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7. Fürstenfeld. Junge Stars - Erfolgreiche Etappe in den Beruf
8. Bergson: Dominique Fils-Aimé zu Gast im Bergson Elektra Tonquartier
9. Fürstenfeld: Neue Bühne Bruck - Wortgeklingel und Wortgewalt
10. Fürstenfeld: Vatermal – Überfordert und orientierungslos
11. Landsberg: Die Kommandeuse – Teuflischer Monolog
12. Gröbenzell: Klavierduo Danae und Kiveli Dörken - Reiche Klangpalette durc...
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Mittwoch 25.03.2026
Fürstenfeld. Junge Stars - Erfolgreiche Etappe in den Beruf
Fürstenfeldbruck. Auch in diesem Jahr fand das vom Kulturverein Fürstenfeld veranstaltete Konzert „Junge Stars“ im Stadtsaal statt. Es handelt sich einerseits um einen hochkarätigen Abend für die Mitglieder des Vereins, andererseits verfolgt es das Förderziel, Auftrittsmöglichkeiten für sehr begabte junge Musikerinnen und Musiker anzubieten. Die „Junge Philharmonie München“ ist als Orchester dabei beständiger Partner. Die etwa 80 Mitglieder sind vom Lebensalter her jung und kommen aus vielen Nationen. Allein ihre Zahl sprengt fast die akustischen Möglichkeiten des Stadtsaals. Das Spielniveau ist erfreulich hoch, was belegt, dass die Probenarbeit in den Arbeitsphasen zielführend ist. Da ist es sicher von Vorteil, dass das Orchester mit Johannes Zahn von einem professionellen Dirigenten geleitet wird, der entsprechend in der Lage ist, ein so erfreuliches Klangerlebnis erreichen zu können.
Trotzdem gilt die größte Aufmerksamkeit des Publikums an diesem Abend nicht den Musikern im Orchester, sondern den Solisten. Zweifelsohne ist es für jeden jungen Musiker eine große Ehre, ein Solokonzert mit einem Orchester spielen zu dürfen. Es ist zugleich eine ungewohnte Herausforderung: In keinem anderen Kontext sind die Bezugspunkte zwischen eigenem Spiel sowie Abstimmung mit Orchester und Dirigent in vergleichbarer Weise komplex. Dahinter verbirgt sich eine große Lernchance, die mit dem künstlerischen Förderziel des Kulturvereins ideal in Einklang zu bringen ist. Der Cellist Raphael Wersin und die Harfenistin Maria Pogolski sind beide 18 Jahre alt. Ihr Hobby, viel Zeit in das Erlernen eines Instruments zu stecken, befindet sich bei beiden im Übergang zur Berufsentscheidung, Musiker zu werden.
Raphael Wersin war mit dem Konzert für Violoncello und Orchester in C-Dur Hob. VIIb:1 von Joseph Haydn zu hören, ein Werk, das in vielerlei Hinsicht hohe Anforderungen an den Solisten stellt. Die duftige Vorlage, die das Orchester im Kopfsatz (Moderato) dem Solisten bereitete, definierte das Zusammenspiel im ganzen Werk. Die ausgeprägte Versiertheit mit der Bogentechnik beim Solisten ließ die oft filigrane Verzierungskunst Haydns beeindruckend zu Klang werden. Kleine Unstimmigkeiten im Zusammenspiel zu Beginn verflüchtigten sich im Verlauf. Einen ausdrucksvoll singenden Ton entfaltete Raphael Wersin im Adagio. Pulsierend legte das Orchester im Final-Allegro molto den Grund für das flexibel agierende Spiel des Solisten, der hier souverän die Führung übernahm.
Die Harfenistin Maria Pogolski stellte sich dem Publikum mit einem der berühmtesten Solokonzerte vor, nämlich dem in C-Dur von Francois-Adrien Boieldieu. Der Beginn des Eingangssatzes (Allegro brillante) erinnerte im Orchester an eine Opernouvertüre. Die Harfenistin antwortete mit sehr klarem, zugleich aber auch rundem Ton. Musikalisch wunderbar phrasiert, wurde sie nur sparsam vom Orchester begleitet und konnte dynamisch differenziert eine Art instrumentale Arie vortragen. Das Andante lento wirkte sehr gefällig, hatte aber zugleich klangliche Tiefe. Dabei geriet die Balance zwischen Orchester und Solistin sehr gut ausgeglichen, so dass beide Parte zu einer überzeugenden Einheit zusammenfanden.
Eines ist sicher: Raphael Wersin und Maria Pogolski verfolgen, das war hier zu erleben, sehr ernsthaft ihren Weg, professionelle Musiker zu werden. Attitüden von Stars haben beide nicht, und man darf hoffen, dass das auch so bleibt. Der große Beifall für beide Musiker war daher ebenso angebracht wie ehrlich ihrer Kunst geschuldet.
Zwei Orchesterwerke rahmten die beiden Solokonzerte: Eröffnet wurde das Konzert mit der „Moldau“ von Bedrich Smetana, beschlossen mit „La Mer“ von Claude Debussy. Der geschmeidige Orchesterklang mit den vielen Farben zeichnete das Fließen des Wassers der Moldau gut nach. Gelungene Übergänge zeigten verschiedene Wechsel der Blickrichtungen an, große dynamische Steigerungen erinnerten akustisch an den zunehmenden Wasserstrom. Vergleichbares war in „La Mer“ zu hören, wobei die stilistischen Merkmale des Impressionismus eine Vielzahl weiterer klanglicher Türen beeindruckend öffnete. Zu Recht gab es begeisterten Beifall am Ende auch für die Orchestermitglieder und den Dirigenten.
Klaus Mohr
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Dienstag 24.03.2026
Bergson: Dominique Fils-Aimé zu Gast im Bergson Elektra Tonquartier
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Die Kanadierin Dominique Fils-Aimé verinnerlicht als Sängerin und Songwriterin ein musikalisch wie schöpferisch breites Spektrum. Angefangen von Blues-Einflüssen über Soul mit Jazzelementen, steht sie mit ihrem Engagement gleichzeitig für eine politisch aufgeklärte und offene Gesellschaft. Beginnend mit dem 2023 erschienen Longplayer „Our Roots Run Deep“ erweiterte sie ihren schöpferischer Fokus um die Wurzeln der afroamerikanischen Musikkultur. Damit legte sie gleichzeitig einen Grundstein für die Auseinandersetzung mit sozialen Realitäten, die die von ihr favorisierten Genres beeinflusst haben. Ihr aktuelles Album „My World is The Sun“ ist gerade erschienen.

Das erste Konzert Ihrer „Sunshine Show“ zelebrierte sie letzten Freitag im Elektra Tonquartier, dem Konzertsaal des Bergson, einem Kulturtempel im ehemaligen Heizkraftwerk München-Aubing. Seit Wochen sind ihre Konzerte ausverkauft. Nicht weiter verwunderlich, denn die Auftritte von Dominique Fils-Aimé sind in der Regel etwas ganz Besonderes. Sie bestechen durch eine sehr persönliche authentische Ansprache. Ihre durch die Bank selbstgeschriebenen Songs erzählen von Erlebnissen und Begegnungen, Zweifeln, innerlicher Einkehr und gleichzeitig der Freude am Leben, der Gemeinschaft mit- und füreinander. Der Konzertabend war trotz allem denkwürdig. Das Licht, stylisch effektvoll und düster, passte nicht so recht zu ihrer Darbietung. Ihre vertrauten Begleiter Étienne Miousse an der Gitarre, Keyboarder David Osei-Afrifa, Bassist Danny Trudeau und Schlagzeuger Harvey Bien-Aimée, erweitert um den Trompeter Hichem Khalfa, waren in bester Spiellaune, der Soundpegel allerdings sehr laut und im Verlauf des Abends dadurch zu aufdringlich. Dadurch waren Details des Zusammenspiel nicht so deutlich und transparent, wie man sich es akustisch optimaler Weise gewünscht hätte. Dominiqué Fils-Aimés einzigartige Stimme dagegen war zum Glück glasklar präsent. Sie weiß um ihre Bühnenpräsenz, ist eine großartige Entertainerin, musikalisch dieses Mal mit viel Soul&Pop, kombiniert mit Afrobeats, Space für kurze Improvisationen und Soli ihrer Mitstreiter, nie auslandend, sondern punktiert und strukturiert. An dem Abend präsentierte sie als Intro „Ma Mélodie“ gefolgt von dem beeindruckenden „Sea Of Clouds“ mit Loops und Choranklängen. Ihr Programm war unterteilt in vier „Interventions“, in denen Sie von frühen Songs wie „Birds“, „Somebody“, „My Mind At Ease“ über „We Are Light“ oder „Give Me A Reason“ den Bogen schlug zu ihren aktuellen Songs vom „My World Is The Sun“ Album. Dazwischen persönliche Ansagen über Liebe und Zuversicht, Miteinander und Vertrauen, Sorgen loslassen … Stories aus dem Leben. Eine Zugabe passte da nicht wirklich ins Konzept. Beim letzten Stück „Rhtyhm Of Nature“ verabschiedeten sich die Musiker nach und nach, dann noch „Je T'aimais, Je T'aime, Je T'aimerai“ im Duo mit Keyboarder Osei-Afrifa, bis sich Dominique a cappella mit „Ma Mélodie“ wieder verabschiedete.

Das Publikum dankte begeistert mit stehenden Ovationen Fils-Aimé und ihrer Band. Im Vergleich zu früheren Auftritten fehlte ein wenig der geheimnisvolle Spirit, den sie bisher versprühte. Die Sunshine Show wirkte dafür zu sehr durchkonzipiert und organisiert. Spontanität oder musikalische Überraschungen blieben an dem Abend auf der Strecke. Das ist schade, denn das war bisher immer spannend an ihren Auftritten.
Text & Foto: Thomas J. Krebs
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Montag 23.03.2026
Fürstenfeld: Neue Bühne Bruck - Wortgeklingel und Wortgewalt
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Fotos: Klaus Schräder
Yasmina Rezas „Drei Mal Leben“ an der Neuen Bühne Bruck

Ein Unglück kommt selten allein! Da plärrt der sechsjährige Sohn aus seinem Kinderzimmer, will nicht einschlafen und terrorisiert die Eltern. Und dann kommen auch noch Gäste zum Abendessen - dabei war das Treffen erst für den nächsten Tag geplant. Ein verunglückter Abend, und das in drei Varianten: „Drei Mal Leben“ der Erfolgsautorin Yasmina Reza hatte am vergangenen Freitag Premiere an der Neuen Bühne Bruck. Small-Talk zwischen Wortgeklingel und Wortgewalt: ein amüsanter Abend.
Keks oder Apfel - das ist hier die Frage. Der Sohn von Henri (Hagen Ullmann) und Sonja (Ella Schulte) wünscht - trotz schon geputzter Zähne - im Bett zu essen. Das Ehepaar streitet über Grundsätze in der Kindererziehung, begleitet vom Krakeelen des Sechsjährigen. In diesen Streit gerät das Ehepaar Finidori. Ines (Judith Gebele) und Hubert (Andreas Müller) sind nicht weniger streitsüchtig als Sonja und Henri, wobei Henri, seines Zeichens Astrophysiker, von Hubert erfährt, dass sein wissenschaftlicher Aufsatz bereits von einem Konkurrenten publiziert worden ist. Tragisch - und komisch zugleich, weil sich beide Ehepaare auf die notdürftig herbeigeschafften Snacks stürzen und Sancerre ohne Unterlass in sich hineinschütten.
„Drei Mal Leben“ ist ein wortreiches, aber action-armes Stück aus dem Jahr 2000, das sich in drei Varianten wiederholt, doch in Nuancen unterscheidet. Die Akteure erfahren in den jeweiligen Episoden eine unterschiedliche Gewichtung, das Geplärre des Kindes wirkt schließlich weniger penetrant. Henri wird letztendlich doch noch ein Schuss Gerechtigkeit zuteil – sein wissenschaftlicher Aufsatz scheint einen gnädigen Richter zu finden. Und Sonja und Ines können sich in ihren jeweiligen Soli ein Stück weit emanzipieren.
Beherrschender Akteur in diesem Dreiteiler ist Hubert, ein arroganter, schnöseliger, immerzu schwadronierender, modisch gekleideter 50Jähriger, den Regisseur Ernst Matthias Friedrich treffend mit Andreas Müller besetzt hat. Ines, in ein enges Kostüm gezwängt, nimmt die Demütigungen ihres Mannes mit zunehmender Rebellion und steigendem Alkoholpegel hin. Sonja mimt die kühle Juristin, deren Grundsätze zumindest bei der Kindererziehung durcheinandergeraten. Und Hagen Ullmann spielt den undankbaren Part des vor sich hin plappernden Losers, schon vom Äußeren her eher ein Prol mit grellem T-Shirt und lila Turnschuhen, ständig an einer Bierflasche herumnuckelnd.
Regisseur Ernst Matthias Friedrich unterbricht die drei Teile durch Zwischenspiele im Finstern, die vier Akteure flanieren stumm und schemenhaft über die dunkle Bühne – begleitet von Klängen aus der Händel-Oper „Ariodante“. Die Arie „Nach der düsteren, unheilvollen Nacht“ wirft einen Schatten auf die Szenerie: Witziges Boulevard Theater, durchmischt mit Demütigungen, Versagen, Schuldzuweisungen und Wehmut.
Ina Kuegler
P.S. Die nächsten Aufführungen sind am 29. März und am 11. April.
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Fotos: Ute Langkafel
Montag 16.03.2026
Fürstenfeld: Vatermal – Überfordert und orientierungslos
Fürstenfeld. Rot ist die vorherrschende Farbe des Abends. Rot als Metapher des Lebens, der Sinnlichkeit, der Frische und der Rebellion, aber auch als Zeichen des Lasters, des Kampfes und der aufziehenden Gefahr. Regisseur Hakan Sava? Mican hat sich bei seiner Bühnen-Adaption von Necati Öziris mehrfach ausgezeichneten Roman „Vatermal“ vorherrschend für diese Farbe entschieden (Bühnenbild Alissa Kolbusch): Knallroter Bühnenboden, rote (Klapp-)Sessel, roter Bühnenrahmen und signalrote Kostüme der beiden Hauptdarstellerinnen - alles ist in dieser für das menschliche Auge grellen wie empfindlichen Symbolik gehalten. Am Freitagabend gastierte das Berliner Maxim Gorki Theater in Fürstenfeld und präsentierte eben jenes „Vatermal“, ein Stück, das die postmigrantische Lebensgeschichte von Menschen erzählt, die einst aus Not nach Deutschland kamen und hier gegen eigenes Scheitern und gegen Behördenwillkür neu ankämpfen.
Doch Mican hat sich ganz im Sinne der Vorlage nicht für eine larmoyante Inszenierung aus überwiegend tragischen oder melancholischen Elementen entschieden, sondern er geht diese auch kulturelle Auseinandersetzung in stimmungsvoller Partylaune an.
Da wäre Arda (durchweg im Smoking), der von Do?a Gürer vordergründig offensiv und sich häufig im provozierenden Alltagsjargon artikulierend, gespielt wird. Aufgrund einer Autoimmunerkrankung mit multiplen Organversagen liegt er auf der Intensivstation und im Angesicht des nahenden Todes lässt er sein Leben Revue passieren.
Und da sind Ardas Mutter Ümran (Sesede Terziyan), alkoholabhängig und angestellt bei McDonalds, sowie seine Schwester Aylin (Flavia Lefèvre), die aufgrund vollzogener familiärer Gewalt zur Großmutter gezogen ist und den Kontakt zur Mutter über Jahre völlig abgebrochen hat.
In inszenierten Rückblenden kommt auch Ardas Vater ins Spiel, wie er zu einer Silvesterparty1982 in der nordrhein-westfälischen Provinz Ümran kennenlernte und wie aus dem großen Liebesglück letztendlich Aggression und Verlassenheit wurde. So werden einzelne Lebensszenen der Familie rückblickend szenenhaft durchdekliniert.
Die Figuren wirken in ihrer Darstellung oft überzogen, was vielleicht auch bewusst ihrer kulturellen Entwurzelung geschuldet sein soll. Diesen Menschen scheint durch die andauernden Verletzungen untereinander das Selbstverständnis für einen heimatlichen Hafen abhanden gekommen zu sein, man spürt kein Vertrauen untereinander und schon gar keine Unbekümmertheit. Sie wirken überfordert und orientierungslos. Ihr Leben scheint (über Generationen) durch Kampf, Verletzungen und Rivalität gezeichnet, sowohl innerhalb der Familie als auch im jeweiligen sozialen Umfeld. Ein Teufelskreis, dem nur schwer zu entkommen ist
Kristina Koropecki (Cello) und Mascha Juno (Percussion) untermalen, im Bühnenhintergrund platziert, dramaturgisch die Handlung und begleiten die Gesangseinlagen aller drei schauspielernder Protagonisten.
Jörg Konrad
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Freitag 13.03.2026
Landsberg: Die Kommandeuse – Teuflischer Monolog
Landsberg. Es sind oft die scheinbaren Gegensätze, die so grausam nah beieinander liegen. So hat auch das Land der Dichter und Denker nicht nur Schiller und Goethe, Wagner und die Romantik zu bieten. Zu Deutschland gehören auch Hitler und der Holocaust, Barbie und Buchenwald.
Letzteres ist Thema in Gilla Cremers Ein-Personen-Stück „Die Kommandeuse“. Die Schauspielerin verkörperte am Mittwochabend im Landsberger Stadttheater in einem eineinhalbstündigen bedrückendem Solo Ilse Koch, die Ehefrau des Kommandanten des größten Konzentrationslagers auf deutschem Boden Karl Koch. Nach eigenen Aussagen hat Ilse Koch, eine der wenigen verurteilten NS-Täterinnen, in Buchenwald die „schönsten Jahre“ ihres Lebens verbracht. Welch ein Zynismus!
„Die Kommandeuse“, nach Gerichtsprotokollen, Augenzeugenberichten und Selbstaussagen der Ilse Koch von Gilla Cremer und Regisseur Johannes Kaetzler Mitte der 1990er Jahre zusammengestellt und damals auch schon in Landsberg auf die Bühne gebracht, ist ein teuflischer Monolog, ein Lebensrückblick, angesiedelt in Kochs Gefängniszelle in Aichach am Tag ihres Selbstmords am 01. September 1967.
Er offenbart ein Wesen, das gekennzeichnet ist durch unerträgliche Gewalt, durch dümmliche Arroganz und eine abnorme Besessenheit. All dies vereint in einer Person. Sie, die sich selbst als ein schöngeistiges Wesen begriff, war in Wirklichkeit unberechenbar, kaltblütig, inhuman.
Gilla Cremer schlüpft, soweit wie möglich, in die Rolle dieser furchterregenden Person, um dann wieder außenstehend biographische Notizen zu zitieren. So schafft Gilla Cremer Distanz, um auch das Publikum nicht gänzlich in diesem Strudel von brutaler Tyrannei und respektloser, inhumaner Selbstgerechtigkeit untergehen zu lassen.
Sie lässt Ilse Koch von der Hochzeit mit Karl Koch im Kreise von SS-Schergen samt Heinrich Himmler ausgelassen schwärmen, auch von der „großzügigen und repräsentativen Villa“ auf dem Ettersberg – gleich neben dem Lager und in Hörweite des Steinbruchs, wo die Häftlinge schwersten körperlichen Torturen ausgesetzt waren. Sie bringt Kochs Sehnsucht nach grenzenlosem Luxus und zugleich ihre Gefühlskälte gegenüber menschlichem Leid zum Ausdruck; sie beschreibt aber auch eine Mutter, die ihre Kinder liebt und lässt sie synchron über den Krematoriumsgeruch klagen, der bei Ostwind durch jede Spalte der Villa dringt. Sie deklamiert Kochs einfältige Verse mit Innbrunst und ihren nüchternen Wunsch nach Suicid aufgrund ihrer überzeugten Unschuld.
Es sind immer knappe, aber eindringliche Sätze, deren Inhalte aufwühlen. Das Bühnenbild eher nüchtern, nichts lenkt ab. Gilla Cremer bewegt sich sparsam, manchmal auch maniriert die Koch nachahmend. Alles getreu dem Motto: „Unser Lebensstil muss repräsentativ sein; schlicht aber großartig – angemessen dem Werk, das wir vollbringen.“ Bei aller Entschiedenheit und Gewissheit im persönlichen Urteil – was letztendlich bleibt ist die Frage, warum dieses Thema der „satanischen Sachlichkeit“ auch heute, nach acht Jahrzehnten, noch immer so aktuell ist. Die letzten Wahlergebnisse, sowie gegenwärtige Kommentare mancher „deutschnationaler Zeitgenossen“ geben zumindest eine Antwort.
Jörg Konrad
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Montag 09.03.2026
Gröbenzell: Klavierduo Danae und Kiveli Dörken - Reiche Klangpalette durch vier Hände
Gröbenzell. In diesem Konzert trafen sich Keimzelle und Premiere in einem: Als die „Gröbenzeller Konzertreihe“ vor rund 35 Jahren gegründet wurde, waren es die Pianisten Susanne und Dinis Schemann, die gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Bernd Rieder diese Konzertreihe aus der Taufe hoben. Von Anfang an lag die künstlerische Leitung dabei in den Händen des Ehepaars Schemann, und so ist es bis heute geblieben. Die Besetzung Klavierduo erfuhr damit zur großen Freude des Publikums eine Verankerung in der Konzeption der Reihe, weil Konzerte des Klavierduos Schemann im zweijährigen Turnus fester Bestandteil waren. Inzwischen ist Dinis Schemann regelmäßig hier mit Solo-Klavierabenden zu erleben. Mit dem Auftritt der beiden Schwestern Danae und Kiveli Dörken an einem Flügel eroberte sich die Besetzung Klavierduo nun wieder einen Platz in der Reihe. Und da zeigte sich schnell, dass Besetzung und Musik die Zuhörer genauso begeistern wie früher – sofern sie so packend und überzeugend dargeboten werden wie an diesem Abend.
Zu Beginn erklang die Fantasie in f-Moll für Klavier zu vier Händen an einem Flügel op. posth. 103 D 940 von Franz Schubert. Dieses groß angelegte Werk, das Schubert erst gegen Ende seines kurzen Lebens geschrieben hat, changiert zwischen fast übersinnlicher Entrücktheit und zupackender Realität. Diese Pole arbeiteten die beiden Pianistinnen beeindruckend heraus: Die wunderbar singende Oberstimme entfaltete sich wie aus dem Nichts und strömte ganz weich in den Saal. Diese Freiheit des Tons übersetzte die Offenheit einer Fantasie quasi in realen Klang. Hinzu kamen später zwei weitere Elemente, nämlich der überraschende Wechsel in eine entfernte Tonart und eine spannungsgeladene Generalpause, die die Grenzen zur Sphärenharmonie zumindest scheinbar überschritten. Die reiche Klangfülle in den Passagen dazwischen erdete das Erlebnis für die Zuhörer.
Musik von Manuel de Falla wird oft nicht nur akustisch wahrgenommen, sondern erzeugt eine Art Gefühl von Wärme. Mit zwei Tänzen aus der Oper „La vida breve“ („Das kurze Leben“) entstand dieser Eindruck auch hier. Bei bebendem Untergrund schienen die Tasten zu fliegen, die überschäumende Lebensfreude entfachte ein hörbares Feuer. Dazu standen die vier Bearbeitungen aus der Peer-Gynt-Suite Nr. 1 von Edvard Grieg in abwechslungsreichem Kontrast. Nordische Distanziertheit kühlte zwar musikalisch ab, vermittelte aber dennoch Reminiszenzen an die Instrumentierung dieser Orchesterwerke. „Morgenstimmung“ und „Ases Tod“ erklangen mit großer Ruhe und sensibler Verbindlichkeit, „Anitras Tanz“ kam kokettierend und mit entfesselter Spannung bei klarer Zielorientierung daher. Aus brummelnder Tiefe arbeitete sich „In der Halle des Bergkönigs“ empor, was kraftvoll und in guter Synchronität im Spiel der Pianistinnen geschah.
Die zweite Konzerthälfte nach der Pause gehörte ganz Johannes Brahms und seinen Ungarischen Tänzen, von denen der Band 1 mit zehn Nummern zu hören war. Das Klavierduo setzte hier auf die großen Linien, agierte ausdrucksstark und inszenierte mit Raffinesse Spannungszusammenhänge. Dabei gab es bei sehr viel Licht auch etwas Schatten, und zwar dadurch, dass harmonische Begleitfiguren nicht immer die ihnen eigentlich zustehende Aufmerksamkeit fanden. Dynamisch reichte die Palette von wunderbaren Piano-Passagen bis hin zu kraftvollen, aber dennoch sehr obertonreichen Forte-Klängen. Zwei Zugaben, die den Fokus auf Griechenland und den Jazz setzen, belohnten das Publikum am Ende für seinen reichen Applaus.
Klaus Mohr
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Autor: Siehe Artikel
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