Haben Sie einen Artikel verpasst? Dann klicken Sie hier. Im Archiv finden Sie auch ältere Veröffentlichungen.
1. Jon Hassell „Music Is Invisible – Pentimento Volume Three“
2. L'antidote „Sound Sketches: Music Composed For The Giogio Armani Privè 2...
3. Jeremiah Chiu „Edge Conditions“
4. Salomea „axxxis“
5. Stuttgarter Kammerorchester „Beethoven – Symphony Nr. 3 & 5“
6. Brainteaser Orchestra „Tonepool Paradox“
Freitag 16.10.2026
Jon Hassell „Music Is Invisible – Pentimento Volume Three“
Bilder
Jon Hassells Musik ist grenzenlos wie kaum eine andere. Der Amerikaner, der im Juni 2021 in Los Angeles zwar 84jährig, aber doch viel zu früh verstarb, zog Zeit seines Lebens wie ein Globetrotter durch die Kulturen dieser Welt, immer auf der Suche nach dem Ungehörten und Magischen. Wie ein Architekt plante, gestaltete und koordinierte er die Ausbeute dieser Expeditionen. Seine ästhetischen und funktionellen Konzepte entsprachen seinen Visionen, die eine Einheit von akustischer und elektronischer Musik, von kultureller Gleichstellung und improvisatorischem Kalkül umsetzten. So sind auf den Alben des Trompeters afrikanische, südamerikanische und asiatische Einflüsse zu hören, Minimal- und Ambientsegmente, verzerrte und verschattete Soundsplitter. Sein Instrument klingt dabei oft nach Geheimsignalen aus unbekannten Sphären, nach psychotropen Substanzen, die sich kreativ Bahn brechen. Und trotz all dieser aufsehenerregenden Individualität (oder vielleicht auch gerade deshalb) haben ihn die Talking Heads, Peter Gabriel, Brian Eno oder Davis Sylvian für ihre Projekte gebucht, lebte er nicht als Eremit weitab der Zivilisation, sondern mitten in deren Schmelztiegel, in New York (ganz simpel: wegen der Jobs, der Auftrittsmöglichkeiten, der Kontakte zu anderen Musikern).
Vor seinem Tod plante Jon Hassell eine Trilogie unter dem Titel „Pentimento“, ein Ausdruck, der die sichtbare Änderung in einem Gemälde oder einer Zeichnung bezeichnet, bei der ein Künstler eine frühere Bildidee übermalt.
Nach „Listening To Pictures“ (2018) und „Seeing Through Sound“ (2020) ist mit „Music Is Invisible“ nun posthum der dritte Teil dieser Reihe erschienen. Eingespielt Live bei einem Konzert 2015 in der St John at Hackney Church in London. Hassell spielt im Trio, mit seinen langjährigen musikalischen Begleitern Rick Cox (Gitarre, Synthesizer, Electronics) und John von Seegern (Bass, Drums, Electronics). Die Aufnahme wurde anschließend, getreu dem Titel dieser Trilogie, im Studio, nachbearbeitet. Das Original wurde sozusagen „übermalt“. Herausgekommen sind Klänge aus fernen Galaxien, verwundete Realitäten, die eine tranceartige Magie auslösen. Grenzenlose Musik eben.
Jörg Konrad.

Jon Hassell
„Music Is Invisible – Pentimento Volume Three“
Ndeya Records
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Freitag 16.10.2026
L'antidote „Sound Sketches: Music Composed For The Giogio Armani Privè 2005 – 2025“
Bilder
Vor gut einem Jahr starb Giorgio Armani 91jährig in Mailand. Nur wenige Wochen später ist im hauseigenen Modemuseum Armani/Silos eine Retrospektive über 20 Jahre Haute Couture des italienischen Stardesigners eröffnet worden. Zu dieser Ausstellung, die noch bis Dezember dieses Jahres in Mailand läuft, gibt es jetzt eine Art Soundtrack, eingespielt von Redi Hasa (Cello) Rami Khalifé (Klavier) und Bijan Chemirani (Perkussion). Es ist ein musikalischer Hybrid aus europäischer Kammermusik und klassischer arabischer Musik. Kleine orientalische Figuren und eingängige Themen, die von den Musikern mit Empathie umspielt, ja regelrecht umworben werden, verbinden sich mit europäischen Motiven und Improvisationen.
Auf „Sound Sketches: Music Composed For The Giogio Armani Privè 2005 – 2025“ treffen unterschiedliche Kulturen aufeinander, die eine völlig eigene musikalische Dynamik entstehen lassen. Es herrscht die Kunst der Einfachheit und der überspielten Kontraste. Stilistische Grenzen werden wie selbstverständlich überstiegen. Aus ihnen gehen meditative Grundstimmungen hervor, die zugleich eine sehr poetische Stimmungslage vermitteln und in subtilen, polyrhythmischen Vibrationen eine Vollendung erfahren.
Doch Soundtracks haben einen sehr eigenwilligen Charakter, da sie letztendlich immer nur einen Teil der in ihr liegenden Kunst zum Ausdruck bringen. Das Trio L'antidote befindet sich so auf einer Reise durch geheimnisvolle, unsichtbare Welten. Es sind atmosphärische Klanglandschaften, denen die Bilder abhanden gekommen sind, wobei sich die Musik nie ganz entfalten kann.
Viktor Brauer

L'antidote
„Sound Sketches: Music Composed For The Giogio Armani Privè 2005 – 2025“
Ponderosa Music Records
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 14.10.2026
Jeremiah Chiu „Edge Conditions“
Bilder
Jeremiah Chius Alben sind immer etwas ganz besonderes. Egal ob er mit dem Kollektiv von Spontaneous Music Live (SML), oder mit Marta Sofia Honer im Duo spielt. Immer beeindruckt sein warmer und verspielter Sound, den er vorwiegend am Modular-Synthesizer entwirft, sein Bezug zur Moderne, sein mitreißender Groove und sein elektronischer Elitarismus. Auch das jetzt bei International Anthem erschienene Soloalbum „Edge Conditions“ ist wieder ein überragender Wurf. Jede einzelne Kompositionen besticht durch ein tonales Eigenleben, das nach einer Fortsetzung dessen klingen, was einst Tortoise oder The Sea and Cake begonnen haben. Chiu entwickelt wunderbare Ideen, schafft Übergänge, spielt wie selbstverständlich mit Harmoniewechsel. Manches klingt bei ihm wie Ambient im Dancefloor-Look, wenn nämlich asiatische Klangfiguren mit rauem Straßen-Groove kommunizieren, oder minimalistische Sensibilität auf elektronische Poesie stösst. So ist er Tüftler und Ästhet zugleich.
Der in Chicago geborene und heute in Los Angeles lebende Jeremiah Chiu gehört zu einer Generation von jungen Musikern, die ihre Individualität vollends ausleben und jedes Risiko in Kauf nehmen, um letztendlich anders zu klingen als ein Großteil der Musikszene. Weder Komerzialität noch Anbiederung - nur Haltung! Auf die Frage, welche Musik ihn auf seinen Lebenswegen begleitet hat, antwortete Jeremiah in einem Interview: „Ich habe das Glück, eine ziemlich vielseitige Mischung aus Musik unter Freunden geteilt zu haben. Wir spielten in Punkbands, die schließlich zu Emo-Punk-Bands wurden, aber wir lernten auch gleichzeitig, wie man Drum-Maschinen und DJ benutzt - und hörten Chicago-House & Detroit Techno. Im College fusioniert das alles mit Jazz, neo-klassischer und Out-Sound / experimenteller Musik.“ So ist, mit einigen musikalischen Freunden, „Edge Conditions“ entstanden. Durchdacht, lustvoll illustrierend und intelligent zugleich.
Jörg Konrad

Jeremiah Chiu
„Edge Conditions“
International Anthem
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 14.10.2026
Salomea „axxxis“
Bilder
Vielleicht schafft Rebekka Salomea Ziegler mit ihrem vierten Album endlich den Durchbruch und bekommt musikalisch die Aufmerksamkeit, die ihr zusteht. Zu wünschen wäre es der Sängerin, Komponistin, Produzentin und Bandleaderin von Herzen. Denn die Tochter einer US-amerikanischen Klarinettistin und eines deutschen Hornisten liefert seit Jahren nicht nur herausragende Veröffentlichungen im Bereich Jazz, Soul und Rhythm & Blues ab. Ihre Life Performance unterstreicht zudem den eigenen Anspruch, den sie an dieser Stelle einmal so formulierte: „Ich möchte bewegen, ermutigen, trösten, aufmischen …. Ich möchte Schönheit und Hoffnung verbreiten, zum Nachdenken anregen, Raum geben für Wut und Trauer und Versöhnung.“ All dies löst das Quartett Salomea mit „axxis“ ein.
Zudem wurden Salomea 2026 bei der Verleihung des Deutschen Jazzpreis als „Künstlerin des Jahres“ ausgezeichnet. Die Sterne also sollten günstig stehen,
„axxxis“ ist ein Album mit warmer, organischer Instrumentierung, weichen Jazzharmonien und treibende, zig mal gebrochene Grooves, mit einer wunderbaren Stimme, deren lässige Phrasierung gefangen nimmt und sofort für Aufmerksamkeit sorgt. Natürlich erinnert „I Will Not Allow It“, mit diesen unablässigen Rimshots, die wie getacktete Morsecodes klingen, an Erykah Badus Debüt „Baduizm“. Die Soul-Prinzessin gehört dann auch zu Salomeas Favoriten, wie ebenfalls die großen Diven des Jazz Ella Fitzgerald und Billie Holiday.
Doch Salomea hat ihren eigen Stil gefunden, eine individuelle, charismatische Enklave, aus der heraus sie ihre verführerischen und auch provokanten Botschaften voller Überzeugung hinaus in die Welt sendet.
In dieser Form gehört Salomea mit zum Besten, was Deutschland in puncto Soul & Rhythm & Blues derzeit zu bieten hat.
Jörg Konrad

Salomea
„axxxis“
Nica
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Freitag 09.10.2026
Stuttgarter Kammerorchester „Beethoven – Symphony Nr. 3 & 5“
Bilder
Eigentlich widmete Ludwig van Beethoven seine 3. Symphonie Napoleon, dem damaligen Hoffnungsträger der europäischen Intelligenz. Als dieser sich 1804 die Kaiserkrone aufsetzte, zerriss der Komponist die Titelseite seines Manuskripts, aus Enttäuschung und der Überzeugung, Bonaparte wäre als Machthaber nur ein gewöhnlicher Tyrann, wie andere Herrscher auch.
Als das Stück dann 1806 als Erstdruck erschien, stand auf dem Deckblatt „Sinfonia Eroica“, gewidmet dem Fürsten Lobkowitz.
Mit diesem hochpolitischen Stück, einem Schlüsselwerk der Musikgeschichte, eröffnet das Stuttgarter Kammerorchester unter seinem Chefdirigenten Thomas Zehetmair das erste von insgesamt fünf Alben, die alle neun Symphonien von Beethoven in Neueinspielungen präsentieren. Und gleich mit den ersten Takten wird klar, wohin die musikalische Reise dieser Veröffentlichung gehen wird. Voller Dynamik, Intensität aber auch Präzision interpretiert Zehetmair mit seinen Instrumentalisten die kompositorischen Vorgaben. Dabei ist der Klang des Kammerorchesters etwas ganz besonderes, denn moderne Streicher und Holzbläser treffen auf historische Blechbläser. Dadurch entsteht eine neue, spezielle Farbigkeit, die sofort gefangen nimmt.
Überhaupt spielt bei aller spieltechnischen Raffinesse und fast revolutionären Ausdruckskraft, die Emotionalität dieser Einspielung eine gewichtige Rolle. Mit großer Leidenschaft werden Trauer und Heiterkeit, Pathos und Entschlossenheit deutlich gemacht. Zehetmair erklärt dies in einem Interview folgendermaßen: „Beethovens Musik ist unmittelbar, eindringlich und eröffnet uns ein Universum, dem man sich nicht verschließen kann – und will!“
Die Symphony Nr. 5 gehört wohl zu den populärsten Stücken der Klassik überhaupt. Doch Zehetmair gelingt es, diesen Evergreen aus seiner auch ein wenig verstaubten Ecke herauszuholen. Mit seiner Erfahrung weist er dem Orchester einen entschlackten, transparenten und dynamisch flüssigen Weg. So wird auch dieses Stück zu einer lebendigen Offenbarung und vermittelt als „Schicksals-Symphonie“ einen zwar entschlossenen, aber irgendwie auch tänzerisch leichten musikalischen Duktus.
Jörg Konrad

Stuttgarter Kammerorchester
unter Thomas Zehetmair
„Beethoven – Symphony Nr. 3 & 5“
SK Records
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 08.10.2026
Brainteaser Orchestra „Tonepool Paradox“
Bilder
Die europäischen Grenzen sind in den letzten Jahrzehnten durchlässiger, ja sie existieren zum Teil gar nicht mehr. Da ist es nur logisch, dass das länderübergreifende Musikantentum enorm zugenommen hat. Tyn Wybenga, der niederländische Komponist und Keyboardspieler, gehört zu den wegweisenden Sprachrohren im Amsterdamer Jazzbetrieb. Seine großformatigen Bands sind außergewöhnlich und seine spezielle Arbeitsweise weist mehr in die Zukunft, als in die Vergangenheit.
Wybengas Brainteaser Orchestra legt mit „Tonepool Paradox“ jetzt das zweite Album vor. Mit dabei sind Solisten aus Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, Rumänien, Slowenien, den Kanarischen Inseln und den USA. Aus all diesen unterschiedlichen Kulturen formt Wybengas eine musikalische Einheit, eine homogene Großformation, die zu den großen internationalen Jazzfestivals eingeladen wird und die mit ihrem Debütalbum 2022 mit dem Deutschen Jazzpreis ausgezeichnet wurde.
Die besondere Kompositionstechnik Wybengas besteht in dem Übereinanderschichten von Jazz-Improvisationen, Elektronik und zeitgenössischer Klassik. Die Songs haben zudem einen gewaltigen Groove, klingen lebendig, in sich geschlossen und vor allem abwechslungsreich. Das französische Magazin Citizen Jazz schreibt über Brainteaser Orchestra: „Ein Orchester wie dieses ist ein Geschenk für alle, die Musik und Abenteuer lieben.“
Jörg Konrad

Brainteaser Orchestra
„Tonepool Paradox“
Enja Records
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
© 2026 kultkomplott.de | Impressum
Nutzungsbedingungen & Datenschutzerklärung
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.