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11. Antonio Faraò & Stéphane Belmondo Quartet „Do It!“
12. Historisches aus Jazz & Blues (1): Yusef Lateef „Alight Upon The Lake –...
Donnerstag 07.05.2026
Historisches aus Jazz & Blues (4): Mal Waldron „Stardust & Starlight – At The Showcase“
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Sein Klavierstil schien eine zeitlang von der Klassik ebenso weit entfernt, wie vom Jazz. Man könnte aber auch sagen, dass er als Pianist ebenso nah an der Klassik spielte, wie er zugleich auch Jazzmusiker war. Malcolm Earl „Mal“ Waldron wurde 1926 in New York geboren und war sein Leben lang ein waschechter Individualist und rätselhafter Edelstein am Instrument. Seine Biographie ist randvoll mit eindrucksvollen, als auch tragischen Momenten. Seine Improvisationen sind so sparsam reduziert, wie auch weitläufig ausufernd. Er spielt sich wiederholende Figuren mit größter ökonomischer Disziplin und weicht gleichzeitig in ihrem Rezidiv immer wieder um einige Nuancen von den Vorgaben ab.
Mal Waldron war einer der letzten Pianisten, die mit der Vocal-Ikone Billie Holiday im Duo spielte; er gehörte zu jener Band-Crew, die Charles Mingus Debüt-Album „Pithecanthropus Erectus“ im Jahr 1956 in den New Yorker Audio-Video Studios einspielte und er drückte die schwarz-weiße Tastur auf Max Roachs „Percussion Bitter Sweet“, dem politisch brisantesten und musikalisch vielseitigsten Album des großen Bebop-Schlagzeugers. So ganz „nebenher“ begleitete er Eric Dolphy, Steve Lacy und Thelonious Monk bei ihren Beiträgen für die Jazzgeschichte und war zudem Hauspianist bei Bob Weinstock Jazz-Label Prestige.
Aufgrund psychischer Dekompensation und seiner Heroin-Sucht war Maldron Anfang der 1960er Jahre gesundheitlich stark angeschlagen und unterzog sich einer stationären Behandlung. Nach seiner Klinik-Entlassung, ein Jahr später, musste er das Leben in seiner Ganzheitlichkeit neu erlernen. Auch das Klavierspiel. So gab es für ihn keine Jobs mehr. Er zog nach Europa, erhielt in Paris ein paar Kompositions-Aufträge für Filmmusik um wenigstens zu überleben.
Langsam begann Waldron auch wieder Klavier zu spielen und nahm in Frankreich und Italien erneut Schallplatten auf, entwickelte sich langsam aber stetig (auch aufgrund seiner biographischen Daten) zu einem gesuchten Solisten der Jazz-Szene. Er zog nach München, nahm für ECM und für ENJA wegweisende Alben auf. Seine besondere Art zu spielen drang bis nach Japan, wo er über Nacht einen regelrechten Starkult genoss.
Er unternahm auch wieder Tourneen nach Amerika, wo er regelmäßig auftrat, zog 1990 nach Brüssel, wo er 2002 starb.
Die vorliegende Aufnahme „Stardust & Starlight: At the Jazz Showcase“ entstand im August 1979 in Chicago. Mit dabei der Bassist Steve Rodby (bevor dieser festes Mitglied der Pat Metheny Group wurde), der Schlagzeuger Wilbur „The Chief“ Campbell und als Gastmusiker der Saxophonist Sonny Stitt. Waldron, damals 54-jährig, beherrscht auch hier die scheinbare Einfachheit des Klavierspiels. Er ist ein raffinierter Kammerkünstler, der die Melodien regelrecht „morst“ bei einem enormen improvisatorischen Wenderadius. Als Pianist im Jazz ist er ein Fundamentalist, einer der das Perkussive am Instrument liebt („Ich bin ein Schlagzeuger, der Klavier spielt“), der das Unscheinbare groß herausstellt, der beharrlich gegen noch so kleine Widerstände anspielt und dabei an Bud Powell und Thelonius Monk erinnert. In der Kommunikation untereinander nimmt er es mit jedem auf – ob Rhythmusgruppe, oder, wie im vorliegenden Fall mit Solisten vom Typ Sonny Stitt. Er findet immer den richtigen Ton, ohne aus Verzweiflung die Geschwindigkeit hochzudrehen, um selbst zum Zuge zu kommen. Fast möchte man von einem dieser Giganten sprechen, die heute ausgestorben sind. Ganz so wild ist es aber vielleicht nicht. Aber selten sind derartige Pianisten in der Gegenwart schon geworden. Und deshalb ist es wunderbar, dass zum Beispiel diese Aufnahme entstaubt und veröffentlicht wurde.
Jörg Konrad

Mal Waldron
„Stardust & Starlight – At The Showcase“
Resonance
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Mittwoch 06.05.2026
Historisches aus Jazz & Blues (3): Freddie King „Feeling Alright – The Complete 1975 Nancy Pulstations Concert“
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Geboren wurde Freddie King am 03. September 1934 in Gilmer, Texas. Seine Mutter und deren Bruder begannen ihm das Gitarrenspiel beizubringen, da war er sechs. Mit fünfzehn zog er samt Familie nach Chicago, wo er als erstes die Blues-Clubs vor Ort inspizierte. Noch als Jugendlicher erlebte er dort Live einen Großteil der Blues-Elite jener Zeit: Muddy Waters, John Lee Hooker, Howlin’ Wolf, Sonny Boy Williamson. Ihre Präsenz stärkte ihn in seinem Wunsch Bluesmusiker zu werden.
Freddie King beherrschte und präsentierte in den folgenden Jahren sowohl den ländlichen Country-Stil, wie er in seiner Heimat Texas gespielt wurde, als auch die scharfkantige und elektrische Chicago-Variante. Und so liegt es auf der Hand, dass sein persönlicher Ausdruck eine Mixtour aus diesen beiden Richtungen wurde.
Welche Wucht und welche Energie seine Live-Auftritte inne hatten, macht der vorliegende, hier erstmals veröffentlichte Mitschnitt eines Konzerts des Gitarristen, Sängers und Komponisten im französischen Nancy nur ein Jahr vor seinem Tod deutlich. Mit ausgesuchter Band präsentierte der damals 40jährige Frederick Christian, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, ein über zwei-Stunden-Programm, angereichert mit eigenen Kompositionen und Klassikern aus Blues und Boogie.
Freddie King, neben B.B. King und Albert King das „King-Dreigestirn des Blues“, besticht auf „Feeling Alright – The Complete 1975 Nancy Pulstations Concert“ mit seiner immensen Stimmkraft und natürlich mit seinem unnachamlichen, bissigen, derben Gitarrenspiel. Er spielt seine scharfen Licks mit Daumen und Zeigefinger, wobei auf beiden Fingern Metall-Banjo-Picks stecken. Mit dieser Technik hat er unzählige Gitarristen nach ihm beeinflusst. An dieser Stelle seien nur Billy Gibbons von ZZ Top, Jeff Beck und Derek Trucks stellvertretend genannt.
Zu Freddies Band gehören Organist Alvin Hempfill, Gitarrist Ed Lively, Pianist Lewis Stephens, Bassist Benny Turner, und Schlagzeuger Calep Emphrey. Sie alle folgen King blind und geben ihm zudem ein tragbares Fundament, die den explosiven Gitarrensolis ihres Leaders locker standhalten.
King zollt mit seinem Repertoire John Lee Hooker („Boogie Chillun“), B.B. King („Sweet Little Angel“) und natürlich Muddy Waters („Got My Mojo Workin’“) Tribut.
Dieser Mitschnitt bringt den heute fast vergessenen, vor fünfzig Jahren verstorbenen leidenschaftlichen Magier des Blues wieder in Erinnerung, den das Rolling Stone Magazin auf Platz fünfzehn der 100 Greatest Guitarists of All Time setzte – noch vor Les Paul und vor Chet Atkins.
Jörg Konrad

Freddie King
„Feeling Alright – The Complete 1975 Nancy Pulstations Concert“
Elemental Music
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Mittwoch 06.05.2026
Simon Moullier „Ceiba“
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Als Newcomer kann man ihn wohl nicht mehr bezeichnen. Denn „Ceiba“ ist Simon Moulliers mittlerweile sechstes Album. Trotzdem ist es erwähnenswert, dass der Franzose einerseits von vielen großen Musikern in den höchsten Tönen gelobt wurde und wird (Quincy Jones, Herbie Hancock, Wayne Shorter, Terri Lyne Carrington, Mark Turner u.v.a.m.), er aber von der großen Jazzgemeinde, bis auf wenige Ausnahmen, noch immer nicht so richtig wahrgenommen wird. Zu unrecht!
Denn auch „Ceiba“ ist, wie schon der Vorgänger „Elements Of Light“, ein wunderbares, vor Konzentration UND Gelassenheit nur so strotzendes Album. Moullier outet sich zum wiederholten Mal als einer der ganz großen Melodiker am Vibraphon, dessen außergewöhnliche Virtuosität auch aus diesem Album einen glänzenden Smaragd werden lässt. Nicht zuletzt auch aufgrund seiner großartigen Band, mit der er schon eine Weile seine musikalischen Kreise zieht. Da wäre der magische Akkordarbeiter Lex Korten am Klavier, der die perfekte Balance zwischen temperamentvoller Hingabe als Solist und feinsinniger Exzentrik als Begleiter beherrscht. Bassist Rick Rosato grundiert geradezu göttlich, egal in rasenden Vierteln, oder aber im groovenden Latinrhythmus. Der feinsinnige wie auch temperamentvolle Schlagzeuger Jongkuk Kim beherrscht die Dynamik des Gruppenspiels und jongliert gekonnt mit unterschiedlichsten Rhythmen. Als Gast hat Moullier den japanischer Percussionisten Keita Ogawa mit ins Studio in New York eingeladen. Zusammengenommen ist dies tatsächlich ein Quintett der Superlative und man fragt sich ernsthaft, weshalb keines der großen Label diese sensationelle Musik in ihren Katalog mit aufnimmt?
Jörg Konrad

Simon Moullier
„Ceiba“
Eigenveröffentlichung
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Dienstag 05.05.2026
Historisches aus Jazz & Blues (2): Joe Henderson „Consonance – Live At The Jazz Showcase“
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Einige Label erweitern ihren Katalog immer wieder um rückblickend bisher unveröffentlichte Aufnahmen bedeutender Solisten und Bandleader des Jazz. Dank der Technik in oft hochwertiger Qualität. Wir werden an dieser Stelle in loser Folge einzelne, dieser oft bemerkenswerten Aufnahmen vorstellen und somit die Zeitlosigkeit von speziell guter Musik unterstreichen.

Das Jazz Showcase, ein Club der 1947 in Chicago von Joe Segal gegründet wurde, gehört bis heute nicht nur zu den ältesten, sondern auch zu den legendärsten Jazz-Auftrittsorten weltweit. Zev Feldman, Jazz-Historiker, Musikproduzent und Betreiber des Plattenlabels Resonance Records, sagt über Joe Segals Club: „Joes Archiv umfasst eine der größten Sammlungen bisher unveröffentlichter Jazzaufnahmen überhaupt, und wir haben großes Glück, dass diese Dokumente entstanden und erhalten wurden“.
So gastierte im Februar des Jahres 1978 für eine Woche der Saxophonist Joe Henderson mit seinem Quartett im Jazz Showcase. Der aus Lima, Ohio stammende Henderson brachte an jedem dieser Abende den Club regelrecht zum Glühen. Wie auf „Consonance – Live At The Jazz Showcase“ nachzuhören, vermittelt Hendersons Tenorspiel eine unglaubliche Kraft und Poesie zugleich, sein Sound klingt nach einem Titan am Instrument. Nichts scheint ihn auf seinen solistischen Wegen vom Ziel abhalten zu können. Mit seiner Intelligenz, Eleganz und Nüchternheit kontrolliert er das Spiel, auch in den Momenten, in denen die Leidenschaft mit ihm scheinbar durchzugehen scheint. Seine Chorusse sind dramaturgisch geschickt aufgebaut, so dass Eddie Daniels ihn einmal als „Inbegriff des Jazz-Tenors“ nannte. Er rast spontan von Höhepunkt zu Höhepunkt – was allein schon eine unvorstellbare Physis erfordert. Henderson lotet den gesamten Jazz-Kosmos aus, findet Bezüge zum Free Jazz und deckt Verwandtschaft zu den großen Modernisten der Klassik, wie Bela Bartok und Igor Strawinsky auf.
Hinter ihm am Klavier saß Joanne Brackeen, die mit ihren kraftvollen, geschichteten Akkorden, wie einst Hendersons Partner McCoy Tyner, ihm den Rücken frei hält und ihm harmonische Möglichkeiten lässt. Steve Rodby als Bassist ist unentwegt am einfallsreichen Grundieren, setzt rhythmische Akzente oder begleitet in Hochgeschwindigkeit mit atemberaubenden Vierteln. Drei Jahre später wurde er festes Mitglied der Pat Metheny Band. Schlagzeuger auf dieser Aufnahme ist der ungeduldiger, hyperaktive Danny Spencer. Ein Einheizer, der die Musik trommelnd zum Brodeln, zum Kochen bringt und sie letztendlich zusammenhält.
Alle Drei, Brackeen, Rodby und Spencer agieren in ihrer Verschiedenartigkeit jedoch wie eine Einheit, die vom Risiko, von der Herausforderung lebt und die Musik mit einem farbigen, turbulenten Charakter ausstattet.
1937 geboren wuchs Joe Henderson mit vierzehn Geschwistern in sehr einfachen Verhältnissen auf. Durch seinen Bruder James, der eine ausgesuchte Plattensammlung besaß, beschäftigte er sich intensiv mit Lester Young, Coleman Hawkins und Charlie Parker, die, neben Stan Getz, Sonny Rollins und Dexter Gordon zeitlebens seine Favoriten blieben.
Henderson studierte am Kentucky State College und der Wayne University in Detroit und lernte nach seinem Militärdienst 25jährig Kenny Dorham kennen. Dieser nahm ihn mit ins Blue Note Studio, wo Henderson schon nach kurzer Zeit von Alfred Lion einen Vertrag erhielt. Lion, ein Berliner Jude der 1936 nach New York emigrierte und hier gemeinsam mit dem deutschen Fotografen Francis Wolff das legendäre Jazz-Label Blue Note gründete, erkannte die individuelle Klasse des Saxophonisten, und Henderson konnte zwischen 1963 bis 1967 fünf eigene und zwei Dutzend Alben als Sideman einspielen, die fast durchgehend zu Jazz-Klassikern wurden.
Jörg Konrad

Joe Henderson
„Consonance – Live At The Jazz Showcase“
Resonance
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Dienstag 05.05.2026
Antonio Faraò & Stéphane Belmondo Quartet „Do It!“
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Zwar hat der Hardbop seine Wurzeln in den 1950er Jahren. Doch dieser Nachfolger des Bebop hat sich bis in die Gegenwart eine Zeitlosigkeit bewahrt. Trompeter Stéphane Belmondo und Pianist Antonio Farao sind kreative Traditionalisten, was bedeutet, dass sie aus der Geschichte des Jazz gelernt haben und zugleich als zeitgenössische Musiker eingeschätzt werden dürfen, ja eingeschätzt werden müssen. Dabei schwingt vielleicht der Begriff des Konservativen etwas mehrdeutig im Raum. Aber nicht alles Vergangene (oder sagen wir Bewährte) muss schlecht, oder realitätsfern angestaubt sein. Erst recht nicht im Bereich der Künste.
Musikalisch deutlich wird dies an dem neuen Album des Italieners Faraò und des Franzosen Belmondo. „Do It!“ ist eine Sammlung von neun Kompositionen, die überwiegend von den beiden Solisten im Hardbop-Stil geschrieben wurden. Eine Nummer („One Finger Snap“) stammt aus der Feder von Herbie Hancock, eine zweite („Otti“) vom Bassisten Thomas Bramerie.
Kühne und stolze Melodien wechseln mit melancholischer Balladenstimmung, druckvolle Gruppenpassagen mit kurzlinigen und dadurch abwechslungsreichen Improvisationen.
Diese Musik hebt nicht die Welt aus den Angeln. Aber darum geht es auch nicht. Die spürbare Empathie der Mitglieder untereinander und die ästhetische Spielweise aller vermitteln einfach Freude. Immer klingt das Quartett erfrischend modern, überraschend in der Gestaltung und herausfordernd in den solistischen Beiträgen. Die Rhythmusgruppe, mit Thomas Bramerie am Bass und Benjamin Henocq am Schlagzeug, swingt was das Zeug hält, wechselt blind die Taktarten und hält letztendlich wie eine Heftklammer die gesamte Musik zusammen.
Jörg Konrad

Antonio Faraò & Stéphane Belmondo Quartet
„Do It!“
Notesaround
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Montag 04.05.2026
Historisches aus Jazz & Blues (1): Yusef Lateef „Alight Upon The Lake – Live At The Jazz Showcase“
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Einige Label erweitern ihren Katalog immer wieder um bisher unveröffentlichte Aufnahmen bedeutender Solisten und Bandleader des Jazz. Dank der heutigen Technik oft in hochwertiger Qualität. Wir werden an dieser Stelle in loser Folge einzelne, dieser oft bemerkenswerten Aufnahmen vorstellen und somit die Zeitlosigkeit von guter Musik unterstreichen.

William Emanuel Huddleston war einer der Musiker, die Weltmusik spielten, als es diese de facto noch gar nicht gab. Geboren 1920 in Chattanooga, Tennessee, aufgewachsen in Detroit, Michigan, beschäftigte sich der Multiinstrumentalist, Komponist und Mentor ein Leben lang mit akademischen Studien zur Musik und Musikerziehung, präsentierte zwar erst mit 35 Jahren sein musikalisches Debüt unter eigenem Namen, dem jedoch hunderte weitere Aufnahmen folgen sollten. Unter anderem an der Seite von Charles Mingus, Miles Davis, Dizzy Gillespie, Cannonball Adderley, Donald Byrd und vielen anderen. Zwischendurch erlangte er mit einer Dissertation über westliche und islamische Erziehung den Doctor of Philosophy, lehrte am Manhattan Community College und einige Jahre in Nigeria, sowie als Professor an der University of Massachusetts und am Amherst College. Er konvertierte als einer der ersten schwarzen Jazzmusiker zum Islam, auch um auf Distanz zur US-amerikanischen Politik zu gehen. Als Yusef Abdul Lateef wurde er Teil der muslimischen Ahmadiyya-Bewegung, die sich für ein friedliches Miteinander aller Menschen untereinander einsetzt und die als Wurzel der Bürgerrechtsbewegung gilt.
Praktisch erforschte Yusef Lateef afrikanische, arabische und fernöstliche Musikkulturen und galt schon früh in Jazzkreisen als „der Prophet“. Seine Beiträge an Tenorsaxophon, Fagott, Oboe, Querflöte, der nordischen Shenai, der türkischen Taragot und der arabischen Arghul fanden zudem Eingang in die klassische europäische Konzertmusik und dem aus Neuer Musik und Elementen des Modern Jazz bestehenden Third Stream. Immer war Lateef auf der Suche nach dem exotischen, ein forschender Unruhegeist, der ständig Querverbindungen schuf – jedoch auch handfesten Hardbop beherrschte.
Mit „Alight Upon The Lake“ hat Resonance Records jetzt einen bisher unveröffentlichten Schatz gehoben, eine Live-Aufnahme von Yusef Lateef & Band aus dem legendärem Jazz Showcase-Club in Chicago aus dem Jahr 1975. An Lateefs Seite der Pianist Kenny Barron, der Bassist Bob Cunningham und der Schlagzeuger Albert „Toothie“ Heath.
Obwohl über ein halbes Jahrhundert alt klingt diese Aufnahme absolut zeitgemäß und modern. Lateef war ein hochvirtuoser Solist, der am Tenor mit vollem Risiko die kompliziertesten Chorusse blies. Er hatte zudem einen kräftigen, direkten Sound, ein überzeugendes Bluesfeeling und vor allem Swing im Blut. Seine dreiköpfige Rhythmusgruppe forderte ihn in Chicago zusätzlich heraus. Er abstrahiert kantig, fast ekstatisch am Tenorsaxophon ("The Untitled“), gibt ein ausführliches Beispiel seines Flötenspiels, das zu den beeindruckendsten im Jazz gehört – zumindest was Wärme und Dynamik betreffen („Eboness“). Meisterpianist Kenny Barron jagt in „Inside Atlantis“ beinahe halsbrecherisch über die Partitur. Und dass Lateef auch mit lyrischen Balladen zu überzeugen versteht, macht er mit dem Stück „I Remember Webster“ akustisch deutlich. Eine Reminiszenz an den zwei Jahre zuvor verstorbenen Ben Webster, einem der großen Tenor-Favoriten Lateefs.
Zwar fehlen auf diesem 3-CD-Set (bzw. 3-LP-Box), die großen exotischen Klangexpeditionen Lateefs. Die stammen dann eher aus dem 1960er Jahren, wobei „Alight Upon The Lake“ seine ganze Spieltechnik und Leidenschaft zum Ausdruck bringt.
Mit seiner Kunst zu musizieren und ebenso mit seiner humanistischen Art und zwischenmenschlichen Einstellung, hat er etliche Musiker nach ihm tief beeindruck und mit Sicherheit auch geformt. So sagte Bennie Maupin einmal über Yusef Lateef: „Das Wichtigste, was ich von ihm gelernt habe, war, ehrlich zu sein, seine Meinung kreativ auszudrücken und ein tugendhaftes Leben zu führen. Er war ein wundervoller Mensch. Brillant. Ständig lernend, ständig suchend, stets gütig… Die Musik, die er uns hinterlassen hat, spricht für sich und für ihn. Ich gebe mein Bestes, vieles von dem, was er mir geschenkt hat, widerzuspiegeln.“ Gestorben ist Yusef Lateef 93jährig 2013 in Shutesbury, Massachusetts.
Jörg Konrad

Yusef Lateef?
„Alight Upon The Lake – Live At The Jazz Showcase“?
Resonance?
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Autor: Siehe Artikel
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