Interview
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Im Blickpunkt - Portraits werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
Inhaltsverzeichnis
Ulli Habersetzer – Wir müssen unser Leben ändern

1

Hans-Jürgen Schaal – Sisyphos als glücklicher Mensch

2

Leo Betzl - Philosophieren, Träumen, Selbstreflexion

3

Nicola Förg – Die eigene Verwundbarkeit

4

Stefanie Boltz - Freundschaft mit dem Unschlüssigen

5

Nik Bärtsch – Foward To The Roots

6

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Montag 03.06.2019
Ulli Habersetzer – Wir müssen unser Leben ändern
Ulli Habersetzer war, bevor er als Jazzjournalist zum Bayrischen Rundfunk kam, als Veranstalter, Künstleragent und Musiker (Saxophon!) tätig. Sein Magisterstudium der Musikwissenschaft, Musikpädagogik und der Europäischen Ethnologie in München und Wien schloss er 2008 ab. Seitdem präsentierte und moderierte er in hunderten von Radiosendungen wie „Jazz und Politik“, „BR Jazzclub Live“ oder der „Radio Jazz Nacht“ „seine“ Musik in den unterschiedlichsten Formen und Varianten. Besonders hat es ihm die  INTERNATIONALE JAZZWOCHE BURGHAUSEN angetan, ein Festival, das in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiern konnte. Von den Konzerthighlights in der alten Herzogsstadt im oberbayrischen Landkreis Altötting berichtet Ulli Habersetzer mit seinem Kollegen Roland Spiegel seit über zehn Jahren Live für den Bayrischen Rundfunk in einer langen Jazznacht.
Anlässlich des Jubiläums haben die beiden Musik-Enthusiasten das Buch  IT HAS LINES IN ITS FACE – INTERNATIONALE JAZZWOCHE BURGHAUSEN SEIT 1970 geschrieben. Knapp dreihundert Seiten, auf denen die außergewöhnliche Geschichte dieses Festivals nachzulesen ist. Von den zaghaften ersten Treffen eines Gerichtsvollziehers und eines Musikpädagogen, die eines einte: der Jazz, bis hin zu den Jazz-Bronzeplatten, die im Stadtkern von Burghausen verlegt und die an die großen Stars erinnern, die hier aufgetreten sind. Es sind kleine Anekdoten und große Geschichten, die hier liebevoll dem Vergessen entrissen sind und deutlich machen, wozu wahre Leidenschaft in der Lage ist.
(Roland Spiegel & Ulrich Habersetzer IT HAS LINES IN ITS FACE – INTERNATIONALE JAZZWOCHE BURGHAUSEN SEIT 1970 Herausgeber: Stadt Burghausen)


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Ulli Habersetzer: Zur richtigen Zeit an den richtigen Orten, die richtigen Menschen kennengelernt zu haben. Den BR-Jazzredakteur Roland Spiegel etwa, bei einem Konzert 2005 im Fürstenfeldbrucker Unterhaus. Oder Klarinettist Rolf Kühn in der Kantine von Deutschlandfunk Kultur Anfang 2010. Und natürlich meine Frau, bei einer Geburtstagsfeier, bei der sie nur zufällig zu Gast war. Diese und ganz viele andere Begegnungen sind für mich absolut prägend gewesen.
 
KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
UH: Eigentlich alle Menschen! Zu mir hat noch niemand gesagt, sie oder er finde Musik grundsätzlich uninteressant. Jeder Mensch fühlt sich auf eine gewisse Weise durch Töne angesprochen. Ich glaube, die Musik, die wir Jazz nennen, kann noch viel mehr Menschen berühren und begeistern, als man allgemein denkt. Meine Aufgabe ist es nun, das Ganze gut und ansprechend zu vermitteln.
 
KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
UH: Mit grundsätzlicher Ignoranz gegenüber dem, was kreative Menschen geschaffen haben und immer noch schaffen. So etwas zählt für Leute, die nur an Verkaufszahlen denken oft wenig.
 
KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
UH: Ein Konzert des Gewandhausorchesters Ende Januar im Gasteig. Eine Version des Stücks "Summertime" von Stan Getz aus dem Jahr 1964, die ich vor kurzem entdeckt habe und eine Live-Übertragung für BR-Klassik aus der Münchner Unterfahrt mit dem norwegischen Tubisten Daniel Herskedal. Großartig!
 
KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
UH: Die Entdeckungsmomente! Natürlich kennen ganz viele andere Menschen gewisse Musik schon viel länger als ich, aber entscheidend ist doch das persönliche Entdecken. Vor einigen Jahren habe ich beim Jazzfest Berlin den südafrikanischen Schlagzeuger Louis Moholo-Moholo gehört. Ich hatte noch nie wirklich etwas von ihm gehört und es war wie ein Erweckungserlebnis. Ganz viele andere Menschen im Publikum kannten ihn schon, aber das spielte für mein Empfinden keine Rolle, für mich war das neu und unglaublich aufregend.
Dazu natürlich wieder die Begegnungen. Ich hatte das Glück zweimal Pianistin Carla Bley interviewen zu dürfen, das sind Begegnungen, die man nie vergisst und die meine Arbeit sehr schön machen.
 
KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
UH: Ich höre berufsbedingt sehr viel Musik und natürlich mag ich Jazz besonders. Aber mich spricht grundsätzlich eine Musik an, die eine gewisse Einfachheit hat und die auf eine sehr persönliche Art gemacht ist. Saxophonist Ben Webster etwa. Seine Soli sind nicht ultra-virtuos, teilweise sogar simpel, aber seine Musik hat für mich eine zeitlose Schönheit in der etwas Unbeschreibliches und nicht Fassbares steckt. Das mag ich sehr. So geht es mir auch mit der Musik von Trompeter Ambrose Akinmusire oder von Saxophonist Mark Turner. Natürlich sind beide Virtuosen, aber im Kern geht es um eine klare Aussage. Mit den Stimmen von Alison Krauss oder Eva Cassidy geht es mir genauso.
 
KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
UH: Ausschließlich CD. Ich habe keinen Platz für einen LP-Spieler, aber einige tolle LPs zuhause. Vielleicht räume ich mal um, dann lege ich die Platten auf.
 
KK: Was lesen Sie momentan?
UH: Einen Krimi von Volker Kutscher und sehr viele Artikel, Posts und Emails.
 
KK: Was ärgert Sie maßlos?
UH: Unser fahrlässiger Umgang mit unserer Umwelt. Klimaschutz finden ganz viele toll, aber sich wirklich dafür engagieren, das tun nur sehr wenige. Wir müssen einfach alle unser Leben ändern. Wenn ich lese, dass es täglich 800 Flüge innerhalb Deutschlands gibt, dann ärgert mich das.
 
KK: Was freut Sie ungemein?
UH: Meine Familie! Und musikalische Momente. Wenn man eine Live-Sendung moderiert und merkt, dass die Musikauswahl geklappt hat. Tolle Soloeinstiege, wenn ein BR-Mitschnitt mit einer großartigen Band klappt und der Vertrag unterschrieben zurückkommt. Wenn man Musik wiederentdeckt, bei mir gerade Aufnahmen von Pianist Horace Silver.
 
KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
UH: Ich habe den Tisch und die Sitzbank in unserer Küche gebaut. Ansonsten nähe ich manchmal Knöpfe an, sie halten aber selten.
 
KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind Sie in welchem Film beeindruckt?
UH: Vor Jahren habe ich Birgit Minichmayr im Stück "Das Interview" gesehen, das hat mich wahnsinnig beeindruckt. Die Filme von Jan Georg Schütte finde ich toll. Er macht Filme ohne Drehbuch, dabei gibt er nur eine gewisse Szenerie vor und jede Schauspielerin und jeder Schauspieler bekommt eine Biographie, der Rest ist improvisiert. Das finde ich super, es hat viel mit Jazz und dem Leben zu tun. Was im Leben folgt denn schon einem Drehbuch? Eigentlich nichts.
 
KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung nach bisher noch nicht gibt?
UH: Eine Freiheits-, Gerechtigkeits-, und Friedensmaschine. Die für ALLE Menschen gleich perfekt funktioniert.
 
KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
UH: Absolut als Teamplayer. So habe ich das immer auch in meiner Arbeit erfahren. Alle sind ungemein wichtig. Bei einer Live-Aufzeichnung für den BR ist das Thekenpersonal im Club genauso wichtig wie die Musiker, die Managerin der Band, der Clubbesitzer oder jeder einzelne Besucher. Ich genieße es ungemein im BR im Team zu arbeiten und eine gute Band funktioniert ja auch nur im Team.
 
KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
UH: Bei Zugfahrten, am besten durch Regionen, in denen es keinen Handy- und Internetempfang gibt, und beim Fahrrad fahren. In Bewegung fallen mir die besten Sachen ein.
 
KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
UH: BR24 und Süddeutsche. Ansonsten keine regelmäßig. Manchmal schaue ich auf den Blog des Pianisten Ethan Iverson https://ethaniverson.com. Er hat sehr viele Gespräche mit anderen Musikern geführt. Da kann man einiges lernen. Ist aber auch etwas anstrengend zu lesen.
 
KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
UH: Alles Geld vom Rüstungshaushalt in den Kulturhaushalt stecken, die Kulturförderprogramme leichter zugänglich und verständlich machen. Es gibt da nämlich viel, man muss es nur finden. Aber wahrscheinlich wäre ich ganz schlecht an dem Posten, weil ich in all den Verwaltungsaufgaben ganz mies wäre.
 
KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
UH: Auch nach sehr langem Nachdenken ist mir kein Titel eingefallen. Wird wohl nichts werden mit der Autobiographie...
 
KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
UH: Bei der Kultur, bei der Bildung, bei allen Dingen, die soziale Kompetenz fördern, wird gespart, das sind eigentlich keine guten Aussichten, aber ich bin heilloser Optimist, deshalb bin ich mir sicher, dass unsere Kinder viel klüger sind als wir und die Zukunft total super wird.
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Montag 13.05.2019
Hans-Jürgen Schaal – Sisyphos als glücklicher Mensch
Hans-Jürgen Schaal zeichnet sich seit April 2007 für die Konzertreihe JAZZ IT in der Germeringer Stadthalle verantwortlich. Wenn nun am 6. Juni im Amadeussaal Omer Klein, der israelische Pianist, mit seinem Soloprogramm zu Gast ist, wird dies das 100. Konzert dieser Reihe sein. Man kann diesbezüglich getrost von einer einzigartigen Erfolgsgeschichte sprechen. Denn in dieser schnelllebigen Zeit, mit all ihren kurzlebigen Moden und Zeitgeistphänomenen, sind 12 Jahre und eben 100 Jazz(!)-Konzerte eine überaus stattliche Zahl.
Aber es ist eben nicht allein die Quantität, die beeindruckt. Denn zurückblickend hat Hans-Jürgen Schaal an einhundert Abenden die ganze Breite und Vielfalt des Jazz in Germering präsentiert. Swing und Avantgarde standen ebenso auf dem Programm, wie Hardbop und Weltmusik, oder Jazz als eine Art Kammermusik und natürlich latainamerikanische Rhythmen (wen das komplette Programm interessiert – hier ist es nachzulesen).
Aber Hans-Jürgen Schaal hat natürlich auch ein Leben außerhalb der Reihe JAZZ IT! Wenn vielleicht auch nicht ganz außerhalb der Musik. In Stuttgart geboren studierte er Germanistik, Soziologie und Theaterwissenschaft an der LMU München. Anschließend arbeitete er im Buch- und Schallplattenhandel, war Musiklabel-Manager, Redakteur beim privaten Rundfunk und Lektor eines Jazz- und Worldmusic-Magazins. Er hat (Musik-) Bücher geschrieben, war als Übersetzer tätig, fungierte als Herausgeber. Heute schreibt er für über ein halbes Dutzend Fachmagazine, verfasst Beiträge für Programmhefte und produziert Radiosendungen für den SWR, den NDR und mehr als ein Jahrzehnt für den WDR.



KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Hans-Jürgen Schaal: Vermutlich eine besondere Empfänglichkeit für Töne und eine große Lust zu schreiben. Dass diese beiden zusammengefunden haben, dass mich niemand in eine andere Bahn gedrängt hat – dafür bin ich dankbar.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
HJS: Als Musikjournalist und Konzertkurator wünsche ich mir, möglichst viele Menschen für interessante Musik zu sensibilisieren. Ich bin überzeugt, dass unsere Empathie und Humanität sehr direkt mit unserem Hörsinn und unseren Hör-Emotionen verbunden sind. Je vielfältiger und differenzierter wir zu hören lernen, desto offener ist unsere Wahrnehmung und Toleranz auch gegenüber anderen Menschen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
HJS: Von Widrigkeiten würde ich nicht sprechen. Manche Situation verlangt mehr Anstrengung, manche ist vielleicht gar nicht zu bewältigen. Dennoch muss man sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen. ;-)
 
KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
HJS: Da fällt mir gerade nichts ein. Vielleicht bin ich nicht so leicht zu beeindrucken.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
HJS: Es gibt für mich nichts Schöneres als aufmerksam Musik zu hören, Musik auszuwählen, sie im Radio oder Konzert anderen zugänglich zu machen oder darüber zu schreiben. Ich liebe auch die Recherche. Denn da lerne ich selbst ständig Neues dazu, entwickle neue Gedanken. Ich mag zudem, einfach nur CDs in die alphabetische Ordnung einzuräumen – auch da bilden sich nämlich Verknüpfungen, die anregend sind.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
HJS: Ich höre viel Musik, wünsche mir aber manchmal, ich könnte es entspannter und entkoppelt von der Arbeit tun. Ich höre sehr viel Verschiedenes, Jazz, Klassik, Rock, Weltmusik. Ich kann aber auch tagelang auf Musik verzichten, weil ich Unmengen davon abrufbar im Kopf habe.  Zuweilen hänge ich auch eigenen musikalischen Ideen nach.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
HJS: Ich höre fast nur CDs. Zu Recherche-Zwecken streame ich manchmal etwas aus dem Internet. Gelegentlich schreibe ich auch über Alben, die ich nur auf Vinyl besitze, dann hole ich gerne mal die alte LP aus dem Schrank, meist mit nostalgischen Gefühlen. Ich habe mich in den 1990er Jahren schweren Herzens vom Vinyl-Kaufen verabschiedet, weil viele neue Aufnahmen nur noch auf CD veröffentlicht wurden. Vinyl ist für mich eine Art Jugendliebe – man darf ihr nachtrauern, aber man sollte sie ruhen lassen.

KK: Was lesen Sie momentan?
HJS: Ich lese fast nur noch Bücher mit Musikbezug. Sachbücher, Biografien, Romane. Jetzt gerade den Schallplatten-Krimi „Murder Swing“, im Original heißt er „The Vinyl Detective“.
 
KK: Was ärgert Sie maßlos?
HJS: Maßlosigkeit entspricht nicht meinem Charakter. Wenn mir etwas nicht gefällt, mache ich mich lieber darüber lustig, als dass ich mich ärgere. Angesichts von Ignoranz und Intoleranz vergeht aber auch mir manchmal der Humor. Zum Beispiel, wenn die Amerikaner trotz ihrer großen Freiheits-Tradition einen Rattenfänger zum Präsidenten wählen, die Deutschen trotz ihrer NS-Vergangenheit wieder Rechtsradikale ins Parlament schicken, die Ungarn trotz ihrer weltoffenen Kultur Flüchtlinge aussperren...

KK: Was freut Sie ungemein?
HJS: Wenn ein Freund einen freien Abend opfert, um ihn mit mir zu verbringen, dann ist das für mich ein absolutes Highlight. Ich freue mich auch immer darüber, wenn meine Mitmenschen Neugier, Toleranz und Geduld beweisen.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
HJS: Nein. Aber wenn der Platz für die CDs ausgeht, improvisiere ich schon einmal ein CD-Regal. Oder ich ziehe Bretter in einen alten Kleiderschrank, um ihn als Bücherschrank zu verwenden.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind Sie in welchem Film beeindruckt?
HJS: Ich mag viele Schauspieler und Schauspielerinnen, meistens unabhängig von ihrer Rolle. Ich schätze es aber sehr, wenn sie einmal Charaktere verkörpern, die ihrem Stereotyp widersprechen, zum Beispiel Brad Pitt und George Clooney in „Burn After Reading“. In der Serie „Breaking Bad“ habe ich alle Darsteller sehr bewundert.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung nach bisher noch nicht gibt?
HJS: Vielleicht einen Apparat, der auf Knopfdruck sämtliche Waffen auf diesem Planeten unbrauchbar macht? Oder eine Wunderpflanze, die auf jedem Boden wächst und schlagartig den Hunger aus der Welt schafft?

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer oder Teamplayer?
HJS: Ich bin kein guter Teamworker. Ich mag es, Gedanken-Ping-Pong mit einem Partner zu spielen, aber mich mit mehreren anderen gleichzuschalten, fällt mir schwer. Ich bin kein Mensch für Vereine oder Parteien.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
HJS: Wenn eine stressige Arbeitsphase zu Ende ist, dann beginnen nach einer kleinen Erholungsphase die Ideen zu sprudeln. Das kann beim Spazierengehen passieren, unter der Dusche, im Schaukelstuhl auf dem Balkon, abends vor dem Einschlafen oder auch beim Einräumen von CDs. Bei einem guten Einfall entfährt mir dann schon manchmal ein kleiner Jubelschrei.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
HJS: Regelmäßig lese ich online nur die Tageszeitung, außerdem Nachrichten-Seiten, das Wetter oder Wahlumfragen.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
HJS: Ein Tag ist vermutlich zu kurz, um etwas zu bewegen. Wenn ich aber etwas mehr Zeit hätte, würde ich versuchen, der Gesellschaft zu vermitteln, dass Musik eine wichtige menschliche Kommunikationsform ist, die täglich heilsam unser Sprechen, Handeln, Fühlen ergänzt und begleitet und unsere Menschlichkeit und Empathie stärkt. Ich würde mich dafür einsetzen, dass Musik im Schulunterricht denselben Stellenwert einnimmt wie Deutsch oder Mathematik. Musik muss Kernfach werden. Es geht da um den ganzen Menschen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
HJS: Da fällt mir so schnell kein Titel ein.

KK: Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?
HJS: Ich fürchte, dass wir diesen Planeten eines Tages zugrunde gerichtet haben und in düsterem Chaos enden. Die Menschheit hat einen Beethoven und einen Charlie Parker hervorgebracht, deshalb hätte sie eigentlich verdient zu überleben. Wegen vieler anderer Dinge hätte sie verdient zu scheitern. Letzteres ist wahrscheinlicher. Ich bin da aber sozusagen Zweckpessimist. Immer das Schlimmste erwarten, dann wird man vielleicht positiv überrascht. Menschheit, bitte überrasche mich!

Zum weiterlesen: http://www.hjs-jazz.de/
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Montag 08.04.2019
Leo Betzl - Philosophieren, Träumen, Selbstreflexion
Leo Betzl ist einer der momentan interessantesten Pianisten und Kopf des LBT (Leo Betzl Trio). Gerade hat erst sich die Formation, die eine verwegene Mischung aus Minimal, Techno und akustischem Jazz umsetzt, den Nachwuchs-Preis bei der 50. Jazzwoche Burghausen erspielt. Im letzten Jahr erhielt das Trio den BMW Welt Jazz Award in München. Damit stehen Leo Betzl, Maximilian Hirning und Sebastian Wolfgruber faktisch die Tore zur großen Welt der Jazzfestivals und zu Studioproduktionen offen. Ihr Album „Way Up In The Blue“, dass 2018 erschienen ist, werden wir an dieser Stelle noch würdigen. Wer die junge ungestüme, mitreißende Band sehen & hören möchte – am 4. Mai gastiert LBT im Gautinger Bosco.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Leo Betzl: Grundsätzlich wohl nur zwei Dinge: Erstens: Meine Geburt und zweitens die äußeren Umstände in meinem Leben bis zum jetzigen Moment.
Zu Punkt zwei aber noch ergänzend: Vor allem sicherlich meine behütete Kindheit, aber eben auch Lebenseindrücke wie z.B. das Hören von bestimmten Aufnahmen, Konzertsituationen, das Studium bei verschiedenen Dozenten, Erfolge und Misserfolge, Freundschaften, Philosophieren, Träumen, Selbstreflexion und Neugier.
Am Ende bestimmt aber auch der starke Wille Jazz-Musiker werden zu wollen.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
LB: Jeden!

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
LB: Zum Glück habe ich bisher fast nur gute Erfahrungen mit meiner Arbeit als Pianist machen dürfen. Hin und wieder gibts natürlich auch Luxusprobleme wie Zugverspätungen oder Staus auf dem Weg zum Konzert etc...

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
LB: Wie weit man mit dem eigenen Projekt (LBT)  innerhalb kurzer Zeit kommen kann: Diverse Preise (BMW Welt Jazz Award 2018, Jazzpreis Burghausen 2019), schöne und erfolgreiche Konzerttouren...

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
LB: Da gibts viele verschiedene: Dazu gehören auf jeden Fall von einem gelungenen Konzert mit positivem Publikumsfeedback oder einer neuen CD-Produktion mit eigenen Stücken, über denen man wochenlang gebrütet hat, bis hin zu Jam-Sessions auf denen man auf neue Musiker und Kollegen mit den gleichen musikalischen Interessen stößt.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
LB: Ich höre sehr viel unterschiedliche Musik: Von Klassik über Jazz bis hin zu (gutem) Pop und Classic-Rock. Natürlich höre ich davon Jazz am liebsten, allerdings ist mir die Stilistik egal in dem Moment in dem ich höre, dass es ehrliche und handgemachte Musik von guten Musikern ist.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
LB: Eher CD. Und das auch nur im Auto, denn das ist der einzige Ort, wo ich noch über einen CD-Player verfüge. Die meiste Musik ist bei mir auf dem Handy gespeichert, oder ich streame sie im Internet.

KK: Was lesen Sie momentan?
LB: "Homo Deus" von Yuval Noah und „Physik und Philosophie“ von Werner Heisenberg.


KK: Was ärgert Sie maßlos?
LB: Egoismus, Krieg, Armut, Kleingeistigkeit und  Faschismus. Nicht zwingend in dieser Reihenfolge.
Ich kann mich aber auch über kleinere Übel wie „Mittelspurschleicher“ auf der Autobahn echauffieren...

KK: Was freut Sie ungemein?
LB: Gute Nachrichten im Allgemeinen und wenn ich mit meinen Jungs auf Tour unterwegs bin. Genau so freue ich mich aber auch über die freien Tage, die ich dann ganz in Ruhe und Privat mit meiner Freundin oder/und meiner Familie verbringen kann.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
LB: Nein. Außer dazu gilt es, einen Schal zu einer Krawatte zu binden um den kurz vor dem Konzert entstandenen Fleck auf dem weißen Hemd notgedrungen irgendwie zu kaschieren.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
LB: Keir Dullea als Dr. David Bowman in Stanley Kubricks „2001 A Space Odyssey“

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
LB: Eine Teleportationsmaschine. Dann würde man sich viel Reisezeit sparen.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
LB: Obwohl man als Pianist auch sehr viel alleine unterwegs sein kann, sehe ich mich mehr als Teamplayer. In der Musik gehts meiner Meinung nach sowieso ums Miteinander und nicht um das Gegeneinander.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
LB: Unterschiedlich. Das Wort „Einfall" impliziert ja bereits eine gewisse Unvorhersehbarkeit und Spontaneität. Kann also in den unterschiedlichsten Situationen passieren. Die meisten musikalischen Einfälle habe ich allerdings in dem Moment wenn ich nach längerer Auszeit das erste mal wieder am Klavier sitze.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
LB: Wenn ich im Netz unterwegs bin, bin ich meistens auf Youtube und sehe bzw. höre (z.B. zum Einschlafen oder einfach so) Vorträge über verschiedene Dinge wie Philosophie, Astrophysik (Prof. Lesch, etc…), Politik, Technik oder auch Sportwagen (eine große Leidenschaft) an. Natürlich schaue ich mir auch Konzerte oder Clips von Idolen oder Kollegen an.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
LB: Ich würde mich für eine viel höhere finanzielle Förderung für das Bildungssystem stark machen. Am besten direkt aus dem Rüstungsetat…

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
LB: Einmal Musiker - immer Musiker

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
LB: Da gibts wohl verschiedene sowohl positive als leider auch negative Varianten. Auf 1984 von Orwell hab ich jedenfalls keine Lust! Wie es wird, kann nur die Zeit selbst zeigen…
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Samstag 23.03.2019
Nicola Förg – Die eigene Verwundbarkeit
Nicola Förgs mittlerweile 20. Kriminalroman ist dieser Tage erschienen. Doch auch in „Wütende Wölfe“ geht es nicht allein um ein Verbrechen und dessen Aufklärung. Die Autorin thematisiert zugleich Umweltthemen – im vorliegenden Fall unseren Umgang mit Wölfen. „Ich selbst halte es für unethisch, wenn man den Sinn einzelner Tierarten bezweifelt. Wir Menschen können nicht darüber entscheiden, ob wir dieses Tier wollen oder nicht“, sagte sie in einem Interview. So ermitteln die beiden Kommissarinnen Irmi Mangold und Kathi Reindl in landschaftlich reizvoller Umgebung und begegnen bei ihrer Arbeit in der alpinen Kulturlandschaft manch anderen Umweltsünden.
Nicola Förg stammt selbst aus dem Oberallgäu, hat in München Germanistik und Geografie studiert  und lebt heute mit ihrer Familie und vielen Tieren auf einem Hof in Prem am Lech.
Am Donnerstag, 4. April liest Nicola Förg in der Tiefstollenhalle in Peißenberg aus ihrem neuen Buch. Beginn: 19.00 Uhr. 


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Nicola Förg: Ein gewisser Eigensinn, also eigener Sinn! Durchhaltevermögen, Pragmatik und die Tatsache, dass ich mich gar nicht wichtig für den Weltenlauf erachte.
 
KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
NF: Bayerische Krimis neigen ja dazu, reiner Slapstick zu sein. Ich stelle immer wieder Tier- und Naturschutzthemen ins Zentrum - Leser, die ein klein wenig mitdenken wollen, freut das. Und wenn der eine oder die andere darin eine Anregung zum Nachdenken oder gar zum Handeln sieht, dann freut das wiederum mich!

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
NF: Als ich noch in größerem Maße freie Reisejournalistin war, musste ich unentwegt mich selber vermarkten. Schrieb Themenlisten, machte Vorschläge - und die auf der anderen Seite haben gar nicht reagiert oder einen abgekanzelt. Ganz schlechter Stil, denn letztlich brauchen sie alle freie Mitarbeiter. Alle Menschen mit Kulturberufen können selber noch so gut, professionell, kreativ sein und alles richtig gemacht haben – wenn dann Verlage, Produzenten etc. ihren Job nicht gut machen, verpufft jede Energie.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
NF: Ich hatte im Sommer 2018 einen schweren Unfall, hab meinen Knöchel zerstört. Ich erwachte nach einer nächtlichen OP und hatte Stangen im Bein. Armierstahl stakte aus meinem Knöchel und aus dem Schienbein - Gruselkabinett, Dr. Frankenstein. Fixateur Externe heißt das im Fachjargon. Alles mal ganz schnell auf Null gestellt. Den Hahn sprudelnder Pläne zugedreht und dann lernt man viel über sich, die eigene Verwundbarkeit - und die Menschen. Und verbeugt sich vor Ärzten, Krankenschwestern, Physiotherapeuten. DANKE!

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
NF: Ich lerne bei der Recherche zu Artikeln und Büchern ungeheuer kluge, achtsame, liebenswerte, hochengagagierte Menschen kennen – inmitten einer Welt, die immer digital-irrer wird, rettet das den Glauben an einen Rest von Menschenverstand.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
NF: Natürlich! Ich bin mit Al Stewart, Pink Floyd, Alan Parsons, Manfred Mann, Marillion und vor allem Pavlov´s Dog durch die Teeniezeit gekommen. Nur mit ihnen konnte man lieben, leiden, verzweifeln, neu auferstehen. Ich find aber auch heute eine sphärisches Mädchen wie Birdie und eine schräge russische Band wie Otava Yo beeindruckend.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
NF: Beides.

KK: Was lesen Sie momentan?
NF: „Die Wiese“ – ein Buch vom großartigen Naturfilmer Jan Haft.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
NF: Das Vertrauen auf Alexa, dass Menschen auf eigenes Denken verzichten! Dass sie sich in sog. sozialen Netzwerken exponieren, zum Affen machen und sich dann auch noch beklagen!

KK: Was freut Sie ungemein?
NF: Jeden Morgen unsere Katzen und die Tatsache, dass es auch Alexa freie Haushalte gibt!

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
NF: Klar! Als Jugendliche ständig, damit ich abends was zu Anziehen hatte. Wenn´s pressiert hat, hab ich auch mal den Saum nur umgeklebt. Und Möbel bemal und bekleb ich ständig sehr passioniert - aber stümperhaft!
 
KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
NF: John Malkovich in der Paul Bowles Verfilmung „Himmel über der Wüste“, wobei ich seine politische Einstellung grenzwertig finde. Insofern kann ich Susan Sarandon nur für ihr Courage und Alterslosigkeit bewundern.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
NF: Kalorienfreie Schokolade, die wahnsinnig gut schmeckt.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer oder Teamplayer?
NF: Schreiben ist natürlich ein Stück weit einsam, andererseits hat man jede Menge Menschen im Verlag, mit denen man kooperiert: Lektorat, Presse, Marketing, Vertrieb, wo eine gute Kommunikation wichtig. Ich habe für sehr vieles Verständnis, nur nicht dafür, wenn jemand seine Job nicht kann und/oder nicht mit Herzblut betreibt.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
NF: Einfälle entstehen aus Beobachten und Gesprächen, so pauschal kann ich das nicht sagen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
NF: Jede Menge, die ich zur beruflichen Recherche brauche. Ich „folge“ aber niemanden privat!

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
NF:
Wäre ich nie, wenn dann wäre ich für eine Woche Landwirtschaftsministerin und da reicht diese Seite nicht, um all das zu sagen, was ich täte! 

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
NF: „Nett ist NICHT die kleine Schwester von Scheiße.“

KK: Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?
NF: Der alte Omaspruch „Hautsach´ gesund!“ wird bedeutender, wenn man mal lange Zeit eben nicht gesund ist. Insofern wünsch ich mir Gesundheit und dass das Hirn noch lange mitmacht und dass wenige, wirklich wichtige Menschen auch noch eine Weile durchhalten.
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Dienstag 05.03.2019
Stefanie Boltz - Freundschaft mit dem Unschlüssigen
Stefanie Boltz singt nicht nur Jazz. Eine ihrer Besonderheiten ist die unglaubliche Vielfalt und Wandlungsfähigkeit ihrer Stimme. Sie gäbe auch locker die stimmgewaltige Frontfrau einer Rockband, oder die laszive Blues-Ikone. Die Münchnerin hat früher in A-capella Formationen gesungen, ist heute die eine Hälfte des Duos Le Bang Bang, dem nachgesagt wird, dass es die Klassiker des Pop auf das Substanzielle reduziere. Stefanie Boltz leitet zudem eine eigene Agentur (Fine Artist) organisiert Konzerte und Festivals und bringt in schöner Regelmäßigkeit Alben unter ihrem Namen auf den Markt. Zuletzt erschien THE DOOR, eine Sammlung von dreizehn Eigenkompositionen, die ebenso vielfältig sind, wie die Erfahrungen, die Stefanie Boltz in ihrem Leben gesammelt hat. Am 24. März ist die Sängerin mit ihrer Begleitband zu Gast im Landsberger Stadttheater. Beginn des Konzertes: 19.00 Uhr!


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Stefanie Boltz: Eine Mixtur aus einem Elternhaus, das mich sehr gefördert hat, in dem die Musik und Natur die zentrale Rolle spielten; Und neben einem Cocktail aus Talenten, die gelebt werden wollen, natürlich das ‚höhere Drehbuch’, dem ich versuche mich zu beugen, auch wenn’s mir grade mal nicht passt.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
StB: Ich halte es für ein Privileg, dass Menschen für mein Konzert einen Ort aufsuchen, einen Babysitter bezahlen, sich gegen das heimische Sofa entscheiden und sich auf meine Musik einlassen. Wenn ich dann ein wenig für Innehalten sorgen kann, kurzen Perspektivwechsel ermögliche, das Publikum in ein Parallel-Universum entführe, ist es schon viel.
Generell ist es mir ein Anliegen, den für die Menschen so wichtigen Kultur-Apparate ein bisschen mitzugestalten: Für offene, kluge begeisternde Formate einsetzen, tolle Musik auf tolle Bühnen vor tolles Publikum bringen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
StB: Ich begegne in der vielgestaltigen Kulturlandschaft häufig einer gewissen Jammer-Mentalität, Passivität, eingefahrenen Strukturen, oder gar machistischem Gehabe.
Als Künstlerin ist natürlich die größte Widrigkeit die strenge Selbst-Zensur. Und: die unüberwindbare Grenze von 24h am Tag…

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
StB: Ich lasse mich von vielem begeistern und ich habe eine gewisse Gabe, mich über etwas zu freuen. Einen wirklich starken Eindruck hinterlässt bei mir jedoch ein intensiver Moment im Musizieren, die Natur und mein Sohn.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
StB: Ich arbeite intensiv auf verschiedenen Seiten unseres Konzert-Betriebs. Als Sängerin auf der Bühne, als Agentin, und auch als Kuratorin einer Reihe und eines Festivals. In allen Fällen ist ein sehr besonderer und belohnender Moment, wenn die Vorarbeit, die Proben, die Planung und Organisation sich zuspitzen zur echten Bühnensituation: Und der erste Ton endlich erklingt!

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
StB: Ich habe einen sehr vielseitigen Geschmack: Klassik über neue Volksmusik, bis Elektronik, Pop oder natürlich Jazz. Ich entdecke gern, und stelle dabei immer wieder fest, wieviel ich noch nicht kenne.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
StB: Ich höre beides. Vinyl sind die ‚Genuss-Hör-Sessions’. Und dazu nehme ich mir nicht ganz so oft die Zeit, wie zu CDs, oder wie ich es wünschte.

KK: Was lesen Sie momentan?
StB: Ich stecke in einem Liebesroman, der sich zwischen einer Künstlerin und einem Schriftsteller in einem Alpen-nahen Luxushotel abspielt. Nicht ganz Kitsch-frei, aber entspannend und auch amüsant, da ich das Hotel kenne, in dem es geschrieben wurde und dem der Tatort nachempfunden ist.
Zusätzlich gibt es immer ein englischsprachiges Buch auf meinem Nachttisch. Derzeit ist es  „About a boy“.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
StB: Ich versuche, mich in der Regel gegen Ärger zu entscheiden. Eine dumme Angewohnheit, vor allem wenn es Themen (& Personen) betrifft, die man nicht ändern kann. Gelingt mir natürlich nicht immer.

KK: Was freut Sie ungemein?
StB: Gute Umgangsformen, Freundlichkeit, Offenheit, Unkonventionalität. Wertschätzung.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
StB: Da meine Mutter Schneidermeisterin ist, habe ich schon als Kind bestaunt, was Handwerk, und Kunstfertigkeit bedeuten. Leider habe ich das Nähen selber nur rudimentär gelernt, und so überlasse ich wichtige Änderungen noch heute ihr. Was wir beiderseits als schönes ‚Ritual’ empfinden.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
StB: Ich beschäftige mich tatsächlich viel mit dem Thema Arbeitsstrukturen und es ist ein ständiges tarieren. Ich bin beides. An der Spitze und im Einzelkampf bin ich gut besetzt, aber ohne Team, und vor allem ohne Netzwerk, das mich trägt und in das ich investiere, würde ich untergehen.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
StB: Oft in unerwarteten Momenten. Hilfreich ist aber jeglicher Flow: Gehen, Radfahren, Autofahren. Da wurde schon häufig eine neue Idee ins Handy diktiert, gesungen oder geschrieben.
Und Ruhe. Aus der Stille entsteht (fast) immer Neues!

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
StB: Ich versuche, das Internet nur sehr ausgewählt zu benutzen, da ich eh schon so viel am Computer sitze. Klar, gibt es ein paar Recherche-Quellen, und hilfreiche Seiten. Eigentlich überfordert mich aber das grenzenlose Angebot: „Too many options!!“

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
StB: Natürlich den Haushalt für Musik, insbesondere Jazz um ein paar Nullen erhöhen. Das würde sehr viel Kampf, Zweifel und auch Existenz-Probleme mancher Kollegen lösen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
StB: Derzeit vermutlich wie der Titel meines aktuellen Albums: „The Door“.
Die Geschichten, die ich hier, und auch in Landsberg beim Konzert im Theater, erzählen werde, passen zu meinem aktuellen Lebensgefühl. Untertitel könnte sein: Freundschaft mit dem Unschlüssigen.
Autor: Siehe Artikel
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Montag 18.02.2019
Nik Bärtsch – Foward To The Roots
Nik Bärtsch hat mittlerweile über 700 Konzerte gegeben – allein im Zürcher Club Exile, in der Hardstraße, schräg gegenüber der bekanntesten Jazzbühne der Schweiz, dem Moods. Der Pianist und Meister des Zen Funk ist Mitinhaber des Exile und seinen wöchentlichen Auftritt kann man auch als eine Art öffentliche Probe bezeichnen. Was dort oft erstmals musikalisch in den Äther und die Ohren des Publikums entlassen wird, kann später, so oder so ähnlich, auch in Montreux, New York, Vilnius, London, Abu Dhabi oder in Landsberg gehört werden.
Nik Bärtsch, der sich nach seinem Musikstudium intensiv mit fernöstlicher Philosophie beschäftigte, hat im Laufe der Jahre seine „Ritual Groove Music“ (so der Titel auch seiner ersten CD) entwickelt, die er in verschiedenen Bands und unterschiedlichen Intensitäten zum Ausdruck bringt. Zuletzt hat er mit dem Quartet RONIN das Album „Awase“ (ECM) veröffentlicht. Im Vinyl-Magazin MINT war zu lesen „Ein mitreißendes Groove-Jazz-Album in fantastischer Klangqualität“ und Peter Rüedie schrieb in der WELTWOCHE: „Zum rituellen Sog von Bärtschs Quartett ..... gehört ein besonderes Zeitverständnis. […] zur Community von Bärtschs Ritualen gehört das Publikum ebenso wie die Musiker. Die sind über die Jahre zu einer beispiellosen Dichte zusammengewachsen, die ihre kunstvoll polymetrische Kunst wie ein Naturereignis erleben lassen.“
Am 15. März spielt Nik Bärtsch mit seinem Quartet RONIN im Landsberger Stadttheater.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Nik Bärtsch: Dass meine Mutter meine Talente und Interessen ernst genommen hat und dass ich gerne lerne, auch aus Niederlagen.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
NB: Ich möchte die Musik ehren und die Menschen, die sich ihr verbunden fühlen, beleben und begeistern.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
NB: Meine Arbeit ist ein einziges Plädoyer gegen Bequemlichkeit, Faulheit und Passivität, auch in mir selbst.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
NB: Positiv: die Lernfähigkeit meiner Töchter. Negativ: die rassistische Ausfälligkeit eines Zugchauffeurs gegen einen Fahrgast in Zürich. Grundsätzlich: der Tod meiner Mentorin, der Modeschöpferin Christa De Carouge.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
NB: Wenn alles resoniert: Musik, Band, Publikum und Saal.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
NB: Ich hören wie immer schon alles mögliche. Genres und Stile sind dabei weniger wichtig als die inhärente Dramaturgie und Strategie der jeweiligen Stücke. Ich höre oft auch bewusst nichts, also einfach den Raum, in dem ich bin.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
NB: Alle verschiedenen Medien.

KK: Was lesen Sie momentan?
NB: „Die Kunst des lässigen Anstands - 27 altmodische Tugenden für heute“ von Alexander Graf von Schönburg-Glauchau;
„Stunde Null - Die Neuerfindung der Schweiz 1848“ von Rolf Holenstein;
„Untenrum frei“ von Margarete Stokowski

KK: Was ärgert Sie maßlos?
NB: Anspruchshaltung.

KK: Was freut Sie ungemein?
NB: Natürliche Höflichkeit mit einem Schuss Ironie

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
NB: Ja, meine Musik-Stücke lassen sich anziehen oder auch bewohnen, wenn man Lust dazu hat.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
NB: Willem Dafoe in jedem Film. Die Synchronisations-Stimme von Claudia Urbschat-Mingues in diversen Filmen. Bruno Ganz und Helge Schneider als Hitler.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
NB: Evolutionstechnisch bzw. wenn schon intelligent Design: Ein drittes Ohr am Hinterkopf.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
NB: Beides.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
NB: Situationsunabhängig.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
NB: Ich lese lieber Bücher und Zeitungen.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
NB: In so einer wichtigen Position würde ich mich davor hüten, in einem Tag meine Macht zu missbrauchen. Grundsätzlich ändern würde ich sorgfältig und nachhaltig die Anerkennung und gesellschaftliche Unterstützung des Jazz als Weiterentwicklung und damit Rettung der Improvisation in der Musik. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts beherrschte jede/r vernünftige MusikerIn das Stehgreifspiel.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
NB: Music Dojo.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
NB: Forward to the roots.
Autor: Siehe Artikel
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