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Augsburg: Wolfgang Lackerschmid Quartet

Wolfgang Lackerschmid Quartet 
26 Jahre ist es her, dass Wolfgang Lackerschmid – Vibraphonist, Komponist, deutschlandweit angesehener Jazz-Funktionär, -Lobbyist und -Netzwerker – beim Jazzsommer im Botanischen Garten auftrat. In diesem Jahr feiert Augsburgs wichtigster Jazzexport seinen 70. Geburtstag. Er schrieb mit dem Album „Ballads for Two“ im Duo mit Chet Baker bereits in jungen Jahren Jazzgeschichte und steht bis heute für lebendigen Jazz: virtuos, humorvoll, harmonisch anspruchsvoll – und immer melodisch. Bei der extra zu diesem fröhlichen Anlass zusammengestellten Besetzung kann er stilistisch aus dem Vollen schöpfen. Mit Yotam Silberstein und Karl Latham aus New York sowie Stefan Rademacher aus Köln komplettieren drei aufregende Musiker der internationalen Jazzszene und langjährige Wegbegleiter Lackerschmids das Jubiläumsquartett. Es wird funky, groovy, swingend, deep in den Balladen und mitreißend im Uptempo. 
Wolfgang Lackerschmid – vibes | Yotam Silberstein – guitar | Stefan Rademacher – bass | Karl Latham – drums
Botanischer Garten AugsburgDr.-Ziegenspeck-Weg 10, 86161 Augsburg
Konzert morgen

Tutzing: Vlado Grizelj - Purple Rain

Vlado Grizelj - Purple Rain
In der Musik entsteht das Neue nur durch den Blick auf die Tradition, das damit verbundene Talent reift erst durch die Beherrschung des Handwerks. Der Gitarrist und Komponist Vlado Grizelj ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie die Balance dieser beiden künstlerischen Antriebskräfte zu einem mitreißenden Ergebnis führen kann. Denn eine der Wurzeln seiner Kompositionen ist die Erinnerung an seine Heimatstadt Sarajevo, die er mit 17 Jahren verließ, und an seinen Vater Marko. Stark zum Ausdruck kommt dabei der frühe Einfluss von Rock und Jazz, vor allem seine Liebe zum Funk und Soul der sechziger und siebziger Jahre.

Vlado Grizeljs Virtuosität, Nonchalance und Prägnanz erinnert an viele Gitarristen im breiten Fusion-Spektrum zwischen Larry Corryell, John McLaughlin und Volker Kriegel bis hin zu Pat Metheny oder George Benson, Bestand hat jedoch immer sein eigener Ausdruck und Stil. Es ist vor allem sein Talent für weitreichende, stets einprägsame Melodielinien, das seine Kompositionen prägt. Erzählt werden spannende musikalische Geschichten, die Grizelj aus der Erfahrung von 30 Jahren im Geschäft schöpft. Von seiner weltmusikalisch orientierten Fusion-Band Etna, mit der er vor 20 Jahren an der Spitze des genrebrechendenden jungen deutschen Jazz stand, über sein vor Spielwitz strotzendes Trio mit dem Bassisten Sebastian Gieck und dem Schlagzeuger Sebastian Wolfgruber befindet sich seine Entwicklungslinie zur aktuellen Fusion-Jazz-Besetzung, in der ihm seine sämtlich hervorragenden Begleiter bereitwillig den schöpferischen Raum für Improvisationen und Soli lassen.
Vlado Grizelj – guitar, compostion
Viktor Machnovich – keybord
Ciro Trindade – bass
Christian Lettner – drums
Museumsschiff TutzingKustermannpark, 82327 Tutzing
Museen heute

Museum Brandhorst: LONG STORY SHORT. EINE KUNSTGESCHICHTE AUS DER SAMMLUNG BRANDHORST VON DEN 1960ER-JAHREN BIS ZUR GEGENWART

LONG STORY SHORT. EINE KUNSTGESCHICHTE AUS DER SAMMLUNG BRANDHORST VON DEN 1960ER-JAHREN BIS ZUR GEGENWART

Ausstellung vom 22. Oktober 2025 bis 27. September 2026
Museum Brandhorst, München

Erstmals seit seiner Eröffnung 2009 widmet sich das Museum Brandhorst mit „Long Story Short“ einer chronologischen Präsentation der Sammlung. Die Ausstellung vereint annähernd 80 Werke von über 30 Künstler:innen aus der Sammlung Brandhorst, darunter bedeutende Neuerwerbungen wie Martine Syms’ „DED“ (2021) sowie über 20 bisher noch nie gezeigte Arbeiten, etwa von Jacqueline Humphries, Laura Owens und Giulio Paolini.

Kunstgeschichte(n)
Der Bestand des Museums ist seit seiner Eröffnung von 800 auf über 2000 Werke angewachsen und verwebt zahlreiche Erzählstränge aus der Kunst der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit, die punktuelle wie tiefgreifende Einblicke in die Kunstproduktion der letzten 70 Jahre, vor allem in Europa und im US-amerikanischen Raum, geben. Anstatt einer vermeintlich vollständigen Geschichte dieses Zeitraums reihen sich in „Long Story Short“ ausgewählte Strömungen, ästhetische Fragestellungen und künstlerische Positionen von den 1960er-Jahren bis heute zu einer Perlenkette einzelner Kunstgeschichten.

Kunst als Spiegel der Gesellschaft
Neben formalen Entwicklungen und Zäsuren geht es immer auch darum, wie Kunst auf historische Ereignisse, gesellschaftliche Veränderungen und technologische Innovationen reagiert und sie im künstlerischen Prozess reflektiert. Welche Auswirkungen hatte das Wirtschaftswunder auf den Umgang von Künstler:innen mit Materialien? Was bedeutete die Politisierung der Gesellschaft in den 1960er-Jahren für Künstler:innen? Auf welche Weise hat die Digitalisierung die Produktion von Kunst verändert?

Von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart
Jeder Raum ist dabei eine eigene Ausstellung für sich, erzählt einen spezifischen kunsthistorischen Moment im Kontext seiner Zeit oder widmet sich einer ausgewählten Werkgruppe einzelner Künstler:innen: Beginnend mit der prozesshaften Materialreflexion der Arte Povera (mit Werken von Jannis Kounellis, Marisa Merz, Mario Merz und Giulio Paolini) und der formalen Reduktion des Minimalismus (unter anderem bei Richard Tuttles spielerisch-geometrischen Formen) über die konzeptuelle Fotografie der späten 1970er-Jahre (Victor Burgin) und die intensiven Auseinandersetzungen mit Körper, Geschlecht und Identität im Kontext der 1980er-Jahre (unter anderem bei Georg Herold und Rosemarie Trockel) bis hin zum richtungsweisenden Malereidiskurs der 1990er-Jahre (mit Charline von Heyl, Albert Oehlen, Laura Owens und anderen) entsteht so ein Kaleidoskop kunsthistorischer Erzählungen der jüngeren Vergangenheit. Die Auseinandersetzung mit digitalen Medien und Technologien – etwa bei Kerstin Brätsch, Mark Leckey, Jacqueline Humphries oder Sondra Perry – reflektiert einen Aspekt künstlerischer Produktion der Gegenwart und bildet einen offenen Schlusspunkt.
Die Ausstellung macht die vielfältigen Ausdrucksformen und ästhetischen Strategien der Kunst als Teil eines historischen Gefüges erfahrbar. Sie zeigt, wie Kunst nicht isoliert existiert, sondern in einem ständigen Austausch mit ihrer Zeit, mit politischen, sozialen und technologischen Entwicklungen steht, diese in freier Weise reflektiert und damit ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft ist.
Kunst entdecken
Die Bandbreite der Exponate reicht von monumentalen Arbeiten wie Mark Leckeys zehn Meter hoher aufblasbarer Skulptur „Inflatable Felix“ (2020) – dem ersten Fernsehbild der Geschichte als Pop-Ikone – bis hin zu André Caderes nur 29 Zentimeter langem, handbemaltem Stab „Barre de bois rond“ (1976), der einst in fremde Ausstellungen geschmuggelt wurde.
Dazwischen entfaltet sich ein Panorama künstlerischer Strategien, die ebenso überraschend wie sinnlich erfahrbar sind: Marisa Merz verwandelt in dem Schwarzweißfilm „La conta“ (1967) eine alltägliche Küchenszene in ein feministisches Manifest, Victor Burgin inszeniert in „Zoo 78“ (1978) das geteilte Berlin als „Stadt des Geistes“, und Jacqueline Humphries lässt ihre „Black Light Paintings“ (2005) im Dunkeln erstrahlen – Malerei, die sich selbst zum Leuchtkörper macht und im Museum Clubatmosphäre erzeugt. Mit Martine Syms’ monumentaler Videoinstallation „DED“ (2021) trifft schließlich eine neue Generation auf die Gegenwart: Ihr digitaler Avatar durchwandert eine endlose Landschaft aus Schmerz, Humor und
Wiedergeburt – ein eindrücklicher Kommentar zu Körper, Medien und Selbstbild im 21. Jahrhundert.

Mit Werken von
Kerstin Brätsch, Victor Burgin, André Cadere, DAS INSTITUT (Kerstin Brätsch und Adele Röder), Walter De Maria, Wade Guyton, Georg Herold, Charline von Heyl, Jacqueline Humphries, KAYA (Kerstin Brätsch und Debo Eilers), Jannis Kounellis, Michael Krebber, Louise Lawler, Mark Leckey, Mario Merz, Marisa Merz, Albert Oehlen, Kayode Ojo, Laura Owens, Palermo, Giulio Paolini, Sondra Perry, Sigmar Polke, Seth Price, Amy Sillman, Frank Stella, Martine Syms, Niele Toroni, Rosemarie Trockel, Richard Tuttle, Cy Twombly, Franz West.

MUSEUM BRANDHORST
Bayerische Staatsgemäldesammlungen
Theresienstraße 35a
80333 München

Abbildungen: 
- Niele Toroni 
Empreintes de pinceau n° 50 répétées à intervalles réguliers de 30 cm, 1977 
Udo und Anette Brandhorst 
Sammlung 
© Niele Toroni. VG Bild-Kunst, Bonn [2025]. Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, 
Museum Brandhorst, München 
- Amy Sillman 
Mr. Wrong, 1995 
Udo und Anette Brandhorst 
Sammlung 
© Amy Sillman. Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, 
Museum Brandhorst, München 
Museen heute

Lenbachhaus: Über die Welt hinaus. Der Blaue Reiter

Über die Welt hinaus. Der Blaue Reiter

Ausstellung vom 10. März bis 05. September 2026
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts formierte sich in München ein Kreis von Künstlerinnen und Künstlern mit einer Vision. Sie hatten das gemeinsame Ziel, die Kunst zu erneuern und die Gesellschaft zu verändern.
Besonders wichtig in diesem Unterfangen waren die beiden Ausstellungen der Redaktion Der Blaue Reiter in München 1911–12. Der Titel nahm explizit Bezug auf das Vorhaben des Almanachs: Dieses programmatische Jahrbuch etablierte den Blauen Reiter als Teil eines weltweiten, epochen- und gattungsüberschreitenden Kunstschaffens. Der Blaue Reiter war jedoch mehr als das: Er basierte auf einem Netzwerk des Austauschs, das kulturelle Unterschiede als kreative Ressource verstand. In einem transnationalen Dialog – vom Deutschen Kaiserreich und Frankreich bis ins Russische Reich und in die USA – schufen die Beteiligten neue Bildsprachen für eine sich wandelnde Welt. Viele von ihnen lebten unkonventionelle Lebensentwürfe, stellten Geschlechterrollen in Frage und suchten nach neuen Formen der Darstellung jenseits bürgerlicher Normen.
Die Ausstellung rückt ihre wegweisenden Errungenschaften in den Mittelpunkt – von Franz Marcs symbolischer Farbtheorie über Wassily Kandinskys Abstraktionen bis hin zu Alexander Sacharoffs performativen Grenzüberschreitungen. Besonderes Augenmerk gilt den Künstlerinnen, die – für ihre Zeit ungewöhnlich sichtbar – eine zentrale Rolle in der Bewegung spielten. Neben Gabriele Münters expressiver Malerei treten ausdrucksstarke Selbstporträts von Elisabeth Epstein, die dramatischen Gemälde der Kosmopolitin Marianne von Werefkin und Maria Franck-Marcs hintergründige Stillleben und utopische Kinderwelten.
Bedeutende Neuzugänge zur Sammlung des Lenbachhauses wie die großformatigen abstrakten Kompositionen von Wilhelm Morgner oder sozialkritische Werke von Emmy Klinker und Albert Bloch sind erstmals zu sehen. Mit über 150 Arbeiten eröffnet die Ausstellung neue Perspektiven auf eine der bedeutendsten Bewegungen der europäischen Avantgarde und zeigt, wie aktuell ihre Fragen nach Emanzipation, ästhetischer Praxis und gattungsübergreifenden Innovationen auch heute sind. Der Blauen Reiter verstand Kunst als Botschaft und nicht als bloßes Problem der (schönen) Form. So beschreibt Else Lasker-Schüler 1911 in einem Gedicht die Suche nach einem weiteren Horizont mit den Worten: „Über die Welt hinaus.“
Mit Werken von: Albert Bloch, Erma Bossi, Wladimir Burljuk, Heinrich Campendonk, Robert Delaunay, Elisabeth Iwanowna Epstein, Otto Freundlich, Maria Franck-Marc, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Emmy Klinker, Moissey Kogan, Alfred Kubin, Else
Lasker-Schüler, August Macke, Franz Marc, Wilhelm Morgner, Gabriele Münter, Jean-Bloé Niestlé, Alexander Sacharoff, Marianne von Werefkin und andere.

Die Ausstellung findet im Rahmen der Vorbereitungen unseres Jubiläums „100 Jahre Lenbachhaus 1929 / 2029“ statt.
Eine Kooperation des Lenbachhauses und der Gabriele Münter- und Johannes-Eichner Stiftung. Mit freundlicher Unterstützung von Förderverein Lenbachhaus e. V.
Kuratiert von Melanie Vietmeier und Matthias Mühling
Kuratorische Assistenz: Johannes Michael Stanislaus

Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Luisenstraße 33,
80333 München

Abbildungen: 
- Wassily Kandinsky, Improvisation Sintflut, 1913, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München / Lenbachhaus Munich, Gabriele Münter Stiftung 1957
- Gabriele Münter, Sinnende, 1917, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München / Lenbachhaus Munich, Gabriele Münter Stiftung 1957, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Museen heute

München Kunsthalle: HAAR – MACHT – LUST

HAAR – MACHT – LUST

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung
Ausstellung vom 20. März bis 04. Oktober 2026

Haare sind weit mehr als ein modisches Ausdrucksmittel. Sie erzählen von Schönheit und Begehren, Macht und Ohnmacht, von Anpassung und Rebellion. Dabei wirken sie als universelle Sprache, die seit Jahrtausenden soziale, kulturelle und politische Fragen verhandelt. Mit HAAR – MACHT – LUST präsentiert die Kunsthalle München eine thematisch gestaltete, kulturübergreifende Ausstellung, die die vielschichtigen Bedeutungen von Kopf- und Körperhaar beleuchtet. Zu sehen sind über 200 historische und zeitgenössische Werke aus bedeutenden internationalen Sammlungen wie dem Prado, dem Louvre und dem Rijksmuseum. Die Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Videoarbeiten,
Schmuckstücke, Möbel, Designobjekte und Couture-Kreationen entfalten ein facettenreiches Panorama berührender und überraschender Geschichten rund um das menschliche Haar.

Frisuren spielen seit jeher eine zentrale Rolle in der Kommunikation von sozialem Status und gesellschaftlichen Normen. Schon im Alten Ägypten färbten sich Menschen die Haare und trugen Perücken – und bis heute gilt sorgfältig zurechtgemachtes Haar als Zeichen von Selbstinszenierung
und Zugehörigkeit. Die Gestaltung von Kopf- und Körperhaar prägt dabei auch Vorstellungen von Geschlecht und gesellschaftlicher Rolle – indem sie diese bestätigt, hinterfragt oder, wie etwa im Drag, bewusst überzeichnet. Anhand von Abbildungen außergewöhnlich behaarter Menschen reflektierten Künstlerinnen und Künstler über Jahrhunderte hinweg die Grenze zwischen Natur und Kultur.

Darüber hinaus spürt die Ausstellung der besonderen Faszination nach, die Haare auf Menschen ausüben. Sie stehen für Schönheit und Attraktivität – und tragen zugleich eine innere Ambivalenz in sich. In Darstellungen von Figuren wie Maria Magdalena oder Medusa verkörpern
sie zugleich Anziehung und Abschreckung. Haare können auch als Quelle von Kraft erscheinen – wie in der biblischen Geschichte des Samson, dessen Stärke in der Länge seines Haars begründet liegt. Dass sie ein Leben lang – dem Volksglauben nach sogar über den Tod hinaus – weiterwachsen, macht sie zu einem Sinnbild menschlicher Vitalität. Seit der Renaissance dienten Haare deshalb auch als Liebespfand oder als Erinnerung an Verstorbene.

Gleichzeitig zeigt der Rundgang, dass Haar immer auch ein Mittel des Widerstands war – ob in den rebellischen Frisuren der Hippies und Punks oder im unbedeckten Haar der Frauen bei den jüngsten iranischen Protesten für Freiheit und Menschenrechte. Selbst die Haarstruktur – etwa bei Schwarzem Haar – kann zum politischen Symbol werden: Charakteristische Frisuren wie der Afro-Look werden zum Zeichen von kultureller Identität und Selbstermächtigung. Umgekehrt galt es über Jahrhunderte als Akt der Demütigung und Unterwerfung, jemandem die Haare
abzuschneiden.

In der Ausstellung vertreten sind neben Objekten aus Frühgeschichte und Mittelalter unter anderem Werke von: Sandro Botticelli (1445–1510), Filippo Negroli (ca. 1510–1579), Giorgio Vasari (1511–1574), Bartolomé Esteban Murillo (1617-1682), Jacques-Louis David (1748–1825), Jean-Baptiste Carpeaux (1827–1875), John William Waterhouse (1849–1917), Alfons Mucha (1860–1939), Albert Weisgerber (1878–1915), J. D. ’Okhai Ojeikere (1930–2014), Herlinde Koelbl (* 1939), VALIE EXPORT (* 1940), Pieter Hugo (* 1976), Simone Haack (* 1978) und Laetitia Ky (* 1996).
Begleitend erscheint im Hirmer Verlag eine umfassende und reich bebilderte Publikation, die den thematischen Rundgang vertieft und mit wissenschaftlichen Essays erweitert. Kurztexte zu ausgewählten Werken beleuchten Hintergründe und eröffnen Einblicke in faszinierende Geschichten rund um das Haar.

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung
Theatinerstraße 8
80 333 München

Abbildungen:
- Herlinde Koelbl
Projekt Haare, Punk, 2007
Fotografie, 100 x 80 cm
© Herlinde Koelbl
- Ilse Haider
La Stilla (2), 2002
Farbfotografie, C-Print auf Aluminium, 80 x 65 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Museen heute

Murnau Schlossmuseum: Paul Klee - Der Poet des Blauen Reiter

Paul Klee
Der Poet des Blauen Reiter

Ausstellung vom 26. März bis 26. November 2026
Schlossmuseum Murnau

Am 1. Juli 2023, zum 30-jährigen Bestehen des Museums, übergab die KK-Stiftung Murnau dem Schloßmuseum Murnau seine Blaue Reiter-Sammlung als Dauerleihgabe. Die Werke, die aus dem engen Kontext der legendären Murnauer Malaufenthalte von Gabriele Münter, Wassily Kandinsky, Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky zwischen 1908 und 1910 stammen und wie die Arbeiten von Franz Marc, August Macke, Heinrich Campendonk und Alfred Kubin unmittelbar in Beziehung zu den Ereignissen um die Redaktionssitzungen und die Herausgabe des Almanachs Der Blaue Reiter 1911 stehen, zählen zu den Hauptwerken des deutschen Expressionismus.
Diese Arbeiten werden nun in Dialog gesetzt zu dem Schaffen Paul Klees, der innerhalb der Künstler und Künstlerinnen des Blauen Reiter eine Sonderstellung einnimmt. Das Ehepaar, das seine Blaue Reiter-Sammlung in die KK-Stiftung überführt hat, stellt für diese Sonderschau zusätzlich ausgewählte Arbeiten aus seiner Paul Klee-Sammlung zur Verfügung.
In der Gegenüberstellung mit Gemälden von August Macke, Robert Delaunay, Franz Marc, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter wird Klees enge Verbundenheit mit dem Künstlerkollektiv um den Blauen Reiter deutlich und seine Position zwischen Inspiration und künstlerischer Eigenheit nachvollziehbar.
So unmittelbar und nachhaltig der schöpferische und geistige Einfluss seines Umfelds ihn seinen unverwechselbaren Stil finden ließ, so singulär steht er künstlerisch mit der Vergabe seiner Bildtitel.

Kunstwissenschaftler, Sammler und Händler verweisen Klees fantasievolle Bildtitel immer gerne in Poesie-Nähe: Rhythmie der Fenster und Tannen, Guter Fischplatz, Das Fest der Astern, Ein Genius serviert ein kleines Frühstück und auch die Schicksal-Stunde des Kaisers sind Bildtitel, deren Motive sich erst in der weiteren Auseinandersetzung mit dem Werk klären.
Die Auswahl der Werke beleuchtet nahezu jede Entwicklungsphase im Schaffen von Paul Klee. Ihren Anfang nimmt die Ausstellung mit Klees Aquarell „Hamammet“, das 1914 während der gemeinsamen Tunesienreise mit August Macke und Louis Moilliet entstand, führt über die sogenannten zerschnittenen Werke wie Garten, 1918, und Schicksal-Stunde des Kaisers, 1922, hin zu den späteren Arbeiten wie Städtebild Graben, 1931, und Figur im Garten, 1937.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Schloßmuseum Murnau
Schloßhof 2-5
82418 Murnau

Abbildungen:

- Paul Klee, Waldvogel, 1920, 81, Bleistift und Aquarell auf Gaze auf Papier, KK-Privatsammlung  
Museen heute

Pinakothek der Moderne: CONVIVIUM - NAHRUNGSSYSTEME AM LIMIT

CONVIVIUM
NAHRUNGSSYSTEME AM LIMIT

Ausstellung vom 24. April bis 18. Oktober 2026
Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne

Die sichere und gerechte Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrung hängt von einem System globaler Netzwerke ab: Bäuer*innen, Fischer*innen, Züchter*innen, Händler*innen, Transportunternehmen, Märkte und industrielle Verarbeitungsbetriebe sind darin eng verknüpft. Sie produzieren und vertreiben aber nicht nur das, was für die menschliche Ernährung notwendig ist. Sie werden durch die kapitalistische Wachstumslogik motiviert, immer mehr Produkte zu herzustellen, die durch Überkonsum zu falscher Ernährung und zu einer massiven Verschwendung von Nahrungsmitteln führen. Doch dieses System kommt durch die Klimaerwärmung, politische und ökonomische Faktoren aktuell an seine Grenzen. Viele Meere sind bereits überfischt, fruchtbare Ackerböden werden überbaut oder erodieren und ganze Landstriche verwüsten, weil es nicht genug regnet. Zugleich trägt die Nahrungsproduktion selbst durch den wachsenden CO?-Ausstoß massiv zum Klimawandel bei – ein Teufelskreis, der immer spürbarer wird. Kaum ein Land der Erde kann seine Bevölkerung noch aus eigenen Ressourcen ernähren.
Die Ausstellung präsentiert in zwölf Kapiteln Beispiele dafür, wie unsere Lebensmittel heute produziert und vertrieben werden. Der Fokus liegt dabei vor allem auf Europa, doch die globalen Zusammenhänge werden stets einbezogen. Ziel der Ausstellung ist es, die räumlichen und technischen Grundlagen unserer Nahrungsproduktion sichtbar zu machen – und zu zeigen, welche Herausforderungen und Chancen sich daraus für die Zukunft ergeben.

Kurator*innen: Andjelka Badnjar und Andres Lepik
Co-Kurator*innen für den Ausstellungsteil „Das Tier ist anwesend“: Víctor Muñoz Sanz und Sofia Nannini

Pinakothek der Moderne
Barer Straße 40
80333 München
Abbildungen: 
- Ein Regenwasserteich, der zur Bewässerung der Pflanzen genutzt wird, mit einem Gewächshaus im Hintergrund, in dem Tomaten angebaut werden, Kirchweidach, Bayern.
Standbild aus dem Kurzfilm „How Does Food Enter the City?“, TUM-Masterprojekt „About Food and Spaces. Exhibit Design“ zusammen mit Nicole Humi?ski und Nikolai Huber. Thiade Langenhan, 2025.
Museen heute

München Lenbachhaus: Ein Ferngespräch. Szenen aus der Weimarer Republik

Ein Ferngespräch. Szenen aus der Weimarer Republik

Ausstellung vom 12. Mai bis 27. September 2026
München Lenbachhaus

Die Künstlerin Käte Hoch zeigt ihren Freund Erich Müller-Kamp telefonierend am Schreibtisch. Ein Ferngespräch, so rät Kurt Tucholsky, soll möglichst deutlich und dialektfrei geführt werden, sonst können die Überwachungsbeamten dem Dialog nicht folgen. Sich selbst malt Hoch in den
Farben der Suffragetten und mit Bubikopf. Auch junge Angestellte schneiden sich die Haare kurz. Sie tippen schnell, rauchen Kette und gehen abends ins Kino oder Tanzlokal. Sie lieben Charleston und Shimmy, hören Schmachtfetzen, Swing und Jazz.
Irmgard Keuns „Kunstseidenes Mädchen“ träumt von schmalen Silhouetten und Schuhen mit Eidechsenkappen. Ré Soupault entwickelt ein Transformationskleid, das im Büro direkt für den Abend umgewandelt werden kann. Im Variété werden Geschlechterrollen durchlässig, Monokel senden Signale. Bordelle bilden einen etablierten Rahmen für Sexarbeit. Die Wirtschaft blüht, oft auf Pump, Teile der Bevölkerung verarmen, nicht nur während der Hyperinflation und der Weltwirtschaftskrise. Kriegsversehrte, Arbeiterinnen, Arbeitslose und
Veilchenverkäufer prägen die Straßen und konterkarieren die Goldenen Zwanziger. Oskar Maria Graf verteilt mit einer Arbeitsgruppe antifaschistische Flugblätter, in Schwabing treffen sich Feminist*innen und das Münchner Antikriegs-Komitee und eine Ortsgruppe der revolutionären Künstler*innen-Vereinigung ASSO bastelt an einer Zeitschrift. George Grosz zeigt den Aufstieg der Nationalsozialisten und karikiert den Hitlergruß.
Das neue Theater von Helene Weigel und Bertolt Brecht sehnt sich nach der Wucht des Boxens und versucht sich an Dialogen, die wie Kinnhaken sitzen. 1923 wird die erste staatlich kontrollierte Rundfunksendung in Deutschland ausgestrahlt – Max Radler malt einen Fabrikarbeiter beim Radiohören. 1930 macht Tim Gidal im Deutschen Museum ein Foto von einer der ersten Fernsehübertragungen.
Die Ausstellung konzentriert sich auf konkrete Geschichten und greifbare Details, statt große Thesen zur Weimarer Zeit zu formulieren. Zu den verschütteten Möglichkeiten der Weimarer Republik soll so ein Kontakt hergestellt werden – ein Ferngespräch.
Mit Werken von Käte Hoch, Heinrich Hoerle, Karl Hubbuch, Lotte Jacobi, Grethe Jürgens, Jeanne Mammen, Gabriele Münter, Christian Schad, August Sander, Rudolf Schlichter u.a.
In Kooperation mit dem Münchner Stadtmuseum und mit großzügiger Unterstützung einer Privatsammlung.
Kuratiert von Karin Althaus, Adrian Djuki? und Matthias Mühling.

Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Luisenstraße 33
80333 München

Abbildungen:
- Cami Stone, (Ohne Titel), 1920–30 / (Untitled), Silbergelatinepapier / Gelatin silver print, Berlinische Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, Scan: Anja Elisabeth Witte/Berlinische Galerie
© Künstler*in bzw. Rechtsnachfolge / © Artist or legal successor
- Franz Roh, Frau im Bauhausstuhl mit Katze, 1928–33 / Woman in a Bauhaus Chair with Cat 1928-33, Gelatineentwicklungspapier, Negativdruck / Gelatin developing-out paper, negative print, Münchner Stadtmuseum
Foto / Photo: Münchner Stadtmuseum © Richard Hampe, München
Museen heute

Museum Brandhorst: Carrying

Carrying

Ausstellung vom 14. Mai bis 08. November 2026
Museum Brandhorst

Mit „Carrying“ präsentiert das Museum Brandhorst ein Ausstellungsprojekt, das Räume innerhalb und außerhalb des Hauses aktiviert. Werke der internationalen Künstlerinnen Hêlîn Alas, Cana Bilir-Meier, Louise Lawler, Kate Newby, Tiffany Sia, Jaune Quick-to-See Smith und Leyla Yenirce besetzen historisch aufgeladene Orte und Transitzonen des Museums sowie den öffentlichen Raum. Architektonische Interventionen, Performances, Malereien sowie Sound- und Filmarbeiten treten in Dialog mit dem Museum und befragen die Verschränkung von militärischer und kultureller Macht.

Ausgangspunkt ist das Gelände, auf dem sich heute das Museum Brandhorst, die Pinakothek der Moderne und weitere Institutionen des Kunstareals befinden. Dort stand früher die Prinz-Arnulf-Kaserne, auch „Türkenkaserne“ genannt. Der Name des 1826 errichteten Militärkomplexes geht auf Kriegsgefangene zurück, die Ende des 17. Jahrhunderts aus dem Osmanischen Reich zur Zwangsarbeit nach Bayern gebracht wurden. Diese Geschichten haben sich in Orts- und Straßennamen wie der „Türkenstraße“ und dem „Türkentor“ eingeschrieben.

Welche Geschichten werden erzählt, wer erzählt sie und wie? Die eingeladenen Künstlerinnen nähern sich aus unterschiedlichen Perspektiven der Frage, wie sich Geschichte und Erinnerung mit teils erfundenen Erzählungen verweben und über Bilder, Medien und Monumente weitergetragen werden. Verschiedene Deutungen überlagern historische Realitäten von Gewalt, Ausbeutung und kultureller Aneignung und schreiben sich bis heute als Muster fort – von der sogenannten „Gastarbeiter“-Ära bis zu andauernden Debatten um territoriale Grenzen, Migration und Zugehörigkeit. Insbesondere dort, wo Krieg und Kultur ihre tatsächliche Verwobenheit verschleiern, gewinnen diese Fragen neue Dringlichkeit.

An spezifischen Orten wie Cy Twomblys „Lepanto“-Saal oder dem „Türkentor“ begreift „Carrying“ das Museum als einen Resonanzraum, in dem die Institution ihre eigene Geschichte und Identität untersucht – und lokale Ansätze mit globalen Fragestellungen verbindet.
Einige der Werke sind anlässlich von „Carrying“ entstanden und stehen in unmittelbarem Austausch mit ihrem Ausstellungsort.

Als Teil der Ausstellung findet ein umfangreiches Programm mit Artist Talks, Dialogformaten, Workshops und Filmprogrammen statt.
Kuratiert von: Franziska Linhardt

Museum Brandhorst
Theresienstraße 35a,
80333 München

Abbildungen: 
- Jaune Quick-to-See Smith 
Trade Canoe: Don Quixote in 
America, 2024–2025 
© Courtesy the estate of the 
artist und Garth Greenan 
Gallery, New York . 
Museen heute

Frankfurt Städel Museum: ELMGREEN & DRAGSET - STILLLEBEN MIT GEMÜSE

ELMGREEN & DRAGSET
STILLLEBEN MIT GEMÜSE

Ausstellung vom 20. Mai 2026 bis 17. Januar 2027
Städel Museum Frankfurt am Main

Elmgreen & Dragset (Michael Elmgreen, *1961 und Ingar Dragset, *1969) arbeiten seit Mitte der 1990er-Jahre zusammen und zählen zu den einflussreichsten zeitgenössischen Künstlern. Obwohl sie oft als Bildhauer bezeichnet werden, sind sie in einem weiten Spektrum tätig, das auch
Installation, Performance und Architektur umfasst. Ihre Werke hinterfragen gewohnte räumliche Strukturen und laden sowohl öffentliche als auch institutionelle Orte atmosphärisch auf. Vom 20. Mai 2026 bis 17. Januar 2027 verwandelt das in Berlin lebende und arbeitende Künstlerduo das Städel Museum in ein faszinierendes Spiel aus Realität und Illusion. Die Ausstellung „Stillleben mit Gemüse“ präsentiert Skulpturen und Installationen von Elmgreen & Dragset, die mit der Architektur und der über 700 Jahre umfassenden Sammlung des Städel Museums in einen Dialog treten und neue Perspektiven eröffnen.
Elmgreen & Dragset arrangieren ihre figurativen Skulpturen so, dass sie das Publikum aktiv in das Erzählen von Geschichten einbeziehen. Indem sie den Blick der Besucher lenken und verschieben, rücken die Künstler alltägliche, leicht übersehene Momente in den Fokus und verwandeln diese in poetische Szenen, die gleichermaßen von Kritik und Humor geprägt sind. Mit ihrer durchdachten Art der Präsentation stellen Elmgreen & Dragset auf anschauliche statt didaktische Weise dringliche Fragen zu sozialen Strukturen sowie in Konventionen und institutionellen Routinen verankerten Verhaltensmustern. Das Künstlerduo beleuchtet auch, wie Museen unsere Wahrnehmung der Kunstgeschichte prägen. Subtil unterlaufen sie traditionelle Präsentationsformen und experimentieren mit den Regeln der Ausstellungsgestaltung.

Die Ausstellung wird durch die Förderung der Kulturfonds Frankfurt RheinMain gGmbH, der SEB und des Städelschen Museums-Vereins e.V. ermöglicht und erfährt darüber hinaus Unterstützung durch die New Carlsberg Foundation und der Danish Arts Foundation.

Im Unterschied zu anderen Ausstellungen erstreckt sich „Stillleben mit Gemüse“ über das gesamte Städel Museum. Zwei große Installationen in der Sammlung Gegenwartskunst bilden den Kern der Präsentation, die sich mit Skulpturen und Interventionen der Künstler durch das gesamte Haus bis in die benachbarte Liebieghaus Skulpturensammlung entfaltet. Die Ausstellung lädt die Besucher zu einer Schatzsuche ein und stellt sie in den Mittelpunkt. Die Kunstwerke von Elmgreen & Dragset können an ungewöhnlichen Orten entdeckt werden, oft in einem fast surrealen Dialog mit den Werken der Städel Sammlung.
Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums, zur Ausstellung: „Das Städel Museum ist international für seine hochkarätige Sammlung bekannt, zu der seit 2020 auch die im Garten präsentierte Bronzeplastik Si par une nuit d’hiver un voyageur von Elmgreen & Dragset gehört. Umso mehr freue ich mich, dass wir das weltweit gefeierte Künstlerduo nun mit einer umfassenden Ausstellung im Städel präsentieren können. Mit feinsinnigem Humor und der Fähigkeit, durch minimale Eingriffe große Erzählungen zu entfalten, verändern Elmgreen & Dragset den Blick auf unsere Sammlung von den Alten Meistern über die Moderne bis zur Gegenwart und schenken unserem Publikum auf seinem Weg durchs Museum ganz außergewöhnliche Momente.“
„Besonders von zeitgenössischer Kunst kann ein kraftvoller Impuls ausgehen, der neue Perspektiven auf Vertrautes eröffnet. Das Künstlerduo Elmgreen & Dragset lädt mit seiner Ausstellung im Städel dazu ein, die Sammlung des Museums auf unerwartete Weise neu zu entdecken. Es ist uns eine große Freude, diese Präsentation von internationaler Wirkung zu unterstützen und damit auch die Bedeutung Frankfurts als Standort für herausragende Projekte der Gegenwartskunst zu bekräftigen“, sagt Susanne Völker, Geschäftsführerin Gemeinnützige Kulturfonds Frankfurt RheinMain GmbH.
Svenja Grosser, Kuratorin der Ausstellung und Leiterin der Sammlung Gegenwartskunst: „Elmgreen & Dragset gelingt es, durch nuancierte
Verschiebungen vertraute museale Strukturen neu erfahrbar zu machen. Durch ihre gezielten Interventionen eröffnen sie Zwischenräume und hinterfragen gewohnte Blickrichtungen und Erwartungen. Das Herzstück der Ausstellung bilden die beiden großangelegten, begehbaren Installationen The Cloud und Garden of Eden, die nicht zuletzt einen kritischen Blick auf die Spannungen zwischen Arbeit und Luxus, Ambition und Illusion werfen. Das Museum wird dabei zur Bühne von Elmgreen & Dragset und ihrer künstlerischen Praxis, in der nichts so eindeutig ist, wie es zunächst scheint.“

Umgebungen des Alltags
Das Zentrum der Ausstellung bilden die beiden großformatigen Installationen The Cloud (2026) und Garden of Eden (2022), die durch einen Szenenwechsel alltägliche Umgebungen zwischen Arbeit und Luxus, Ambition und Illusion wiedergeben. Auf dem Weg in die Gartenhallen und die Dauerausstellung der Sammlung Gegenwartskunst durchquert der Besucher The Cloud, das an ein minimalistisch eingerichtetes Restaurant oder eine elegante Flughafenlounge denken lässt. An einem der Tische sitzt eine Frauenskulptur aus Silikon (The Conversation, 2024). Ihr
Smartphone zeigt einen Facetime-Anruf, in dem ihr Gesprächspartner von seiner Arbeit als Künstler und von einer gescheiterten Liebesbeziehung erzählt. Sechs runde Gemälde der Serien Sky Targets (2025/26) und Flight Trackers (2025/26) schmücken die Restaurantwände. Die Bilder sind auf hochglanzpolierten Edelstahlplatten gemalt, deren Oberflächen die Umgebung teilweise spiegeln und einen Dialog mit dem permanent installierten Mosaic Mirror Wall Piece (1991–2012) von John M. Armleder eingehen. Persönliche Identität und Ortsgebundenheit scheinen sich in The Cloud aufzulösen, sodass nur noch eine glatte, austauschbare Kulisse für gehobene Gastronomie bleibt – oder ein Ort, um gesehen zu werden, Selfies zu machen und seinen Besuch in den sozialen Medien zu dokumentieren. Eine Etage tiefer im Eingangsbereich der Gartenhallen präsentieren Elmgreen & Dragset eine leere Bürolandschaft mit Reihen identischer Bürozellen, die den Raum streng und symmetrisch strukturieren. Mit den verlassenen, beengten Arbeitsplätzen thematisiert Garden of Eden die Strapazen zeitgenössischer Lohnarbeit, die von
Monotonie und Anonymität geprägt ist, und deutet an, dass das Versprechen von sozialem Aufstieg und Fortschritt ein fragiles Konstrukt ist. Der endlose Kreislauf aus Erholung und Arbeit wird in Uncollected (2005) aufgegriffen. Das Gepäcklaufband transportiert eine einzelne Reisetasche in einer endlosen Schleife unter der Treppe und verbindet das untere und das obere Stockwerk thematisch miteinander.

Städel Museum
Schaumainkai 63
60596 Frankfurt am Main

Abbildungen: 
- The Visitor mit Stillleben mit Gemüse
Elmgreen & Dragset
The Visitor, 2025
Bronze, Lack
178 x 61 x 33.5 cm
- Elmgreen & Dragset
Social Media (Terrier), 2022
Gebürsteter Edelstahl, Lack, Motor, Harz und Kunstfell
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: Elmar Vestner
- Elmgreen & Dragset
Still Life (Bullfinch), 2024
Bronze, Lack und animatronischer Vogel
7 x 14 x 23 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: Elmar Vestner
Museen heute

Murnau Schloßmuseum: Die fabelhaften Alben des Alfred Mayer - Freund und Mäzen des Blauen Reiter

Die fabelhaften Alben des Alfred Mayer
Freund und Mäzen des Blauen Reiter

Vom 21. Mai bis 08. November 2026
Schloßmuseum Murnau

Das Schloßmuseum Murnau rückt mit seiner neuen Sonderausstellung einen faszinierenden Menschen ins Rampenlicht, der der Forschung bislang weitgehend verborgen geblieben ist: Der Theaterkritiker und Kunstschriftsteller Alfred Mayer (1860–1932), der als Förderer und Mäzen namhafte Kulturschaffende um sich versammelte. Im Besitz des Schloßmuseums befinden sich drei Künstleralben und ein Fotobuch aus dem Nachlass Mayers und seiner Tochter Eva (1917–2008). Die Alben kamen 2015 bzw. 2024 auf zwei unterschiedlichen Wegen, aber beide Male als Schenkung aus Privatbesitz, in die Sammlung des Museums.

Beim Durchblättern der Bücher zeigt sich, dass diese drei Künstlerbände weit mehr sind als bloße Gästebücher; sie gleichen künstlerischen Poesiealben, in denen Maler, Schriftsteller, Theaterleute, Komponisten sowie Musiker Alfred Mayer ganz persönliche Zeugnisse ihres Wirkens – von handschriftlichen Notaten über Collagen bis hin zu filigranen Zeichnungen – widmeten. Die Namen lesen sich wie ein Who's Who der damaligen Kunst- und Kulturszene: Else Lasker-Schüler, Klabund, Joachim Ringelnatz, Arthur Schnitzler, Heinrich Mann, Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky, Marianne von Werefkin, Marieluise Fleißer, Hannah Höch und viele mehr.

Doch wer war Alfred Mayer, der sich mehr als Freund und Vermittler, denn als Zentrum eines Netzwerkes sah und am Ende seines Lebens gerne noch eine Stiftung zur Unterstützung bedürftiger Künstler ins Leben gerufen hätte? Mayer war Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Frankfurt.

Statt der vorgezeichneten Laufbahn im Familienunternehmen zu folgen, zog es ihn zum Theater und zur Kunst. Als er 1886 nach Berlin ging, war er zwar zunächst als Kaufmann tätig – doch kaum finanziell abgesichert, machte er seine Passion zum Beruf und wurde Kritiker (im Laufe seines Lebens werden es mehr als 100 Veröffentlichungen sein). In Berlin lernte er u. a. den Theaterregisseur Max Reinhardt kennen.

Ab 1906 lebte Mayer als Kunstschriftsteller, Theaterkritiker und Sammler in München-Schwabing. Hier war er eng verbunden mit den Künstlern des Blauen Reiter und besaß u. a. Kandinskys Impression I, 1910 (im Zweiten Weltkrieg zerstört), Paul Klees Stillleben mit Distelblüte, 1919, sowie laut den Erinnerungen seiner Tochter Eva und der Schauspielerin Berta Drews, die zeitweilig bei ihm zur Untermiete wohnte, vier „starkfarbige Frauenköpfe“ von Alexej von Jawlensky. Seine zwischen 1900 und 1931 geführten Alben sind ein faszinierender Spiegel der damaligen Künstlerszene und geben z. T. Einblick in Werke, die zu jener Zeit im Entstehen begriffen waren.

Auch das Fotoalbum birgt Überraschungen. Neben Aufnahmen u. a. von Franz und Maria Marc, Kandinsky, Werefkin, Jawlensky, Arthur Schnitzler, Lotte Pritzel und Olaf Gulbransson finden sich darin zwei Fotografien von der Puppenmacherin Hermine Moos. Lachend steht sie auf einem Balkon, neben ihr ein selbst konstruiertes menschliches Skelett – die Unterkonstruktion für die lebensgroße Puppe, die sie 1918 im Auftrag Oskar Kokoschkas nach dem Vorbild Alma Mahlers schuf.

In Evas Mayers Album, das sie 1926 – im Alter von neun Jahren – zu führen begann, haben sich die Künstler kindgemäß mit z.T. vielfarbigen Gouachen und Aquarellen verewigt. Marianne von Werefkin schuf für Eva eine Kartenspielerrunde, Conrad Felixmüller porträtierte das Mädchen mit gebrochenem Arm und die Schauspielerin Grete Jacobsen zeichnete ihr zu Ostern einen Hasen in den Arm.
Ausgehend von diesen vier Alben spürte das Schloßmuseum Murnau – in Zusammenarbeit mit Expertinnen der Theater-, Literatur- und Kunstwissenschaft – Mayers Wirken als Sammler und Mäzen nach. Bereichert um verdichtende Leihgaben, stellt die Sonderausstellung eine bemerkenswerte Persönlichkeit in den Mittelpunkt, die bislang kaum im Blick der Forschung stand.

Unser großer Dank gilt den Schenkenden der Künstleralben, Frau Christel Moosbauer, die uns eines der Gästebücher von Alfred Mayer, das Künstleralbum von Eva Mayer und das Fotobuch überlassen hat, sowie Herrn Dr. Bernd und Frau Barny (†) Fäthke, die uns das noch fehlende Gästebuch als Schenkung übergaben.

Für den Ausstellungskatalog schrieben Autoren aus den Bereichen Theaterwissenschaft, Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte. Die begleitende Publikation wird gefördert von der Ernst von Siemens Kunststiftung, München.

Schloßmuseum Murnau
Schloßhof 2-5
82418 Murnau

Abbildungen:
- Alexander Sacharoff, Bühnenbildentwurf für die Oper Turandot von Busoni, um 1917, 2. Akt, Turandots Boudoir, Collage, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München, G 14969 
Museen heute

Buchheim Museum: AUFRUHR DER FARBEN - Karl Schmidt-Rottluff und das Erbe der

AUFRUHR DER FARBEN - Karl Schmidt-Rottluff und das Erbe der "Brücke"

Ausstellung vom 23. Mai bis 15. November 2026
Buchheim Museum der Phantasie, Bernried

Am 10. August 2026 jährt sich zum 50. Mal der Todestag von Karl Schmidt-Rottluff. Aus diesem Anlass stellt das Buchheim Museum eine Auswahl seines bedeutenden »Brücke«-Bestandes Werken unmittelbarer Zeitgenossen und nachfolgender Generationen gegenüber, die maßgeblich von der Künstlergruppe beeinflusst wurden. Die Ausstellung versteht sich dabei nicht nur als Rückblick, sondern als lebendige Spurensuche nach den künstlerischen Nachwirkungen eines der wichtigsten Aufbrüche der Moderne.
Dank der umfangreichen Bestände aus der Sammlung von Diethild und Lothar-Günther Buchheim sowie der kürzlich erfolgten großzügigen Zustiftungen Joseph Hierlings und Paul Maria Wittmanns kann das Museum die Entwicklung des Expressionismus von seinen Anfängen bis weit hinein in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts nachzeichnen. Dabei wird in der Gegenüberstellung sichtbar, wie stark die Impulse der »Brücke«-Künstler über Generationen hinweg gewirkt haben. Es entfaltet sich ein vielschichtiges Panorama künstlerischer Positionen, das die nachhaltige Wirkung dieses epochalen Aufbruchs vor Augen führt.
Neben den »Brücke«-Künstlern Karl Schmidt-Rottluff , Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller, Emil Nolde und Max Pechstein zeigt die Ausstellung eine Vielzahl weiterer Positionen, die in einen oft überraschenden Dialog mit ihnen treten. Darunter finden sich Namen wie Max Beckmann, Christian Rohlfs und Conrad Felixmüller aber auch Walter Becker, Grete Csaki-Copony, Thomas Niederreuther oder der Museumsstifter Lothar-Günther Buchheim selbst. Er trug nicht nur als Sammler und Kunstschriftsteller entscheidend zur Wiederentdeckung der Künstlergruppe in Deutschland nach 1945 bei, sondern war auch als Künstler einer ihrer glühendsten Verehrer und Nachfolger.
Allen in der Ausstellung gezeigten Werken gemeinsam ist die frei entwickelte Farbe als zentrales künstlerisches Ausdrucksmittel. In zunehmender Loslösung von traditionellen Bedeutungszuschreibungen und dem Postulat einer mimetischen Kunstau assung dient sie hier primär der Darstellung innerer Empfindungen, seelischer Zustände und unmi elbarer Emotionen. Die expressive Kraft der Farbe wird so zum Träger subjektiver Wahrnehmung und erö net dem Betrachter bis heute einen unmi elbaren Zugang zur Erfahrungswelt der Künstlerinnen und Künstler.

Buchheim Museum der Phantasie
Am Hirschgarten 1,
82347 Bernried am Starnberger See

Abbildung: 
- Walter Becker, Trio 3, 1968
Öl auf Rupfen
95,0 x 110,5 cm
Sammlung Joseph Hierling im Buchheim Museum der Phantasie
© Andreas Hoelscher, Hohenschäftlarn; Reproduktion: Joseph Hierling
Musik
Dienstag, 11.08.2026

Historisches in Jazz, Rock & Blues (13): Mick Goodrick „In Pas(s)ing“

Jazz als Kunstform, die jedes Verlangen sofort befriedigt? Mit Sicherheit eher nicht. Denn sowohl was die Entstehung dieser Musik betrifft, als auch deren Rezeption – immer spielt die bewusste Hinwendung, die direkte Auseinandersetzung eine entscheidende Rolle. Einen schriftlichen Ratgeber diesbezüglich gibt es (natürlich) nicht, wird es so schnell auch nicht geben. Höchstens das Abwägen,...
Literatur
Montag, 10.08.2026

Peter Kemper „John Coltrane – Biographie einer Jazz-Ikone“

Nicht nur Miles Davis, über den das deutschsprachige Feuilletton momentan so ausführlich berichtet, wäre dieser Tage 100 Jahre alt geworden. Auch John Coltrane, der ikonische Saxophonist, ist 1926 in Richmond County geboren, rund vier Monate später, als der im knapp 1000 Meilen entfernte, spätere Arbeitgeber Coltranes, der Trompeter Davis.Coltrane war nicht dieser...
Echo
Samstag, 08.08.2026

Schloss Kempfenhausen: Grandioser Auftakt des Seejazz Festivals mit dem Duo Helbock-Hofer

Seit 2012 bereichert der gemeinnützige Verein SeeJazz e.V. die Kunst- und Kulturszene im Starnberger Raum mit hochkarätigen Jazzkonzerten. Nur ein Jahr nach der Vereinsgründung ging das SeeJazz Festival an den Start. Mittlerweile hat sich die Konzertreihe zu einer festen Institution entwickelt, die Jazzfans weit über die Region hinaus anzieht. Der Auftakt des diesjährigen Festivals...
Musik
Freitag, 07.08.2026

SML „Spontaneous Music Live“

Man kann sie als die Speerspitze der zeitgenössischen L.A.-Musikszene bezeichnen. Sowohl was ihre Herangehensweise an Musik als auch ihren akustisch/elektronischen Inhalt betreffen. Musik entsteht bei SML (Small Medium Large) auf der Grundlage von langen, ritualen Live-Improvisationen. Anschließend bearbeitet das Quintett das Material im Studio, bringt es im zweiten Schritt sozusagen in...
Musik
Donnerstag, 06.08.2026

Ella Fitzgerald „Live At Falkoner Theatre Copenhagen 6th February 1966“

Sie ist und bleibt im Jazzgesang das Maß aller Dinge: Ella Fitzgerald. Geboren am 25. April 1917 in Newport News, Virginia, gestorben 79jährig 1996 in Beverly Hills, Kalifornien an Diabetes. Sie tourte ihr Leben lang quer durch die Kontinente, stand in unzähligen Studios und hat mit allen großen Instrumentalisten jener Zeit gespielt. Und so wundert es nicht, dass heute immer wieder...
Kosmos
Mittwoch, 05.08.2026

150. Gekommen, um nicht zu bleiben

Der spätsommerliche Sternhimmel bietet mit Einsetzen der Dunkelheit einen beeindruckenden Anblick. Eine der schönsten Konstellationen findet man leicht neben dem sehr hellen Stern Arktur im Sternbild Bootes, welcher bereits in der Dämmerung sichtbar wird. Dort stehen gleich sieben Sterne in einer bogenförmigen Aufreihung, die als Sternbild Nördliche Krone (lat. Corona...
Film
Mittwoch, 05.08.2026

DER KLANG DER STRADIVARI (Interview mit GRÉGORY MAGNE)

Astrid steht kurz davor, Musikgeschichte zu schreiben und den Traum ihres verstorbenen Vaters zu erfüllen: vier weltberühmte Stradivari zum ersten Mal für ein Konzert zu vereinen. Doch die Harmonie endet bei den kostbaren Instrumenten. Denn die für das Projekt engagierten Solisten Lise, George, Peter und Apolline beherrschen zwar virtuos ihre Saiten, aber nicht ihre Emotionen. Während der...
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