Blickpunkt:
Portraits
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Im Blickpunkt - Portraits werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
Inhaltsverzeichnis
Konstantin Moreth – Eine Ode an die Poesie

1

Jasmin Bayer – Jazz, Jazz, Jazz …...

2

Franziska Wanninger - Je nach Verkehrslage

3

Fritz Scheuermann - Wie ein Gärtner seine Saat ausbringen

4

Heiner Brummel - Den interkulturellen Dialog fördern

5

Edwin Kimmler - Es gibt da draußen sehr viel Interessantes zu entdeck...

6

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Samstag 16.07.2016
Konstantin Moreth – Eine Ode an die Poesie
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Fotos: Saskia Pavek
Konstantin Moreth hat vor zwei Jahren sein eigenes „professionelles freies Theaterensemble“ gegründet, die Moreth Company. Der am Schauspiel München ausgebildete Theatermacher spielte unter anderem am Residenztheater München,  am Schauspielhaus Zürich, am Prinzregententheater München und am Metropoltheater München. Hinzu kommen etliche Rollen fürs Fernsehen und in der Vergangenheit schon einzelne Inszenierungen. Der heute am Ammersee lebende Moreth hat mit seiner Company im Landsberger Stadttheater eine Heimat gefunden. Hier probt er mit seinem Ensemble, hier kommen Neuinszenierungen erstmals auf die Bühne – wie jetzt „Cyrano“. Am 27. Juli hat dieses Stück im Amphytrion des Stadttheater Landsberg Premiere und läuft dann an gleicher Stelle insgesamt sieben Mal. (Termine unter: www.morethcompany.de)


KultKomplott: Herr Moreth, in diesem Jahr bringen Sie mit ihrer Company „Cyrano“ auf die Bühne, oder sagen wir besser in den Garten des Landsberger Stadttheaters, diese 1897 in Paris uraufgeführte Mantel- und Degen-Komödie. Im letzten Jahr waren es „Gefährliche Liebschaften“. Was reizt Sie an diesen doch etwas älteren Stoffen?
Konstantin Moreth: Das Zeitlose, das Moderne an diesen literarisch großartigen Vorlagen. Die grundlegenden Menschheitsthemen sind doch immer die gleichen.
In „Cyrano“ beispielsweise das Thema „Schönheit“: Was zählt als attraktiv, was als hässlich. Liebt man jemanden wegen seiner inneren Werte, oder doch eher wegen seiner äußeren Wohlgestalt? Bin ich hässlich, weil ich mich so fühle? Oder macht ein brillanter Geist jemanden attraktiv? Akzeptiere ich mich so, wie ich bin? - das sind alles Fragen, die den modernen Menschen genauso umtreiben.
Wenn es gelingt, sich in einem Jahrhunderte alten Stoff wiederzufinden, scheint mir das noch reizvoller als in einem heutigen. Was nicht heißt, dass ich keine aktuellen Stücke inszeniere, ich mache das sogar relativ häufig.

KK: Vor zwei Jahren haben Sie ihre eigene Theater-Company gegründet. Was war Ihre Intention hierfür?
KM: Die künstlerische Unabhängigkeit. Den Gedanken, mit einem Stamm von Leuten, die sich teils über Jahre zusammengefunden haben, die Stücke zu realisieren, die wir uns aussuchen, hatte ich schon eine ganze Weile. Nun haben wir es einfach mal gewagt und sehen, wie weit wir damit kommen.

KK: „Cyrano“ ist die zweite Inszenierung der in Landsberg ansässigen Company. Wie schätzen Sie die bisherige Arbeit und Entwicklung diese mutigen Unternehmens ein?
KM: Erfreulicherweise wurden die „Gefährlichen Liebschaften“ vom Landsberger Publikum sehr gut aufgenommen. Wir haben ja vier Vorstellungen gespielt, die sehr gut besucht bis ausverkauft waren. Auch die persönliche Resonanz des Publikums war mehr als erfreulich. Das macht natürlich Mut, weiter zu arbeiten.
Für die Beteiligten war es bisher eine schöne, sicherlich manchmal anstrengende Erfahrung, da wir ja vieles selbst stemmen müssen, für das es an einem  festen Haus Mitarbeiter gibt. Da sind alle gefragt auch mal zu bügeln, Requisiten zu besorgen oder Kaffee zu kochen.
Wenn ich mir die künstlerische Arbeit betrachte, so ist es genau, wie ich es mir vorgestellt habe: In entspannter Atmosphäre entwickeln wir unsere Stücke, die Schauspieler können sich mit all ihrer Kreativität einbringen, und ich setze den inszenatorischen und konzeptionellen Rahmen.

KK: Welche Unterstützung haben Sie für diese Arbeit bisher erfahren und wo sehen Sie gibt es noch Handlungsbedarf?
KM: Wir haben schon sehr viel Unterstützung von verschiedenen Seiten  bekommen: Allen voran Florian Werner, der Leiter des Stadttheaters und sein Team, Sabine März-Lerch, die Vorsitzende des Freundeskreises des Theaters TILL, und der Freundeskreis selbst. Letztes Jahr wurden wir zudem von dem Verein „Kultur und Leben e.V. und der Hans-Heinrich-Martin-Stiftung finanziell großzügig gefördert. Eine regelmäßige Förderung aus öffentlichen Mitteln streben wir natürlich an, wie auch den Verkauf von Vorstellungen im deutschsprachigen Raum. Da sind wir noch sehr am Anfang.

KK: Am 27. Juli ist Premiere für „Cyrano“. Was kann das Publikum erwarten?
KM: Einen prallen Theaterabend voller Komik, Drama und Herz, eine rührende, tiefkomische und auch traurige Liebesgeschichte und last but not least eine Ode an die Poesie.

KK: Gibt es schon Pläne für die Zukunft?
KM: Es gibt natürlich jede Menge Ideen, seit langem habe ich ein großes Shakespeare-Projekt vor, das einen Großteil der Company-Spieler involvieren könnte, aber was die nächste Produktion sein wird, ist noch offen.
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Donnerstag 07.07.2016
Jasmin Bayer – Jazz, Jazz, Jazz …...
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Jasmin Bayer hat dieser Tage ihr erstes Album als Jazzsängerin veröffentlicht. Und das gleich beim renommierten Label Enja Records aus München. Noch vor Ihrer Karriere als Model, Schauspielerin und Mutter von drei Kindern infizierte sie sich am Virus des Swing. Und diese anschließend ausgebrochene (chronische) Obsession hält bis heute an. Mit ihrer nuancenreichen Stimme und der rhythmisch entspannten Phrasierung steht sie in der Tradition großer Vocalistinnen – ohne diese zu imitieren! Mit lasziver Transparenz und aufreizender Schlichtheit durchmisst sie stimmlich die eigenen Kompositionen und Standards des Great American Songbooks. Sie verzaubert mit ihren ruhigen Balladen und regt an, mit den treibenden Up tempo Nummern
Jede Jazzsängerin braucht, um ihre Hochform zu unterstreichen, einen überragenden Pianisten. Den hat Jasmin Bayer in Davide Roberts. Er begleitet mit der Souveränität eines Solisten. Jedoch zurückhaltend, mit selbstbewußtem Anschlag. Und dann ist da noch, neben dem Rhythmusgespann Chris Lachotta (Bass) und Christos Asonitis (Schlagzeug) endlich wieder Peter Tuscher zu hören. Er gehört zu den begnadetsten Trompetern nicht nur im deutschsprachigen Raum und gibt mit seinen Beiträgen Jasmin Bayers Debüt ein ganz spezielles Funkeln, das zwischen Melancholie und Leidenschaft strahlt und der Musik eine zusätzliche Tiefe vermittelt.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Jasmin Bayer: Bei uns zuhause hieß es meist: Das geht jetzt nicht. Genau davon hatte ich genug!

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
JB: Menschen inspirieren, vom Leben inspiriert zu sein.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
JB: Es wird schwerer, Arbeit und Privatleben unter einen Hut zu bringen.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
JB: Dass unsere  CD "Summer Melodies" so gut ankommt, international Beachtung findet. Auch asiatische Länder lieben unseren Straight Ahead Jazz! Unsere eigenen Songs für das Publikum zu spielen und sie wollen mehr davon, ist, was ich mir immer gewünscht habe!

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
JB: ...wenn Publikum und Band eins werden!

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
JB: Höre sehr gerne sexy black Soul. Und Jazz, Jazz, Jazz...

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
JB: CD.

KK: Was lesen Sie momentan?
JB: Goethes Gedichte, das ist momentan das Richtige. Den Gedichtband kann ich beiseite legen und wieder aufnehmen, ohne dass ich den Faden verliere wie bei einem Roman. Goethe in allen seinen Schaffensphasen finde ich hochinteressant und aktuell und inspirierend.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
JB: Wenn Menschen psychische Blockaden als gegeben und als unabwendbare Tatsachen akzeptieren, ohne zu hinterfragen, woher sie kommen und wie man sie auflösen kann.

KK: Was freut Sie ungemein?
JB: Dass Liebe durch das Miteinanderteilen MEHR wird.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
JB: Kleider und Oberteile habe ich selbst entworfen und genäht. Glasregal und Schränke designt und anfertigen lassen.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie inwelchem Film beeindruckt?
JB: Nicolas Cage in "Leaving Las Vegas", denn er wird zum Charakter, den er darstellt in aller Konsequenz.

KK: Trinken Sie lieber Tee oder Kaffee?
JB: Kaffee.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
JB: Dass man sich und Dinge „beamen“ kann.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
JB: Bin ein Teamplayer, nur im Team macht es auch Spaß, Erfolge zu teilen. Wir sind alle voneinander abhängig und verwandt als menschliche Wesen.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
JB: In alltäglichen Situationen werde ich manchmal geradezu überfallen von Melodien und Themen und Ideen für Songtexte. Dann muss ich ganz schnell ein ruhiges Plätzchen finden um das gleich auf mein Handy aufzunehmen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
JB: Komme gerade gar nicht dazu...

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
JB: Zu verkünden, dass Kultur nichts anderes ist, als das angehäufte Menschsein!

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
JB: „Was ich tat und sich ergab“.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
JB: Persönlich: Mit meiner Band zu touren, mit meinem Pianisten Davide Roberts Jazzsongs zu schreiben, Platten aufzunehmen, neue Menschen, neue Musiker, neue Umgebungen zu erkunden und mich ganz dem Publikum und dem Jazz hinzugeben. Universell: Wir Menschen werden lernen müssen, einander zu unterstützen und zu fördern. Dann hätten wir, was wir anstreben: Kraft und Liebe.
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Donnerstag 09.06.2016
Franziska Wanninger - Je nach Verkehrslage
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Franziska Wanninger hat im letzten Jahr das „Kleine Scharfrichterbeil“ in Passau erhalten - nachdem sie zuvor schon andere bedeutende Kabarettauszeichnungen erhalten hat. Die aus Oberbayern stammende Wortakrobatin hat in der Vergangenheit nicht nur erfolgreich ihr Studium für das Lehramt an Gymnasien in Deutsch und Englisch absolviert. Nebenher hat sie auch noch ein Schauspielstudium absolviert, in Los Angeles und Washington D.C. gelebt, arbeitete mehrere Jahre bei Radio Charivari Regensburg und als Sprecherin für Radiowerbung. „AHOIbe - Guad is guad gnua“ ist ihr zweites Soloprogramm, mit dem sie seit über einem Jahr erfolgreich durch Deutschland und Österreich tourt. Am 23. Juni ist Franziska Wanninger zu Gast in der Germeringer Stadthalle.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Franziska Wanninger: Mut, eine große Portion Naivität und viel Glück.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
FW: Andere Menschen zu unterhalten, anzuregen und zu berühren.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
FW: Gottseidank sehr selten: Mit grantigen Wirten, schlechten Technikern, eiskalten Garderoben.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
FW: Eine Reise in die Mongolei. Die Menschen dort sind ohne Misstrauen und derart herzlich und liebenswert, dass es einem die Schuhe auszieht.
       
KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
FW: Zum Einen die leisen Momente auf der Bühne, bei denen man spürt, dass man die Menschen berührt und dann die Rückmeldung nach dem Auftritt, wenn viele sich durch mein Programm so angesprochen fühlen, dass sie den Drang haben, noch mal mit mir zu reden. Das ist sehr schön und sehr echt.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
FW: Ich höre gerne Musik. Zuhause nur manchmal, im Auto aber sehr viel. Gefallen tut mir alles Mögliche, von jung & bayerisch, südamerikanisch, rockig, chansonesque, klassisch bis STS am Lagerfeuer. Wichtig ist, es muss zur Stimmung passen und auf meinen langen Autofahrten durch Bayern verfällt man da schon mal - je nach Verkehrslage - in unterschiedliche Stimmungen. ;-)

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
FW: CD.

KK: Was lesen Sie momentan?
FW: Gerade habe ich das Buch "Alle Toten fliegen hoch" von Joachim Meyerhoff in einem Zug durchgelesen. Die beiden anderen Bücher von ihm habe ich schon vorher verschlungen.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
FW: Es gibt ja leider täglich tausend Ungerechtigkeiten da draußen. Das beginnt aber auch schon im Kleinen. Rasend macht es mich zum Beispiel, wenn jemand eine Kassiererin oder eine Bedienung schlecht behandelt.

KK: Was freut Sie ungemein?
FW: Wenn mir jemand Blumen schenkt.
 
KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
FW: Ich habe schon einige alte Möbel wieder hergerichtet, aber gemacht noch nicht. In der Grundschule haben meine damals beste Freundin und ich die Outfits für unseren Flohmarktstand selbst "genäht", die Nähte waren derart professionell, dass ich nach einer Stunde fast in Unterhosen dastand.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
FW: Da gibt es so viele. Zuletzt wahrscheinlich Lars Eidinger in "Familienfest".

KK: Trinken Sie lieber Tee oder Kaffee?
FW: Kaffee.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
FW: Eine Kleidung-zusammenfalt-und-wieder-aufräum-Maschine. Im Prinzip alles, das den leidigen Haushalt schöner macht. ;-)

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
FW: Es kommt auf die Situation an. Als Solokabarettistin bin ich zwangsläufig Einzelkämpferin und muss mich auf mich konzentrieren, liebe es aber mal mit Kollegen im "Team" zu spielen oder Ideen zu entwickeln.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
FW: Wenn die Deadline immer näher rückt werde ich von Tag zu Tag kreativer.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
FW: Süddeutsche und Zeit Online und was man über Facebook so mitbekommt (Der Postillon etc.)

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
FW: Das würde dann ja auch die Bildung einschließen. Da gäbe es eine Menge!
    -Unbedingt mehr fähige Bildungsbegleiter und Theater- oder Musikprojekte in sozialen Brennpunkten.
    -Eine wirkliche Reform für das Gymnasium
    -Mehr Fördergelder für kleinere Bühnen und dass die Betreiber solcher Bühnen mehr gewürdigt werden in Form von Preisen etc. 
    -Günstige Kleinkredite für Kulturschaffende
  u.v.m.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
FW: Haha. Keine Ahnung, das überlege ich mir dann, wenn es soweit ist. ;-)

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
FW: Gut. Was anderes bleibt mir nicht übrig. ;-)
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Dienstag 24.05.2016
Fritz Scheuermann - Wie ein Gärtner seine Saat ausbringen
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Fritz Scheuermann ist Schauspieler, Kabarettist und Zimmermann. Vielleicht ist letzteres der Grund für seine Bodenständigkeit, egal ob er im Film oder auf der Bühne auftritt. Geboren 1968 in München hat er nach seiner Tischlerlehre am ARTEMiS Schauspielstudio das real zu bearbeitende Werkstück Holz gegen die doch eher abstrakteren Drehbücher und Regieanweisungen eingetauscht. Mit Erfolg - wie sich zeigte. „Da san mer alle, i waaß noch, am Ring, am Heldenplatz gestandn. Man hat gfühlt, man is unter sich, es war wie beim Heurigen, wie aan riesiger Heuriger - aber feierlich, aan Taumel. Die Deitschn san einmarschiert, mit klingendem Spiel... die Polizei is gestandn, mit ihre Hakenkreuzbinden - furchtbar, furchtbar das Verbrechen, wie man diese gutgläubigen Menschen in die Irre geführt hat! Der Führer hat’s geführt, aber a Persönlichkeit war er!“, ist der Beginn des bitterbösen Monologs „Der Herr Karl“ von Helmut Qualtinger, den Fritz Scheuermann am 24. Juni um 20 Uhr im Veranstaltungscentrum Puchheim (PUC) vortragen wird.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Fritz Scheuermann: Glück. Zufall. Die Suche nach etwas Neuem. Ich bin ja ein Spätberufener, der auf der Suche dann eher zufällig mit der Schauspielerei in Berührung gekommen ist. Und da hat es mich dann gepackt und bis heute nicht mehr losgelassen.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
FSch: Dass das Publikum einen schönen, kurzweiligen und vielleicht auch etwas nachdenklichen Abend hat. Ohne dabei den Zeigefinger zu heben.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
Fsch: Vor Auftritten habe ich immer Lampenfieber. Ansonsten versuche ich, mich nicht zu sehr mit Widrigkeiten zu befassen. Das lenkt ab.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
FSch: Wie sehr und wie schnell sich die Welt verändert. Nix ist fix. Im Positiven wie im Negativen. Und manches dabei macht mir Angst.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
FSch: Wenn ich eine Zusage für eine Rolle bekomme, mir ein Veranstalter wie demnächst im PUC sein Ja-Wort gibt. Das freut mich.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
FSch: Musik, natürlich. Wer hört keine Musik? Die Musikrichtung ist bei mir stark von den Gefühlslagen abhängig. Also Querbeet. Sehr gerne allerdings Austropop, Seiler&Speer, Falco, Ambros oder 5/8erl in Ehr‘n.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
FSch: Ich bin ja analog aufgewachsen und besitze tatsächlich auch noch Schallplatten (aber keinen Schallplattenspieler). Deswegen CD bzw. Internet.

KK: Was lesen Sie momentan?
FSch: Beruflich: Drehbücher. Privat aktuell eine Biographie über Gert Fröbe.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
FSch: Wenn Menschen um den heißen Brei herumreden und nicht in der Lage sind Position zu beziehen.

KK: Was freut Sie ungemein?
FSch: Wenn ich spielen darf. Kaffeetrinken am Elisabethmarkt in München und dabei die Leute zu beobachten, die vorbeigehen, fahren oder wie auch immer...

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
FSch: Ja. Möbelstücke. Ich bin ursprünglich gelernter Zimmerer und Holz ist ein angenehmer Werkstoff.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
FSch: Al Pacino in „Der Duft der Frauen"

KK: Trinken Sie lieber Tee oder Kaffee?
FSch: Kaffee; Espresso

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
FSch: Eine Aufräummaschine. Für Geschirr, Haushalt und den täglichen Kleinkram...

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplaner?
FSch: Eindeutig Teamplayer. Auch wenn man letztendlich wie beim KARL dann alleine auf der Bühne steht, ohne ein gutes Team und Kollegen wird es schwierig.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
FSch: Manchmal beim Fahrradfahren. Beim beobachten von Menschen…(siehe Kaffeehaus. Und das freut mich dann)

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
FSch: Blogs eigentlich gar nicht. Websites je nach Interessenlage, oft die der FAZ, SZ, Der Standard.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
FSch: Kann man an einem Tag etwas bewirken?  Ich glaube nicht. Aber vielleicht kann man wie ein Gärtner seine Saat ausbringen und schauen ob diese in einiger Zeit aufgeht… Wer weiß.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
FSch: Der Mann, der rückwärts Fahrrad fuhr.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
FSch: Ich versuche im hier und jetzt zu leben. Was kommt, kommt… Und dann schauen wir mal.
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Dienstag 26.04.2016
Heiner Brummel - Den interkulturellen Dialog fördern
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Anlässlich des 15-jährigen Bestehens des Veranstaltungsforums Fürstenfeld veranstaltet der Theaterverein Fürstenfeldbruck vom 28.6. bis zum 30.7.2016 das internationale Tanzfestival „DanceFirst“. Dieses Festival wird nicht nur tanzbegeisterte Zuschauer aus der Region anziehen, denn dank der Unterstützung des Veranstaltungsforums und vieler anderer Förderer kommt die Tanz-Elite der Welt nach Fürstenfeld. Vier exzellente internationale Tanzproduktionen stehen auf dem Programm, die alle zum ersten Mal in Bayern zu sehen sind. Zwei weitere Tanzabende sind dem bayerischen Choreographie-Nachwuchs und der regionalen Tanzszene gewidmet. Workshops und tanzpädagogische Projekte für deutsche und ausländische Jugendliche ergänzen das Programm.
Künstlerischer Leiter des Festivals „DanceFirst“ ist Heiner Brummel.

KultKomplott: Herr Brummel, seit 2010 sind Sie künstlerischer Leiter von „theater fürstenfeld“ in Fürstenfeldbruck. Sie haben seit Bestehen der Reihe die größten deutschen Theater, wie das Hamburger Thalia Theater, das Berliner Ensemble, das Schauspiel Frankfurt, das Maxim Gorki Theater Berlin, um nur einige wenige zu nennen, in die Region geholt. Was genau sind für Sie die persönlichen Beweggründe, gemeinsam mit dem Veranstaltungsforum Fürstenfeld und dem Theaterverein Fürstenfeldbruck das Tanzfestival „DanceFirst“ im Juni/Juli auf die Bühne zu bringen?
Heiner Brummel: Neben dem Theater hat mich der Tanz schon immer fasziniert. Im Tanz kann man seinen Körper spüren, seine Bewegungslust ausleben und intensive sinnliche Erlebnisse genießen. Sich über Bewegungen auszudrücken und dabei Gemeinschaft zu erleben, ist meines Erachtens ein elementares menschliches Bedürfnis.  Auch der professionelle Tanz entspringt diesem Bedürfnis und entwickelt zugleich Techniken, die den Gefühlen und Erlebnissen eine körperliche Gestalt geben. Der Tanz braucht keine Worte. Ob Freud oder Leid, Mut oder Angst, Wirklichkeit oder Traum, er verkörpert unser Innenleben. Je phantasievoller und virtuoser die Bewegungen und Choreographien sind, umso berührender und mitreißender wird der Tanz. Dank der Lebendigkeit und hohen künstlerischen Qualität sollen auch die Festival-Aufführungen zu einem außergewöhnlichen sinnlichen Erlebnis werden.
Die Körpersprache des Tanzes ist universell, sie verbindet unterschiedliche Individuen und Kulturen. Wenn sich z.B.  eine Gruppe im gleichen Rhythmus bewegt, motiviert dies auch andere Menschen, diesen Rhythmus aufzunehmen. So wird unsere Wahrnehmung  für zwischenmenschliche Gefühle sensibilisiert. In einer rational geprägten Welt, in der sich trotz Globalisierung immer tiefere Gräben zwischen Nationen, Kulturen oder Religionen auftun, können sinnliche Kommunikationsformen wie der Tanz dazu beitragen, dass sich Menschen begegnen. Deshalb wollen wir mit dem Festival auch den interkulturellen Dialog fördern.
Im Unterschied zu einzelnen Aufführungen verstärkt ein Festival die inspirierende, verbindende Wirkung des Tanzes, weil die Zuschauer innerhalb eines Monats ganz unterschiedliche künstlerische Stile und Kulturen erleben. Auch wenn wir  nicht die ganze Vielfalt heutiger Tanzformen zeigen können, spiegeln die verschiedenen Produktionen doch den Reichtum und die Kreativität der heutigen Tanzszene wieder. Das Areal des Veranstaltungsforums bietet zudem beste Voraussetzungen, damit die Aufführungen nachwirken. In einem kommunikativen Ambiente kann man mit Künstlern und anderen Zuschauern ins Gespräch  kommen, sich über das Gesehene austauschen und ein ausgelassenes  Tanzfest feiern.
Die durchweg positiven Zuschauer-Reaktionen auf die vergangenen Tanzgastspiele stimmen mich optimistisch, dass auch die Festival-Aufführungen das Publikum begeistern, zumal sich alle Vorstellungen durch große Lebendigkeit,  virtuose Tanzkunst und eine überwältigende Sinnlichkeit auszeichnen.

KK: Sie haben in Ihrer Theaterreihe ja schon mehrfach Tanzgruppen präsentiert. Welchen Stellenwert hat Ihrer Meinung nach das heutige Tanztheater ganz allgemein?
HB: Der heutige, zeitgenössische Tanz zeichnet sich durch Vielfalt und Grenzüberschreitungen aus. Er hat Elemente der bildenden Kunst, des Theaters und der Musik-Avantgarde integriert und diesen Kunstformen neue Impulse gegeben. Deshalb war und ist der Tanz in meinen Augen die stärkste Innovations-Quelle der darstellenden Kunst. Auch in den Kulturinstitutionen hat sich diese Entwicklung niedergeschlagen. Die Tanzsparte ist an vielen Theatern zum festen Bestandteil geworden. Choreographische und tänzerische Ausdrucksformen haben selbst im literarischen Theater Einzug gehalten. Vor allem in der Auseinandersetzung mit neuen Medien reagiert der Tanz  auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. Seine Darstellungsweisen sind zeitgemäß  und erreichen auch ein junges Publikum.
Mit der Globalisierung sind in den letzten Jahren verstärkt interkulturelle Tanzprojekte entstanden, in denen unterschiedliche Tanztraditionen und Stile aufeinandertreffen oder neue Medien und Populär-Kulturen einfließen. Dadurch wurde der Tanz noch internationaler und facettenreicher.  Als wichtiges Medium des kulturellen Dialogs bringt er Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen, die international besetzten Tanzkompanien sind beste Beispiele für eine gelebte Völkerverständigung. Dieser integrativen Bedeutung des Tanzes wollen wir bei der Programmauswahl unseres Festivals auch Rechnung tragen. Die Aufführungen sind hinsichtlich der Ästhetik und künstlerischen Mittel zwar sehr verschieden. Die Suche nach interkulturellen Ausdrucksformen und der Glaube an die sinnliche, emotionale Kraft des Tanzes zeichnet jedoch alle Produktionen aus.


KK: Wie sich in der Vergangenheit zeigte, konnten Sie mit den Auftritten der Gruppe Aterballetto aus Italien, der Gauthier Dance Company aus Stuttgart, oder der Compagnie 111 aus Frankreich selbst dem
tanzunerprobte Publikum Begeisterungsstürme entlocken. Was glauben Sie fasziniert die Menschen derart an körperlicher Bewegung?

HB: Wie schon zu Beginn ausgeführt, sind die begeisterten Zuschauer-Reaktionen vor allem auf die Faszination der sinnlichen Erlebnisse und die kommunikative Kraft des Tanzes zurückzuführen. In vielen Bereichen unseres modernen Lebens sind Rationalität und Kalkül die Garanten für Erfolg und gesellschaftliche Anerkennung. Die emotionalen Bedürfnisse bleiben dabei nur allzu oft auf der Strecke. Deshalb sehnen wir uns nach körperlicher Nähe und sinnlichen Erlebnissen, nach Begegnungen, in denen wir unsere Gefühle mit anderen teilen können,  in denen wir Orientierungen für die Bewältigung unseres Lebens finden. Kunst und Kultur im allgemeinen und Tanz im besonderen kann Erfahrungen ermöglichen, in denen solche Begegnungen Wirklichkeit werden. Wie beschrieben kann der Tanz Gefühle oder Erlebnisse verkörpern, in denen sich die Zuschauer wiederfinden. In einer Tanzaufführung kann ein Zuschauer sogar eine berührende sinnliche Erfahrung machen, die er mit anderen teilt, ohne unmittelbar mit dem übrigen Publikum oder den Künstlern in Beziehung zu treten.
Natürlich besitzt der Tanz auch eine große erotische Ausstrahlung. Wenn Körper miteinander kommunizieren, sich Blicke treffen, sich Arme sanft auf Hüften legen oder Tänzer ihre Partnerinnen schwerelos auf Händen tragen, ist das nicht nur ein schönes ästhetisches Erlebnis. In diesen Momenten macht Tanz auch an!
Ein weiteres Faszinosum des Tanzes ist die visuelle Kraft der Körperbilder. Der Tanz spricht durch Bewegungen und Gesten. Damit aktiviert er die unbewussten, sensitiven Seiten unserer Persönlichkeit. So können kraftvolle Hebungen und Sprünge den Traum vom Fliegen oder ein intensives Duett die Facetten der Liebe lebendig werden lassen. Immer obliegt es der Phantasie und dem Einfühlungsvermögen des Zuschauers, inwieweit er seinen  Assoziationen Raum gibt. Dabei muss er seine Vorstellungen in Beziehung setzen zum Gesehenen. Dieser Prozess ist ein sehr kreativer Akt und kann einen sinnlichen Flow von Erlebnissen, Träumen oder Gefühlen frei setzen, der äußerst lustvoll und befriedigend ist.


KK: Jetzt bringen Sie mit Les 7 Doigts de la Main aus Kanada oder Compagnie Accrorap aus Frankreich absolute Ausnahmeensembles nach Fürstenfeldbruck. Nach welchen Kriterien haben Sie das Programm von „DanceFirst“ zusammengestellt?
HB: Das wichtigste Kriterium ist für mich immer die künstlerische Qualität. Das gilt gleichermaßen für Tänzer wie für Choreographen. Tänzer müssen durch ihr technisches Können und ihre persönliche Ausstrahlung überzeugen. Choreographen beindrucken durch phantasievolle, aussagekräftige Bilder und kreative Bewegungsabfolgen.  Zudem begeistert mich ein spannungsreiches Zusammenspiel von Bewegung, Raum, Licht und Musik.  Diesen Ansprüchen genügen alle eingeladenen Tanzensembles. Sie bieten internationales Spitzenniveau.
Wie oben erwähnt, möchte ich auch Aufführungen zeigen, in denen  unterschiedliche kulturelle und stilistische Tanzformen aufeinander treffen. So verbinden sich in „Cuisine & Confessions“ der kanadischen Gruppe 7 Doigts de la Main Akrobatik, Tanz und Theater zu einer ganz neuen interdisziplinären Kunstform. Gleichzeitig erzählen die Darsteller mit diesen Mitteln freud- und leidvolle, komische und ernste Geschichten aus dem Leben einer bunten Multi-Kulti-WG. Ähnliches gilt für die Gruppe Accrorap, die in ihrem Stück „The Roots“ Hip-Hop und zeitgenössischen Tanz verknüpft und dabei eine sehr assoziative Reise in die eigene Tanz- und Lebensgeschichte unternimmt. Da der Choreograph Kader Attou und die meisten Tänzer nordafrikanische Wurzeln haben, spiegeln sich in den Tanz-Szenen auch die Probleme, Wünsche und Werdegänge von Migranten wieder, während die südafrikanische Tänzerin und Choreographin Dada Masilo in „Swan Lake“ und „Carmen“ zwei berühmte Werke der westlichen Hochkultur auf ganz neue Weise interpretiert und diese gleichzeitig in die explosive Welt Afrikas holt.
Die interkulturelle Ausrichtung des Programms hat auch eine große stilistische Vielfalt zur Folge. Vom klassischen Ballett über Formen des zeitgenössischen Tanzes, Streetdance-Kulturen wie dem Hip Hop bis hin zu traditionellen europäischen(Flamenco) und afrikanischen Tänzen reicht die Palette. In der Verbindung der verschiedenen Elemente entstehen neue innovative Tanzformen, die sehr spannend sind und die Entwicklungen unserer globalisierten Welt wiederspiegeln.
Da ich mit den Aufführungen auch ein breiteres Publikum für den Tanz begeistern möchte, sollen die Produktionen auch für möglichst viele zugänglich sein. Das bedeutet keinen Verzicht auf ein hohes künstlerisches Niveau und auch keine Anbiederung an publikumswirksame Formate der Massenmedien. Ich glaube vielmehr, die ausgewählten Aufführungen werden viele Zuschauer erreichen, weil sich niemand der Wirkung erstklassiger Tänzer entziehen kann, weil zahlreiche Szenen und Choreographien berührende sinnliche Erlebnisse vermitteln  und alle Stücke in Geschichten und Bildern von Menschen erzählen, deren Leben man verstehen und teilen kann.


KK: Welche Schwierigkeiten mussten Sie bei der Organisation bzw. Verpflichtung der internationalen Ensembles aus dem Weg räumen?
HB: Die größte Schwierigkeit war sicherlich, mit relativ geringen finanziellen Mittel ein erstklassiges Programm zusammenzustellen. Da geht zunächst Qualität vor Quantität. Zudem muss man potentielle Geldgeber und Förderer mit Leidenschaft davon überzeugen, dass dieses Festival ein erfolgreiches und nachhaltiges Kulturevent werden kann, das viele Menschen erreicht und begeistert. Ich freue mich sehr, dass wir neben dem Veranstaltungsforum und anderen öffentlichen Einrichtungen viele regionale Stiftungen und Förderer für das Projekt gewinnen konnten.
Als nächstes muss man internationale Spitzenkompanien davon überzeugen, nach Fürstenfeldbruck zu kommen. Durch die vergangenen erfolgreichen Gastspiele hat sich Gott sei Dank herum gesprochen, dass es in Fürstenfeld ein tanzbegeistertes Publikum gibt und wir als Veranstalter eine professionelle Betreuung gewährleisten können. Mit dem wachsenden Vertrauen in unsere Arbeit und dem Wissen um unsere wirtschaftlichen Möglichkeiten sind einige Gruppen dann auch bereit, finanzielle Abstriche zu machen.
Schließlich müssen alle in Frage kommenden Produktionen darauf hin geprüft werden, ob sie in dem engen Zeitfenster des Festivals auch verfügbar und auf der Stadtsaal-Bühne realisierbar sind. Angesichts des engen Terminplans im Veranstaltungsforum und der technischen Anforderungen einiger Aufführungen ist das nicht immer einfach.
Aufgrund der zur Verfügung stehenden Mittel stand auch kein großer Personal-Stab bereit, um das Festival vorzubereiten. Deshalb ruhte die meiste Arbeit auf relativ wenigen Schultern. Ohne das  ehrenamtliche Engagement des Theatervereins hätten nicht alle Aufgaben bewältigt werden können.

KK: Was erwartet das Publikum beim 1. „DanceFirst“ -Festival im Veranstaltungsforum Fürstenfeld?
HB: Die Besucher des Festivals können sich auf mitreißende Aufführungen freuen. Alle Produktionen sprühen vor Lebendigkeit und die Tänzer präsentieren ein außergewöhnlich hohes technisches Können. Mit Dada Masilo und dem Tänzer-Paar Lucia Lacarra und Marlon Dino kommen auch absolute Weltklasse-Tänzer nach Fürstenfeld, die dank ihres ungemein energetischen bzw. ästhetischen Tanzstils jeden Zuschauer begeistern werden. Alle Kompanien überzeugen zudem durch ihr wunderbares Ensemble-Spiel. Da greift ein Rädchen ins andere. Die Gruppe 7 Doigts de la Main(CAN) verbindet Akrobatik, Tanz und Theater zu einer choreographischen Sinfonie, die gleichermaßen verblüfft wie verzaubert, im Stück „The Roots“ der Compagnie Accrorap (F) zieht die Zeit- und Lebensreise von zehn außergewöhnlichen Hip-Hop-Tänzen wie ein Fluss vorbei, der mit Stromschnellen, Wasserfällen und stillen Passagen immer neue Höhepunkte bereit hält, während das Ensemble von Dada Masilo (ZA) in ihren leidenschaftlichen, frechen Klassiker-Interpretationen die geballte afrikanische Lebensfreude und Power auf unnachahmliche Weise mit den romantischen und dramatischen Liebesgeschichten westlicher Hochkultur vereint.
Gleichzeitig sind die Aufführungen so unterschiedlich, das das Publikum ein sehr abwechslungsreiches, vielschichtiges Programm genießen kann, dass viele Facetten des heutigen Tanzes präsentiert. Denjenigen, die noch mehr über die Aufführungen erfahren wollen, empfehle ich, sich die ausführlichen Beschreibungen und Infos im Festival-Programmheft (noch nicht erschienen) und auf der Festival-Website unter www.dancefirst.de anzuschauen. Dort sind auch Fotos und Videoclips der einzelnen Produktionen hinterlegt. Letzteres gilt auch für den Tanzabend Bavarian Summit, der neben dem schon erwähnten Weltklasse-Paar Lucia Lacarra und Marlon Dino vier verheißungsvolle junge Choreographen aus Bayern präsentiert, deren Arbeiten ebenso wie die internationalen Gastaufführungen die ganze Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes zeigen und zudem mit erstklassigen Tänzern des Bayerischen Staatsballetts, der Ballettakademie München besetzt sind.
Nicht unerwähnt lassen möchte ich den Abend Made in FFB, an dem fünf verschiedene Tanzstudios der Region mit ihren besten Tänzern und Stücken beweisen werden, wie lebendig und anspruchsvoll auch die regionale Tanzszene ist. Neben den bayerischen Nachwuchs-Choreographen war es mir ein besonderes Anliegen, die regionalen Tanzgruppen einzubeziehen, weil ihre kontinuierliche Arbeit vor Ort wesentlich dazu beiträgt, dass vor allem Kinder und Jugendliche an den künstlerischen Tanz heran geführt werden. Als professionelle Kursleiter sind sie auch hauptverantwortlich für vier tanzpädagogische Sozialprojekte, in denen deutsche und ausländische Jugendliche  mit minderjährigen Flüchtlingen zusammenkommen, um gemeinsame Tanz-Präsentationen zu erarbeiten.
Abschließend möchte ich alle tanzbegeisterten und interessierten Leser herzlich einladen, unser Festival zu besuchen. Es soll möglichst vielen Besuchern offen stehen und dem Publikum erlebnisreiche Aufführungen und Begegnungen bescheren. Wir möchten kein abgehobenes ‚Insider-Festival‘ veranstalten, sondern mit den verschiedenen Veranstaltungen auch tanzunerfahrene Besucher ansprechen. Ich glaube, dass auch diese ihr Kommen nicht bereuen werden.
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Sonntag 10.04.2016
Edwin Kimmler - Es gibt da draußen sehr viel Interessantes zu entdecken
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Edwin Kimmler ist Autodidakt. Damit gehört der Multiinstrumentalist einer aussterbenden Spezies an. Musiker, die sich ohne akademische Ausbildung allein ihrer Leidenschaft verpflichtet fühlen. Das klingt schon einmal nach Blues. Aber Kimmler spielt auch Soul und Swing, Boogie und Ragtime, Calypso und Bossa. Und das alles auf Gitarren, Klavier und Mundharmonika. Seit 1978 hat er über 3000 Konzerte gegeben. Am Donnerstag, 21. April kommt punkt 19.30 Uhr noch eines hinzu: In Germering. Hier, im Nachtasyl der Stadthalle, gastiert Edwin Kimmler erstmalig und hat zudem ein neues Programm im Gepäck …...

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Edwin Kimmler: Im zarten Alter von 8 Jahren kam ich durch einen damaligen Freund, der Gitarre spielte, mit Musik in Berührung, ohne zu jener Zeit zu wissen, ob ich dafür talentiert bin! Aber ich spürte was in mir, was mich dann nicht mehr los ließ!

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
EK: Ich freue mich einfach über jeden, der offen ist für Künstler, die abseits des Mainstreams ihren eigenen Weg gehen und deshalb in der Regel sehr authentisch sind!

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
EK: Als Künstler, der nicht in den großen Medien vertreten ist, habe ich natürlich immer wieder mit den Problemen mangelnder Popularität zu kämpfen und das auch jetzt in meinem 38. Bühnenjahr

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
EK: In meiner konzertfreien Zeit im Januar und Februar dieses Jahres sind mir 3 wie ich finde sehr gute neue Kompositionen gelungen! Darüber freue ich mich riesig!

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
EK: Kreativität, stehende Ovationen nach Konzerten, ein fertiggestelltes neues Album!

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
EK: Ich höre viel Musik und unterstütze Künstler und kleine Plattenlabels, die Musik präsentieren, die authentisch ist und aus einem inneren Bedürfnis sich musikalisch auszudrücken resultiert.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
EK: Beides.

KK: Was lesen Sie momentan?
EK: Ich schätze Bücher sehr, habe aber ehrlich gesagt wenig Durchhaltevermögen ganze Bücher zu lesen, was ich sehr schade finde! So begrenzt sich mein Leseeifer mehr auf Fach-Zeitschriften und Fach-Bücher, in denen ich mir bestimmte Artikel rauspicke!

KK: Was ärgert Sie maßlos?
EK: Ingnoranz und Intoleranz.

KK: Was freut Sie ungemein?
EK: Menschen, die mir offen und interessiert begegnen, wo es um ein Miteinander und nicht Gegeneinander geht.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
EK: Leider nein.....dafür habe ich wohl kein Talent!

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
EK: Da gibt es nun nicht den bestimmten! Grundsätzlich geht es mir so wie in der Musik, ich schätze die „kleinen“ und leidenschaftlichen Filme, die es in entsprechenden Programm-Kinos zu sehen gibt! Die haben zumeist für mich weitaus mehr Tiefgang, als es das Mainstream-Kino zu bieten hat! Da geht es noch um wirkliche Geschichten, die berühren und nichts mit oberflächlichem Klamauk oder schnell vergänglichen Knall-Effekten zu tun haben!

KK: Trinken Sie lieber Tee oder Kaffee?
EK: Beides.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
EK: TV- und Radio-Formate, die ein Forum bieten für Künstler aus allen Bereichen, denen es vor allem um die Kunst geht und erst in zweiter Linie um kommerzielle Inhalte

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
EK: Ich würde mich sehr freuen, wenn es wieder mehr Leute gäbe, die einfach mal Künstlern eine Chance geben, die wenig mediale Unterstützung haben! Es gibt da draußen sehr viel Interessantes zu entdecken, das dürft ihr mir glauben!!!!!!!! Von daher würde ich mir wünschen, vom Einzelkämpfer mehr zum Teamplayer zu werden!

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
EK: Meine Kreativität kann ich überhaupt nicht planen...das passiert meistens wenn ich es überhaupt nicht erwarte!

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
EK: Ich lese gerne Beiträge über Musik und beschäftige mich auch viel mit Instrumenten und den entsprechenden Internet-Seiten dazu

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
EK: Oh, ich würde mich sofort darum bemühen, dass es wieder mehr Unterstützung für Kultur im allgemeinen gibt, so daß Kulturämter und kleine Bühnen wieder die Möglichkeit bekämen, Veranstaltungen anzubieten, die nicht sofort ein großer finanzieller Erfolg sein müssen, sondern durch Aufbau-Arbeit gedeihen können!

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
EK: „Ich bin meinen Weg gegangen“

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
EK: Solange es mir mein Körper erlaubt auf der Bühne zu stehen und mich musikalisch weiterzuentwickeln.
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