In INTERVIEW werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
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1. Zither Manä - Nur oberflächliche Schenkelklatschmusik ist und war nie mein ...
2. Ecco Meineke - „Ich liebe Robert de Niro“
3. Mani Neumeier - Die Elektrolurchmaske
4. Andrea Pancur - Ein Koffer, der sich selbst einpackt
5. Kristina Wuss - Der inneren Stimme sollte man vertrauen
6. Mareike Wiening – Dem Alltag entfliehen
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Sonntag 09.02.2020
Zither Manä - Nur oberflächliche Schenkelklatschmusik ist und war nie mein Ziel
Manfred Zick musste im Leben einiges aushalten, was jedoch zuvor schon viele andere auch aushalten mussten. Der Münchner hat sich einer Tradition angenommen und diese, sagen wir einmal individualisiert. Genauer gesagt: Zick spielt zwar die altehrwürdige Zither. Aber eben nicht so, wie sie seit über einhundert Jahren im Alpenraum genutzt wurde. Es war genau am Heilig-Drei-König 1980, als er im Gasthaus Nägele in Wörnsmühl statt bayrischer Volksmusik Chuck Berry interpretierte. Damit begann für den einstigen Berufsschullehrer ein neuer Lebensabschnitt – zu dem jedoch auch anonyme Morddrohungen gehörten, weil er eben diesem Saiteninstrument eine neue, modernere Richtung gab.
Heute ist Zither Manä, wie er sich mittlerweile nennt, Kult. Nicht nur, dass er neben Rock`n Roll auch Tango, Blues und auch einmal eine Operette anstimmt. Er hat die Entwicklung der sogenannten neuen Volksmusik von Beginn an mit gestaltet. Am 21. Februar macht Zither Manä während seiner Jubiläumstour „40 Jahre und kein bisschen leise“ in der Germeringer Stadthalle Station.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Zither Manä: Es war reiner Zufall, dass ich am 06.01.1980 in Wörnsmühl, Leitzachtal mit 2 Rockgitarristen auftrat und am Schluss eine Session obligatorisch war. Wir einigten uns, dass ich auf der Zither Chuck Berrys Gitarrenriffs (ich spielte als Jugendlicher die Sologitarre bei der Beatband Milestones) spontan improvisierte. Die jungen Leute waren begeistert und so entstand bald mein wichtigstes Stück, der Zither-Rock. Und ich begann dann, eigene Texte für meine Lieder zu schreiben.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
ZM: Ich sehe meine Aufgabe darin, den Leuten Unterhaltung zu bieten, aber in dem Begriff steckt auch das Wort Haltung (stammt von meinem Vorbild Dieter Hildebrand) drin. Nur oberflächliche Schenkelklatschmusik ist und war nie mein Ziel.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
ZM: Da ich meist mit meiner E-Zither unterwegs bin, ist der Aufwand, die eigene Musikanlage aufzubauen oft nicht mehr ganz so einfach, nachdem ich ja nun auch in die Jahre gekommen bin. Aber die Freude am Auftritt und der Applaus des Publikums entschädigen mich voll und die oft lange Anreise zu den Konzerten sind es daher wert.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
ZM: Nach so vielen Jahren auf der Bühne ließen die Anfragen der Veranstalter zwar etwas nach, aber jetzt im Jubiläumsjahr 2020 habe ich wieder gut besuchte bis ausverkaufte Konzerte und bin glücklich, da mich meine Fans immer noch hören und sehen wollen.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
ZM: Wenn das Konzert vorbei ist und die Zuschauer mit einem strahlenden Lächeln den Saal verlassen; viele schütteln mir dann noch die Hand oder es gibt einen kleinen Ratsch. Oft dauert der Applaus auch sehr lange und manchmal gibt es standing ovations.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
ZM: Ich bin ein Musikbegeisterter und liebe die unterschiedlichsten Stilarten wie Klassik, Rock, Liedermacher, Folkmusik, irische und gute bayrische Volksmusik. Dabei ist es mir aber wichtig, dass die Inhalte geistreich oder aber wirklich humorvoll sind.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
ZM: Eher immer noch CD und ich höre CD’s hauptsächlich bei den weiten Autofahrten zu den Konzerten.

KK: Was lesen Sie momentan?
ZM: Ich lese immer mehrere Bücher gleichzeitig – im Moment „Heimat ist da, wo dir die Todesanzeigen etwas sagen“ von Otti Fischer, dessen Geschichte ja auch teilweise meine ist, sind wir doch in den Münchner Kleinkunstbühnen damals aufgetreten. Auch alle Bücher von Ferdinand von Schirach faszinieren mich, da dieser höchst moralische Jurist eine sehr einfache und fesselnde Sprache benützt; man kann nicht mehr aufhören zu lesen.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
ZM: Es ist trotz der berechtigten Kritik an der Berliner Politik und auch an Europa eine Schande, dass so viele Menschen rechtsradikal wählen, obwohl diese Herrschaften ungeniert die Sprache der Faschisten benützen.
Und unser Staat wirkt bei dieser Art der Verrohung unserer Sprache oft hilflos, obwohl die Gesetze dafür seit Gründung der Bundesrepublik bestehen. Man müsste sie nur anwenden. Das gehört eben auch zu einer wehrhaften Demokratie.

KK: Was freut Sie ungemein?
ZM: Ich freue mich, dass die jungen Leute endlich so wie wir damals auf der Straße protestieren, auch wenn sie genauso wie wir damals manchmal halt Fehler machen oder in ihrem Eifer manches Maß verlieren. Dennoch haben sie bewirkt, dass viele Politiker den Klimawandel endlich ernst zunehmen beginnen.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
ZM: Nein!

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
ZM: Meine Lieblingsschauspielerin ist eindeutig Romy Schneider gewesen und es haben mich fast alle ihre Filme beeindruckt. Ein Highlight ist „Die Dinge des Lebens!“

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
ZM: Es gibt so viele gute Erfindungen und ebenso viel Unnützes in der Welt, dass ich nicht auch noch einen Beitrag dazu leisten muss.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer oder Teamplayer?
ZM: Sowohl als auch! Als Musiker trete ich gerne als Solist auf, spiele aber auch leidenschaftlich gerne mit meinem Zither-Manä-Trio. Dieses besteht aus dem Ausnahmegitarristen Frank Schimann und einem der besten Bluesharpspieler Ferdl Eichner. Und dann gehe ich auch keiner Session mit anderen Musikern aus dem Wege. Und im Leben treffe ich mich gerne mit guten Freunden, kann aber auch ganz allein in einem Cafe sitzen und neue Texte für meine Lieder schreiben.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
ZM: Wie gesagt bei großer Unruhe in einem Cafe, aber auch zu Hause beim Zither spielen in meinem Studio nur für mich, habe ich meine besten Einfälle.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
ZM: Meist Websites von wichtigen Bühnen, lieben Kollegen und Vorbildern aus der Musikbranche.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
ZM: Ich würde die völlig überzogenen Subventionen für die gesamte Klassikmusik kürzen und den vielen privaten Kleinkunstbühnen zuführen, ohne dass der Staat aber Einfluss nimmt auf deren Programmgestaltung.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
ZM: 40 Jahre Zither-Manä und kein bisschen leise – genau so heißt ja mein aktuelles Programm

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
ZM: Ich wünsche mir, dass ich gesund bleibe, weiterhin auftreten kann und dass auf der Welt der unsägliche Hass weniger wird. Und dass in Facebook etc. endlich jeder Nutzer seine Botschaften nur mit voller Nennung seines Vor- und Zunamens veröffentlichen darf. Dann würde ich auch bei Facebook beitreten.
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Dienstag 04.02.2020
Ecco Meineke - „Ich liebe Robert de Niro“
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Ecco Meineke (links) & Andy Lutter (Foto: Kate Flaccus)
Ecco Meineke ist Autor, Kabarettist, Komponist, Musiker, Arrangeur, Projektkünstler. Zudem guter Freund und künstlerischer Begleiter von Werner Schneyder, Michael Schanze, Werner Schmidbauer, Konstantin Wecker, Michael „Bully“ Herbig, Gustav Peter Wöhler u.v.a. Meineke hat Soul-, Jazz-, Klezmer und Folk-Alben erfolgreich eingespielt und ist seit einiger Zeit mit seinem Projekt „Blattgold“ auf Tour. „Schön, dass Meineke hier die große Chansontradition mit einer so fein durchgearbeiteten Produktion neu belebt. Stimmlich sanft aber eindringlich, textlich und musikalisch hochachtenswert ausgefeilt“, lobt Konstantin Wecker Ecco Meinekes neues Werk, das im letzten Jahr bei GLM München erschienen ist. Am 13. Februar wird der Isarvorstädter dieses Programm in der Germeringer Stadthalle präsentieren – gemeinsam mit Andy Lutter, Alex Haas, Marion Dimbath und Tim Collins. „Für alle, die das Leben lieben in seinem Witz, in seiner Traurigkeit!“


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Ecco Meineke: Die Musikalität meiner Eltern, mein Talent, mein Fleiß, meine Beharrlichkeit und die Hilfe vieler vieler guter Freunde und Lieben.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
EM: Die Leute sollen eine gute Zeit haben. Und nie vergessen, dass dieser Grundsatz für den Rest des Planeten gilt.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
EM: Mit der Knauserigkeit jener, die glauben, Kunst sei ein nettes Hobby und mit den üblichen Zumutungen des Kapitalismus. Sonst wäre alles paletti.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
EM: Die Liebe meiner Schwester.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
EM: Die Momente, wenn es durch mich singt und ich nicht darüber nachdenken muss.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
EM: Haha! Chansons  natürlich. Außerdem Soul, Jazz, Salsa.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
EM: Tja, inzwischen meine Playlists.

KK: Was lesen Sie momentan?
EM: Täglich 2 Zeitungen. Seit ich lesen kann. Ich bin Kabarettist. Durch und durch.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
EM: Hass-Mails und scheinbar inzwischen hoffähige Todesdrohungen der rechten Bürgerschaft.

KK: Was freut Sie ungemein?
EM: Dass die Mehrheit anders denkt. Sie muss sich nur kontinuierlich bemerkbar machen!

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
EM: Logo. Ein ganzes Bücherregal designt und gebaut.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
EM: Ich liebe Robert de Niro. "Irishman" ist ein großer Wurf.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
EM: Ein Gerät, das mir die Haare krault.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
EM: Immer 50:50.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
EM: Alleine, nachts, in meiner Galerie.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
EM: German foreign policy ist empfehlenswert, auch wenn man es kritisch lesen muss.
Auch die „Nachdenkseiten“.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
EM: Das Budget. Speziell für die nicht-kommerzielle Basis.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
EM: „Er hat sich redlich bemüht“.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
EM: Rosig. Muss ja.
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Freitag 10.01.2020
Mani Neumeier - Die Elektrolurchmaske
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Mani Neumeier ist seit über einem halben Jahrhundert mit seiner Band Guru Guru auf Achse. In dieser Zeit hat der Schlagzeuger fast viertausend Konzerte gespielt, über vierzig Alben herausgebracht, ist durch die USA, China, Japan, Indien, Australien und ganz Europa getourt. Guru Guru hatten ihren ersten Fernsehauftritt im legendären Beat Club (1972), sie waren die erste deutsche Band im Rockpalast (1976). Neumeier stand zuvor schon mit der Freejazzlegende Peter Brötzmann, mit Gitarrenapoll John McLaughlin und Multiinstrumentalist Yusef Lateef auf der Bühne.
Neumeier ist einer der maßgeblichsten Vertreter der bundesrepublikanischen Rockszene. Derzeit befindet er sich mit Guru Guru auf großer Jubiläumstour und wird am 26.Januar im Landsberger Stadttheater Station machen. Trotz randvollem Terminkalender fand Mani Neumeier Zeit, für den KK-Steckbrief:

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Mani Neumeier: … dass ich mit 15 Jahren Louis Armstrong live gesehen habe und alle großen Jazzmaster wie Miles Davis, John Coltrane, Thelonius Monk u.v.a.
Und Talent, Ausdauer, Glueck, etc.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
MN: … viele Leute, jung und alt happy zu machen und zu begeistern.


KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
MN: … die Autobahnfahrten und die  Staus.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
MN: … die brennenden Wälder in Australien, Brasilien und auf der ganzen Welt.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
MN: … wenn die Band (Guru Guru z.b.) abhebt und man an nichts mehr denkt.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
MN: … klar, am liebsten die grossen Jazzmusiker wie Coltrane, T. Monk, Charlie Parker, Duke Ellington und immer wieder Jimi Hendrix und afrikanische, indische Musik …..

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
MN: … mehr CD, auch LP.

KK: Was lesen Sie momentan?
MN:H. Murakami.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
MN: … dass so viele Präsidenten auf der Welt unfähige, gierige Narren sind und den Planeten kaputt machen.

KK: Was freut Sie ungemein?
MN: … dass die meisten Menschen sich für eine bessere Welt einsetzen möchten.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
MN: … ich habe eine Maske gemacht, die Elektrolurchmaske ist jetzt 46 Jahre im Bühneneinsatz .

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
MN: … einige, aber Mr. Bean ist schon immer wieder umwerfend

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
MN: … einen Geräusche-Verschlucker.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
MN: … als Teamplayer und Einzelspieler.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
MN: … in der Natur, auch beim Autofahren.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
MN: … nee.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
MN: … den Opern etwas Geld entziehen und echte  Livebands und Clubs unterstützen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
MN: … der heisst „Mani Neumeier und der Guru Guru Groove“ (kommt im Sommer  2020 raus).

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
MN: … mein Wunsch: eine besser ausbalancierte Erde.
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Dienstag 26.11.2019
Andrea Pancur - Ein Koffer, der sich selbst einpackt
Andrea Pancurs neustes Album heißt „Weihnukka“. Hinter dieser Wortschöpfung aus dem 19.Jahrhundert steht der Zusammenschluss von zwei Festen, die es in einer Gemeinsamkeit so eigentlich nicht gibt. Auf der einen Seite steht das Chanukka (einem Lichterfest, das an die Befreiung des jüdischen Volkes aus fremder Herrschaft vor über zweitausend Jahren gedenkt) und auf der anderen Seite das Weihnachtsfest, das heute in der christlich geprägten westlichen Kultur symbolisch für ein friedliches Miteinander auf dieser Welt steht.
Andrea Pancurs sieht ihre Botschaft in der Aufforderung an alle Menschen, eine lebenswerte Zukunft zu schaffen. Musikalisch greift die Sängerin mit ihrer Band hierfür tief in die Schatztruhe von Liedern, die traditionell zu beiden Festlichkeiten bis heute präsentiert werden. Andächtiges steht neben turbulent lebensfrohem, bayrisch bodenständiges neben jiddischer Melancholie.
Mit diesem Programm tourt die mit dem Deutschen Weltmusikpreis ausgezeichnete Münchnerin derzeit durch die Region:02.12. Schondorf am Ammersee; 04.12. Schwabinger Weihnachtsmarkt; 10.12. Fraunhofer München; 14.12. Dachau Leierkasten (Mehr unter: https://www.andrea-pancur.de/ )

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Andrea Pancur: Glück, Zufall, Talent, Fleiß, Wille. Ich habe einfach immer weiter gemacht, auch wenn’s mal nicht so gut lief.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
AP: In erster Linie meine Mitmusiker*innen.  Ich denke, nur, wenn wir gemeinsam beim Musizieren unsere Egos aufgeben und uns der Musik unterordnen, entsteht gute Musik. Dieses gemeinsame „Schwingen“ überträgt sich aufs Publikum, für das wir natürlich auch spielen. Aber die einzelnen Menschen im  Publikum erleben nur dann einen guten Konzertabend, wenn wir Musiker uns auf der Bühne gegenseitig erreichen und eine Einheit bilden.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
AP: Lange Fahrten in Zügen mit verpassten Anschlüssen, weil der Zug mal wieder irgendwo auf der Strecke stand oder schon unpünktlich losfuhr (und dann noch irgendwo auf der Strecke stand). Lange Autofahrten mit Pausen auf Rasthöfen, mit dem Ambiente einer unrenovierten Schwimmhalle aus den 1970gern. Steuerirrsinn, der noch irrere Mehrwertsteuerirrsinn, Geld für Projekte auftreiben.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
AP: Ein einzelnes Erlebnis kann ich gar nicht nennen. Was mich aber immer wieder aufs Neue beeindruckt, ist, wenn Menschen, sich mit Überzeugung für Menschenrechte einsetzen. Claus-Peter Reisch und Carola Rackete, die Sea Watch-Kapitäne beeindrucken mich, und genauso hat mich eine Freundin, die Ärztin ist, beeindruckt, als sie sechs Monate für „Ärzte ohne Grenzen“ in den Jemen gegangen ist.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
AP: Am schönsten ist es, wenn es meinen Kollegen und mir gelingt, mühelos zu spielen. Dabei stellt sich ein schwereloses Gefühl ein, Zeit spielt keine Rolle mehr, und im besten Fall gelingt uns Kunst.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
AP: Ich höre eigentlich jede Art von Musik sehr gerne. In jeder Musikrichtung gibt es etwas Spannendes zu entdecken. Am liebsten höre ich Musik live.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
AP: CD.

KK: Was lesen Sie momentan?
AP: Miha Mazzini, Deutsche Lotterie.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
AP: Ich ärgere mich über das gedankenlose Nachgeplappere von AfD-Parolen.
Über die AfD ärgere ich mich sowieso, täglich.

KK: Was freut Sie ungemein?
AP: Ein Spaziergang mit meinem Hund freut mich immer. Richtig gut gespielte Musik freut mich.
Meine wöchentliche Probe mit dem Community-Chor „Tafel.Musik“. Auf einem Berg stehen und hinunter ins Tal schauen freut mich. Und ein später Sommertag im Herbst freut mich – ganz besonders freut es mich, wenn ich an dem Tag keine Termine habe und in den Bergen wandern kann.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
AP: Sowohl als auch. Im Moment fehlt mir dazu leider die Zeit.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
AP: Charly Hübner im Polizeiruf 110 und Meryl Streep in allen ihren Filmen.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
AP: Ein Koffer, der sich selbst einpackt, wieder auspackt und dabei nichts vergisst. Weder das Zahnbürschtl, noch die frischen Socken und auch nicht den Regenschirm, Setlisten oder den Lippenstift.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
AP: Beides. Meine Ideen möchte ich schon gerne umsetzen, aber bei der Umsetzung arbeite ich im Team. Ich halte nicht viel von der Idee eines „Genies“, das alles aus sich selbst herausschöpft und alle anderen Beteiligten führen lediglich die Idee des Genies aus. Meine Musik entsteht dann, wenn alle Beteiligten ihre Ideen verwirklichen können. Ich suche meine Kollegen schließlich genau deswegen aus, weil ich an ihren Ideen interessiert bin.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
AP: Wenn ich alleine mit meinem Hund im Wald oder in den Bergen spazieren gehe und ich leere Tage vor und hinter mir habe. In entspannter Langeweile fällt mir alles Mögliche ein.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
AP: Da ich gerade dabei bin, meinen Haushalt auf verpackungsfreien und plastikfreien Einkauf umzustellen, lese ich derzeit sehr viel darüber, für was Soda, Natron, Essig und Zitronensäure zu verwenden ist. Und stelle fest: eine Menge! Eigentlich braucht’s die ganzen Haushaltsreiniger gar nicht. Um mich für das plastikfreie Leben schlauer zu machen, stöbere ich viel auf smarticular.net.
Beruflich bin ich viel auf facebook unterwegs. Privat nicht so sehr, da deprimiert mich facebook eher.
Da ich für September 2020 eine der Mitorganisatorinnen des „Ersten internationalen Netzwerktreffens für Frauen und nicht-binäre Menschen in der jiddischen Kultur“ bin, durchforste ich derzeit sehr viele Internetseiten, die sich mit Frauen im Musikgeschäft beschäftigen.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsministerin für Kultur wären?
AP: Ich würde Erzieher*innen viel besser bezahlen, mehr Geld in die Lehrer*innen-Ausbildung stecken, und ich würde Forschungsaufträge dafür vergeben, wie man nachvollziehbare Prüfungen und Zeugnisse ohne Notenvergabe erstellen kann. Außerdem würde ich die vierjährige Grundschule abschaffen. Ich glaube, es wäre für die Entwicklung Kinder besser, wenn sie acht Jahre gemeinsam in eine Klasse gingen und sich erst danach für eine spezielle Schule entscheiden müssten. Ich würde außerdem das Stundenkontingent für musische Fächer und Sport in allen Schularten drastisch erhöhen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
AP: „Es ist wie es ist, und wo ist mein Autoschlüssel?“

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
AP: Meine persönliche Zukunft? Ganz ehrlich: gar nicht.
Die Zukunft Europas und der Welt: auch hier versuche ich mir so wenig wie möglich vorzustellen. Ich hoffe, wir können die derzeitigen Probleme wie Klimawandel und Rechtspopulismus lösen. Sicher dabei ist: der Mensch wird Teil der Lösung sein, und jede*r Einzelne kann (und, naja: muss) einen eigenen Beitrag dazu leisten.
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Dienstag 05.11.2019
Kristina Wuss - Der inneren Stimme sollte man vertrauen
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Kristina Wuss absolvierte ihr Konzertexamen Klavier und ihr Regiestudium an der Hochschule für Musik Berlin sowie „Musik- und Theatermanagement“ an der LMU und der Bayerischen Theaterakademie. Sie debütierte als Regisseurin des Musiktheaters mit Händels „Apollo und Daphne“, die „Verklärte Nacht“ von Schönberg (Tanz) in Berlin und in der Schauspielregie am Neuen Theater Riga mit Georg Büchners „Woyzeck“. Ihre erfolgreichen Inszenierungen an deutschen Mehrspartenhäusern, an der Korea National Opera in Seoul, dem Festival der Opera Nova in Bydgoszcz, dem Bolschoi Theater Moskau oder in Lettland („Orpheus“, „Rinaldo“, „Herzog Blaubarts Burg“, „Don Giovanni“ u.a.) haben ihr Preise und ausgezeichnete Kritiken eingebracht.
In dem 2018 erschienenen Buch „Verwobene Kulturen im Baltikum – Zwei Musikgeschichten in Lettland von 1700 bis 1945“ beschäftigt sich die promovierte Musikwissenschaftlerin mit dem Einfluss der deutschen Musikkultur und der eigenständigen Kraft des lettischen Daina-Liedschatzes, der heute zum Weltkulturerbe zählt.
Ab dem 5. November leitet Kristina Wuss am Theater werkmünchen den Weiterbildungskurs „Musiktheater“ (https://theater-werkmuenchen.de/ ), bei dem professionelle Sänger und Sängerinnen, Schauspieler/innen, Musiker/innen bis zum 24. Februar 2020 die Möglichkeit des Erarbeitens von Inszenierungen, wie auch Korrepetition, Partienstudium, Vocal Coaching, Vorsingen für Agenturen und Casting-Verantwortliche, Fotoshooting, intensives Sprech- und Schauspieltraining u.v.m. bekommen.

KultKomplott: Wollten Sie als Kind schon das werden, was Sie heute sind?
Kristina Wuss: Zwei Jahre vor der Begegnung mit Oper (mit 8), im Vorschulalter, begann ich mich mit Musik ernsthaft auseinanderzusetzen. Der Berufswunsch, Pianistin zu werden, stand schon sehr früh fest. Es ist dann allerdings nach dem Konzertexamen ganz anders gekommen.
Musik, gesungene Volkslieder gehörten von klein auf zum Leben, ohne dass meine Eltern
Berufsmusiker sind, Noten lesen können.

KK: Gab es ein musikalisches AHA-Erlebnis?
KW: Die Liederfeste mit den 50.000 Beteiligten in Lettland.
Anton Bruckner Sinfonien auf CD – Dirigenten wie Günter Wand, Eugene Ormandy, Eugen Jochum, Wilhelm Furtwängler.
„Salome“ im fernen Bremerhaven, 2008 dirigiert von Stephan Tetzlaff in „meiner“ Inszenierung in der reduzierten Orchesterbesetzung und die aktuelle „Salome“ an der Bayerischen Staatsoper.

KK: Nach was für Kriterien entscheiden Sie sich für ein Projekt?
KW: Wie die Projekte zu mir kommen – das passiert auf dreierlei Arten, die rein gar nichts miteinander zu tun haben:
Die herkömmliche Inszenierung an einem Stadt- oder Staatstheater oder als Auftrag eines Vereins, wo das Stück und das Ensemble bereits als Setzung existieren.
Situationen und Konstellationen außerhalb von Theatermauern, die nach einer szenisch-musikalischen Realisierung verlangen – wo außer einer Idee erst einmal keine Finanzierung, keine Mitwirkenden feststehen. Ich denke da u. a. an die Münchner Zeitreisen über die Weiße Rose „Knospen und Mantel“ in der LMU und „Geigerin und blauer Vogel“ im Abgussmuseum vor einiger Zeit.
Und die gerade aktuellen Weiterbildungen in München als Dritte Art – wo nach den Bedürfnissen der geförderten Solisten ein Stück bzw. eine Rahmenhandlung und ein Aufführungsort aus der Natur der Sache heraus sehr, sehr kurzfristig entdeckt werden.
Schön wäre, wenn es oft eine bunte Mischung von Eins, Zwei, Drei gäbe.


KK: Sind Sie sich immer sicher bei Ihrer Entscheidung für ein Projekt?
KW: Bislang (fast) immer. Der inneren Stimme sollte man vertrauen, auch wenn sie leise ist.

KK: Sie sind ja viel unterwegs, liegt Ihnen das?
KW: Ausgehend davon, dass man viele Jahre fest am Ort mit dem Instrument gearbeitet hat, empfand ich das Unterwegs-Sein bislang als einen Ausgleich.

KK: Wie ist die Vorstellung für Sie, fest an einem Ort zu arbeiten?
KW: Das kommt auf den Ort an.

KK: Was ist Ihnen wichtig bei der Umsetzung einer Oper?
KW: Alle Beteiligten dafür zu begeistern, nicht nur die auf und vor der Bühne Tätigen, sondern auch die Mitarbeiter in den Werkstätten und in der Requisite, die Bühnentechniker, die Menschen an der Pforte, denn so ein Stück, so eine Oper ist ja deren kostbare Lebenszeit, welche sie diesem bzw. dieser schenken.

KK: Was macht Ihnen am meisten Freude?
KW: Interessanten Menschen zu begegnen; mit den gefiederten winzigen Strandläufern um die Wette zu laufen.

KK: Was war Ihr letztes Projekt?
KW: Im Juli „Pfad in die Weite“ im Deutschen Jagd- und Fischereimuseum ganz im Herzen Münchens und die Gewölbeoper zu 50 Jahren Mondlandung im Einstein Kultur im August.
Mit Dankbarkeit denke ich an die Chance zurück, mein Buch „Verwobene Kulturen im Baltikum“ (Isensee Verlag Oldenburg 2018, von der BKM gefördert) als Veranstaltung des
Hauses des Deutschen Ostens im Juli im Schloss Nymphenburg mit einem Konzert vorstellen zu können. Die nach einem Arbeitstag aus ganz Oberbayern angereisten Mitglieder des Lettischen Chores „Laima“ – dirigiert von Andris Rasmanis aus Wien, schafften es, Wiesenblumen-Kränze zu flechten und das Publikum am Ende in memoriam Baltischer Weg 1989 zu umfangen. Von den Solisten hatten Bariton Olaf Haye aus Kiel und Mezzosopran Annette Lubosch aus Bad Hersfeld die weitesten Wege.
Bin überrascht, dass meine Inszenierung „Rusalka“ an der Opera Nova (PL) als erste Oper in Polen in diesem Jahr auch als BlueRay (DUX) erschienen ist und den deutschen Fachhandel erreicht hat.
Momentan ist anlässlich 100 Jahre Lettische Staatsoper meine dortige Inszenierung „Alcina“ unter
www.replay.lsm.lv zu streamen (Link).

KK: Was ist Ihr nächstes Projekt?
KW: Die elfte Staffel der überregionalen Weiterbildung Musiktheater in München ab
5. November.
Freue mich, dass Andreas Pascal Heinzmann wieder die musikalische Betreuung übernehmen wird. Eingebettet ist dieses Angebot (https://theater-werkmuenchen.de/ ), in der Nachbarschaft der Sparten Acting for Film und Schauspiel (neu: DasVinzenz).
In Berlin gibt es die kommende Buch-Lesung „Verwobene Kulturen“ mit Konzert am 9. Dezember als Veranstaltung des dortigen Richard Wagner Verbands.

KK: Was hören Sie in Ihrer Freizeit?
KW: Anton Bruckner. Richard Strauss.

KK: Was war die beste Entscheidung in Ihrer Laufbahn?
KW: Die habe ich noch vor mir.

KK: Was gibt Ihnen Kraft?
KW: Dankbarkeit.
Sich mit Musik und Szene beschäftigen zu dürfen in Anbetracht des großen Ganzen.

(Zum weiterlesen: http://www.kristinawuss.de/index2.html)


Abbildungen:

1. „Salome“
mit Herodias - Zdravka Ambric,
Salome - Yamina Maamar,
Herodes - Manolito Mario Franz
Bremerhaven 2008 / Foto: Joerg Landsberg

2. „Pfad in die Weite“
Franck O. Schindler,
Horst Kalchschmid, Marija Grauba
Deutsches Jagd- und FischereimuseumMünchen Juli 2019
Foto: Linda Sieg

3. Lettischer Chor „Laima“
München im Schloss Nymphenburg 18.7.19
in memoriam Baltischer Weg 1989
Foto: Holger Borggrefe

4. Asmik Grigorian in der Titelrolle „Alcina“
Lettische Staatsoper 2007
Fotos: Gunars Janaitis
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Fotos: Lukas Diller, Tim Hurley
Donnerstag 24.10.2019
Mareike Wiening – Dem Alltag entfliehen
Mareike Wiening ist eine der ganz wenigen Schlagzeug spielenden Frauen im Jazz. Geboren 1987 in Erlangen hat sich die heute in New York lebende Musikerin im letzten Jahr einen Wunsch erfüllt und im renommierten Systems Two Recording Studio in Brooklyn ihr neues Album eingespielt. „Metropolis Paradise“ beinhaltet acht Kompositionen aus ihrer Feder, die deutlich machen, welch Ausnahmeerscheinung hier am Werk ist. Erschienen ist das Album zudem auf dem Label Greenleaf Music des Trompeters Dave Douglas.
Mareikes musikalische Karriere begann mit fünf Jahren.Sie bekam Klavierunterricht und nahm an klassischen Wettbewerben teil. Sie studierte einige Jahre Flöte, sang im Chor und wechselte mit 16 Jahren zum Schlagzeug. Es folgten weitere Jahre des Studiums in Mannheim und Kopenhagen, bis sie 2012 dank eines Stipendiums nach New York zog.
Hier lebt sie bis heute, studiert bei Guillermo Klein und kommt hin und wieder nach Deutschland auf Tournee. (21.11. Duisburg; 22.11. Frankenberg; 24.11. Münster)

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Mareike Wiening: Meine Eltern, die mich immer, trotz jeder verrückten Idee oder jedem Vorhaben, unterstützten und das bis heute tun.
Ein Schüleraustausch in Frankreich, bei dem ich das erste mal am Schlagzeug saß. Mein langjähriger Klavierlehrer Thomas Fink, durch den ich viele herausragende Schlagzeuger und den Jazz kennenlernte.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
MW: Ich möchte Menschen mit meiner Arbeit berühren, unterhalten und inspirieren. Bei Konzerten möchte ich ihnen die Möglichkeit geben, dem Alltag zu entfliehen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
MW: Ich werde grundsätzlich erst einmal als Sängerin abgestempelt.
Danach bin ich es gewohnt, mich erst ans Schlagzeug setzen zu müssen/zu spielen, bevor mich andere Musiker oder Veranstalter, die mich nicht kennen, ernst nehmen.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
MW: 7 Musikerinnen, die seit 4 Jahren unentgeltlich ein Festival organisieren, das Bandleaderinnen und Frauen im Jazz eine Plattform bietet. (PENG Festival)
Die Friday for Future Bewegung

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
MW: Wenn man nach monatelanger Organisations-, Kompositions- und Vorbereitungsarbeit mit der eigenen Band auf der Bühne steht und die eigene Musik plötzlich zum Leben erwacht.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
MW: Ich höre viel Musik, dabei ist es mir wichtig unterschiedliche Stilistiken zu hören. Am liebsten höre ich aber modernen Jazz, R´n´B und klassische Musik.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
MW: CD, leider habe ich (noch) keinen Schallplattenspieler.

KK: Was lesen Sie momentan?
MW: „Zurück im Café am Rande der Welt“ von John Strelecky

KK: Was ärgert Sie maßlos?
MW: Ignoranz, Eifersucht und Konkurrenzkampf. Die Jazzwelt ist eine Nische. Wenn wir uns gegenseitig mehr unterstützen würden, wären die Arbeitsbedingungen deutlich besser.

KK: Was freut Sie ungemein?
MW: Sonnenschein und gute Musik.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
MW: Leider nein. Obwohl ich viele Hobbys habe, haben mich solche Tätigkeiten bislang noch nicht gereizt. Vielleicht wäre ich dafür auch zu perfektionistisch... ich habe früher viel gemalt, die Bilder hängen heute noch an der Wand bei meinen Eltern.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
MW: Von Tom Hanks in „Forrest Gump“. Die schausielerische Leistung, sein Durchhaltevermögen und sein starker Wille beeindrucken mich in diesem Film immer wieder aufs Neue.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
MW: Einen Beamer. Das würde lästiges Reisen verhindern und wäre besser für die Umwelt.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
MW: Als Teamplayer. Als Schlagzeugerin bin ich mitverantwortlich für den Gesamtsound der Band, mir ist es wichtig, dass sich jeder wohl fühlt und eine gute musikalische und persönliche Grundlage geschaffen wird, um sich musikalisch auf der Bühne zu entfalten. Aber auch abseits der Bühne ist es wichtig, dass sich Musiker gegenseitig unterstützen. Jazz bedeutet Gemeinschaft, nur zusammen kann man etwas einzigartiges kreieren, die Musik voranbringen und weiterentwickeln.
Sie ist nicht geeignet für Einzelkämpfer, die nur an sich denken.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
MW: Wenn ich Musik höre, die mich berührt, mich an einem inspirierendem Ort befinde und Zeit habe verschiedene Ideen auszuprobieren.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
MW: Ich lese eher Bücher oder höre Hörbücher

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
MW: Ich würde den Fördertopf für alle erhöhen und faire Bedingungen schaffen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
MW: Creative Multitasking

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
MW: Ich hoffe, dass ich weiterhin das machen kann worauf ich Lust habe, dass ich weiterhin gute Musik kreieren kann und diese mit meinen Lieblingsmusikern auf die Bühne bringe, dass ich weiterhin in spannende Side-woman Projekte involviert bin.
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