Blickpunkt:
Interview
Interview
Im Blickpunkt - Portraits werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
Inhaltsverzeichnis
Die Wellküren - Familienwahnsinn

1

Lizzy Aumeier – Es gibt kein Oben und kein Unten!

2

Tim Fischer - Ich kann mir leider nur selten gerecht werden

3

Veronika Faber - Das Genre ist mir egal

4

Stefan Waghubinger – Ich glaube an die Chaostheorie

5

The Wild Magnolia Mariachis - Happy Apocalypse

6

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Dienstag 06.12.2016
Die Wellküren - Familienwahnsinn
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Die Wellküren stammen aus dem Brucker Hinterland, genauer aus Günzlhofen. Hier steht zumindest ihr Geburtshaus. Die Drei sind neben den Biermösl Blosn und den Well-Buam ein nicht wegzudenkender wichtiger Teil der Well-Dynastie. Bei dieser vorhandenen Kabarett-Dichte mag sich manch einer fragen, wie es eine Familie schafft, eine derartige Anzahl an politisch gebildeten und professionell agierenden Mitgliedern unter einem Dach großzuziehen. Nun, lassen wir ihnen das Geheimnis. Sie bereichern mit Sicherheit das Leben.
Die Wellküren sind jedenfalls drei Jahrzehnte unterwegs. Und wie sie selbst schreiben: „Sie haben ihn gewonnen. Den 30jährigen Krieg! Gegen Franz Josef Strauß und Streibls Amigos. Gegen den Paragraph 218 und den Musikantenstadl. Gegen Pershing II und den Nato Doppelbeschluss. Gegen Wackersdorf und verseuchtes Milchpulver. Gegen Sauren Regen und das Waldsterben. Gegen die Berliner Mauer und den Millennium Bug. Gegen Aids, Rinderwahn und Vogelgrippe. Gegen Frauen-Diskriminierung und Silikon. Gegen Laktose, Gluten und überhaupt gegen alle Intoleranten.“ Und sie sind bis heute keinen Deut zahmer geworden – bei aller Poesie, die sie verströmen.
Man kann Georg Ringsgwandl nur zustimmen, wenn er ausruft „Für mich sind sie die Madonnas, ja die Madonnen der süddeutschen Volksklassik“. Auf dass es weit über Bayern hinausschallt.
Am 16. Dezember gastieren Burgi, Bärbi und Moni zusammen mit Monika Baumgartner im Veranstaltungsforum Fürstenfeld. Auf dem Programm steht Ludwig Thomas Heilige Nacht. Wer noch keine Karten hat: B E E I L E N!!!


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Burgi: Der glückliche Umstand, dass wir in einer Großfamilie aufwuchsen, in der Musik immer schon einen großen Stellenwert hatte.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
Bärbi: Mit unserem Programm können wir das Publikum für 2 1/2 Stunden vor allabendlichem Idiotenfernsehen, Hassposts, unsinnigem Konsum und Depressionen bewahren.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
Moni: Eiskalte Garderoben, inkompetente Navigationssysteme und immer noch alltäglicher Machismos.  

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
Bärbi: Der Trump-Schock. Der hat uns eiskalt vor Augen führt, dass Demokratie auch bei uns nicht selbstverständlich ist.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
Burgi: Natürlich der Schlussapplaus!

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
Moni: Kraut Sepp, Andrews Sisters, Nina Simone, Janis Joplin und aktuell die Mozart-Arien, gesungen von der jungen Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
Moni: Am liebsten Live!

KK: Was lesen Sie momentan?
Bärbi: Hilary Mantel „Im Vollbesitz des eigenen Wahns“ - da geht’s um Familienwahnsinn ...

KK: Was ärgert Sie maßlos?
Moni: Ignoranz, Intoleranz und Boshaftigkeit - alles was man gerade unter Populismus und „wir sind das Volk“ erlebt.

KK: Was freut Sie ungemein?
Burgi: Dass die Österreicher doch nicht so dumm sind.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
Bärbi: Wir haben das große Glück, dass einer unserer Brüder ein sehr guter Möbelschreiner ist.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
Moni: Monica Bleibtreu und Hannah Herzsprung im Film „4 Minuten“.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
Moni: Ein automatisches Hackbrett-Stimmgerät!

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
Burgi: Wir sind beste Schwestern, Bayerns einzig wahre Schwester-Partei, wir sind DIE MANNSCHAFT!

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
Bärbi: Unter Druck!

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
Moni: Die Seite heißt piqd.de, das ist ein ganz neues Medium, hier kuratieren 100 Journalisten die besten Artikel zu den aktuellen Gesellschaftsthemen im Internet. Handverlesen.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
Burgi: Dass nicht nur die großen Bühnen und Staatstheater subventioniert werden, sondern auch die kleinen unabhängigen Kulturperlen auf dem Land, die eine großartige Arbeit leisten.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
Moni: "15 Wahrheiten“ … weil bei 14 Geschwistern wirklich jeder seine eigene Wahrheit hat.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
Moni, Burgi, Bärbi: Wir hoffen, die guten Gene unserer Mutter geerbt zu haben - wir sagen nur: WELLKÜREN FOREVER ;-)
Autor: Siehe Artikel
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Samstag 26.11.2016
Lizzy Aumeier – Es gibt kein Oben und kein Unten!
Elisabeth „Lizzy“ Aumeiers neuestes Programm heißt „Ja, ich will!“. Die oberpfälzer Kabarettistin beschäftigt sich hier mit der gelebten Zweisamkeit des Menschen „ … von dem ersten Aufflackern des Verliebtseins, bis hin zum Witwentum.“
Geboren ist die „Super-Lizzy“ in Neumarkt i.d.O. und studiert hat sie den Kontrabass, mit dem sie als erste Frau am Meistersinger-Konservatorium Nürnberg auch examinierte. Das Leben als Orchestermusikerin war ihr zu trist. Also wurde sie freischaffende Kontrabassistin, gründete einige Bands und war immer wieder Gast bei den Nürnberger-, Hofer- und Regensburger Symphonikern. Als Bass spielende Kabarettistin ist sie seit Jahren unterwegs. Ihr Repertoire reicht von Led Zeppelin über ACDC bis zur AfD und Donald Trump. Am 16. Dezember ist Lizzy Aumeier in der Germeringer Stadthalle zu Gast. Beginn der Vorstellung: 19.30 Uhr.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Lizzy Aumeier: Ein abgeschlossenes Studium als Kontrabassistin, die Ernüchterung im Alltag eines Ochestermusikers und der Zuspruch von Gerhard Polt und Michael Well.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
LA: Es gibt kein Oben und kein Unten! Ich solidarisiere mich mit dem Publikum, denn wir haben alle die gleichen Probleme.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
LA: Bei weiblichen Kabarettistinnen wird immer angenommen, dass der Mann die Texte schreibt, das ist bei mir nicht so.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
LA: Der Hass gegen Asylanten im Osten und auf der anderen Seite die Hilfsbereitschaft von so vielen deutschen Menschen.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
LA: Wenn ich morgens aufwache und meinen Text von letzter Nacht immer noch gut finde und wenn ich am Ende eines Auftritts mit meinem Publikum in einer Symbiose verschmelze.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
LA: Barock, Hardrock und alles was Bach geschrieben hat.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
LA: Ganz egal, wenn das Musikstück mich anmacht.

KK: Was lesen Sie momentan?
LA: Eine Biographie über die Vorfahren von Bach.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
LA: Dummheit gepaart mit Ignoranz.

KK: Was freut Sie ungemein?
LA: Das Leben mit meinem Mann und meinem Hund.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
LA: Ja, mit fatalen Ergebnissen.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
LA: Adrian Brodey in der Pianist, Matthias Brandt egal in welchem Film und Senta Berger.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
LA: Ein Mitfühl-Gen.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
LA: Ich kann und mag beides.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
LA: Kurz vor dem Einschlafen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
LA: Prinzipiell lese ich alles.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
LA: Kultur für Alle, Immer und Überall.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
LA: Der dicke Biber.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
LA: Im besten Falle mit all de´n Schicksalschlägen, die noch vor mir liegen, gut zurecht zu kommen.
Autor: Siehe Artikel
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Fotos: Jim Rakete
Donnerstag 17.11.2016
Tim Fischer - Ich kann mir leider nur selten gerecht werden
Tim Fischer ist Chansonier und singt Lieder von Jacques Brel, Hildegard Knef und Sebastian Krämer. Zugleich ist er aber auch ein Künstler, der mit Rollen spielt, sich selbst inszeniert und dabei gerne auch einmal provoziert. Geboren 1973 in Delmenhorst steht der heute in Berlin lebende Sänger seit 28 Jahren auf der Bühne (und vor der Kamera) und hat sich in dieser Zeit eine treue Fangemeinde erobert. Schon 1995 erhielt er den Deutschen Kleinkunstpreis, war Hauptdarsteller im Georg Kreisler-Musicals „Adam Schaf hat Angst“ im Berliner Ensemble und hat sich 2010 ein Hildegard Knef-Programm erarbeitet. Mit seinem Projekt „Songs against AIDS“ engagiert sich Tim Fischer seit Ende der 1990er Jahre sehr intensiv für Aidskranke im südlichen Afrika
Am 24. November ist Tim Fischer zu Gast im Veranstaltungsforum Fürstenfeld und wird mit Sicherheit auch hier dem Urteil Alfred Bioleks gerecht: „Seine Interpretationen haben eine Reife, die es ihm erlaubt, sentimental zu werden, ohne in die Wehleidigkeit abzurutschen und witzig zu sein, ohne albern zu werden.“


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Tim Fischer: Menschen, die mich beeindruckten, Musik, meine Arbeit, meine Liebe, mein Leben.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
TF: Es macht mir Freude, die Fantasie meines Publikums anzuregen. Wenn intensivere Empfindungen ausgelöst werden, stimmt mich das glücklich.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
TF: Mit mir selbst. Mein Anspruch an mich ist sehr hoch und wächst ... Ich kann mir leider nur selten gerecht werden.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
TF: Ich hatte das große Vergnügen, den jungen Boogie-Woogie-Pianisten Dan Popek zu erleben. Seine neue CD kann ich guten Gewissens jedem ans Herz legen, der einen echten Virtuosen zu schätzen weiß.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
TF: Völliges Einverständnis mit meinen Musikern und schließlich die totale Verschmelzung mit meinem Publikum. Ein rauschartiger Zustand.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
TF: Mein Musikgeschmack ist weit gefächert. Besonders gern höre ich Klassik und Jazz. Momentan läuft bei mir das Album „Memento“ von Sebastian Studnitzky in Dauerschleife.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
TF: Ich habe mich aus rein praktischen Gründen von meinem Reisegrammophon verabschiedet und bin nun mit einem iPod unterwegs.

KK: Was lesen Sie momentan?
TF: Uwe Denker „Praxis ohne Grenzen - Medizin in einem reichen Land. Von einem Arzt, der großen Wirkung einer Idee, von Nächstenliebe, Politik und sozialer Gerechtigkeit“ (Edition Wartenau).

KK: Was ärgert Sie maßlos?
TF: Ungerechtigkeit und Ignoranz.

KK: Was freut Sie ungemein?
TF: Positive Entwicklungen.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
TF: Entschuldigung? Ich habe eine Waldorf-Schule besucht. Da erübrigt sich jede weitere Ausführung.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
TF: In den letzten Jahren hat mich Christiane Hörbiger immer wieder verblüfft und berührt. Sie spielt mit viel Gefühl Charaktere mitten aus unserer Gesellschaft.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
TF: Heilmittel gegen Aids und Krebs.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
TF: Mit anderen an einem Strang zu ziehen und auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten ist für mich absolut erfüllend. Da komme ich dann so richtig in Schwung.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
TF: Ohne Druck – spontan – in entspannten Momenten.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
TF: Dafür fehlt mir leider die Zeit.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
TF: Ich würde das ein oder andere freie Projekte fördern (zum Beispiel meins).

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
TF: „Lebenslinien oder Ich erinnere mich an nichts.“

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
TF: Rosig! Sicherlich wird noch alles gut. Da bin ich mir hundertprozentig sicher!
Autor: Siehe Artikel
Samstag 05.11.2016
Veronika Faber - Das Genre ist mir egal
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Bandfoto Simone Roscher
Veronika Faber hat gleich mit ihrem ersten Auftritt einen Preis gewonnen: Sie gewann einen Jodelwettbewerb im Theater im Fraunhofer. Das liegt zwanzig Jahre zurück. Kurz darauf stellte sie ihr erstes Soloprogramm zusammen und tourt seitdem quer durch die Republik. Ihr Repertoire besteht überwiegend aus Chansons und Liedern, wobei sie gern auch weltmusikalische Klänge in ihre Songs mit einarbeitet. In ihrem neuen Programm „Bloß a Mensch“ singt Veronika Faber einen Großteil ihrer Texte in bayrischer Mundart und erweitert so den Begriff des Chansons um eine sehr eigenständige Note. Am Samstag, 12. November ist Veronika Faber & Band zu Gast im Veranstaltungsforum Fürstenfeld. Und mit Sicherheit wird hier auch gejodelt!

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Veronika Faber: Meine ländliche Herkunft und die bodenständige Erziehung. Außerdem bin ich im Laufe meines Lebens immer wieder Menschen begegnet, die wichtige Prozesse in Gang gesetzt oder mir eine neue Welt eröffnet haben. Und natürlich das Erlebte selbst.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
VF: Ich möchte damit reich und berühmt werden! Im Ernst: Wir haben doch alle Größenphantasien - zumindest schon mal gehabt - mehr oder weniger halt.
„Bloß a Mensch“ ist Titel und Programm. Ich möchte mein Publikum dazu ermuntern, sich selbst und anderen offener und milder zu begegnen. Mit schöner Musik geht das leichter. Meine Lieder handeln immer wieder auch von sogenannten menschlichen Schwächen. Aus denen lässt sich was machen, wenn wir sie uns ein- und zugestehen und den Humor nicht verlieren. Schließlich müssen wir alle irgendwann erkennen: I bin a bloß a Mensch und hob meine Sorgen!

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
VF: Wir können heute die ganze (kulturelle) Welt vom Sofa aus erkunden, das Angebot ist riesig und unübersichtlich, gleichzeitig wird unsere Kulturlandschaft (zumindest in den Medien) immer farbloser und nur noch vom Profit gesteuert. Horrende Mieten, GEMA und andere Auflagen zwingen viele Veranstalter und viele Künstler in die Knie.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
VF: Grundsätzlich beeindrucken mich Menschen, denen Schlimmes passiert, die aber selbst nicht schlimm werden. Die durch die sprichwörtliche Hölle gehen und dabei in der Liebe bleiben können.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
VF: Die Proben und Auftritte mit meiner Band. Dafür lohnen sich alle Widrigkeiten. Es kann aber auch vorkommen, dass ich glückselig berührt in Tränen ausbreche, wenn meine Gruppen, meine Chöre, meine Schüler besonders schön singen.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
VF: Ich höre selten Musik und nie Radio, gehe aber gerne mal in Konzerte und mag besonders „handgemachte“ Musik, bei der die Künstler alles geben. Das Genre ist mir egal.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
VF: Ich habe gerade erst meine alte Plattensammlung aus dem Keller geholt und werde mir wieder einen Plattenspieler anschaffen.

KK: Was lesen Sie momentan?
VF: Eshkol Nevo „Die einsamen Liebenden“ Super! Lesen ist meine zweitliebste Beschäftigung.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
VF: Politik.

KK: Was freut Sie ungemein?
VF: Inspirierende Begegnungen mit interessanten Leuten – vor allem, wenn ich nicht damit rechne, wie z.B. bei einer Fahrt mit dem Zug.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
VF: Ja, ich habe mal viel genäht und gestrickt. Mein Mobiliar besteht hauptsächlich aus den von mir selbst restaurierten Möbeln meiner Oma.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
VF: Holly Hunter und Harvey Keitel in „Das Piano“.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
VF: Einen „Staubfresser“.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
VF: Sagen wir mal so: Ich würde gerne öfter in guten Teams playen.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
VF: Auf dem Fahrrad oder beim Wandern.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
VF: Blogs nie und Websites nur beruflich. Ich stehe mehr auf Bücher – in Papierform.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
VF: Alles! Aber vor allem das Bildungssystem und die Verteilung der Staatsgelder.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
VF: Tiefe Wasser, aber nicht still.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
VF: Siehe Antwort auf Frage 2☺. Ansonsten wünsche ich mir das Gleiche wie alle Menschen auf dieser Welt: Gesund und in Frieden zu leben!
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Dienstag 25.10.2016
Stefan Waghubinger – Ich glaube an die Chaostheorie
Stefan Waghubinger ist Österreicher, lebt aber seit 30 Jahren in Deutschland. Deshalb betreibt er Österreichisches Jammern und Nörgeln mit Deutscher Gründlichkeit“, ist auf seiner Homepage zu lesen. Das klingt so, als hätten sich zwei gesucht und auch gefunden. Mit achtzehn hatte der in Steyr geborene Waghubinger seinen ersten Kabarettauftritt, mit einunddreißig erschien sein erstes Kinderbuch und die ersten Cartoons, mit achtunddreißig wurde er Theaterpädagoge.
Seit 2010 ist er wieder kontinuierlich als Kabarettist unterwegs. In seinem neuen Programm, „Außergewöhnliche Belastungen“, beschäftigt er sich mit den Niederungen der eigenen Steuererklärung, an der man schon die Welt erklären kann. „Philosophie und Humor der Steuerklasse 1“ bescheinigt ihm der Böbblinger Anzeiger. Am Mittwoch, 9. November wird Stefan Waghubinger zu Gast im Kulturforum Planegg sein.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Stefan Waghubinger: Ich glaube da an die Chaostheorie. Das was wir geworden sind, ist zu einem großen Teil durch die Umwelt bestimmt, aber eine kleine Veränderung in einem Detail hätte alles ganz anders kommen lassen. Meine Kindheit in Österreich, ein theologisches Studium, die Betreuung von verhaltensauffälligen Jugendlichen, meine eigenen Kinder, alles das hat sicher einen Einfluss gehabt, aber ebenso Bücher, die ich gelesen habe, Filme, Radio, Gespräche. Die Frage ist spannend, aber leider unmöglich zu beantworten.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
StW: Ich möchte mit meinem Bühnenprogramm wie ein Maler ein Bild von der Wirklichkeit, wie ich sie sehe, zeichnen. Wenn es gut gelingt, dann erkennen die Menschen darin etwas wieder und lachen vielleicht, oder sie stellen einen kleinen Teil ihrer bisherigen Weltsicht in Frage.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
StW: Nun, ich würde sagen, die Widrigkeit ist das Publikum. Es ist jeden Abend anders, mal ist es groß, dann wieder klein, manchmal laut, dann wieder sehr leise. Man weiß nie, wie es reagieren wird, aber genau diese Widrigkeit macht diese Arbeit so schön.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
StW: Ich habe in meinem Programm von einem Tante Emma Laden erzählt, in dem wir als Kinder einkauften. Das wurde auf 3Sat ausgestrahlt und am nächsten Morgen traf ich völlig zufällig nach 30 Jahren zum ersten Mal wieder den Sohn der verstorbenen "Tante Emma" und er zeigt mir den Laden, der schon lange geschlossen ist, aber in dem noch das Meiste so war wie früher. Dann erzählte er mir, dass seine Mutter im Widerstand gegen den Nationalsozialismus war und schon auf dem Weg ins Konzentrationslager Mauthausen war, aber wieder zurück geschickt wurde, weil ihr gehörloser Arbeitgeber (ein Ladenbesitzer, der an die Bauern verkauft hat) sich weigerte sein Geschäft zu öffnen, wenn sie nicht mehr da ist. Das hat mich sehr berührt, weil mein Vater auch gehörlos ist und sie mir nie davon erzählte.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
StW: Wenn der Abend vorbei ist, ich den Eindruck habe, dass es schön war, anschließend noch ein paar Gespräche waren und ich dann alleine zu meinem Hotel gehe.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
StW: Ich höre viele Arten von Musik aber sehr gerne auch Deutschsprachige. Sebastian Krämer oder Simon und Jan oder Uta Köbernick sind wunderbare Kollegen, die mich oft im Auto begleiten, obwohl sie gar nicht da sind.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
StW: CD, das ist im Auto auf manchmal holprigen Straßen günstiger.

KK: Was lesen Sie momentan?
StW: Eine kurze Geschichte der Menschheit.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
StW: Ich glaube, wenn es Dinge gäbe, die mich ohne Maß ärgern würden, dann sollte ich nur unter Aufsicht aus dem Haus gelassen werden. Zum Glück ärgern wir uns meistens sozusagen sozialverträglich. Ich ärgere mich eher selten, vielleicht kann ich aber auch nur schwer zulassen, denn wenn ich mich ärgere, dann meistens über den Ärger anderer. Das ist vielleicht der dümmste Ärger, den man haben kann.

KK: Was freut Sie ungemein?
StW: Wenn ich beim Schreiben eine schöne Idee habe, bei der ich selber, obwohl ich sie mir gerade ausgedacht habe, schmunzeln muss. Das ist Freude. Wenn ich selber darüber staune, dann ist es sogar kurz Glück.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
StW: Ich habe früher Bücher gesammelt und die Regale selber gebaut und für die Kinder das Kinderzimmer alle paar Monate umgebaut, aus den Hochbetten ein Schiff gebaut, oder einen Urwald, mit Seilen und Brücken. Meine Schreibtische habe ich immer aus Schränken und Holzplatten gebaut und wenn ich auf dem Sperrmüll etwas sehe, dann überlege ich automatisch, ob ich das zu irgendwas umbauen könnte.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
StW: Da gibt es viele, aber Tom Hanks in Forrest Gump ist einer davon.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
StW: Koffer, die selbständig neben einem her rollen, das wäre eine praktische Erfindung, die ich gut gebrauchen könnte. Selber würde ich gerne eine Pille erfinden, die uns von einem Teil unseres evolutionären Erbes befreit, zum Beispiel nie zufrieden sein zu können.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
StW: Ich habe eine Agentur, die für mich die Termine vereinbart, Veranstalter die Werbung machen und den Raum zur Verfügung stellen und viele tolle Kolleginnen und Kollegen, aber beim Schreiben und auf der Bühne ist man doch alleine. Aber das ist nicht schlimm. Wenn man das nicht mag, wird man diesen Beruf wahrscheinlich ohnehin nicht wählen.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
StW: Wenn ich mit einer Frage durch den ganzen Tag gehe. Irgendwann kommt dann manchmal unerwartet, manchmal nach langem Überlegen, eine gute Antwort.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
StW: Am liebsten lese ich in Wikipedia. Da geht es meistens um Dinge, wie sie an sich sind, oder waren und nicht wie in den Nachrichten um Umstände, wie sie gerade heute sind. Also es ist wesensmäßiger und damit für mich interessanter. Ich überlege dann immer, was ich denn noch nicht weiß und dann lese ich darüber. Ich glaube, ich werde irgendwann der erste Mensch sein, der Wikipedia ausgelesen hat.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
StW: Ich würde Subventionen für Österreichische Künstler, die in Deutschland spielen, dramatisch erhöhen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
StW: "Ich weiß es ja auch nicht"

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
StW: Vergänglich.
Autor: Siehe Artikel
Sonntag 16.10.2016
The Wild Magnolia Mariachis - Happy Apocalypse
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The Wild Magnolia Mariachis existieren seit 1997. Fast zwei Jahrzehnte, mit kurzer Unterbrechung nur, bewegt sich die achtköpfige Band in einem Spannungsfeld von Boogie, Südstaatenrock, Rockabilly und Soul. Eine Mischung, die in der Vergangenheit schon manchen Saal zum (über-) kochen brachte. Nicht zuletzt aus diesem Grund standen sie mit Ten Years After, Steppenwolf oder Dritte Wahl auf der Bühne. Über ihr letztes Album „Boogie Indians“ war im deutschen Musikmagazin bluesnews zu lesen: „Leute, die`s wild brauchen, werden „Boogie Indians“ lieben. Und Leute, die Zwischentöne, Tanzbares und Können brauchen, wird es nicht anders gehen.“
Am 28. Oktober werden The Wild Magnolia Mariachis in voller Besetzung (SUDI (Vocals, Guitars), TITO (Giutars, Vocals), ROQUE (Bass), MOSQUITO (Keyboards), CHRISTOS (Drums), ANGELICA (Baritone Saxophone), WALTER (Trumpet), OLLI (Tenor Saxophone) und MANITO (Blues harp) im Kulturzentrum am Olchinger Mühlbach (KOM) auftreten. Christian Sudendorf (SUDI) hat sich hat zuvor noch unseren Fragen gestellt.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Christian Sudendorf: Viel Rock'n'Roll hören und keine Kompromisse eingehen! Heutzutage klingen alle gleich, weil durch Youtube und all diesem Krimskrams alles zugänglich ist und jeder alles können will. Dadurch klingen alle gleich! Wenn du zu einer Mariachis Show gehst, kriegst du eine Rock'n'Roll show geboten, so wie es sich gehört!!!!

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
ChrS: Jeder der Bock auf Spaß und Rock'n'Roll hat ist herzlich eingeladen, in die Welt der Wild Magnolia Mariachis einzutauchen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
ChrS: Familie, Alter, Zeit und deutlich weniger Auftrittsmöglichkeiten als noch in den Neunzigern. Aber so geht es allen.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
ChrS: Dass wir immer noch in der Lage sind neue Rock'n'Roll Songs zu schreiben, die frisch klingen und Coverversionen unseren eigenen Stempel aufzudrücken. Das ist nach so langer Zeit nicht selbstverständlich und beeindruckt mich immer wieder.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
ChrS: Live spielen und das Bier danach.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
ChrS: Hören tun wir so ziemlich alles, na ja fast alles, aber der Fokus liegt ganz klar auf Rock'n'Roll, Classic Rock, Rockabilly, Soul, Blues.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
ChrS: CD. Mein Plattenspieler eiert ein wenig und die meisten haben gar keinen mehr.

KK: Was lesen Sie momentan?
ChrS: "Born To Run" von Bruce Springsteen

KK: Was ärgert Sie maßlos?
ChrS: Ungerechtigkeit.

KK: Was freut Sie ungemein?
ChrS: Dass es mehr Leute gibt als man denkt, die so ticken wie wir.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
ChrS: Aber ja doch! Gerade in den Achtzigern hat sich jeder seine Kutte selbst zusammengestellt....
Unsere Saxophonistin ist mal auf einer Party in meine Gitarre geplumpst und hat so den Hals abgebrochen, der Corpus ist jetzt ein Aschenbecher in einer Kneipe .... na ja, jetzt darf man ja nicht mehr in Kneipen rauchen … .

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
ChrS: Oh Gott. Kann man nicht beantworten … zu viele gute Filme mit zu vielen guten Schauspielern mit leider oft zu durchsichtigen Drehbüchern

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
ChrS: Zeitmaschine

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
ChrS: Einzelkämpfer!!!! Mit ein bisschen Team im Rücken!

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
ChrS: Wenn man es am wenigsten erwartet und es gerade überhaupt nicht passt einen Einfall zu haben.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
ChrS: Nicht viele … irgendwas mit Gitarren und Musik.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
ChrS: -

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
ChrS: Happy Apocalypse.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
ChrS: Ich stelle sie mir lieber gar nicht vor, sondern leb mal fröhlich vor mich hin, die Zukunft kommt schon früh genug und ich hoffe unsere Kinder haben dann noch eine!
Autor: Siehe Artikel
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