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Montag 02.03.2026
Landsberg: The True Harry Nulz – Unkonventionell und verwegen
Landsberg. Was wäre die Bassklarinette im Jazz ohne Eric Dolphy? Vielleicht ja ähnlich bedeutungslos, wie „The True Harry Nulz“ ohne Brecher & Fischer? Denn der Österreicher Siegmar Brecher und der Schweizer Nils Fischer sind das akustische (und vielleicht auch visuelle) Zentrum des alpinen Sextetts. Beide spielen ebenfalls die Bassklarinette, dieses etwas eigenwillige und doch auch elegant erscheinende Instrument, mit dem erdig warmen, immer leicht nasalen Sound. Am Samstag waren „The True Harry Nulz“ auf Einladung von Edmund Epple im Stadttheater Landsberg und sie haben, das kann man schon sagen, das Publikum enorm herausgefordert.
Womit? Und spätestens hier beginnt das komplexe Ineinandergreifen unterschiedlichster Elemente. Denn welche Art von Musik spielen „The True Harry Nulz“? Ist es Punk-Jazz, Jazz-Metall, Post-Rock, Free-Funk, Kammer-Grunge? Diese Band hat von jedem dieser Stile etwas – aber vor allem sicht- und hörbare Freude am gemeinsamen Musizieren. Da mag der Parcours noch so eng als auch kompliziert gesteckt sein. Der Abend lebte von seinem unkonventionellen musikalischen Charakter, von verwegenen Ideen und einer explosiven Stimmung.
Entstanden sind „The True Harry Nulz“ aus der Fusionierung zweier Bands, den „Great Harry Hillman“ aus der Schweiz und „Edi Nulz“ aus Österreich (letztere waren nicht zum ersten Mal am Lech, gastierten vor knapp drei Jahren mit der hinreißenden Adele Neuheuser).
Warum sie so heißen? Keiner in der jeweiligen Band trägt diesen Namen. Harry Hillman ist hingegen ein amerikanischer Hürdenläufer, der 1904 bei den Olympischen Spielen in St. Louis drei Goldmedaillen gewann. Und Edi Nulz entstammt, zumindest namentlich, einem imaginären Rittergeschlecht, angeblich ganz in der Nähe des Dorfes Krachberg gelegen. Wo auch immer dieses sein mag.
Und wie bekommt man nun zwei(!) Bassklarinetten, Punk, Funk und Free, einen amerikanischen Hürdenläufer und ein (ausgestorbenes) Rittergeschlecht inhaltlich unter einen Hut? Soviel zur Komplexität des Abends.
„The True Harry Nulz“ spielen, als wäre die Welt aus den Fugen geraten – was sie im Grunde ja auch nicht erst seit dem frühen Morgen am Samstag ist. „Kunst als Kompensation und Fluchtproviant“, beschrieb der legendäre Peter Rüedi einmal ein ähnliches Musikereignis. Die beiden Schlagzeuger Valentin Schuster und Dominik Mahnig reagieren oft pfeilgeschwind, im Takt, oder auch außerhalb, begleiten gestenreich mit rhythmischen Accessoires. Zwischenzeitlich dann auch gewaltiger Theaterdonner.
Samuel Huwyler ist als Bassist der oft zitierte Fels in der Brandung. Kaum etwas bringt den Hüter der Zeit aus dem Tritt. Fast stoisch zieht er seiner Kreise. David Koch zeigt sich als Gitarrist verspielt, wandelbar, aber auch strukturiert, mal folkloristisch angehaucht, mal brachial verbissen. Auf keinen Fall präsentiert er verkitschte Sentimentalitäten.
Die Bassklarinetten umwerben sich gegenseitig, drehen sich tänzerisch umeinander, ergänzen sich, tauschen sich aus, verdichten Phantasievoll und spielen gegeneinander an. Alles in allem Musik aus der Unterabteilung des Jazz. Ein Abenteuer der Tonkunst.
Jörg Konrad
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Donnerstag 19.02.2026
Fürstenfeldbruck: PhilChor-Musical des Philharmonischen Chores Fürstenfeld - Im Olymp und auf der Erde
Im Olymp und auf der Erde
Höchst abwechslungsreiches PhilChor-Musical des Philharmonischen Chores Fürstenfeld im Sparkassensaal
Fürstenfeldbruck. Hier könnte man aus gutem Grund sagen „Alle Jahre wieder“, denn die Tradition der Faschingskonzerte des Philharmonischen Chores Fürstenfeld reicht bis ins Jahr 1978 zurück. Inzwischen nennt sich die Veranstaltung „PhilChor-Musical“, was nicht nur eine Erneuerung des Begriffs, sondern auch eine größere stilistische Öffnung bedeutet. Geblieben ist seit Anbeginn der Veranstaltungsort, der Sparkassensaal am Brucker Hauptplatz, der in seiner einladenden Form Akteure und Publikum einander automatisch näherbringt. Dass es überhaupt gelingt, jedes Jahr eine neue Ausgabe auf die Bühne zu zaubern, ist verwunderlich genug. Fast noch erstaunlicher ist, dass der Reiz für das Publikum so groß ist, dass es jedes Jahr in großer Zahl in das PhilChor-Musical strömt und damit regelmäßig für einen ausverkauften Saal sorgt.
Die gute Laune ist hier vorprogrammiert, das diesjährige Motto „Olymp“ stellte die göttlichen Sphären mit zahlreichen Gottheiten der griechischen Mythologie der Erde mit ihren Nöten und Schwierigkeiten gegenüber. Nicht immer konnte der Olymp helfen, am Ende aber kommt es – wie nicht anders zu erwarten – zu einem Happy End. Götter sind halt letztlich auch nur Menschen, zumindest hier. Die immer wieder durchscheinenden Bezüge zum Hier und Jetzt verliegen eine wohltuende Aktualität. Die Story war als Rahmenhandlung ausgezeichnet tragfähig, so dass sich die Protagonisten, unter denen auch einige Neulinge befanden, künstlerisch wunderbar entfalten konnten. Alle Sänger sind Laien, ihre Begeisterung und der Mut, sich solistisch vor das Publikum zu stellen, ist höchst bewundernswert. Was herauskommt, ist voller Witz und Komik, aber an keiner Stelle peinlich. Das ist hier eine ganz besondere Qualität.
Die stilistische Breite der musikalischen Darbietungen reichte von klassischen Werken und der Oper über Schlager und Evergreens bis hin zu Popmusik ganz unterschiedlicher Genres. Dass eine Band mit drei Mitgliedern (Jürgen Richter, Yoko Seidel und Tobias Plutka) und einigen Instrumenten (Klavier und Synthesizer, Gitarre und Bass, Schlagzeug) überhaupt in der Lage ist, Arrangements zu spielen, die jeweils stilistisch treffend sind, grenzt eher an ein Wunder. Dadurch aber haben die Sänger auf der Bühne ein tragendes Fundament, das auch den Spannungsbogen aufrecht erhält.
Am Anfang, wie könnte es anders sein, zog das Ensemble zur Musik des Schlagers „Griechischer Wein“ in den Saal ein und rahmte die Zuhörer quasi dadurch ein, dass sich die Sänger auch in den Gängen verteilten. Ein untrinkbarer Wein ist eine der Problematiken auf der Bühne. Das hat aber seinen Widerhall auf musikalischer Ebene, wenn ein falscher Akkord die makellose Harmonie stört. Eine Zentralfigur in der Geschichte ist der Götterbote Hermes (Jens Hunecke), der zwischen beiden Sphären quasi pendelt. Aber auch das hat einen doppelten Boden, denn als Kostüm trägt er die Dienstkleidung des Hermes Paketversands, der im Laufe des Abends im Kontext von Internet und Amazon auch in dieser Hinsicht eine Rolle spielt. Choreographisch geglückt war auch ein selbstbewusstes Männerballett, frei nach dem Motto „wir sind nicht gut, wir sind perfekt“.
Musikalisch begeisternd waren die Ensembles jeweils am Beginn und am Ende der Teile, die auf die stetige stimmliche Arbeit im Chor hinwiesen. Die zweite Hälfte der Vorstellung war inhaltlich der Lösung der „Probleme“ aus dem ersten Teil gewidmet. In der Taverne wurde der farbige Amazon-Instantwein verkostet, die längst tot geglaubten Schlümpfe feierten ihre Auferstehung. Amor brachte schließlich ohne Rücksicht auf Verluste die Liebenden in einer Herzblatt-Nummer zueinander. Was schräg war, wurde auf der Bühne zumindest halbwegs gerade.
Begeisterten Beifall gab es am Ende für alle Beteiligten auf und hinter der Bühne. Ohne die einfallsreichen Texte von Jens Hunecke, die perfekte Produktion von Rafael Hösel und die einfallsreiche Regie von Peter Haase wäre das PhilChor-Musical jedenfalls nicht denkbar gewesen. Mit diesem Gefühl merkten sich viele Zuschauer die Veranstaltung sicher gleich für das nächste Jahr vor.
Klaus Mohr
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Dienstag 17.02.2026
München: Valentinstag mit Jinjer in der Tonhalle
München. JINJER sind laut, nur noch zu viert, dafür stronger than ever und mit neuem Album im Gepäck. Zum Valentinstag gab es in der Münchner Tonhalle zu dem mit Spannung erwarteten Auftritt der ukrainischen Band gleich ein Metalcore Festival. Als Opener präsentierte die seit 25 Jahren bestehende Band TEXTURES aus Holland ihre aktuelle Prog Metal Produktion „Genotype“. Der Sound: ziemlich heavy, so called Polyrhythmic Metal Madness. Im Anschluss gaben sich die deutschen Jungs von UNPROCESSED die Ehre. Der Sound: zwischen Metalcore und Pop Metal, solide, abwechslungreich und gehaltvoll. Danach mit einem Paukenschlag JINJER: der Sound gleich zu Beginn volles Brett und kompromisslos mit dem gleichnamigen Titelstück vom Longplayer „Duél“. Nix für Weicheier! Neben Tracks vom aktuellen Album wie „Green Serpent“, „Kafka“ oder „Fast Draw“, gab es auch Basics wie „Judgement“ und als letztes Stück vor der Zugabe das großartige „Pisces“ - der Track mit dem JINJER Sängerin Tatjana Shmayluk immer wieder punktet und eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass sie eine unvergleichliche Metal-Soul und gleichzeitig beeindrucke Growlstimme hat die ihresgleichen sucht. Das Publikum in der ausverkauften Tonhalle war außer Rand und Band. Ein Moshpit vor der Bühne und pure Energie der Bands, die auf die Zuhörer überging. Ach ja Valentinstag: Bei dem Song „Pisces“ traf es ein Paar vor mir mit voller Wucht, Emotion pur! Wer weiß, vielleicht gab es für die beiden Metalheads zum Feiertag Konzertkarten als Geschenk anstatt Blumen oder Pralinen - hat funktioniert! JINJER legte einen einzigartigen, kraftvoll inspirierten Auftritt hin. Hoffen wir, dass es nicht wieder sechs Jahre dauert, bis sie sich in München blicken lassen.
TEXT & FOTOS: Thomas J. Krebs
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Donnerstag 12.02.2026
Cees Nooteboom (geb. 31. Juli 1933 in Den Haag, gest. 11. Februar 2026 auf Menorca
Cees Noteboom
„Reisen zu Hieronymus Bosch – Eine düstere Vorahnung“
Schirmer/Mosel
Dies ist ein Buch der Reflexion. Es erinnert an einen der visionärsten und rätselhaftesten Maler der Menschheit – an Hieronymus Bosch, der vor 500 Jahren starb. Es erinnert aber auch an den großen Schriftsteller Cees Nooteboom, der einst „als Verfasser tiefgründiger Reiseliteratur“ (FAZ) bekannt wurde und später mit seinen Romanen die Rolle des intellektuell kommentierenden Gewissens nicht nur in den Niederlanden einnahm. Im Text selbst erinnert sich wiederum der Holländer Nooteboom an den Holländer Bosch und er nennt dieses Besinnen „Eine düstere Vorahnung“.
Nooteboom reist 60 Jahre nach seiner ersten Begegnung mit den Werken Boschs im Auftrag des Prado nach Lissabon, Gent, Rotterdam, Madrid und s´-Hertogenbosch, um in den jeweiligen Museen seine Erinnerungen aufzufrischen, sie abzustimmen, sie einer Art Vergleich zu unterziehen. Der Autor wäre zu Unrecht ein kritischer Geist, wenn er sich nicht zu Beginn seines Unternehmens mit der Erinnerung im allgemeinen und, wie im vorliegenden Fall, im speziellen auseinandergesetzt hätte. Deshalb bezieht er sich auf den französischen Philosophen, Schriftsteller und Literaturkritiker Roland Barthes, der, zusammengefasst, einmal sagte, dass sich eine Erinnerung nie getreu wiedergeben lasse. Zuviel an persönlichen Veränderungen und Entwicklungen, an gesellschaftlichen Extravaganzen, an Moden und anderen Zeitgeistphänomenen sorgen für eine stete Modifizierung des Erinnerns.
Trotzdem kommt Nooteboom aber bei der Betrachtung der heute noch zugänglichen Arbeiten des Malers, es sind nur etwa 45 seiner Werke erhalten, zu einem ähnlichen Schluss, wie vor Jahrzehnten. Es ist ein faszinierendes Schaudern, das Noteboom beim Betrachten ergreift, das in der Feststellung gipfelt: „Boschs Werk gibt mir mehr Rätsel mit, als ich nachts in meinen Träumen bewältigen kann“. Dabei rückt die anfängliche Frage, was ein Schriftsteller aus dem 21. Jahrhundert mit einem Maler aus der Zeit um 1500 gemein habe, in den Hintergrund.
Dieses Buch ist ein Bosch-Reiseführer, der viele Rätsel des Malers detailliert benennt (und abbildet!), sie aber nicht löst. Ja, nicht lösen will. Denn das eigentlich Aufregende im Leben sind doch im Grunde die ungelüfteten Geheimnisse.
Jörg Konrad
(KultKomplott April 2016)
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Donnerstag 12.02.2026
Christoph Stiefel (geb. 29. Juli 1961 Zürich, gest. 21. Januar 2026 Zürich)
Christoph Stiefel Inner Language Trio in Germering
Die Art von Jazz, die Christoph Stiefel mit seinem Inner Language Trio schon seit Jahren spielt, ist für ihn ein künstlerisches Bekenntnis zwischen „Präzision und Entfesselung“. Seine Musik sei, sagt er, auf diese Weise sowohl abstrakt als auch sinnlich. Und einen Großteil dieser Sinnlichkeit wiederum vermittelt seine Formation über eine rhythmisch komplexe Spielweise, die wie ein Geysir pulsiert und wie ein Organismus atmet. Doch erst die Ganzheitlichkeit dessen, was Pianist Stiefel, Bassist Arne Huber und Schlagzeuger Kevin Chesham miteinander treiben, zeigt die wahre künstlerische Größe und Faszination.
Am letzten Freitag eröffnete das Schweizer Trio im Amadeussaal der Germeringer Stadthalle die 9. Saison der Reihe Jazz It. Zwei Stunden energiegeladener Jazz in einer Besetzung, von der immer wieder behauptet wird, ihr Potenzial sei ausgereizt. Von wegen. Zwei Stunden packendes, mitreißendes Kommunizieren, spannendes Improvisieren, lustvolles Musizieren. Grundlage dieser flüssigen Expeditionen zwischen allen stilistischen Grenzen sind Stiefels Kompositionen. Sie klingen wie erfrischende, von vielschichtigen Rhythmen unterlegte positive Befindlichkeiten. Ein wenig Bop, ein wenig Minimal, ein wenig Rock. In der theoretischen Zusammensetzung sicher nicht ganz einfach zu erfassen, wenn der Pianist dann auch noch erklärt, dass Tonmuster aus der Renaissance auch noch Einzug halten. Aber in der Praxis klingt diese Musik frisch und unverbraucht, modern und auch sympathisch. Sie lebt auf der Bühne von einer großartigen Virtuosität und einer ständig sich erneuernden und sich in Bewegung befindlichen Dynamik. Stiefel selbst fast einen Großteil dieser kompositorischen Herangehensweise unter dem Begriff Isorhythm zusammen. Es geht dabei um die Wiederholung verschiedener rhythmischer Sequenzen, die parallele rhythmische Ebenen entstehen lassen, auf denen musiziert wird.
Ein nicht leicht umzusetzender Prozess, bei dem von den Instrumentalisten ein Höchstmaß an Konzentration und spieltechnischer Fähigkeit verlangt wird. Mit dem aus Biel stammenden Kevin Chesham hatte Stiefel einen hochgradig agilen, mit schier unerschöpflicher Energie trommelnden Schlagzeuger an der Seite. Chesham wurde nicht müde, die vertrackten Muster und ungeraden Metren zu bearbeiten, aufzulösen und sie letztendlich in einer flüssigen Struktur zu präsentieren. Unerschrocken, ja äußerlich fast unbeeindruckt von dieser schweißtreibenden Fleißarbeit grundierte Arne Huber am Bass den gesamten Set. Ein Fels in der Brandung überbordener Rhythmusschnipsel, dessen klare wie sparsame Bassthesen der Musik etwas Raum und Luft gaben. Und zwischen allen rhythmischen, harmonischen, melodischen Strukturen ließ Christoph Stiefel einen Kosmos an pianistischen Fertigkeiten aufblitzen. Manchmal roh abstrakt, manchmal wunderschön harmonisch. Diese Musik bedeutete auch für den Hörer ein Höchstmaß an assoziativer Freiheit. Sich entweder mit innerer Freude auf die Musik zu konzentrieren, oder sich gedanklich ganz individuell in ferne Welten zu begeben. Auch dafür gab es Zugaben.
Jörg Konrad
(SZ/FFB Januar 2013)
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Montag 09.02.2026
Neue Bühne Bruck: Stolz und Vorurteil*(*oder so) - Klassik und Karaoke
Fotos: Klaus Schraeder
Neue Bühne Bruck: Stolz und Vorurteil*(*oder so) - Klassik und Karaoke
Das Publikum feiert in der Neuen Bühne Bruck die Neuinszenierung von „Stolz und Vorurteil*(*oder so)
Party-Stimmung an der Neuen Bühne Bruck: Aus dem altehrwürdigen Klassiker „Stolz und Vorurteil“ zaubern fünf Frauen eine schmissige Persiflage auf den Jane-Austen-Roman. Rasante Szenenwechsel im Sekundentakt, beliebte Songs aus den Charts der vergangenen Jahre und turbulente Liebesdramoletten sorgen für begeisterte Stimmung bei der Premiere. Nach gut zweieinhalb Stunden verstummt die Karaoke-Box, die Liebe siegt, und der Neuen Bühne Bruch glückt ein Publikumserfolg.
Ein gutes Mittel gegen möglicherweise grassierende Winterdepressionen bietet seit Freitag die Neue Bühne Bruck. Erzählt wird die Geschichte „Stolz und Vorurteil*(*oder so)“ von Isobel McArthur, eine schmissige Bearbeitung des Romans von Jane-Austen, die in diesem Jahr ihren 250. Geburtstag feiert. Im Mittelpunkt stehen freilich nicht die Schwestern Bennet, die auf einen Freier warten, um ihr Erbe zu sichern, sondern die fünf Dienstmädchen, die den Haushalt der Bennets schmeißen. Fünf Ladies, fünf Zimmermädchen, einige Freier und etliche Freunde des Hauses Bennet – das ergibt 17 Rollen, in die die brillante Frauen-Crew der Neuen Bühne Bruck schlüpft.
Dieser Rollenwechsel geschieht im Sekundentakt – das Tempo ist beeindruckend, macht Spaß, sorgt durch eingestreute Karaoke-Songs für Begeisterung. Das Ensemble singt, spielt, tanzt unter der Regie von Barbara Lackermeier mit großer Hinhabe, Witz und Elan. Für die Musik sorgt Andreas Harwath, dessen Karaoke-Auswahl vielleicht zu üppig ausfällt - weniger (vor allem nach der Pause) wäre mehr gewesen. Zu feiern gibt es bei dieser Neuinszenierung aber vor allem die fünf herumwirbelnden Frauen. Es sind Sabine Ostermeier, Anne Distler, Kerstin Henning, Christina Schmiedel und Silvie Stollenwerk.
Sie alle haben ihre Kabinettstückchen, etwa Sabine Ostermeier als nervige Mutter der Bennet-Schwestern und als herrischer Fitzwilliam Darcy, der – endlich ohne Vorurteile – zur stolzen Elisabeth Bennet (Silvie Stollenwerk) findet. Anne Distler mimt unter anderem den reichen Mister Bingley, Kerstin Henning persifliert den gnomhaften Geistlichen Mister Collins. Ein Höhepunkt an perfekter Albernheit: der Ritt bei Sturm und Regen von Clara alias Christina Schmiedel auf einem zusammengebastelten Gaul – saukomisch.
Die Neue Bühne Bruck reiht sich mit dieser Produktion in einen regelrechten Hipe ein – in ganz Deutschland wird an kleinen Theaterhäusern „Stolz und Vorurteilt“ in der McArthur-Fassung aufgeführt. Dabei hatte die Persiflage auf den Austen-Roman schon im September 2020 am Wiener Burgtheater Premiere. Gut fünf Jahre hat es also gedauert, bis das Stück auch in Bruck zu sehen ist. Das Warten hat sich gelohnt.
Ina Kuegler
PS. Die nächsten Aufführungen sind am 21., 22. und 28. Februar sowie am 1.und 6. März zu sehen. Das Stück steht bis Ende April auf dem Spielplan.
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