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13. Tigran Hamasyan „The Call Within“
14. Christian Elsässer & WDR Bigband
15. Kapustin/Schnittke „Cello Concertos“ Eckart Runge
16. Masoko Ohta „My Japanese Heart“
17. The Necks „Body“
18. Tony Allen „A Tribute To Art Blakey & The Jazzmessengers“ & Art...
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Freitag 28.08.2020
Tigran Hamasyan „The Call Within“
Immer wieder wird Tigran Hamasyan als Jazzpianist angekündigt. Aber im Grunde ist der Armenier weitaus mehr. Er spielt mit absoluter Präzision klassische Musik, er widmet sich mit unbeugsamer Leidenschaft der Volksmusik seiner Heimatregion, die Interpretationen von sakralen Liedern aus dem Mittelalter haben ihm internationale Preise eingebracht und für treibenden Rock`n Roll begeistert er sich schon seit seinen Jugendjahren (in denen er sämtliche Titel von Fredy Mercurys Queen mitsingen konnte). Ob all diese inspirierenden Einflüsse auf einem einzigen Album vermittelbar sind? Ohne stilistische Abgrenzungen, sozusagen „wie aus einem Guss“? Ja! Wer dies nicht glaubt, dem empfehlen wir wärmstens Tigrans neusten Streich: „The Call Within“.
In zehn Kompositionen durchpflügt der 33jährige(!) enorm kraftvoll Kulturen und Epochen und präsentiert ein Werk, das vielschichtiger und ekstatischer kaum klingen kann. Der Pianist ist ein schwindelerregender Techniker, einer der die mächtigsten Akkorde setzt und im nächsten Moment in explosiven Improvisationen davonrast. Hauchzarte Melodien erklingen, bevor ein Güterzug durch karge Landschaften lärmt. Trotzdem ist „The Call Within“ kein Album der Gegensätze.Es vereint, wie der Titel schon andeutet, eine innere Stimme, es ist die Summe seiner Erfahrungen und Denkweisen - im Leben und in der Musik.
Viele seiner ungeraden, beinahe provozierenden Takte wirbeln die Stücke orkanartig durcheinander. Immer neue Ideen treiben die Musik voran, lassen atemberaubende Bilder von magischen Landschaften in exotischen Farben entstehen, wechseln in sekundenschnelle die Richtung und visieren neue Ziele an. Die Musik hat ihre Ecken und Kanten, ist kämpferisch rau und dann wieder wieder poetisch schön. Nichts klingt selbstverliebt.
Unterstützt wird Tigran von dem New Yorker Multiintsrumentalisten Evan Marien am Bass und dem Schweizer Schlagzeuger Arthur Hnatek. Beide brennen voller Hingabe ein Feuerwerk polyrhythmischer Querschläger ab. Das Ineinandergreifen ihrer Energien ist enorm, inspiriert gleichzeitig den Pianisten, gibt ihm Sicherheit, macht ihm Mut – für immer neue Wendungen und Raffinessen. Wer die Möglichkeit hat, diese Musik laut zu hören, sollte dies unbedingt tun.
Jörg Konrad

Tigran Hamasyan
„The Call Within“
Nonesuch
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Samstag 22.08.2020
Christian Elsässer & WDR Bigband
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Es gibt kaum einen deutschen Jazzmusiker, der mit einer derartigen Anzahl von unterschiedlichen Großbesetzungen gearbeitet hat, wie es bei Christian Elsässer der Fall ist. Dabei ist der Münchner gerade einmal 37 Jahre alt. Was der Pianist, Komponist, Arrangeur in den vergangenen Jahren mit der Frankfurt Radio Big Band, der hr-Bigband, der NDR Bigband, der Jazzrausch Big Band oder dem Metropole Orchestra einspielte, klingt hingegen nach einem alten, erfahrenen Hasen der Jazzzunft.
Elsässer hat das Gespür und die Sensibilität für den jeweils unverwechselbaren Sound jeder einzelnen dieser Formationen. Dazu beherrscht er das Handwerk des Komponierens perfekt und ist in der Lage, seine notierten Vorgaben mit der speziellen Band-Atmosphäre und den solistischen Besonderheiten seiner einzelnen Mitglieder, besonders was das Arrangement betrifft, in Einklang zu bringen.
Im Winter 2018/19 war Elsässer nun mit der WDR Bigband im Studio, um das vorliegende Album „Spurensucher“ einzuspielen. Sieben Kompositionen, bis auf „Moondance“ von Van Morrison stammen alle aus der Feder des einstigen Münchner „Piano-Wunderkindes“, die die Professionalität und individuelle Stärke des Kölner Orchesters bestens herausstellen. Elsässers eher intellektueller, mehr analytischer Umgang mit Musik bringt eine völlig neue Seite des Klangkörpers zum Tragen. Neben Spielfreude und Experimentierlust ist die individuelle Stärke der Band deutlich spürbar. Es sind oft kleine nuancierte Motive, melodische Miniaturen, die hier raffiniert in den Orchestersound integriert werden. Es ist eine federnd-schwerelose Musik, eher swingende Melancholie, statt überschäumender Dynamik, sieht man einmal von der Komposition „The One“ ab.
„Ich denke beim Schreiben nicht daran, einzelnen Personen des Ensembles eine Freude zu machen“, erzählt Christian Elsässer, „aber ich möchte einen Maßanzug schneidern, der sitzt – und der den Musikern trotzdem Raum lässt, sich hier und da frei zu bewegen.“ Dieser Ansatz, die Balance zwischen Freiheit und Disziplin zu finden, eine Brücke zwischen Leidenschaft und Anspruch musikalisch zu bauen, Tradition und Moderne in Einklang zu bringen – all dies gelingt Christian Elsässer auf „Spurensuche“ auf wunderbare Weise. Der Maßanzug sitzt – perfekt.
Jörg Konrad

Christian Elsässer & WDR Bigband
„Spurensuche“
Tangible Music
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Freitag 14.08.2020
Kapustin/Schnittke „Cello Concertos“ Eckart Runge
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Der in diesem Jahr verstorbene Nikolai Kapustin gehört zu den außergewöhnlichen Komponisten im Zwischenreich von Klassik und Jazz. Im Grunde versteht sich der Ukrainer als Jazzmusiker, obwohl er dann doch viel zu bescheiden ist, sich selbst als einen solchen zu bezeichnen. Denn Kapustin ist der Überzeugung, dass das zentrale Anliegen des Jazz die Improvisation sei. Doch seine Werke lassen kaum Raum für das freie Spiel. Kapustin komponiert Jazz, schreibt selbst den improvisatorischen Teil komplett aus. Diese außergewöhnliche Herangehensweise fand lange Zeit wenig Publikum und auch unter Solisten oder Orchesterleitern fand er kaum Aufmerksamkeit. Weder in seiner Heimat, und da er politisch wenig spektakulär agierte, auch im Westen wurde er nur schwerlich wahrgenommen.
Der Cellist Eckart Runge, Mitbegründer des weltweit gefeierten Artemis Quartettes, entdeckte den Ukrainer schon vor Jahren, nahm mit ihm Kontakt auf und besuchte ihn in Moskau, wo Kapustin ihm sein 1. Cellokonzert anvertraute. Im Frühjahr 2018 spielte Runge dieses dreisätzige Werk mit dem Rudfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Frank Strobel als Welturaufführung ein.
„Man muss in die verschiedenen Universen eindringen, um diese Musik zu erfassen - eine Art Weltreise für das Cello“, erzählt Runge. Für ihn, als wagemutigen Solisten und überzeugten Teamplayer, eine Art Abenteuer, das ihn musikalisch mit Freuden herausfordert. Runge kann seine ganze Erfahrung, sein spieltechnisches Kalkül und seinen diskreten Charme hörbar in die Waagschale werfen. Musik, die wie ein Sinfoniekonzert und gleichzeitig wie eine kammermusikalische Jazzetüde klingt, deren avantgardistisches Temperament besticht und gleichzeitig mit eingängigen (russischen) Motiven betört. Runge ist dabei immer Herr des Geschehens. Er treibt das Orchester vor sich her, füllt Zwischenräume, bearbeitet Themen im Nachgang, kurz: Das Stück scheint ihm in seiner ganzen Dynamik auf den Leib geschrieben.
Der zweite Teil dieser Aufnahme gehört Alfred Schnittkes Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1, geschrieben 1986, also gut zehn Jahre vor Kapustins Opus. Schnittkes Stück ist gekennzeichnet vom Erleben eines Schlaganfalls, den er während des Kompositionsprozesses erlitt. Entsprechend finden sich in dieser Arbeit die unterschiedlichsten Emotionen wieder, in denen Entsetzen, Schmerz, Hoffnung, Tot eine entscheidende Rolle spielen. Dieses breite und vor allem existenzielle Spektrum an Gefühlen musikalisch überzeugend auszudrücken, dazu bedarf es einer großen Leidenschaft und auch den Willen, die eigenen Grenzen zu überschreiten. Orchester und Solist sezieren seelische Ausnahmezustände. Sie transportieren das düster Dissonante und verbinden es mit dem tragisch Tröstenden, das dieses Werk letztendlich vermittelt.
Jörg Konrad 

Kapustin/Schnittke
„Cello Concertos“
Eckart Runge
Rundfunk Sinfonieorchhester Berlin unter Frank Strobel
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Samstag 08.08.2020
Masoko Ohta „My Japanese Heart“
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Wer (musikalische) Reisen mag und (musikalisches) Neuland entdecken möchte, wer dabei sowohl das Sinnliche als auch das Archaische sucht und wem dabei noch ästhetische Prinzipien am Herzen liegen – der ist bei Masoko Ohta bestens aufgehoben. Die aus Tokyo stammende Münchnerin spielt außergewöhnlich Klavier, arbeitet mit Schauspielern, Tänzern und auch Bildenden Künstlern zusammen und gibt Meisterkurse für Klavier und Kammermusik. Sie ist eine Künstlerin, die weit über stilistische Grenzen hinausblickt, die Verbindungen zwischen westlicher und östlicher Kultur deutlich macht und damit ein universelles Denken vermittelt.
Ihr Klavier-Solo-Album „My Japanese Heart“ beinhaltet eine Sammlung von Kompositionen aus verschiedenen Epochen der japanischen Musikgeschichte. Es sind Stücke aus drei Jahrhunderten, musikalische Erzählungen voller Poesie, klanglicher Offenheit und auch meditativer Hingabe.
Auch wenn einige der Kompositionen nicht direkt für das Klavier geschrieben wurden, sondern stattdessen für die saitenbespannte Koto oder Singstimme, findet Masoko Ohta sofort den pianistischen Schlüssel zu den oft zärtlichen Geheimnissen dieser Kompositionen. Sie spannt einen weiten Bogen, verbindet Kulturen und Stimmungen, präsentiert eine sehr individuelle Form ganz persönlicher Freiheit und öffnet damit ganz neue, bisher verschlossen scheinende Tore.
Sensibel, mit einer gewissen Eleganz ist ihr Anschlag. Sie nutzt die Stille als ein ganz probates Mittel für ihren musikalischen Erzählfluss und entgeht aufgrund der Natürlichkeit ihres Tones jedweder süßlichen Melancholik. „My Japanese Heart“ ist aufgrund ihrer erfrischend diesseitigen Zurückhaltung eine wirkliche Entdeckung.
Jörg Konrad

Masoko Ohta
„My Japanese Heart“
Winter & Winter
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Montag 03.08.2020
The Necks „Body“
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Die „New York Times“ schrieb einmal, sie seien „eine der besten Bands der Welt“. Warum? Weil Chris Abrahams, Tony Buck und Lloyd Swantonsie den eigenwilligsten, den komplettesten, den herausforderndsten Klavier-Trio-Sound spielen. Seit über drei Jahrzehnten scheren sie sich als The Necks keinen Deut um Moden oder angesagte Trends. Ob diese Einstellung auch eine Kehrseite hat? Ja, hat sie: Kaum jemand kennt die Australier. Sie sind der bestgehütete Geheimtipp. Wahrscheinlich weil sie Jazz spielen und doch keine Jazzcombo sind; weil sie Stilmittel aus Minimal und Ambient nutzen, ohne in diesen Szenen verankert zu sein; weil sie deftigsten Rock`n Roll können, ihn aber nie spielen; weil sie psychedelisch sind, ohne high zu sein. The Necks sind ein Phänomen - und eine musikalische Urgewalt.
Auch mit „Body“ ist ihnen dieses Kunststück gelungen. Ein sensationeller Mikrokosmos der Moderne. Mit nur wenig Klangmaterial entwickeln sie innerhalb nur eines Songs von einer knappen Stunde ein Instrumentalgebräu, das an Entschiedenheit und Konsequenz nichts zu wünschen übrig lässt. Sparsam gesetzte Bassfiguren - wie düsteres Donnergrollen, ein stotterndes Piano – das nicht in Schwung zu kommen scheint, Schlagzeugbecken - die wie ein fernes Glocken läuten klingen und  dann der sphärische Sound jenseitiger Hammondorgeln. Nach knapp 25 Minuten bricht dann wie aus dem Nichts die Hölle los, mit einem einfachen aber unnachgiebigen Piano-Riff, wie es keine Post-Punk-Band markiger spielen könnte und einem treibendem monotonen Schlagzeugbeat. Beides angereichert mit schleifenden Gitarren und martialischen Clusterwolken. Und auch hier sind es wieder diese rituell anmutenden Wiederholungen, diese ekstatischen, nicht enden wollenden Energieschübe, die letztendlich Raum und Zeit vereinnahmen und eine überwältigende Wirkung entfalten.
Nach 40 Minuten wird die Musik wieder sanft und leitet langsam aber bestimmt das (noch immer ferne) Ende ein. Wer The Necks genießen will, braucht auch im vorliegenden Fall Zeit, manchmal auch ein wenig Geduld. Doch wer diesem hypnotischen Wechsel eklatanter Stimmungslagen folgt, der findet den so oft beschriebenen, aber in dieser Qualität selten gehörten Verbindungsgang zwischen Jazz, Postrock, Ambient, Minimal, Drone und Electronic. Sollten wir ein Album des Jahres 2018 küren - „Body“ wäre mit Sicherheit ganz ganz vorn mit dabei.
Jörg Konrad

The Necks
„Body“
Recommended Records
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Montag 27.07.2020
Tony Allen „A Tribute To Art Blakey & The Jazzmessengers“ & Art Blakey And The Jazz Messengers „Drum Suite“
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Unterschiedlicher konnten beide nun wirklich nicht trommeln. Sie hatten eine völlig unterschiedliche Auffassung bei der Umsetzung von Rhythmen, was mit Sicherheit ihrer Sozialisation geschuldet war. Für Art Blakey war die treibende Kraft stets der Hardbop, der deutliche Strukturmerkmale zur afroamerikanischen Volksmusik, zum Rhythm & Blues und Gospel aufzeigt. Ihn belebte er mit seinen Jazzmessengers swingend, war als Begleiter wuchtiger Motor, als Solist bärenstarker Techniker und als Bandleader Galionsfigur für mindestens zwei Generationen junger, aufstrebender Instrumentalisten.
Tony Allen hingegen hatte umgekehrt den afrikanischen Groove im Blut. Aufgesogen und verinnerlicht in seiner Heimat Nigeria, umgesetzt in den ersten Bands von Fela Kuti, in dessen legendärer Formation Africa 70 er sogar musikalischer Direktor war.
Was beide Schlagzeuger vereint, war ihre immense Leidenschaft, ihre individuelle Hingabe an alles, was Rhythmus hat. Und wenn irgendetwas auf dieser Welt keinen Rhythmus besaß, dann gaben sie ihm kurzerhand den für sie notwendigen Puls.
Einer von Tony Allens großen Vorbildern war eben jener Art Blakey, der im fernen New York mit all den Musikern spielte, die zu Allens Heldengalerie gehörten: Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Thelonious Monk. Und obwohl er selbst begeistert von Blakeys swingenden Synkopen und explosiven Breaks war – er selbst spielte völlig anders, wie das auf dem Album „A Tribute To Art Blakey And The Jazz Messengers“ so deutlich wird. Hier hat sich Tony Allen drei Jahre vor seinem eigenen Tod noch einmalintensiv mit Blakey und seiner Musik auseinander gesetzt und vier seiner vielleicht bekanntesten Stücke in Südfrankreich neu eingespielt. Natürlich mit eigener Band, die mehr afrikanisches Flair verströmt, als die Originale und dadurch der Ursprungssprache des Jazz deutlicher huldigt, als manch anderes Projekt.
Es sind nervöse, fiebrige Muster, mit denen er die Bläsersätze und -stimmen zusammenhält. Mit einem Dschungel aus Takten, Verschiebungen, Verschleppungen, Wechseln und ungezügelter Wildheit. Er klingt am Schlagzeug wie ein transzendierendes Drum-Orchester von befreienden Urkräften getrieben.
Art Blakey hingegen ist ein Meister der Präzision. Selbst dann wenn er den Rhythmus aufbricht, ihn in seine kleinsten Einheiten seziert, jede Regel bricht und spieltechnisch bis dahin unmöglich erscheinendes möglich werden lässt. Er brachte Ende der 1940er Jahre übrigens eine Zeit in Afrika zu, um hier die rhythmische Sprache des Jazz an ihren Wurzeln zu studieren. Entstanden ist in Folge diese Aufenthaltes das großartige Album „Drum Suite“. Mit einem Perkussions-Ensemble und seiner damaligen regulären Band bewegt sich die Musik im Fahrwasser afro-kubanischer, also perkussions-orientierter Jazzmusik. Damit waren Blakey und Band ihrer Zeit weit voraus und die ganze Wirkung dieses Klassikers konnte erst Jahre später in seiner ganzen Breite gewürdigt werden.
Diese beiden Aufnahmen zu vergleichen, ist ein besonderes Vergnügen. Denn hier verlassen zwei Musiker zu völlig unterschiedlichen Zeiten ihr angestammtes Metier und bewegen sich unabhängig voneinander im Grunde aufeinander zu. Man spürt und hört auf jedem dieser beiden Album die sich gegenseitig befruchtenden Kulturen, Rhythmen eben als eine alles verbindende Weltsprache. Sie sind die Grundlage der Verständigung, der Herzschlag der Bewegung, der Takt zur Kommunikation miteinander. Wer sich auf einem Rhythmusteppich von Art Blakey oder auch von Tony Allen befindet, der kann nun einmal grenzenlos fliegen.
Jörg Konrad

Tony Allen
„A Tribute To Art Blakey & The Jazzmessengers“
Blue Note

Art Blakey And The Jazz Messengers
„Drum Suite“
Columbia
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Autor: Siehe Artikel
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