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Germering: David Helbock Trio – Die Freiheit als Motor

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Dachau: Gemäldegalerie - Ekensund – im Kreis der Künstlerkolonien an ...

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Fürstenfeld: Younee - Wie Perlen aneinanderreiht

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Olching: Christian Elin & Maruan Sakas – Fern jeder Routine

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Germering: Joscho Stephan – Der Meistergitarrist

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Landsberg: Martina Filjak – Überwältigender Musikabend

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Samstag 14.01.2017
Germering: David Helbock Trio – Die Freiheit als Motor
Wie würde heute das Piano im Jazz klingen, hätte es Thelonious Monk nicht gegeben? Ohne diesen sperrigen, exzentrischen wie genialen Klavierspieler? Eigentlich unvorstellbar. Das große schwarze Möbel gäbe es mit Sicherheit noch. Klar. Aber es klänge anders. Und der Jazz insgesamt klänge auch anders. Wie genau, ist schwer zu sagen. Das gleiche gilt natürlich für Ludwig van Beethoven, der ebenso großartig das Tasteninstrument beherrschte, wie er gleichzeitig die bis heute bedeutendste Klavierliteratur verfasste. Er hat die Klassik nachhaltig wie kaum ein anderer geprägt.
David Helbock, und jetzt sind wir in der Gegenwart, ist einer von jenen Pianisten, die stark von Monk und von Beethoven beeinflusst wurden. Wer den Österreicher am gestrigen Abend in Germering mit seinem Trio erlebte, weiß wovon die Rede ist. Denn hier fanden Tradition, in Form von Beethoven und Monk und moderner Zeitgeist eine Einheit. Ein musikgeschichtlich weiter Weg, den Helbock und seine beiden Begleiter da in eineinhalb Stunden zurücklegten. So weit, dass sie hin und wieder den stringenten Pfad des Jazz verließen und in einem Umfeld von Gongs und Sounds mäanderten, das sie selbst als „mystisch“ bezeichnen.
Mal faszinierten die stolpernden, fingerverrenkenden Figuren des Hohepriesters des Jazz (besonders in der ihm gewidmeten wunderschönen Ballade „Spiritual Monk“), dann gab es solistische Auszüge aus Beethovens Klavierkonzerten (mit tüchtig elektronischem Anschub). Blues und Swing, Bop und Rock – fast nichts, was David Helbock, Raphael Preuschel und Reinhold Schmölzer ausließen. Verbunden wurden all diese Versatzstücke mit sich blitzartig abwechselnden Ideen, mit jingelartigen Kabinettstücken, die in Hochgeschwindigkeit und in enormer Präzision umgesetzt wurden. Dann wieder großes Pathos, Akkorde aus dem Hier und Jetzt wie für die Ewigkeit - nicht mehr und nicht weniger.
In den besten Momenten des Abends fanden die Drei eine hervorragend organisierte, berührende, mitreißende Musiksprache – fernab jeder Mystik. Dann zeigten sie sich als gleichberechtigte instrumentale Stimmen. Jeder auf seine Weise solierender Individualist und überzeugender Teamplayer. Gemeinsam beherrschen sie die Kunst der Dynamik. Dieses Mit- und Füreinander, dieses sich ein- statt unterzuordnen. Der Gedankenaustausch funktionierte in diesem Trio perfekt, die Reaktionszeit untereinander war enorm. Egal, ob Raphael Preuschl auf seiner Bass Ukulele dunkel groovende Muster entwarf, Reinhold Schmölzer am Schlagzeug hochgradige Rhythmusattacken aus dem Handgelenk schüttelte oder David Helbock mal leidenschaftlich virtuos über die Klaviatur rauschte oder mal mit berechnendem Kalkül große Gesten in Musik übersetzte - man kennt sich, weiß voneinander, wo die musikalischen Stärken des anderen liegen. So ist das gemeinsame Ziel umrissen. Die Freiheit, es zu erreichen, ist der Motor dieser Band.
Jörg Konrad
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Dienstag 10.01.2017
Dachau: Gemäldegalerie - Ekensund – im Kreis der Künstlerkolonien an der Ostsee
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Es war schon in der Vergangenheit das vorrangige Anliegen der Gemäldegalerie Dachau, das reiche künstlerische Schaffen, das sich seit Beginn des 19. Jahrhunderts westlich von München manifestierte, zu dokumentieren und der Öffentlichkeit nahezubringen. Da Dachau eine von dutzenden Künstlerkolonien früherer Zeit in Europa war, sieht es die Galerie als ihre Aufgabe, auch die übrigen Lebens- und Arbeitsgemeinschaften freiluftmalender Künstler nach und nach vorzustellen. Noch bis zum 5. März ist in der Dachauer Gemäldegalerie in der Konrad-Adenauer-Straße 3 nun noch die Ausstellung „Ekensund – im Kreis der Künstlerkolonien an der Ostsee“ zu sehen.
Die Künstlerkolonie Ekensund existierte in der Zeit vom späten 19. Jahrhundert bis kurz nach dem 1. Weltkrieg am Nordufer der Flensburger Förde. Die Menschen in diesem heute zu Dänemark gehörenden Gebiet lebten vom Fischfang und von der Arbeit in den örtlichen Ziegeleien und häufig nahe dem Existenzminimum. Sie waren abhängig von Wind und Wetter und besaßen nicht zuletzt aus diesem Grund ein sehr spezielles und ausgeprägtes Verhältnis zu den Naturgewalten.
Als im Zuge der Begeisterung für die Freilichtmalerei mit Wilhelm Dreesen, Alexander Eckener und Otto Heinrich Engel die ersten Maler in diese Gegend kamen und langsam aber sicher die Künstlerkolonie Ekensund entstand, gab es auch für die Einheimischen die Möglichkeit, ihren Broterwerb etwas aufzubessern. Zugleich wurden sie, als auch ihr direktes Lebensumfeld, von den Malern als Motiv genutzt. So gibt die Dachauer Gemäldegalerie anhand über 80 Exponate zugleich einen breiten Ausschnitt über die Lebens- und Arbeitsbedingungen jener Zeit im Süden Jütlands. Auffällig ist dabei, mit welch farblicher Präsenz der überwiegende Teil der 22 ausgestellten Künstler die Landschaft und dortigen Menschen wahrgenommen haben. Viele der Maler kamen aus den großen Kunstzentren Berlin, Düsseldorf und München, waren zugleich in der Sommerfrische und vielleicht auch deshalb farblich besonders positiv gestimmt. Hier besonders auffällig die hellen, in die lichtdurchfluteten Weiten zielenden Arbeiten von Wilhelm Heuer und  Erwin Nöbbe. Oder die in ihrer unmittelbaren Flüchtigkeit stark an die impressionistische Malerei erinnernden Werke eines Otto Heinrich Engel. Diese Arbeiten sind als eine Art Mittler zwischen Natur und Kunst wirkliche Entdeckungen. Es ist schade, dass sich die Zusammenarbeit mit dem Landschaftsmuseum Flensburg etwas schwierig gestaltete und Kuratorin Elisabeth Boser allein auf (kleinformatige) Leihgaben aus Privatbesitz zurückgreifen musste. Doch die Arbeit hat sich gelohnt und zeigt eine besonders beeindruckende Facette der Freiluftmalerei.
Jörg Konrad 

Abbildungen: Heinrich Petersen-Angeln "Flensburger Hafen" um 1890 / Jacob Nöbbe "Fischerbrücke" 1895 / Jacob Nöbbe "Gelbes Meer" 1898.
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Donnerstag 08.12.2016
Fürstenfeld: Younee - Wie Perlen aneinanderreiht
Fürstenfeld. Neue Pianistinnen (und Sängerinnen) schießen wie Pilze aus dem Boden. Aber nicht alle haben, was ihre Kunst betrifft, auch tatsächlich Relevanz, bzw. ihre Kunst steht selten in einem nachvollziehbaren Verhältnis zum Aufwand oft sündteurer Werbekampagnen. Trotzdem spült der Zeitgeist hin und wieder beeindruckende Solisten an die Oberfläche, deren Glanz im Sonnenlicht der Öffentlichkeit erstrahlt – und nachhaltig wirkt. Ein solches Juwel ist die aus Südkorea stammende Younee. Eine Klavierspielerin mit Stimme, die ihr musikalisches Können und ihren persönlichen Charme einzusetzen versteht, um Publikum und Kritik zu überzeugen. So geschehen gestern Abend in Fürstenfeld. Jazz First präsentierte eine Musik, die über den Jazzalltag weit hinausreichte. Dank Younee. Sie schüttete mit ihren eigenwilligen, wie berührenden Interpretationen die Grabenkämpfe zwischen den Musikstilen friedlich zu und zelebrierte ein von Vorurteilen und Erwartungshalten befreiten Musikabend.
Ihr Jazz ist nicht jene Musik, die sich aus swingender Routine und improvisatorischer Kapazität speist. Die Pianistin hat ihre musikalische Sozialisation eindeutig in der Klassik erfahren. Sie spielt perfekt, mit großer Geste. Bei der Bearbeitung von Themen, ihren so geliebten Variationen, zieht es sie aber immer wieder in jazznahe Bereiche, wobei ihre Freiheit und Rigorosität beeindruckt. Nach nur ein paar Takten hat sie auch ihren Bezug zum Blues manifestiert. Und ihre Nähe zu ihm bis zum Ende des Konzerts immer wieder unter Beweis gestellt. Der Blues, als eine der Grundlagen des Jazz, fast unabdingbar
Ansonsten lebt ihre Musik von mutigen Ideen, die sie wie Perlen aneinanderreiht, manchmal auch neu entwickelt. Kraftvoll spielt Younee. Mit regelrechtem Donnerhall lässt sie ihr Instrument erzittern. Beschwörend, fast grollend schlägt sie in die Tasten. Das Temperament ihrer Jugend bricht sich Bahn. Am liebsten alle Riten über Bord werfen. Dann klingt sie wieder zart und verletzlich, hinterfragt, fast verzagt, die stillen Momente des Lebens. Das Glück. Die Pianistin versteht es, mit Gegensätzen zu jonglieren und auch manches Glissando effektvoll zu inszenieren. Differenz, Widerstand und Musikalität bestimmen ihr Klangbild. Sie widersteht den Verlockungen der Schönspielerei (obwohl sie die mit Sicherheit beherrscht). Stattdessen sucht sie das Ungespielte, die Herausforderung. Das ist spannend vom Ansatz und souverän umgesetzt.
Jörg Konrad
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Sonntag 04.12.2016
Olching: Christian Elin & Maruan Sakas – Fern jeder Routine
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Olching. „Wer zu zweit spielt, muss die Karten auf den Tisch legen“, führte Michael Naura vor einigen Jahren aus. „Wer ein übles Timing hat, der ist verloren, denn kein Dingading des Trommlers auf den Becken kann ihm helfen.“ Dagegen ist das Solieren leichter überschaubar. Schließlich verlässt man sich hier allein auf die eigene Person. Aber im Duo, immer mit einer zweiten, vielleicht unberechenbaren Hälfte, ein ganzes Konzert bestreiten? Intime Gespräche, um nichts anderes geht es in einem solchen Kontext, im öffentlichen Raum? Christian Elin und Maruan Sakas gehen dieses Wagnis schon ein Weile ein. In einem Bereich zwischen Jazz und Klassik. Und auch der Blues findet bei ihnen eine Stimme.
Die Kompositionen bringen beide von zu Hause mit. Auch am Sonntag, zur 141.(!) Matinee der Reihe Eleven-Eleven in Olching hatten sie ihre „Songs“ im Gepäck. Dazu ein wenig Johann Sebastian Bach und ein Stück von Jan Garbarek, dem Norweger. Kein Repertoire auf Zuruf also. Auch keine altgedienten Standards. Stattdessen kurze Statements, mal impressionistisch angehaucht, mal stringent geformt, aber immer luftig und schwungvoll. Elin spielt Sopransax, die „schrille“ Schwester des Tenors und Bassklarinette. Sakas spielt Klavier. Mit fragmentarischer Skizzenhaftigkeit greifen diese Instrumente ineinander – fern jeder Routine. Es ist ein subtiles Interaktionsgeflecht, das die Spieler entwerfen, ein differenzierter Dialog, mit ausreichend Distanz und großer Nähe. Voller Konzentration lassen sie die Musik auch fließen, improvisieren gekonnt und intensiv. Nicht alles ist für harmoniesüchtige Gemüter bestimmt. Es gibt auch Reibung und es gibt Spannung. In ihrem Umfeld entstehen die Abenteuer, werden Gedanken neu geordnet und geplante Ziele nachjustiert. Grenzen werden erweitert, Vertrautes neu überdacht. Das Publikum nahm diese Herausforderung begeistert an und dankte mit langem Applaus.
Jörg Konrad
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Samstag 03.12.2016
Germering: Joscho Stephan – Der Meistergitarrist
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Germering. „Mmmmmmh, manchmal, wenn ich mit ihm gespielt habe, dann war es wie ein Philharmonieorchester! Ich weiß nicht, wie er das gemacht hat. Ich kann`s nicht beschreiben – es war und ist mir unbegreiflich.“ Das sagte kein geringerer als Stephane Grapelli über Django Reinhardt, mit dem er das Quintette du Hot Club de France, das erste europäische Jazzensemble mit transatlantischem Erfolg, immerhin sechs Jahre leitete. Reinhardt, in der belgischen Stadt Charleroi geboren, gilt als das „unkonventionellste Genie des Gitarrenjazz“. Und es gibt nur wenige Musiker, die sich seinem Gypsy Swing verpflichtet fühlen. Einer von diesen seltenen Spezies ist Joscho Stephan. Der einstige Büroangestellte aus Mönchengladbach bekennt sich, was das Gitarre spielen betrifft, als Autodidakt und ist mit Sicherheit einer der virtuosesten Reinhardt-Erben der Gegenwart. Gestern nun war der Gitarrist mit seinem Quartett Gast der 83. Folge der Reihe JAZZ IT! In der Germeringer Stadthalle.
Stephan ist ein sicherer, aber auch grenzüberschreitender Stilist. Mit seiner atemberaubenden Technik schlägt er musikalische Funken, brennt mit seinen wieselflinken Akkordfolgen ein harmonisches wie rhythmisches Feuerwerk ab. Aus dem Spiel heraus entstehen immer wieder diese scheinbar lässigen aber beeindruckenden improvisatorischen Momente, die sein Gespür für Dramaturgie und humorvolles Entertainment unterstreichen. Alles an bekannten (und weniger bekannten) Musikstilen, Klassik, Bossa, Rock und Blues, integriert er in sein Spiel. Manchmal sind es ganze Songs, die im maßgeschneiderten Gyspsy-Arrangement erstrahlen, manchmal sind es Melodiefetzen, die für Momente überraschend aufglühen. Und dann klingt Joscho Stephan tatsächlich wie ein ganzes Orchester und nicht wie ein Einzelstimme.
Seine Band mit Sebastian Reimann (Violine), Vater Günter Stephan (Rhythmus-Gitarre) und Volker Kamp (Kontrabass) ist eine fest eingespielte Formation, die jedes musikalische Wagnis locker meistert. Hier greift ein Instrument ins andere, mal souverän und elegant, mal das Publikum schwindlig spielend. Es ist ein perfekt getimter Ablauf, in dem auch Sebastian Reimann und Volker Kamp mit solistischen Beiträgen glänzen. Und schon ist wieder der Meistergitarrist im Rampenlicht, mit solistischen Höhenflügen und swingenden Provokationen. Joscho Stephan arbeitet sich an den Originalen fast physisch ab, bringt sie zum Leuchten – nicht selten in einer schnelleren, auch moderneren Interpretationsweise. Insofern ist er nicht nur der Bewahrer einer faszinierenden Spielkultur, sondern zugleich auch ein Erneuerer der Tradition. Musik als wirkungsvolles Antidepressiva nicht nur an trüben Herbsttagen.
viktor b 
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Montag 28.11.2016
Landsberg: Martina Filjak – Überwältigender Musikabend
Landsberg. Von Alfred Brendel, dem großen österreichischen Pianisten, Schriftsteller und Dozenten, stammt der Satz: „Das Klavier kann alles.“ Ein knappes Statement, das jedoch (fast) alles auf den Punkt bringt. Vorausgesetzt nämlich, der jeweilige Pianist ist in der Lage, dieses „stille Universum“, das in dem majestätischen Möbel ruht, zum Klingen zu bringen, es mit Leben zu erfüllen, eben jenes „alles“ aus dem Instrument herauszukitzeln. Versuche gibt es täglich. Weltweit. Ungezählte. Aber nur wenige gelingen tatsächlich. Der Sonntag war so ein Tag, an dem Brendels Satz hörbare Realität wurde. In Landsberg, im Festsaal des historischen Rathauses. Hier brillierte Martina Filjak, mit einem Programm, das sich im ersten Moment gar nicht so außergewöhnlich liest. Doch wie sich die Pianistin den Vorgaben von Joseph Haydn, Franz Liszt oder Robert Schumann stellte, wie sie die unterschiedlichen Seelenlagen und Nuancen zum Klingen brachte, das verdient höchstes Lob.
Martina Filjak ist in der Lage, ihre bemerkenswerte technische Spielgestaltung und das weite Feld emotionaler Stimmungslagen miteinander in Einklang zu bringen, ja es regelrecht miteinander zu verzahnen. Wie ein perfekter Reißverschluss greift ihre Virtuosität in die gestaltende Befindlichkeit der Komposition. Das Ergebnis ist eine begeisternde Lektion in zupackender, transparenter Klavierkunst.
In Joseph Haydns Sonate g-moll, Hob.XVI/44 perlt das Kernmotiv in unglaublichen Variationen und nimmt Besitz von Raum und Publikum. Martina Filjak spielt mit den Tempi, sie setzt Pausen und brilliert in höchster Präzision und ökonomischer Finesse.
Franz Liszt huldigt in seinen Deux Légendes zwei Menschen, die ihn stark inspiriert haben: Franz von Assisi und Franz von Paola. Diese beiden um 1863 komponierten Solostücke, Liszt hatte kurz zuvor seinen Lebensmittelpunkt nach Italien verlegt und ist dem Franziskanerorden beigetreten, erinnern in ihren Vorgaben ein wenig an die großen Impressionisten wie Claude Debussy. Doch Martina Filjak interpretiert sowohl „Der heilige Franz von Assisi – Die Vogelpredigt“ als auch „Der heilige Franz von Paola – Auf den Wogen schreitend“ zupackend, schöpft die chromatischen Wellenbewegungen besonders im zweiten Teil fast lustvoll aus, gibt ihnen eine zum Licht strebende überzeugende Sinnlichkeit.
Nach der Pause dann Robert Schumann, der tragische Romantiker, das zwischen Melancholie und Wahn wandelnde Genie. Besonders seine Sonate Nr. 1 op. 11, entstanden 1835, zeigt diesen zerrissenen Charakter, die aber auch als ein ganz bewusstes Öffnen hin zu neuen Musikformen verstanden werden kann. Denn Schumann dokumentiert in dieser Clara Wieck gewidmeten Komposition sowohl die klassische Sonatenform, als auch eine Hinwendung zu volkstümlicher Tanzmusik. In Martina Filjaks Interpretation ist die Spannung in dieser Gegenüberstellung deutlich hörbar. Überhaupt fasziniert bei ihr das Wechselspiel zwischen romantischen Formalismen und strengen, fast wuchtigen Energieschüben. Sie inszeniert die dramatischen Wendungen, ohne den organischen Fluss des Stückes in Frage zu stellen. Sie entwirft ein kraftvolles Klanggebäude, das erdbebensicher scheint und doch wieder so unglaublich zerbrechlich. Martina Filjak bändigte diese Sonate grandios und wurde zu recht gefeiert.
Als Zugabe gab es ganz zum Schluss von Arvo Pärt noch das zarte, flüchtige, wie hingetupfte „Für Alina“. Stimmiger konnte dieser überwältigende Musikabend nicht enden.
Jörg Konrad 
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