In INTERVIEW werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
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1. 162. Brüder Selke - Es gibt immer einen Ausweg und jeder Morgen ist ein neu...
2. Duo Elin-Sakas - Diamanten zum Leuchten bringen
3. Lorenz Hargassner - Hits aus der 007 Filmreihe
4. Eva Klesse – Der treue Begleiter Zweifel
5. David Klein - Billie Holiday, die größte Jazzsängerin, die je gelebt hat
6. Joo Kraus – Weniger Autos, mehr Musik
Dienstag 12.01.2021
162. Brüder Selke - Es gibt immer einen Ausweg und jeder Morgen ist ein neuer Anfang
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Foto: Mizuki Kin Tachibana
Sebastian und Daniel Selke sind Anfang der 1980er Jahre in Ostberlin geboren. Kurz darauf war die DDR Geschichte. So ist es nur logisch, dass sich die Brüder, nicht einmal 40jährig, schon mit der eigenen Vergangenheit beschäftigen. Als Musiker versteht sich! Als Duo spielen sie Cello und Keyboards und nennen sich Ceeys. Auf ihren bisher drei sehr bemerkenswerten Veröffentlichungen thematisieren sie ihre Kindheit, die Jugend und den Mauerfall. Musikalisch angelegt ist diese sehr persönliche Aufarbeitung im musikalischen Grenzbereich von Klassik, Ambient, Minimal Music, Jazz und Pop. Auch ihr letztes Album HAUSMUSIK, aufgenommen im ehemaligen Rundfunkhaus der DDR in der Berliner Nalepastrasse, in dem auch Nils Frahm ein Studio betreibt, beeindruckt durch eine sehr eigenwillige Ästhetik. Das Duo nutzt ältere (osteuropäische) Instrumente (Gefell-Mikrofone, russische Oktava-Mikros, tschechische Bandmaschinen vom Typ Tesla u.a.), interpretiert die Kompositionen jedoch mit einem zeitgenössischen Verständnis. Trotzdem klingt die Musik nicht nach Widersprüchen. Trotzdem sind es Gegensätze, von denen sich die Brüder Selke inspiriert fühlen und die ihre Musik so individuell erscheinen lassen.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Brüder Selke: Meist waren und sind es historische Etappen und Wendepunkte, die unsere Arbeiten entscheidend prägen. Seit 2016 arbeiten wir an einer Anthologie, die wir unter dem Alias CEEYS veröffentlichen. Sie beschäftigt sich mit unserer Kindheit in Ost-Berlin vor und nach der Wende 1989.
Der ursprünglich als Trilogie konzipierte, später weitergedachte CEEYS-Katalog, kann auch in drei aufeinanderfolgenden Dilogien verstanden werden: THE GRUNEWALD CHURCH SESSION & CONCRETE FIELDS (von ersten fragmentarischen Kindheitserinnerungen zu den 1980er-Jahren), WÆNDE & HIDDENSEE (vom historischen Wendepunkt im Jahr 1989 zu den dubiosen, vom Widerstreit zwischen Aufbruch und Resignation gekennzeichneten, 1990er-Jahren), HAUSMUSIK & MUSIKHAUS (ein akustisches Solo- und ein programmiertes Rework-Album aus der Gegenwart). Zuletzt brachte uns die Covid-Krise zu radikalem Umdenken, und so haben wir in diesem Jahr begonnen, unter unserem bürgerlichen Namen „Brueder Selke“ zu veröffentlichen.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
BS: Alles dient nicht allein einer Erzählung aus der Vergangenheit, charakterisiert durch die bedrohliche Teilung der Welt in Ost und West, sondern steht darüber hinaus im ständigen Dialog zwischen scheinbarer Kontroverse und erstrebter Harmonie im Zusammenspiel unseres Duos. Die Musik hilft uns, Gedanken und Gefühle zu formulieren und dabei in Austausch mit dem geneigten Zuhörer zu treten.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
BS: Das in seinem Wesen improvisierende Moment unserer Musik ist nicht zuletzt geprägt durch den zu DDR-Zeiten gelernten feinsinnigen Umgang mit materiellem Mangel. Mal streikt die alte, von uns zuvor restaurierte Rhythmus-Box, oder individuell spontane musikalische Einfälle sorgen für Überraschung beim Partner. Wir versuchen einfach, damit umzugehen und genau diesen Erarbeitungsprozess in unser Spiel zu integrieren. Das ist nicht immer leicht, aber reizvoll und vollkommen befreit von der somit unnötigen Sorge, Fehler zu machen. Und so vertrauen wir mit Spielfreude wieder einzig unserer Intuition.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
BS: Auch uns hat die Pandemie in ihren Wellenbewegungen zunächst aus dem Rhythmus gebracht. So musste unser Q3Ambientfest zweimal verschoben werden, kam aber schließlich digital, quasi als weihnachtliche Online-Edition, heraus. Ein Beispiel dafür, dass Einschränkungen Herausforderungen sind, die uns immer wieder zu kreativen Überlegungen zwingen, Lösungen und endlich auch einen Weg zu finden. So sehen wir  diese Zeit sehr wohl als bedrückendes und bedrohliches Ereignis, aber wir betrachten sie auch als Chance, erfinderische Perspektiven für ihre Bewältigung zu finden.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
BS: Es ist immer gut, wenn man merkt, dass selbst die derzeitige Situation dem gemeinschaftlichen musikalischen Gedanken kaum schaden konnte. Zuletzt waren wir fünf eingeschworene Künstler, die durch produktive und zugleich harmonische Aufnahmen im heimischen Wohnzimmer das Q3Ambientfest 2020 am Leben hielten. Die breite Solidarität und herzliche Empfehlungen gleichgesinnter Musikliebhaber und Freunde haben uns mit den Planungen für die Ausgabe 2021 beginnen lassen.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
BS: Früh hat uns die Komplexität des Kammermusikrepertoires für Cello und Klavier beeindruckt. So sind bis heute Einflüsse von Bach, Beethoven und Debussy in unseren eigenen Stücken zu hören. Aber auch die beinahe vergessenen Kompositionen ostdeutscher Formationen wie Toni Krahls Rockgruppe CITY, Frank Fehses Synthesizer-Duo KEY oder Reinhard Lakomys „Geschichtenlieder für Kinder“, „Der Traumzauberbaum“ und die Electronics-Platte „Das Geheime Leben“ haben wir früher oft gehört. Dabei versuchen wir natürlich nicht stehenzubleiben und orientieren uns so auch an  Arvo Pärt, Arthur Russell und Philip Glass, ebenso an zeitgenössischen Kollegen wie Hildur Gudnadóttir, Nils Frahm, Colin Stetson und Sarah Neufeld. Aber auch dieses Spielfeld erweitert sich zurzeit und wir erhalten spannende Anfragen von abstrakteren Künstlern, die sich gern beim Q3Ambientfest ausprobieren würden.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
BS: Gerade haben wir mit dem New Yorker Komponisten und Produzenten Eric Maltz die Kollaboration ZERO CROSSING vorgelegt. Neben der digitalen Veröffentlichung haben wir uns physisch zum ersten Mal für das Kassettenformat entschieden. Das klingt zunächst nicht so hochwertig. Hält man das Medium aber in  Händen und erinnert sich dabei an seine ersten Aufnahmeversuche am heimischen Stern-Recorder, entwickelt sich eine ganz andere Dynamik, ein eigener Charme. Jedes Format trägt seinen persönlichen Ausdruck, und Vinyl scheint dabei insbesondere klanglich derzeit das Maß der Dinge für Kenner; aber aus unserer Sicht ist nach wie vor nichts gegen eine gefühlt retro-futuristische Compact Disc in aufwendig handgemachter Aufmachung zu sagen.
Nicht jeder Kinofilm muss in 3D sein, nur weil es die Technik erlaubt. Wir haben Clips gesehen, die auf dem Handy gedreht wurden und uns bewegt haben. Als Künstler haben wir jedoch die Wahl, unsere Aussage zu treffen, und das Medium sollte diese Idee unterstreichen. Deshalb hören wir grundsätzlich erstmal alles, was uns begeistert –  vom Stream bis zur Vinyl.

KK: Was lesen Sie momentan?
BS: Wir lieben historische  Anekdoten, weil man oft viele Parallelen und Antworten auf aktuelle Sorgen, Probleme, aber auch Träume  und Visionen erhält. Nach einem gemeinsamen Auftritt mit der Potsdamer Autorin Paula Fürstenberg entdeckten wir ihren intelligenten und dabei amüsanten Debütroman „Familie der geflügelten Tiger”. Er stellt auch für uns nach wie vor spannende Fragen, beispielsweise wie es ist, wenn man keine Erinnerungen hat an das Land namens „DDR“, in dem man geboren wurde, also auch wie es sich anfühlt, wenn man auf das Gedächtnis anderer angewiesen ist, um die eigene Geschichte zu verstehen.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
BS: Planlosigkeit und Resignation. Es gibt immer einen Ausweg und jeder Morgen ist ein neuer Anfang.

KK: Was freut Sie ungemein?  
BS: Die Arbeit auch mit anderen ist ein wesentliches Kernelement und deshalb der Hauptgrund, warum wir 2017 das Q3AMBIENTFEST ins Leben riefen, ein alljährlich sorgfältig kuratiertes Musikfestival, das in der fabrik Potsdam seine adäquate Heimat gefunden hat. Hier laden wir gleichgesinnte Künstler, renommierte Acts und Freunde ein, um mit ihnen nicht nur auf der Bühne zu musizieren, sondern um zugleich eine besondere Verbindung zwischen Musik von Avantgarde bis Pop sowie Potsdams vielfältiger, historischer Architektur herzustellen.

Durch die von den Eltern bereits in der Kindheit geweckte Liebe zu unserer heutigen Heimat Potsdam haben wir darüber hinaus eine Reihe von Film- und Hauskonzerten ins Leben gerufen. Wir arbeiten an einer Foto-Tour durch unser Klingenthal-Studio sowie an einer Ausstellung der Fotoserie, die alle Alben begleitet hat.

Gerade haben wir zwei das Duo-Piano-Album MARIENBORN aufgenommen, das erste unter unserem bürgerlichen Namen. Also, als Brueder Selke erforscht unser zeitgenössisches Duo die Bereiche experimenteller und dabei zugänglicher elektro-akustischer Musik zwischen Avantgarde und Pop weiter. Nach einem Jahr voller Ungewissheit und Überraschungen folgen dennoch auch Veröffentlichungen unter unserem Markenzeichen CEEYS. So ist das HAUSMUSIK-Rework-Album MUSIKHAUS fertiggestellt und erscheint im Herbst 2021. Und dabei sind wir voller Vorfreude auf weitere handverlesene Werke als Brueder Selke. Kurz: Unsere Arbeit ist Antrieb und Hoffnung, Perspektive und Freude zugleich.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
BS: Nein – als Schneider und Tischler haben wir uns noch nicht ausprobiert, aber unser Potsdamer Klingenthal-Studio hat dennoch einiges, was auf uns zugeschneidert ist. Wie schon angedeutet: Der tägliche Umgang mit materiellem Mangel zu DDR-Zeiten und damit angetrieben durch eine tief verankerte Notwendigkeit zu improvisieren lässt unser Duo nicht nur mit Cello und Piano experimentieren, sondern hat uns auch geschult im technischen Umgang mit unseren oft antiken Synthesizern aus der sozialistischen Ära. Sebastian hat seinem Setup gerade erst ein Cello hinzugefügt, das aus Klingenthal stammt, einem der traditionsreichen Orte im sächsischen Vogtlandkreis, liebevoll auch „Musikwinkel” genannt.

Im Studio haben wir auch ein Mischpult installiert, das aus Japan stammt. Entwickelt sozusagen im Fernen Osten. Während der 1990er Jahre lag der Fokus der Ingenieure mehr auf hochwertigen Aufnahmen als auf Effekten.

Die Kollektion restaurierter Mikrophone, Federhallsysteme, Tasteninstrumente und Rhythmusboxen, die im damaligen Ostblock zwischen den 1950er und 1980er Jahren gebaut wurden, ist elementarer Bestandteil unserer Musik.

Unsere Hörumgebung haben wir sorgfältig ausgewählt. Wir hören einerseits über ein RFT HIFI Audio System 3930 mit Plattenspieler, Kassettendeck und Radioempfänger. Der Turm besitzt einen Verstärker, einen integrierten Mischer und Entzerrer, wobei der Plattenspieler das ikonische TESLA VM2103 Abtastsystem nutzt, das Beste was die DDR damals zu bieten hatte. Die Anlage ist verbunden mit wundervollen RFT B9151 MERKUR und lässt sich umschalten auf gigantische Vermona Regent Lautsprecherboxen.

Unsere Büromöbel sind überwiegend Originale aus DDR-Zeiten, teilweise wurden sie entworfen von einem Handwerksbetrieb in Ost-Berlin. Beispielsweise wurde das Regal, das unsere Schallplattensammlung sortiert, aus Pappe hergestellt. Bekanntermaßen baute die DDR ja ganze Fahrzeugkarosserien für den allseits bekannten „Trabant“ aus diesem flexiblen und wiederverwertbaren Material. Das Auto bekam gar den Spitznamen „Rennpappe”.

Vor kurzem führten wir ein Interview auf dem Blog eines Schuhherstellers, der zu Ostzeiten unter anderem Sporttreter herstellte und sich inzwischen neu erfunden hat. Auf der Bühne spielen wir eine Tastatur wie eine Orgel mit dem Fuß. Hierfür haben wir darüber hinaus die in der DDR beliebten Freizeitschuhe „Tramper“ wiederentdeckt.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
BS: Als Kinder einer Schauspielerin wurde uns die Liebe zu Theater und Film quasi in die Wiege gelegt. Wir haben uns damals zwar früh für die Musik entschieden, aber wir sehen nach wie vor viele Parallelen zwischen Filmemachern und Komponisten –  ein feines Gefühl für zeitliche Koordination, der Wechsel verschiedener Stimmungen, die den Unterschied machen beim Geschichten erzählen. Manch‘ Regisseur ist musikalisch begabt und nimmt seine Filmmusik selber auf. Da ist also ein enges Band, welches beide Welten miteinander verbindet, und wir verneigen uns vor Klassikern wie Charles Chaplin, der selber Cello spielte, vor den zeitlosen Epen von Sergio Leone und seinem seelenverwandten Freund Ennio Morricone oder auch vor Stanley Kubrick, sie alle führten eine innige Beziehung mit der Musik. In Potsdam spielen wir die Flimmerkonzerte im Filmmuseum, eine Konzertreihe, bei der wir Stummfilmklassiker neu vertonen. Nicht ganz zufällig scheint auch Sebastians Entscheidung, als zweiter Solocellist im Deutschen Filmorchester Babelsberg zu arbeiten.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung nach bisher noch nicht gibt?
BS: Wir sind immer auf der Suche nach neuen klanglichen Ausdrucksformen und lassen uns dabei am liebsten von Entwicklern überraschen. Demnächst treffen ein paar neue Instrumente eines jungen russischen Unternehmens ein, die wir testen dürfen.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
BS: Seit über zwanzig Jahren treten wir als Brüder auf, und erst vor kurzem haben wir unser jeweiliges Solodebüt mit der EP Q3A auf einer 7 Inch Vinyl veröffentlicht. Auf der A-Seite Sebastians Titel auf der B-Seite ein Klavierstück von Daniel. Aber selbst diese Platte war eine versteckte Gemeinschaftsproduktion –  legt man die beiden Titel übereinander erscheint der versteckte dritte Titel. Übrigens kommt hierzu bald der zweite Teil QP heraus und wieder über das feine Label Oscarson.

Unsere bisher spannendste Zusammenarbeit kam über Gregory Euclide’s Thesis Project und unsere THESIS 17. Gemeinsam mit dem Duo Constant Presence von Peter Broderick und Daniel O’Sullivan widmen wir uns der Weisheit Nothing Special des Zen-Meisters Shunryu Suzuki. Zwei 11-Minuten-Stücke, die zur Meditation einladen.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
BS: Meist kommen die Ideen direkt nach der Finalisierung des alten Projekts. Also, kaum halten wir die fertige Platte in Händen, schwingt schon eine Art Motivation mit, die erste neue Skizzen entstehen lässt. Naja, es ist ein bisschen wie bei der Frage, wer war zuerst da, Henne oder Ei. Für uns jedenfalls ist jedes Ende zugleich der neue Anfang, es ist sogar der beste Moment, Neues zu schöpfen. Bevor wir begannen, eigene Musik zu veröffentlichen, waren es eben die Klänge anderer, die uns antrieben. Jetzt läuft das irgendwie parallel. Ein schöner Moment ist es, wenn wir Künstler zum Q3Ambientfest einladen und daraus wieder Einfälle für Projekte entstehen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
BS: Auch das ist ein Wechselspiel. Zu Beginn hatten wir nur unsere Musik. Als dann die ersten Plattformen und Magazine Fragen stellten, entdeckten wir gleich deren Universum mit, und so lernten wir auch viele wundervolle Kollegen kennen. Zuletzt haben wir das kleine, aber sehr besondere „Mols Magazin“ entdeckt. Die Macherin ist selbst multitalentiert. An dieser Stelle einen Dank auch an das „Kultkomplott“ und seine Leser.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
BS: Wir beide haben zwar ein enges Verhältnis zur Geschichte, aber – vielleicht sogar deshalb – als Gestalter von Politik möchten wir uns gern etwas zurückhalten. Nicht aus mangelndem Interesse, sondern eher aus Respekt vor der Komplexität der Zusammenhänge. Die Welt erscheint uns Wendekindern, als würden scheinbar gelöste Konflikte abgewandelt neu entflammen –  tiefere Gräben, höhere Mauern, Abwendung von Freunden, Diskriminierung Andersdenkender, neue Formen von Tyrannei –  alte historische Konflikte, die sich auf höherem „Niveau“ wiederholen, eine neue Art „Kalter Krieg“.

Wir freuen uns einerseits über das Engagement einer jungen Generation, denken aber, auch hier muss es ein Miteinander geben. Nur die Kritik allein hat noch Niemandem genützt. Keiner ist unfehlbar, und so gilt es auch hier, eine Balance herzustellen. Um diesen ausgewogenen Zustand zu erreichen, braucht es Eigenschaften wie Geduld und Ausdauer, die heute allzu oft durch die beschleunigenden Medien in Vergessenheit geraten. Demokratie ist anstrengend, weil jeder seine Meinung sagen kann und muss. Es gibt nicht die eine Antwort auf unsere Sorgen und Nöte, und wo Worte nichts mehr bewirken können, kann vielleicht die Musik helfen. Als Teil der Kreativwirtschaft, die durch die Pandemie mit am härtesten getroffen wurde, erinnern wir uns an ein schönes Zitat von Winston Churchill. Als seine Berater im zweiten Weltkrieg Kulturförderungen kürzen wollten, soll der damalige britische Premierminister verdutzt verneint und gefragt haben: "Wofür kämpfen wir dann?"

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
BS: „Brueder Selke“

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
BS: Bis ins Jahr 2015 war es ein Entwurf  ähnlich dem 2. Teil der intelligenten Trilogie „Zurück in die Zukunft“,  und bis heute träumen wir von schwebenden Skateboards. Musikalisch suchen wir weiter nach Klängen zwischen Avantgarde und Pop, experimentellen, aber zugänglichen Arbeiten.

Nach Einsätzen unserer Musik im Berliner „Tatort“ und verschiedenen Dokumentarfilmen freuen wir uns über Anfragen von Filmschaffenden für Musikvideos, Filme, die unseren Ansatz nachvollziehen können.

Wir wünschen allen Kollegen und Musikliebhabern Kraft, Zuversicht und Gesundheit, diese schwierigen Zeiten durchzustehen und glauben an ein Wiedersehen bei uns im schönen Potsdam oder gern auch anderswo auf der Welt.
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Montag 14.12.2020
Duo Elin-Sakas - Diamanten zum Leuchten bringen
Egal wo Christian Elin und Maruan Sakas auftreten – jedes Mal hinterlassen sie mit ihrer wohldosierten Mischung aus Klassik und zeitgenössischer Improvisation ein begeistertes Publikum. Man kann das Aufeinandertreffen ihrer musikalischen Überzeugungen auch kammermusikalischen Jazz nennen. Klangwanderungen, voller Ästhetik und Leidenschaft, fantasiereiche musikalische Geschichten, die einen Bogen vom Orient zum Okzident schlagen, die östliche und westliche Kulturen miteinander vereinen, die zwischen Nord und Süd haltbare und faszinierende Verbindungen schaffen. Ihre beiden bisher erschienen Alben, „Some Kind Of Blues“ und „Mittsommernacht“ sind Beispiele für gemeinschaftliche kreative Prozesse, an deren Ende introspektive Haltungen für völlig neue Hörerlebnisse stehen. David Liebman, der US-amerikanischer Tenor- und Sopransaxophonist, urteilt über sie: „Diese beiden Künstler haben sich in Schönheit, hohe Disziplin und Kunstfertigkeit vertieft.“ Die Süddeutsche Zeitung schwärmt von ihrer „Anmut und Eleganz“ und die Augsburger Allgemeine Zeitung feiert sie: „Freigeister am Werk - Das Duo Elin-Sakas in blindem Einverständnis“. Ihr Auftritt am 16.  Dezember in Fürstenfeld ist auf den 12. Mai 2021 verschoben.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Elin-Sakas: Wir hoffen, dass vor allem die Qualität unserer Musik darauf wesentlichen Einfluß hatten. Sicher auch die Zeit und die Energie, die wir insgesamt unserem Duo gewidmet haben, sei es für die -Kompositions- und Probenarbeit, für den Kontakt zu Veranstaltern und Presse und für die mediale Präsenz. Nicht zuletzt auch unsere Geduld, unsere Konfliktfähigkeit und unsere Ausdauer.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
E-S: All unsere Fans, und natürlich auch all diejenigen Menschen – auf Veranstalter- wie Publikumsseite -, die unsere Musik noch nicht kennen. Mit unserer Musik möchten wir die Ohren und Herzen unserer Zuhörer berühren und zum Schwingen bringen und uns ausdrücken.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
E-S: Natürlich würden wir uns beide sehr gerne die ganze Zeit „nur“ der Kunst, also dem Schreiben, Proben und Konzertieren widmen. So empfinden wir die Selbstvermarktung natürlich als notwendig, aber sie gehört sicherlich nicht zu unseren Lieblingsaufgaben.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
Maruan Sakas: 2020 wäre ohne die Corona-Krise und die Geburt meines Sohnes bereits ein ereignisreiches Jahr gewesen. Doch letztgenannte Ereignisse werden sicherlich weit über 2020 hinaus am nachhaltigsten in Erinnerung bleiben.
Christian Elin: Mich beeindruckt der Mut von all jenen Menschen, deren Wahrheitsliebe sie so fest und klar leitet, dass sie sich selbst im Angesicht großer Widerstände nicht von ihrem Gefühl und ihrer Wahrheit abbringen lassen.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
E-S: Wenn neue Stücke das erste Mal in der Probe erklingen ist immer ein ganz besonderer Moment, ebenso die Flow-Momente beim Improvisieren auf der Bühne.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
E-S: Wir sind beide mit klassischer Musik und mit Jazz aufgewachsen. Diese beiden Stile hören wir nach wie vor am meisten. Grundsätzlich hören wir jede Musik gerne, die uns berührt, z.B. weil sie authentisch ist, besonders musikantisch vorgetragen oder gut geschrieben. Dass das für uns beide weniger eine Frage des jeweiligen musikalischen Stils ist, ist eine Gemeinsamkeit, die wiederum den Stil unseres Duos geprägt hat, der sich gerade durch verschiedene Einflüsse auszeichnet.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
E-S: CD in Ermangelung eines Plattenspielers.

KK: Was lesen Sie momentan?
MS Ich lese im Alltag meist nur Fachzeitschriften und Zeitungen. Bücher dann im Urlaub.
CE: Roger Willemsen: Musik!

KK: Was ärgert Sie maßlos?
MS: Unsolidarisches Verhalten, Fremdenfeindlichkeit, Ignoranz gegenüber den großen Herausforderungen unserer Zeit wie dem Klimawandel.
CE: Daß so viel öffentlich gelogen wird, daß es möglich ist, mit Geld Menschen zu kaufen.
Daß die Armutsrate auf der Welt sich aufgrund der Corona-Krise massiv verstärken wird.  

KK: Was freut Sie ungemein?
MS: Dass ich im Juli Vater geworden bin.
CE: Daß ich am Leben bin und tun darf, was mich glücklich macht.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
MS: In meiner Grundschulzeit häkelte ich Topflappen, Schals und Stirnbänder. Ansonsten bin ich handwerklich vermutlich eher unbegabt.
CE: Ich habe nach meinem Realschulabschluß eine Lehre zum Möbeltischler absolviert, und freue mich bis heute an meinem Gesellenstück, einem Art-Déco-Schreibtisch. Die Liebe zum Holz ist ebenfalls geblieben und hat mich sogar zu einem Stück inspiriert, in dem der Zauber des Geruchs von Holz beschrieben wird.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
MS: Von Kate Winslet in „Der Vorleser“.
CE: Josef Bierbichler in „Im Winter ein Jahr“.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
MS: Transkriptions-Software für aktuellere Songs, von denen es kein gutes Notenmaterial gibt. Zielgruppe wäre der Teil meiner Studierenden, die sich mit der Höranalyse schwer tun. Ich hätte somit weniger Arbeit, denn meist fertige ich dann die Sheets an.
CE: Diese Software hätte ich auch gerne.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
E-S: Wahrscheinlich trifft beides zu. Man kann das ganz schön an unserer kompositorischen Arbeit sehen: Wir sind beide starke Individuen und haben unseren jeweils eigenen Stil. Dass der durchaus unterschiedlich sein kann, hört man auch unseren Stücken an. Allerdings würde keines unserer Stücke so sehr reifen, wenn wir uns nicht mit großer Hingabe der Musik und der Persönlichkeit unseres Duopartners widmen würden. Im Austausch und in der gemeinsamen Probenarbeit ergibt sich dann der „Feinschliff“, der die Diamanten noch mehr zum Leuchten bringt.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
E-S: Wir sind beide sehr gerne in der Natur. Wenn unser Kopf frei ist und wir viel frische Luft bekommen, ist die Inspiration, z.B. für ein musikalisches Thema oder einen Stücktitel, oft am stärksten.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
MS: Die gängigen Websites, wo ich Informationen beziehen oder Musik hören kann.
Blogs lese ich selten...

CE: Unabhängige Webseiten, z.B. bittel tv oder uncut news.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
E-S: Wir würden uns ganz sicher für faire Honorare in Musiklehre und im Konzertbereich einsetzen.
Auch dafür, daß das Urheberrecht im digitalen Bereich besser geschützt wird und dass Musiker für ihre Werke, die im Internet verfügbar sind, eine angemessenere Vergütung erhalten.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
E-S: Wer unsere Autobiographien lesen möchte, dem möchten wir sehr unsere CDs empfehlen.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
E-S: Eine Idealvorstellung für uns wäre, dass alle Kinder dieser Welt Zugang zu einem hochwertigen Instrumental- und Musikunterricht erhalten. Musik hat eine so stark verbindende Kraft, dass sie uns Menschen näher zusammen bringt.
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Foto: Julia Knop
Freitag 20.11.2020
Lorenz Hargassner - Hits aus der 007 Filmreihe
Lorenz Hargassner hat sich erst mit 20 endgültig für das Saxophon entschieden. Nur vier Jahre später gründete er sein (heute preisgekröntes) Quartett, unter dem verpflichtenden Namen pure desmond. Natürlich stand für dieses Unternehmen, das bis heute in der Ursprungsbesetzung existiert, kein geringerer als der Meister des Cool Jazz, Saxophonist Paul Desmond Pate. Bekannt geworden in der Band um Dave Brubeck, hat der aus San Francisco stammende Altist ab Ende der 1950er Jahre auch Aufnahmen unter eigenem Namen veröffentlicht. Eines seiner bekanntesten Alben heißt, sie ahnen es: „Pure Desmond“.
Lorenz Hargassner besticht durch Eleganz und stilsicherer Ästhetik, durch eine virtuose, wie musikalisch hochprofessionelle Technik. Er fühlt sich, zumindest in dieser Besetzung, der Tradition verpflichtet. „Nebenher“ brilliert er noch im Lorenz Hargassner Quartett und ist, unter anderem, häufig mit dem einstigen Keyboardspieler der Miles Davis Band, Adam Holzman auf Tour.
Am 18. Dezember gastieren Lorenz Hargassners pure desmond um 19.30 Uhr in der Stadthalle Germering und präsentieren hier ihr neues Album „Pure Desmond Plays James Bond Songs“.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Lorenz Hargassner: Wir (das sind meine ehemaligen Studienkommilitonen Johann Weiß an der Gitarre, Sebastian Deufel am Schlagzeug, Christian Flohr am Bass und ich am Saxophon) haben mit pure desmond einen gemeinsamen musikalischen Nenner gefunden, obwohl wir eigentlich aus ganz verschiedenen Bereichen des Musik- und Kulturlebens stammen. Wir haben uns aber "zusammen gerauft" und es geschafft, jedem Raum zu geben, das einzubringen, was er von sich mitbringt. Dadurch sind wir vielfältig an Ausdrucksformen, Ideen, Inspirationen und Möglichkeiten. Dennoch haben wir es geschafft, einen eigenen Stil zu finden, in dem wir uns alle wohl fühlen, eine Arbeitsweise zu entwickeln in den letzten 20 Jahren, die effektiv ist aber keine Kompromisse macht. Mit einem respektvollem Umgang miteinander.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
LH: Unsere Musik soll eine Atmosphäre haben, die sowohl Menschen anspricht, die überhaupt nichts von Musik verstehen oder sich nicht weiter für Jazz oder andere Stilistiken und solcherlei Zusammenhänge interessieren, als auch "Afficionados" des West Coast Jazz der 1960er Jahre um Paul Desmond (und Jim Hall, Dave Brubeck, Chet Baker, um nur einige zu nennen) und der anspruchsvollen modernen Jazzmusik. Als Anknüpfungspunkt hat uns hier das Quartett des Saxophonisten von Dave Brubeck gedient, der auch den Welthit "Take Five" geschrieben hat und der sozusagen auch der "Namenspatron" von pure desmond ist.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
LH: Wo soll ich denn da anfangen (lacht)! Normalerweise konzentriere ich mich nicht auf die Widrigkeiten, sondern darauf, warum ich weitermachen will. Es kann bei den vielen Widrigkeiten nämlich zum Beispiel schwer sein, sich zu motivieren, wenn man sich darauf fokussiert, dass es so viele Widrigkeiten gibt. Daher blende ich das lieber aus und konzentriere mich auf die Ziele, die wir haben und das Schöne, das das bedeutet.
Aber natürlich ist es nicht einfach, eine Band als freiberuflicher Musiker 20 Jahre zusammen zu halten. Abgesehen von künstlerischen Richtungsentscheidungen, die getroffen werden müssen, bedeutet das oft auch mit simplen existenziellen Fragen wirtschaftlicher Natur umzugehen. Letzten Endes sind wir als Künstlergruppe auch eine Art Unternehmen, das z.B. um Förderungen ansuchen, sich bei Preisen bewerben, sich entwickeln kann, in einem Markt, der sehr im Wandel ist (wer den Niedergang der Musikindustrie in den letzten Jahren verfolgt hat, kann sich davon ja ein Bild machen, was das heißt, sich da zu behaupten).
Und dann stellt sich natürlich immer die Frage nach der Investition von Zeit und der Finanzierung von Ideen, so wie jetzt, wo wir es mit einer "Go Fund Me" Kampagne versuchen, um unser aktuelles Album fertig stellen zu können. Da durch die Corona-Pandemie alle unsere Konzerte seit Februar 2020 weg gebrochen sind, können wir nicht, wie geplant, für die bei einer CD-Produktion entstehenden Kosten das nötige Geld verdienen durch die Arbeit mit der Band, was wir normalerweise natürlich versuchen.
Wir freuen uns übrigens über jede Unterstützung unserer Kampagne, jede kleine Spende hilft!
https://de.gofundme.com/f/cd-veroffentlichung-pure-desmond

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
LH: Sehr beeindruckend war unsere Reise auf das Schilthorn, einen Berg in den Schweizer Alpen. Dort haben wir auf dem Panorama-Restaurant auf dem Gipfel (dem "Piz Gloria"), das ein Original-Schauplatz eines James-Bond-Streifens ist, für den Fernsehsender ARTE zwei Videos aufgenommen, in denen wir Musik aus unserem neuen Album spielen. Diese Filmaufnahmen sind gleichzeitig die Ton-Aufnahmen zum neuen Album gewesen (Sie können uns also sozusagen beim Aufnehmen der Platte zusehen). Das "Piz Gloria" hat sich hier angeboten, weil es in unserem neuen Album um Bearbeitungen der bekannten Hits aus der 007 Filmreihe in unserem persönlichen Sound geht.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
LH: Das würde wahrscheinlich jeder aus unserer Band anders beantworten. Wir sind aber auf jeden Fall alle sehr Sound-affin, also wenn es gut klingt in dem Raum, in dem wir spielen oder aufnehmen, das ist schon sehr schön. Denn wir können mit einem guten Raum auch sehr gut arbeiten und dann unsere besten Ergebnisse erzielen. Uns ist es besonders wichtig, dass die Musik gut klingt und eben die besondere Atmosphäre entsteht. Das hat auch die Jury zum "Preis der deutschen Schallplattenkritik" so gesehen, als sie uns zugeschrieben hat: „Eine edle, kammermusikalische Ästhetik: durchsichtig, überschaubar, linear, kontrolliert emotional und zurückgelehnt bis zur totalen Entspannung“.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
LH: Die Art von Musik, die wir machen, höre ich selber sehr gerne, vielleicht am liebsten - darum mache ich sie ja! Und natürlich höre ich immer wieder gerne unsere Vorbilder vom Dave Brubeck Quartet, oder Miles Davis. Aber ich habe ein breit gefächertes Interesse an Musik, meine Kollegen ja auch, das ist ja genau das Interessante an unserer Zusammenarbeit, finde ich. Unser Drummer steht z.B. sehr auf Neue Musik aber auch auf das, was zeitgenössische deutsche Singer/Songwriter machen, unser Bassist ist vor allem in Funk und R&B zuhause und unseren Gitarristen würde ich beim Blues und Rock verordnen. Ich selber komme eigentlich von der Klassik.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
LH: Neuerdings sehr gerne Vinyl, aber vieles habe ich immer noch auf CD. Ich bin ein Kind der 1980er und 1990er und das war die Hoch-Zeit der CD, dementsprechend groß ist meine Sammlung (und dementsprechend gewöhnt bin ich auch immer noch an diese spezielle Haptik mit den Booklets und so). Leider habe ich nicht so viele Schallplatten, dass ich nur Vinyl hören könnte.

KK: Was lesen Sie momentan?
LH: Ich selbst lese gerne Autoren wie Jonathan Franzen, Juli Zeh, Jeffrey Eugenides oder Daniel Kehlmann. Gerade habe ich "Die Geheime Geschichte" von Donna Tartt fertig gelesen, das war auch eine tolle Lektüre.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
LH: Respektlosigkeit und Engstirnigkeit. Wenn Menschen sich nicht vorstellen können, dass es woanders anders ist und dass das auch gut sein kann. Ich bin als Wiener, der in Hamburg lebt, u.a. in New York und in Berlin studiert hat und auf verschiedenen Konzertreisen die halbe Welt gesehen hat (mit pure desmond z.B. waren wir ja auch schon in der Gegend um Hongkong auf Tour) immer wieder erstaunt, wie klein der Horizont von so vielen Menschen ist. Und was dann daraus entsteht an Missverständnissen, Ressentiments, Unterstellungen, Vorurteilen und leider auch einer gewissen Arroganz. So wie es "bei uns" ist, muss es doch nicht "richtig" sein. Vielleicht jetzt gerade, hier für uns. Aber woanders eben nicht. Diese Andersartigkeit respektieren zu lernen (und sich das Ausmaß wenigstens ansatzweise vorzustellen), das wünsche ich mir von der Welt...

KK: Was freut Sie ungemein?
LH: Wenn jemand ehrlich und empathisch ist. Wenn Menschen sich trauen, sich zu zeigen und nicht nur "cool" oder irgendwie angemessen erscheinen wollen. Und ich mag guten Geschmack (was auch immer das ist...) - also wenn jemand etwas Schönes in die Welt bringt, sich gut anzieht, einen schönen Garten pflegt, eine schöne Sprache kultiviert, was auch immer. Schönheit und Ästhetik sind genauso wichtig wie Effizienz und Leistung.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
LH: Nein, das kann ich gar nicht (lacht)! Ich habe echt zwei linke Hände. Ich bin für einfache Verrichtungen im Haushalt zu gebrauchen, aber bitte lassen Sie mich nicht eine IKEA-Küche zusammen bauen.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
LH: Bevor wir uns mit pure desmond den James Bond Filmen zugewandt haben, waren wir ja mit unserem Programm "Audrey" auf Tour. Im Zuge der Arbeit an unserem gleichnamigen Album habe ich mich intensiv mit Audrey Hepburn beschäftigt, um deren (halb fiktive) Beziehung zu Paul Desmond es dabei geht. Nicht zuletzt weil sie das Idol meiner Mutter war (vor allem als "Eliza Doolittle" in  der "My Fair Lady" fand sie sie toll) - aber ich fand es auch beeindruckend, wie sie sich zu einer wahren Stilikone entwickelt hat, zu einem Sinnbild, einem Ideal für einen ganz bestimmten Typ Frau sozusagen (ganz anders jedenfalls als beispielsweise eine Marilyn Monroe). So etwas ist selten und es wird vielleicht auch viel seltener, weil die "Typen" ja im 20. Jahrhundert definiert wurden. Ein George Clooney ist doch auf eine Art auch die "moderne Fassung" eines Sean Connery zum Beispiel (hm, der wäre vielleicht auch ein guter Bond-Darsteller..?). Einen interessanten modernen "Typen" finde ich in dem Zusammenhang vielleicht Johnny Depp, aber nicht bezogen auf irgendeinen speziellen Film. Und so jung ist der auch nicht mehr...

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
LH: Da gibt es eine ganze Menge. Zum Beispiel hätte ich gerne ein gut funktionierendes Tool für das Band-Booking. Das könnte einem viel Arbeit abnehmen. Ideen in diese Richtung hatte ich schon, irgendwann werde ich sie in die Tat umsetzen, hoffentlich... (lacht). Außerdem habe ich Ideen für Bücher, u.a. für ein Lehrbuch für das Improvisieren auf dem Saxophon (das, an das ich denke, gibt es nicht). Oder für eines, in dem es darum geht, sich mit dem Wachhalten seiner Motivation (zu üben) zu beschäftigen. Ich habe auch Romanideen, aber ich glaube, man unterschätzt, was es bedeutet, wirklich einen guten Roman zu schreiben.
Ich würde auch gerne mal einen richtigen Hit schreiben. Ein Stück, das die Menschen bewegt und das sie nicht mehr vergessen, das aber trotzdem geschmackvoll und stilvoll ist und einen interessanten Text hat, der zum Nachdenken anregt. So eingängig wie "Atemlos", aber eben nicht so platt. Dann eben doch lieber wie "Take Five"... (lacht)!

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
LH: Als Teamplayer, das ist für mich eine klare Sache. Das ist es ja, was mir so Spaß macht an pure desmond - dass die Last nicht allein auf meinen Schultern ruht. Gemeinsam ist man viel stärker und an den Konflikten in einer solchen jahrelangen Beziehung kann man nur reifen (wenn man sie denn durchsteht). Das ist ein Korrektiv. Anstrengend natürlich auch, diese Reibung. Aber das "schleift einen eben ab" (lacht).

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
LH: Entweder, wenn ich nicht versuche, einen Einfall zu haben, wenn ich ganz bei mir bin und sozusagen ganz "im Gefühl". Dann ist man transzendent, glaube ich, dann verbindet man sich mit "dem, was wichtiger ist, als alles andere". Das sind die magischen Momente. Oder, wenn ich kreativ sein muss und will, mit einer Deadline. Dann kreise ich das Ziel nach dem Ausschluss-Verfahren ein, indem ich so lange Optionen ausschließe, bis nur noch eine Möglichkeit übrig bleibt - und die mache ich dann. Das ist die effektive Art, kreativ zu sein, die kann aber auch sehr hochwertige künstlerische Ergebnisse zur Folge haben. Kreative Arbeit ist auch Arbeit.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
LH: Ich bin ja seit einiger Zeit viel auf YouTube unterwegs und sehe mir gerne Video-Blogs (sogenannte VLOGs) an. Vor allem die Reihe von Bob Reynolds (dem Saxophonisten von Snarky Puppy, John Mayer u.v.a.) hat es mir da angetan, er hat mich auch dazu inspiriert, es selbst einmal zu versuchen mit so einem Video-Tagebuch. Ich habe dann unsere gesamte "Audrey"-Tour mit pure desmond und die Arbeiten danach mit einem eigenen VLOG auf unserem YouTube-Kanal begleitet und erzählt.
Außerdem habe ich mich im Zuge des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 an einer davon losgelösten VLOG-Reihe "in eigener Sache" versucht, in der ich mein Leben als Künstler ein bisschen beschreibe und die Gedanken, die ich mir zu verschiedensten Dingen mache. Ich bin einfach ein Bühnenmensch und ziehe das "Performen" vielleicht dem Schreiben von langen Texten vor - obwohl ich sagen muss, dass ich das Video-Machen mittlerweile (seit es in meinem Leben regelrecht inflationär geworden ist) auch ganz schön anstrengend finde.
Bei Nachrichten halte ich mich an die gängigen Medien wie Spiegel Online, Zeit Online oder tagesschau.de. Aber am liebsten lese ich Texte eher auf Papier. Daher kaufe ich mir auch gerne mal altmodisch eine Zeitung.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
LH: Hm, vielleicht "Diversityville", nach einem Zitat von Paul Desmond. Oder "Keep the channel open", nach einem Zitat von Martha Grimes. Oder auch "Prokrastination", das wäre auf jeden Fall ehrlich... (lacht)! Da müsste ich länger drüber nachdenken, das kann ich jetzt nicht so ad hoc sagen.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
LH: Oje... hoffentlich gut. Aber in Zeiten wie diesen, zweiter Corona-Lockdown, Trump-Raserei, islamistisches Attentat in meiner Heimatstadt Wien, da braucht es schon eine ganze Menge guten Willens, um positiv in die Zukunft zu blicken. Andererseits hat sich die Menschheit (und unsere Gesellschaft, ja sogar unsere Generation!) schon aus vielen misslichen Lagen befreit oder jedenfalls sie überstanden, z.B. die Bankenkrise vor einigen Jahren. Ich kann nur sagen, wie ich mir die Zukunft wünsche, und das ist eine Zukunft mit mehr Gerechtigkeit und Empathie, mit mehr gesellschaftlichem Zusammenhalt. Vielleicht muss es wieder einmal krachen, damit die Welt (oder Deutschland, oder Europa) versteht, dass das wichtig ist. Aber ich hoffe, wir kriegen das anders hin. Schließlich gibt es auch genug Leute, die das wollen. Wenn wir es uns recht überlegen, werden wir sogar feststellen: Wir sind mehr.
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Samstag 31.10.2020
Eva Klesse – Der treue Begleiter Zweifel
Eva Klesse gilt als die erste Jazzprofessorin Deutschlands. Als Schlagzeugerin versteht sich! Das kommt in der noch immer von Männern dominierten Welt des Jazz nicht allzu oft vor. In der FAZ war schon vor einigen Jahren zu lesen: „Dank interessanter Melodien und Harmonien ist der Jazz des Eva Klesse Quartetts für unterschiedliche Hörer attraktiv und doch weit vom Mainstream entfernt.“
2013 gründete sie ihr Quartett, das seitdem drei Alben vorlegte, quer durch Europa, Südamerika, Malaysia und Ägypten tourte und auf namhaften internationalen Festivals vertreten war (Berliner Jazzfest, Buenos Aires Jazzfestival oder dem 12 Points Festival in Irland). Ihr neuster Streich, „Creatures & States“, erschien vor zwei Wochen bei Enja/Yellowbirds Records in München. Ein Album voll spannender Momente, angereichert mit wunderbar atmosphärischen Essenzen, improvisatorischen Großtaten, impressionistischen Zwischenrufen und jeder Menge rhythmischer Variationen. Ihr begleitendes Schlagzeugspiel lebt von einer organischen Tiefe, die die gesamte Musik zusammenhält und ihr eine vorwärtstreibende Richtung gibt und in seiner emotionalen Spannweite besticht..

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Eva Klesse: Weniger Faktoren als viel mehr Menschen auf meinem Weg: Lehrer*innen, Mentor*innen, Vorbilder, Begegnungen auf Reisen und generell in anderen Gegenden der Welt, Mitmusiker*innen, Freund*innen und Familie.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
EK: Wenn es uns gelingt, Menschen mit unserer Musik zu berühren, dann macht mich das sehr froh.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
EK: Mit den Tücken des Musiker*innen-Nomaden-Lebens und der nicht vorhandenen Trennung von Privat und Beruf, mit den generell prekären Arbeitsbedingungen im freien Kulturbetrieb (und deren Verschärfung durch gelegentlich auftretende Pandemien :) und natürlich mit dem treuen Begleiter Zweifel.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
EK: In letzter Zeit natürlich z.B. der Shutdown. Von einem auf den anderen Tag das eigene Leben - wie man es kannte - vor einem Zusammenbrechen zu sehen. Das Gefühl der Machtlosigkeit, das Gefühl, die Dinge nicht mehr selber in der Hand zu haben, den eigenen Beruf nicht mehr ausüben zu dürfen. Die verschiedensten Reaktionen der Menschen auf all diese Phänomene, positiv wie negativ.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
EK: Musikalisch gesehen die Momente, in denen wir aufhören zu denken, eins sind im Klang innerhalb der Band und mit dem Publikum, in denen wir fliegen. Ansonsten: immer die Momente, in denen ich gemeinsam mit anderen etwas (er-)schaffen und bewegen kann.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
EK: Ja, ich höre Musik. Allerdings nie im Hintergrund oder "nebenbei" - wahrscheinlich eine Musiker"krankheit", dass das nicht möglich ist. Ich mag Musik, die ernst gemeint ist, mit Herz gemacht, die mich berührt und die nichts beweisen will oder muss, ganz unabhängig von Genre und Professionalitätsgrad der Musikschaffenden. Das kann Klassik sein, Hiphop, französische Popsongs, Jazz oder noch etwas ganz anderes.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
EK: Weder noch ehrlich gesagt. Meist dem Nomadenleben geschuldet (siehe oben) höre ich Musik in digitaler Form.

KK: Was lesen Sie momentan?
EK: U.a. die Joni-Mitchell Biographie, "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten" (Alice Hasters), "Ja heißt ja und" von Carolin Emcke und "Men explain things to me" von Rebecca Solnit.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
EK: Ungerechtigkeit, Rassismus, Homofeindlichkeit, Misogynie, Unfreundlichkeit, Egomanie und Ignoranz.

KK: Was freut Sie ungemein?
EK: Mich erfreuen schöne & fruchtbare Begegnungen mit anderen Menschen, Neues zu erfahren und zu lernen, Reisen  - und aber auch wieder zu Hause ankommen, gutes Essen & Genuss, Bewegung in der Natur und of course Musik.
Mich *freut*, dass ich das Gefühl habe, dass die Generationen nach meiner eigenen weiter sind als wir das waren, im Umgang mit Themen wie Gerechtigkeit, Gleichstellung, Diversität etc. - das gibt mir Hoffnung.
Außerdem freut es mich ungemein, wenn Menschen nach unseren Konzerten zu uns kommen und sagen "Das war Jazz? Ich dachte immer, ich mag keinen Jazz. Aber DAS hat mir richtig gut gefallen."

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
EK: Gemacht nicht, bearbeitet schon (Schlag in Hosen eingenäht z.B. - back in the days :).

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
EK: z.B. von Sophie Rois im Film "Drei". Und, gerade neu entdeckt: Phoebe Waller-Bridge! (z.B. in Fleabag)

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
EK: Eine Brille, die ermöglicht, die Welt mit den Augen einer anderen Person sehen zu können.
 
KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
EK: Das kommt drauf an. Am liebsten natürlich Teamplayer, aber alle Kunst und damit auch die Arbeit an einem Instrument/das Schreiben von Musik setzen ein gewisses Maß an Einsamkeit voraus. Im Grunde, denke ich, leistet man als Musiker*in Arbeit im Einzelkämpfer-Modus, um dann ein noch besserer Teamplayer werden zu können.
 
KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
EK: Nachts. Beim Laufen, Joggen, Spazierengehen. Im Zug. Auf meinem Denk-Sofa. Auf Hiddensee. Und im Gespräch mit klugen Köpfen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
EK: Tagesschau, Zeit, Süddeutsche, Do the Math (der Blog von Ethan Iverson) zum Beispiel. Und die Kolumne von Margarete Stokowski auf Spiegel.de.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag StaatsministerIN für Kultur wären?
EK: Ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen, die freie Szene stärken, freie Spielstätten und Ensembles fördern. Die Kolleg*innen der anderen Ministerien anrufen, um den Spitzensteuersatz zu erhöhen, sozialen Wohnungsbau zu fördern, Fahrradwege auszubauen und und und. Ein langer Tag wäre das! :)

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
EK: Ich sehe wirklich zur Zeit keine Dringlichkeit, mir darüber den Kopf zu zerbrechen. Aber: es gibt noch sehr viele Autobiographien bedeutender Persönlichkeiten, die ich gern lesen möchte!

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
EK: Wahrscheinlich ähnlich aufreibend und schön zugleich wie die Gegenwart.
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Montag 19.10.2020
David Klein - Billie Holiday, die größte Jazzsängerin, die je gelebt hat
Bis vor kurzem tourte David Klein noch mit der Sängerin und Schauspielerin Jasmin Tabatabais durch die Lande. Damals noch in Vorfreude auf das 3. gemeinsame Album „Jagd auf Rehe“, das mittlerweile erschienen ist. „Stilvoll, charmant, gut“, urteilte die Zeitschrift stereoplay im Juni dieses Jahres knapp.
David Klein, Saxophonist, Schlagzeuger, Komponist, Produzent und vieles mehr, tummelt sich schon eine Weile in der Szene. Geboren 1961 in Basel als Sohn des berühmten Jazzmusiker-Ehepaars Oscar und Miriam Klein, arbeitete er schon früh mit vielen bekannten Solisten der Jazzszene (Kenny Clarke, Sir Roland Hanna, Billy Cobham, Kirk Lightsey). Er studierte am Berklee College of Music in Boston, gründete Mitte der 1980er Jahre die Klezmer-Band Kol Simcha, komponierte Filmmusik (Gripsholm) und fürs Fernsehen (Das Wunder von Mogadischu) und produzierte 2001 mit internationaler Band eine Hommage an Marilyn Monroe ("My Marilyn").
Ende Oktober sind Jasmin Tabatabai und das David Klein Quartett noch für eine Konzerte in Deutschland unterwegs: 30.10. Jazztage Dresden (Ostra Studios), 31.10. Magdeburg (Theater).

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
David Klein: Die Liebe meiner Eltern und das große Glück, in einem sehr harmonischen Abschnitt der Familiengeschichte geboren und aufgewachsen zu sein. Das hat mir ein Urvertrauen beschert, das ich gerne als „Euphorische Verstimmung“ bezeichne.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
DK: Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich mache Musik, die ich selbst gerne hören würde und wenn andere Menschen sie auch gerne hören, freut mich das natürlich umso mehr. Ich habe auch keinerlei Berührungsängste mit irgendwelchen Genres. Ich habe Klezmer gemacht, Schlager, habe Gedichte vertont, Filmmusik geschrieben, Funk und moderne Klassik gespielt, obwohl ich keine Noten lesen kann, was das Sinfonieorchester, welches mich engagierte, aber nicht wusste.

Wir spielten als Jazz-Quintett in Hans Werner Henzes „Maratona di Danza“. Wir hatten als Band viel Freiraum und der Dirigent hatte an manchen Stellen die geschriebenen Noten gestrichen, wir sollten dort stattdessen improvisieren. Ein Freund nahm mir meine Stimme mit Flöte auf Kassette auf und ich lernte alles auswendig. Das ging so lange gut, bis der Dirigent eines Tages sagte: „David, spiel bitte von Takt soundso bis Takt soundso nun doch was geschrieben steht.“ Ich antwortete: „Das würde ich gerne tun, wenn ich nur wüsste, was da steht, ich kann nämlich keine Noten lesen.“ Das Orchester brach in schallendes Gelächter aus.

Auch wenn ich ausschließlich Musik ohne Kompromisse mache, finde ich, wenn man auf die Bühne geht, ist man dem Publikum etwas schuldig. Ich sitze oft zu Hause auf dem gemütlichen Sofa und plötzlich fällt mir ein, dass diese oder jener in Basel, wo ich lebe, auftritt. Und oft bleibe ich auf meinem Sofa sitzen und schau mir den Act später auf Youtube an.

Aber unser Publikum steht eben vom Sofa auf, musste vermutlich einen Babysitter organisieren, geht bei Wind und Wetter nach draußen, legt womöglich eine längere Strecke zurück, um zum Konzertort zu gelangen, zahlt Eintritt, um sich zwei Stunden Kultur anzutun - nicht als lästige Pflichtübung des Bildungsbürgertums, sondern aufmerksam und interessiert - es zeigt uns seine Wertschätzung, indem es frenetisch applaudiert und am Ende kaufen die Leute auch noch CDs. Ohne diese kulturbegeisterten Menschen wären wir als Kulturschaffende gar nichts. Diese Menschen sorgen dafür, dass das Land der Dichter und Denker nicht zum Land der Dieter (Bohlen) und Nicht-Denker verkommt. Vor diesen Menschen verneige ich mich in Demut, Hochachtung und tiefer Dankbarkeit.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
DK: Geldmangel.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
DK: Meine zwei Kinder aufwachsen zu sehen und wie unschlagbar großartig ihre Mutter ist.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
DK: Durch tägliches Üben besser zu werden. Oder wie die Japaner sagen: „Wer aufhört besser zu werden, hört auf gut zu sein.“

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
DK: Ich höre jede Art von Musik. Platon bezeichnete Musik als ein „moralisches Gesetz, das unserem Herzen eine Seele schenkt, den Gedanken Flügel verleiht, die Fantasie erblühen lässt und allem erst Leben schenkt.“
Ich halte mich an Kurt Weill, der sagte, er hätte den Unterschied zwischen ernster und leichter Musik nie anerkannt. Für ihn gebe es nur gute und schlechte Musik. Oder wie Karl Valentin sagte: «Wenn's oana ko, isses koa Kunst. Wenn's oana net ko, isses oa koa Kunst.»

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
DK: Youtube.

KK: Was lesen Sie momentan?
DK: Zeitungen und Blogs.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
DK: Politik, Redeverbote, Gesinnungsdiktatur und als „Israelkritik“ camouflierter Antisemitismus.

KK: Was freut Sie ungemein?
DK: Dass meine Familie und ich gesund sind.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
DK: Ich habe im Flur unserer Wohnung eine Garderobe für Kinder- und Erwachsenenkleider gebaut. Als Kind habe ich mir Winnetous bestickte Weste nachgemacht und Kostüme/Masken für die Basler Fasnacht. Als Jugendlicher habe ich meine Kleider modifiziert, um meinem damaligen Idol Jimi Hendrix so ähnlich wie möglich zu sein (ich spielte damals noch Gitarre als Hauptinstrument). Später habe ich mich wie Reinhard Mey gekleidet, den ich sehr verehre, beige Hose mit weißem oder kariertem Hemd (mit oder ohne Gilet) oder einfacher gesagt: wie ein Primarlehrer.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
DK: Witta Pohl in einer Szene in „Diese Drombuschs“, in der sie in Tränen ausbricht. Aber ich liebe auch Hans Moser, Marilyn Monroe oder Peter Lorre („M-Eine Stadt sucht einen Mörder“). Als absoluter Filmfan beeindrucken mich schauspielerische Leistungen, die eher nonchalant daherkommen. Leute wie de Niro oder Meryl Streep, die ihrem eigenen Hype glauben und einem immer zu sagen scheinen, wie grossartig sie doch sind, langweilen mich.
Ganz schlimm war Bruno Ganz als Hitler in Eichingers „Der Untergang“: schaut alle her, der beste Hitler, der je gegeben wurde! Wahrhaftigkeit ist wichtig. Es gibt eine herrliche Geschichte von Billy Wilder. Der hatte einem Schauspieler nach einem Take gesagt, dass er noch ein bisschen weniger machen soll. Die Szene wurde wiederholt und Wilder sagte: Großartig, aber mach noch weniger. Das ging etliche Male so, bis der Schauspieler entnervt moserte: Wenn ich jetzt noch weniger mache, dann spiele ich ja gar nicht mehr! Darauf Wilder: Genau!

Mir geht es mit der Musik und vor allem mit Gesang gleich. Ich liebe ungekünstelten Gesang. Also Gesang, der sich nicht mit inhaltsloser Stimmakrobatik versucht in Szene zu setzen. Deshalb verehre ich auch Billie Holiday, die größte Jazzsängerin, die je gelebt hat (sie starb übrigens mit 44 Jahren verarmt in einem New Yorker Spital, ihr Erspartes, ganze 47 Dollar, trug sie auch im Spitalbett immer auf sich). Ich liebe Sängerinnen wie Jasmin, die dir eine Geschichte erzählen, die man auch glaubt. Es gibt Sängerinnen, die schreien einem eine Geschichte ins Ohr, hüpfen auf der Bühne rum und gebärden sich, scatten womöglich noch, aber glauben kann man davon gar nichts.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
DK: Ich erfinde gerade diverses Zubehör für Saxophon.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
DK: Der Journalist Jürgen Serke nannte mich einen „Allesalleinemacher“, Ute Lemper einen „Diktator“. Aber mit meiner Klezmer-Band Kol Simcha war ich auch 20 Jahre ein Teamplayer.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
DK: Im Kino.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
DK: neffmusic.com, bestsacophonewebsiteever.com, achgut.com, gatestone.com und viele andere.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
DK: Nachdem ich alle gefeuert und kompetente Protagonisten eingestellt hätte, würde ich als Erstes die Finanzierung von CDs von professionellen Musikern wiedereinführen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich CDs nicht mehr verkaufen. Um jedoch auf dem hart umkämpften Konzertmarkt bestehen zu können, braucht man als Künstler rund alle zwei Jahre ein neues Programm, sonst wird man von den Veranstaltern, bei denen man bereits aufgetreten ist, nicht mehr gebucht. Das ist durchaus verständlich, denn man kann dem Publikum nicht jahrelang das gleiche Repertoire vorsetzen.

Komponieren und Konzerte spielen ist für jeden Künstler unerlässlich. Einerseits, um sich musikalisch weiter zu entwickeln, andererseits, um sich einen Namen zu machen (und diesen zu pflegen), denn Konzerte bedeuten auch immer Präsenz in den Medien (Vorberichte, Rezensionen etc.) und natürlich generiert man mit Konzertauftritten auch Einnahmen, denn auch Musiker und Komponisten leben nicht nur von Luft und Liebe.

Was das Ganze erheblich erschwert, ist, dass die Veranstalter neben dem neuen Programm auch auf einer neuen CD-Veröffentlichung bestehen. Dies, obwohl der Markt für den CD-Verkauf aufgrund der Streaming-Plattformen völlig eingebrochen ist. Nun könnte man die CD möglichst billig produzieren, ohne Promotion (Bekanntmachung in allen Medien), ohne EPK (digitale Pressemappe), ohne Werbung, ohne Video.

Das reicht den Veranstaltern aber nicht, denn diese vertrauen nach wie vor darauf, dass sich die Berichterstattung zur Veröffentlichung der CD in den Medien (Print, TV, Radio, Internet) positiv auf die Zuschauerzahlen an den Konzerten auswirkt. Das kostet.

In längst vergangenen Zeiten kamen die Plattenfirmen für diese Kosten auf, was aber bedeutete, dass der Künstler pro verkaufte CD mit einem Almosen abgespeist wurde. Die jeweiligen Label-Verträge umfassten nicht selten mehr als 40 Seiten, vollgepfercht mit Klauseln zu Ungunsten des Künstlers. Daran hat sich, trotz den Umwälzungen in der Musikindustrie, bis heute nichts geändert. Heutzutage zahlt zwar keine Plattenfirma mehr die Produktionskosten einer CD, aber noch immer wollen sie überproportional profitieren, sollte etwas wider Erwarten ein kommerzieller Erfolg werden (was im Jazz so gut wie nie passiert).

Um die grösstmögliche künstlerische und unternehmerische Freiheit zu behalten, verzichten Jasmin Tabatabai und ich deshalb auf die Zusammenarbeit mit einer Plattenfirma. Stattdessen finanzieren wir seit einigen Jahren unsere CD-Projekte in Eigenregie und veröffentlichen sie auf unserem eigenen Label JADAVI (JAsminDAVId), das vom deutschen Vertrieb Galileo vertrieben wird. Das ist natürlich nur mit der Hilfe von Stiftungen, Mäzenen, Freunden, Bekannten, aber auch staatlicher Förderung möglich.

Denn wirtschaftlich kann sich das nicht rechnen, wobei Kultur sich ja leider äußerst selten rechnet. Kultur war und ist nicht selbsttragend. Kein Theater, Museum oder Opernhaus könnte ohne Subventionen und Förderer bestehen. Strawinskys „Concerto in D“ hätte ohne den Basler Mäzen Paul Sacher ebenso wenig das Licht der Welt erblickt wie Mozarts „Così fan tutte“ ohne die Gulden des Kaisers Joseph II.

Ohne uns mit den oben genannten Koryphäen vergleichen zu wollen, aber grundsätzlich geht es jemandem wie uns, deren Projekte einen hohen künstlerischen Anspruch haben, nicht anders. In einer Industrie, in der das Formatradio eine kultur- und niveaulose Schreckensherrschaft innehat und das Fernsehen hauptsächlich der kontinuierlichen Verrohung und kulturellen Verwahrlosung unserer Gesellschaft durch „DSDS“ und Konsorten Vorschub leistet, ist es sehr schwer Projekte zu finanzieren, die sich abseits des „Mainstream“ bewegen.

Doch gerade diese Projekte sind wichtig, um der Tendenz entgegenzuwirken, Musik nicht länger als Kunstform zu behandeln, sondern als Massenware, die nach fragwürdigen Kriterien einem mediengesteuerten Publikum verramscht wird. Und letztlich ist eine CD ja auch immer eine Momentaufnahme des künstlerischen Schaffens und etwas, das man als Musiker und Komponist der Nachwelt hinterlassen möchte, und zwar in der bestmöglichen Qualität, was die Kosten natürlich nicht senkt.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
DK: Arschlöcher.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
DK: Ich lebe über meinen Verhältnissen, aber noch lange nicht standesgemäß. Vielleicht ändert sich das ja in Zukunft. Oder nochmal Karl Valentin: „Die Zukunft war früher auch besser.“
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Montag 12.10.2020
Joo Kraus – Weniger Autos, mehr Musik
Joo Kraus gehört zu den vielseitigsten Solisten im Jazz und zugleich zu einem der gefragtesten Gastmusiker der Szene. 1966 in Ulm geboren hat er mit neun Jahren mit dem Trompete spielen begonnen. Angeregt wurde er von seinem Vater, ebenfalls Trompeter und sozusagen Förderer der ersten Stunde. Joo spielte schon mit 15 in der Big Band Ulm, gewann mit 19  den ersten Preis im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“. Anschließend studierte er in München, lernte zwischenzeitlich den Bassisten Hellmut Hattler kennen. Beide gründeten das Duo Tab Two, das überaus erfolgreich mit elektronischen Sounds experimentierte und mit einem Mix aus Jazz, HipHop, Latin und Rock etliche nationale und internationale Preise erhielt.
In den letzten zwei Jahrzehnten begeistert Joo Kraus als ein Wanderer zwischen den musikalischen Welten. Er spielte mit Omar Sosa, Paula Morelenbaum, Nana Mouskouri und DePhazz, war auf Tour mit Ivan Lins und Pee Wee Ellis und vor fünf Jahren Gast in Fürstenfeld mit der Ausnahmepianistin Marialy Pacheco.
Am 28. Oktober wird Joo Kraus wiederholt in Fürstenfeld zu Gast sein und gemeinsam mit dem Jazzchor Freiburg in der Reihe JAZZ FIRST auftreten.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Joo Kraus: Das wenn man wüsste… sicherlich meine Familie: Es war immer und überall Musik. Und dann war ich eher ein Spätzünder was mein männliches anging, da könnte ich als Musiker beeindrucken, dachte ich! Und so habe ich mich wirklich dahinter geklemmt. Geübt was das Zeug hält, und dann macht es mehr Spaß, dann übt man wieder mehr usw.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
JK: Geht mir immer um Menschen: Musik ohne Menschen damit zu berühren ist für mich keine richtige Musk. Nur Töne. Santana sagt: „What you put into your notes that reaches people’s hearts, that’s what music is about“. Teile ich zu 100%.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
JK: Zum einen das tägliche Üben: Trompete muss man eigentlich jeden Tag spielen, sonst wird es schnell sehr schlecht mit den Chops. Dann das Reisen: Ist schon nervig auf die Dauer. Aber das wird aufgewogen durch die Musik und die Musiker mit denen man zu tun hat! Klasse Leute sind das!

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
JK: Wir als Band samt unserer Familien waren ein Wochenende bei Heini Staudinger (Chef von GEA ) in Schrems: Ein Schuhfabrikant und weiser Mensch und vorbildlicher Unternehmer. Das war schwer beeindruckend wie er sein Leben lebt.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
JK: Ganz unterschiedlich: Mal eine Probe, mal wenn man ein Ständchen für einen Jubilar spielt, mal ein Riesenfestival: Auf jeden Fall immer wenn Menschen um einen rum sind und etwas tolles durch Musik passiert.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
JK: Ja, wieder relativ viel! Oft beeinflusst von meinen Kindern ( Anderson Paak, Moonchild, Mac Miller) oder wenn wir Musiker zusammenhängen und uns austauschen: So kam ich jetzt wieder auf die CRUSADERS. Und Earth Wind and Fire begleiten mich eh immer!

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
JK: Beides, aber ich streame meist...

KK: Was lesen Sie momentan?
JK: Mehreres: BUT BEAUTIFUL von Erwin Wagenhofer, UPDATE FÜR DEIN UNTERBEWUSSTSEIN von Thimon von Berlepsch und JACK von Anthony Mc Carten.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
JK: Wenn Leute nicht wirklich zuhören

KK: Was freut Sie ungemein?
JK: Wenn sich Menschen verantwortungsvoll Gedanken über die Zukunft machen. Und wenn ich nen schönen Song geschrieben hab… und und und

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
JK: Yes: Früher ein bisschen mit meinen besten Freund Klamotten genäht. Und mal nen Tisch gebaut.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
JK: Michael Douglas in "Komminsky Methode“: Unfassbar!

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
JK: Eine Empathie-Tablette

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
JK: Als Temaplyer, allerdings kämpfe ich schon auch oft zeitweise alleine vor mich hin...

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
JK: Oft wenn ich eigentlich Trompete üben sollte und dann noch kurz an meinem E- Piano rumklimpere… . Und  das kann man kultivieren beobachte ich: Je öfter man seine Ideen ernst nimmt und aufschreibt oder aufnimmt, desto mehr kommen die zu Dir ( die sagen sicher weiter, dass da einer ist, der Ideen auf die Welt bringen kann!)

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
JK: Dies und das: Mit meinen Kids „Mr Wissen to go“ oder ich schaue Tutorials zu irgendwelchen Plug Ins.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
JK: Ich würde  die veralteten Strukturen und Lehrinhalte mancher Musikschulen und Musikhochschulen „erfrischen“. Und den Status der klassischen Musik gleichsetzen mit anderen Musikstilen.. Furchtbar wie das zum Teil hierzulande noch vorzufinden ist! Und E- Musik und U- Musik gäbs nicht mehr. Nur noch MUSIK.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
JK: Oh…. noch eine Biographie? Das wird mir zu inflationär langsam: Jeder C Promi schreibt seine Memoiren auf! Nicht auch noch ich!

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
JK: Mit gemeinwohl-Ökonomie, weniger Autos, mehr Musik, weniger Konkurrenz - Blödsinn und Wettbewerbsmentalität… Mein Gott, was die Menschen sich für nen Stress machen: 80% hausgemacht!
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