt. Dadurch veränderte sich sein Spiel nachhaltig und Connors kam zu völlig neuen Ausdrucksspektren.
Steve Swallow, damals Mentor am Berklee College of Music in Boston und unter anderem Bassist bei Stan Getz und Herbie Hancock, vermittelte Connors an Chick Corea, in dessen Formation Return to Forever Connors als Gitarrist einstieg und Teil der Besetzungsliste des Albums „Hymn of the Seventh Galaxy“ wurde.
Im November 1974 öffnete ihm dann Manfred Eicher die Möglichkeit, ein Soloalbum für ECM aufzunehmen. „Theme to the Gaurdian“ ist eine mit unglaublichem Feingefühl und Esprit umgesetzte Einspielung. Wunderbar strukturierte Kompositionen, die der Gitarrist hier präsentiert und damit auch für sich völlig neue Maßstäbe setzte. Denn es waren die ersten Aufnahmen, die seine Qualitäten auf der akustischen Gitarre deutlich machten.
Nur drei Jahre später stellte Manfred Eicher ein Quartett unter Connors Namen zusammen, mit dem er das vorliegende „Of Mist And Melting“ produzierte. Im Talent Studio in Oslo traf der Gitarrist auf den norwegischen Saxophonisten Jan Garbarek, den Bassisten Gary Peacock und den Schlagzeuger Jack DeJohnette. Garbarek, der damals noch stärker unter dem Einfluss von George Russell stand, war auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt, einer Verbindung von expressiver Melodiosität und traditioneller Melancholie. Peacock und DeJohnette legten zu jener Zeit die Basis für ein rhythmisch ganzheitliches Spiel, das dann später im Trio mit Keith Jarrett zur Vollendung reifte.
Es sind treibende, dynamische Aufbrüche, die die Vier entwickeln. Subtil wie temperamentvoll, melodisch wie auch abstrakt in die Umsetzung. Hier ist, trotz aller Transparenz und offener Räume, ein dichter rhythmischer Teppich geknüpft, über bzw. auf dem Garbarek als auch Connors brillieren. Sie nutzen ein breites Ausdrucksspektrum, von lichtdurchfluteten Schneisen bis hin zu dissonanten Illustrationen. Die Connors-Kompositionern leuchten wie Schätze aus einer versunkenen Welt. Musikalische Kulturlandschaften, die im zeitlosen Raum zu schweben scheinen. Und trotz manch expressiver Teilstrecken, ist es die Reduktion, die Betonung des Wesentlichen, die auf diesem Album beeindruckt.
Als Bill Connors 2025, also fast achtundvierzig Jahre später, diese Aufnahmen wiederhört, ist er erstaunt: „Es macht mich nostalgisch für diese Periode. Ich hatte ganz vergessen, wie viel Zeit ich dieser Gitarrsenspielart gewidmet hatte.“
„Of Mist And Melting“ - ein bis heute unwiderstehlicher Klassiker, nicht nur im Katalog von ECM.
Jörg Konrad

Bill Connors
„Of Mist And Melting“
ECM Records
ECM Luminessence Series (Vinyl)
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Mittwoch 24.06.2026
Ibrahim Maalouf „Trumpets Of Michel-Ange Vol. 2“
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Seine Musik ist eine explosive Offerte. Dabei bewegt sich auch Ibrahim Maalouf neuste Veröffentlichung „Trumpets Of Michel-Ange Vol. 2“, wie schon ihr Vorgänger, zwischen libanesischer Folklore, temperamentvollem Jazz und Elementen aus Klassik und Weltmusik. Trompeter Maalouf findet immer genau den passenden Ansatz zwischen Orient und Okzident, verschmelzt traditionelle arabische Tonleitern mit ungeraden Taktarten und westlichen Jazzharmonien. Über zwanzig Alben hat der 45jährige bisher veröffentlicht und jedes Einzelne dieser Werke beinhaltet eine feurige Melange aus all den genannten Ingredenzien und hinzu eine klangliche Opulenz. Nicht weniger als sechs Trompeter bilden entsprechend auch das momentane Rückrat der Band. Und diese befeuern fast inflationär mit scharfen und präzis akzentuierten Trompetensätzen die Musik auf diesem Album.
Maalouf selbst spielt, wie schon sein Vater, eine Viertelton-Trompete, die es ihm ermöglicht, bestimmte Intonationen seiner arabischen Heimat und damit ein breiteres Klangspektrum instrumental zum Ausdruck zu bringen. Hinzu kommt seine unnachahmliche Virtuosität – die jedoch nie geschwätzig, geschweige denn artistisch klingt. Er versteht es immer Geschichten zu erzählen, dabei aber die Band mit einzubeziehen. So gibt Maalouf oft Motive solistisch vor, die von dem Bläsersatz aufgenommen, gospelähnlich wiederholt oder variiert werden. Das wirkt auf den Hörer absolut inspirierend und stärkt das Gemeinschaftserlebnis Musik enorm. Mit Gastsolisten wie Richard Galliano, Jon Batiste, Gonzalo Rubalcaba oder Hamilton De Holanda findet Ibrahim Maaloufs Musik noch eine zusätzliche Klangfarbe und stärkt das Gefühl, hier ein Teil der ausgelassenen Stimmung auf großen Basaren und Marktplätzen vielleicht von Beirut oder Tripoli zu sein.
Jörg Konrad
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Dienstag 23.06.2026
Mick Goodrick / Fred Hersch „Feebles, Fables And Ferns“
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Als Mick Goodrick und Fred Hersch im August des Jahres 1988 im New Yorker Classical Sound Studio zusammenkamen, stand der eine schon in der Blüte seiner Karriere, der andere erst an deren Beginn. Gitarrist Goodrick hatte bis dato in der Band von Gary Burton (an der Seite von Pat Metheny) für Aufsehen gesorgt, seine hoch gelobte Quartett-Einspielung „In Pas(s)ing“ eingespielt und war zudem Mitglied in verschiedenen Formationen von Jack DeJohnette und Teil des Charlie Haden Liberation Music Orchestra.
Der zehn Jahre jüngere Pianist Fred Hersch präzisierte, nach Engagements bei Stan Getz, Joe Henderson und Art Farmer, seine Solokarriere, arbeitete mit Jan Ira Bloom, Janis Siegel und leitete etliche eigene Trio-Besetzungen. Seitdem hat Hersch knapp 60 Alben unter eigenem Namen veröffentlicht, die fast durchgängig von substanzieller Qualität zeugen.
Goodrick und Hersch standen Ende der 1980er Jahre über „Feebles, Fables And Ferns“ hinaus in direktem Austausch, fanden und passten in ihrer zurückhaltenden, aber ausdrucksstarken musikalischen Sprache wunderbar zueinander. Weder Gitarrist Goodrick noch Pianist Hersch ging es um vordergründiges Solieren. Hier fanden zwei Seelenverwandte an unterschiedlichen Instrumenten eine gemeinsame Tonsprache. Sie ergänzten sich, reagierten spontan aufeinander, hatten ähnliche Beziehungen und Erfahrungen, was die Tradition betraf und sie beherrschten eine gewisse Coolness – weitab jedes jazzmusikalischen Fundamentalismus.
Sieben Kompositionen beinhaltet „Feebles, Fables And Ferns“. Zwei zeichnet sich Goodrick verantwortlich, ein Stück stammt von Fred Hersch. In „Five Excursions“ schaffen sie improvisierend gemeinsam frei schwebende Räume. Grant Greens „Out Of Nowhere“ dient ihnen als Vorlage für zügellose Leidenschaft, Steve Swallows „Falling Gaces“ ist ein strahlender swingende Komet (der zugleich deutlich macht, welchen Einfluss Goodrick auf Pat Metheny hatte) und in Mal Waldrons ewiger Standard-Ballade „Soul Eyes“ bringen beide in traumwandlerischer Sicherheit Intimität und Vertrautheit zum Ausdruck.
Die jetzt veröffentlichten Aufnahmen von 1988 unterstreichen die jeweilige poetische Strahlkraft beider Solisten, die berührend mit ihrer gezügelten Virtuosität korrespondiert. Hier werden Klangräume erschlossen, die ebenso melodische wie leidenschaftliche Anteile beinhalten.
Leider war es das einzige musikalische Miteinander von Mick Goodrick und Fred Hersch. Schätzen wir uns einfach glücklich, dass dieses Aufeinander überhaupt mitgeschnitten und jetzt veröffentlicht wurde.
Jörg Konrad

Mick Goodrick / Fred Hersch
„Feebles, Fables And Ferns“
ECM
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Montag 22.06.2026
Kalia Vandever „Mana“
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Die Posaune ist im Bereich der zeitgenössischen improvisierten Musik ein Instrument, das speziell in Deutschland auf eine lange Tradition verweisen kann. Alber Mangelsdorff, Conrad und Johannes Bauer oder Nils Wogram sind nur einige wenige Namen von Musikern, die die Entwicklung des Spiels auf diesem blechernen Instrument weit über die Grenzen Deutschlands deutlich beeinflusst haben.
Doch gab und gibt es auch im Mutterland des Jazz etliche großartige Posaunisten - und natürlich auch Posaunistinnen. Zu letzteren zählt Kalia Vandever. 1995 in Los Angeles geboren, lebt sie heute in Brooklyn. Anfänglich in den Begleitbands von Harry Styles, Lizzo oder den Japanese Breakfast unterwegs, tritt sie seit 2023 auch solistisch in Erscheinung. Ihr neustes Album „Mana“, veröffentlicht von International Anthem, widmet sich in ausgedehnten Soloexkursen, stärker den Klangfarben ihres Instruments. Mit den Mitteln von polyphonen Tonhöhenverschiebungen und zur Hilfenahme von pianistischen Miniaturen und vocalen Modulationen entwirft Kalia Vandever wunderbar subtile und emotional stark berührende meditative Atmosphären. Sie vernachlässigt hier ganz bewusst ihre virtuosen Möglichkeiten, schafft stattdessen aufgrund sparsamer Dramaturgie tiefe sinnliche Hall- und Echoräume. Es sind Metamorphosen dunkler Klangereignisse von subtiler Einfachheit. In ihrer mikrotonalen Wirkung innerlich wärmend und jede Menge atemberaubende Essenzen versprühend.
Jörg Konrad

Kalia Vandever
„Mana“
International Anthem
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Autor: Siehe Artikel
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