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7. Reverso „Between Two Silences“
8. Mark Turner „Patternmaster“
9. Harriet Tubman & Georgia Anne Muldrow „Electrical Field Of Love“
10. Vor 55 Jahren: Joe Zawinul „Zawinul“
11. Biondini / Godard / Niggli „Fables Of Time“
12. Whitney Johnson / Lia Kohl / Macie Stewart „Body Sound“
Dienstag 31.03.2026
Reverso „Between Two Silences“
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Erik Satie ist so etwas wie der Popstar der klassischen Musikszene. Sein Einfluss auf zeitgenössischen Jazz, Rock, Minimal und Ambient ist so groß, wie der keines anderen seiner Komponistenkollegen. Eine Inspirationsquelle der Moderne, und das, obwohl er schon seit über einhundert Jahren Tod ist. Gelebt hat Satie größtenteils wie ein Boheme. Er arbeitete als Pianist unter anderem im Pariser Nachtkabarett Le Chat Noir, wo er, wie manch böse Zungen behaupten, „schlecht gespielt, aber hervorragend getrunken“ habe. Aber diese Anstellung verschaffte ihm auch die Möglichkeit zu experimentieren und seine gewonnenen Erfahrungen mit der leichten Muse später in seine Kompositionsarbeit einfließen zu lassen. Satie als innovativer Querdenker, dessen Spuren deutlich bis in die Gegenwart weisen.
Jüngstes Beispiel hierfür ist das transatlantische Trio Riverso. Ryan Keberle (Posaune), Frank Woeste (Klavier) und Vincent Courtois (Cello) widmen sich auf ihrem Album „Between Two Silences“ dem französischen Komponisten. Aber nicht, in dem sie seine Stücke neu bzw. anders interpretieren. Die drei haben eigene Kompositionen geschrieben und sich dabei spirituell von Satie leiten lassen. „Between Two Silences“ klingt mit seinen komplexen Motiven und den eher verspielten Improvisationen nach einer Art Kammerjazz. Obwohl viel ausgeschrieben ist, tasten sich die drei Solisten vorsichtig an die Kompositionen heran. Das klingt zum Glück nie perfekt, sondern lebt immer von einem dynamischen Charakter. Die Musik ist nicht nur in ständiger Bewegung, sie verändert auch Farbe und Form, ver- und bezaubert, verführt und beeindruckt mit ihrer Eleganz und Ästhetik. Ein kleines, ein stilles Meisterwerk – mit Sicherheit ganz im Sinn von Erik Satie.
Jörg Konrad

Reverso
„Between Two Silences“
Alternate Site Records
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Freitag 27.03.2026
Mark Turner „Patternmaster“
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„In der Schule war ich sicher nicht der beste Saxophonist, ich war maximal Durchschnitt“, sagte vor einigen Jahren Mark Turner in einem Interview. Ein zurückhaltender Solist und Leader ist dieser 1965 in Fairborn/Ohio geborene Tenorsaxophonspieler. Auf jeden Fall gehört er nicht in jene Riege von Tonkünstlern, die am Instrument durch besonders grobe Kraftmeierei und vehementes Temperament auffallen. Turner besticht durch Eleganz und Erfindungsreichtum, durch dramaturgisch geschickt aufgebaute Kompositionen und eine dynamische Tonfärbung. Auch auf seinem neuen Album „Patternmuster“ bleibt er diesen Merkmalen auf überzeugende Weise treu.
Er ist für diese Aufnahme bei seinen wunderbaren Mitmusikern geblieben, mit denen er schon 2019 das Album „Return From The Stars“ eingespielt hat, das jedoch erst 2022 veröffentlicht wurde.
Turner setzt enormes Vertrauen in Jason Palmer (Trompete), Joe Martin (Bass) und Jonathan Pinson (Schlagzeug), die zum einen seine Vorgaben kontrolliert umsetzen und zugleich den vorhandenen Raum mit eigenen, kreativen Freiheiten ausfüllen. Dabei bewegt sich dieses Quartett musikalisch in einem Bereich, der stark aus der Tradition des Jazz schöpft, in dem Bezüge zur Bebop-Ära hörbar sind, aber auch Reminiszenzen an den Cool Jazz und avantgardistische Tendenzen. Und trotz all diesen Verweisen klingt „Patternmaster“ nach unaufgeregter, in sich geschlossener, manchmal frei improvisierter Kammermusik. Natürlich nicht lieblich entspannt, stattdessen luftig verspielt, mit jeder Menge komplexer und einprägsamer Themen und verschlungener Ornamentik. Zeitweise klingt die Musik hochkonzentriert, um dann wieder wie befreit Zeit und Raum zu erkunden.
Der Titel „Patternmaster“ ist zudem Turners Bezug zu einem Scienec-Fiction-Roman der amerikanischen Autorin Octavia E. Butler und gleichzeitig eine Hommage an Wayne Shorter, der übrigens ebenfalls ein begeisterter Science-Fiction-Fan war. Auch hier wird deutlich, dass Mark Turner mit den individuellen Mitteln einesr erfrischenden Rückschau die Gegenwart gestaltet und zugleich auf verschiedenen Ebenen in die Zukunft blickt.
Jörg Konrad

Mark Turner
„Patternmaster“
ECM
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Freitag 27.03.2026
Harriet Tubman & Georgia Anne Muldrow „Electrical Field Of Love“
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Ihre Musik ist ein Ereignis. Harriet Tubman, benannt nach der großen Fluchthelferin, die Mitte des 19. Jahrhunderts über den Geheimbund der „Underground Railroad“ unzählige Sklaven gerettet hat, klingen beschwörend, inspirierend, entschieden, beinahe heroisch. Auch „Electrical Field Of Love“ ist randvoll mit kraftvollen Überraschungen. Ein Konzentrat der Great Black Music, aus Jazz, Funk, Noise, Dub, Doom Metal und Psychedelic. Ein Album wie eine wilde, vor Intensität berstende Party, die sowohl experimentellen Charakter besitzt, wie sie auch eine vor Leidenschaft vibrierende Atmosphäre verbreitet – mit scharfen Kanten und provozierenden Licks.
Das alles gespielt von einem Trio, in dem jeder einzelne eine bemerkenswerte Musik-Biographie vorweist: Gitarrist Brandon Ross, der mit Archie Shepp und Butch Morris, mit Cassandra Wilson und Bill Frisell spielte; Bassist Melvin Gibbs, unter anderen bei John Zorn, Ronald Shannon Jackson, Arto Lindsay und James Blood Ulmer unter Vertrag. Und Schlagzeuger JT Lewis, der Tina Turner und Sting, David Murray und Henry Threadgill trommelnd begleitete. Seit 25 Jahren mischen die drei mit ihrem Power-Sound kontinuierlich die Szene auf, wird ihre kollektive Kreativität von den Fachmagazinen in den höchsten Tönen gelobt.
Erstmals gehört jetzt Georgia Anne Muldrows zu Harriet Tubman. Die Grammy nominierte Sängerin hat vor Jahren das Trio eher durch Zufall in einem Konzert gehört. „Ich habe alles in dieser Musik wiedererkannt“, beschreibt sie rückblickend dieses Erlebnis, „und danach war ich nicht mehr dieselbe.“ Sie arbeitete mit Robert Glasper und Erykah Badu und hat selbst über 20 eigene Alben veröffentlicht.
Die Aufnahmen zu „Electrical Field Of Love“ entstanden im Oktober 2023 in Brooklyn. „Harriet Tubman hat immer organisch komponiert“, betont Brandon Ross die Arbeitsweise der Band. „Wir alle kennen die Struktur der Form, also können wir uns frei im Raum bewegen und aus dem Nichts Struktur erschaffen.“ Diese Mixtur querbeet durch die Great Black Music ist nichts für schwache Nerven. Hingegen ein musikalisches Statement für Selbstachtung und Souveränität.
Jörg Konrad

Harriet Tubman & Georgia Anne Muldrow
„Electrical Field Of Love“
Pi Records
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Donnerstag 26.03.2026
Vor 55 Jahren: Joe Zawinul „Zawinul“
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Er war, ist und bleibt wohl einer der wichtigsten Exportschlager in Sachen Jazz, die Österreich hervorgebracht hat: Josef Erich „Joe“ Zawinul, geboren 1932 im Wiener Arbeiterbezirk Erdberg. Sein Vater arbeitete als Schlosser im städtischen Gaswerk, war Sozialdemokrat, der zwei Jahre später seine Arbeit verlor. Seine Mutter, eine ungarische Sintiza „ … konnte singen wie eine Lerche ….“. „Wir selbst hatten damals nie genug zu essen“, erinnert sich Zawinul an diese schwierige, entbehrungsreiche Zeit.
Kaum jemand hätte sich vorstellen können, dass Josef Erich einmal in die USA auswandern sollte und sich dort eine Karriere an der Seite der bedeutendsten Jazzmusiker aufbauen würde. Aber er ging tatsächlich am 12. Januar 1959 mit 800 Dollar in der Tasche, seiner Basstrompete und einem löchrigen Hut unterm Arm, in New York von Bord der „Liberte“ - um Jazzstar zu werden. Er studierte mit einem Stipendium an der Berklee School Of Music in Boston und anschließend ging es auch sofort los. Er spielte für Dinah Washington, mit dem Tenorsaxophonisten Ben Webster, mit dem Trompeter Maynard Ferguson, er gehörte fest zur Band von Julian „Cannonball“ Adderley (für den Joe den Jazz-Hit „Mercy, Mercy, Mercy” schrieb) und zur legendären Miles Davis-Clique, mit der er die epochalen Alben „In A Silent Way“ (übrigens eine Komposition von Joe Zawinul) und „Bitches Brew“ aufnahm. Anschließend gründete er „Weather Report“, später das „Zawinul Syndicate“ und leitete zudem weitere Formationen unter eigenem Namen.
Joe erhielt 16 Grammy-Nominierungen, gewann 28 mal den Down-Beat-Readers'-Poll in den USA, es erschien eine Sondermarke der österreichischen Post mit seinem Porträt, ein Park in Wien wurde nach ihm benannt und der Bundeskanzler Alfred Gusenbauer verlieh ihm das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Und seit 2020 gibt es in Österreich jährlich einen nach ihm benannten Preis, den Joe Zawinul Prize.
1971 befand sich der Pianist und Keyboard-Spezialist in einer Umbruchphase. Er hatte gerade mit Miles Davis aufgenommen, der ihn gerne auch länger in seiner Band gehalten hätte. Aber Joe wollte endlich durchgehend seine eigene Musik spielen. Die sollte polyrhythmisch sein, mit elektronischen und akustischen Instrumenten umgesetzt werden und einen klaren Bezug zum zeitgenössischen Jazz aufzeigen. So entstand zwischen dem 6. August und dem 28. Oktober 1970 in den Atlantic Studios von New York City das Album „Zawinul“. Miles Davis wollte sich an diesen Aufnahmen beteiligen. Doch Joe meinte: „Ich wollte sehen, wohin ich aus eigener Kraft und mit meinem Namen kommen würde …. Entweder kann diese Platte allein, ohne Miles Davis' Hilfe, bestehen – oder es ist noch nicht das, womit ich Aufmerksamkeit zu erregen vermag.“ So verzichtete er auf den Prince Of Darkness, spielte stattdessen mit Woody Shaw, Herbie Hancock, Wayne Shorter, Miroslav Vitous, Billy Hart Jack DeJohnette und etlichen anderen. Doch Miles Davis ließ es sich nicht nehmen, Zawinul für dieses Album noch einige Gedanken mit auf den Weg zu geben, die auf dem Cover nachzulesen sind: „Zawinul weitet die Gedanken aus, die wir beide über Jahre gehabt haben. Es sind dies Gedanken, welche die meisten so genannten Musiker von heute nicht einmal fähig sind, auszudrücken.
Der ganz große Wurf wurde „Zawinul“ nicht, zumindest was die verkauften Stückzahlen betraf. Aber ein Anfang war gemacht, auf den sich aufbauen ließ und der von dem, was folgen sollte, rückblickend schon einiges beinhaltete. Denn in den fünf (Zawinul-)Kompositionen befindet sich der gesamte Klangkosmos, der die Musik des Österreichers bis dahin beinhaltete und stellte zugleich die Weichen für seine zukünftigen Arbeiten.
Das längste Stück der LP, „Doctor Honoris Causa“, war Herbie Hancock gewidmet, der Teil der Aufnahmesitzung war und schon damals als ein angesagter Star der Szene galt.
Joe nahm in dieser Besetzung auch das schon bei Miles Davis eingespielte, damals aber vom Trompeter stark veränderte Stück „In A Silent Way“ wiederholt auf. Jetzt drückte Zawinul seiner Komposition tatsächlich den eigenen Stempel auf. Eine wunderbar sphärische Ballade mit kosmischen Grundcharakter und galaktischen Klangfluten, in der Earl Turbintor eine lyrische Sopran-Sax-Improvisation beisteuerte, die in ihrer Brüchigkeit dem Stück eine andere Richtung gibt, als noch unter der Regie von MD.
„Double Image“ war das eigentliche Bindeglied, zwischen dem elektronisch verfremdeten und rhythmisch forcierten Gebräu, mit den schleppenden wie eleganten Bläsersätzen wie sie bei Miles Davis (mit Joe Zawinul) gespielt wurden und den zukünftigen fiebrigen Improvisationen bei Weather Report.
Als es um die Covergestaltung ging, habe ich erst einmal den Picasso angerufen“, erinnert sich Joe Zawinul in seiner Interview-Biographie „Ein Leben aus Jazz“. „Dann schickte mir Ansel Adams, einer der größten amerikanischen Schwarz-Weiß-Fotografen, viel Material.“ Letztendlich stammt das Cover-Foto von dem Fotografen Ed Freeman, der damals mit vielen Pop- und Jazzgrößen unterwegs war.
Der Musikkritiker Richard S. Ginell schrieb 2010 über „Zawinul“: „Konzeptionell und klanglich ist dies im Grunde das erste Weather Report-Album, nur eben nicht unter diesem Namen, was bestätigt, dass Joe Zawinul von Anfang an die treibende kreative Kraft hinter der Gruppe war.
Jörg Konrad

Joe Zawinul
„Zawinul“
Atlantic / Speakers Corner (Vinyl)
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Mittwoch 25.03.2026
Biondini / Godard / Niggli „Fables Of Time“
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Diese Aufnahmen klingen, und das ist absolut respektvoll und wertschätzend gemeint, nach Alltagsmusik. „Fables Of Time“ entfacht einen melancholischen Hauch, der durch Gassen und Ruinen streift, der durch verlassene Parks und über bevölkerte Plätze weht. Ein Atem voll unvergleichlichem Leben, gespielt auf Instrumenten, wie man sie in dieser Zusammenstellung nur selten findet. Gemeinsam stehen sie für einen Sound, der Vergangenes und Gegenwärtiges miteinander verbindet, der Schmerz, Freude, Spontanität mal kräftig evozierend, mal federleicht zum Ausdruck bringt.
Luciano Biondini (Akkordeon), Michel Godard (Tuba, Serpent, E-Bass) und Lucas Niggli (Drums, Percussion) haben schon einige Aufnahmen miteinander eingespielt und waren gemeinschaftlich schon etliche Male erfolgreich auf Tour. Dabei begeisterten sie ausnahmslos mit einer zeitlosen Klang-Melange, die das Mittelalter, Neue Musik und zeitgenössische Improvisation funkelnd miteinander verbindet. Das Trio ist in der einmaligen Lage, schwungvolle Volkstänze neben kompositorische Vorgaben von Claudio Monteverdi zu platzieren, melancholische Pop-Hymnen von Radiohaed mit den Tonfolgen von Carla Bley oder Steve Swallow zu verknüpfen. Zudem sind ihre eigenen kompositorischen Möglichkeiten beachtlich und ihre Improvisationskunst vor jedem Zweifel erhaben. Rauschende Hymnik steht neben instrumentaler Virtuosität, schlacksige Melodienlinien wechseln hin zu lyrischen Intermezzi. Alles in allem atemberaubend – schön.
Jörg Konrad

Biondini / Godard / Niggli
„Fables Of Time“
Intakt
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Freitag 20.03.2026
Whitney Johnson / Lia Kohl / Macie Stewart „Body Sound“
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Wer das Besondere in der Musik sucht, der sollte auf „Body Sound“ fündig werden. Drei Instrumentalistinnen, deren Anliegen es ist, Begrifflichkeiten zu erweitern, Klang und Notation unter neuen Gesichtspunkten zu definieren und umzusetzen. Whitney Johnson (Viola, Voice), Lia Kohl (Cello, Voice) und Macie Stewart (Violin, Voice) experimentieren auf ihren kammermusikalischen Reisen, jonglieren Emotionen und Geisteshaltungen, suchen nach neuen Klangmöglichkeiten und finden diese sowohl im Analogen als auch im Digitalen, im Ethnologischen wie im Soziologischen, in der Aktion und gleichzeitig der Spontanreaktion. Macie Stewart, klassisch ausgebildet und heute fest in der Jazz- und Rockszene von Chicago verankert, sagt zu „Body Sound“: „Unser Ziel als Band ist es, den Raum und all seine Facetten zu erforschen – sei es der physische, der emotionale, der klangliche Raum usw. Der Raum ist ein Instrument.
Whitney Johnson, aus Clearfield, Pennsylvania stammend und neben akustischem Instrumentarium mit Sinuswellen, Stimmgabeln und Elektronik arbeitend, beschreibt das gemeinsame Anliegen folgendermaßen: „Es geht um mehr als die akustischen Eigenschaften der Aufnahmeräume. Unsere Körper, Emotionen und Beziehungen prägen diese Räume und beeinflussen die Musik jedes Mal aufs Neue. Wir sind vibrierende Wesen, sensibel und ausdrucksstark, eine Amöbe aus physischen und psychischen Einflüssen mit spezifischen Resonanzen in Raum und Zeit.
Und Lia Kohl, aufgewachsen in San Francisco, arbeitet immer wieder mit Hilfe von Field Recordings und ist stark politisch engagiert, meint: „Der Raum, in dem wir uns befinden, fühlt sich in diesem Trio immer mehr wie ein Mitwirkender an als in anderen Kontexten. Ich spüre immer, wie wir alle auf den Ort und seine Resonanzen reagieren.
So liegt es auf der Hand, dass das, was diese drei Künstlerinnen im Miteinander erschaffen, sich klanglich von anderen Einspielungen absetzt. Diese Art der freien Melancholie, dieses Entfalten von Gedanken und Fantasien besticht besonders durch die Feinheit der Ästhetik. Bemerkenswert ist bei aller magischer Abstraktion zugleich die Beweglichkeit der Klang-Texturen. Diese erfrischende Erfindungskraft ist Verführung pur. „Body Sound“ - ein stilles Meisterwerk mit Langzeitwirkung.
Jörg Konrad

Whitney Johnson / Lia Kohl / Macie Stewart
„Body Sound“
International Anthem
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Autor: Siehe Artikel
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