Zurück zu den neuesten Artikeln...
7. FATHER MOTHER SISTER BROTHER
8. DUST BUNNY
9. EIN KUCHEN FÜR DEN PRÄSIDENTEN
10. NOT OTHER CHOICE
11. LITTLE TROUBLE GIRLS
12. DIE PROGRESSIVEN NOSTALGIKER
Donnerstag 26.02.2026
FATHER MOTHER SISTER BROTHER
Ab 29. Februar 2026 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
FATHER MOTHER SISTER BROTHER ist ein behutsam als Triptychon komponierter Spielfilm. Die drei Geschichten kreisen um die Beziehungen erwachsener Kinder zu ihren teils distanzierten Eltern und untereinander. Jedes der drei Kapitel spielt in der Gegenwart, jedes in einem anderen Land: FATHER ist im Nordosten der USA angesiedelt, MOTHER in Dublin und SISTER BROTHER in Paris. Es ist eine Reihe von Charakterstudien, ruhig, beobachtend und ohne Wertung – und zugleich eine Komödie, durchzogen von feinen Fäden der Melancholie.


Ein Film von JimJarmusch
Mit Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik, Charlotte Rampling, Cate Blanchett u.a.

In seinem neuesten Geniestreich lässt Regie-Ikone Jim Jarmusch den hochkarätigen Cast um Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik, Charlotte Rampling, Cate Blanchett, Vicky Krieps, Indya Moore und Luka Sabbat die Untiefen familiärer Beziehungen ausloten. FATHER MOTHER SISTER BROTHER wurde bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.


Regiekommentar
„FATHER MOTHER SISTER BROTHER ist eine Art Anti-Actionfilm; sein subtiler und ruhiger Stil ist sorgfältig aufgebaut, um kleinen Details Raum zu geben, sich zu entfalten – fast so, als würden Blumen behutsam in drei zarten Arrangements platziert. Die Zusammenarbeit mit den meisterhaften Kameraleuten Frederick Elmes und Yorick Le Saux, dem brillanten Editor Affonso Gonçalves sowie weiteren regelmäßigen Weggefährten erhebt das, was mit Worten auf einer Seite begann, zu einer Form von reinemKino.“
Jim Jarmusch


Tom Waits als Vater
Tom Waits ist ein international gefeierter Singer-Songwriter, Performer, Komponist, Film- und Theaterschauspieler sowie Dichter.
In einer Karriere, die sich übermehrere Jahrzehnte erstreckt, wurde er mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter eine Oscar®-Nominierung für die beste Filmmusik, ein Golden Globe® für das beste Ensemble, der PEN Award, mehrere Grammy Awards und Nominierungen sowie die Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame.
Neben seiner unverwechselbaren Stimme zeichnen sich Waits’ mehr als zwanzig Alben durch außergewöhnliche Orchestrierungen und Arrangements aus, die traditionelle europäische und amerikanische Musikformen auf unkonventionelle Weise miteinander verbinden – von Jazz-Folk und Blues bis hin zu Kabarett, Field Hollers und Spoken Word.
Als Schauspieler wirkte Tom Waits in über zwanzig Filmen mit, darunter WOLFSMILCH, BRAM STOKER’S DRACULA, DOWN BY LAW, SHORT CUTS, THE BOOK OF ELI, DAS KABINETT DES DOKTOR PARNASSUS und 7 PSYCHOS, und arbeitete dabei mit namhaften Autorenfilmern wie Jim Jarmusch, Terry Gilliam, Francis Ford Coppola, Hector Babenco, Martin McDonagh, RobertAltman und den Coen-Brüdern zusammen.

Adam Driver als Jeff
Adam Driver war zuletzt in Francis Ford Coppolas MEGALOPOLIS und Michael Manns FERRARI zu sehen. Für seine Rollen in Noah Baumbachs MARRIAGE STORY und Spike Lees BLACK KKLANSMAN wurde er für den Oscar® nominiert. Zu den zahlreichen Filmen, in denen er mitwirkte, zählen unter anderem Ridley Scotts THE LAST DUEL, Leos Carax' ANNETTE, Jim Jarmuschs PATERSON und THE DEAD DON'T DIE, Steven Soderberghs LOGAN LUCKY sowie Martin Scorseses SILENCE. Weltweit bekannt wurde er für seine Rolle als Kylo Ren in der STAR WARS-Sequel-Trilogie.
Außerdem erhielt Adam Driver Emmy®-Nominierungen für seine Gastrolle als Moderator bei „Saturday Night Live“ und seineLeistunginderHBO-Serie„Girls“.
Kürzlich stand er in der Off-Broadway-Produktion von Kenneth Lonergans „Hold On to Me Darling“ unter der Regie von Neil Pepe auf der Bühne. Für seine Rolle in „Burn This“ unter der Regie von Michael Mayer wurde er für einen Tony® nominiert und für „Look Back in Anger“ unter der Regie von Sam Gold mit dem Lucille Lortel Award als herausragender Nebendarsteller ausgezeichnet.
Adam Driver ist Absolvent der Juilliard School und ehemaliger Soldat der US-Marines.

Mayim Bialik als Emily
Mayim Bialik ist vor allem bekannt für ihre Hauptrolle als Blossom Russo in der NBC-Sitcom „Blossom“ aus den frühen 1990er Jahren und für die Rolle der Amy Farrah Fowler in der von Kritikern gefeierten CBS-Comedy-Serie „The Big Bang Theory“, für die sie zwei Critics' Choice Awards, vier Emmy®-Nominierungen und eine SAG-Award-Nominierung erhielt.
Sie war zwei Staffeln lang Moderatorin von „Jeopardy!“ und erhielt für ihre Leistung in dieser Funktion ihre fünfte Emmy®-Nominierung. Die Kultshow gewann in dem Jahr, in dem sie moderierte, ihren ersten Primetime-Emmy®.
Im Jahr 2021 schrieb und inszenierte Mayim Bialik ihr Spielfilmdebüt AS THEY MADE US – EIN LEBEN LANG mit Dustin Hoffman, Candice Bergen, Dianna Agron und Simon Helberg in den Hauptrollen.
Mayim Bialik moderiert zudem den beliebten Mental-Health-Podcast „Mayim Bialik’s Breakdown”, der über 60 Millionen Mal abgerufen wurde. Sie hat einen Bachelorabschluss und einen Doktortitel in Neurowissenschaften von der UCLA und ist Autorin von vier Büchern, von denen zwei auf der Bestsellerliste der New YorkTimes stehen: „Girling Up:How to be Strong, Smart and Spectacular” und „Boying Up: How to be Brave, Bold and Brilliant“.

Charlotte Rampling als Mutter
Charlotte Rampling begann ihre Filmkarriere 1964 mit Richard Lesters DER GEWISSE KNIFF. 1966 übernahm sie die Rolle der Meredith in GEORGY GIRL, woraufhin ihre Schauspielkarriere sowohl im englischen, französischen als auch im italienischen Kino Fahrt aufnahm; sie spielte 1969 in Luchino Viscontis DIE VERDAMMTEN und 1974 in Liliana Cavanis DER NACHTPORTIER an der Seite von Dirk Bogarde.
Beim amerikanischen Publikum erlangte sie große Bekanntheit durch die Neuverfilmung von Raymond Chandlers Kriminalroman FAHR ZUR HÖLLE, LIEBLING, später durch Woody Allens STARDUST MEMORIES und insbesondere durch THE VERDICT – DIE WAHRHEIT UND NICHTS ALS DIE WAHRHEIT, ein gefeiertes Drama unter der Regie von Sidney Lumet mit Paul Newman in der Hauptrolle.
Zu ihrer langen Liste von Filmen gehören auch Alan Parkers ANGEL HEART, Ian Softys WINGS OF THE DOVE – DIE FLÜGEL DER TAUBE, Michael Cacoyannis THE CHERRY ORCHARD DER KIRSCHGARTEN, Dominik Molls LEMMING, Laurent Cantets IN DEN SÜDEN, Jonathan Nossiters SIGNS & WONDERS und Nagisa Oshimas MAX MON AMOUR.
Charlotte Rampling hat mehrfach mit dem Regisseur François Ozon zusammengearbeitet und war in UNTER DEM SAND, SWIMMINGPOOL, ANGEL–EIN LEBEN WIE IM TRAUM und JUNG & SCHÖN zu sehen.
Zu ihren jüngsten Arbeiten zählen THE LITTLE STRANGER, RED SPARROW, HANNAH, ASSASSIN'S CREED, EUPHORIA, GRENZENLOS, 45 YEARS, WAITING FOR THE MIRACLE TO COME, THE SENSE OF AN ENDING VOM ENDE EINER GESCHICHTE, NACHTZUG NACH LISSABON, I, ANNA, MELANCHOLIA, IM AUGE DES STURMS, STREETDANCE 3D, ALLES, WAS WIR GEBEN MUSSTEN, BABYLON A.D., LIFE DURING WARTIME, BOOGIE WOOGIE – SEX, LÜGEN, GELD UND KUNST und DIE HERZOGIN sowie in den Serien „Broadchurch“, „Dexter” und „Restless”.
Für ihre Rolle in 45 YEARS erhielt Charlotte Rampling zahlreiche Auszeichnungen als Beste Schauspielerin, darunter bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin, dem Edinburgh International Film Festival, dem London Film Critics’ Circle und beim Europäischen Filmpreis.
Außerdem wurde sie für einen Oscar® nominiert.

Cate Blanchett alsTimothea
Cate Blanchett ist eine international gefeierte Schauspielerin, Produzentin, Menschenrechtsaktivistin und Kämpferin für Lösungen zur Bewältigung der Klimakrise.
Zu ihren Filmrollen zählen Auftritte in TÁR, NIGHTMARE ALLEY, DON’T LOOK UP, OCEAN’S 8, THOR: TAG DER ENTSCHEIDUNG, CAROL, BLUE JASMINE, I’M NOT THERE, DER SELTSAME FALL DES BENJAMIN BUTTON, TAGEBUCH EINES SKANDALS, DIE TIEFSEETAUCHER, INDIANA JONES UND DAS KÖNIGREICH DES KRISTALLSCHÄDELS, der DER HERR DER RINGE-Trilogie, DER HOBBIT, AVIATOR, DER TALENTIERTE MR. RIPLEY und ELIZABETH. Zuletzt war sie in der Miniserie „Disclaimer“ von Alfonso Cuarón und in TANZ DER TITANEN zu sehen, bei denen sie auch als ausführende Produzentin tätig war. Cate Blanchett hat im Laufe ihrer Karriere zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter zwei Oscars®, vier BAFTAs, drei Golden Globes® und drei Screen Actors Guild Awards.
Cate Blanchett ist Mitbegründerin und Geschäftsführerin der Film- und Fernsehproduktionsfirma Dirty Films (zusammen mit ihren Partnern Andrew Upton und Coco Francini), die kürzlich „Proof of Concept“ ins Leben gerufen hat, ein Programm, das finanzielle Unterstützung, Mentoring und Präsentationsmöglichkeiten für weibliche, trans und nicht-binäre Filmschaffende bietet. Für Dirty Films produzierte Blanchett Warwick Thorntons preisgekrönten Film THE NEW BOY, in dem sie auch selbst mitwirkte, Christos Nikous Apple-Original-Film „Fingernails“ mit Jessie Buckley, Riz Ahmed und Jeremy Allen White sowie Noora Niasaris preisgekrönten Debütfilm SHAYDA mit Zar Amir Ebrahimi in der Hauptrolle. Zu den weiteren Credits gehören Todd Haynes' CAROL und Todd Fields TÁR, Christos Nikous APPLES sowie die zehnfach Emmy-nominierte Serie „Mrs.America“.
Von 2008 bis 2013 war Cate Blanchett gemeinsam mit Andrew Upton künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der Sydney Theatre Company (STC) und produzierte jährlich 16 Stücke auf vier Bühnen, die auf umfangreichen Tourneen im In- und Ausland zu sehen waren. Zu den Produktionen
der STC, in denen sie auch selbst auftrat, gehören Andrew Uptons „The Present“ unter der Regie von John Crowley, für das sie eine Tony-Award-Nominierung am Broadway erhielt, Tennessee Williams' „Endstation Sehnsucht“ unter der Regie von Liv Ullman, Anton Tschechows „Onkel Wanja“ unter der Regie von Tamás Ascherso wie Benedict Andrews' Inszenierungen von „The War of the Roses“, Genets „Die Zofen“ und Botho Strauß' „Gross und Klein“. Weitere bemerkenswerte Produktionen umfassen Steven Soderberghs „Tot Mom“, eine Adaption von Kate Grenvilles „The Secret River“ unter der Regie von Neil Armfield, Sam Wests „True West“ unter der Regie von Philip Seymour Hoffman, Produktionen des Regisseurs Kip Williams sowie David Harrowers „Blackbird“ und Joan Didions „Das Jahr magischen Denkens“, die beide von Blanchett inszeniert
wurden. Neben zahlreichen Auszeichnungen erhielten Blanchett und Upton den Green Globe Award, da sie das Unternehmen zu einer der umweltfreundlichsten Kunstorganisationen weltweit gemacht haben.
Cate Blanchett war zudem Vorsitzende der Festivaljurys in Cannes, Venedig und beim Camerimage-Festival in Polen.
Die Filmfestspiele von Venedig haben ihr zweimal den Preis für die beste Darstellerin verliehen. Sie ist Stipendiatin des BFI London Film Festivals, wurde mit dem Stanley Kubrick Award for Excellence in Film ausgezeichnet und hat einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame. Zu ihren
zahlreichen weiteren Auszeichnungen zählen der Ehren-César, der Internationale Goya, der Chaplin-Award und der Donostia-Preis von San Sebastián. Sie wurde in Frankreich zum „Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres“ sowie in Australien zum „Companion of the Order of Australia“ ernannt und mit der Centenary Medal für ihre Verdienste um die australische Gesellschaft ausgezeichnet. Zudem erhielt sie die Ehrendoktorwürde der University of New South Wales, der University of Sydney und der Macquarie University.
Cate Blanchett ist globale Sonderbotschafterin des UN- Flüchtlingshilfswerks UNHCR und Mitglied des Earthshot Prize Councils. Außerdem ist sie Vorstandsmitglied des britischen National Theatre, lebenslanges Mitglied der Australian Conservation Foundation, engagierte Unterstützerin des Actors Benevolent Fund, der SAG-AFTRA Foundation und der Australian Wildlife Conservancy, darüber hinaus AFI-Botschafterin sowie Schirmherrin des Sydney Film Festivals und der NIDA Foundation, der Schauspielschule, an der sie selbst ausgebildet wurde.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 18.02.2026
DUST BUNNY
Ab 19. Februar 2026 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
In Bryan Fullers (HANNIBAL, PUSHING DAISIES) visionärem wie fantastischem Spielfilm-Regiedebüt DUST BUNNY tut sich ein 10-jähriges Mädchen mit ihrem geheimnisvollen Nachbarn, einem Auftragskiller, zusammen, um es mit ihren jeweiligen Monstern aufzunehmen.
Die junge Aurora (Sophie Sloan) ist überzeugt davon, dass ein Monster ihre Familie verschlungen hat. In ihrer Verzweiflung sucht sie Hilfe bei dem mysteriösen Fremden von nebenan (Mads Mikkelsen), einem Auftragskiller, der ihr nur widerwillig seine Dienste zusagt. Er vermutet, dass
Auroras Eltern gar nicht von einem Fabelwesen gefressen, sondern Opfer eines Anschlags wurden, der eigentlich ihm galt. Getrieben von Schuld- und Verantwortungsgefühlen stellt er sich schließlich der Aufgabe, das Mädchen zu beschützen – und muss dabei erkennen, dass so manche Monster tatsächlich real sind.


Ein Film von Bryan Fuller
Mit Mads Mikkelsen, Sophie Sloan, Sigourney Weaver, David Dastmalchian, Rebecca Henderson und Sheila Atim

Regiekommentar von Bryan Fuller

DUST BUNNY erzählt von einem jungen Mädchen, das einen Auftragskiller engagiert, um das Monster unter ihrem Bett zu töten. Im Kern geht es dabei um dunkle Gefühle und die Frage danach, wie wir lernen können, mit ihnen umzugehen – und letztendlich mit ihnen zu leben. Eigentlich wünschte sich unsere Heldin Aurora sogar selbst, dass das Monster unter ihrem Bett ihre Eltern fressen würde. „Sie waren nicht besonders nett zu mir“, ist die einzige Erklärung, die wir dafür von ihr erhalten.
Zum Hintergrund meinerseits: Ich bin mit einem gewalttätigen Vater aufgewachsen und wäre als Junge durchaus zufrieden damit gewesen, wenn ein Monster ihn gefressen hätte.
Es gibt doch unzählige Gründe dafür, warum ein Kind im Moment eines Wutanfalls (oder auch einem anderen) den dringenden Wunsch verspüren könnte, dass es seine Eltern nicht mehr geben sollte – von falschen Weihnachtsgeschenken über Ausgangssperren bis hin zu selteneren und durchaus bösartigeren Situationen. Ich möchte, dass sich die Zuschauer*innen ihre eigene Vorstellung davon machen, warum Aurora einen solchen Wunsch geäußert haben könnte – oder, genauer gesagt, warum sie ihn selbst hätten äußern können.
Immerhin hatte ich auch meine Gründe.
Als Märchen erkundet DUST BUNNY die Möglichkeit, was denn passiere, wenn einem Kind jener finstere Wunsch tatsächlich erfüllt würde – der Wunsch, einen Elternteil oder gleich beide ein für alle Mal loszuwerden... und dann auch mit den Konsequenzen leben zu müssen. Wie viele Märchen ist auch DUST BUNNY letztendlich ein Rätsel, wenn nicht sogar in erster Linie.
Die Frage, die wir seinem Publikum damit stellen, lautet: „Glaube ich Aurora?“
Hoffentlich glaubt man ihr in den ersten beiden Akten nicht!
Mit ihrer lebhaften Vorstellungskraft zeigen wir Auroras Wahrnehmung aus einer ziemlich unzuverlässigen Perspektive: Schatten atmen, Tapeten bewegen sich, und unter ihrem Bett lauert ein Monster. Um sie herum geschehen allerlei „magische“ Dinge, die sonst niemand bemerkt. Bedeutet das etwa, dass das, was Aurora erlebt, gar nicht real ist?
Ihre Gefühle hingegen sind durchaus real. Sie lebt in ständiger Angst vor ihnen, während ihr Nachbar gegenüber seinen eigenen Gefühlen abgestumpft ist. Im Gegensatz dazu erscheint seine Wahrnehmung vom Sachverhalt um das Mädchen vernünftig: kein Monster, nur Menschen mit Kugeln und Messern anstatt Zähnen und Krallen.
Doch entspricht Vernunft nicht immer der Wirklichkeit. Und bloß weil ein Kind etwas Außergewöhnliches behauptet, bedeutet das noch lange nicht, dass es nicht wahr ist.
Alle wären besser daran beraten, Aurora zu glauben. Wenn DUST BUNNY eine Botschaft hat, dann: „Glaube Kindern.“ Sobald ihr Nachbar ihr Glauben schenkt, ist Aurora in der Lage, mit ihrem Monster umzugehen. Ich möchte gar nicht, dass DUST BUNNY wie Medizin wirkt, aber ich würde mich freuen, wenn der Film zum Nachdenken anregt. Auroras Antwort „Sie waren nicht besonders nett zu mir“ wurde tatsächlich von etwas inspiriert, das mir mal die Mutter eines Freundes mitgegeben hat. Sie arbeitete als Lehrerin und kannte sämtliche Anzeichen von Missbrauch. „Sie sind nicht besonders nett zu dir, oder?“, fragte sie dann.
Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie bedeutsam es für mich war, meine Erfahrungen von einer Erwachsenen anerkannt und eingeordnet zu bekommen. Immerhin verzerrt Missbrauch die eigene Wahrnehmung: Man fragt sich, warum er einem angetan wurde, warum man ihn verdient haben könnte und manchmal sogar, ob er überhaupt wirklich stattgefunden hat.
Falls DUST BUNNY Gespräche anregt, hoje ich, dass sie davon handeln, auf Kinder einzugehen und wahrzunehmen, was sie vielleicht nicht mit Worten sagen, aber auf andere Weise ausdrücken. Wie schön wäre es, wenn unser Film einem (inneren) Kind das Gefühl vermitteln könnte, verstanden und ernst genommen zu werden…?
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 12.02.2026
EIN KUCHEN FÜR DEN PRÄSIDENTEN
Ab 05. Februar 2026 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Allen Widerständen zum Trotz
Für meinen ersten Spielfilm wollte ich mich mit einem Thema, einer Welt, einem Motiv und Figuren befassen, die mir vertraut sind. Ich wollte einen Film aus Erinnerungen entwickeln, der die tägliche Realität der Menschen im Irak dieser Zeit schildert, aber vor allem die Kraft der Liebe und Freundschaft feiert. […]
Mich interessieren echte menschliche Emotionen, Kämpfe, Verbindungen und Geschichten. In diesem Film habe ich versucht, alles offen Politische zu vermeiden. Es war mir ein großes Anliegen, authentische Charaktere und eine Zeit im Irak zu zeigen, die noch nie zuvor dargestellt wurde. Natürlich ist mir bewusst, dass die Geschichte politische Elemente enthält, aber das ist die natürliche Folge eines Films über den Irak unter Saddam Hussein, unter Sanktionen und Kriegen. Mir war es auch sehr wichtig, dass die Iraker im Alltag als „Helden“ dargestellt werden und nicht als Kriegssoldaten, wie es in irakischen Filmen sonst üblich ist.
Hasan Hadi, Regisseur und Drehbuchautor von EIN KÜCHEN FÜR DEN PRÄSIDENTEN


Ein Film von Hasan Hadi
Mit Baneen Ahmed Nayyef (Lamia), Sajad Mohamad Qasem (Saeed), Waheed Thabet Khreibat (Bibi), Rahim AlHaj (Jasmin) u. a.


„Glückwunsch, Lamia! Du kannst stolz sein!“ Lamia wurde in der Klasse ausgelost. Aber mit Stolz erfüllt es sie nicht, dass ihr nun die große Aufgabe obliegt, einen Kuchen für die Geburtstagsfeierlichkeiten des irakischen Präsidenten Saddam Hussein zu backen. Für das neunjährige Mädchen, das gemeinsam mit seiner Großmutter Bibi in armen Verhältnissen im Marschland im Süden des Irak lebt, ist das eine große Herausforderung. Zumal sie weiß, dass sie nicht scheitern darf, weil ihr sonst eine Strafe droht. Mit Bibi und ihrem Hahn Hindi macht Lamia sich auf den Weg in die Stadt, um die teuren Zutaten Mehl, Eier, Zucker und Backpulver zu kaufen. Dafür hat Bibi das letzte Bargeld sowie ein Radio und Schmuckstücke zum Tauschen eingepackt.
Erst versteht Lamia nicht, weshalb ihre Oma ihr in der Stadt plötzlich eine neue Schuluniform kaufen will. Doch schon kurz danach, wird es ihr klar: Ihre Oma will Lamia einer fremden Familie überlassen, weil sie sich nicht mehr um sie kümmern kann. Lamia ist zutiefst betroffen und fürchtet, sie habe etwas falsch gemacht – und läuft davon. Sie beschließt, die Zutaten für den Kuchen alleine zu beschaffen. In der Stadt trifft sie ihren besten Freund Saeed, als dieser gerade einen Passanten bestiehlt; Saeed hat die Aufgabe, Obst für den Präsidentengeburtstag zu besorgen, und kommt ebenfalls aus einer armen Familie. Während Bibi beginnt, nach ihrer Enkelin zu suchen, streifen Lamia und Saeed allein durch die Stadt.
Sie treffen auf freundliche Menschen, die sich für sie einsetzen, und böswillige, die sie ausnutzen und ihnen im Tausch gegen die Uhr Falschgeld andrehen. Indem sie kleine Tätigkeiten für einen Händler erledigen, können sie sogar an Eier kommen. Dann jedoch wird Lamias Hahn Hindi gestohlen – und es kommt deswegen zum Streit zwischen Lamia und Saeed. Als Lamia Hindi bei einem Schlachter wiederentdeckt, kann sie den Mann zwar überreden, ihr den Hahn wieder zu überlassen, entgeht aber kurz danach nur knapp einem Missbrauch durch den Schlachter, der sie im Tausch gegen Backpulver in ein Pornokino einladen will. Gerade noch rechtzeitig kann Lamia die Flucht ergreifen, wird jedoch kurz danach von der Polizei aufgegriffen, weil der Schlachter sie als Diebin bezichtigt. Einem freundlichen Taxifahrer, dem sie mit ihrer Oma schon zuvor begegnet ist, ist es zu verdanken, dass Lamia schließlich frei kommt. Die nächste Hiobsbotschaft allerdings folgt sogleich. Die an Diabetes erkrankte Oma liegt im Krankenhaus. Als Lamia mit dem Taxifahrer dort ankommt, ist Bibi bereits verstorben. Mit dem Sarg ihrer Oma kehrt Lamia nach Hause zurück, wo sie nachts auf dem Fluss Abschied von ihrer Oma nimmt.
Saeeds Mutter hilft Lamia am folgenden Tag, den Kuchen zu backen. Lamia hat den Auftrag des Lehrers damit erfüllt. Just als die Geburtstagsfeier für den Präsidenten in der Schule beginnen soll, ertönen jedoch plötzlich Siren. Lamia und Saeed verstecken sich unter Bänken im Klassenzimmer und sehen sich in die Augen. Bombeneinschläge der Luftangriffe kommen immer näher.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 04.02.2026
NOT OTHER CHOICE
Ab 05. Februar 2026 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Man-su hat sich mit viel Fleiß und harter Arbeit ein perfektes Leben geschaffen: Haus mit Garten, harmonische Ehe, talentierte Kinder und genug Zeit für sein geliebtes Bonsai-Hobby. Doch als KI plötzlich seinen Job ersetzt, müssen er und seine Familie auf allerlei Annehmlichkeiten verzichten: die Tennisstunden der Gattin, das Netflix-Abo der Kinder und selbst die zwei treuen Golden Retriever können sie sich nicht mehr leisten. Und je länger Man-su vergeblich Bewerbungen schreibt, desto näher rückt auch der Verlust des geliebten Hauses. Schließlich begreift er: Nicht der Mangel an Jobs ist das Problem, sondern die Menge an Mitbewerbern. Man-su bleibt keine andere Wahl als sich–auf sehr kreative Art und Weise–seiner Konkurrenten zu entledigen.
Park Chan-wook (OLDBOY, DIE TASCHENDIEBIN) zählt neben Bong Joon-ho (PARASITE) zu den großen Meistern kluger und kunstvoller Unterhaltung aus Südkorea. Mit NO OTHER CHOICE gelingt ihm ein bitterböses Vergnügen, eine messerscharfe Symphonie des Absurden – visuell brillant und beißend komisch. In der Hauptrolle glänzt Lee Byung-hun (SQUID GAME) als Mittelschichtskarrierist ohne Hemmungen, aber mit blutig-grünem Daumen. Ein wildes Kinoerlebnis voller unvorhersehbaren Wendungen, das seine Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Venedig 2025 feierte und sich schon jetzt auf direktem Weg zum Kultfilm befindet.


Ein Film von Park Chan-Wook
mit Lee Byung-hun, Son Yejin, Park Hee-soon, Lee Sung-min, Yeom Hye-ran u.v.a.


PARK CHAN-WOOK (Regie & Drehbuch)

„Ich wollte einen Film drehen, der die Zuschauer dazu bringt, sich zu fragen: Was gilt im Leben der heutigen Mittelschicht als unterste Grenze? Welcher Standard muss erfüllt sein, damit ein Leben als anständig gilt? Und daraus folgend: Was genau versucht dieser Mann eigentlich zu
schützen?"
Regisseur Park Chan-wook hat seit seinem ersten Film JOINT SECURITY AREA und später mit OLDBOY, DIE TASCHENDIEBIN und DIE FRAU IM NEBEL immer wieder neue Maßstäbe im koreanischen Kino gesetzt – sei es durch seine faszinierenden Figuren, seine provokante
Erzählweise oder seine fesselnden Mise-en-Scène. Als erster Koreaner gewann er drei Auszeichnungen bei den Filmfestspielen von Cannes: den Großen Preis der Jury bei den 57. Festspielen OLDBOY), den Preis der Jury bei den 62. Festspielen (DIE TASCHENDIEBIN) und Beste Regie bei den 75. Festspielen (DIE FRAU IM NEBEL).
Mit NO OTHER CHOICE realisierte Park Chan-wook ein Herzensprojekt, an dem er bereits seit mehr als 10 Jahren arbeitete. Der Film basiert auf dem Roman „The Ax“ (1997) von Donald E. Westlake, der bereits 2005 von Costa-Gavras verfilmt wurde.

Filmografie:
2025 NO OTHER CHOICE
2024 THE SYMPATHIZER (Mini-Serie)
2022 DIE FRAU IM NEBEL
2018 DIE LIBELLE (Mini-Serie)
2016 DIE TASCHENDIEBIN
2014 A ROSE REBORN (Kurzfilm)
2013 STOKER
2011 NACHTANGELN (Kurzfilm)
2009 DURST
2006 I’M A CYBORG, BUT THAT’S OK
2005 LADY VENGEANCE
2003 OLDBOY
2002 SYMPATHY FOR MR. VENGEANCE
2000 JOINT SECURITY AREA
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 28.01.2026
LITTLE TROUBLE GIRLS
Ab 29. Januar 2026 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Die 16-jährige Lucia tritt dem Mädchenchor ihrer katholischen Schule bei. Dort lernt sie die zwei Jahre ältere Ana Maria kennen und schließt Freundschaft mit dem selbstbewußten, beliebten Mädchen. Als der ganze Chor im Sommer auf ein intensives Probenwochenende nach Italien fährt, kommt es zu Spannungen zwischen den beiden: Die introvertierte, behütet aufgewachsene Lucija verguckt sich in einen attraktiven Bauaurbeiter, mit Hilfe von Ana Maria beginnt sie zugleich ihre Sexualität zu entdecken. Es sind Tage, die nicht nur die noch frische Freundschaft der beiden, sondern auch Lucias Glauben und Werte infrage stellen…
Die slowenische Filmemacherin Urska Djukic gewann mit ihren preisgekrönten Kurzfilmen u. a. den Europäischen Filmpreis 2022. In ihrem von hervorragenden Darsteller*innen getragenen Spielfilmdebüt LITTLE TROUBLE GIRLS variiert sie ganz ohne Klischees eine Geschichte über weibliches sexuelles Erwachen.


Ein Film von Urska Djukic
Mit Jara Sofija Ostan, Mina Svajger, Sasa Tabakovic u.v.a.


ÜBER DIE REGISSEURIN URSKA DJUKIC

Die slowenische Filmemacherin Urska Djukic gewann mit ihren preisgekrönten Kurzfilmen u. a. den Europäischen Filmpreis 2022. In ihrem von hervorragenden Darsteller*innen getragenen Spielfilmdebüt LITTLE TROUBLE GIRLS variiert sie ganz ohne Klischees eine Geschichte über weibliches sexuelles Erwachen.
Urska Djukics jüngster Kurzfilm OMAS SEXLEBEN wurde mit über 50 Preisen ausgezeichnet, darunter der Europäische Filmpreis für den besten Kurzfilm im Jahr 2022 und der César-Preis 2023 für den besten animierten Kurzfilm. Zu Djukic' früheren Kurzfilmen gehört auch THE RIGHT ONE, Teil des Episodenfilms SEE FACTORY SARAJEVO MON AMOUR, der 2019 bei der Directors’ Fortnight in Cannes Premiere feierte. 2019 nahm Djukic an der 39. Ausgabe der Cannes Cinéfondation Residency teil, wo sie LITTLE TROUBLE GIRLS entwickelte, das später beim Les Arcs Film Festival im Dezember 2023 als bestes Work-in-Progress-Projekt ausgezeichnet wurde. LITTLE TROUBLE GIRLS ist ihr erster Spielfilm.


INTERVIEW MIT REGISSEURIN URSKA DJUKIC

Wann hast du angefangen, über diesen Film nachzudenken? Was war der ursprüngliche Auslöser für die Idee?
Der erste Funke für das Projekt entstand 2018, als ich ein Konzert eines slowenischen Mädchenchors sah. Als ich sie zum ersten Mal singen hörte, kamen mir sofort die Tränen. Ich war tief bewegt von der Kraft ihrer Stimmen, die am Rande des Erwachens ihrer Weiblichkeit standen, so sehr, dass ich meine Gefühle zusammenreißen musste, um nicht mitten im Konzert die Fassung zu verlieren. Die Kraft dieser jungen Frauenstimmen, die im Laufe der Geschichte so oft zum
Schweigen gebracht worden waren, hatte etwas zutiefst Bedeutendes an sich. Im Publikum saßen auch drei Priester, die genauso bewegt waren wie ich. Das erschien mir als eine ungewöhnliche Szene: erwachsene Männer, die in Zölibat leben, lauschen Mädchen, die erwachende sexuelle Energie ausstrahlen. Ich empfand das als bedeutsam für mich und wollte dieses Thema und meine emotionale Reaktion darauf in einem Spielfilm erforschen. Ich begann damit, den Chor zu beobachten und seine Dynamik zu erforschen, was mich ursprünglich zu meinem Drehbuch inspirierte. Später gründeten wir unseren eigenen Projektchor, um die Arbeit fortzusetzen.

Du hast also extra für den Film einen neuen Chor gegründet? Wie hast du die Lieder ausgewählt?
Ja, genau. Wir haben Vorsingen für junge Sängerinnen veranstaltet und etwa 30 Mädchen ausgewählt, zusammen mit unseren vier Schauspielerinnen, die wenig bis gar keine Gesangserfahrung hatten. Dann begann die harte Arbeit. Der Chor wurde von der großartigen Musikerin Jasna Zitnik geleitet, die auch den Schauspieler Sasa Tabakovic darin beriet, den Chor im Film zu dirigieren und zu leiten. Ich interessierte mich besonders für slowenische Volkslieder, die die Szenen mit ihrem Inhalt und ihrer Atmosphäre ergänzen konnten. Für das Finale des Films verwendeten wir ein sehr altes italienisches Gebet, das von unserer Kollaborateurin, der Vokalistin Irena Tomazin, vorgeschlagen wurde. Zusammen mit ausgewählten Sängerinnen adaptierte sie es und führte es in den Szenen auf, in denen die Schwestern in einer Höhle und unter einem Wasserfall singen. Dieses Stück hatte eine so starke Resonanz, dass es sogar die härtesten Männer der Crew während der Dreharbeiten bewegte. Jeder konnte die Energie dieses alten Reinigungsgebets spüren. Der Film endet mit dem ikonischen Song „Little Trouble Girl” von Sonic Youth, der den Titel des Films inspirierte und dessen narrative und thematische Essenz perfekt zusammenfasst.

Der Film wirkt sehr persönlich; man hat das Gefühl, dass er auf intimen Erfahrungen basiert. Gleichzeitig enthält er viele christliche Elemente: das Kloster, Nonnen und eine konservative Familiendynamik. Wie persönlich ist diese Geschichte und was waren Ausgangspunkte für deinen Ansatz?
Ich fing damit an, mich mit der weiblichen Stimme auseinanderzusetzen, die im Laufe der Geschichte so oft zum Schweigen gebracht wurde. Das führte mich zu der schwierigen Beziehung zu Sexualität, Sünde und Schuldgefühlen. Anhand einer sensiblen jungen Frau, die von gesellschaftlichen Konventionen der Sündhaftigkeit geprägt ist, wollte ich mich damit beschäftigen, wie junge Menschen ihre innere Kraft finden. Diese Schuldgefühle, die mit natürlichen Instinkten einhergehen, habe ich persönlich während meiner Kindheit erlebt. Obwohl meine Familie nicht streng religiös war, erzog mich meine Mutter nach traditionellen katholischen Vorstellungen davon, wie ein „braves Mädchen” zu sein hat. Später wurde mir klar, dass diese Vorstellungen, die vielen Generationen von Mädchen, einschließlich meiner eigenen, aufgezwungen wurden – insbesondere die über Körperbild, Scham und Sexualität – starr und unbeholfen sind. Mit LITTLE TROUBLE GIRLS wollte ich die Geheimnisse der Sinne als Werkzeuge erforschen, die uns helfen uns selbst besser zu verstehen. Ich glaube, dass das lange bestehende Tabu rund um Sexualität dazu geführt hat, dass wir immer noch nicht in der Lage sind, ihr Potenzial vollständig zu verstehen oder zu nutzen.
Der Körper hat seine eigene instinktive Intelligenz, die uns leitet, wenn wir genau hinhören. Das Konzept der sündhaften Sexualität und die mangelnde Aufklärung darüber sind ein cleverer Mechanismus, um Menschen von ihrer inneren Kraftquelle zu trennen. Ich würde sagen, es ist wichtig, dass wir uns erlauben, auf unsere Intuition zu hören und ihr zu vertrauen, auch wenn sie den gesellschaftlichen Normen widerspricht. Menschen, die tief mit ihrem Körper verbunden sind, lassen sich weniger leicht kontrollieren, weil sie ihrer inneren Führung mehr vertrauen als äußeren Vorgaben.
In dem Film hinterfragt Lucia ihre inneren, körperlichen Empfindungen im Vergleich zu gesellschaftlichen Normen und Erwartungen, die unser Verhalten formen und einschränken. Letztendlich beschließt sie durch eine transzendentale, kathartische körperliche Erfahrung, auf ihre Intuition zu hören statt den Dogmen zu folgen.

Lucia bleibt sich selbst treu, aber in der heutigen Welt kann es sich immer noch so anfühlen, als sei Sexualität ein Tabuthema, oder zumindest, dass bestimmte Erwachsene wollen, dass es für junge Menschen ein Tabu bleibt.
Als ich meinen vorherigen Film OMAS SEXLEBEN Schüler*innen im Cinema Dvor vorstellte, kam eine Lehrerin nach der Vorführung auf mich zu und sagte: „Oh, ich bin so froh, dass Sie dieses Thema offen angesprochen haben, denn wir hatten damit Probleme in der Schule. Ich musste dem Schulleiter erklären, warum wir den Schüler*innen Filme über Sexualität zeigen und mit ihnen darüber diskutieren.“ Sie sagte, dass einige Lehrer sogar dagegen protestiert hätten, dass die Schüler*innen solche Filme sehen, und Angst davor hätten, mit ihnen über Sexualität zu sprechen. Das hat mich überrascht. Selbst heute, im Jahr 2025, haben manche Menschen Angst, über Sexualität zu sprechen?
Das bestätigt nur, dass die unbeholfene Haltung gegenüber Sexualität in unseren Gesellschaften immer noch sehr präsent ist. Ich finde es wirklich wichtig, offen und klar darüber zu sprechen. Jetzt, nach der #MeToo-Bewegung, haben wir endlich begonnen, darüber zu diskutieren, wo die Grenzen liegen, was erlaubt ist und was nicht. Erst jetzt beginnen wir zu verstehen, dass Schweigen,
Unbeholfenheit und Scham sexuellen Missbrauch tatsächlich verfestigt.

Wie verlief das Casting? Hattest du schon eine klare Vorstellung von der Figur oder hast du diese Merkmale erst später in der Schauspielerin entdeckt? Was hast du bei deiner Hauptdarstellerin gesucht und wie hast du es gefunden?
Ich war auf der Suche nach einem Mädchen, das sich in der Übergangsphase vom Mädchen zur Frau befand. Ich wollte jemanden mit Anmut, etwas Strahlendes, etwas Leuchtendes. Wenn ich mit Schauspieler*innen und anderen Beteiligten arbeite, gehe ich in der Regel von dem aus, was sie von Natur aus mitbringen, und wähle sie anhand ihrer Lebenserfahrungen aus. Ich habe mich bei einem Casting, das wir zu diesem Zweck veranstaltet haben, für Jara Sofija Ostan entschieden. Schon als ich mir die rund 60 kurzen Videovorstellungen der jungen Schauspielerinnen ansah, die sich beworben hatten, wusste ich sofort, dass sie die Richtige war – Lucia. Ich sah sofort, dass sie etwas Magisches an sich hatte: Sie wirkte wie eine alte Seele, gefangen im Körper eines Mädchens, die langsam erwachte. In ihren Augen liegt eine gewisse Traurigkeit, die sie sensibler macht als andere.
Während wir arbeiteten, öffnete sie sich und begann, so viel zu geben. Sie arbeitete mit vielen Coaches und Lehrer*Innen zusammen, um das Niveau zu erreichen, das sie im Film zeigte. Es war faszinierend, wie unsere Schauspielcoachin Natasa Burger zu Beginn unserer Arbeit bemerkte, dass Jaras Arme wie losgelöst neben ihrem Körper hingen, als wären sie nicht mit dem Rest ihres Körpers verbunden. Erst durch den Prozess des Schauspielens begann Jara, ihren Körper zu verstehen, ihn wirklich zu spüren und durch ihn zu agieren. Im Laufe eines Jahres durchlief sie eine bedeutende persönliche Entwicklung, und wir haben diese Verwandlung im Film festgehalten.
In diesem Prozess habe ich gelernt, wie wichtig es ist, sich treiben zu lassen und dem zu folgen, wohin mich das Material führt. Wenn ich versuchte, Jara in eine Richtung zu drängen, die ihr nicht entsprach, fühlte es sich nicht authentisch an. Also habe ich das Drehbuch an ihren Charakter angepasst. Diesen Ansatz habe ich bei allen Schauspieler*Innen angewendet.
Mina Svajger (Ana-Maria) wurde auf ähnliche Weise ausgewählt – ihre blauen Augen verkörpern eine wilde und furchtlose junge Frau, die den perfekten Kontrast zu Lucias Sanftheit und Schüchternheit bildete. Ich sah sie als Yin- und Yang-Energien, die sich ergänzen und Teil eines Ganzen sind.

Wie hast du dir diese Beziehung zwischen Lucia und Ana-Maria vorgestellt? Sie ist ziemlich schwer fassbar – manchmal scheint es mehr als nur Freundschaft zu sein.
Für mich repräsentieren Lucia und Ana-Maria eine Person – zwei Seiten desselben Individuums. Die eine ist der rationalere, intellektuellere Aspekt, während die andere instinktiver und „wilder” ist. Ich wollte mit informellen Regeln spielen und sie hinterfragen, indem ich andeute, dass sexuelle Energie nicht fest daran gebunden ist, ob die andere Person dem anderen Geschlecht angehört. Lucia ist verwirrt darüber, woher diese Anziehungskraft kommt, und hinterfragt, was richtig oder falsch ist, was Spannung und Schuldgefühle in ihr hervorruft. Was ist es, das uns zu anderen hinzieht? Oft ist es nicht unbedingt das Verlangen nach einer sexuellen Beziehung. Vielleicht fühlen wir uns zu etwas hingezogen, das jemand hat, das uns fehlt, das wir aber gerne besitzen würden. Oder zu etwas, das wir lernen müssen. Auch das ist sexuelle Energie. Die Beziehung zwischen Lucia und Ana-Maria basiert auf dieser Dynamik. Lucia fühlt sich zu etwas hingezogen, das sie nicht hat und noch nicht versteht, etwas, das den Weg repräsentiert, den sie für ihre persönliche Entwicklung einschlagen muss.

Der Ton ist ein äußerst wichtiges Element des Films. Der Film beginnt mit einem Geräusch – genauer gesagt mit Atmen – und dann mit einem scheinbar abstrakten Bild.
Ja, die Einleitung ist der Atem, der dich mit deinem Körper verbindet. Der Film beginnt mit einer alten Illustration der Wunde Christi, die einer Vulva ähnelt. Diese Illustrationen haben mich schon immer fasziniert.
Das Bild stammt aus einem kleinen Gebetbuch aus dem 14. Jahrhundert, das für die Herzogin Juta von Luxemburg angefertigt wurde. Um die Wunde herum sind die Folter- und Bestrafungsinstrumente Christi dargestellt, die seinen Widerstand gegen das herrschende System symbolisieren. Gleichzeitig ähnelt dieses geheimnisvolle Bild metaphorisch einer Vulva, die, wie Gustave Courbet bekanntermaßen sagte, der Ursprung von allem ist. Dieses Bild führt dich nach innen – durch Schmerz führt es dich in den Körper, wo unser Wesen wohnt...

Was vor allem auffällt, ist die Zärtlichkeit. Vor allem die Zärtlichkeit und Zerbrechlichkeit deiner Hauptfigur, die diesen Ausdruck aufrichtiger Verwunderung hat; sie empfindet alles sehr intensiv, will wissen, ist offen für die Verbindung mit der Welt; und doch hat sie immer noch Angst davor.
Zärtlichkeit war ein wichtiges Konzept bei der Entstehung dieses Films. An einem Punkt habe ich dieses Wort gesagt: ZÄRTLICHKEIT zu jedem Beteiligten – dass dies das Wort ist, das unsere Arbeit leitet. Es mag idealistisch klingen, aber ich glaube, dass Zärtlichkeit in dieser Welt Härte überwinden kann – sie ist stärker.
(Interview geführt von Ana Sturm)
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 22.01.2026
DIE PROGRESSIVEN NOSTALGIKER
Ab 22. Januar 2026 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Ein Familien-Idyll im Frankreich der 1950er Jahre: Michel (Didier Bourdon), mittelmäßig, ist Bankangestellter und Ernährer, seine bessere Hälfte Hélène (Elsa Zylberstein), mit Dauerwelle, aber aufsässig, kümmert sich um Haushalt und Kinder. Das patriarchale Paradies scheint perfekt, bis ein Kurzschluss der gerade eingezogenen Waschmaschine die beiden ins Jahr 2025 katapultiert. Plötzlich sind die Rollen neu verteilt. Während sich Hélène aller Ahnungslosigkeit zum Trotz erstaunlich gut als karriere-intensive Powerfrau schlägt, muss sich Michel als Hausmann im Smart-Home abmühen. Statt Unterwerfungsrhetorik braucht Michel nun Empowerment, Hélène genießt die Freiheit der Emanzipation.
Doch die schöne neue Welt hat so ihre Tücken: Der virtuelle Sprachassistent ist ein sturer Bock, die Möbel muss man sich selbst zusammenschrauben, der Hundekot wird vom Boden aufgehoben und die eigene Tochter möchte ihre Freundin heiraten. Jetzt reicht es dem entmachteten Familienoberhaupt.
Es geht zurück in die gute alte Zeit und zwar sofort! Wenn er nur wüsste, wie man die smarte Waschmaschine auf Zeitrückreise programmiert.
In DIE PROGRESSIVEN NOSTALGIKER ist die Freiheit immer nur einen Flügelschlag von der guten alten Zeit entfernt. Regisseurin Vinciane Millereau beweist ein großartiges Gespür für die Absurditäten unserer Zeit. Mit rotzfrechem Humor, präzisem Sarkasmus und herrlicher Situationskomik nimmt DIE PROGRESSIVEN NOSTALGIKER die Heilsversprechen unserer Gegenwart aufs Korn und erzählt von der wunderbaren Relativität der Geschichte.

Ein Film von Vinciane Millereau
Mit Elsa Zylberstein, Didier Bourdon, Mathilde Le Borgne, Maxim Foster, Romain Cottard u.v.m.


DIE REGISSEURIN VINCIANE MILLEREAU
Die französische Regisseurin Vinciane Millereau ist auch als Schauspielerin in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen, Serien und Kurzfilmen bekannt, zuletzt war sie in BENEDETTA von Paul Verhoeven oder in der Miniserie „The Plague“ zu sehen.
Daneben arbeitet sie am Theater und als Synchronsprecherin für Dokumentationen und Werbespots. Von 2002 – 2005 war sie die Off-Stimme für den französischen Fernsehsender France 5. Mit dem Kurzfilm BARBIE GIRLS feierte Vinciane Millereau ihr Debüt als Regisseurin. Ihr erster Kinofilm DIE PROGRESSIVEN NOSTALGIKER war sofort ein Erfolg in Frankreich und landete in den Top Ten.


Die Hauptdarstellerin Elsa Zylberstein
Die französische Schauspielerin Elsa Zylberstein begann nach dem Abitur ein Anglistikstudium und besuchte nebenbei die Pariser Schauspielschule Cours Florent unter Francis Huster. Ende der 1980er Jahre stand sie erstmals vor der Filmkamera.
Der Durchbruch als Schauspielerin gelang Elsa Zylberstein 1991 mit der Filmbiografie VAN GOGH von Maurice Pilliard. Für ihr Schauspiel erhielt sie den Filmpreis Prix Michel Simon und eine César-Nominierung in der Kategorie Beste Newcomerin.
1993 gewann sie den Romy-Schneider-Preis für talentierte französische Nachwuchsdarstellerinnen und 2009 nahm sie für den Part der Léa in Phillipe Claudels Filmdrama SO VIELE JAHRE LIEBE ICH DICH den César als Beste Newcomerin entgegen. Das Filmdrama über eine von Kristin Scott Thomas gespielte Kindsmörderin war zudem im Rennen um den Goldenen Bären der 58. Berlinale. Es folgten zahlreiche Fernseh- und Kinofilme sowie einige Theateraufführungen. Im Kino war sie zuletzt in Jessica Hausners CLUB ZERO und EIN GLÜCKSFALL von Woody Allen zu sehen.

Filmographie (Auswahl):
2023 EIN GLÜCKSFALL von Woody Allen
2023 CLUB ZERO von Jessica Hausner
2022 CHAMPAGNE! von Nicolas Vanier
2018 LIEBE BRINGT ALLES INS ROLLEN von Franck Dubosc
2017 HEREINSPAZIERT! von Philippe de Chauveron
2011 DER KUSS DES SCHMETTERLINGS von Karine Silla
2008 SO VIELE JAHRE LIEB ICH DICH von Phillipe Claudel
1992 BLAUER HIMMEL von Christian Vincent
1991 VAN GOGH von Maurice Pilliard


Der Hauptdarsteller Didier Bourdon
Didier Bourdon ist nicht nur ein beliebter französischer Schauspieler, sondern auch durch seine Arbeit als Drehbuchautor und Regisseur bekannt. Seine ersten Schritte als Schauspieler machte er gemeinsam mit Bernard Campan und Pascal Légitimus, mit denen er 1986 das Comedy-Trio Les Inconnus gründete. 1991 gewannen sie damit den Comedy-Preis Molière du rire. Nach großen Erfolgen drehten sie 1995 gemeinsam den Kinofilm ALLES KEIN PROBLEM! Der Film wurde mit 6 Millionen Besuchern zu einem der erfolgreichsten französischen Filme. Fortan konzentrierte sich Didier Bourdon vor allem auf seine Filmkarriere und spielte nur noch selten Theater. International bekannt wurde er mit Filmen wie LIEBE AUF FRANZÖSISCH und dem Film EIN GUTES JAHR von Ridley Scott. Zu seinen jüngsten Filmen gehören u.a. OH LA LA – WER AHNT DENN SOWAS?, DAS GROSSE LOS und FROHES FEST.

Filmographie (Auswahl):
2024 FROHES FEST von Jeanne Gottesdiener
DAS GROSSE LOS von Hervé Mimran
OH LA LA – WER AHNT DENN SOWAS? von Julien Hervé
2006 EIN GUTES JAHR von Ridley Scott
2003 LIEBE AUF FRANZÖSISCH von Didier Bourdon
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
© 2026 kultkomplott.de | Impressum
Nutzungsbedingungen & Datenschutzerklärung
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.