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13. Clément Janinit / Arve Henriksen / Ambre Vuillermoz / Robert Lucaciu „Ga...
14. Duo Gazzana „Prokofiev / Pärt / Schnittke“
15. Naissam Jalal „Landscapes Of Eternity“
16. Elina Duni & Rob Luft „Reaching For The Moon“
17. Irmin Schmidt „Requiem“
18. Paulo Almeida „Love In Motion“
Montag 04.05.2026
Clément Janinit / Arve Henriksen / Ambre Vuillermoz / Robert Lucaciu „Garden Of Silences“
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Clément Janinit bringt auf seinem Album, unter dem schönen Titel „Gardens Of Silence“ scheinbar Gegensätzliches zusammen, schafft aus Dingen, die selten in einem gemeinsamen Kontext stehen, eine sich gegenseitiog bedingende (verständliche) musikalische Sprache.
Da wären vier Instrumentalisten, die aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen stammen. Clément Janinet und Ambre Vuillermou kommen aus Frankreich, Arve Henriksen ist Norweger und Robert Lucaciu hat rumänische Vorfahren, ist selbst aber in Deutschland geboren.
Ein Quartett in dieser instrumentalen Zusammenstellung ist zudem eine Seltenheit: Violine und Nyckelharpa, Trompete, Akkordeon, Bass. Zudem setzt sich die Musik aus Barock- und Volksmusik zusammen, hat Minimal-Anteile und ist zum Teil frei improvisiert. Ein regelrechter Berg an Kontrasten und Unwägbarkeiten, den die vier jedoch tapfer erklimmen und letztendlich erfolgreich und effizient auf dessen Gipfel ankommen.
Auf dieser herausfordernden Wanderung ist das kleine Ensemble in ständiger (auch leiser) Bewegung. Es reflektiert die Musik unter anderem von Dietrich Buxtehude und John Dowland, komprimiert die Musikgeschichte als Ganzes, verinnerlicht dabei folkloristische Ansätze. Jeder Einzelne dieses Quartetts ist so individuell Suchender und in der Gemeinschaft Findender.
Dieses Klangerlebnis ist nichts für jene, die den „schnellen Kick“ suchen, oder auf den schnelllebigen Wellen des Zeitgeists versuchen zu surfen. Wer jedoch Farbenreichtum, Fabulierfreudigkeit, Poesie und Inspiration sucht, der wird in den Gärten der Stille mit Sicherheit fündig.
Jörg Konrad

Clément Janinit / Arve Henriksen / Ambre Vuillermoz / Robert Lucaciu
„Garden Of Silences“
BMC
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Donnerstag 30.04.2026
Duo Gazzana „Prokofiev / Pärt / Schnittke“
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Natascia und Raffaella Gazzana machen schon seit ihrer Kindheit gemeinsam Musik. So haben die beiden Italienerinnen die im Grunde besten Voraussetzungen als musikalisches Duo zu bestehen. Denn das tiefe Verständnis für den jeweils anderen dürfte ihnen somit von früh an vertraut, ja fast in die Wiege gelegt worden sein. Als Duo Gazzana, Natascia spielt Violine und Raffaella spielt Klavier, sind sie in der Welt der Klassik seit vielen Jahren ein fester Begriff und wurden bei ihren Auftritten weltweit gefeiert und mit etlichen wichtigen Preisen ausgezeichnet.
Früh erhielten sie internationale musikalische Ausbildungen von erfahrenen und anerkannten Solisten. Zugleich können sie jedoch auch außerhalb der Musik eigene Studienabschlüsse vorweisen: Natascia in Bildender Kunst und Raffaella in Italienischer Literatur.
Ihr hier vorliegendes Album „Prokofiev / Pärt / Schnittke“ ist ihre nunmehr schon fünfte Einspielung für ECM. Alle drei Komponisten waren zu ihren Leb- und Schaffenszeiten sehr intensiv mit dem politischen Unterdrückungssystem der Sowjetunion, dem „dogmatischsten aller Ideologien“ (Stefano Cartucci) persönlich konfrontiert. Trotzdem gelang es ihnen, bei aller charakterlichen Unterschiedlichkeit, ein überdauerndes, allgemein gültiges wie zeitloses musikalisches Werk zu schaffen.
Bei Sergei Prokofievs Sonate für Violine und Klavier Nr. 1, die dieses Album eröffnet, zeigt allein die Entstehungsgeschichte, in welch schwierigem (politischem) Umfeld der Komponist bestehen musste. Begonnen 1938 noch vor dem Großen Vaterländischen Krieg und mitten im stalinistischen Terror, beendete Prokofiev die Arbeit erst 1946, als vom Obersten Sowjet eine neue Zensuranordnung und die dementsprechende Auslegung das Leben in allen (auch kulturellen) Bereichen terrorisierte.
Natascia und Raffaella Gazzana interpretieren dieses Werk in einem düsteren Duktus, zum Teil scharfkantig und dissonant - bis auf den dritten Satz, der eine lyrische, ja fast weiche und zarte Grundstimmung und damit Hoffnung vermittelt. Insgesamt ein klares, aber der Zeit seiner Entstehung entsprechend herausforderndes Stück engagierter Musik.
„Fünf Melodien“ für Violine und Klavier op. 35A, 1925 in Paris entstanden, wo Prokofiev in dieser Zeit überwiegend lebte, zeigt die mehr lyrische Seite des Komponisten. Es sind fünf harmonische Miniaturen von berückender Schönheit und Eleganz. Natascia und Raffaella Gazzana zeigen hier ihre Wandelbarkeit, indem sie in einer ausgewogenen Eleganz die ganze Schönheit dieser Stücke zum Ausdruck bringen.
Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“ ist eines der am häufigsten interpretierten Kompositionen des Esten und sicher eine seiner bekanntesten. Ein in seiner Schlichtheit und Reduktion einmaliges Stück, das von dem Duo in seiner kontemplativen Ganzheitlichkeit tranceartig und damit tief berührend umgesetzt wird.
Alfred Schnittkes „Gratulationsrondo“ beginnt hingegen beschwingter, hat dem Titel entsprechend anfangs noch einen festlichen Grundgestus. Doch im Laufe des Stückes schleichen sich immer stärker dissonante Verstrebungen und eine widerborstige Renitenz ein, die die anfänglich getragene Stimmung zugunsten einer sarkastischen Nachdenklichkeit ablöst. Auch hier zeigt sich das italienische Geschwisterpaar erfrischend sicher und in bester souveräner Eloquenz aufeinander abgestimmt.
Jörg Konrad

Duo Gazzana
„Prokofiev / Pärt / Schnittke“
ECM
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Mittwoch 29.04.2026
Naissam Jalal „Landscapes Of Eternity“
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Sie spielt als Flötistin die momentan wohl berührendsten und spannendsten Musik-Alben ein. Der Ansatz der in Paris als Tochter syrischer Einwanderer geborenen Maissam Jalal ist der Spiritualität des Jazz geschuldet, der temperamentvollen Folklore Vorder- und Südasiens, sowie ihren verinnerlichten wie ausdrucksstarken Improvisationen. Naissam Jalal, die zudem als Sängerin auftritt und komponiert, hat schon früh Hip Hop und John Coltrane für sich entdeckt und äußerte nach einer klassischen Grundausbildung nur den einen Wunsch – die eigenen kulturellen Wurzeln zu entdecken. So zog sie für ihre musikalischen Studien nach Damaskus, von dort weiter nach Ägypten, nahm lokale Einflüsse mit allen ihr zur Verfügung stehenden Sinnen auf.
Als sie dann wieder nach Paris kam, experimentierte sie mit den Eindrücken von unterwegs. Sie suchte sich unterschiedlichste Musiker, spielte mit ihnen Rhythm & Blues, Tango, Afrobeat und natürlich arabische Musik. All diese Einflüsse sind heute ein ganz normaler Teil ihres persönlichen Musik-Kosmos, wobei die Kultur des mittleren Osten einen vordergründigen Platz einnimmt.
Für „Landscapes Of Eternity“ durchstreifte Naissam über Monate mit dem Zug zuletzt Nordindien, traf in dieser riesigen Region etliche anerkannte und dort berühmte Musiker, um sich mit ihnen spirituell und instrumental auszutauschen. All diese neuen und mittlerweile existenziellen Eindrücke sind in „Landscapes Of Eternity“ eingeflossen. Ein Album, das eine unglaubliche Komplexheit ausstrahlt und dabei in seiner ganzen tiefen Musikalität eine ästhetisch überwältigende Schönheit ausdrückt. Zugleich zeigt Naissam auch Haltung, engagiert sich für ein freies, selbstbestimmtes Leben im Kleinen wie im Großen - weltweit. Ihre international besetzte Band ist ein gelebtes Beispiel für diese Philosophie. Und ihre Musik macht deutlich, wie reich die Kulturen dieser Welt gemeinschaftlich klingen. Sie könnten Berge versetzen!
Jörg Konrad

Naissam Jalal
„Landscapes Of Eternity“
Les Couleurs Du Son
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Dienstag 28.04.2026
Elina Duni & Rob Luft „Reaching For The Moon“
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Elina Duni wird mittlerweile schon als Weltbürgerin wahrgenommen, so wie auf der anderen Seite der Jazz schon immer als Weltmusik durchgeht. Beides wird auf dem neuen Album der in Albanien geborenen und seit ihrem zehnten Lebensjahr in der Schweiz lebenden Sängerin deutlich. Denn das Repertoire auf „Reaching For The Moon“, der ersten durchgehenden Duo-Aufnahme von Elina Duni und dem Schweizer Gitarristen Rob Luft, umschließt und äußert ein unglaublich weites Feld an Einflüssen und Herkünften. Es gibt Jazzstandards von Irving Berlin („Reaching For The Moon“) und Ornette Coleman („Lonely Woman”), Filmmusik des Japaners Shigeru Umebayashi („Yumeji’s Theme“) und des Polen Krzysztof Komeda („Sleep Safe and Warm“), ein Kunstlied des französischen Komponisten Gabriel Fauré („Les Berceaux“), ein Song des italienischen Sängers Pino Daniele („Cammina Cammina“), kosovarische Folklore und einige Eigenkompositionen des Duos, entstanden als Gemeinschaftsarbeit. Und Elina Duni singt auf englisch, italienisch, französisch, albanisch und farsi.
Doch neben der Herkunft dieses weitschweifigen Klangmaterials und der sehr stimmigen und originalen Interpretation der einzelnen Songs, besticht die Atmosphäre, die „Reaching For The Moon“ vermittelt. Hier sind eine Musikerin und ein Musiker, die sich seit Jahren kennen, häufig miteinander gespielt haben und auf eine besondere, von Seelenverwandtschaft gekennzeichnete Beziehung verweisen. Beide finden einen gemeinsamen Zugang zu jedem einzelnen dieser Songs. Sie gestalten diese in beinahe intimer Melancholie, mit introvertierter Leidenschaft, die trotzdem etwas weltläufiges vermittelt. Hier greifen Inspiration und Empathie, Haltung als auch Emotion ineinander. Aus einem Chanson wird Jazz, aus Jazz wird Folk, die Folklore geht in Kammermusik über und diese besticht wiederum durch komplexe Improvisationen. So schließt sich ein Kreis, der von verschiedenen Positionen seinen Ausgang nimmt und letztendlich in seiner Ganzheitlichkeit still begeistert. Die Grenzen sind dabei so fließend, dass sie regelrecht verschwimmen und sich auflösen. Was zählt, ist einzig die Individualität des zusammengerückten Duos. Die leise aber überzeugende stimmliche Ausdruckskraft Elina Dunis und die schwebenden, fragilen Gitarrenbegleitungen Rob Lufts finden auf „Reaching For The Moon“ zu einer tief berührenden Einheit. Und über allem steht vereinend und schützend seit Jahrhunderten der Mond, als ein Symbol der gefühlten Innenwelten, der Fantasie, des Unterbewusstsein und der Veränderung.
Jörg Konrad

Elina Duni & Rob Lust
„Reaching For The Moon“
ECM
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Montag 27.04.2026
Irmin Schmidt „Requiem“
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Die Erwartungshaltung bei allen Veröffentlichungen der Band Can und erst recht bei deren Mitgliedern war über Jahrzehnte hinweg enorm. Jeder einzelne aus dem Sextett war für sich ein Enfant terrible, für den die Kunst über allem stand. Deshalb konnte man nie verlässlich sagen, in welche Richtung eine Entwicklung ging, in welchem stilistischen Umfeld sich einer der Musiker oder gar die Band, als sie noch bestand, für längere Zeit aufhalten würde. Darauf war Verlass seit 1968. Schließlich gehörten sie zu jenen, die die unvereinbar scheinenden Begriffe von Beat-Musik, intellektueller Avantgarde und Psychedelic-Rock zusammenbrachte.
Von den Gründungsmitgliedern ist einzig noch Irmin Schmidt unter den Lebenden. Mittlerweile 88jährig hat er in seinem südfranzösischen Domizil das Album „Requiem“ „erdacht“ und aufgenommen. Eine aus der Balance geratene Mixtour aus Field Recordings (aufgenommen in Schmidts Garten), präpariertem Klavier und Electronics. Und um die Verwirrung komplett zu machen, nennt er dieses Werk passend (oder auch nicht) eine Totenmesse. Vielleicht ist es ja das, was der 1937 in Berlin geborene und bei Karlheinz Stockhausen studierte als ein letztes Statement zurücklassen will. Er, der ein ganzes Musikerleben an den ausgefransten Rändern des Klanguniversums zugebracht, der hunderte Film- und Fernsehkompositionen geschrieben hat, der mit Auszeichnungen hochdekoriert wurde. Keine Musik im klassischen Sinn. Sondern eine tiefe wie respektvolle Verbeugung vor menschengemachten Tontrauben und akustischen Naturphänomenen. Insofern ist „Requiem“ ein vor allem emotionales Vermächtnis von wirkmächtiger Intensität.
Viktor Brauer

Irmin Schmidt
„Requiem“
Mute Records
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Montag 27.04.2026
Paulo Almeida „Love In Motion“
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Gelernt hat Paulo Almeida das Schlagzeugspiel erstmals, in dem er als achtjähriger auf den Töpfen und Pfannen seiner Mutter in der heimischen Küche trommelte. Er wollte seinen Vater beeindrucken, der eine Big Band leitete und natürlich hat ihn in dieser besonders das Schlagzeug fasziniert.
Heute ist der 1987 in Brasilien geborene und mittlerweile im schweizerischen Basel lebende Almeida nicht nur ein gefragter Schlagzeuger. Er ist zudem Pianist, Sänger und Komponist. Seine großen Vorbilder sind Hermeto Pascoal, Nana Vasconcelos und auch Egberto Gismonti. Sie alle sind führende Vertreter der afrobrasilianischen Musik, die zum Teil in Europa bekannter sind, als in Brasilien selbst.
Paulo Almeida versteht das Schlagzeug mehr als ein Instrument der Klangfarbe und der dynamischen Musikgestaltung, als es als rein rhythmischen Motor zu betrachten. Entsprechend entstehen Almeidas Kompositionen auch überwiegend am Klavier und mit Hilfe seiner Stimme, ehe er sich ans Schlagzeug setzt. So ist auch sein neues Album „Love In Motion“ entstanden, ein temperamentvolles, mitreißendes Statement, dessen Energiefelder sich gleichmäßig auf die Bandmitglieder verteilen. Es ist ein Hybrid aus afrobrasilianischen Verweisen, aus zeitgenössischem Jazz mit Bezügen zum Postbop und auch kammermusikalischen Andeutungen. Die Balance in diesen insgesamt neun Kompositionen ist stimmig. Mit sprühender Präzision musizieren Josh Schofield (Saxophon), Lorenzo Votolo (Keyboards), Joan Codina (Bass) und Paula Almeida gemeinsam, haben im Vibraphonisten Jorge Rossy und der Sängerin Lisette Spinnler in zwei Nummern noch tatkräftige Unterstützung von außen. Dieses pulsierende Manifest lebt auch von seiner spirituellen Offenheit. Unangestrengt hält die Rhythmusgruppe das musikalische Konstrukt zusammen, so dass die melodischen Vielfalt und die kraftvollen Improvisationen sich begeisternd entfalten können.
Das sanfteste Stück dürfte zugleich auch das bekannteste auf „Love In Motion“ sein. „Nenhum Talvez“ hat Hermeto Pascoal geschrieben und es 1971 mit Miles Davis auf dessen Album „Live Evil“ als Gast mit eingespielt. Ein akustisch stilles Stück, das auch in dieser Interpretation seine ganz besondere Magie entfaltet.
Jörg Konrad

Paulo Almeida
„Love In Motion“
Dox Records
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Autor: Siehe Artikel
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