Zurück zu den neuesten Artikeln...
37. Tim Allhoff „Silence Is Something You Can Actually Hear“
38. Stephan-Max Wirth „Printemps Fatal“
39. Eivind Aarset & Jan Bang „Last Two Inches Of Sky“
40. Black Patti „plays Favorite Requests“
41. Kai Schumacher „Tranceformer“
42. Miles Davis „In Concert At The Olympia, Paris 1957“
Freitag 20.10.2023
Tim Allhoff „Silence Is Something You Can Actually Hear“
Bilder
Es mag paradox klingen, aber es gibt Instrumentalisten, die sich intensiv mit der Stille beschäftigen, ja, die sogar der Meinung sind, das eigentlich wichtige in der Musik sind deren Pausen. Tim Allhoffs neues Album "Silence Is Something You Can Actually Hear“ stellt die Stille ins Zentrum seiner Arbeit. „Als ich begann für dieses Album zu schreiben,“, sagt der Münchner Pianist „wurde mir schnell klar, dass ich Werke präsentieren wollte, die eher kontemplativ sind und ihre Energie aus der Ruhe schöpfen.
Vier Stücke stammen von Allhoff selbst, die restlichen (Fremd-) Kompositionen bekamen von ihm ein neues Arrangement. Es ist eine illustre Schar an Namen, die sich hier versammeln: Johann Sebastian Bach, Martin Gore von Depeche Mode, Theo Mackeben, Edvard Grieg, George Gershwin und auch ein ukrainisches Volkslied befindet sich im Repertoire.
Allhoffs ruhigen, sehr maßvollen Interpretationen sind keinem Genre verlässlich zuzuordnen. Es steht ein feinfühliger, tiefsinniger Ausdruck im Mittelpunkt der Musik, Klänge, die den lärmenden Alltag eher ausgrenzen, auch einen Weg weisen, sich diesem bewusster auszusetzen, oder ihn entsprechend kritisch anzunehmen. Man folgt den leisen, sparsamen Noten aufmerksam, spürt die innere Ruhe, die sie vermitteln. Auch dann noch, wenn der Pianist die Vienna Morphing Soloists oder das SIGNUM Saxophone Quartet musikalisch einbaut. „Silence Is Something You Can Actually Hear“ ist wie ein leises Ein- und Ausatmen, wie ein atmosphärisches Ruhen im Moment.
Jörg Konrad

Tim Allhoff
„Something You Can Aktally Hear“
Neue Meister
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 17.10.2023
Stephan-Max Wirth „Printemps Fatal“
Bilder
Das Besondere bricht sich auch auf dem neuen Album von Stephan-Max Wirth und seiner Band Experience sofort bahn. Wenn man den Tenor- und Sopransaxophonisten mit seinen Experience erlebt, egal ob Live (er war erst im letzten Frühjahr Gast der Reihe Jazz It! In Germering), oder wie eben auf „Printemps Fatal“, zündet sofort der Funke, lodert eine kreative Flamme, die augenblicklich auf den Hörer überspringt und einfach begeistert. Der aus Tettnang, Baden-Württemberg stammende und heute in Berlin lebende Instrumentalist hat es im Laufe der Jahre verstanden, mit seiner Kunst immer ein wenig im Schatten zu verweilen und von hier aus, etwas abseits der gleißenden Scheinwerfer, erfolgreich seine eigenen musikalischen Ideen zu verfolgen und letztendlich umzusetzen. Und diese klangen schon während seiner Studien in den Niederlanden beeindruckend und haben zwischenzeitlich an Reife und Selbstverständlichkeit noch enorm zugelegt. Er bewegt sich musikalisch heute zwischen einem frühen John Coltrane und groovendem Psycho-Jazz, er beherrscht perfekt die innige Balladenkunst, sucht hin und wieder folkoristische Querverweise und verbeugt sich auch tief vor dem bahnbrechenden Blues.
Sämtliche Kompositionen stammen aus der Feder von Stephan-Max und sind entstanden auf der Grundlage von Hoffnungen und Träumen, die der Bandleader mit seinen Mitmusikern und Freunden teilt. Mit Sicherheit einer der Gründe, dass diese Aufnahmen zwar herausfordern, aber letztendlich so harmonisch klingen. Es sind wunderbare melodische Einfälle, die hier umgesetzt werden, die den Ausgangspunkt sinnlicher aber zugleich auch kraftvoller Improvisationen bilden.
Mit diesen Begleitmusikern sollte Stephan-Max Wirth noch viel Freude haben vor allem seinen Hörern noch unvergessliche Stunden bereiten. Egal, ob weiterhin als DER Geheimtipp schlechthin, oder in die oberste Liga aufsteigend – in die er auf jeden Fall gehört.
Jörg Konrad

Stephan-Max Wirth
„Printemps Fatal“
Bos.Rec.
Download / CD / Vinyl
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Montag 16.10.2023
Eivind Aarset & Jan Bang „Last Two Inches Of Sky“
Bilder
Die schwebenden, grollenden, rauschhaften Motive, die Eivind Aarset und Jan Bang auf „Last Two Inches Of Sky“ entwickeln und in feinsinnige Klanggemälde übertragen, erinnern stark an die akustischen Abenteuer des Weltmusikers Jon Hassell. Die beiden norwegischen Landsleute füllen die traumatische Lücke, die Hassell vor gut zwei Jahren durch seinen Tod hinterließ.
Aarset und Bang entwerfen heute ähnliche Tonmuster, die Jazz, Ambient, Minimal, elektronische Musik und folkloristische Experimente zusammenbringen. In der Umsetzung dieser zivilisatorischen Färbungen machen sie vor nichts und niemandem halt. Weder vor Sounds, noch vor Stilen. Alles ist bei ihnen möglich und doch klingt ihre magische Melange so grundlegend und unbelastet. Manchmal entwickeln sich ihre Songs aus überlagerten Segmenten hin zu popmusikalischen Glanzstücken, dann wieder klingt das Album nach der Begleitmusik zu jemenitischen Wanderdünen oder melancholischen Weltraumabenteuern. Die den Hintergrund ausfüllenden rhythmischen Schleifen und flächigen Soundscapes wirken wie in Zeitraffer eingestreute Bruchstücke elektronischer Symphonien. Ebenso weit entfernt vom Mainstream, wie von der Avantgarde. Diese Musik steht für sich, ebenso bizarr wie alptraumhaft schön.
Jörg Konrad

Eivind Aarset & Jan Bang
„Last Two Inches Of Sky“
Jazzland
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Dienstag 10.10.2023
Black Patti „plays Favorite Requests“
Peter Crow C. und Ferdinand „Jelly Roll“ Kraemer haben als Black Patti wieder zugeschlagen. Ihr neues Album „plays Favorite Requests“, eine limitierte Vinyl-EP mit fünf neuen Songs, ist ein originelles Kleinod großer Musik. Die beiden Münchner sind wie schon in der Vergangenheit tief hinunter in die Blues-Archive getaucht und natürlich wieder fündig geworden. Fünf Pre-War-Songs haben sie ans Tageslicht befördert, die unprätentiös aber wirkungsvoll die Geschichte des Blues heraufbeschwören und damit die Herzen aller Musikliebhaber höher schlagen lassen. Es sind Stücke, wie zum Beispiel das „Got A Letter From My Darling“ der Memphis Jug Band, einer Formation, die sich durch einen sogenannten Jug-Spieler auszeichnete. Dieser übernahm in einer Formation den Basspart, in dem er ein Gefäß oder eine Flasche mit dem Mund anblies, wobei der typisch tiefe Bass-Sound entstand. Die Memphis Jug Band hatte ihre Hochzeit von 1924 bis 1937.
Andere Songs stammen von Skip James (1902-1969), Yank Rachell (1910-1997) und Washington Phillips (1880-1954) mit seinem „Denomination Blues“, einem Gospel Blues, dessen Original Phillips 1927 einspielte und seinen Gesang, wie viele andere Songs, allein auf einer bundlosen Zither begleitete.
Black Patti bestechen auch hier mit ihren sparsamen und geschmackvollen Arrangements, die der Musik seinen authentischen und archaischen Charakter lässt. Das Ineinandergreifen von Gitarren mit Mandoline (Ferdinand „Jelly Roll“ Kraemer) und der Blues-Harp (Peter Crow C.), sowie der einzigartige Satzgesang der beiden, ist mittlerweile zu ihrem Erkennungsmerkmal geworden. Sie sind Meister der feinen Nuancierung und mit ihrer individuellen Musizierstrategie die Verinnerlichung des zeitlosen Bluesgedankens!
„plays Favorite Requests“, mit der zurückhaltenden musikalischen Unterstützung von Roberto Lutti (Slide Guitar) und Ryan Donohue (Bass) eingespielt, ist wie eine souveräne und faszinierende Reise in die Vergangenheit, mit all dem Leid und der Melancholie, der Lust und Ausgelassenheit seiner einstigen Protagonisten. Und das alles hat nichts mit irgendwelchen nostalgisch-verträumten Momenten in der Klangkunst zu tun, sondern zeigt einen ganz wichtigen Bezug zu den Wurzeln unserer heutigen Musik auf. Auch wenn man dies nicht immer und im ersten Moment zu verstehen glaubt. Musik als Therapie – That's it.
Jörg Konrad

Black Patti
„plays Favorite Requests“
Rhythm Bomb Records
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Montag 09.10.2023
Kai Schumacher „Tranceformer“
Bilder
Kai Schumacher besitzt die Gabe, seinen Alben stets den passenden Titel zu geben. Da gab es vor Jahren von ihm Solo-Aufnahmen (Interpretationen von Kompositionen von George Gershwin, John Cage, George Crumb u.a.), die er „Insomnia“ nannte, was man zusammenfassend als schlaflos bezeichnen kann. Und diese Einspielung raubte in ihrer Intensität, auch trotz ruhiger, teilweise zurückhaltender Umsetzung der Vorgaben, tatsächlich einfach den Schlaf.
Auf „Beauty In Simplicity“ beschäftigte sich der Pianist mit Tonsetzers der Minimal Music, wie Steve Reich, Brian Eno oder Erik Satie und setzte dabei allein auf die Schönheit des Einfachen – mit Erfolg.
2019 entstand „Rausch“, erstmals ein Album ausschließlich mit Eigenkompositionen des Baden Badeners, die durch Unnachgiebigkeit und Exzessivität beeindruckten. Eine Klavieraufnahme, hart im Fahrwasser von Metal und Techno.
Nun „Tranceformer“, Schumachers wahrscheinlich reifstes, herausforderndstes und beeindruckendstes Werk bisher. Aufgenommen in Berlin und Essen, hat sich der Pianist zudem Gastmusiker/Freunde ins Studio eingeladen, mit denen er seine musikalischen Ideen umsetzt. Und so ist ein Album voll unterschiedlicher Spannungen entstanden, die aber alle den gleichen Ausgangspunkt haben: Kai Schumacher.
Es gibt diese einmaligen, rudimentären, sich nur ganz langsam entwickelnden, regelrecht mäandernden Kompositionen, die im Grunde Improvisationsritualen ähneln und langsam jede Form der Statik aufweichen („Processional“). Schumacher rast aber auch mit sich ständig wiederholenden Notentrauben über die Tastatur, verändert immer nur leicht die Harmonien, verschiebt die Rhythmen, was zusammengenommen die Atmosphäre des Stückes unablässig verändert und neue Perspektiven auf die Musik erzeugt. („Continuum“). Oder seine Zusammenarbeit mit Linda-Philo Tsoungui, der Schlagzeugerin der mexikanischen Post-Hardcore-Band Mars Volta („Drift“). Eine Tour-De-Force durch Raum und Zeit, in der beide Instrumentalisten immer weiter in einen Schwebezustand übergehen. Und natürlich muss an dieser Stelle die Zusammenarbeit mit Francesco Tristano, dem luxemburgischer Pianisten, Komponisten und Produzenten genannt werden. Sein Duo mit Kai Schumacher („Tranceformer“), klingt wie ein ganzes Klavierorchester, bricht jeden Minimalgedanken auf, zugunsten einer weitgreifenden melodischen Verspieltheit, die Virtuosität und ästhetische Strahlkraft miteinander verbinden.
Jörg Konrad

Kai Schumacher
„Tranceformer“
Neue Meister
CD / Vinyl / Download
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 03.10.2023
Miles Davis „In Concert At The Olympia, Paris 1957“
Bilder
Im Frühjahr 1957 hatte Miles Davis zusammen mit Gil Evans die Arbeiten an dem überragenden Album „Miles Ahead“ abgeschlossen. Mit dieser Aufnahme erreichte der Trompeter den Gipfel seiner instrumentalen Ausdruckskraft. Von da an sollten fast alle seine Einspielungen künstlerisch als auch finanziell von Erfolg gekrönt sein. Populär wie nie zuvor verließ er Ende des Jahres dann zum dritten Mal den nordamerikanischen Kontinent und besuchte für einige Wochen Paris. Hier wurde er, wie schon 1949 und 1956, als gesellschaftliches Ereignis regelrecht gefeiert. In den Radios der Seine-Metropole lief seine Musik, die Zeitungen berichteten ausführlich über ihn und seine Treffen mit Juliette Greco, Jean-Paul Sartre, Picasso, Boris Vian.
Er gab mit einer für ihn zusammengestellten Band ein Konzert im Pariser Olympia Théatre und gastierte dann für einige Wochen im berühmten Club St. Germain. Die Originalbänder des Pariser Konzertes gehörten dem Promoter und Produzenten Marcel Romano. Nach dessen Tod entdeckte sein Neffe die Aufnahmen in Romanos Nachlass und verkaufte diese an das spanische Jazz-Label Fresh Sound Records, das sich auf Wiederveröffentlichungen spezialisiert hat. Es sind insgesamt zwölf Titel, die damals zum gängigen Repertoire Miles Davis gehörten. Die Band bestand aus dem Tenorsaxophonisten Barney Wilen, dem Pianisten René Urtreger, dem Bassisten Pierre Michelot und dem damals in Paris beheimateten amerikanischen Schlagzeuger Kenny Clarke, mit dem der Trompeter schon in den USA häufiger gespielt hatte.
Trotz der knappen Vorbereitungszeit klang das Quintett frisch und erfahren. Miles verhangener melancholischer Ton wechselt mit messerscharfen Attacken. Wilen, dessen Tenorsound immer ein wenig an John Coltrane erinnert, spielt energiegeladen, seine solistischen Parts zeigen Entschlossenheit und dramaturgische Spannung. Die Rhythmusgruppe glänzt vor allem in den mittelschnellen Tempis und mit leidenschaftlicher Angriffslust. Insgesamt begeisterte die Band Publikum und Kritiker. Unter den Gästen war auch der französische Regisseur Louis Malle, der die Band spontan einlud, nur vier Tage später in einer Nachtsession die Musik für den Film „Fahrstuhl zum Schafott“ mit Jeanne Moreau und Lino Ventura einzuspielen.
Jörg Konrad

Miles Davis
„In Concert At The Olympia, Paris 1957“
Fresh Sound
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
© 2024 kultkomplott.de | Impressum
Nutzungsbedingungen & Datenschutzerklärung
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.