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13. München: Friedrich Ani - Über den Dächern von München
14. Iffeldorf: Ton Koopman & Klaus Mertens – Barocke Botschafter
15. Germering: Omer Klein - Die Magie des Klavierspiels
16. Landsberg: Otto Lechner & Sväng – Musik als Herzensangelegenheiten
17. Fürstenfeld: Norma Winstone – In überzeugender Bescheidenheit
18. Landsberg: Rymden – Ein Mosaik vieler Ideen
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Mittwoch 03.07.2019
München: Friedrich Ani - Über den Dächern von München
München. Was für eine Kulisse im Foyer des Literaturhauses. Die Zuschauer dürfen beides genießen, die Aussicht und Friedrich Ani
Der Autor betritt mit 2(!) Gläsern Weißwein am 27. Juni das Podium. Keine schlechte Wahl.
Er schreibe am liebsten Vormittags und bei Sonnenschein. Damit lüftet er ein (offenes) Geheimnis. Schließlich begibt er sich mit seinen Protagonisten in die Dunkelheit. Auch in dem neuen Roman -  „All die unbewohnten Zimmer“.

Mit dabei, drei seiner bekanntesten Ermittler: Tabor Süden, Jakob Franck und Polonius Fischer. Sie beleuchten rechtes Terrain. Es geht hinab in die gesellschaftlichen Untiefen. 
Ani habe beim Schreiben festgestellt, dass die drei Ermittler zusammen nicht „funktionieren“, irgendetwas habe ihnen gefehlt. Doch plötzlich kam, wie das so oft bei ihm sei, eine Idee: eine vierte Figur. Fariza Nasri ist seine bayrische Kriminalkommissarin mit syrischen Wurzeln.
Alle Vier versuchen nun angesichts dieser rechtspopulistischen Welt, die sich ihnen eröffnet, einen Weg zu finden, um „aufrecht durchzugehen“.
„Ich erzähle vor dem Hintergrund einer sehr realen Welt“, erläutert Ani, „von Figuren die ihre Zimmer verloren haben. Ich möchte nicht aufklärerisch sein, sondern schreibe über die Erde, die ich kenne und wie sie mir vertraut ist.“
Auf die Frage von Moderator Günter Keil, wie er denn zu seinen Figuren käme, antwortet Ani: „Ich glaube, es gibt einen kosmischen Wartesaal und da sitzen sie alle, die Protagonisten und warten darauf, dass sie abgeholt werden. Ich bekomme dann halt die düsteren Typen. Sie könnten ja irgendwo anders hingehen. Aber nein, sie kommen zu mir. Aber wenn man nicht bei seinen Figuren ist, dann ist man falsch“.
Wenn Herr Ani über seine Figuren spricht, ist er ganz bei Ihnen, taucht ganz in sie ein und das mit einer spürbaren Liebe, mit Leidenschaft und großem Respekt.
„Ich bin Schriftsteller wenn ich schreibe. Ansonsten bin ich ein Typ, der herumläuft und in gastronomischen Bereichen herumirrt“.
Herr Ani spricht nicht über Privates und zeigt an diesem Abend doch so viel von sich. Und das mit Menschlichkeit und Bescheidenheit. Genau damit berührt und fesselt er den Zuhörer.
Ach ja, zwischendurch hat Friedrich Ani natürlich aus seinem neuen Roman vorgetragen, den man unbedingt lesen sollte - um mehr über die Weisheiten des Herrn Ani zu erfahren.
Heike Lacher
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Sonntag 30.06.2019
Iffeldorf: Ton Koopman & Klaus Mertens – Barocke Botschafter
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Foto T.Koopman: Foppe Schut; Foto K.Mertens: Foto: G. Mothes
Iffeldorf. Ton Koopman wurde von BR Klassik einmal augenzwinkernd gefragt, ob er lieber einen Tag ohne Bach oder einen Tag mit Techno-Musik verbringen würde. „Dann doch besser ein Tag ohne Bach“, war seine Antwort. Aber sicherheitshalber fügt er noch hinzu: „Ein Tag ohne Bach – das ist nix“. Also lieber ein wenig Techno – dafür aber ordentlich Bach? Wie auch immer.
Am gestrigen Abend war Ton Koopman zum wiederholten Mal in Iffeldorf zu den Meisterkonzerten zu Gast und hat hier, gemeinsam mit dem Bassbariton Klaus Mertens, dem Lassus-Consort und dem Lassus-Kammerchor seine immensen musikalischen Spuren hinterlassen. Und natürlich stand für den Bewahrer der Originalklang-Bewegung Bach im Repertoire, Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel, plus Mozart, plus Händel. Ein volles Programm also.
Und es verwundert nicht, dass Koopman, selbst an Cembalo und Orgel und dirigierend, das er sich übrigens autodidaktisch beibrachte, ein Konzert präsentierte, welches fast schon Superlative erfüllte. Und das in seiner ganzen Vielfalt. Denn es gab nicht nur Bachsche und Händelsche Kantaten. Auf dem Programm stand eben auch das Konzert A-Dur für Cembalo und Streicher BWV 1055 und das Andante F-Dur KV 616 von Wolfgang Amadeus Mozart.
Die musikalischen Stimmungen, die an diesem Abend bei hochsommerlichen Temperaturen das Gemeindezentrum erfüllten, konnten unterschiedlicher kaum sein. Was ihnen aber allen gemein war, war die begeisternde Musikalität und die profunde instrumentale Beherrschung aller Instrumentalisten.
Ton Koopman gelang es, vor der idyllischen Kulisse der Osterseen, ein regelrechtes musikalisches Fest zu zelebrieren. Er versteht es, seine Musiker mit Ruhe und Entschlossenheit zu empathischer Höchstleistung anzuspornen. Und er selbst, erst vor wenigen Wochen zum Präsident der Stiftung Bach-Archiv gewählt, war sowohl als begleitender, wie auch als solierender Interpret, ein Vorbild an konzentrierter, hingebungsvoller Konsequenz.
Mit dem wunderbaren Klaus Mertens, der als „einer der wichtigsten musikalischen Botschafter Bachs in unserer Zeit“ im Juni erst mit der Bach-Medaille ausgezeichnet wurde, gelingt Koopman eine ideale, um nicht zu sagen geniale Zusammenarbeit. Der Bassbariton begeistert durch seine ausdruckswarme, gefühlsbetonte Stimme. Er formt die Inhalte mit berückender Sensibilität, haucht den Noten Leben ein, beeindruckt mit makelloser Diktion. Bach liegt ihm im Blut.
Doch Koopman versteht es auch solistisch zu brillieren. In Mozarts Andante F-Dur KV 616, das der damals 34jährige Wolfgang Amadeus für das Wachsfiguren- und Kuriositätenkabinett des Grafen Deym geschrieben hat, speziell für sogenannte Orgelwalzen, jagt er erfrischend über das Manual und bringt eine aufgelockerte Stimmung wie zu einer Kirmes zum Ausdruck. Konzentriert und präzis spielt er, lebendig, mitreißend und humorvoll.
Zu welcher stimmlichen Dynamik der LASSUS-Kammerchor München in der Lage ist, wurde in „Lobet den Herrn“ BWV 320 deutlich. Die Artikulation und Phrasierung sind bis ins kleinste Detail hinein durchgestaltet und doch besticht das Ensemble durch eine gewisse Gelassenheit, die der Interpretation aufs Beste ansteht.
Und auch das LASSUS-Consort München zog das Publikum mit seinem warmen, dunklen Orchestertönen sofort in seinen Bann. Wenn Musik in Farben ausgedrückt wird, erstrahlt Bachs Konzert A-Dur für Cembalo und Streicher BWV 1055 in einem dunklen rot. Entwaffnende Schlichtheit, sanfte Streicherparts in matten Klangfarben und dazu Ton Koopmans fantasievolle, virtuose Solostimme am Cembalo. Das ist große, herzerwärmende Kunst und ein Vergnügen zugleich.
Jörg Konrad
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Freitag 07.06.2019
Germering: Omer Klein - Die Magie des Klavierspiels
Germering. Er jagt über die Tastatur und schlägt pianistische Purzelbäume, dass die Funken stieben. Dann wieder seziert er eine feine Melodie, bringt die kleinsten Noten einer berührenden Ballade zum Klingen und gibt der Stille eine musikalische Bedeutung. Oder er entwickelt aus einer abstrakten Figur ein bewegendes Thema, das sich dramaturgisch aufbläht und am Ende wie ein gewaltiges Orchester den Raum ausfüllt. Omer Klein beherrscht die Magie des Klavierspiels. Perfekt. Ob vollkommene Komposition oder lustvolle Improvisation, seine Musik hat Charisma, seine Ideen klingen konsequent und seine Konzerte sind, wie gestern Abend im Amadeussaal der Germeringer Stadthalle, ein großes Hörvergnügen.
„Man kann nicht in Israel bleiben und im Jazz Karriere machen“, hat Klein einmal in einem Interview erzählt. So ist er schon zeitig vom östlichen Mittelmeer kommend über Boston an den Hudson River gezogen, um in New York die Grundlagen des Jazz zu festigen und auszubauen. Irgendwann landete er dann in Düsseldorf und beschäftigte sich hier verstärkt mit der Wirkung von Theatermusik.
Auf seinen letzten beiden Alben SLEEPWALKERS und RADIO MEDITERIAN (beide Warner Music) spiegeln sich diese ganzen Eindrücke und Erfahrungen seines Lebens wieder. Und aus diesen reichhaltigen Erlebnissen und Eindrücken schöpfte er auch gestern bei seinem außergewöhnlichen Piano-Recital.
Seine Musik ist kraftvoll und bestimmt, egal ob er über Bop-Phrasen improvisiert, oder die Folklore seiner Heimat zitiert. Er findet einen wunderbaren Zugang zu Antonio Carlos Jobim und scheut sich auch nicht, sein Publikum mit dem Gassenhauer des Jazz schlechthin „What a Wonderful World“ in die Pause zu schicken.
Anschließend explodiert er förmlich, sprüht vor Humor und Vitalität. Er ist ein Meister der harmonischen Verschiebungen, ein „Bewohner von Zwischenräumen“, wie dies ein Kritiker einmal ausgedrückt hat. Dann wieder hält Omer Klein die Balance zwischen pianistischer Ausgelassenheit und intellektueller Kontrolle. Er verwischt genial die Themen, dringt tief hinein, ins Zentrum einer Komposition und überzeugt dann wieder mit impressionistischen Flüchtigkeiten. Einen eindringlicheren Musikabend konnte man sich zum 100.-Jubiläums-Konzert in der Germeringer Stadthalle nicht wünschen. Glückwunsch den Machern.
Jörg Konrad

Hier Bericht in der SZ/FFB
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Donnerstag 30.05.2019
Landsberg: Otto Lechner & Sväng – Musik als Herzensangelegenheiten
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Fto Sväng: Jimmy Träskelin
Landsberg. Wien, das kann man trotz aller aktuellen politischen Ereignisse getrost behaupten, ist in Europa so etwas wie der musikalische Schmelztiegel der Kulturen. Hier kreuzen seit Jahrzehnten, um nicht von Jahrhunderten zu sprechen, die Tangenten von Nord und Süd, von Ost und West. Musikalische Ereignisse, die neue Himmelsrichtungen erobern, machen, egal aus welcher Richtung kommend, in der Donaustadt erst einmal Rast. Und bevor sie wie die Zugvögel weiterziehen, bleibt ein Stück von ihnen zurück und bereichert kulturell nicht nur die österreichische Metropole.
Otto Lechner, seit über dreißig Jahren in Wien lebend, hat sich persönlich für ein Instrument entschieden, das wie wenige andere genau dieses Kulturen Überwindende und Verbindende versinnbildlicht: Das Akkordeon. Dieses „Ersatzklavier“ des kleinen Mannes ist sowohl in der Volksmusik zu Hause, wie mittlerweile auch in den großen europäischen Konzerthäusern dieser Welt; es wird in Südamerika mit ebensolcher Begeisterung gespielt, wie in Spanien oder Russland. Egal ob polnische Polkas oder irische Weisen, sizilianische oder finnische Folklore - das Akkordeon verkörpert ländliche Tradition und urbane Modernität zugleich. Wo wäre dieses Instrument also besser aufgehoben, ja platziert, als in Wien?
Am Mittwoch war Otto Lechner zum wiederholten Mal im Landsberger Stadttheater und präsentierte ein ganz spezielles Programm. Denn er spielte zusammen mit dem finnischen Mundharmonika Quartett Sväng. Ähnliches, was über das Akkordeon geschrieben wurde, gilt auch für die Mundharmonika. Beide, getragen auf dem Rücken und in den Taschen von Ein- und Auswanderern, waren einst auch Teil der ethnischen Wanderbewegungen der Menschheit der Moderne. Insofern stand das Konzert in Landsberg auch ganz im Zeichen einer volksmusikalischen Unabhängigkeitsbewegung.
Und so wundert es nicht, dass das Repertoire an diesem Abend tatsächlich etwas multikulturelles ausstrahlte. Es gab Tangos und Walzer, Schlager aus Japan, (Balkan-)Blues, (Gypsy-)Swing und Polkas, Interpretationen Jean Sibelius`, aus Joseph Haydns reichen Streichquartettschaffens und Filmmusik. Ein Potpourrie der Stile quer durch die Jahrhunderte.
Begonnen hat der Abend mit den Svängs und ihrer teilweise komödiantischen Virtuosität. Die Vier lassen an chromatischen und diatonischen Mundharmonikas in allen Größen und Stimmlagen die Luft heiß zirkulieren. Schwerstarbeit für Lungen und Lippen der Musiker. Wenn bei Eero Turkka, Eero Grundström, Jouko Kyhälä und Pasi Leino die instrumentalen Stimmen ineinandergreifen, klingen sie wie ein hochvirtuoses Orchester mit einem ganz spezifischen Sound. Sie spielen das Publikum schwindlig, motivieren und provozieren sich gegenseitig, befinden sich in einem ständigen Austausch von Ideen und Befindlichkeiten.
Nach der Pause dann der zeitlose, der begnadete Otto Lechner. Auch er bringt die Luft um sein volkseigenes Instrument herum zum vibrieren, besticht mit seiner spontanen  Frische und Erfindungskraft, wenn er über die Klaviatur, über die Bassregister und -manuale fliegt. Sein Spiel ist ein Tanz auf dem Vulkan stilistischer Absonderlichkeiten. Aber immer wirkt sein Tun bodenständig, begeistert seine Authentizität, reißen seine Improvisationen das Publikum mit.
Gemeinsam werden Lechner und Sväng dann zum erkundenden Quintett, ohne dass ihre filigranen, hochkonzentrierten Interpretationen an Qualität einbüßen. Ihr Spiel geht weit über die Formel vier plus eins hinaus. Sie finden, trotz unterschiedlicher Sozialisationen unter dem schützenden und inspirierenden Dach der Musik eine eigene, gemeinsame Sprache, die ihnen Herzensangelegenheit scheint.
Jörg Konrad

Text auch in der Augsburger Allgemeinen/Landsberg
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Donnerstag 23.05.2019
Fürstenfeld: Norma Winstone – In überzeugender Bescheidenheit
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Foto: TJ Krebs
Fürstenfeld. „Hab keine Angst vor Fehlern!“, sagte Norma Winstone erst vor wenigen Wochen in einem Gespräch mit dem Pianisten Pablo Held. „Wenn du zu vorsichtig bist, wirst du nichts neues entdecken.“
Genau diesen Weg geht die Sängerin seit nunmehr über fünf Jahrzehnten! Und wie sie am gestrigen Abend in Fürstenfeld unter Beweis stellte, hat sie selbst nichts von ihrem Mut und ihrem Charme, von ihrer stimmlichen Extravaganz und ihrem Gespür für Präsentation eingebüßt. Eine zusätzliche wie seltene Besonderheit der Engländerin ist: sie kann auch leise singen. Sie versteht sich immer als ein Teil eines Ensembles und nicht unbedingt und in jedem Moment als Solistin. Weder in Großbesetzungen, noch in der gruppendynamisch kleinst möglichen Besetzung.
Im Kleinen Saal des Veranstaltungsforum gastierte sie im Duo. JAZZ FIRST! macht`s möglich. An ihrer Seite der Pianist Glauco Venier  Beide konzentrierten sich bei ihrem Auftritt auf die Intimität eines stillen Dialogs. Auch wenn es Momente gab, in denen sie ihr ansonsten eher stilles Temperament enorm zu steigern wussten. Norma Winstone sucht in ihrem Mitspieler immer einen Partner, jemanden, mit dem sie zusammen etwas musikalisch entstehen lassen kann. „Ich würde es immer vorziehen, etwas zu spielen, das meine Mitmusiker/-innen auch mögen, anstatt zu sagen „Das will ich spielen!““ Die Eitelkeit hat bei ihr eben strikte Grenzen.
Das Repertoire bestand überwiegend aus Songs aus Norma Winstons letztem Album „Descansado – Songs For Films“ (ECM Records). Mit Sicherheit kein Zufall, dass sich die Sängerin mit Filmmusiken beschäftigt. Denn sie kommen ihrer Einstellung nahe, sich nicht allein vom Ego leiten zu lassen. Eine guter Soundtrack hat auch immer eine dienende Funktion. Er unterstützt Bilder, psychologische Entwicklungen, übersetzt Handlungen mit deren Charaktere in Klang. Und die hohe Kunst dieses Metiers ist es, bei aller Hingabe gleichzeitig etwas sehr eigenes, persönliches zu schaffen.
Die Kompositionen im Programm stammten unter anderen von Nino Rota, Ennio Moricone und Barnard Herrmann. Die Texte zu den Songs aus Filmen wie „Taxi Driver“, „Lisbon Story“ oder „Amarcord“  hat Norma Winstone selbst geschrieben. So bekommen diese Soundtracks neben ihrem melodischen Widererkennungswert auch eine ganze Menge interpretatorischer Persönlichkeit. Wunderbar, wie die Sängerin in überzeugender Bescheidenheit ihre Stimme erhebt und mit nur minimalen Verschiebungen völlig neuen Songs entstehen lässt. Sie bringt Tragik und Zerbrechlichkeit zum Ausdruck, Stolz und Freude, interpretiert in einem erfrischenden Understatement und ist von jedem Diseusen-Stil zum Glück meilenweit entfernt.
Immer verlässlich an ihrer Seite Pianist Glauco Venier. Der Italiener ist nicht nur ein großartiger Klavierspieler, sondern auch ein Menschenkenner, ein Empath, jemand, der sich mit Freuden auf den anderen einlässt, ihm zuhört, auf Fragen antwortet, ihn eben strukturiert begleitet. Wie selbstverständlich und damit eine Situation schaffend, in der mit Intelligenz und Emotionalität musikalisch Großes entstehen kann. Ein inspirierendes Konzert und eines der besten dieser Reihe.
Jörg Konrad
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Sonntag 19.05.2019
Landsberg: Rymden – Ein Mosaik vieler Ideen
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Foto: Egil Hansen
Landsberg. Mit sogenannten „Supergroups“ ist das so eine Sache. Die Namen der Mitglieder lassen in ihrer Summe die Erwartungshaltung oft in unerreichbare Höhen schnellen. Schließlich haben sie mit ihren einzelnen Projekten schon zuvor für immenses Aufsehen gesorgt. Warum also nicht nach dem Man-nehme-Prinzip die besten Zutaten, sprich Instrumentalisten, unkritisch zusammenbringen und miteinander kräftig verrühren? Ein bewährtes Rezept im Rock`n Roll-Circus (Cream, Traveling Wilburys), in der Klassik (Drei Tenöre) als auch im Jazz (Blue Note 7 oder dieser Tage erst das Quartett 4 Wheel Drive auf dem Label Act). Aber nicht immer befriedigt eben, im Gegensatz zum wirtschaftlichen Anspruch eines solchen Unternehmens, das Ergebnis auch qualitativ,
Vor ein paar Monaten nun hat sich ein neues Supertrio im Jazz zusammengefunden: Rymden. Bestehend aus dem Pianisten Bugge Wesseltoft, dem Bassisten Dan Berglund sowie dem Schlagzeuger Magnus Öström. Jeder für sich hat in der Vergangenheit schon für besondere musikalische Ausrufezeichen gesorgt. Und natürlich läuten bei allen Kennern des Metiers auch rückblickend sämtliche Erinnerungsglocken. Schließlich handelt es sich bei dieser Formation um zwei Drittel des vor gut zehn Jahren so tragisch auseinandergebrochenen Esbjörn Svensson Trio. Und so legt Rymden die Vermutung nahe, dass es jetzt eine Art Fortsetzung dieser einstigen Erfolgsgeschichte geben könnte.
„Ich will die Erinnerung an Esbjörn nicht überdecken. Aber ich selbst habe einfach nach einem coolen neuen Sound für dieses Trio gesucht“, sagte Pianist Bugge Wesseltoft in einem Interview erst dieser Tage. Ein Album des Trios liegt schon seit Februar vor – derzeit befinden sich die drei Musiker auf zugehöriger Welttournee. Gestern Abend nun das lang erwartete Gastspiel in Landsberg. Und auch wenn Wesseltoft sich verbal deutlich von der Legende EST distanziert, so wirklich gelang dies der Band musikalisch-inhaltlich nicht. Es war eben jene Mischung aus Club- und Popkultur, treibender Rhythmik und solistischen Bravourstücken, wie sie für den Jazz typisch sind, die wie ein Fortsetzung des alten Erfolgsrezeptes klang. Doch es fehlte dem Trio eine innere Geschlossenheit, ein überzeugendes (neues) Konzept, einfach Vitalität. Vieles war Stückwerk, schien nicht konsequent zu Ende gedacht, es fehlte die flüssige Leichtigkeit. Der Abend insgesamt ein Mosaik zu vieler Ideen und manch (über-)großer Gesten.
Dabei war die Ausgangslage optimal. Wesseltoft, Berglund und Öström sind musikalisch durchweg ähnlich sozialisiert und scheuen keine Herausforderung. Für sie alle sind Prog-Metal, freie Improvisation, Volksmusik und elektronische Dance-Grooves keine Gegensätze. Insofern können sie gemeinsam aus einem unglaublich weiten musikalischen Kosmos schöpfen, ohne Berührungsängste. Mutig sind sie allemal – das haben sie rückblickend und jeder für sich schon oft unter Beweis gestellt. Und so wurde man am Schluss das Gefühl nicht los, dass eine Band auf der Bühne stand, die für etwas stellvertretend gefeiert wurde, was man seit über zehn Jahren schmerzlich vermisst – und das so nicht wiederkommen kann.
Jörg Konrad
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Autor: Siehe Artikel
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