In INTERVIEW werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Hier eine kleine Auswahl der Vorgestellten: Henning Venske, Gisela Schneeberger, Inga Rumpf, Hauschka, Stoppok, Wellküren, Isabelle Faust, Fritz Egner, Willy Michl, Nik Bärtsch, Ewa Kupiec, Symin Samawatie, Axel Hacke u.v.a.m.
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1. 250. Lambert - Ich höre am liebsten Jazz
2. 249. Luis Berra – Ich liebe meinen Beruf
3. 248. Alma Naidu - „Beim Einschlafen kommen mir meist die besten Songideen...
4. 247. Lisa Schmid – Mit einer gewissen Wurschtigkeit
5. 246. Botticelli Baby – Musik aus allen Himmelsrichtungen
6. 245. Matthias Lindermayr – Tendenziell eher am Vormittag
Bilder
Foto: Andreas Hornoff
Freitag 08.05.2026
250. Lambert - Ich höre am liebsten Jazz
Wer ist Lambert? Eine Frage, die nicht ganz leicht zu beantworten ist. Denn er gibt nicht viel von sich preis. Außer – außer natürlich seine Musik. „Ich wollte nicht, dass die Leute etwas über mich wissen“, hat er einmal in Bezug auf sein Debütalbum von 2014 gesagt. Seitdem ist einiges an Zeit vergangen. Heute erscheint sein 10. Album „I am not Lambert“. „Es sind kurze, schlichte wie traumhafte Melodien, die Lambert aus einem flüchtig dahingeworfenen zarten Detail entwirft, sie umspielt und variiert“, war an dieser Stelle über seine letzte Veröffentlichung „Actually Good“ zu lesen. „Kleine Motive nur, die er intuitiv und voller Sensibilität gestaltet.“?
Auch „I am not Lambert“ hat einiges von diesen poetischen Momenten zu bieten. Es ist jedoch das erste Album mit Gesangsparts. „Meine Musik war schon immer songorientiert”, sagt der Mann mit der sardischen Stiermaske. Es ist die Bestätigung für alles Innovative des Künstlers.

KultKomplot: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Lambert: Üben, um im entscheidenden Moment die mir größtmögliche Flexibilität mitzubringen. Ich denke, das gilt zumindest in Bezug auf meine musikalischen Ansichten. Dann gibt es natürlich die gleichzeitigen Wahrheiten von einem sehr fleißigen Lambi und ein Umfeld und Elternhaus, das mich in meinen Interessen unterstützt und gefördert hat, seitdem ich klein bin.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
L: Neulich war jemand von der Berliner Stadtreinigung auf meinem Konzert. Ich hatte ein sehr interessantes Gespräch mit ihm und lernte viel über seine tägliche Tätigkeit, von der er mit Begeisterung berichten konnte. Später sagte er mir, was ihm an meinem Konzert gefallen hätte: Natürlich die schöne Musik, zusätzlich hätte er aber bemerkt, wie lange die Menschen nicht auf ihr Handy geschaut hätten. Es ist also doch noch möglich, mit Kultur so etwas wie einen Moment zu schaffen, in dem viele Leute einfach da und beieinander sind. Das hat mich sehr gefreut. Außerdem suche ich in der Improvisation ebenfalls nach diesem Moment der Erleuchtung. Ich denke, da gibt es in mir eine spirituelle Suche, die mich zum Musikmachen treibt.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
L: Das ist mittlerweile einfach zu beantworten und keine Überraschung mehr: Social Media!!!
Es ist die Hölle. Die Musikindustrie hat sich in all ihren Teilbereichen darauf geeinigt, dass dies die vermeintlich einzig noch funktionierende Möglichkeit ist, deine Musik und die Konzerte zu bewerben, und uns über Jahre hinweg darauf vorbereitet, dass diese Tätigkeit eigentlich nur von den Künstlern selbst ausgeführt werden kann. Sicherlich kann man bestimmte Aufgaben auslagern, aber eigentlich will dafür niemand Verantwortung übernehmen. Vertraglich gesehen ist die Werbung und Promotion niemals Aufgabe des Künstlers (diese sind ja zum Musikmachen angetreten), bekommen von ihren Partnern aber eher so eine Art Consulting, wie man sich dort noch besser verhalten kann, werden aber nicht ihrer Aufgabe gerecht, die Arbeit zu übernehmen – mit dem Argument, dass sie das ja nicht können, weil Social Media so nun mal nicht funktioniert. Diese Situation ist ein unglaublicher Zeitfresser und schadet dem kreativen Output und damit unseren Gesellschaften.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
L: Wie schön ist bitte schön Marseille!

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
L: Die Konzerte! Seitdem wir im Trio spielen, bemerken wir diese euphorische Stimmung, die während unserer Konzerte entsteht. Danach beschenkt uns das Publikum immer mit einer unglaublich guten Laune. Ich denke, das hängt tatsächlich damit zusammen, dass die Leute merken, dass wir die Stücke lediglich als Grundlage nutzen, um den Moment zu zelebrieren. Wir improvisieren viel und reagieren sensibel auf uns, den Raum und das Publikum. Ich bin froh, dass die Unsicherheit des Publikums, die auf Konzerten aufkommt, die das Publikum womöglich zunächst als hochkulturell einordnet, bei uns nicht vorherrscht. Es sind wunderbare Abende voller Liebe!

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
L: Jazz! Ich höre am liebsten Jazz und gehe oft zu Jazzkonzerten. Ich habe auch einen Podcast zu diesem Thema mit meinem alten Freund und Mitmusiker Felix Weigt von „Die Höchste Eisenbahn“. Hier befassen wir uns mit Popkultur aus einer jazzmusikalischen Perspektive und Jazzmusik aus einer popmusikalischen Perspektive. Wir sind totale Fans und können uns seit über 30 Jahren nicht satt hören an dieser Musik!

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
L: Vinyl zu Hause / CDs im Auto

KK: Was lesen Sie momentan?
L: Zuletzt gelesen: „Die Geschichte des Klangs“ von Ben Shattuck. Läuft auch gerade im Kino. Hab ich noch nicht gesehen, aber weiß, dass Paul Mescal mitspielt, dem ich sehr gern zusehe! Das Buch ist jedenfalls großartig! Und „Hund, Wolf, Schakal“ von Behzad Karim Khani. Ich wohne in Neukölln, meine Frau arbeitet hier in einer sogenannten Brennpunktschule. Ich komme aber nicht von dort und habe trotz der räumlichen Nähe und meinen Einblicken nicht das Gefühl, dass ich die Lebensrealitäten vieler Neuköllner wirklich kennen würde oder vollends nachvollziehen kann. Dieses Werk kann dabei schon sehr helfen. Außerdem ist es spannend!
Außerdem lese ich viel jazzgeschichtliche Literatur für meinen Podcast. Sehr zu empfehlen ist das Werk: „Gewagtes Spiel. Jazz im Nationalsozialismus“ von Michael H. Kater.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
L: Mein Sohn wollte gestern ein Eis kaufen, wurde aber in der Eisdiele seiner Wahl weggeschickt, weil sie kein Bargeld nehmen.
Generell die Preise von Eis und allem anderen auch finde ich eine bodenlose Frechheit. Wer soll sich dieses Leben eigentlich leisten können?

KK: Was freut Sie ungemein?
L: Gute Konzerte, gute Filme.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
L: Ich habe mir in Amsterdam mal eine Wand in meine Wohnung gebaut aus Brettern, die ich auf der Straße gefunden habe. Sie war besser als der Vorhang vorher. Dabei habe ich Pink Floyds „The Wall“ gehört. Immer und immer wieder …

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind Sie in welchem Film beeindruckt?
L: Ich erwähnte Paul Mescal, z. B. in „Aftersun“. Ich mag auch Jennifer Lawrence in „Silver Linings“. Andrew Scott ist wunderbar in „Steel Country“ und allem anderen, was er spielt. Jessie Buckley hat nun einen Oscar. Den Film habe ich nicht gesehen, aber in „Frau im Dunkeln“ und „I’m Thinking of Ending Things“ war sie großartig. Ich mag Jesse Plemons, Bill Murray, Olivia Colman, Bradley Cooper, Casey Affleck (Oscar für „Manchester by the Sea“ vollkommen zu Recht), Elisabeth Moss und noch ein paar mehr … Ich liebe Filme!

KK:
Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung nach bisher noch nicht gibt?
L: Na ja, selbstfahrende Autos gibt’s ja schon, aber halt nicht bei uns. Ein Verkehrssystem, das darauf beruht, wäre für tourende Musiker eine große Entlastung.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer/-in oder Teamplayer/-in?
L: Die Bands, die ich hatte, haben nie langfristig funktioniert. Lambert mache ich (bin ich) nun hauptberuflich seit 12 Jahren. Das spricht oberflächlich für den Einzelkämpfer. Allerdings sind die Konzerte nur gut durch eine beachtliche Teamleistung. Die erarbeite ich mit Freunden, die ich seit Kindertagen kenne. Ihre Meinung ist in Bezug auf die Live-Umsetzung meiner Musik meiner ebenbürtig. Ich werde oft konstruktiv kritisiert und beherzige die Kritik. Ich denke, das geht nur, wenn man auch ein Gefühl für Teamfähigkeit hat. Auch das neue Album ‚I am not Lambert‘ ist ein Team Album. Der Einfluss meiner Gäste und des Produzenten Daniel Schaub ist groß und so wird es zu mehr als der Summe der einzelnen Teile.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
L: Kreativität ist mein täglich Brot. Ich habe feste Arbeitszeiten. Da muss ich kreativ sein. Ich bin froh, es mir erarbeitet zu haben, kreativ arbeiten zu können, ohne von der perfekten Situation, Zeit oder der Muße abhängig zu sein. Auch die Muse muss mich nicht küssen. Wenn ich kreativ arbeiten muss oder darf, dann tue ich das einfach.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
L: Heutzutage fragt man doch eher nach Podcasts. Ich höre mit viel Freude: „Die Neuen Zwanziger“ und „Das Podcast Ufo“.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister/-in für Kultur wären?
L: Live-Musik muss gefördert werden. Das ist ja auch realistisch. Das Streaming zu retten, werde ich in dieser Position nicht an einem Tag schaffen. Dass Künstler, die ihr Publikum haben, dafür zahlen müssen, um überhaupt spielen zu können, darf nicht sein.
Faktisch ist es so: Wir spielen zu dritt und haben meist keine weitere Person dabei. Wir kümmern uns um Technik, Beleuchtung (mit den Leuten vom jeweiligen Haus), Merch, Tourmanagement, Fahrerei und natürlich Social Media. Wir spielen in der ganzen Welt für ein Publikum von durchschnittlich 200 bis 500 Leuten. Auch mal mehr, auch mal weniger …
Das war vor der Pandemie ein Konzept, mit dem wir alle ein wenig Geld verdienen konnten. Jetzt ist es für mich eigentlich eine Pay-to-play-Situation aufgrund der gestiegenen Kosten und noch einiger anderer Faktoren. Das heißt ja aus politischer Perspektive: Es ist uns egal, wenn Kultur, die ein Publikum hat, sich die Konzerte nicht mehr leisten kann. Das würde ich mir in solchen Positionen nicht vorwerfen lassen wollen.
Auch Kultur, die ein deutlich geringeres Publikum anzieht, verdient Förderung. Alle Jazzclubs brauchen mehr Geld, um diese hochspezialisierte Kunstform zu erhalten. Das Interesse an dieser Musik steigt in Zeiten, in denen die Leute immer unsicherer werden, wo sie Wahrhaftiges auf ihrem Telefon finden können. Trotzdem funktioniert es nur durch Idealismus und eine Musikerschaft, die dazu erzogen wurde, das Prekariat als gottgegeben zu akzeptieren. Ich will niemandem etwas wegnehmen, aber die Förderung muss der sogenannten Hochkultur angeglichen werden.


KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
L: I am not Lambert

KK: Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?
L: Ach ja: Wir arbeiten dran. Ich glaube, das wird schon …
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Foto: Katharina Jung
Mittwoch 15.04.2026
249. Luis Berra – Ich liebe meinen Beruf
Luis Berra, Sohn einer argentinischen Mutter und eines italienischen Vaters, wurde in Nicaragua geboren und wuchs in der italienischen Toskana auf. Andere Stationen seines Lebens waren die Mittelmeerinsel Sardinien und Glenwood Springs in Colorado. Er studierte Klassik, widmete sich sich intensiv Jazz und Blues und gibt heute mit all dieser Erfahrung an der Musikschule Cham in Bayern sein Wissen weiter.
Sein neues Album „A Piano Won't Fix Your Tormented Soul“ ist bei dem Berliner Label Neue Meister erschienen. Es ist eine Sammlung von persönlichen Skizzen und Impressionen, die den Pianisten in seinem emotionalen Fühlen und seinen pianistischen Fähigkeiten spiegeln. Ein Album, das zudem von einer verinnerlichten Melodik und minimalistischen Strukturen lebt.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Luis Berra: Ich glaube, dass vor allem die schwierigen Erfahrungen entscheidend waren: die Türen, die mir vor der Nase zugeschlagen wurden, die Menschen, die nicht an mich geglaubt haben, und die Fehler, die ich gemacht habe – und zum Teil immer noch mache. Denn Fehler gehören zu uns, sie sind Teil unseres Weges.
Ganz wichtig war auch, meine eigenen Grenzen zu erkennen und zu lernen, mit ihnen zu leben. Erst dadurch konnte ich meinen Weg in der Musik finden.
Und natürlich die sogenannte „Gavetta“ – die Lehrjahre: die vielen Erfahrungen auf unterschiedlichsten Bühnen, von Bars über Hotels bis hin zu Jam-Sessions, sowie der Austausch mit anderen Musikern. Und ich hatte das Glück, großartige Mentoren zu haben – das ist fundamental.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
LB: Für mich ist Musik in erster Linie kein Beruf, sondern eine Lebensweise. Musiker zu sein bedeutet, das Leben auf eine bestimmte Art zu leben und zu empfinden. Natürlich verdiene ich meinen Lebensunterhalt mit Musik und mit dem Unterrichten, aber die Musik steht als Kunst und als Haltung immer an erster Stelle.
Was ich erreichen möchte, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich wünsche mir einfach, dass Menschen meine Musik hören und sich davon berühren lassen.
Ich glaube nicht, dass es ein spezielles Publikum braucht – Musik ist Emotion, und Emotionen sind für alle zugänglich.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
LB: Die Schwierigkeiten sind letztlich die des Lebens selbst.
Im Unterricht besteht die Herausforderung vor allem darin, Inhalte an eine Generation zu vermitteln, die einen völlig anderen Zugang zum Lernen hat. Das verlangt viel Reflexion und Anpassungsfähigkeit.
Als Komponist ist es hingegen besonders schwierig, Räume und Möglichkeiten für Konzerte zu finden. Die Menschen sind heute von Unterhaltung überflutet, und es ist nicht einfach, sie dazu zu bewegen, sich zwei Stunden lang auf ein Klavierkonzert einzulassen.
Hinzu kommt die enorme Menge an Musik, die täglich erscheint. Und nicht zuletzt bleibt die persönliche Herausforderung, die eigenen Grenzen anzunehmen.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
LB: Im musikalischen Bereich war die Zusammenarbeit mit dem Berliner Label Neue Meister sehr bedeutend für mich. Mein neues Album wurde dort auf Vinyl und CD veröffentlicht, begleitet von einem starken Team – das war eine sehr positive Erfahrung.
Auch ein Konzert in Berlin im Rahmen des Piano Day war ein besonderes Erlebnis, mit einem großartigen Publikum.
Auf persönlicher Ebene steht jedoch alles hinter der Geburt meiner Tochter zurück. Vater zu werden ist für mich die tiefgreifendste Erfahrung überhaupt – sie verändert den Blick auf das Leben grundlegend.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
LB: Die schönsten Momente sind die Konzerte – vor allem dann, wenn das Publikum wirklich zuhört und sich berühren lässt. Das ist ein unersetzlicher Moment der Freude und Erfüllung.
Aber auch der kreative Prozess selbst: wenn eine Idee entsteht, wenn ein Stück Form annimmt.
Und natürlich die Arbeit im Studio, wenn man die eigene Musik aufgenommen hört.
Ich liebe meinen Beruf, deshalb überwiegen die schönen Momente deutlich. Die Musik ist – trotz allem – eine Art glückliche Insel.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
LB: Ich versuche, so viel Musik wie möglich zu hören und ständig Neues zu entdecken.
Johann Sebastian Bach begleitet mich wahrscheinlich am meisten. Daneben höre ich viel Keith Jarrett, insbesondere „The Köln Concert“, sowie Songwriter wie Bob Dylan, Johnny Cash und Tom Waits.
Ich bin sehr offen – manchmal höre ich auch Rap.
Ein großer Teil meines Hörens ist aber Blues: von B.B. King über Buddy Guy, Muddy Waters, Memphis Slim bis hin zu Ray Charles – besonders Chicago Blues, aber auch Louisiana Blues.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
LB: Ganz klar Vinyl – und Streaming.
Ich habe viele Platten, viele davon von meinem Vater, die mich stark geprägt haben. Dazu kommen viele eigene Käufe, vor allem im Blues-Bereich.
CDs höre ich hingegen kaum noch.

KK: Was lesen Sie momentan?
LB: Aktuell nichts Konkretes, aber ich lese regelmäßig Texte zur Klavierpädagogik.
Zuletzt habe ich die „Blackwater“-Saga gelesen.
Früher habe ich mehr gelesen als heute, aber ich halte Lesen – insbesondere die Klassiker – für essenziell für jeden Künstler.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
LB: Ungerechtigkeit – in jeder Form.

KK: Was freut Sie ungemein?
LB: Geliebt zu werden und selbst zu lieben.
Meine Familie – meine Tochter, meine Frau – steht dabei im Mittelpunkt.
Und auch die Momente, in denen ich spüre, dass meine Arbeit etwas bewirkt, sei es im Unterricht oder auf der Bühne. Am Ende ist es die Liebe, die am meisten zählt.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
LB: Nein – weder habe ich Kleidung genäht noch Möbel gebaut.
Ich habe höchstens Möbel zusammengebaut, etwa von IKEA.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
LB: Als Italiener denke ich sofort an Roberto Benigni, insbesondere an „La vita è bella“, aber auch an seine früheren Filme. Daneben natürlich Woody Allen.
Und allgemein viele große amerikanische Schauspieler wie Jack Nicholson oder Robert De Niro.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
LB: Ich glaube, wirklich etwas völlig Neues zu erfinden ist fast unmöglich.
Alles entsteht aus Transformation, aus Erfahrung. Deshalb ist echte „Neuheit“ sehr selten.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer/-in, oder Teamplayer/-in?
LB: Beides, je nach Situation.
Zusammenarbeit ist wichtig, weil man von anderen lernt. Gleichzeitig brauche ich die Einsamkeit – besonders beim Komponieren.
Als Pianist muss man lernen, allein zu sein. Aber ich bin auch ein sehr geselliger Mensch.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
LB: Es gibt keinen festen Moment.
Ideen entstehen aus Arbeit, aus innerem Drang – oft sogar in Momenten von Müdigkeit oder Chaos.
Natürlich helfen auch ruhige Phasen, aber Kreativität ist nicht planbar.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
LB: Vor allem Online-Zeitungen wie La Repubblica, Der Spiegel oder die New York Times, insbesondere deren Kulturseiten.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister/-in für Kultur wären?
LB: An einem Tag lässt sich wenig bewegen.
Aber ich würde versuchen, mehr Klarheit im Urheberrecht zu schaffen – besonders im Interesse der Künstler.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
LB: „Danke an alle, die mir gesagt haben, ich soll aufhören.“
Denn genau diese Erfahrungen haben mich geprägt und motiviert.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
LB: Ich versuche, nicht zu sehr in die Zukunft zu denken.
Ich sehe mich vor allem als Vater. Alles andere kommt danach.
Beruflich wünsche ich mir mehr Konzerte und ein größeres Publikum, ohne das Unterrichten aufzugeben.
Ich sehe mich als Vater, als Lehrer und – hoffentlich – als Künstler, der schöne Konzerte gibt.
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Dienstag 10.02.2026
248. Alma Naidu - „Beim Einschlafen kommen mir meist die besten Songideen“
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Foto: Boris Breuer
Alma Naidu studierte an der Hochschule für Musik und Theater in München, wobei sie sich ein Semester bei keiner geringeren als Norma Winston an der Royal Academy of Music in London praktisches Wissen im Fach Gesang aneignete. Doch musikalisch aktiv war die 1995 in München in einem musikalischen Elternhaus aufgewachsene Alma schon vorher. Früh hatte sie klassischen Klavierunterricht, lernte Geige, später Gitarre. Mit 15 komponierte sie erste Songs.
Nach ihrem Studium war sie als Bühnenkünstlerin in verschiedenen Musical- und Opernproduktionen zu sehen und zu hören und gehörte als Mitglied zum Landesjugendjazzorchester Bayern sowie zum Bundesjazzorchester.
Beim Jazzfestival in Burghausen lernte sie Schlagzeuger Wolfgang Haffner kennen, der auch ihr erstes Album produzierte. Dabei als Mitmusiker im Studio: Christopher Dell, Lars Danielsson, Nils Landgren, Dominic Miller, Simon Oslender und natürlich Wolfgang Haffner.
2021 erhielt die Sängerin den BMW Welt Young Artist Jazz Award und den Bayerischen Kunstförderpreis in der Kategorie „Musik“.
Mittlerweile ist das zweite Album von Alma Naidui erschienen: "Redefine" (Leopard Records).
Am Mittwoch 25. Februar gastiert Alma Naida mit dem Gitarristen Philipp Schiepek in der Reihe JazzFirst in Fürstenfeld. Einen Tag zuvor ist das Duo im Bürgerhaus Pullach zu hören.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Alma Naidu: Gute und schlechte Vorbilder.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
AN: Wichtige Themen ansprechen, zum Nachdenken anregen, Strukturen hinterfragen und Menschen berühren.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
AN: Mit patriarchalen Strukturen und veralteten Systemen in der nach wie vor männerdominierten Jazzszene. Und mit bestimmten Männern, die mir nach Konzerten Tipps geben, während sie mich ungefragt an der Schulter berühren.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
AN: In privatem Rahmen mit der sehr inspirierenden, inzwischen 97-jährigen Bibi Jones zu singen.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
AN: Wenn nach Fahrerei, Organisation, Soundcheck und allem Drumherum endlich das Konzert beginnt und ich mit meinen großartigen Mitmusiker*innen Musik machen kann, die jeden Abend neu entsteht.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
AN: Was ich momentan höre: Sting, Dvo?ák, Becca Stevens, James Taylor und die Musik aus „Wicked“.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
AN: Vinyl.

KK: Was lesen Sie momentan?
AN: "Windstärke 17" von Caroline Wahl.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
AN: Das Patriarchat.

KK: Was freut Sie ungemein?
AN: Kinder, Windsurfen, Musizieren und Singen mit lieben Menschen vor einem tollen Publikum.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
AN: Der Versuch, einen Schal zu häkeln, ist gescheitert.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
AN: Von Ariana Grande in „Wicked" und von Emma Stone in „Poor Things“.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
AN: Ein Straßenschild, das veranschaulicht, wie das Einfädeln beim Reißverschlussverfahren funktioniert.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
AN: Dank meines wachsenden Teams immer mehr als Teamplayerin.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
AN: Beim Einschlafen kommen mir meist die besten Songideen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
AN: Instagram Doomscroll mit gelegentlich zu langem Abdrift in die Kommentarsektion.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
AN: Zuerst würde ich mich als Staatsministerin bezeichnen. Als solche würde ich mich dann dafür einsetzen, die Strukturen in den Jazzabteilungen zu erneuern. Für mehr Progression und Diversität und für mehr Vorbilder, vor allem für junge Jazzmusikerinnen. Außerdem sollten Entscheidungspositionen an Hochschulen, Festivals und in Gremien regelmäßiger rotieren und zeitgemäß fortgebildet werden - ebenso wie Kulturmedien und Redaktionen -, so dass strukturell wie sprachlich niemand ausgeschlossen wird und Fortschritt aktiv vorangetrieben werden kann.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
AN: Ja, das habe ich selbst geschrieben.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
AN: Weiblich.
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Fotos: Florian Lehner, Ingo Pertramer
Mittwoch 04.02.2026
247. Lisa Schmid – Mit einer gewissen Wurschtigkeit
Lisa Schmid fühlt sich mit Haut und Haar als Wienerin. Wienerisch, mit einer gewissen „Wurschtigkeit“, trifft sie in ihrer Arbeit und im Privaten die ganz großen Themen des Menschseins: Endlichkeit, Unsterblichkeit und die nie enden wollende Sehnsucht. Das wird in den Liedtexten ihres Albums "Bittersüss" deutlich, in ihren Kabarett-Programmen sowieso.
Am Mittwoch 11. Februar tritt Lisa Schmid in der Pasinger Fabrik auf. „Musikalisch zeigt sich Schmid vielseitiger als je zuvor“, schreibt der Veranstalter. „Sie wandelt sich und bewegt sich weg von der dunklen Stimmung, hin zu einer poppigen Leichtigkeit, getragen von poetischen Texten - ihre Wurzeln verliert sie dabei nicht.
Beginn des Konzerts: 20 Uhr.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Lisa Schmid: Dass ich von allen Schulen geflogen bin.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
LS: Meine Lieder sind wie ein Tagebuch und das schönste Gefühl ist wenn sich Menschen in diesen Geschichten wiederfinden.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen.?
LS: Mit „Meinungen“.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
LS: Der Mut der Menschen im Iran.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
LS: Wenn ein Lied zu mir findet…und der Prozess des Schreibens.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
LS: Mein Musikgeschmack ist geprägt von österreichischen Liedermachern. Die Lieder von Georg Danzer begleiten mich seit meiner Kindheit. Außerdem höre ich auch Ludwig Hirsch, Wolfgang Ambros, Nino aus Wien, Hansi Dujmic…aber auch: Oasis, Beatles, Bob Dylan, ...

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
LS: Vinyl

KK: Was lesen Sie momentan?
LS: „Opernball“ von Stefanie Sargnagel

KK: Was ärgert Sie maßlos?
LS: Ungerechtigkeit.

KK: Was freut Sie ungemein?
LS: Der Frühling am Friedhof. Generell liebe ich den Frühling, da fühlt sich alles so „neu“ an. Ich finde es sollte das ganze Jahr Frühling sein.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
LS: Ja während Corona habe ich mit meiner Oma alte Kleidung umgenäht. Ich liebe es handwerklich zu arbeiten. Zuletzt habe ich in dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin, alles renoviert und auch ein paar alte Möbelstücke abgeschliffen und neu lackiert.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
LS: Das ist sehr schwierig zu beantworten. Ich liebe Filme. Und ich liebe viele Filme. Aber spontan würde ich sagen Leonardo Di Caprio in „Jim Carroll – In den Straßen von New York“ (1995).

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
LS: Es wäre großartig wenn jemand ein Heilmittel gegen Krebs erfinden würde.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
LS: Beides.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
LS: Im Auto und am Friedhof.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
LS: Keine.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
LS: Ich würde ein bedingungsloses Grundeinkommen für Kulturschaffende einführen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
LS: Ich denke ich würde keine schreiben wollen. Ich finde man erfährt so vieles über mich wenn man zwischen den Zeilen meiner Lieder liest. Der Rest gehört nur mir.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
LS: Ich denke immer ans Ende. Ein paar Schritte voraus. Am Ende sind wir alle tot. Aber das ist schon sehr negativ. Deshalb versuche ich ein paar Schritte zurück in die Zukunft zu denken: meine persönliche Zukunft stelle ich mir erfüllt von künstlerischer Arbeit vor. Ich würde mir wünschen, dass es immer weitergehen kann, dass ich immer wieder Lieder finde und bis zum Ende diesem Beruf nachgehen darf und kann.
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Freitag 19.12.2025
246. Botticelli Baby – Musik aus allen Himmelsrichtungen
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Empfehlung des Albums „Junk“ von Botticelli Baby vom September 2018 auf KultKomplott:

Etwas musikalisch völlig neues präsentieren BOTICCELLI BABY sicher nicht. Die Frage scheint aber auch im Grunde und überhaupt eher unwichtig. Wichtig hingegen ist, ob das Septett in der Lage ist, mit dieser vogelwilden Mischung aus Swing und Punk, Blues und Balkan, Fusion und Rock`n Roll ein Publikum zu beeindrucken. Und wie es das kann – mustergültig und nachhaltig! Denn wer einmal „Junk“ hört, vergisst diese Band garantiert nicht. Und ihre Live-Auftritte sind zudem legendär!
BOTTICELLI BABY gelingt das seltene Kunststück trotz unglaublicher Präzision und musikalischer Intelligenz wie eine vor Leidenschaft berstende Hinterhofband zu klingen. Jeden ihrer 12 Songs gehen die studierten Musiker mit vollem Risiko an. Hier gibt es kaum einschmeichelnde Balladen, oder gar geschickt kalkulierte Kunstgriffe. Handgemacht von Null auf Hundert – so beginnt fast jede ihrer Nummern. Für nichts sind sich die Glorreichen Sieben dabei zu schade. Die Rhythmusgruppe rollt und groovt und swingt. Der Bläsersatz schmettert die scharfen Tuttis im Staccato in den Äther und Marlon Bösherz knört und schreit und raunzt die Texte, als gelte es, der sowieso schon energiegeladenen Musik noch eine Steigerung zu verpassen. Hier ist eine Band am Werk, keine Solisten - auch wenn sie einzeln das Zeug dazu hätten. Bei aller Virtuosität wirkt alles was BOTTICELLI BABY spielen, trotz traditioneller Verweise, erfrischend originell, transparent, ja fast anarchisch und zu einhundert Prozent tanzbodentauglich. Gefälliger Mainstream geht anders. Musik aus allen Himmelsrichtungen – für alle Himmelsrichtungen. Veranstalter hingehört!
Jörg Konrad
Botticelli Baby gastieren am Mittwoch, 21. Januar 2026 im Rahmen der Reihe Jazz First im veranstaltungsforum Fürstenfeld.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Marlon Bösherz von Botticelli Baby: Vermutlich die Summe aus allen Entscheidungen und deren Konsequenzen, sowie sämtliche Faktoren des auf mich einprasselnden Lebens.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
MB: Alle Menschen, die Lust haben uns zu Hören, zu erleben. Die Kunst kann ein Gegenpol zur Gesellschaft erzeugen, sie um kulturellen Einfluss erweitern. Es soll immer vermitteln, dass es Mutig und gut, sogar vernünftig ist anders zu sein. Nachzudenken.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
MB: Da gibt es sehr viele, die immer wieder anders sein können. Sie sind aber wie weggefegt, wenn ein Auftritt begonnen hat, die Bühne brennt und die Menschen sich fallen lassen können. Es beginnt schon damit, dass es immer mit einer Art Trennungsschmerz zu tun hat, wenn die Band Probezeiten beendet, alle wieder in ihre Leben gehen. Wenn Touren beendet sind, Konzerte vorbei sind. Adrenalinabfall im Hotelzimmer, aus der Tourrealität in den Alltag wechseln.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
MB: Die Tour von Österreich in die Slowakei und das Konzertieren in Portugal. Menschen auf den Touren zu begegnen die für die Musik und die Kunst glühen und sich wirklich auf uns und unsere Kunst freuen. Viele haben es noch schwerer, als unsere Gesellschaft -noch, frei Kunst zu machen. Dann stehen da JUgendliche vor uns mit leuchtenden Auren und sagen, sie seien inspiriert, ermutigt und kratzen ihr Bargeld zusammen, um Musik von uns zu kaufen... da will ich immer einfach alles in eine Tasche stecken und alles verschenken.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
MB: Wenn von der Bühne ein Funke zum Publikum überspringt und alles eine Zeremonie wird, da fühle ich mich verbunden, das tut gut.
Auch der Moment in dem ein Song geboren wird kann sehr erfüllend sein.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
MB: Ich höre sehr viel Musik, sehr schräge Sachen, die Antiheld*innen. Punk, Jazz, Klassik, Britpop, Indie, auf deutsch, englisch, portugisisch, isländisch, polnisch...

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
MB: Vinyl und Kassette

KK: Was lesen Sie momentan?
MB: Momentan lese ich Inge Deutschkron „Ich trug den gelben Stern“, Paul Celan „Sprachgitter“ und Evelyn Höllrigl Tschaikner „The daily Feminist“, zudem stöbere ich immer Mal in Bildbänden, Gedichten, Anthologien und Sachbüchern.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
MB: Unfairness, Lügen und die öffentliche Verblendung so Vieler

KK: Was freut Sie ungemein?
MB: Positive Überraschungen und wenn ein Tag oder mehrere einen gewissen Fluss haben. Morgens aufstehen, einen Zimtkaffee trinken, eine Zigarette rauchen, ein bisschen knutschen, eine saubere Wohnung zurücklassen, ins Atelier gehen, an einem Projekt durcharbeiten bis ich hungrig werde, lesen, schreiben, den Nachmittag im Café mit Beobachtungen zubringen und abends Platten hören, rauchen und verloren gehen...

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
MB: Ja

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
MB: Ralph Fiennes „Die Ausgrabung“, Nahuel Pérez Biscayart „Kill the Jockey“, Joaquin Phoenix „Joker“, „Die Royal Tenenbaums“ - alle

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
MB: Ein Heilmittel gegen Endometriose, Lipödem, Pädophili und den Drang zu vergewaltigen

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
MB: Das weiß ich noch nicht. Beides ist mir passiert und ging.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
MB: Morgens gegen 9h in Cafés, abends unter der Dusche, im Aktivmodus im Atelier, auf Schiffen. Es kann immer, überall passieren. Deshalb ist immer ein Notizbuch und ein Stift mit dabei.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
MB: Keine im Augenblick. Ich schaue Böhmermann und die Heuteshow

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
MB: Ein Mindesteinkommen für Kunstschaffende einführen und mehr Geld in musische - musikalische Früherziehung, sowie freie Underground Projekte stecken, alle Privatunis für Kunst und Kultur verstaatlichen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
MB: ; oder Ich wurde verliebt

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
MB: Ich fürchte es wird hart.
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Mittwoch 26.11.2025
245. Matthias Lindermayr – Tendenziell eher am Vormittag
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Matthias Lindermayr fühlt sich als Kompionist und Trompeter stark von Miles Davis beeinflusst. Aber auch Nils Petter Molvaer, Arve Henriksen und Jon Hassell nennt der 1987 in München geborene Lindermayr als seine Inspirationsquellen. Gleichzeitig hat er in München, Berklee und Berlin studiert, wo er sich das ganze Rüstzeug für seine Karriere angeeignet hat. Er ist ein vielseitiger Musiker, der mit ebensolcher Freude in der strukturierten Big Band von Monika Roscher, als auch mit dem Ambient-, Avantgarde- und Minimal-Musiker Carlos Cipa gespielt hat.
Doch seine momentan vielleicht spannendsten musikalischen Begegnungen sind die mit der Pianistin Masako Ohta. Zwei erfolgreiche Alben hat er mit der Japanerin eingespielt. Mit „Nozomi“ wurden beide Instrumentalisten in die Bestenliste der Deutschen Schallplattenkritik 2/2025 aufgenommen, mit der Begründung: „Aus einem Minimum an Tönen (mal eine kleine Melodie, mal eine Handvoll Akkorde) erwächst immer wieder ein betörender Klangfluss – und damit ein Maximum an Magie.
Als „Traumduo“ wurde das Zusammenspiel der beiden auch bezeichnet. Auf KultKomplott war anlässlich ihres Auftritts in Fürstenfeld im November 2023 außerdem zu lesen: „Vielleicht kann man auch von einem Pas de Deux, einem tänzerischen Paarlauf auf den Schwingen der Musik sprechen.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Matthias Lindermayr: Mein musikalisches Elternhaus hat in mir den Wunsch entstehen lassen, Musiker zu werden. Verschiedene Persönlichkeiten, die mich in meiner Laufbahn begleitet haben – wie meine Musiklehrer an der Schule, sowie mein Trompeten- und Kompositionsprofessor an der Uni – haben mich weiter motiviert und bestärkt, meinen Weg zu gehen.
Dass ich der Mensch bin, der ich heute bin, hat außerdem mit allem zu tun, was ich bis hierhin erlebt habe, und mit allen Personen, die mir nahe standen und stehen.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
ML: Alle, die sich dafür interessieren und die ich damit inspirieren kann. Meine künstlerische Arbeit ist eher „egoistisch“. Ich möchte auf der Bühne Musik machen, die ich zu 100 Prozent fühle. Im Zweifel stehe ich lieber weniger auf der Bühne, als Musik zu spielen, die mir nicht gefällt.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
ML: All meine Hobbys und Interessen sowie mein Leben als Familienvater mit meiner Arbeit unter einen Hut zu bringen und dazu noch den Ablenkungen von Social Media zu widerstehen. :)
Außerdem die Menschen zu finden, die sich für meine Musik interessieren.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
ML: Die Geburt meiner Kinder.
Zwei Konzertreisen durch Japan.
Die gesellschaftlichen Zerwürfnisse während der Corona-Zeit.
Sportliche Erfolge bei verschiedenen Ultratrail-Rennen.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
ML: Im Studio zum ersten Mal die Musik zu hören, an der man lange gearbeitet hat.
Zeit mit anderen inspirierenden Musikern auf Tour zu verbringen.
Und natürlich jede Minute auf der Bühne.

KK: Hören Sie Musik, und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
ML: Ich höre sehr viel Jazz. Lange Zeit habe ich mich hauptsächlich für zeitgenössischen Jazz interessiert. Im Moment höre ich lieber alte Aufnahmen, z. B. Bill Evans, John Coltrane, George Russell,
Außerdem höre ich aktuell viel klassische Klaviermusik, um Ideen für neue Kompositionen für mein Duo mit Masako Ohta zu bekommen.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
ML: Wenn, dann Vinyl – aber meistens streame ich.

KK: Was lesen Sie momentan?
ML: Zuletzt „Der Tanz mit dem Schafsmann“ von Haruki Murakami. Bei Murakami kann ich sehr gut in seinen Welten versinken, abtauchen und die Zeit vergessen.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
ML: Die aktuelle gesellschaftliche Debattenkultur.
Ideologische Politik.
Leute, die laut reden während eines ruhigen Konzerts.

KK: Was freut Sie ungemein?
ML: Zeit mit meiner Familie zu verbringen.
Durch die Berge zu laufen.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
ML: Ich bin nicht besonders handwerklich begabt. Ich habe einmal eine Bank für unseren Balkon zusammengeschraubt.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind Sie in welchem Film beeindruckt?
ML: Philip Seymour Hoffman gefällt mir in jedem Film.
Außerdem finde ich Emma Stone in Lanthimos’ Filmen immer spannend.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung nach bisher noch nicht gibt?
ML: Eine Teleportier-Maschine. Auf die langen Fahrten vor und nach Konzerten würde ich gerne verzichten.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer oder Teamplayer?
ML: Ich bin definitiv eher ein Einzelkämpfer, kann aber, wenn es darauf ankommt, auch ein guter Teamplayer sein.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
ML: Wenn es eine Deadline gibt – und tendenziell eher am Vormittag.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
ML: Verschiedenes zum Thema Laufen, Trailrunning und Politik.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
ML: Schwere Frage … Vielleicht eine gerechtere Verteilung von Fördermitteln.

KK: Wenn Sie eine Autobiografie schreiben würden, wie wäre der Titel?
ML: Atemwege.

KK: Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?
ML: Ich lebe eher im Jetzt und mache mir (vielleicht zu wenige?) Gedanken über die Zukunft. Grundsätzlich blicke ich aber positiv nach vorn und freue mich darauf, was kommen wird.
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