Im Blickpunkt - Portraits werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
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1. Kristina Wuss - Der inneren Stimme sollte man vertrauen
2. Mareike Wiening – Dem Alltag entfliehen
3. Christoph Poschenrieder - Das Gemäßigte ist uninteressant
4. Leo Meixner - Die Fridays for Future Bewegung finde ich toll
5. Stephan-Max Wirth – Da bin ich glücklich!
6. Danae Dörken – Eigentlich jeden
Dienstag 05.11.2019
Kristina Wuss - Der inneren Stimme sollte man vertrauen
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Kristina Wuss absolvierte ihr Konzertexamen Klavier und ihr Regiestudium an der Hochschule für Musik Berlin sowie „Musik- und Theatermanagement“ an der LMU und der Bayerischen Theaterakademie. Sie debütierte als Regisseurin des Musiktheaters mit Händels „Apollo und Daphne“, die „Verklärte Nacht“ von Schönberg (Tanz) in Berlin und in der Schauspielregie am Neuen Theater Riga mit Georg Büchners „Woyzeck“. Ihre erfolgreichen Inszenierungen an deutschen Mehrspartenhäusern, an der Korea National Opera in Seoul, dem Festival der Opera Nova in Bydgoszcz, dem Bolschoi Theater Moskau oder in Lettland („Orpheus“, „Rinaldo“, „Herzog Blaubarts Burg“, „Don Giovanni“ u.a.) haben ihr Preise und ausgezeichnete Kritiken eingebracht.
In dem 2018 erschienenen Buch „Verwobene Kulturen im Baltikum – Zwei Musikgeschichten in Lettland von 1700 bis 1945“ beschäftigt sich die promovierte Musikwissenschaftlerin mit dem Einfluss der deutschen Musikkultur und der eigenständigen Kraft des lettischen Daina-Liedschatzes, der heute zum Weltkulturerbe zählt.
Ab dem 5. November leitet Kristina Wuss am Theater werkmünchen den Weiterbildungskurs „Musiktheater“ (https://theater-werkmuenchen.de/ ), bei dem professionelle Sänger und Sängerinnen, Schauspieler/innen, Musiker/innen bis zum 24. Februar 2020 die Möglichkeit des Erarbeitens von Inszenierungen, wie auch Korrepetition, Partienstudium, Vocal Coaching, Vorsingen für Agenturen und Casting-Verantwortliche, Fotoshooting, intensives Sprech- und Schauspieltraining u.v.m. bekommen.

KultKomplott: Wollten Sie als Kind schon das werden, was Sie heute sind?
Kristina Wuss: Zwei Jahre vor der Begegnung mit Oper (mit 8), im Vorschulalter, begann ich mich mit Musik ernsthaft auseinanderzusetzen. Der Berufswunsch, Pianistin zu werden, stand schon sehr früh fest. Es ist dann allerdings nach dem Konzertexamen ganz anders gekommen.
Musik, gesungene Volkslieder gehörten von klein auf zum Leben, ohne dass meine Eltern
Berufsmusiker sind, Noten lesen können.

KK: Gab es ein musikalisches AHA-Erlebnis?
KW: Die Liederfeste mit den 50.000 Beteiligten in Lettland.
Anton Bruckner Sinfonien auf CD – Dirigenten wie Günter Wand, Eugene Ormandy, Eugen Jochum, Wilhelm Furtwängler.
„Salome“ im fernen Bremerhaven, 2008 dirigiert von Stephan Tetzlaff in „meiner“ Inszenierung in der reduzierten Orchesterbesetzung und die aktuelle „Salome“ an der Bayerischen Staatsoper.

KK: Nach was für Kriterien entscheiden Sie sich für ein Projekt?
KW: Wie die Projekte zu mir kommen – das passiert auf dreierlei Arten, die rein gar nichts miteinander zu tun haben:
Die herkömmliche Inszenierung an einem Stadt- oder Staatstheater oder als Auftrag eines Vereins, wo das Stück und das Ensemble bereits als Setzung existieren.
Situationen und Konstellationen außerhalb von Theatermauern, die nach einer szenisch-musikalischen Realisierung verlangen – wo außer einer Idee erst einmal keine Finanzierung, keine Mitwirkenden feststehen. Ich denke da u. a. an die Münchner Zeitreisen über die Weiße Rose „Knospen und Mantel“ in der LMU und „Geigerin und blauer Vogel“ im Abgussmuseum vor einiger Zeit.
Und die gerade aktuellen Weiterbildungen in München als Dritte Art – wo nach den Bedürfnissen der geförderten Solisten ein Stück bzw. eine Rahmenhandlung und ein Aufführungsort aus der Natur der Sache heraus sehr, sehr kurzfristig entdeckt werden.
Schön wäre, wenn es oft eine bunte Mischung von Eins, Zwei, Drei gäbe.


KK: Sind Sie sich immer sicher bei Ihrer Entscheidung für ein Projekt?
KW: Bislang (fast) immer. Der inneren Stimme sollte man vertrauen, auch wenn sie leise ist.

KK: Sie sind ja viel unterwegs, liegt Ihnen das?
KW: Ausgehend davon, dass man viele Jahre fest am Ort mit dem Instrument gearbeitet hat, empfand ich das Unterwegs-Sein bislang als einen Ausgleich.

KK: Wie ist die Vorstellung für Sie, fest an einem Ort zu arbeiten?
KW: Das kommt auf den Ort an.

KK: Was ist Ihnen wichtig bei der Umsetzung einer Oper?
KW: Alle Beteiligten dafür zu begeistern, nicht nur die auf und vor der Bühne Tätigen, sondern auch die Mitarbeiter in den Werkstätten und in der Requisite, die Bühnentechniker, die Menschen an der Pforte, denn so ein Stück, so eine Oper ist ja deren kostbare Lebenszeit, welche sie diesem bzw. dieser schenken.

KK: Was macht Ihnen am meisten Freude?
KW: Interessanten Menschen zu begegnen; mit den gefiederten winzigen Strandläufern um die Wette zu laufen.

KK: Was war Ihr letztes Projekt?
KW: Im Juli „Pfad in die Weite“ im Deutschen Jagd- und Fischereimuseum ganz im Herzen Münchens und die Gewölbeoper zu 50 Jahren Mondlandung im Einstein Kultur im August.
Mit Dankbarkeit denke ich an die Chance zurück, mein Buch „Verwobene Kulturen im Baltikum“ (Isensee Verlag Oldenburg 2018, von der BKM gefördert) als Veranstaltung des
Hauses des Deutschen Ostens im Juli im Schloss Nymphenburg mit einem Konzert vorstellen zu können. Die nach einem Arbeitstag aus ganz Oberbayern angereisten Mitglieder des Lettischen Chores „Laima“ – dirigiert von Andris Rasmanis aus Wien, schafften es, Wiesenblumen-Kränze zu flechten und das Publikum am Ende in memoriam Baltischer Weg 1989 zu umfangen. Von den Solisten hatten Bariton Olaf Haye aus Kiel und Mezzosopran Annette Lubosch aus Bad Hersfeld die weitesten Wege.
Bin überrascht, dass meine Inszenierung „Rusalka“ an der Opera Nova (PL) als erste Oper in Polen in diesem Jahr auch als BlueRay (DUX) erschienen ist und den deutschen Fachhandel erreicht hat.
Momentan ist anlässlich 100 Jahre Lettische Staatsoper meine dortige Inszenierung „Alcina“ unter
www.replay.lsm.lv zu streamen (Link).

KK: Was ist Ihr nächstes Projekt?
KW: Die elfte Staffel der überregionalen Weiterbildung Musiktheater in München ab
5. November.
Freue mich, dass Andreas Pascal Heinzmann wieder die musikalische Betreuung übernehmen wird. Eingebettet ist dieses Angebot (https://theater-werkmuenchen.de/ ), in der Nachbarschaft der Sparten Acting for Film und Schauspiel (neu: DasVinzenz).
In Berlin gibt es die kommende Buch-Lesung „Verwobene Kulturen“ mit Konzert am 9. Dezember als Veranstaltung des dortigen Richard Wagner Verbands.

KK: Was hören Sie in Ihrer Freizeit?
KW: Anton Bruckner. Richard Strauss.

KK: Was war die beste Entscheidung in Ihrer Laufbahn?
KW: Die habe ich noch vor mir.

KK: Was gibt Ihnen Kraft?
KW: Dankbarkeit.
Sich mit Musik und Szene beschäftigen zu dürfen in Anbetracht des großen Ganzen.

(Zum weiterlesen: http://www.kristinawuss.de/index2.html)


Abbildungen:

1. „Salome“
mit Herodias - Zdravka Ambric,
Salome - Yamina Maamar,
Herodes - Manolito Mario Franz
Bremerhaven 2008 / Foto: Joerg Landsberg

2. „Pfad in die Weite“
Franck O. Schindler,
Horst Kalchschmid, Marija Grauba
Deutsches Jagd- und FischereimuseumMünchen Juli 2019
Foto: Linda Sieg

3. Lettischer Chor „Laima“
München im Schloss Nymphenburg 18.7.19
in memoriam Baltischer Weg 1989
Foto: Holger Borggrefe

4. Asmik Grigorian in der Titelrolle „Alcina“
Lettische Staatsoper 2007
Fotos: Gunars Janaitis
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Fotos: Lukas Diller, Tim Hurley
Donnerstag 24.10.2019
Mareike Wiening – Dem Alltag entfliehen
Mareike Wiening ist eine der ganz wenigen Schlagzeug spielenden Frauen im Jazz. Geboren 1987 in Erlangen hat sich die heute in New York lebende Musikerin im letzten Jahr einen Wunsch erfüllt und im renommierten Systems Two Recording Studio in Brooklyn ihr neues Album eingespielt. „Metropolis Paradise“ beinhaltet acht Kompositionen aus ihrer Feder, die deutlich machen, welch Ausnahmeerscheinung hier am Werk ist. Erschienen ist das Album zudem auf dem Label Greenleaf Music des Trompeters Dave Douglas.
Mareikes musikalische Karriere begann mit fünf Jahren.Sie bekam Klavierunterricht und nahm an klassischen Wettbewerben teil. Sie studierte einige Jahre Flöte, sang im Chor und wechselte mit 16 Jahren zum Schlagzeug. Es folgten weitere Jahre des Studiums in Mannheim und Kopenhagen, bis sie 2012 dank eines Stipendiums nach New York zog.
Hier lebt sie bis heute, studiert bei Guillermo Klein und kommt hin und wieder nach Deutschland auf Tournee. (21.11. Duisburg; 22.11. Frankenberg; 24.11. Münster)

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Mareike Wiening: Meine Eltern, die mich immer, trotz jeder verrückten Idee oder jedem Vorhaben, unterstützten und das bis heute tun.
Ein Schüleraustausch in Frankreich, bei dem ich das erste mal am Schlagzeug saß. Mein langjähriger Klavierlehrer Thomas Fink, durch den ich viele herausragende Schlagzeuger und den Jazz kennenlernte.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
MW: Ich möchte Menschen mit meiner Arbeit berühren, unterhalten und inspirieren. Bei Konzerten möchte ich ihnen die Möglichkeit geben, dem Alltag zu entfliehen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
MW: Ich werde grundsätzlich erst einmal als Sängerin abgestempelt.
Danach bin ich es gewohnt, mich erst ans Schlagzeug setzen zu müssen/zu spielen, bevor mich andere Musiker oder Veranstalter, die mich nicht kennen, ernst nehmen.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
MW: 7 Musikerinnen, die seit 4 Jahren unentgeltlich ein Festival organisieren, das Bandleaderinnen und Frauen im Jazz eine Plattform bietet. (PENG Festival)
Die Friday for Future Bewegung

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
MW: Wenn man nach monatelanger Organisations-, Kompositions- und Vorbereitungsarbeit mit der eigenen Band auf der Bühne steht und die eigene Musik plötzlich zum Leben erwacht.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
MW: Ich höre viel Musik, dabei ist es mir wichtig unterschiedliche Stilistiken zu hören. Am liebsten höre ich aber modernen Jazz, R´n´B und klassische Musik.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
MW: CD, leider habe ich (noch) keinen Schallplattenspieler.

KK: Was lesen Sie momentan?
MW: „Zurück im Café am Rande der Welt“ von John Strelecky

KK: Was ärgert Sie maßlos?
MW: Ignoranz, Eifersucht und Konkurrenzkampf. Die Jazzwelt ist eine Nische. Wenn wir uns gegenseitig mehr unterstützen würden, wären die Arbeitsbedingungen deutlich besser.

KK: Was freut Sie ungemein?
MW: Sonnenschein und gute Musik.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
MW: Leider nein. Obwohl ich viele Hobbys habe, haben mich solche Tätigkeiten bislang noch nicht gereizt. Vielleicht wäre ich dafür auch zu perfektionistisch... ich habe früher viel gemalt, die Bilder hängen heute noch an der Wand bei meinen Eltern.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
MW: Von Tom Hanks in „Forrest Gump“. Die schausielerische Leistung, sein Durchhaltevermögen und sein starker Wille beeindrucken mich in diesem Film immer wieder aufs Neue.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
MW: Einen Beamer. Das würde lästiges Reisen verhindern und wäre besser für die Umwelt.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
MW: Als Teamplayer. Als Schlagzeugerin bin ich mitverantwortlich für den Gesamtsound der Band, mir ist es wichtig, dass sich jeder wohl fühlt und eine gute musikalische und persönliche Grundlage geschaffen wird, um sich musikalisch auf der Bühne zu entfalten. Aber auch abseits der Bühne ist es wichtig, dass sich Musiker gegenseitig unterstützen. Jazz bedeutet Gemeinschaft, nur zusammen kann man etwas einzigartiges kreieren, die Musik voranbringen und weiterentwickeln.
Sie ist nicht geeignet für Einzelkämpfer, die nur an sich denken.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
MW: Wenn ich Musik höre, die mich berührt, mich an einem inspirierendem Ort befinde und Zeit habe verschiedene Ideen auszuprobieren.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
MW: Ich lese eher Bücher oder höre Hörbücher

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
MW: Ich würde den Fördertopf für alle erhöhen und faire Bedingungen schaffen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
MW: Creative Multitasking

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
MW: Ich hoffe, dass ich weiterhin das machen kann worauf ich Lust habe, dass ich weiterhin gute Musik kreieren kann und diese mit meinen Lieblingsmusikern auf die Bühne bringe, dass ich weiterhin in spannende Side-woman Projekte involviert bin.
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Foto: © Daniela Agostini / Diogenes Verlag
Freitag 04.10.2019
Christoph Poschenrieder - Das Gemäßigte ist uninteressant
Christoph Poschenrieder hat in seinem Debütroman „Die Welt ist im Kopf“ den jungen deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer ins Zentrum der Handlung gestellt. In einem Literaturmagazin war in Bezug auf diesen Text 2010 zu lesen: „Poschenrieders Debüt ist kein staubiger Historienroman, keine Biografie über die komplizierte Persönlichkeit Schopenhauers, sondern ein hintersinniger Bildungsroman als phantasievoller Unterhaltungsroman.“
Geboren wurde der Autor und Journalist 1964 in den USA. Er hat in New York die Journalistenschule besucht und in München Philosophie studiert. Mittlerweile sind von ihm fünf Romane erschienen. Über sein letztes Buch, das erst vor wenigen Wochen erschienene „Der unsichtbare Roman“, sagt er in einem Interview auf die Frage worum es in diesem Buch geht: „Um das Schreiben von Romanen. Warum überhaupt, für was, für wen. Höhere Wahrheiten, niedere Instinkte, wie etwa das Bedürfnis, mit eigener Arbeit Geld zu verdienen. Womit einen das Publikum davonkommen lässt. Was es glaubt, was es glauben will. Eine wahre Geschichte, die kein Autor erfinden würde. Um die Kraft und Magie des Wortes, wer sie besitzt und wer nicht.“
Am 15.Oktober kommt der heute in München lebende Autor in die Buchhandlung Leselust nach Gilching (Am Bahnhof 6), um sein neues Buch vorzustellen. Beginn 19.30 Uhr.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Christoph Poschenrieder: Ein bisschen Talent, ein bisschen Fleiß, ein bisschen Glück.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
CP: Möglichst viele LeserInnen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
CP: Nichts besonderes, manchmal läuft es halt nicht so richtig rund. Kleine Pause, und weiter.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
CP: Ein schöner Frühherbsttag im Karwendel, Greta Thunbergs Rede in New York, die Wahlen in Ostdeutschland, viele größere und kleinere Dinge.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
CP: Wenn ich einen neuen Roman beginne. Oder beende.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
CP: Klassik und viel aus den 1980ern, als ich meine musikalische Prägung erhielt.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
CP: Eher Stream. Auch Radio.

KK: Was lesen Sie momentan?
CP: Gunter Geltinger: Benzin. Wir waren zur selben Zeit Stipendiaten in der Villa Concordia in Bamberg.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
CP: Maßlos nichts. Und das Gemäßigte ist uninteressant.

KK: Was freut Sie ungemein?
CP: Ich meide den Überschwang der Gefühle. Nil admirari, sagte Horaz: Nur nichts bewundern.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
CP: Nein. Und kein Bedürfnis es zu tun.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
CP: Frischester Eindruck: Antonio Banderas in "Leid und Herrlichkeit".

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
CP: Einen universalen Geräuschauslöscher.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
CP: Meine Bücher schreibe ich jedenfalls allein.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
CP: Wenn es ein wirklich guter Einfall ist, vergesse ich die Situation völlig. Es kann immer & überall passieren.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
CP: Diverse Nachrichtenseiten, z. B. spiegel.de, faz.net, nytimes.com, nzz.ch, newyorker.com

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
CP: Literaturförderung um 10.000 %  hochfahren!

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
CP: "Wer ist der Typ?"

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
CP: Unklar und jedenfalls ungern.
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Dienstag 17.09.2019
Leo Meixner - Die Fridays for Future Bewegung finde ich toll
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Leo Meixner ist Bauch und Hirn der Cuba Boarischen 2.0, einer Band, die das Bayrische und das Latainamerikanische auf temperamentvolle Weise zusammenbringt. Alles begann im Jahr 2000, als bayrische Blasmusikanten aus dem Mangfalltal im Kuba Urlaub machten und dort von den Rhythmen des Cha Cha Cha, des Merenge und Salsa derart fasziniert waren, dass sie diese Stile sozusagen als Handgepäck kurzerhand mit in ihre Heimat brachten. Und hier feilten sie an einer außergewöhnlichen musikalischen Melange, die mittlerweile seit fast zwanzig Jahren in ungezählten Live-Konzerten das Publikum verzaubern. „Der Buena Vista Social Club schürte einst die Sorge ums Wohlergehen Tulas. Die Cuba-Boaischen sind einen Schritt weiter ….. Die Fusion ist also nach allen Seiten offen, das Bayerische, das irgendwie sogar gut mit dem Spanischen zusammengeht, diffundiert auf diese Weise auch auf die Karibikinsel“, schrieb die SZ vor einiger Zeit.
Am 10. Oktober gastieren die Cuba Boarischen 2.0 mit Leo Meixner im Veranstaltungsforum Fürstenfeld. Ein paar Eintrittskarten soll es noch geben …...


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Leo Meixner: Ausschlaggebend waren meine Eltern, die sich im Musikstudium Anfang der 1980er Jahre in München kennengelernt haben. Mein Vater war als Kirchenmusiker und Unterhaltungsmusiker ein stilistischer Allrounder. So habe ich als Kind von klassischer Musik über Blechbläsermusik, Vokal-, Volksmusik, Pop, Rock bis Jazz von allem etwas mitbekommen.
Ich wollte zwar als Kind nie Musiker werden, denn in der Trotzphase will man ja bloß nicht das machen, was die Eltern machen. Schließlich muss man dann doch seiner Bestimmung und seinen Talenten folgen. Das habe ich dann glücklicherweise getan und bin jetzt freischaffender Musiker.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
LM: Das Wichtigste ist mir, dass ich Spaß an dem habe, was ich tue. Mit meiner Musik gelingt mir das sehr gut. Meine musikalische Mischung aus karibischen Klängen und bayerischem Einfluss macht auf der Bühne einfach Freude. Wenn diese Energie dann aufs Publikum überspringt, dann entsteht immer etwas Besonderes.
Mich freut es sehr, dass immer mehr junge Leute auf meine Konzerte kommen. So kann es weitergehen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
LM: Als Bandleader, Frontman, Komponist, Arrangeur, Social Media Administrator etc. kümmere ich mich um viele Bereiche. Ich muss für die Bühnenshow immer perfekt vorbereitet sein. Bei den vielen organisatorischen Aufgaben um die Band und mit dem Management, muss ich mir auch immer wieder Zeit nehmen kreativ zu sein. Da brauche ich einen freien Kopf. Das ist manchmal nicht einfach.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
LM: Mich hat in letzter Zeit sehr beeindruckt, mit welcher Courage Jugendliche für den Klimaschutz kämpfen. Die Fridays for Future Bewegung finde ich toll.
Ich hoffe wir haben bald Leute aus dieser Generation und mit diesem Bewusstsein in politischen Ämtern.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
LM: Ich liebe Festivals. Dort trifft man sich immer wieder mit befreundeten Künstlern, die Stimmung im Publikum ist ausgelassen und die Energie, die zwischen Künstler und Publikum entsteht, ist einfach unbeschreiblich.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
LM: Ich höre wirklich alles. Das kommt meist auf meine momentane Stimmung an.
Im Moment gefallen mir funkige Fusion Stile sehr gut. Aber kubanische Musik gehört eigentlich immer zu meinen Favoriten.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
LM: Ich werde mir einen Plattenspieler zulegen, um wieder aktiver Musik zu hören.
Als Kind der 1990er habe ich immer schon CDs gehört. Mein CD Regal war rappelvoll mit den neuesten Alben und Samplern.

KK: Was lesen Sie momentan?
LM: Ich lese momentan "Diarios de motocicleta" von Ernesto "Che" Guevara.
Die Reise des jungen Che durch Südamerika. Sehr interessant wie Che Guevara vom jungen Arzt zum Revolutionär wird.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
LM: Ungerechtigkeit.

KK: Was freut Sie ungemein?
LM: Wenn Bayern München die Championsleague gewinnt.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
LM: Zählt ein Vogelhaus als Möbelstück? Dann ja.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
LM: Ich bin ein riesen Fan von Helmut Fischer alias Monaco Franze. Mit der Leichtigkeit dieser Rolle und dem typisch Münchnerisch-bairischem kann ich mich gut identifizieren. Ist zwar kein Film, aber die Serie ist einfach legendär.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
LM: Ein Automobil komplett ohne CO2 Abdruck.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
LM: Ich glaube ich bin vom Typ eher ein Einzelkämpfer, wobei ich aber gerne im Team arbeite. Das hat einfach eine andere Dynamik.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
LM: Kurz vor dem Einschlafen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
LM: Bundesliga Ergebnisse auf kicker.de und alles was das Tagesgeschehen so hergibt.
Verbringe aber eindeutig zu viel Zeit auf YouTube.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
LM: Unsere Identität ist fest verknüpft mit der Kultur unserer Herkunft. Ich finde es gut, wenn man transkulturelle Projekte fördert, um so ein offeneres Miteinander zu schaffen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
LM: Ich bin noch zu jung, um mir darüber Gedanken zu machen. (Das sollte nicht der Titel sein)

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
LM: Ich habe die Hoffnung dass es bei den Menschen ein Umdenken gibt, damit wir alle achtsamer mit unserem Planeten umgehen.
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Samstag 24.08.2019
Stephan-Max Wirth – Da bin ich glücklich!
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Credits: Anke Hopfengart
Stephan-Max Wirth ist mit seiner Band seit über einem viertel Jahrhundert unterwegs. Der Musik des Quartetts sagt man nach, sie habe die Gabe, süchtig zu machen. Wirth ist als Tenor- und Sopransaxophonist „ein Meister gesangvoller melodischer Linien“ (HNA), der sich nicht scheut, auch in seinen packenden (instrumentalen!) Kompositionen politisch Stellung zu beziehen.
Überhaupt ist der im baden-würtembergischen Tettnang geborene Musik ein aufgeweckter und engagierter Musiker. Am 6. September erscheint nun die vier-CD-Box „Live Experience – 25 Years SMWE“ (Galileo), die Live-Aufnahmen seines Quartetts aus den letzten acht Jahren enthält. Großartige Musik, die voller Kraft und Raffinesse einen Spagat zwischen Intellekt und Emotion schafft. Wirts intensive Solos entwickeln sich oft aus melancholischen Melodien, die ein Ergebnis der überragenden Zusammenarbeit der einzelnen Bandmitglieder sind. Es ist eine integrierende Musikhaltung, die das Quartett in gleicher Besetzung seit 25 Jahren auf hohem Niveau hält. Spannend, energetisch, ispirierend. Man spürt zugleich die Freude, die den Instrumentalisten eigen ist, die sie zu motivieren scheinen. Eine Box für jede Tages- oder Nachtzeit. Und: Soviel Wirth war nie! 

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Stephan-Max Wirth: Ich hatte sehr viel Glück, durfte das machen was ich wollte, wurde dabei unterstützt von meinen Eltern, meiner Familie, Freunden, Lehrern, ... Es sind weniger einzelne Momente, die zu dem geführt haben, was ich heute bin, als mehr dieser kreative Freiraum, mein beständiger Wille, meine Geduld. Ein wenig Talent und die Gabe Chancen zu packen waren sicherlich auch mit im Spiel. Aber nicht zuletzt haben die Musiker meiner Band Jaap Berend, Bub Boelens und Florian Hoefnagels, mit denen ich nun schon so viele Jahre zusammenarbeite, großen Anteil an dem, was ich bin.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
St-MW: Es gibt kaum eine persönlichere Musik als Jazz. Hier drehen wir unser Innerstes nach außen, was einen sehr engen Kontakt zum Publikum ermöglicht. Wenn meine Musik den Hörer berührt, dann habe ich etwas erreicht, dann hat meine Arbeit Sinn. Meine Balladen scheinen bei vielen Leuten sehr unter die Haut zu gehen, tatsächlich sind hier in den Konzerten schon oft Tränen geflossen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
St-MW: Mit der Jammerei in der Kultur. Das war wohl schon immer so, da hat sich in den letzten Jahrzehnten, die ich mit dabei bin, nichts geändert. Manchmal fühle ich mich wie ein Veranstalter-Seelsorger. Es freut einen dann umso mehr, wenn man mit Menschen arbeiten kann, die positiv nach vorne schauen.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
St-MW: Momentan sicherlich die Resonanz auf unsere Jubiläums-Live-Box, wegen der ich ja auch für dieses Interview hier eingeladen wurde. Seit Tagen kommen laufend Mails mit Anfragen rein und ständig klingelt das Telefon.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
St-MW: Die schönsten Momente sind bei mir und sicherlich auch bei meinen holländischen Bandkollegen, wenn wir uns auf der Bühne geradezu in Trance spielen. Man fliegt förmlich und das überträgt sich wohl auch auf das Publikum, wie mir schon oft berichtet wurde. Da bin ich glücklich!

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
St-MW: Ja , ich höre viel Musik und ja, es ist der Jazz, den ich am meisten höre. Aber sobald die Musik Qualität hat, kann ich jedes Konzert, jede Aufnahme genießen.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
St-MW: Das kommt sehr darauf an, welche Musik darauf ist.

KK: Was lesen Sie momentan?
St-MW: Jose Saramago „Das Tagebuch“. Saramago ist schon seit Jahren einer meiner liebsten Schriftsteller. Insgesamt lese ich hauptsächlich deutsche und französische Literatur der vergangenen beiden Jahrhunderte.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
St-MW: Unfreundlichkeit und rechter Stumpfsinn. Menschen wie Salvini, Orbán und die anderen, die unser großes Friedensprojekt Europa demontieren, und dass man den D-moll-Dreiklang nicht mehr abwärts denken kann, ohne die Wut zu bekommen.

KK: Was freut Sie ungemein?
St-MW: Wenn Menschen miteinander glücklich sind.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
St-MW: Kleidungsstücke nur wenige, aber Möbel ohne Ende. Ich habe vor dem Musikstudium eine Schreinerlehre abgeschlossen und das Schreinern macht mir auch jetzt noch immer wieder viel Freude.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
St-MW: Peter Sellers in „Der Partyschreck“, einfach herrlich!!!

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
St-MW: Oh, keine Ahnung, ich glaube ich halte mich besser ans Komponieren, wer weiß, was bei einer Erfindung von mir herauskommen würde.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
St-MW: In der Band, auf der Bühne bin ich absoluter Teamplayer. Zwischen den Konzerten, wenn die organisatorische Arbeit ansteht, muß ich leider auch Einzelkämpfer sein.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
St-MW: Das ist sehr sehr unterschiedlich. Manches habe ich erträumt, dann wache ich auf und halte die Idee fest. Manche Einfälle sind aber auch ganz klassisch durch Disziplin erarbeitet.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
St-MW: Das wechselt ständig. Seit einigen Wochen tummle ich mich jedoch immer wieder auf „laufendlesen.de“. Den Empfehlungen dort kann man tatsächlich Glauben schenken.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
St-MW: Ich würde mich dafür einsetzen, dass Europa auch im Jazz ankommt. Es ist nicht mehr zeitgemäß, dass man z.B. für den deutschen Jazzpreis eine hauptsächlich deutsche Band braucht und in Holland keine Unterstützung bekommt, weil der Bandleader Deutscher ist, obwohl alle anderen Holländer sind.
Momentan haben wir, was Kulturfördermittel in meinem Genre betrifft, eine Tendenz zur Kleinstaaterei, das würde ich versuchen zu unterbinden.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
St-MW: Stephan-Max Wirth – viel Spaß für wenig Geld, das Leben eines Jazzmusikers

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
St-MW: Die Zukunft stelle ich mir friedlich und im Einklang mit der Natur vor, ich habe nämlich eine gute Vorstellungsgabe. Leider zweifle ich sehr daran, ob es denn auch so kommt.
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Sonntag 21.07.2019
Danae Dörken – Eigentlich jeden
Danae Dörken hat vor wenigen Wochen den KLAVIERSOMMER FÜRSTENFELD mit ihrem Soloprogramm eröffnet. Drei Wochen später legt sie ihr insgesamt viertes Album vor. „East and West“ vereint acht Komponisten, die, was ihre künstlerische Entwicklung und ihre Persönlichkeit betreffen, kaum unterschiedlicher sein könnten. Aber das ist genau die Intuition der gerade einmal 27jährigen Pianistin. „Ich möchte mit diesem Programm zeigen, dass die Musik ein Ort ist, an dem alle Menschen auf dieselbe Ebene gehoben werden – ganz egal was ihre Herkunft oder ihr kultureller Hintergrund ist.“ Das betrifft die Komponisten ihres Recitals ebenso, wie auch ihr Publikum.
Für die östliche Individualität in der vorliegenden Musik stehen der Grieche Manolis Kalomiris, der Ungar Bela Bartok und der Pole Frédéric Chopin. Für das westliche Prinzip Franz Schubert, Edvard Grieg, Francis Poulenc und Manuel De Falla. Allen Komponisten ist zudem ein starker Bezug zur Volksmusik ihrer jeweiligen Heimat eigen. Auf diese Weise ist die musikalische Intellektualität geerdet, ist die Wechselseitigkeit zwischen geistigem Anspruch und gelebtem Alltag spürbar.
Danae Dörken widmet sich ihrem Programm mit Hingabe und Konzentration. Kraftvoll interpretiert sie die Preludien Manolis Kalomiris, verspielt die Rumänischen Volkstänze Bela Bartoks und lässt in feierlichem Glanz Edvard Griegs „Wedding Day At Troldhaugen“ erklingen. Die Pianistin findet, neben aller Virtuosität, den emotionalen Zugang zu den Stücken. Sie bringt die Poesie der Musik zum Ausdruck, macht die mitreißende Melodik fast spürbar und formuliert durchgehend mit kreativer Lust. Eine brillante Aufnahme. 

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Danae Dörken: Alle prägenden Erlebnisse, positive wie auch vermeintlich “negative”, aus meiner Kindheit und Jugend bis hin zum heutigen Tag. Ich denke, dass wir alle eine Kombination aus unseren vergangenen Erfahrungen und unserer grundlegenden Lebenseinstellung sind.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
DD: Ich möchte alle Menschen erreichen, die klassische Musik lieben und auch diejenigen, die sie noch nicht kennen und noch überzeugt werden müssen. Also eigentlich jeden!

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
DD: Ich liebe das Musiker Dasein sehr und sehe es gar nicht wirklich als eine “Arbeit”, die erledigt werden muss, sondern vielmehr als einen großen Bestandteil von mir. Daher empfinde ich Hindernisse, die auf dem Weg auftauchen, nicht als wirkliche Probleme oder Widrigkeiten, sondern eher als einen Teil meines Lebenswegs.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
DD: Momente mit meinen zwei Söhnen (fast 2 Jahre und 5 Monate alt).

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
DD: Wenn man jemanden erreichen konnte, der sonst vielleicht nicht unbedingt in ein klassisches Konzert gehen würde. Und überhaupt, wenn man Menschen mit seiner Musik berührt. Dafür bin ich ja schließlich Pianistin geworden.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
DD: Ich höre gerne ganz unterschiedliche Genres, Hauptsache es ist gute Musik. Vor allem gefallen mir World Music, Soul und lateinamerikanische Musik.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
DD: CDs oder Stream im Internet.

KK: Was lesen Sie momentan?
DD: Clara Schumann: Jugendtagebücher 1827-1840 (nach den Handschriften)

KK: Was ärgert Sie maßlos?
DD: Engstirnigkeit und das Fehlen eines weiten Horizonts. Generell versuche ich aber, mich nicht so viel zu ärgern und von Negativem beeinflussen zu lassen, da diese Emotionen sowieso nichts an der bestehenden Situation ändern.

KK: Was freut Sie ungemein?
DD: Offenheit und Menschen, die die Welt jeden Tag aufs Neue entdecken können und nicht in alten Mustern und Angewohnheiten hängen bleiben.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
DD: Zählt das, IKEA Möbel zusammengesetzt zu haben? ;-) Wenn nicht, dann nein.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
DD: Marion Cotillard in “La vie en rose”.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
DD: Auf jeden Fall einen Beamer, mit dessen Hilfe ich mich binnen weniger Sekunden an jeden Ort auf dieser Welt transportieren kann.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
DD: Obwohl man als Pianistin zu einer Einzelkämpferin wird und sehr viel alleine unterwegs ist und Entscheidungen trifft, sehe ich mich von Natur aus eigentlich eher als Teamplayer. Vielleicht genieße ich es deswegen auch so sehr, Kammermusik zu machen und mit anderen gemeinsam zu musizieren.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
DD: Oft beim Klavierspielen selber. Wenn ich in eine Art Flow komme und vieles um mich herum vergesse, kommen mir die interessantesten Einfälle.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
DD: Ich schaue mir gerne inspirierende Youtube Videos von interessanten Persönlichkeiten und TED Talks zu verschiedenen Themen an.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
DD: Ich würde mich dafür einsetzen, dass die Kulturförderung sehr viel stärker und grundlegender im Bildungssystem verankert wird. Musik, Tanz und Theater sind alles Dinge, die meiner Meinung nach in der Schule sehr viel stärker gefördert werden müssen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
DD: Always look on the bright side of life!

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
DD: Ich habe das Gefühl, dass wir uns momentan an einem Knotenpunkt befinden, von wo aus es in alle Richtungen gehen kann. Ich lasse mich also überraschen, wohin es gehen wird und genieße die Reise!
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