Blickpunkt:
Interview
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Im Blickpunkt - Portraits werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
Inhaltsverzeichnis
Ohne Titel

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Ohne Titel

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Ohne Titel

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Geschafft? Geschafft!

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Kathrin Pechlof - Musik macht keinen Müll

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Donnerstag 31.12.2015
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Mittwoch 30.12.2015
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Dienstag 29.12.2015
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Montag 28.12.2015
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Sonntag 27.12.2015
Geschafft? Geschafft!
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Geschafft? Geschafft!
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Mittwoch 23.12.2015
Kathrin Pechlof - Musik macht keinen Müll
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Fotos: Lena Semmelrogge, Konstantin Kern, Gerald von Foris.
Kathrin Pechlof ist Harfenistin. Ein nicht unbedingt leichtes Instrument. Wenn die Berlinerin auf Tour geht, hat sie ihr Instrument immer an der „Frau“. Veranstaltungshäuser haben mittlerweile (fast) durchweg einen ordentlichen Flügel. Aber eine Harfe? Sie könnte mit Sicherheit ein Lied davon singen, das entfernt an eines der Kontrabassisten erinnert.
Sie spielt, und das ist das besondere, keine süßlichen Melodien und schon gar keine volksmusikalischen Beliebigkeiten. Kathrin Pechlof hat sich dem zeitgenössischen Jazz verschrieben. „Scharfe Harfe: Pechlof steht für eine Generation von Künstlerinnen jenseits des Klischees vom Harfen-Engel, der mit plätschernden Glissandi und perlenden Läufen romantische Klangtapeten zaubert“, schrieb der Spiegel im letzten Jahr. Ihr CD Debüt „Imaginarium“ hat sie 2013 für das Münchner Label Pirouet eingespielt, mit Christian Weidner am Saxophon und dem Bassisten Robert Landfermann. Das Magazin Jazzthing schrieb über das Album „Im Trio mit dem Saxofonisten Christian Weidner und dem Kontrabassisten Robert Landfermann erschließt Pechlof kammermusikalische Welten von stiller Schönheit und schlichter Eleganz.“ Am Samstag den 2. Januar 2016 gastieren Kathrin Pechlof, Christian Weidner und Robert Landfermann im Foyer des Stadttheater Landsberg. Beginn des Konzertes: 20 Uhr.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Kathrin Pechlof: Begegnungen und Austausch mit sehr vielen Menschen. Eltern, Lehrer, Freunde, Kollegen, Mentoren, Vorbilder und Antivorbilder. Vor allem natürlich die kontinuierliche Arbeit mit meinen wunderbaren Triopartnern Christian Weidner und Robert Landfermann
Seit 5 Jahren spielen wir zusammen und das ist ein Riesengeschenk für mich. Außerdem die konkrete Unterstützung von Leuten, die an meine und unsere Arbeit glauben, wie Jason Seizer und Ralph Bürklin von unserem Label Pirouet. Und es hilft mir auch eine gewisse Sturheit, die mich dabei hält, auch wenn es mal nicht gut läuft.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
KP: "Erreichen" glaub ich geht nicht. Das klingt, als würde man sich was vornehmen und wenn man es erreicht hat, ist man fertig. In der Musik ist man nie fertig. Fertig sein, das wäre eigentlich das Schlimmste. Musik zu machen ist für mich ein ständiger Prozess, der sich immer wieder ändert und der auch mich immer wieder verändert. Schön wäre es, wenn die Musik, die ich mache, auch die Zuhörer verändern oder mindestens bewegen würde. Noch besser anregen würde!

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
KP: Das ständige Gefühl, viel zu wenig Zeit zu haben und nicht alles zu schaffen, was ich für notwendig halte. Am besten wäre ein Tag drei Tage lang.
Ein Tag ist mit Üben, Musik hören und Nachdenken und Komponieren schon komplett ausgefüllt.
Am zweiten Tag des Tages könnte ich dann am Schreibtisch sitzen, Mails schreiben, telefonieren, mit Veranstaltern konferieren, Webseite aktualisieren, Steuererklärung machen.
Und am dritten Tag könnte ich spazieren gehen, herumhängen und andere schöne Sachen machen.
So wird alles immer in einen Tag gequetscht. Der ist dann immer zu kurz und irgendwas bleibt auf der Strecke.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
KP: Die Erkenntnis, wie fragil das Lebenskonzept ist, Musiker zu sein.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
KP: Wenn etwas gelingt und es dabei in diesem Moment keinerlei Anstrengung braucht.
Oder auch wenn etwas nach langem Üben und Überlegen und immer wieder Versuchen endlich gelingt. Am Allerschönsten ist es, wenn "es" einfach passiert und ich davon mitgetragen werde. Irgendwohin, wo ich vorher noch nicht gewesen bin.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
KP: Ich höre gar nicht so viel Musik, weil ich Musik nicht nebenbei hören kann. In den letzten Tagen habe ich Bach gehört. Frank Peter Zimmermann. Gidon Kremer.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
KP: CD. Vinyl eher selten, wenn es gemütlich ist. You Tube zu Forschungszwecken, weil ich da immer mal wieder Neues entdecke. Kein Streaming.

KK: Was lesen Sie momentan?
KP: Yannis Varoufakis „Time For Change“, Daniel Barenboim „Klang ist Leben“.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
KP: Wenn jemand aus Unachtsamkeit, Dummheit oder gar Schlechtigkeit etwas zerstört oder verhindert, was jemand anderem wichtig und heilig ist.

KK: Was freut Sie ungemein?
KP: Wenn Leute sich was überlegen und etwas Gutes dabei rauskommt.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
KP: Ein Regal gebaut. Aber eigentlich hab ich eher zugeschaut und nur ein bisschen geholfen.
Mir fehlt es an Geduld und praktischem Talent. Außerdem will ich auf meine Hände aufpassen.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
KP: Da mag ich keine Auswahl treffen.

KK: Trinken Sie lieber Tee oder Kaffee?
KP: Kaffee.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
KP: Es gibt schon genug Sachen auf der Welt. Besser würde es weniger, als noch mehr Sachen geben. Ich will lieber Musik erfinden. Das macht keinen Müll.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
KP: Beim Üben und Komponieren bin ich völlig allein im Universum. Zumindest so lang, bis ich die Arbeit jemandem zeige und zur Disposition stelle. Später entsteht die Musik - besonders die improvisierte Musik - kooperativ, im Austausch und in gegenseitiger Inspiration. Beides gefällt mir sehr.
Generell verstehe ich mich in einem riesigen Team von Musikern, Produzenten, Veranstaltern und Journalisten. Alle sind daran interessiert, Musik einer potentiellen Hörerschaft zugänglich zu machen und Leuten damit Freude zu bereiten. Dabei kann keiner ohne den anderen.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
KP: Wenn ich nichts mache. Und nichts denke. Beim Autofahren, beim in der Schlage stehen, beim Spazierengehen. Und im Dialog.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
KP: Ich lese lieber Zeitung.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
KP: Ob sich da in einem Tage irgendwas ändern ließe, bezweifle ich. Die Strukturen sind fest und vieles geht wahnsinnig langsam. Es braucht langen Atem geduldiger Menschen, die daran arbeiten, in kleinen Schritten etwas zu ändern. Da macht die Union Deutscher Jazzmusiker sehr gute Arbeit und in Berlin die IG Jazz.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
KP: Darüber denke ich besser in einigen Jahrzehnten nach.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
KP: Meine utopische Vision ist eine friedliche Gesellschaft, in der jedem die Möglichkeit gegeben wäre, sich nach seinen Talenten und Interessen zu beschäftigen und sich weiterzuentwickeln. Es würde kein Geld im herkömmlichen Sinn geben, damit Profitgier, Ausbeutung und Unterwerfung überhaupt keinen Sinn mehr hätten. Gewalt, Willkür und andere Unmenschlichkeiten gäbe es auch nicht mehr, denn die Menschen wären glücklicher, weniger neidvoll und voller Respekt füreinander.
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