Interview
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Im Blickpunkt - Portraits werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
Inhaltsverzeichnis
Stephan-Max Wirth – Da bin ich glücklich!

1

Danae Dörken – Eigentlich jeden

2

Ewa Kupiec – Musik auf allen Ebenen

3

Ulli Habersetzer – Wir müssen unser Leben ändern

4

Hans-Jürgen Schaal – Sisyphos als glücklicher Mensch

5

Leo Betzl - Philosophieren, Träumen, Selbstreflexion

6

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Samstag 24.08.2019
Stephan-Max Wirth – Da bin ich glücklich!
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Credits: Anke Hopfengart
Stephan-Max Wirth ist mit seiner Band seit über einem viertel Jahrhundert unterwegs. Der Musik des Quartetts sagt man nach, sie habe die Gabe, süchtig zu machen. Wirth ist als Tenor- und Sopransaxophonist „ein Meister gesangvoller melodischer Linien“ (HNA), der sich nicht scheut, auch in seinen packenden (instrumentalen!) Kompositionen politisch Stellung zu beziehen.
Überhaupt ist der im baden-würtembergischen Tettnang geborene Musik ein aufgeweckter und engagierter Musiker. Am 6. September erscheint nun die vier-CD-Box „Live Experience – 25 Years SMWE“ (Galileo), die Live-Aufnahmen seines Quartetts aus den letzten acht Jahren enthält. Großartige Musik, die voller Kraft und Raffinesse einen Spagat zwischen Intellekt und Emotion schafft. Wirts intensive Solos entwickeln sich oft aus melancholischen Melodien, die ein Ergebnis der überragenden Zusammenarbeit der einzelnen Bandmitglieder sind. Es ist eine integrierende Musikhaltung, die das Quartett in gleicher Besetzung seit 25 Jahren auf hohem Niveau hält. Spannend, energetisch, ispirierend. Man spürt zugleich die Freude, die den Instrumentalisten eigen ist, die sie zu motivieren scheinen. Eine Box für jede Tages- oder Nachtzeit. Und: Soviel Wirth war nie! 

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Stephan-Max Wirth: Ich hatte sehr viel Glück, durfte das machen was ich wollte, wurde dabei unterstützt von meinen Eltern, meiner Familie, Freunden, Lehrern, ... Es sind weniger einzelne Momente, die zu dem geführt haben, was ich heute bin, als mehr dieser kreative Freiraum, mein beständiger Wille, meine Geduld. Ein wenig Talent und die Gabe Chancen zu packen waren sicherlich auch mit im Spiel. Aber nicht zuletzt haben die Musiker meiner Band Jaap Berend, Bub Boelens und Florian Hoefnagels, mit denen ich nun schon so viele Jahre zusammenarbeite, großen Anteil an dem, was ich bin.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
St-MW: Es gibt kaum eine persönlichere Musik als Jazz. Hier drehen wir unser Innerstes nach außen, was einen sehr engen Kontakt zum Publikum ermöglicht. Wenn meine Musik den Hörer berührt, dann habe ich etwas erreicht, dann hat meine Arbeit Sinn. Meine Balladen scheinen bei vielen Leuten sehr unter die Haut zu gehen, tatsächlich sind hier in den Konzerten schon oft Tränen geflossen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
St-MW: Mit der Jammerei in der Kultur. Das war wohl schon immer so, da hat sich in den letzten Jahrzehnten, die ich mit dabei bin, nichts geändert. Manchmal fühle ich mich wie ein Veranstalter-Seelsorger. Es freut einen dann umso mehr, wenn man mit Menschen arbeiten kann, die positiv nach vorne schauen.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
St-MW: Momentan sicherlich die Resonanz auf unsere Jubiläums-Live-Box, wegen der ich ja auch für dieses Interview hier eingeladen wurde. Seit Tagen kommen laufend Mails mit Anfragen rein und ständig klingelt das Telefon.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
St-MW: Die schönsten Momente sind bei mir und sicherlich auch bei meinen holländischen Bandkollegen, wenn wir uns auf der Bühne geradezu in Trance spielen. Man fliegt förmlich und das überträgt sich wohl auch auf das Publikum, wie mir schon oft berichtet wurde. Da bin ich glücklich!

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
St-MW: Ja , ich höre viel Musik und ja, es ist der Jazz, den ich am meisten höre. Aber sobald die Musik Qualität hat, kann ich jedes Konzert, jede Aufnahme genießen.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
St-MW: Das kommt sehr darauf an, welche Musik darauf ist.

KK: Was lesen Sie momentan?
St-MW: Jose Saramago „Das Tagebuch“. Saramago ist schon seit Jahren einer meiner liebsten Schriftsteller. Insgesamt lese ich hauptsächlich deutsche und französische Literatur der vergangenen beiden Jahrhunderte.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
St-MW: Unfreundlichkeit und rechter Stumpfsinn. Menschen wie Salvini, Orbán und die anderen, die unser großes Friedensprojekt Europa demontieren, und dass man den D-moll-Dreiklang nicht mehr abwärts denken kann, ohne die Wut zu bekommen.

KK: Was freut Sie ungemein?
St-MW: Wenn Menschen miteinander glücklich sind.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
St-MW: Kleidungsstücke nur wenige, aber Möbel ohne Ende. Ich habe vor dem Musikstudium eine Schreinerlehre abgeschlossen und das Schreinern macht mir auch jetzt noch immer wieder viel Freude.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
St-MW: Peter Sellers in „Der Partyschreck“, einfach herrlich!!!

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
St-MW: Oh, keine Ahnung, ich glaube ich halte mich besser ans Komponieren, wer weiß, was bei einer Erfindung von mir herauskommen würde.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
St-MW: In der Band, auf der Bühne bin ich absoluter Teamplayer. Zwischen den Konzerten, wenn die organisatorische Arbeit ansteht, muß ich leider auch Einzelkämpfer sein.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
St-MW: Das ist sehr sehr unterschiedlich. Manches habe ich erträumt, dann wache ich auf und halte die Idee fest. Manche Einfälle sind aber auch ganz klassisch durch Disziplin erarbeitet.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
St-MW: Das wechselt ständig. Seit einigen Wochen tummle ich mich jedoch immer wieder auf „laufendlesen.de“. Den Empfehlungen dort kann man tatsächlich Glauben schenken.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
St-MW: Ich würde mich dafür einsetzen, dass Europa auch im Jazz ankommt. Es ist nicht mehr zeitgemäß, dass man z.B. für den deutschen Jazzpreis eine hauptsächlich deutsche Band braucht und in Holland keine Unterstützung bekommt, weil der Bandleader Deutscher ist, obwohl alle anderen Holländer sind.
Momentan haben wir, was Kulturfördermittel in meinem Genre betrifft, eine Tendenz zur Kleinstaaterei, das würde ich versuchen zu unterbinden.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
St-MW: Stephan-Max Wirth – viel Spaß für wenig Geld, das Leben eines Jazzmusikers

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
St-MW: Die Zukunft stelle ich mir friedlich und im Einklang mit der Natur vor, ich habe nämlich eine gute Vorstellungsgabe. Leider zweifle ich sehr daran, ob es denn auch so kommt.
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Sonntag 21.07.2019
Danae Dörken – Eigentlich jeden
Danae Dörken hat vor wenigen Wochen den KLAVIERSOMMER FÜRSTENFELD mit ihrem Soloprogramm eröffnet. Drei Wochen später legt sie ihr insgesamt viertes Album vor. „East and West“ vereint acht Komponisten, die, was ihre künstlerische Entwicklung und ihre Persönlichkeit betreffen, kaum unterschiedlicher sein könnten. Aber das ist genau die Intuition der gerade einmal 27jährigen Pianistin. „Ich möchte mit diesem Programm zeigen, dass die Musik ein Ort ist, an dem alle Menschen auf dieselbe Ebene gehoben werden – ganz egal was ihre Herkunft oder ihr kultureller Hintergrund ist.“ Das betrifft die Komponisten ihres Recitals ebenso, wie auch ihr Publikum.
Für die östliche Individualität in der vorliegenden Musik stehen der Grieche Manolis Kalomiris, der Ungar Bela Bartok und der Pole Frédéric Chopin. Für das westliche Prinzip Franz Schubert, Edvard Grieg, Francis Poulenc und Manuel De Falla. Allen Komponisten ist zudem ein starker Bezug zur Volksmusik ihrer jeweiligen Heimat eigen. Auf diese Weise ist die musikalische Intellektualität geerdet, ist die Wechselseitigkeit zwischen geistigem Anspruch und gelebtem Alltag spürbar.
Danae Dörken widmet sich ihrem Programm mit Hingabe und Konzentration. Kraftvoll interpretiert sie die Preludien Manolis Kalomiris, verspielt die Rumänischen Volkstänze Bela Bartoks und lässt in feierlichem Glanz Edvard Griegs „Wedding Day At Troldhaugen“ erklingen. Die Pianistin findet, neben aller Virtuosität, den emotionalen Zugang zu den Stücken. Sie bringt die Poesie der Musik zum Ausdruck, macht die mitreißende Melodik fast spürbar und formuliert durchgehend mit kreativer Lust. Eine brillante Aufnahme. 

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Danae Dörken: Alle prägenden Erlebnisse, positive wie auch vermeintlich “negative”, aus meiner Kindheit und Jugend bis hin zum heutigen Tag. Ich denke, dass wir alle eine Kombination aus unseren vergangenen Erfahrungen und unserer grundlegenden Lebenseinstellung sind.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
DD: Ich möchte alle Menschen erreichen, die klassische Musik lieben und auch diejenigen, die sie noch nicht kennen und noch überzeugt werden müssen. Also eigentlich jeden!

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
DD: Ich liebe das Musiker Dasein sehr und sehe es gar nicht wirklich als eine “Arbeit”, die erledigt werden muss, sondern vielmehr als einen großen Bestandteil von mir. Daher empfinde ich Hindernisse, die auf dem Weg auftauchen, nicht als wirkliche Probleme oder Widrigkeiten, sondern eher als einen Teil meines Lebenswegs.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
DD: Momente mit meinen zwei Söhnen (fast 2 Jahre und 5 Monate alt).

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
DD: Wenn man jemanden erreichen konnte, der sonst vielleicht nicht unbedingt in ein klassisches Konzert gehen würde. Und überhaupt, wenn man Menschen mit seiner Musik berührt. Dafür bin ich ja schließlich Pianistin geworden.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
DD: Ich höre gerne ganz unterschiedliche Genres, Hauptsache es ist gute Musik. Vor allem gefallen mir World Music, Soul und lateinamerikanische Musik.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
DD: CDs oder Stream im Internet.

KK: Was lesen Sie momentan?
DD: Clara Schumann: Jugendtagebücher 1827-1840 (nach den Handschriften)

KK: Was ärgert Sie maßlos?
DD: Engstirnigkeit und das Fehlen eines weiten Horizonts. Generell versuche ich aber, mich nicht so viel zu ärgern und von Negativem beeinflussen zu lassen, da diese Emotionen sowieso nichts an der bestehenden Situation ändern.

KK: Was freut Sie ungemein?
DD: Offenheit und Menschen, die die Welt jeden Tag aufs Neue entdecken können und nicht in alten Mustern und Angewohnheiten hängen bleiben.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
DD: Zählt das, IKEA Möbel zusammengesetzt zu haben? ;-) Wenn nicht, dann nein.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
DD: Marion Cotillard in “La vie en rose”.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
DD: Auf jeden Fall einen Beamer, mit dessen Hilfe ich mich binnen weniger Sekunden an jeden Ort auf dieser Welt transportieren kann.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
DD: Obwohl man als Pianistin zu einer Einzelkämpferin wird und sehr viel alleine unterwegs ist und Entscheidungen trifft, sehe ich mich von Natur aus eigentlich eher als Teamplayer. Vielleicht genieße ich es deswegen auch so sehr, Kammermusik zu machen und mit anderen gemeinsam zu musizieren.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
DD: Oft beim Klavierspielen selber. Wenn ich in eine Art Flow komme und vieles um mich herum vergesse, kommen mir die interessantesten Einfälle.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
DD: Ich schaue mir gerne inspirierende Youtube Videos von interessanten Persönlichkeiten und TED Talks zu verschiedenen Themen an.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
DD: Ich würde mich dafür einsetzen, dass die Kulturförderung sehr viel stärker und grundlegender im Bildungssystem verankert wird. Musik, Tanz und Theater sind alles Dinge, die meiner Meinung nach in der Schule sehr viel stärker gefördert werden müssen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
DD: Always look on the bright side of life!

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
DD: Ich habe das Gefühl, dass wir uns momentan an einem Knotenpunkt befinden, von wo aus es in alle Richtungen gehen kann. Ich lasse mich also überraschen, wohin es gehen wird und genieße die Reise!
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Sonntag 07.07.2019
Ewa Kupiec – Musik auf allen Ebenen
Ewa Kupiec gehört zu den ganz wichtigen Pianistinnen zeitgenössischer Musik. Sie hat in den letzten Jahren weltweit nicht nur mit Aufnahmen von Grażyna Bacewicz, Lutosławski, Szymanowski, Alfred Schnittke und Paderewski brilliert. Sie hat einen Teil dieser Konzerte mit großen Orchestern präsentiert, wie den Münchner Philharmonikern, dem Royal Philharmonic Orchestra, dem Warsaw Philharmonic, dem Melbourne Symphony Orchestra, dem Gewandhausorchester Leipzig oder zum Orchestre de Paris. Und natürlich hat die aus Polen stammende Solistin eine ganz besondere Beziehung zu Frédéric Chopin. Als sie vor einigen Jahren im Landkreis gastierte, war an dieser Stelle zu lesen: „Sie versteht es, emotional zu spielen, ohne es an Klarheit fehlen zu lassen. Ihr Anschlag weiß sich den verschiedenen Stimmungen der Kompositionen anzupassen und doch drückt sie mit ihrer Persönlichkeit den einzelnen Stücken auch ihren Stempel auf. Ewa Kupiec ist eine sensible Technikerin, deren Temperament begeistert und deren leisen Töne aufwühlen.“
Am 19. Juli bestreitet die heute in Hannover lebende und an der Hochschule für Musik, Theater und Medien lehrende Pianistin das zweite Konzert der Reihe FÜRSTENFELDER KLAVIERSOMMER mit einem Programm aus Kompositionen von Franz Schubert und Frédéric Chopin bestehend.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Ewa Kupiec: Ich habe mit zwölf Jahren mein Zuhause verlassen, um in die spezielle Musikschule mit Internat zu gehen.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
EK: Musik auf allen Ebenen zu vermitteln.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
EK: Dass ich am Arbeitsplatz leider immer weit weg von den Menschen bin, die ich liebe und schätze.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
EK: Junge, hervorragende Pianisten*innen beim Münchener Klavierpodium der Jugend zu erleben.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
EK: Kommunikation durch Musik.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
EK: Jazz!

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
EK: Man muss wissen, dass ich täglich sechs bis acht Stunden Zeit am Klavier verbringe, danach will ich einfach nur die Stille genießen. Ich benutze aber häufig Streaming-Dienste als Referenz.

KK: Was lesen Sie momentan?
EK: „Diaries“ von Virginia Wolf.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
EK: Die Herzlosigkeit.

KK: Was freut Sie ungemein?
EK: Der Sonnenschein.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
EK: Hmm ... das wäre schön, eine gute Idee für die Zukunft!

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
EK: Momentan alle Frauen aus der zweiten Staffel von „Big Little Lies“

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
EK: Eine Medizin, die endgültig den Krebs heilen wird.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
EK: Sicher eher als Einzelkämpfer.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
EK: Im Austausch mit meinen Studenten*innen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
EK: Ich bin eher ein App-Mensch, und meine Lieblings-Apps sind Audible (Hörbücher) und Blinkist (gekürzte Sachbücher)

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
EK: In einem Tag?
Eine Inspiration für andere Menschen zu sein, die danach die Kultur weiter beeinflussen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
EK: „My Book of Changes“

KK: Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?
EK: Ich möchte meine Zukunft gestalten, indem ich jeden Tag reflektiere, lerne und mit jüngeren Menschen diese Erfahrungen mit einem offenen Herz, klarem Geist und viel Humor teilen kann.
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Montag 03.06.2019
Ulli Habersetzer – Wir müssen unser Leben ändern
Ulli Habersetzer war, bevor er als Jazzjournalist zum Bayrischen Rundfunk kam, als Veranstalter, Künstleragent und Musiker (Saxophon!) tätig. Sein Magisterstudium der Musikwissenschaft, Musikpädagogik und der Europäischen Ethnologie in München und Wien schloss er 2008 ab. Seitdem präsentierte und moderierte er in hunderten von Radiosendungen wie „Jazz und Politik“, „BR Jazzclub Live“ oder der „Radio Jazz Nacht“ „seine“ Musik in den unterschiedlichsten Formen und Varianten. Besonders hat es ihm die  INTERNATIONALE JAZZWOCHE BURGHAUSEN angetan, ein Festival, das in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiern konnte. Von den Konzerthighlights in der alten Herzogsstadt im oberbayrischen Landkreis Altötting berichtet Ulli Habersetzer mit seinem Kollegen Roland Spiegel seit über zehn Jahren Live für den Bayrischen Rundfunk in einer langen Jazznacht.
Anlässlich des Jubiläums haben die beiden Musik-Enthusiasten das Buch  IT HAS LINES IN ITS FACE – INTERNATIONALE JAZZWOCHE BURGHAUSEN SEIT 1970 geschrieben. Knapp dreihundert Seiten, auf denen die außergewöhnliche Geschichte dieses Festivals nachzulesen ist. Von den zaghaften ersten Treffen eines Gerichtsvollziehers und eines Musikpädagogen, die eines einte: der Jazz, bis hin zu den Jazz-Bronzeplatten, die im Stadtkern von Burghausen verlegt und die an die großen Stars erinnern, die hier aufgetreten sind. Es sind kleine Anekdoten und große Geschichten, die hier liebevoll dem Vergessen entrissen sind und deutlich machen, wozu wahre Leidenschaft in der Lage ist.
(Roland Spiegel & Ulrich Habersetzer IT HAS LINES IN ITS FACE – INTERNATIONALE JAZZWOCHE BURGHAUSEN SEIT 1970 Herausgeber: Stadt Burghausen)


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Ulli Habersetzer: Zur richtigen Zeit an den richtigen Orten, die richtigen Menschen kennengelernt zu haben. Den BR-Jazzredakteur Roland Spiegel etwa, bei einem Konzert 2005 im Fürstenfeldbrucker Unterhaus. Oder Klarinettist Rolf Kühn in der Kantine von Deutschlandfunk Kultur Anfang 2010. Und natürlich meine Frau, bei einer Geburtstagsfeier, bei der sie nur zufällig zu Gast war. Diese und ganz viele andere Begegnungen sind für mich absolut prägend gewesen.
 
KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
UH: Eigentlich alle Menschen! Zu mir hat noch niemand gesagt, sie oder er finde Musik grundsätzlich uninteressant. Jeder Mensch fühlt sich auf eine gewisse Weise durch Töne angesprochen. Ich glaube, die Musik, die wir Jazz nennen, kann noch viel mehr Menschen berühren und begeistern, als man allgemein denkt. Meine Aufgabe ist es nun, das Ganze gut und ansprechend zu vermitteln.
 
KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
UH: Mit grundsätzlicher Ignoranz gegenüber dem, was kreative Menschen geschaffen haben und immer noch schaffen. So etwas zählt für Leute, die nur an Verkaufszahlen denken oft wenig.
 
KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
UH: Ein Konzert des Gewandhausorchesters Ende Januar im Gasteig. Eine Version des Stücks "Summertime" von Stan Getz aus dem Jahr 1964, die ich vor kurzem entdeckt habe und eine Live-Übertragung für BR-Klassik aus der Münchner Unterfahrt mit dem norwegischen Tubisten Daniel Herskedal. Großartig!
 
KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
UH: Die Entdeckungsmomente! Natürlich kennen ganz viele andere Menschen gewisse Musik schon viel länger als ich, aber entscheidend ist doch das persönliche Entdecken. Vor einigen Jahren habe ich beim Jazzfest Berlin den südafrikanischen Schlagzeuger Louis Moholo-Moholo gehört. Ich hatte noch nie wirklich etwas von ihm gehört und es war wie ein Erweckungserlebnis. Ganz viele andere Menschen im Publikum kannten ihn schon, aber das spielte für mein Empfinden keine Rolle, für mich war das neu und unglaublich aufregend.
Dazu natürlich wieder die Begegnungen. Ich hatte das Glück zweimal Pianistin Carla Bley interviewen zu dürfen, das sind Begegnungen, die man nie vergisst und die meine Arbeit sehr schön machen.
 
KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
UH: Ich höre berufsbedingt sehr viel Musik und natürlich mag ich Jazz besonders. Aber mich spricht grundsätzlich eine Musik an, die eine gewisse Einfachheit hat und die auf eine sehr persönliche Art gemacht ist. Saxophonist Ben Webster etwa. Seine Soli sind nicht ultra-virtuos, teilweise sogar simpel, aber seine Musik hat für mich eine zeitlose Schönheit in der etwas Unbeschreibliches und nicht Fassbares steckt. Das mag ich sehr. So geht es mir auch mit der Musik von Trompeter Ambrose Akinmusire oder von Saxophonist Mark Turner. Natürlich sind beide Virtuosen, aber im Kern geht es um eine klare Aussage. Mit den Stimmen von Alison Krauss oder Eva Cassidy geht es mir genauso.
 
KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
UH: Ausschließlich CD. Ich habe keinen Platz für einen LP-Spieler, aber einige tolle LPs zuhause. Vielleicht räume ich mal um, dann lege ich die Platten auf.
 
KK: Was lesen Sie momentan?
UH: Einen Krimi von Volker Kutscher und sehr viele Artikel, Posts und Emails.
 
KK: Was ärgert Sie maßlos?
UH: Unser fahrlässiger Umgang mit unserer Umwelt. Klimaschutz finden ganz viele toll, aber sich wirklich dafür engagieren, das tun nur sehr wenige. Wir müssen einfach alle unser Leben ändern. Wenn ich lese, dass es täglich 800 Flüge innerhalb Deutschlands gibt, dann ärgert mich das.
 
KK: Was freut Sie ungemein?
UH: Meine Familie! Und musikalische Momente. Wenn man eine Live-Sendung moderiert und merkt, dass die Musikauswahl geklappt hat. Tolle Soloeinstiege, wenn ein BR-Mitschnitt mit einer großartigen Band klappt und der Vertrag unterschrieben zurückkommt. Wenn man Musik wiederentdeckt, bei mir gerade Aufnahmen von Pianist Horace Silver.
 
KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
UH: Ich habe den Tisch und die Sitzbank in unserer Küche gebaut. Ansonsten nähe ich manchmal Knöpfe an, sie halten aber selten.
 
KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind Sie in welchem Film beeindruckt?
UH: Vor Jahren habe ich Birgit Minichmayr im Stück "Das Interview" gesehen, das hat mich wahnsinnig beeindruckt. Die Filme von Jan Georg Schütte finde ich toll. Er macht Filme ohne Drehbuch, dabei gibt er nur eine gewisse Szenerie vor und jede Schauspielerin und jeder Schauspieler bekommt eine Biographie, der Rest ist improvisiert. Das finde ich super, es hat viel mit Jazz und dem Leben zu tun. Was im Leben folgt denn schon einem Drehbuch? Eigentlich nichts.
 
KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung nach bisher noch nicht gibt?
UH: Eine Freiheits-, Gerechtigkeits-, und Friedensmaschine. Die für ALLE Menschen gleich perfekt funktioniert.
 
KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
UH: Absolut als Teamplayer. So habe ich das immer auch in meiner Arbeit erfahren. Alle sind ungemein wichtig. Bei einer Live-Aufzeichnung für den BR ist das Thekenpersonal im Club genauso wichtig wie die Musiker, die Managerin der Band, der Clubbesitzer oder jeder einzelne Besucher. Ich genieße es ungemein im BR im Team zu arbeiten und eine gute Band funktioniert ja auch nur im Team.
 
KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
UH: Bei Zugfahrten, am besten durch Regionen, in denen es keinen Handy- und Internetempfang gibt, und beim Fahrrad fahren. In Bewegung fallen mir die besten Sachen ein.
 
KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
UH: BR24 und Süddeutsche. Ansonsten keine regelmäßig. Manchmal schaue ich auf den Blog des Pianisten Ethan Iverson https://ethaniverson.com. Er hat sehr viele Gespräche mit anderen Musikern geführt. Da kann man einiges lernen. Ist aber auch etwas anstrengend zu lesen.
 
KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
UH: Alles Geld vom Rüstungshaushalt in den Kulturhaushalt stecken, die Kulturförderprogramme leichter zugänglich und verständlich machen. Es gibt da nämlich viel, man muss es nur finden. Aber wahrscheinlich wäre ich ganz schlecht an dem Posten, weil ich in all den Verwaltungsaufgaben ganz mies wäre.
 
KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
UH: Auch nach sehr langem Nachdenken ist mir kein Titel eingefallen. Wird wohl nichts werden mit der Autobiographie...
 
KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
UH: Bei der Kultur, bei der Bildung, bei allen Dingen, die soziale Kompetenz fördern, wird gespart, das sind eigentlich keine guten Aussichten, aber ich bin heilloser Optimist, deshalb bin ich mir sicher, dass unsere Kinder viel klüger sind als wir und die Zukunft total super wird.
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Montag 13.05.2019
Hans-Jürgen Schaal – Sisyphos als glücklicher Mensch
Hans-Jürgen Schaal zeichnet sich seit April 2007 für die Konzertreihe JAZZ IT in der Germeringer Stadthalle verantwortlich. Wenn nun am 6. Juni im Amadeussaal Omer Klein, der israelische Pianist, mit seinem Soloprogramm zu Gast ist, wird dies das 100. Konzert dieser Reihe sein. Man kann diesbezüglich getrost von einer einzigartigen Erfolgsgeschichte sprechen. Denn in dieser schnelllebigen Zeit, mit all ihren kurzlebigen Moden und Zeitgeistphänomenen, sind 12 Jahre und eben 100 Jazz(!)-Konzerte eine überaus stattliche Zahl.
Aber es ist eben nicht allein die Quantität, die beeindruckt. Denn zurückblickend hat Hans-Jürgen Schaal an einhundert Abenden die ganze Breite und Vielfalt des Jazz in Germering präsentiert. Swing und Avantgarde standen ebenso auf dem Programm, wie Hardbop und Weltmusik, oder Jazz als eine Art Kammermusik und natürlich latainamerikanische Rhythmen (wen das komplette Programm interessiert – hier ist es nachzulesen).
Aber Hans-Jürgen Schaal hat natürlich auch ein Leben außerhalb der Reihe JAZZ IT! Wenn vielleicht auch nicht ganz außerhalb der Musik. In Stuttgart geboren studierte er Germanistik, Soziologie und Theaterwissenschaft an der LMU München. Anschließend arbeitete er im Buch- und Schallplattenhandel, war Musiklabel-Manager, Redakteur beim privaten Rundfunk und Lektor eines Jazz- und Worldmusic-Magazins. Er hat (Musik-) Bücher geschrieben, war als Übersetzer tätig, fungierte als Herausgeber. Heute schreibt er für über ein halbes Dutzend Fachmagazine, verfasst Beiträge für Programmhefte und produziert Radiosendungen für den SWR, den NDR und mehr als ein Jahrzehnt für den WDR.



KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Hans-Jürgen Schaal: Vermutlich eine besondere Empfänglichkeit für Töne und eine große Lust zu schreiben. Dass diese beiden zusammengefunden haben, dass mich niemand in eine andere Bahn gedrängt hat – dafür bin ich dankbar.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
HJS: Als Musikjournalist und Konzertkurator wünsche ich mir, möglichst viele Menschen für interessante Musik zu sensibilisieren. Ich bin überzeugt, dass unsere Empathie und Humanität sehr direkt mit unserem Hörsinn und unseren Hör-Emotionen verbunden sind. Je vielfältiger und differenzierter wir zu hören lernen, desto offener ist unsere Wahrnehmung und Toleranz auch gegenüber anderen Menschen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
HJS: Von Widrigkeiten würde ich nicht sprechen. Manche Situation verlangt mehr Anstrengung, manche ist vielleicht gar nicht zu bewältigen. Dennoch muss man sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen. ;-)
 
KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
HJS: Da fällt mir gerade nichts ein. Vielleicht bin ich nicht so leicht zu beeindrucken.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
HJS: Es gibt für mich nichts Schöneres als aufmerksam Musik zu hören, Musik auszuwählen, sie im Radio oder Konzert anderen zugänglich zu machen oder darüber zu schreiben. Ich liebe auch die Recherche. Denn da lerne ich selbst ständig Neues dazu, entwickle neue Gedanken. Ich mag zudem, einfach nur CDs in die alphabetische Ordnung einzuräumen – auch da bilden sich nämlich Verknüpfungen, die anregend sind.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
HJS: Ich höre viel Musik, wünsche mir aber manchmal, ich könnte es entspannter und entkoppelt von der Arbeit tun. Ich höre sehr viel Verschiedenes, Jazz, Klassik, Rock, Weltmusik. Ich kann aber auch tagelang auf Musik verzichten, weil ich Unmengen davon abrufbar im Kopf habe.  Zuweilen hänge ich auch eigenen musikalischen Ideen nach.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
HJS: Ich höre fast nur CDs. Zu Recherche-Zwecken streame ich manchmal etwas aus dem Internet. Gelegentlich schreibe ich auch über Alben, die ich nur auf Vinyl besitze, dann hole ich gerne mal die alte LP aus dem Schrank, meist mit nostalgischen Gefühlen. Ich habe mich in den 1990er Jahren schweren Herzens vom Vinyl-Kaufen verabschiedet, weil viele neue Aufnahmen nur noch auf CD veröffentlicht wurden. Vinyl ist für mich eine Art Jugendliebe – man darf ihr nachtrauern, aber man sollte sie ruhen lassen.

KK: Was lesen Sie momentan?
HJS: Ich lese fast nur noch Bücher mit Musikbezug. Sachbücher, Biografien, Romane. Jetzt gerade den Schallplatten-Krimi „Murder Swing“, im Original heißt er „The Vinyl Detective“.
 
KK: Was ärgert Sie maßlos?
HJS: Maßlosigkeit entspricht nicht meinem Charakter. Wenn mir etwas nicht gefällt, mache ich mich lieber darüber lustig, als dass ich mich ärgere. Angesichts von Ignoranz und Intoleranz vergeht aber auch mir manchmal der Humor. Zum Beispiel, wenn die Amerikaner trotz ihrer großen Freiheits-Tradition einen Rattenfänger zum Präsidenten wählen, die Deutschen trotz ihrer NS-Vergangenheit wieder Rechtsradikale ins Parlament schicken, die Ungarn trotz ihrer weltoffenen Kultur Flüchtlinge aussperren...

KK: Was freut Sie ungemein?
HJS: Wenn ein Freund einen freien Abend opfert, um ihn mit mir zu verbringen, dann ist das für mich ein absolutes Highlight. Ich freue mich auch immer darüber, wenn meine Mitmenschen Neugier, Toleranz und Geduld beweisen.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
HJS: Nein. Aber wenn der Platz für die CDs ausgeht, improvisiere ich schon einmal ein CD-Regal. Oder ich ziehe Bretter in einen alten Kleiderschrank, um ihn als Bücherschrank zu verwenden.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind Sie in welchem Film beeindruckt?
HJS: Ich mag viele Schauspieler und Schauspielerinnen, meistens unabhängig von ihrer Rolle. Ich schätze es aber sehr, wenn sie einmal Charaktere verkörpern, die ihrem Stereotyp widersprechen, zum Beispiel Brad Pitt und George Clooney in „Burn After Reading“. In der Serie „Breaking Bad“ habe ich alle Darsteller sehr bewundert.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung nach bisher noch nicht gibt?
HJS: Vielleicht einen Apparat, der auf Knopfdruck sämtliche Waffen auf diesem Planeten unbrauchbar macht? Oder eine Wunderpflanze, die auf jedem Boden wächst und schlagartig den Hunger aus der Welt schafft?

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer oder Teamplayer?
HJS: Ich bin kein guter Teamworker. Ich mag es, Gedanken-Ping-Pong mit einem Partner zu spielen, aber mich mit mehreren anderen gleichzuschalten, fällt mir schwer. Ich bin kein Mensch für Vereine oder Parteien.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
HJS: Wenn eine stressige Arbeitsphase zu Ende ist, dann beginnen nach einer kleinen Erholungsphase die Ideen zu sprudeln. Das kann beim Spazierengehen passieren, unter der Dusche, im Schaukelstuhl auf dem Balkon, abends vor dem Einschlafen oder auch beim Einräumen von CDs. Bei einem guten Einfall entfährt mir dann schon manchmal ein kleiner Jubelschrei.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
HJS: Regelmäßig lese ich online nur die Tageszeitung, außerdem Nachrichten-Seiten, das Wetter oder Wahlumfragen.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
HJS: Ein Tag ist vermutlich zu kurz, um etwas zu bewegen. Wenn ich aber etwas mehr Zeit hätte, würde ich versuchen, der Gesellschaft zu vermitteln, dass Musik eine wichtige menschliche Kommunikationsform ist, die täglich heilsam unser Sprechen, Handeln, Fühlen ergänzt und begleitet und unsere Menschlichkeit und Empathie stärkt. Ich würde mich dafür einsetzen, dass Musik im Schulunterricht denselben Stellenwert einnimmt wie Deutsch oder Mathematik. Musik muss Kernfach werden. Es geht da um den ganzen Menschen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
HJS: Da fällt mir so schnell kein Titel ein.

KK: Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?
HJS: Ich fürchte, dass wir diesen Planeten eines Tages zugrunde gerichtet haben und in düsterem Chaos enden. Die Menschheit hat einen Beethoven und einen Charlie Parker hervorgebracht, deshalb hätte sie eigentlich verdient zu überleben. Wegen vieler anderer Dinge hätte sie verdient zu scheitern. Letzteres ist wahrscheinlicher. Ich bin da aber sozusagen Zweckpessimist. Immer das Schlimmste erwarten, dann wird man vielleicht positiv überrascht. Menschheit, bitte überrasche mich!

Zum weiterlesen: http://www.hjs-jazz.de/
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Montag 08.04.2019
Leo Betzl - Philosophieren, Träumen, Selbstreflexion
Leo Betzl ist einer der momentan interessantesten Pianisten und Kopf des LBT (Leo Betzl Trio). Gerade hat erst sich die Formation, die eine verwegene Mischung aus Minimal, Techno und akustischem Jazz umsetzt, den Nachwuchs-Preis bei der 50. Jazzwoche Burghausen erspielt. Im letzten Jahr erhielt das Trio den BMW Welt Jazz Award in München. Damit stehen Leo Betzl, Maximilian Hirning und Sebastian Wolfgruber faktisch die Tore zur großen Welt der Jazzfestivals und zu Studioproduktionen offen. Ihr Album „Way Up In The Blue“, dass 2018 erschienen ist, werden wir an dieser Stelle noch würdigen. Wer die junge ungestüme, mitreißende Band sehen & hören möchte – am 4. Mai gastiert LBT im Gautinger Bosco.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Leo Betzl: Grundsätzlich wohl nur zwei Dinge: Erstens: Meine Geburt und zweitens die äußeren Umstände in meinem Leben bis zum jetzigen Moment.
Zu Punkt zwei aber noch ergänzend: Vor allem sicherlich meine behütete Kindheit, aber eben auch Lebenseindrücke wie z.B. das Hören von bestimmten Aufnahmen, Konzertsituationen, das Studium bei verschiedenen Dozenten, Erfolge und Misserfolge, Freundschaften, Philosophieren, Träumen, Selbstreflexion und Neugier.
Am Ende bestimmt aber auch der starke Wille Jazz-Musiker werden zu wollen.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
LB: Jeden!

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
LB: Zum Glück habe ich bisher fast nur gute Erfahrungen mit meiner Arbeit als Pianist machen dürfen. Hin und wieder gibts natürlich auch Luxusprobleme wie Zugverspätungen oder Staus auf dem Weg zum Konzert etc...

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
LB: Wie weit man mit dem eigenen Projekt (LBT)  innerhalb kurzer Zeit kommen kann: Diverse Preise (BMW Welt Jazz Award 2018, Jazzpreis Burghausen 2019), schöne und erfolgreiche Konzerttouren...

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
LB: Da gibts viele verschiedene: Dazu gehören auf jeden Fall von einem gelungenen Konzert mit positivem Publikumsfeedback oder einer neuen CD-Produktion mit eigenen Stücken, über denen man wochenlang gebrütet hat, bis hin zu Jam-Sessions auf denen man auf neue Musiker und Kollegen mit den gleichen musikalischen Interessen stößt.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
LB: Ich höre sehr viel unterschiedliche Musik: Von Klassik über Jazz bis hin zu (gutem) Pop und Classic-Rock. Natürlich höre ich davon Jazz am liebsten, allerdings ist mir die Stilistik egal in dem Moment in dem ich höre, dass es ehrliche und handgemachte Musik von guten Musikern ist.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
LB: Eher CD. Und das auch nur im Auto, denn das ist der einzige Ort, wo ich noch über einen CD-Player verfüge. Die meiste Musik ist bei mir auf dem Handy gespeichert, oder ich streame sie im Internet.

KK: Was lesen Sie momentan?
LB: "Homo Deus" von Yuval Noah und „Physik und Philosophie“ von Werner Heisenberg.


KK: Was ärgert Sie maßlos?
LB: Egoismus, Krieg, Armut, Kleingeistigkeit und  Faschismus. Nicht zwingend in dieser Reihenfolge.
Ich kann mich aber auch über kleinere Übel wie „Mittelspurschleicher“ auf der Autobahn echauffieren...

KK: Was freut Sie ungemein?
LB: Gute Nachrichten im Allgemeinen und wenn ich mit meinen Jungs auf Tour unterwegs bin. Genau so freue ich mich aber auch über die freien Tage, die ich dann ganz in Ruhe und Privat mit meiner Freundin oder/und meiner Familie verbringen kann.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
LB: Nein. Außer dazu gilt es, einen Schal zu einer Krawatte zu binden um den kurz vor dem Konzert entstandenen Fleck auf dem weißen Hemd notgedrungen irgendwie zu kaschieren.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
LB: Keir Dullea als Dr. David Bowman in Stanley Kubricks „2001 A Space Odyssey“

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
LB: Eine Teleportationsmaschine. Dann würde man sich viel Reisezeit sparen.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
LB: Obwohl man als Pianist auch sehr viel alleine unterwegs sein kann, sehe ich mich mehr als Teamplayer. In der Musik gehts meiner Meinung nach sowieso ums Miteinander und nicht um das Gegeneinander.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
LB: Unterschiedlich. Das Wort „Einfall" impliziert ja bereits eine gewisse Unvorhersehbarkeit und Spontaneität. Kann also in den unterschiedlichsten Situationen passieren. Die meisten musikalischen Einfälle habe ich allerdings in dem Moment wenn ich nach längerer Auszeit das erste mal wieder am Klavier sitze.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
LB: Wenn ich im Netz unterwegs bin, bin ich meistens auf Youtube und sehe bzw. höre (z.B. zum Einschlafen oder einfach so) Vorträge über verschiedene Dinge wie Philosophie, Astrophysik (Prof. Lesch, etc…), Politik, Technik oder auch Sportwagen (eine große Leidenschaft) an. Natürlich schaue ich mir auch Konzerte oder Clips von Idolen oder Kollegen an.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
LB: Ich würde mich für eine viel höhere finanzielle Förderung für das Bildungssystem stark machen. Am besten direkt aus dem Rüstungsetat…

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
LB: Einmal Musiker - immer Musiker

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
LB: Da gibts wohl verschiedene sowohl positive als leider auch negative Varianten. Auf 1984 von Orwell hab ich jedenfalls keine Lust! Wie es wird, kann nur die Zeit selbst zeigen…
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